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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von ..."

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UßKMDEN UND ACTENSTÜCKE 

ZUR GESCHICHTE 

DES 

KURFteSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BEANDENBÜRG. 



AUF VERANLASSUNG SEINER HOCHSELIGEN MAJESTÄT DES KAISERS 
FRIEDRICH ALS KRONPRINZEN VON PREUSSEN. 



DREIZEHNTER BAND. 



BERLIN. 
DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 

1890. 



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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUR GESCHICHTE DES 

KÜRFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBÜRG. 



POLITISCHE VERHANDLUNGEN. 



NEUNTER BAND. 



HERAUSGEGEBEN 



D»- REINHOLD BRODE. 

PRIVATDOCENT DER GESCHICHTE AM DER K. FRIEDRICH8-ÜNIVBRSITÄT HALLE. 



BERLIN. 

DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIUER. 
1890. 



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y4^ A</^o*/ 



HARVARD COüPfiP LIBRARY 
JAN 6-1905 



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Vorwort. 



Mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die Herausgabe der 
Urkunden and Actenstttcke zur Geschichte des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm von Brandenburg weiterzuführen, bin ich 
bestrebt gewesen, in allen Einzelfragen der Edition dieselben 
Grundsätze zu beobachten, wie sie die wissenschaftliche 
Forschung an den Leistungen meiner Vorgänger auf diesem 
Arbeitsfelde bewährt gefunden. 

Die diplomatischen Verhandlungen treten mit dem vor- 
liegenden Baude dieser Sammlung in diejenige Epoche der 
kurfürstlichen Regierung ein, in welcher durch den nieder- 
ländischen Krieg sich die dominirende Stellung Frankreichs 
in Europa begründet. Wie in den Jahren 1671 — 1675 
Frankreich, so steht in den Jahren 1675 — 1678 Schwe- 
den ftlr Brandenburg im Vordergrunde des politischen In- 
teresses. In beiden Perioden ist der Kurfürst zur Abwehr 
Zug um Zug der französischen und der schwedischen Ueber- 
macht gezwungen. Mit diesem Thatbestand ist die Disposition 
dieses und des folgenden Bandes gegeben: der erstere be- 
handelt den französischen, der letztere den schwedischen 
Conflikt. 

Um die Haltung des Kurfürsten in der französischen 
Frage, d. h. in Sachen der Action gegen Frankreich, er- 



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VI V o r w olr t. 

kennen zu .lassen, seine weitgehende Thätigkeit und seine 
%hrende"^ Initiative gegenüber der Saumseligkeit der Reichs- 
stände^; einfürallemal actenmässig klarzustellen, war es not- 
wendig^ den diplomatischen Austausch Friedrich Wilhelms 
mit seinen deutschen MitfUrsten auf breitester Grundlage zu 
durchforschen. Der erste Abschnitt, zur Vorgeschichte des 
deutsch-französischen Krieges betitelt, umfasst dementsprechend 
des Kurfürsten Verhandlungen mit den Reichsständen, mit den 
Alliirten Frankreich sowol wie mit den neutral und zu- 
stimmend Gesinnten. Sachkundige werden es billigen, dass 
auch die gegnerischen und missgUnstigen Stimmen gebttrend 
zu Worte kommen. Den gegen Frankreich unternommenen 
Winterfeldzug von 1672 auf 1673, welcher das Ergebnis 
dieser Verhandlungen war, begleiten die Acten des zweiten 
Abschnitts; hierher gehört jener eigenartige Schriftwechsel 
des Kurfürsten mit seinen Geheimen Räten, der in der Ein- 
leitung dieses Abschnittes seine Charakteristik findet 

Der dritte Abschnitt hat den Sonderfrieden zwischen 
Kurbrandenburg und Frankreich zum Gegenstande. Zum 
ersten Male vollständig werden hier Meinders' wichtige Re- 
lationen aus dem französischen Hauptquartier zur Kenntnis 
gebracht. Aber nicht blos das Zustandekommen des Separat- 
vertrages mit Ludwig XIV. galt es zu erläutern ; auch das 
Abkommen mit den einzelnen Alliirten Brandenburgs musste 
an der Hand der Acten klargelegt werden. Der vierte Ab- 
schnitt ist der Campagne von 1674 auf 75, welche auf des 
KurfUrsten Betreiben im Elsass ausgefochten wurde, und den 
neben dem Kampfe hergehenden diplomatischen Actionen ge- 
widmet. 

Ein besonderes Interesse endlich gewährt der fünfte 
und letzte Abschnitt: Brandenburg und die Niederlande. Da 
diese Schriftstücke den Gang der Begebenheiten von 1671 
bis 1675 dauernd begleiten, so erschien es zweckmässig, die- 



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Vorwort. VII 

selben nicht an verschiedenen Stellen einzufügen, sondern in 
zusammenhängender Folge als ein Ganzes zu belassen. Sie 
enthalten die von brandenburgischer Seite nach dem Haag 
abgeordneten Gesandtschaften und gehen so den Verhand- 
lungen mit Holland im 3. Bande parallel, dieselben erläuternd 
und ergänzend. Mit dem Haager Protocoll vom 15. Mai 1675, 
durch welches die E^riegserklärung der AUiirten gegen Schwe- 
den ausgesprochen wurde, endet der vorliegende Band. 

Die Acten dieses Bandes gehören dem Berliner Geheimen 
Staatsarchiv an. Den Beamten desselben fühle ich mich für 
freundliche Förderung und stets bereitwillige Beihilfe, wie sie 
mir namentlich durch die Herren Archivräte Dr. Fried- 
laender und Dr. Heger t, Herrn Staatsarchivar Dr. Mei- 
nardus und Dr. Friedrich Meinecke zu teil geworden, 
zu aufrichtigem Danke verpflichtet. 

Ein paar Documente sind dem Herzoglich Anhaltischen 
Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst entnommen; dagegen musste 
die Hauptausbeute von dort her, die auf den Statthalter der 
Kurmark, den Fürsten Johann Georg von Anhalt -Dessau, 
bezügliche Urkundenmenge, flir den folgenden Band zurück- 
gelegt werden. Desgleichen stammt eine Reihe wichtiger 
Schriftstücke, den in des Kurfürsten Diensten befindlichen 
Herzog August von Holstein-Plön betreffend, aus dem König- 
lichen Staatsarchiv zu Schleswig. Die Provenienz der Stücke 
ist an zugehöriger Stelle im Texte angegeben. Den Vor- 
ständen beider Institute, Herrn Archivrat Dr. Kind scher in 
Zerbst, Herrn Archivrat Dr. Hille in Schleswig, sei auch 
an dieser Stelle mein verbindlichster Dank für ihre Mühe- 
waltung ausgesprochen. 

Halle, Mai 1890. 

Relnhold Brode. 



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Inhalt 



StiU 

Vorwort V 

lohalt VIII 

I. Zur Vorgeschichte des deutsch-französischen 
Krieges. 1671. 1672. 

Einleitung 3 

Acten. 

1. Brandenburg und Frankreich. 1671. 1672 15 

a. Die Berichte v. Crockows aus Paris 15. b. Die 
zweimalige Sendung des Qrafen de la Vauguion nach 
Berlin, a. Die erste Sendung 85. ß. Die zweite 
Sendung 88. 

2. Die französischen A Härten Kurcölln (Strassburg) und 
Munster 92 

a. Aus Blaspeils Berichten 92. b. Schriftwechsel Kur- 
brandenburgs mit den französischen AUiirten 127. 

3. Die Haltung der Neutralen 153 

a. y. Marenholtz's erste Sendung an Kurmainz 153. 
▼. Marenholtz's zweite Sendung 161. y. Marenholts's 
dritte Sendung 105. d. Verhandlungen mit Kursachsen 
170. e. Schriftwechsel mit Pfalzneuburg 186. 

4. Die Verbündeten Kurbrandenburgs 191 

a. Der Vertrag mit dem Kaiser, a. Correspondenz 
des Kurfürsten mit Kaiser Leopold 191. ß. Anhalts 
erste Negotiation nach Wien 199. y* Anhalts zweite 
Negotiation nach Wien 222. b. Der Anschluss yon 
Brandenburg-Baireuth 233. c. Das Braunschweiger 
Bündnis 238. 

II. Der Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

Einleitung 259 



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Inhalt. IX 

Acten. 8«ite 

1. Der Aufbruch ^267 

a. Montecuccoli. Relationen v. Heidens 267. b. Die 
Convention mit dem Herzog von Lothringen 272. 

2. Der Yormarsch an den Main 277 

a. Gorrespondenz mit Kaiser Leopold 277. b. Schrei- 
ben and Gesandtschaften an einzelne Reichsstände 285. 
a. ß. Kurmainz 287. y. Kurtrier 304. S. Hessen-Bhein- 
fels und Hessen-Darmstadt 321. e. Pfalzneuburg 329. 
- C- Lüneburg -Celle 332. c. Schriftwechsel mit den 
Geheimen Bäten 335. 

3. Der Bäckzug durch Westfalen 372 

a. Schriftwechsel mit den Geheimen Bäten 272. 

b. Schriftwechsel mit Kaiser Leopold 426. c. Schrei- 
) ben und Gesandtschaften an einzelne Beichsstande. 

«.An die braunschweigischen Häuser 437. ß. Sen- 
dung an Kurbaiern 449. 7. Resolution Kursachsens 
459. 

Anhang. Vermischte Actenstucke vorwiegend militärischen 
Inhalts 463 

IIL Der kurbrandenburgische Separatfriede. 

Einleitung 477 

Acten. 

1. Vorverhandlungen 482 

a. Friedensverhandlungen mit Pfalzneuburg 482. 

b. Friedensverhandlungen mit Braunschweig- Osna- 
brück 491. 

2. Die Mission Meinders' in das französische Hauptquartier 

zu Vossem 498 

3. Das Abkommen mit Kurcöln und Münster 556 

4. Verhandlungen mit dem Wiener Hofe 565 

IV. Der deutsch-französische Krieg von 1674 auf 1675. 

Einleitung 611 

Acten. 

1. Beratungen und Vorbereitungen 616 

a. Des Kurfürsten Bescripte nach Wien 616. Blas- 
peils Verhandlungen mit den Alliirten 632. 

2. Der Feldzug im Elsass 648 

a. Rescripte an Geheime Räte und Generalität, 
a. Schriftwechsel mit den Räten im Elsass 648. 
ß. Schriftwechsel mit Braunschweig- Celle 658. 
7. Schriftwechsel mit Lothringen 666. §. Instructionen 
und Rescripte an den Herzog August zu Schleswig- 
Holstein 672. Militärische Schriftstucke 677. 

Hftter. a. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIII. * 



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X Inhalt. 

Seite 

3. VerhaDdlaDgeD mit dem Wiener Hofe 680 

a. Schriftwechsel mit Kaiser Leopold 680. b. Des 
Kurfürsten Rescripte nach Wien und Crockows Be- 
richte 705. 

V. Brandenburg und die Niederlande. 1672—1675. 

Einleitung 759 

Acten. 

1. Gesandtschaften Brandenburgs an die Generalstaaten 762 

a. Die erste Sendung v. Polnitz's (1672) 762. b. Die 
Gesandtschaft v. Krosigk's (1672) 781. c. Die zweite 
Sendung v. Polnitz's (1673) 784. d. Die Gesandt- 
schaft Derfifliogers (1674) 793. 

2. Das Haager Protocoll vom 15. Mai 1675 798—810 

Personenverzeichnis 811 



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Zur Vorgeschichte des deutsch- 
französischen Krieges. 

1671. 1672. 



liaMr. B. Oescb. d. G. Kurfürsten. XIII. 



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Einleitung. 



Der DevolotioDskrieg König Ludwigs XIV. hat der Staateogesellschaft 
des siebzehnten Jahrhunderts den ersten allseitig fühlbaren Beweis von dem 
Uebergewicht der Krone Frankreich geliefert: insofern bezeichnet das 
Jahr 1667 einen Wendepunkt in der neueren Geschichte. 

Diese überragende Machtstellung des Königtums der ßourbonen tritt 
zunächst nicht sowol in dem Ergebnis «Is in dem Zweck jener ausgreifen- 
den Unternehmung zu Tage. Denn im ganzen erfüllte der Friede zu 
Aachen vom 2. Mai 1668 die französischen Praetensionen nicht; der Succes* 
sionsansprnch des Königs auf die Spanischen Niederlande ward abgewiesen. 
Aber die in Wahrheit vornehmste Absicht, Verstärkung und Erweiterung 
der französischen Reichsgrenzen , blieb erreicht. — Es ist diese Richtung, 
welche — im französischen Sinne gesprochen — den kommenden Decennien 
ihren Inhalt giebt; welche dem Herrscherwillen Ludwigs XIV. immer neue 
Probleme schafft und aus der völkerrechtlichen Stellung Frankreichs her- 
geleitete Doctrinen, wie diejenige der Universalmonarchie, ihrer Verwirk- 
lichung entgegenzuführen unternimmt. Durch die Verkettungen, die sie 
selbst hervorruft, äussert diese Politik der Entwürfe ihre Einflüsse auf das 
europäische Staatensystem von nun an in einer bisher nicht gekannten 
Weise. 

Denn wenn es der Tripleallianz gelungen war, den Forderungen eines 
gewaltsamen Anpralls für eine Weile Einhalt zu gebieten, so mnsste für 
die franzöbische Krone in dem Widerstände der sich hier entgegenstemmte 
ein Antrieb zu erneuertem Vorgehen, ein Stachel zur Rache an dem hem- 
menden Niederland liegen. Mit solchen Gewaltstreichen entsprach sie folge- 
richtig einem Streben, zu welchem im letzten Grunde der Westfälische und 
der Pyrenäische Friede, der den ersteren hinsichtlich Frankreichs ergänzte, 
die Unterlage geschaffen hatte. Auf immer kühnere Ziele gerichtet, unter- 
stützt von dem Eifer unbedingt ergebener Werkzeuge, errang der jugend- 



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4 EinleitnnfiT. 

liehe Monarch, seitdem er selbständig als seia eigener erster Minister die 
Regierung in die Hand genommen hatte, aaf der also gewiesenen Bahn 
Erfolg auf Erfolg. Lothringen ward occupirt, die Tripleallianz gesprengt, 
erst England durch den Vertrag von Dover vom 1. Juni 1670, dann Schwe- 
den durch das folgenschwere Bündnis vom 14. April 1672 auf die Seite 
Frankreichs gezogen. — Aber alle Pläne beherrschend fasste der Gedanke 
an eine Züchtigung der Niederländer" die Summe aller Massregeln zu einem 
einzigen grossen Endziel znsamroeo. Als der König den Zeitpunkt für ge- 
kommen erachtete, Hess er — mit dem Aufwand ungeheurer Mittel — gegen 
die Republik der Yereinigten Provinzen den Schlag führen, welcher fünf 
Jahre zuvor nur halb gelungen war, während er jetzt den Freistaat, isolirt 
wie er war, zu Boden warf und mit völliger Vernichtung bedrohte. 

Zumerstenmale wieder seit den Tagen des dreissigjährigen Krieges 
macht sich mit dem Ausbruch dieser französisch-holländischen Kämpfe die 
Einwirkung Frankreichs auf das Deutsche Reich in seiner Ganzheit in nach- 
drücklicher Weise bemerkbar. 

Wol hatte die Staatskunst Mazarins (1658) die Rheinische Allianz, deren 
Keime ja in dem Münsterer Friedensinstrument verborgen liegen, unter dem 
Protectorate des ^Garanten^ Frankreich geschaffen. Einen innerdeutschen 
Hader, den Streit um das Wildfangsrecht zwischen Kurpfalz und Kurmainz, 
hatte durch den Spruch von lleilbronn (1668) Frankreich geschlichtet. 
Ebenso war ein anderer Zwiespalt, der Münsterische Zwist mit Höxter 
(1671), nicht ohne Einmischung französischer Emissäre beglichen werden. 
Auch Frankreichs Waffen hatten ein Resultat erzielt; wenige Jahre nach 
dem selbständigen Regierungsantritte König Ludwigs hatten anlässlich der 
Erfurter Händel (1664) französische Truppen auf dem Reichsboden operirt, 
die Stadt Erfurt der Botmässigkeit des Mainzers zurückerworben. Unstreitige 
Zeugnisse eines diplomatischen und militärischen Dominats. — Aber der 
Frühling 1672 brachte dem heiligen Reiche etwas noch nicht Erlebtes : die 
nahezu gesamte Streitmacht der kriegsbereiten Monarchie stand vor den 
Nordgrenzen des Königreichs entfaltet und drückte mit ihrer Flanke auf die 
deutschen Territorien am Niederrhein. Wurden diese überflutet, so waren 
die Folgen unabsehbar, welche aus einem solchen Einbruch entspringen 
mussten. 

Vergegenwärtigen wir uns nach diesem allgemeinen Ueberblick*) die 
Haltung Brandenburgs seit den ersten Beeinflussungen des offlciellen 
Deutschlands durch dib französischen Pläne. Auch Kurfürst Friedrich 
Wilhelm war, nach langem Schwanken freilich und unter modificirenden 
Bedingungen, — am 18. November 1665 — der „Rheinischen Defensiv- 



Ausführlicher handelt über die Machteotfaltang Frankreichs gegenüber 
dem Deutschen Reiche Droysen Geschichte der Preussischen Politik 111,3, 
47 fgg. und neuerdings v. Zwiedineck-Südenhorat, Deutsche Geschichte 
1648-1740 I, 255 fgg. 



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Einleitung. 5 

allianz^ beigetreten, als der Druck der Verhältnisse zur Anlehnung an 
Frankreich nötigte. Bald darauf hatte ihn die Qaadrupleallianz für eine 
Weile aus dieser Verstrickung los gemacht. — Noch einmal, und diesmal 
fester denn je, schien ihn der geheime Vertrag vom 31. Dezember 1669*), 
welcher die Erneuerung des Rheinbandes bezweckte^ an Frankreich ketten 
zu wollen : auf einige Bedingungen negativer Art, auf welche der Kurfürst 
eingeht, wird ihm von Ludwig XIV. die Aussicht auf Ausrundung seiner 
rheinischen Gebiete durch den Erwerb von Geldern, Venloo, Roermonde 
eröffnet: Frankreich behält dabei den Gewinn der Spanischen Nieder- 
lande als ein zu erreichendes Ziel im Auge. Derjenigen Coalition, welche 
dieser Politik entgegentreten könne, der Tripleallianz, hält sich der 
Kurfürst fern. Jedoch dass er gänzlich in dies also ausgebildete 
Systeooi gezogen wurde, davor bewahrten ihn die französischen Ten- 
denzen selbst, wie sie sich während der Jahre 1670 und 1671 immer deut- 
licher enthüllten. 

Die Propositionen 2) des Cölner Domherren Landgrafen Wilhelm 
Egon zu Fürstenberg anlässlich seiner Berliner Mission im Januar 
1670 beantragten eine engere Vereinigung Knrcölns und Kurbrandenburgs 
als der beiden bei einem Ausbruch etwaiger Wirren im Westen am meisten 
gefährdeten Eurstaaten. Aber diese Vorschläge erwiesen sich als franzö- 
sische Eingebungen. Genug, dass sie es aussprachen, dass der Angriffs- 
krieg Frankreichs gegen die Niederlande beschlossen sei; dass es für 
die Kurfürsten darauf ankomme, entweder dieser Ruptur, die nur eine 
Frage der Zeit sein könne, mit vereinter Bemühung entgegenzuarbeiten 
oder aber rund heraus sich für einen der streitenden Teile zu erklären. 
Wobei die Rücksicht, dass bei ausbrechendem Kriege Frankreich kur- 
cölnisches wie kurbrandenburgisches Gebiet unberührt lassen werde, in 
keinem Falle zu erhoffen sei. — 

An den rheinischen Kurhöfen hatte die Betriebsamkeit der französischen 
Staatslenker seit langem ihr ergiebiges Feld gefunden. Ganz besonders 
bewährte sich Cöln*) als Heerd der französischen Propaganda, und dass in 
dieser bedeutungsvollen Alternative, wie sie durch Fürstenberg als Organ 
Frankreichs gestellt worden, die Umgebung Max Heinrich's den still- 
schweigenden Vorbehalt der Parteinahme fürFrankreich hegte, wird 
sich nach dem Gang der späteren Ereignisse kaum bezweifeln lassen. Im 
December erneuerte der Fürst seine Kundgebungen. Es fehlte, so merkte 
man schon jetzt in Berlin, nicht an Anzeichen eines näheren Einverständ- 



^) V. Moeroer Kurbrandenburgs Staate vertrage Anh. S. 691. 

^ Ueber die FürstenbergiBcheo FropositioneD Droysen a. a. 0. 220. 221. 
Die hier folgeade Darstellung nach den Acten des Geheimeo StaatflarchivB. 

^ Vgl. K. Th. Heigel, Das Project einer Wittelsbachischen Hausnnion 
unter acbwedischem Protectorat (io Quellen und AbbandlungeD zur neueren Ge- 
schichte Bayerns. 1884. S. 8 fgg.). 



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6 EiDleitnng. 

DisBes Earcölns mit der Eroae F rank reich ^). Trotzdem ODterdrückte der 
Korfürst vorerst jeden Argwohn. Versicherte doch der eingeweihte Nachbar, 
der Münsterer Fürstbischof Christoph Bernard^ anf das bestimmteste, 
dass der rheinische Prälat noch ganz freie Hände hätte, dass von dorther 
nichts zn besorgen sei. Ja mehr: Münster und Pfalznenbnrg waren es, 
neben Enrbrandenbnrg die ausschreibenden Fürsten des Westfälischen 
Kreises, welche darch eigene Abgesandte zo Beginn des Jahres 1671 am 
Berliner Hofe in Anregung brachten, „sich wider alle besorgeud^Feindselig- 
keiten in gute Verfassung und Sicherheit zu setzen^; und in gutem Glau- 
ben wurden brandenbnrgischerseits der Clevische Regierungsrath Werner 
Wilhelm Blaspeil und der Geheime Rath Friedrich von Jena') auf 
bestimmte Abmachungen betreffend die Webrhaftmachung des Westfälischen 
Kreises instruirt. Schneller als es die Regel war kam man zu einem 
Schluss. Die Stellung einer Kreisarmee von 15000 Mann — diese zu be- 
stimmt vorgeschriebenen Teilen anf Münster, Kurbrandenburg und 
Pfalzneuburg entfallend — ward stipulirt, der Recess am T.April 1671 
zu Bielefeld unterzeichnet. Am 17. ratificirte Brandenburg, am 19. 
Pfalzneuburg, am 23. Münster den Vergleich. Auch ein Hinzutritt 
Kurcölns war in Frage gekommen. Da jedoch Max Heinrich Weit- 
läufigkeiten machte, anstatt Bielefelds, woselbst man bereits im Werke be- 
griffen war, Hildesheim oder Cöln als Ort der Debatten vorschlug, hatte 
man vorerst von einem Beitritt Kurcölns Abstand genommen. Einen 
späteren Accessionsrecess desselben hat der Kurfürst von Brandenburg 
nicht ratificirt. 

Diesem Bielefelder Bündnis folgten die Präliminarien zu einem neuen 
Kreistage. Die Ladung sämtlicher Kreisstände erging nach Bielefeld, auf 
brandenbnrgisches Gebiet. Die Eröffnung ward auf den 22. Juni angesetzt, 
am 1. Juli legten die brandenburgiscben Deputirtcn ihre Proposition ab, so 
wie sie der Tenor der Allianz in der Hauptsache vorgezeichnet hatte. 

Die Anordnungen dieses Kreistages fallen unter jene damals meist so 
aussichtslos unternommenen Anläufe, unter jene Bemühungen um die ,,Sicher- 
stellung* d. i. die Wehrhaftmachung einzelner Kreise gegen Willkürlich- 
keiteu auswärtiger Mächte. Hatten die Kreisdirectoren bereits durch Auf- 
stellung ihres Bielefelder Recesses diesmal in der That etwas erreicht, so 
verliefen die Sessionen selbst nicht anders als die der meisten verwandten 
Unternehmungen. iNicht nur, dass einzelne Stände an der Höhe des 
Truppenquantums Anstoss nahmen, dass sie in den einschlägigen Fragen, 

*) d. d. Schönebeck ^'qI^^/ 1671 äussert Kf. an Blaspeil: „er müsse doch 

wegen allerhand Gerüchten, dadarch das Widerspiel aasgespreoget wird [Dämlich 
von Kurcölns friedliebeoden Versicherungen], in Sorge stehen, ob der Effect 
mit den Worten übereinkommen werde.'' 

^ Ueber ihn und seine früheren Unternehmungen s. Urkk. u. Acteustst XI, 
615 fgg. 

*) Instruction d. d. Coellu a. Sp. 7./17. Februar 1671. 



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Einleiton^^. 7 

wie in solchem Falle eine beliebte and bänfig geübte Praxis, sich mit man- 
gelnder Instmetion entschuldigten — Münster selbst kehrte ziemlich un- 
vermittelt eine ganz veränderte Haltung heraus: es wollte das Ereisobersten- 
amt ausschliesslich an sich bringen. Was bedeutete das in den Augen der 
Mitst&nde anders als den Kreis militärisch zu Münsters Verfügung stellen 7 
Das von Eurbrandenburg vorgeschlagene Auskunftsmittel besänftigte 
den Fürstbischof nicht, wenn er auch anfänglich darauf einzugehen 
schien. Noch war es ja nicht ausgemacht, in wie weit er mit seiner For- 
derung ein selbstisches Interesse befriedigen mochte. Aber mit jener Prä- 
tension regte sich der Verdacht der Stände, um die Einigkeit war es ge- 
schehen. An eine solide Frucht weiterer Debatten war nicht mehr zu 
denken. Auch der Eurfürst willigte in die am 20. August erfolgende 
„Vertagung^ der Versammlung. — Während derselben hatte Fürst Wil- 
helm zu Fürstenberg, von dem französischen Gesandten Grafen 
V er jus unterstützt, mit seinen Vorschlägen nicht geschwiegen. Nicht um- 
sonst war er bei König. Ludwig zu Dünkirchen gewesen. Sein Herr, der 
Kurfürst von Cöln, Hess jetzt mit der Entscheidung in jener oben ent- 
wickelten Alternative nicht länger auf sich warten. Er schloss am 11. Juni 
1671 den gewünschten Neutralitätsvertrag mit Ludwig XIV. Hingegen 
billigte der Kurfürst von Brandenburg den Bescheid seiner Biele- 
felder Deputirten an den Agenten Frankreichs und wies sie an, auch ferner 
geltend zu machen, „dass bei ihm weder Remonstrationes noch Persua- 
siones verfangen würden^, dass er sich vielmehr über Neutralität oder An- 
nahme einer bestimmten Partei dann erst entscheiden könnte, wenn er das- 
jenige „Eslaircissement'' erlangt haben würde, ,)das allein die Zeit und 
der Lauf der Affairen zu geben vermöge^.') 

Der Bielefelder Ereistag ist die letzte deutsche Stände Versammlung 
vor dem Ausbruch des grossen französisch-holländischen Krieges, welche, 
formell gegen die Machtentfaltung Frankreichs gerichtet, mittelbar gerade 
durch die Minirarbeit französischer Agenten zu Falle kommt. In diesem 
negativen Resultat liegt seine Wichtigkeit. Aus diesem Gesichtspunkte be- 
deutet er den Anbruch einer neuen Phase für die Entwickelung der inner- 
deutschen Angelegenheiten. 

Ergebnisreicher war sein Nachspiel, der Congress zu Cöln vom Sep- 
tember bis December 1671. 

Hier fanden sowol Frankreich wie das officielle Deutschland, beide auf 
besondere Weise, ihre Rechnung. Es sollten die zwischen der Reichs- 
stadt und dem Kurfürst-Erzbischof seit langem obschwebenden Strei- 
tigkeiten') zu endlichem Austrag gebracht werden. Eine Commission von 



Der Ef. ao die GesaDdten d. d. Goelln a. Sp. 20./30- Juni 1671. 

') Dieselben sind entwickelt in dem, in anderen Partien, weil einseitig nach 
französischen Quellen gearbeitet, vielfach unkritischen Buche von L. Bnnen 
Frankreich und der Niederrhein I, S. 196 fgg. Dio Personennamen erscheinen 
bei Ennen mitunter bis znr Unkenntlichkeit misshandelt. 



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g Einleitung. 

Delegirteo der westfälischen Kreisstände fand sich ein: von branden- 
bnrgischer Seite führte Rath Blaspeil das Wort, neben ihm Johann 
de Beyer nnd der Karbrandenburgische Resident in Cöln Robert 
Weiler, ferner der Kaiserliche Commissar Marqnis de Grana, dazu 
Eorcölnische, Kartrierische, Knrmainzische Snbdelegirte. Zwar 
hätte der Fürstbischof von Strassbnrg. Franz Egon, ein Bruder des 
Prinzen Wilhelm zu Fürstenberg, damals der eigentliche Regent des Oöluer 
Landes 9 die Beratungen gern nach Bonn gezogen; indessen es blieb bei 
Cöln. Am 11. September trat man zusammen; Gonferenz folgte auf Con- 
ferenz, wobei Audienzen bei den genannten Fürsten nebenher gingen. 
Nach langwierigen Besprechungen kam ein Interimsrecess heraus, welcher 
die Reichsstadt verpflichtete, die holländischen Truppen, ein Regiment anter 
dem Obrist Baimphield, zu entlassen, nnd sie dafür unter den Schirm 
der vereinigten Kreis Völker stellte. Wenn auch durchaus keine genügende 
Sicherung der Stadt vor auswärtigen Uebergriffen, so doch ein rechtskräf- 
tiger Abschlnss Jahrzehnte lang mit Erbitterang darchgefochtener Händel. 

Gerade durch ein langjähriges Eingreifen der Niederländischen Bnndes- 
behörde hatten sich hier in Cöln, wie an der deutsch -niederländischen 
Grenze überhaupt die Reibungen verschärft; die Gegensätze erschienen hier 
auf eigentümliche Art in einander gekettet. Eine Reihe fester Plätze, zum 
Teil noch Siegespreise aus den Unabhängigkeitskämpfen der ünirten Pro- 
vinzen, zum Teil Eroberungen aus dem dreissigjährigen Kriege her, war 
von der Republicanischen Regierung zurückbehalten oder wenigstens mit 
verteidigungsfähigen Garnisonen ausgestattet worden. Auf staatischer Seite 
hatte man sich an diese Usurpation gewöhnt nnd die bewaffneten Punkte 
als eine willkommene Rückendeckung gegen Umtriebe deutscher Kleinfürsten 
an der Südostgrenze des Freistaats aufrecht erhalten. Es genügt in diesem 
Zusammenhange festzustellen, dass in dem brandenburgischen Herzogtume 
Cleve den Plätzen Emmerich, Rees, Wesel, Büderich, Orsoy und 
dem Fort Schenkenschanze ein derartiges Schicksal wiederfahren war; 
wozu die Niederländische Regierung dann noch den Zoll zu Gennep 
beanspruchte, da wo die Maas auf eine kurze Streike clevischea Gebiet 
bcbpült. 

Freilich musste Kürfürst Friedrich Wilhelm, je mehr auch in den 
neuen, hinzuererbten Territorien sein Regiment erstarkte, über kurz oder 
lang den Abzug der fremden Soldatesca veranlassen. Wiederholt waren 
von seiner Seite Restitutionsgesuche hinsichtlich dieser Plätze ergangen. 
Freilich ohne Erfolg. Indessen da ihm aus diesen Unzuträglichkeiten zu- 
nächst kein erheblicher Schaden erwuchs, so war er klug genug, wobei das 
Gefühl einer tiefer liegenden Interessengemeinschaft mit der Vereinigten 
Republik gegenüber Frankreich mitwirken mochte, aus der bisher geübten 
Besatzungspraxis in diesem kritischen Zeitpunkte am allerwenigsten eine 
Principienfrage zu machen: die holländischen Garnisonen blieben bis auf 
weiteres an Ort und Stelle. 

Anders hatten sich für die kurcölnische Feste Rheinberg, westlich von 



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BinleituDg. 9 

Orsoy gelegen, die Dinge gestaltet. Seit 1583 von den Holländern besetzt, 
war sie nanmehr an die nennzig Jahre der Zankapfel zwischen der Re- 
publik und dem Erzbischof gewesen. Da die Generalstaaten 4ie Restitni- 
rnng bald positiv versagten, bald darauf bezügliche Verhandlungen zu 
hintertreiben wnssten, so ward wie seine Vorgänger auch Maximilian 
Heinrich nicht müde, sein Recht anf diese Feste dnrch Denkschriften zu 
erhärten, immer von neuem laut die Rückgabe zu fordern. 

War Rheinberg nicht sogleich zu haben, so mnsste wenigstens das 
Abkommen, welches (wie bemerkt) die holländischen Mannschaften aus Cöln 
entfernte, der französischen Krone erwünscht sein. Die Kriegspartei rieb 
sich die Hände ^); denn der Bestand einer staatischen Garnison in Cöln, 
einem so wichtigen und dereinst auf jeden Fall verwendbaren Platze, musste 
fühlbare Uobequemlichkeiten verursachen. So charakterisirt es den Stand, 
das heisst in diesem Falle die Verwirrung der Dinge, dass im Sinne der 
Reichsgewalt und der „Wolintcntionirten^ der Cölnische Recess als ein 
Sieg der Ordnungspartei herbeigesehnt, im Sinne der französischen Macht- 
ansprüche als ein Mittel zur Wegräumung störender Hemmnisse mit Bei- 
fall aufgenommen wurde. Und bald eröffneten sich für Frankreich weitere 
Aussichten. An demselben Tage, an welchem man ihm den Sicherheits- 
recess der Reichsstadt abgerungen, ging der Cölnische Kurfürst eine 
Offensivallianz mit Ludwig XIV. ein. 

Jetzt trat die Entscheidung Knrcölns in der Fürstenberg'schen Alter- 
native in ihren wahren Wirkungen zu Tage. Hatte schon der Neutralitäts- 
vertrag von Cölnischer Seite Zugeständnisse gewährt und dadurch den 
Absichten des Eroberers weitgehenden Vorschub geleistet, so wurden auf 
Grund des Tractats vom 2. Januar 1672 französische Garnisonen im Erz- 
stift aufgenommen, ja die stiftischen Lande als ein willkommenes Manövrir- 
feld den fremden Truppen überlassen. Durch eine alte Rivalität gegen die 
Generalstaaten gereizt, erklärte denn auch der kriegerische Fürstbischof 
Christoph Bernard von Münster — am 22. Januar — seinen Beitritt 
zu diesem Bunde. Vermittelst dieser Verträge erzielte der König in einem 
bestimmten Umkreis ein abschliessendes Ergebnis seiner diplomatischen Be- 
mühungen. Es war das denkbar beste, das wertvollste, welches er immer 
für seine Pläne gebrauchen mochte. Denn am einfachsten konnten hier, 
auf dem also bereiteten Boden, seine Machtmittel einsetzen, wenn er auf 
Deutschland einen Druck üben wollte. Die freie Disposition namentlich 
über das incorporirte Cölnische Kurgebiet hat wesentlich den so über- 
raschend erfolgreichen Einbruch in die östlichen Niederlande ermöglicht. 
Auch dem französischen Könige ermangelte es, gleich seinen beiden Ver- 
bündeten, gegenüber den deutschen Territorialherren nicht an einem Vor- 
wande: indem er den Stoss seiner Waffen als gegen die Niederlande ge- 
richtet betonte, stellte er sich als den Schirmherren der benachbarten Reichs- 
stände dar, welche obenein — so ward ausgeführt — den Tribut der Dank- 



*) Pie9 beetätigeo die BelationeD v. Crockows aoa Paris. S. unten. 



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10 E i n 1 e i t n D g. 

barkeit dafür za zoUeo hätten, dass er ihnen zq dem verhälfe, was die 
Staaten von Holland widerrechtlich innehielten. 

Während jene beiden Verträge zwei dentsche Reichsstände zu rück- 
haltlosen AUiirten Frankreichs machten, entfaltete in Berlin Bernard de 
la Guiche Gomte de St. G6ran als Gesandter seine Thätigkeit. Es 
war ein verschärftes Vorgehen im Sinne der französischen Entwürfe. Seine 
Bestrebnngen richteten sich auf eine Allianz wider Holland, znm wenig- 
sten — bei einem etwa ausbrechenden Kriege — auf Neutralität des Kur- 
fürsten. 

In den Conferenzeni) der ersten Januartage 1672 motivirte St. O^ran 
seine Mission: nachdem sein König durch Fürstenberg dem Kurfürsten von 
Brandenburg seine Pläne enthüllt habe (also ein unumwundenes Zeugnis 
für die französische Färbung der Fürstenberg'schen Propositionen), jedoch 
weder von seiten des Berliner Hofes noch sodann auf dem Kreistage za 
Bielefeld in der Sache etwas gethan worden, so wäre er abgesandt, um noch- 
mals zu bestätigen, wie bereitwillig Ludwig XIV. sich mit Brandenburg 
alliiren möchte; hier sei für den Kurfürsten eine rechte Gelegenheit, zu 
seinen Clevischen Plätzen zu kommen und wiederzugewinnen, was er seit 
langem entbehren müsse. — Die Minister betonten dem gegenüber beständig 
die noch oflfene Möglichkeit eines gütlichen Vergleichs mit den General- 
staaten. Da der Gesandte auf solche Abmachung nicht instruirt war — 
nur ein Nentralitätsproject »wurde besprochen und empfohlen — so hielt er 
schliesslich nicht länger mit der Eröffnung zurück, auf die man in Berlin 
nach V. Crockows Pariser Berichten längst gefasst war: dass der Krieg 
gegen Holland beschlossene Sache sei — ^par un motif de gloire et pour 
rabaissement des Estats-G^n6rauz^. 

Und während von der einen Seite Frankreich drängte, bot von der 
anderen die Vereinigte Republik eine Defensivallianz und Subsidien zu 
Werbung und Verpflegung einer Armee zum Schutz der Niederlande an. 
Am 16. Januar 1672 traf der Freiherr von Amerongcu bei Hofe ein. 
In häufigen Audienzen bei dem Kurfürsten, und in den Hauptcouferenzen am 
19. und 23. Januar, am 1. und 26. Februar wog man die staatischen und 
die kurfürstlichen Bedingungen gegen einander ab. Aber nicht so bald als 
der Gesandte anfangs gehofft hatte ^ sollten die Unterhandlungen ihre Er- 
ledigung finden; bis gegen Ausgang des Winters zogen sie sich hin, und 
es ist begreiflich und entschuldbar, dass sowol der Kurfürst wie seine lläthe 
eine bestimmte Erklärung in dieser peinlichen Situation nach Möglichkeit 
hinauszuschieben suchten. Wenigstens Annahme der Neutralität verweigerte 
der Kurfürst dem Gesandten Frankreichs ; er blieb der Anschauung getreu, 
welcher er vor einem Jahre mit voller Unumwundenheit Ausdruck gegeben 
hatte. Da der König sah, dass sich bei diesem Fürsten vorderhand nichts 
erreichen lasse, wurde St. G6ran durch Abbernfungsschreiben d. d. Ver- 
sailles 2. März 1672 zum Commando seines Regimentes zurückbeordert. 



') ProtocoUe im Geb. St. Archiv. 



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£ i Q I e i t u D g. 11 

Anfang April verliess der junge französische Edelmann den brandenbur- 
gischen Hof. — Ende März stand es so^), dass auch Amerongen seiner 
heimischen Behörde die Bitte nm Abberufung unterbreitete. Gleichwol 
worden die Besprechungen wieder anfgenommen. Man verglich sich, nach- 
deo] man drei und einen halben Monat teils gestritten teils gezaudert hatte. 
Als Endergebnis der Debatten ging dann der Tenor der Defensivalliauz 
mit den Niederlanden hervor. Am 6. Mai unterzeichnete Amerongen. mit 
den brandenburgischen Bevollmächtigten dem Freiberrn v. Schwerin 
und den Geheimen Käthen v. Somnitz und Meinders — ihre Vollmacht 
d. d. Coelln a. Sp. 9./19. Januar 1672 — den inhaltschweren Vertrag«). 

Der Kurfürst hat es empfunden und in den Instructionen seiner Ge- 
sandten in dieser Zeit mit vollkommener Klarheit ausgesprochen, dass unter 
dem Druck so bedrohlicher Gonjuncturen die Hoffnung auf eine Sicherung 
Deutschlands eine wenig gegründete sei. Sollte man sich der Auffindung 
von Schutzmitteln gänzlich entschlagen? Der Regen sbnrger Reichstag 
wäre zu vorbereitenden Massnahmen dieser Art der gesetzliche Grt gewesen: 
den Beratuogen um die Sicherstelinng einzelner Kreise, wie sie auf den 
Kreistagen gepflogen wurden, den Debatten über die Reichskriegsverfassnng, 
dem weitverzweigten Systeme der Reichsreformpläne trat alsbald in den 
Collegien des Reichstages eine auswärtige Angelegenheit vt)u höchster Be- 
deutung gegenüber, diese inneren Fragen mit bedingend und bestimmend. 
Aber der schleppende Gang der Reichstagsverhandlnngen brachte selten 
und spät ein Ergebnis ; jedermann fühlte und Brandenburg ganz besonders, 
dass dort mehr „deliberirt^ als gehandelt wurde, und die kaiserliche Re- 
gierang war weder stark genug noch zeigte sie überhaupt ernsthaften nach- 
drücklichen Willen, die vielfach vorgeschlagene „Kriegs Verfassung^ zum 
Zweck der „Reichssecurität^^ ins Leben zu rufen. An 'Bündnissen im 
Innern fehlte es nicht. Allein sie waren seltsamer Natur. Des (ersten) 
Rheinischen Bundes, dessen Bedeutung mittlerweile vor der Quadruple- 
und Tripleallianz längst erloschen war, ist gedacht worden; analog zu 
diesem hatte eine Verbindung deutscher Nordstaateu im Gefolge Schwedens 
vorübergehende Bedeutung gehabt. Was sonst von kleineren Vereinigungen 
teils erstrebt teils verwirklicht wurde, war schon — wie namentlich das 
durch den Mainzer Kurfürsten gestiftete „Marienburger Bündnis'' vom 10. Ja- 
nuar 1672^ — seiner geringen Streitkräfte halber nicht wirksam genug, um 
dem aggressiven Vorstoss einer auswärtigen Macht die Spitze zu bieten. 
So waren diejenigen Stände, denen wirklich die Ausführung energischer 
Massregeln am Herzen lag, auf den Verkehr unter einander angewiesen; 



1) Ameroogen an den Griffier Oaspar Fagel d. d. 27. Mirs 1672 Urk. a. 
Actenst lU, 250. Dort auch die anderen auf die Diederlandische AllianB von 
1672 bezüglichen ActeDstöcke. 

^ v. Moeroer Staatsverträge S. 859—363. 

>) Gedruckt Gahrauer Kurmainz in der Epoche von 1672 II, S. 132-37. 



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12 Einleitung. 

es erübrigte nur der Weg des scbriftlichcn wie mündlichen Anstaasches 
von Hof ZD Hof. 

In diesem Sinne ist der Karfürst zu einer Sondirnng seiner Standes- 
genossen geschritten. £r wusste sich über Haltung und Ziele der Mäch* 
tigeren unter ihnen unterrichtet, ehe das Unwetter losbrach, ehe somit die 
Stellungnahme des Reichs zu den französischen Uebergriffen sirh als eine 
unumgängliche Notwendigkeit erwies; und je mehr er sich von dem Ernst 
der Eroberungspläne Ludwigs XIY. überzeugte, desto bestimmter waren 
die Grundlinien seines Handelns gezogen. Die bedingungslose Zurück- 
weisung aller der Krone Frankreich gethanen Vermittelungsvorschläge, die 
Neutralitätserklärung des Westfälischen Kreises, die dadurch veranlasste 
Auflösung des Bielefelder Kreistages, die gesteigerten Rüstungen, endlich 
der Waflfengang selbst, haben seine Entschlüsse besiegelt und ihn zu dem 
Vorgehen getrieben, welches seinen innersten Anschauungen entsprach — 
zu einem entscheidenden Schritt zur Rettung der bedrängten Republik der 
Niederlande. 

Der erste Abschnitt dieses Bandes bringt den Schriftwechsel Kur- 
brandenburgs mit den in der franzÖBisehholländischcn Krise in Frage kom- 
menden Reichsständen sowie die einschlägigen Urkunden von französischer 
Seite. 

Als Grundlage für das Verständnis der sich nun vollziehenden Ent- 
Schliessungen und Begebnisse sind die Nachrichten aus Paris gewählt. 

Der brandenburgische Hof- und Legationsrath Lorenz Georg 
von Crockow war einer der ausgezeichnetsten Diplomaten des Grossen 
Kurfürsten. Geschult an den Höfen von Warschau und Stockholm, vertrat 
er seit Februar* 1670^), damals erst in dem jugendlichen Alter von zwei- 
unddreissig Jahren, seinen Fürsten am Hofe von St. Germain, sodass er 
lange bevor der Kampf entbrannte die französischen Verhältnisse würdigen 
gelernt und zugleich als intimer Zeuge die nach und nach bewältigten 
Kriegs Vorbereitungen, rein militärische wie administrative, mitangesehen 
hatte. Crockow verbindet mit scharfer Beobachtung, insbesondere einem 
klugen Blick in die politischen Motive, die Fähigkeit glücklicher W^ieder- 
gabe. Seine Berichte fordern als Geschichtsquellen ersten Ranges in her- 
vorragendem Masse die Berücksichtigung des Forschers. Sie lüften den 
Schleier von den französischen Tendenzen und geben von den Massnahmen, 
die an der Seine ersonnen allmählich in die Wirklichkeit umgesetzt wurden, 
authentische Kunde. Sie reichen bis zur Abberufung des Gesandten im 
Mai 1672. — Beginnen lassen wir den Wortlaut der Relationen mit dem 
Moment des Ablebens des Staatssecretärs Hugues de Lionne und der 
Uebernahme des auswärtigen Ministeriums durch den Marquis de Pom. 
ponne, sodass die unter dessen nunmehriger Leitung befolgte Politik in 



») Instruction d. d, Coelln a. Sp. |^^^^ 1670. 



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Einleitung. 13 

ihrem vollen Umfange und in ihren letzten Gründen aufgehellt wird. Da 
um dieselbe Zeit der Bielefelder Kreistag sich auflöst und die Beratungen 
in Cöln zusammentreten, so correspondiren die Relationen v. Grockows 
zeitlich mit Blaspeils sich nun anreihenden Berichten. 

Diese Berichte des Clevischen Regiernngs- und Amtskammerraths 
Werner Wilhelm Blaspeil ergänzen das Bild von der anderen Seite. 
Sie geben einen Begriff von der Lage der Dinge im Erzstift Cöln, im 
Herzogtum Cleve, in der Niederländischen Republik , in den Spanischen 
Niederlanden, ßlaspeil führte als Gesandter im Haag für gewöhnlich die 
Verhandlungen in der Hoefy ser'schen Schuldsache, jenem wunder- 
lichen finanziellen Process ^)y welcher ohne selbst in Jahrzehnten entschieden 
zu sein, sich noch immer vor dem ,,Hohen Rathe^' zu Mecheln dahinscbleppte. 
Seine Tbätigkeit am Westfälischen Kreistage und am Cölner Congress war 
eine zeitweilige Unterbrechung seines niederländischen Wirkens. Da seine 
hier einschlägigen Mitteilungen vorzugsweise den niederrheinischen Land- 
schaftscomplex betreffen, so sind sie wegen dieses localen und sachlichen 
Zusammengreifens mit den auf Cöln und Münster bezüglichen Acten zu 
einer Abteilung verbunden worden. 

Es fol^t der Austausch mit den hier in Betracht kommenden Reichs-' 
ständen. Man muss diesen vor Ausbruch des Krieges geführten Schrift- 
wechsel in seiner ganzen Ausdehnung überschauen, am von der diploma- 
tischen Regsamkeit der kurfürstlichen Regierung in dieser Epoche den 
rechten Begriff zu bekommen. Die Parteigänger Frankreichs von ihren 
beabsichtigten Unternehmungen abzumahnen, die Säumigen anzutreiben und 
ihnen die Augen zu öffnen über den Ernst der Lage, die Gutgesinnten in 
ihren Plänen zu bestärken — das tritt überall in diesen Monaten vor der 
Entscheidung als das Grundmotiv der Politik des Kurfürsten hervor. 

Wir geben in einer Auswahl die wichtigsten dieser Briefe und Gesandt- 
schaften. 

Als eine besondere Gruppe macht sich der Schriftwechsel mit den no- 
torischen Alliirten Frankreichs bemerklich. Es sind die mit dem Kur- 
fürsten von Cöln und dem Fürstbischof von Münster gewechselten 
Briefe; daneben Schreiben an den Strassbnrger Fürstbischof, den 
Vertrauten des Cölners. 

Ein erhöhtes Interesse beanspruchen naturgemäss diejenigen Reichs- 
Btände, welche sich mit dem Kurfürsten zur Abwehr der französischen 
Pläne vereinigen, gleichviel ob sie wie Kurmainz, Kursachsen, Pfalz- 
neuburg die in Aussicht gestellte Hilfe im letzten Augenblick versagen, 
oder ob sie sich wie Hessen-Cassel, Braunschweig-Lünebnrg 
Braunschweig- Wolfenbüttel, Brandenburg- Baireuth und endlich 
noch Kurtrier zu positiver Bündnisschliessung mit Brandenburg ver- 
stehen. — Es is( zu betonen, dass diese Stände es sind, welche von dem 



1) Droysen a. a. S. 65. 



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14 Einleitung. 

Karftirsten selbst als die „Wolioteotiooirten'^ gekennzeichnet werden. Sie 
repräsentiren ihm in Wahrheit die „gute Partei". 

Die Verhandlungen mit diesen letzteren gipfeln in der grossen Gon- 
ferenz zu Braunschweig, ans welcher das Brannschweiger Bündnis vom 

22. September 1672 hervorgeht. Ueber die diesen Conferenzen voran- 
gehenden mannichfaltigen Gesandtschaften haben wir geglaubt uns mit 
einem summarischen Ueberblick begnügen zu dürfen, den ausführlichen In- 
halt derselben den Archiv-Pablicationen von Adolf Köcher Geschichte 
von Hannover und Braunschweig 1648—1714, welcher eigens der Braun- 
schweigischen Politik gewidmet ist, überlassend. — Von dem schrittweisen 
Fortgang und endlichen Abschluss der Debatten in Braunschweig geben 
dagegen die mitgeteilten Acten selbst ausgiebigen Bescheid. 

Vor allen Anderen ging Kaiser Leopold die Allianz mit Branden- 
burg ein. Sein Verhältnis zu Friedrich Wilhelm wird durch den Brief- 
wechsel beider Fürsten veranschaulicht. Derselbe leitet zugleich die beiden 
bedeutsamen Negotiationen ein, welche des Kurfürsten Schwager, Fürst 
Johann Georg von Anhalt-Dessau, nach Wien unternahm, und von 
deren Verlauf höchst lehrreiche, auch in ihrem Detail anziehende Relationen 
vorliegen. Das Ergebnis dieser Wiener Reisen ist die Defensivallianz vom 

23. Juni 1672, nebst dem Brauuschweiger Bündnis die Grundlage aller wei- 
teren Vornahmen des Kurfürsten in .dem französisch holländischen Conflicte. 



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I. Zur Vorgeschichte des deutsch-franzö- 
sischen Krieges. 1671. 1672. 

1. Brandenburg und Frankreich. 1671. 1672. 
a. Die Berichte v. Crockows aus Paris. 



Lorenz Georg v. Crockow. Relation. Dat. Paris 
4. September 1671. 

[Tod des Staatssecretars Lionne. Personalieo. Werbangeo. Zweifel des hol- 
ländischeD Gesandten am Kriege. Privileg für das Schiff Cburprinz. — Be- 

verningk.] 

1671. 
Vergangenen Dienstag den 1. dieses st. n. ist Mr. de Lionne*) 4. Sept. 

alhier an einem dreitägigen Fieber, welches er zwölf Tage lang ge- 
habt, Todes verblichen. I. E. M. haben ihn gar sehr beklaget, wie 
auch jeder männiglich, insonderheit die fremden Ministri, welche nicht 
leicht bei einem andern immer so facilen Access und so prompte Ex- 
pedition finden werden. I. E. M. haben annoch keinen Successoren 
benennet. Sein Sohn der Marquis de Berny hat zwar die Survi- 
vance auf die Charge du säcritaire d'Estat, selbige aber hat nur allein 
die Expeditiones von gewissen französischen Provinzen als Champagne, 
Picardie, nicht aber die auswärtigen Äffairen; diese Charge wird er 
wol behalten, aber Minister d'Estat wird er schwerlich werden. 



Hugues de Lionne, französischer Minister des Auswärtigen, üeber 
seinen Tod vgl. J. Yalfrey Hagnes de Lionne. Ses ambassades en Italie 
1642-1658 (Fans 1877). Introd. p. LXXXVIII. 



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16 Zur Yorgeschichte des dentach-franzÖBischeD Eriegea. 1671. 1672. 

Genannt werden der Erzbiechof von TonloaBe, Mr. Courtin, 
Mr. Pomponne. Einige meinen auch, Mr. Colbert werde diese Ex- 
pedition bekommen, dafür die Intendance de la Maison da Roy abtreten. 
Man ist gespannt auf des König«^ fi)^i|tscbeidung. 

Neue Werbnngen. ^Dle Ten^cb^n Officiere als nämlich der junge 
Rose, Hönstedt, Lützelburger werben nur alleine Schwadronen und 
keine Regimenter, und wird sich selbige Werbung auf 15 oder 18 hundert 
Pferde erstrecken.^ Der König wird im nächsten Frühjahr, und zwar im 
Februar, 25000 Pferde auf den Beinen haben, „löOOO Neugeworbene, 7000 
welche bisher unterhalten und 3000 de la maison du Roy. Die Infanterie 
werden J. K. M. beinahe am 90000 Mann alles in allem haben.^ 

|: Dem ohngeaehtet vermuthet der holländische Ambassadeur'), 
dass kein Krieg zu befürchten. Zum wenigsten scheint es, dass 
I. E. M. die Sache wegen der Dependentien terminiren und Lothringen 
zu behaupten Willens. :| 

Die Charge des Grand Aumosnier de France ist auf Intercession Tu- 
rennes dem Cardinal de Bouillon gegeben. 

Was des Kf. Befehl d. d. Potsdam 29. Mai 1671 angeht, ein Privi- 
legium auf das Schiff der „Cburprinz von Brandenburg^ genannt wegen des 
Fassgeldes zu suchen, so fürchtet sich Crockow einen Refus zu holen; es 
wäre daher vielleicht besser, das Privilegium gar nicht zu begehren. 

P. S. „van Beverningk') ist hier durchgekommen und hat sich einige 
Tage hier incognito aufgehalten. Mr. de Türen ne hat ihn sprechen 
wollen; er hat sich aber ezcusiret. Von seiner Verrichtung in Spanien 
kann man nichts penetriren. Ich halte aber davor, dass er nicht viel aus- 
gerichtet, denn der Ambassadeur deGroot sich gar sehr beschweret, dass 
in Spanien kein Cousilium, keine Einigkeit noch Verfassung sei und dass 
von da nichts zu hoffen.'' 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 11. September 1671. 

[PompoDDe's ErnenDung. Werbungspatente. OrammoDt.] 

11. Sept. Der König hat das Amt des Staatssecretärs dem Mr. de Pomponne 

übertragen. Er hat es ihn vermittelst Handschreibens durch eigenen Courier 
wissen und es seiner Gemalin durch Mr. Colbert notificiren lassen. — 
Angabe von Mitteln, wie es Pomponne möglich geworden die Charge zu 
kaufen. 

„I. E. M. haben vorlängst ans seinen Relationen, dann Sie wenig mit 
ihm gesprochen, grosse Estime von ihm gescböpfet und würden gewisslich 
nicht leicht Jemandes choisiret haben, welcher so judicieux, so penetrant 



*) Pieter de Qroot, Hugo Grotius' Sohn. 

^ HieronymuB van Beverningk, Deputirter der Generalität. 



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PompoDne Minister. GonrtiD nach Schweden. 17 

nnd so capabel die Charge za bekleiden. Soviel ich aas einer dreijährigen 
Conyersation an ihm spüren können'), ist er darneben vigonreux und resolviret 
nnd wird gewiss nicht zum Frieden rathen, wenn er Gelegenheit siehet, 
doreh den Krieg Ihrer E. M. Conqaesten und Reputation zu vergrössern. 
Jedennänniglich rühmet Ihrer E. M. Prudenz in dem Ghoiz, welchen Sie 
hierin gethan, |: wiewol man dafür hält, es sei solches dem Mr. Golbert, 
welcher seinen Patron den Fouquet minirt, sehr zuwider. Er hat Ordre, 
wie mir von vornehmer Hand berichtet, seine Reise zu beschleunigen; 
gleicbwol vorher auf eine Resolution zu dringen. Inmittelst exerciret Mr. 
deLouvois seine Charge und hat den fremden Ministern sagen lassen, dass 
er Donnerstags und Sonnabends ihre Visiten erwarten würde.'^ : | 

Die Patente werden nach wie vor ausgegeben. Vielleicht ist es doch 
^auf die Dependentien ') angesehen^; man sei nämlich, wie der jetzt aus 
Spanien zurückgekehrte Französische Ambassadeur versichert, in Madrid 
resolvirt, „Ihrer E. M. in der Güte keine Satisfaction zu geben**. 

Marschall de Grammont tötlich krank. 



V. Crockow. Relation. Dat Paris 18. September 1671. 

[WerbuDgen. Gesandschaft Gourtins nach Schweden beschleuDigt. Grammont.] 

Nächsten Montag wird der Rest der Patente auf 200 Compagnien zu Fuss 18. Sept. 
ausgeteilt, ioi kommenden Monat werden dann noch Commissionen auf 200 Com- 
pagnien zu Fuss und 100 zu Pferde ausgegeben werden. Die Schweizer 
haben nach längerem Sträuben dem Eönige eine Werbung von 4000 M. 
verstattet. Die Wechsel sind bereits dahin Übermacht, die Commissarien 
zur Musterung der Völker abgereist. 

Gerüchte und Raisonnements über den Erleg. 

Mr. Courtin, zum Maistre des requestes ernannt, geht an Pomponnes 
Stelle nach Schweden. Er wird seine Reise beschleunigen, damit er seinen 
Vorgänger noch daselbst antrifft. Donnerstag schifft er sich iu Diinkirchen 
ein, um die Fahrt zu Wasser nach Stockholm fortzusetzen, „woselbst er 
sich des Pomponne Equipage gebrauchen wird, weil I. E. M. ihm nicht 
Zeit lassen wollen, die seinige alhier zu formiren^. Pomponne hat dort, 
um allgemach die Schweden auf die französische Seite und aus der Triple- 
allianz zu ziehen, Renovation der Allianz von 1661 beantragt, jenes Bünd- 
nisses, welches seiner Zeit Terlon abgeschlossen hatte, „als derselbe dahin 
geschickt ward, um die Allianz, welche Graf Tott alhier wegen Polen 
gemachet, umzustossen^. Vermöge dieser Allianz gab der Französische 
Eönig an Schweden jährlich 100000 Rthlr. 

Marschall de Grammont ist „wider der Medicorum und aller Leute 
Hoffnung wieder zu rechte kommen^. 



*) Crockow and PompoDue waren zusammen als Gesandte in Stockholm ge- 
wesen. 

») 8. S. 23 Anm. 1. 

Mater, s. Gesch. d. G. Karfursten. Xlll. 2 



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18 I. Zur Vorgeschichte des deutich-französisoheD Krieges. 1671. 1672. 



V. Crockow. Relation. Dat Paris 1. October 1671. 

[Beabsichtigte Reise des Königs nach Ghalons. Matmassangen Crockows über 
das Ziel des Krieges. Personalien.] 

1. Oct. Es geht das Gerede von einer beabsichtigten Reise des Königs, im 
nächsten Januar, nach Cbalons und Mets. Gr. fürchtet: ^weil um diese 
Zeit, nämlich den 19. Januar, das Jahr, welches zum Arbitrio destiniret, zum 
Ende, I. K. M. werden Ihre Satisfaction mit ded Waffen suchen. Ob nun 
I. K. M. die prätendirte Plätze oder ein Aequivalent nehmen wollen, stehet 
dahin/' Dem Ansehen nach dürfte es wol auf das Luxemburger Land an- 
gesehen sein. „Dasselbe ist überdies sowol von Holland als der Schweiz 
esloigniret und grenzet nur an das Reich, von welchem man alhier dergleichen 
geschwinde Resolution, wie in solchen Fällen nöthig, nicht vermuthet.^ 

de Groot tötlich krank. Er wiegt sich wegen eines Krieges nach wie 
vor in Sicherheit. — Ueber gedachte Reise wird Crockow in S. Oermain 
morgen das Nähere hören. 

Jedennoch halte ich davor, wo etwas obhanden, |: dass es den 
Oertern hin gelten werde und nicht gegen Holland, alldieweil man des 
de Lion!ne und Fürst von Fürstenbergs Maximen nach Meister 
zur See sein müsste. Nun aber wird weder in Frankreich noch in 
England dergestalt wie es dazu nöthig zu Wasser armiret. Zvdein 
scheint es, dass andere vorhabende Allianzen nicht haben können zum 
Stande gebracht werden. Der Reichsrath Björnclou hat mir ofte 
gesagt: er hätte in Frankreich bei seiner Ambassade wol penetriret, 
das Dessein wäre: das Regnum Austrasiae wieder aufzurichten 
uqd die Grenzen bis an den Rhein zu bringen, wohin es 
scheinet, dass man allgemach avanciret, und würden die Conquesten 
von dem gedachtem Land ein gross Acheminement dazu sein. Sonst 
ist auch gesagt, dass man alhier abermal die Election eines Römischen 
Königs besorge und solches zu hindern grosse Intriguen vorhabe. :{ 

Grammen t Reconvalescent. Sein Sohn, Comte de Guiche, „ist 
nach erhaltener Permission anhero kommen, Ihrer E. M. zu Fusse gefallen, 
aber von Deroselben gar kaltsinnig empfangen worden*'. — Prinz Gond6;, 
Turenne, Duc de Bouillon liegen ebenfalls am Fieber krank. 



Relation, d. d. Paris 9. October 167L 

9. Oct. Mitteilungen über Werbungen. Deutsche Of&ciere. Zwei v. Plotho 
suchen Emploj. Lonvois bescheidet sie jedoch, „es wären anitzo alle die 
Commissiones , welche den Teutschen Officirern destiniret, bereits ausge- 



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Staod der franzoBischen Verhandiao gen mit Schweden. 19 

theilet; sollten abermal Werbungen vorgehen, würde man ihrer eingedenk 
sein.'' 

Pläne des Königs. — Streitigkeiten zwischen den Oonyernearen yon 
Ath nnd Enghien. — Tnrenne befindet sich etwas besser. 



y. Grockow. Relation Dat Paris 16. October 1671. 

[Conrtins Krankheit. Vanbran nach Schweden. Werbe- und Armeenachrichten. 
Stand der Verhandlnngen mit Schweden. — Tnrenne.] 

Mr. Conrtin, der sich für die schwedische Gesandtschaft zn Dün- 16. Oct. 
kirchen eingeschifft hatte, ^hat so grossen Stnrm gehabt nnd sich so krank 
befunden, dass er sich zu Ostende an Land setzen lassen, yon dannen er 
Ihrer E. M. geschrieben , er wäre so schwach, dass er die Reise nicht fort- 
setzen können (massen er itzo zn Amiens die Milchkur gebrauchet)^, und 
gebeten, Jemand anders an seiner Statt zu schicken. Pomponnes Rück- 
kehr wird dadurch verzögert An Marquis de Yaubrun, der bei dem 
Marschall deCreqnyin Lothringen ist, ist Ordre ergangen, sogleich ^per 
posta nach Schweden zn gehen und daselbst an des Mr. de Pomponne 
Stelle so lange zu bleiben, bis L K. M. Jemand anders schicken^. Man 
nimmt an, dass Courtin, sobald er genesen, zu Lande folgen soll. 

Werbungsnachrichten. Vermutungen über die Abreise des Grafen 
Chamilly und sein beabsichtigtes Dessein, vielleicht auf Cöln, yielleicht 
auf Rheinberg. Desgleichen Vermutungen über das Commando der Armee: 
Oraf Schomberg, Oond6, Tnrenne? |: ^Die Zeitung von der Revolte 
in der Türkei hat zwar alhier nicht wenig Nachdenken verursachet nnd 
machet man grosse Reflexion darauf. Dem aber ohngeachtet gehet die 
Armatur immer fort, und ist meistlich das Geld dazu ausgegeben, ausser 
dass noch kein Estat zu der Artillerie gemachet, welches eine grosse An- 
stalt erfordert nnd vor diesem dem Könige jährlich sechs Millionen gekostet. 
Diejenigen, welche in den französischen A£Pairen erfahren, halten davor, 
dass solches allermeist ein gewisses Zeichen des Krieges sei, wenn man 
anfängt zu der Artillerie Anstalt zu machen. Jedoch ist auch noch Zeit 
genug dazu. Zn Ansrüstung der Flotte wird auch noch keine Anstalt ge- 
machet, welches gleichwol wird sein müssen, wenn man Holland bekriegen 
will.* :| 

Unter die Apparenzen des Krieges ist wol billig zu rechnen das 
Empressement, welches man hat, nach Schweden zu schicken und mit 
selbiger Krön zu tractiren. Alhier wird vorgegeben, dass nachdem 
der Reichsrath Björnclou^) gestorben und H. Steno Bielke durch 



Haoptvertreter der franzöBischen Partei im Beichsrathe der Regentschaft 
Nach ihm die sogen. Bjornclon'sche Partei. 

2* 



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20 1- Zar Vorgeschichte des deotsch-französischeo Krieges. 1671. 1672. 

Interposition des Grafen Tott mit dem Reichscanzler') versöhnet, 
Mr. de Pomponne in seiner Negotiation rettssiret, und dergleichen 
Tractat unter ihnen projectiret: dass I. E. M. yon Frankreich der 
Eron Schweden jährlich eine Summe Geldes geben, die Eron Schweden 
hingegen in Teutschland eine Armee unterhalten und dem Eaiser oder 
denen ReichsfÜrsten, welche Ihrer E. M. Feinden assistiren, den Erieg 
declariren, immittelst aber und solange I. Eais. M. oder die Ghur- und 
Fürsten des Reichs sich nicht moviren, die Eron Schweden neutral 
bleiben und dennoch die jährliche Subsidien geniessen solle. Welcher 
Tractat dem Vorgeben nach auf dem Schlüsse stehen soll. Ob dem 
also und ob nicht vielleicht die Schweden dergleichen Mine machen, 
um von der anderen Partei desto mehr Avantage zu erhalten, davon 
werden Ew. Ch. D. anderwärts schon gewissere Nachricht haben ^. — 
Turenne wird jetzt von I. E. M. oftermals in den Rath gefordert, 
welches vor diesem nicht geschehen, daraus man judiciret, dass Eriegs- 
consilien müssen obhanden sein. 



Relation d. d. Paris. 30. October 1671. 

30. Oct. Coartin hat, nachdem er gänzlich genesen, seine Reise nach Schweden 

fortgesetzt „Die zwei in der Schweiz geworbenen Regimenter sein unter- 
wegens, and hat man annoch Hoffnung, dass die katholische Cantons auch 
die Werbungen verstatten werden.** 

|: „Der Fürst von Türenne wird jetzt täglich in den Rath gefordert 
und hält überdies grosse Conferenzen mit Lonvois.^ : | 



Die folgenden Relationen enthalten überwiegend Personalnachricbten 
aus der französischen Armee und Verwaltung sowie Mitteilungen über die 
Kriegsgerüchte. 



Der Kurfürst an v. Crockow. Dat. Coelln a. Sp. 24. October 

1671. 

[Zweck seiner Gesandtschaft. Hat dem Ronige nochmals vorzustellen, dass er 
vom Kriege abstehe oder wenigstens vunächst auf gütlichem Wege Satisfaction 

Sache.] 

3. Nov. Das Rescript ruft dem Gesandten noch einmal in das Gedächtnis 

zurück, dass der vornehmste und fast ausschliessliche Zweck seiner Mission 



Bande. 



^) Magnus de la Gardie. 

^ Vgl. darüber den Abschnitt «Brandenburg und Schweden" im folgenden 



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Crockow boll nochmals Satisfaction anbieten. 21 

dahin gehe, ^^dieses Ungewitter durch alle dienliche gute Officia abzn- 
wenden und den allgemeinen Frieden in der Christenheit zn erhalten^^ 

Wenn dann anitzo abermal von starken und ungewöhnlichen 
Ejriegsrüstungen gewisse Nachricht von dorten einkommt, und man 
dabei keine andere Muthmassung insgemein hat, als dass dieselbe auf 
eine Ruptur und Krieg wider die Vereinigte Niederländische Pro- 
vincien angesehen : als haben Wir der Notbdurft erachtet Euch noch- 
malen hiemit gn. zu befehlen, alles nach Anleitung der In- 
struction und inzwischen empfangenen Rescripte .... nochmalen aufs 
beweglichste zu remonstriren, auch dieses dabei absonderlich vorzu- 
stellen, dass .... gerade des Königs Freunde durch dieses Werk in 
die höchste Ungelegenheit und Gefahr, ja in die äusserste Ruin ge- 
stürzet werden dürften. Wir könnten solchem nach nicht unterlassen, 
I. K. M. nochmalen zum fleissigsten zu ersuchen, von allen solchen 
Extremitäten und der Ruptur mit den Vereinigten Niederlanden ent- 
weder ganz abzustehen oder doch nicht ehender dazu zu resolviren 
als bis Sie versuchet, durch gütliche Wege Ihre billigmässige Satis- 
faction vom Staat zu erlangen, wozu Wir und andere Ihrer K. M. 
Freunde und Alliirte jedesmal Unsere wolgemeinte Ofiicia treulich, 
offeriret, auch solche mit aller Macht zu solchem End anzuwenden 
nicht ermangeln würden. 

Relation d. d. Paris 13. November 1671. 
Der König werde nächste Woche wieder nach St. Germain kommen 13. Not. 
nnd daselbst anf 100 Compagnien zu Fuss Patente aasteilen lassen. „So 
werden anch alle Grenzfe Stangen mit allerhand MoDition und grosser Quan- 
tität von Korn überans sehr angefüilet. Aach ist mir von gewisser Hand 
▼ersichert, dass die Artillerie zum Feldzage ganz parat and es an nichts 
mehr als an den Pferden ermangelte; za deren Einkaufang noch keine 
Anstalt gemachet; wie es dann auch noch za zeitig wäre, es möchte dann 
sein^ dass man dieselbe noch vor künftiger Campagne gebrauchen wollte.^ — 
Mr. de Yiliars ist als Ambassadenr nach Spanien abgereist, angeblich 
mit der Ordre, die Krone Spanien zu versichern: „dass I. K. M. mit der* 
selben beständige Freundschaft zu pflegen Willens, wann sie nur Ihrer K. 
M. Feinden nicht assistirte noch Deroselben Dcsseins contraquarrirete.^ 



V. Crockow. Relation. Dat. 4./14. November 1671. 

[Recapitalirt den Inhalt seiner bisherigen Relationen.] 

Er hat das Rescript vom 24. October dnrch die Hamburger Post 14. Nov. 
empfangen. 



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22 !• Zar Vorgeseliichte des devtach-franBÖBischen Krieges. 1671. 1672. 

Demgegenüber terweist t. Crockow auf seine eigenen Berichte, welche 
stets meldeten, dass de Lionne ihm „allemal categorice geantwortet, 
dass I. K. M. solches Dessein festiglich genommen, mit England darüber 
tractiret, nnd dasselbe ezeqniren würden, wenn gleich keiner von den 
Tentschen Fürsten mit eintreten wollte; I. E. M. würden anch keine Me* 
diation admittiren noch sich dnrch einige Officia oder Interposition da?on 
abhalten lassen^'. „Cansas belli'' anlangend, bat Lionne „niemals eine 
andere Ursache allegiret als diese, dass die Holländer I. K. M. Glück nnd 
Accroissement, so legitime es anch sein könnte, für incompatible hielten 
mit ihrer Sicherheit, nnd also I. K. M. Affairen nicht nach der Justiz, 
sondern ihrem Interesse zu decidiren sich unterstünden, deshalben anch 
die ganze Welt, soviel an ihnen wäre, wider I. K. M. aufzuhetzen sich 
bemüheten. Derohalben I. E. M. Sich vorgenommen, sie zu bekriegen und 
ihre Puissance zu abaissiren, welche Ihrer E. M. suspect und anderen Po- 
tentaten beschwerlich wäre. Solcher Zweck könnte dnrch keine Mediation 
und Interposition erreichet werden. . . .^' Desgleichen hat der Eönig selbst 
Crockow , „als er die Difficuhät und Gefahr der Sachen exaggerirte", ge- 
antwortet: „wenn nnr Ew. Ch. D. mit einträten, wollten Sie die Partei so 
sicher machen, dass solches alles verhütet und die Sache in kurzer Zeit 
zu Ew. Ch. D. grosser Avautage sollte gethan werden. . . .'' 

Crockow hat dann anch später noch bei de Lionne, den er seit 
▼ergangenem Mai wegen seiner Reise nach Flandern und der „ihm (Lionne) 
zugestossenen Krankheit'' wenig gesprochen, von dieser und der Gölnischeu 
Sache Instanz gethan. „Er hat mir wegen Holland allzeit idem, wegen 
der Stadt Cöln aber geantwortet, dass Chor-Cöln von I. E. M. nichts be- 
gehret, und I. E. M. daran nicht gedächten/' 

Ueber die fernere Audienz beim Könige (empfangenem Rescript zufolge) 
wird er mit nächster Post berichten. 



P. 8. [FranzÖBischeB Feldsngsproject Auswärtige Politik.] 
|: Das Project ist gewesen, dass der General v. Podewils des 
GhurfÜrsten von Cöln und der Graf Schomberg die französische 
Armee gegen Holland commandiren sollte. Nachgehends ist es ge- 
ändert, und soll der Fürst von Condö daselbst commandiren. Der 
Duc d'Enghien unter ihm als General von der Cavallerie wird bei 
sich haben den Duc de Luxembourg und Graf Chamilly, welcher 
letztere sein Favorit und vorausgesandt, des Churfttrsten von Cöln 
Völker (welche er commandiren soll) wie auch die Plätze und Maga- 
zine zu besehen und dabei alle Anstalt zu machen. I. E. M. wollen 
^ine Armee von 30(XX)M. dorthin schicken. Der Eönig selbst will 



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Französisches Feldsugsproject. Krieg gegen Holland unabwendbar. 23 

mit 40000 M. in die Spanische Niederlande. Er wird den Fürsten 
von Tfirenne bei sich haben. 

Man hält davor, I. E. M. werden Holland den Krieg nicht de- 
clariren sondern nur als AUiirter vom Churfürsten von Göln und 
Mflnster ihnen assistiren, welches eben auf eins auskommen wird; 
was die AUiirte betrifft, hält man sich gewiss, dass der König in 
England nicht allein I. K. M. Dessein favorisiren und zum wenigsten 
neutral bleiben (welches der holländische Ambassadeur gänzlich glaubt) 
sondern auch in den Indien Holland bekriegen werde, wie wol auch 
England davor halte, dass beide Könige eine Flotte conjunctim 
ausmachen werden, um Holland in Europa zu attaquirea, und dass 
Frankreich deshalb dem Könige in England sechs Millionen giebt, 
welches aber nicht probabel. Doch melden die letztere Briefe aus 
England, dass man daselbst armire. Daneben hält man alhier vor 
gewiss, mit Assistenz der Malteser-Ritter die Holländer ganz aus der 
Mittelläpdischen See zu bringen. Daneben hält man sich versichert, 
dass Portugal und Savoyen mit I. K« M. eintreten werden. :| 

lieber SchwedeoB Haltung wird die Ankunft des Englischen Gesandten 
Gewissheit geben. 



V. Crockow. Relation. Dat Paris 10./ 20. November 1671. 

Der Spanische Ambassadenr Comte de Molina hat dem Könige von 20. Nov. 
England vorgestellt: er möge bei dem Französischen Könige dessen „Gon- 
sentement^ in die Yerläogemng des Termines, „so zu Abhandlung der 
Streitigkeiten wegen der Dependenzien destiniret^ ^J, erwirken; was der Eng- 
lische König versprochen hat. Auch die Königin von Spanien hat einge- 
willigt. 

Der Krieg gegen Holland gilt für gewiss. Anch der Holländische 
Ambassadeur ist jetzt gänzlich der Meinung, „dass I. K. M. nicht nur 
per modum auxiliomm sondern aperte mit ihnen brechen werden^. ^ 

Nachricht von einer Englischen Gesandtschaft nach Spanien (Graf 
Sunderland). Spaniens Bezeignng in einigen Punkten gegen Frankreich. 
Streitigkeiten zwischen den Franzosen nnd Spaniern an den Grenzen von 
B6arn. — Der Spanische König *), „welcher nnnmehro 10 Jahre alt, hat 
den Anfang gemacht in den Rath zu gehen*^. 



'} Diese Streitigkeiten beziehen sich anf die Dependenzen der, im Aachener 
Frieden an Frankreich abgetretenen, zehn spanisch-Diederländiechen Plätze. 
'} Karl n geb. November 1661. 



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24 !• Znr Vorgeschichte des deutsch- franEosiBcheo Krieges. 1671. 1672. 

P. S. Relation. Dat. Paris 20. November ^ 1671. 

[Aaf das Rescript vom 24. October. EntgegnuDgeD der französischen Minister. 

St. G6ran nach Berlin.] 

20. Nov. Gespräche mit Türenne und Louvois. Der Gesandte stellt alles 

Yor was zur Abwendang des Krieges dienen kann. Aber sie haben ^mir 
beiderseits geantwortet, dass solches nicht zn hoffen noch zn erhalten. I. 
K. M. hätten Ihr Desseiu formiret, von welchem Sie nicht abstehen sondern 
dasselbe gar gewiss exequiren würden. Was anlangte Ew. Gh. D. offe- 
rirte Interposition , wurden I. K. M. diese Offerte mit einem Complimente 
beantworten, Sich aber dadurch nicht abhalten lassen Ihre Intention fort- 
zusetzen''. 

Der letztere, mit welchem ich gar lange und ausführlich hiervon 
geredet, sagte, dass Ew. Gh. D. die Officia zu Erhaltung des Friedens 
nicht Ihrer E. M. sondern den Holländern leisteten, als deren Wol- 
fahrt darauf bestünde, dass dieses Ungewitter quovis modo abge- 
wendet würde. Es wäre aber solches einmal unmöglich, L E. M. 
wollten Sich revangiren wegen der erlittenen Affronte und Undank- 
barkeiten und der Holländer Puissance abaissiren, welches durch 
keine gütliche Tractaten noch durch Mediation geschehen könnte. Als 
ich ihn fragte, worin dass solche Querelen bestünden, antwortete er 
mir, dass sie [die Holländer] an allen Höfen von I. E. M. indigne 
gesprochen, Dero Gonduite denigriret. Jedermann wider I. E. M. auf- 
zuhetzen sich bemühet, ja neulich den Frieden dadurch gebrochen, 
dass sie fast alle Französische Waaren verboten, und ob ich ihm 
gleich repliciret, dass solches theils infra Majestatem regiam wäre, 
theils durch gütliche Tractaten und Vergleiche könnte gehoben werden, 
blieb er dennoch dabei, dass sie gar zu hochmUthig wären und vor- 
her etwas müssten gedemüthiget werden. Ich insistirte weiter, dass 
wenn man gleich versichert wäre, dass sie auch die allerbilligsten 
1^ Fostulate abschlagen, und die Tractaten ganz vergeblich sein würden, 

dennoch Ew. Gh. D. die dabei angewandte Mühe Sich nicht würden 
leid sein lassen, aldieweil Ihrer E. M. ein so grosser Vortheil daraus 
erwachsen würde. Es wären heutigen Tages fast alle Potentaten der- 
gestalt gesinnet, dass sie nichts als Frieden und Buhe wünschten, den 
Erieg aber und alle daraus besorgende Revolütiones abhorrirten. So 
lange nun die Holländer mit einigem Schein der Wahrheit sagen 
könnten, dass sie zum Erieg gezwungen und man ihnen weder Zeit 



^) Original verschrieben : 30. November. 



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EnderkläraDgen der fraDEÖBischen Minister. 25 

noch Gelegenheit gelassen denselben durch gütliche Mittel zu evitiren, 
hätten sie sich vieler Potentaten Faveur und Assistenz zu getrösten; 
wenn ma^ ihnen aber solchen Praetext benehmen und der Welt re- 
monstriren könnte, dass sie I. K. M. billige Satisfaction refusiret, 
würden alle diejenigen, die den Frieden lieben, entweder sie gänzlich 
abandonniren oder sich gar zu I. K. M. schlagen. 

Ich stellete ihm daneben der Länge nach vor, wie vielerlei Zer- 
rüttungen, Blutvergiessen und Desolutiones widrigen] Falls daraus er- 
folgen würden. Er antwortete mir darauf, es wäre^nicht zu befürchten, 
dass es zu so grosser Weitläuftigkeit käme, noch, dass so viel Poten- 
taten, als ich vermeinete, der Holländer Partei nehmen würden. Was 
den Kaiser betreffe, wären I. E. M. erbötig demselben genügsame 
Versicherung zu geben, dass Sie wider das Römische Reich, in specie 
wider Göln, noch wider Spanien nichts anfangen wollten, ja I. E. M. 
würden den Eaiser selbst invitiren zu Garantirung des Aachischen 
Friedens, welches I. E. M. bishero nicht zugeben wollen, und daneben 
der Erone Spanien offeriren, dass wenn sie Lust hätte die unter ihnen 
schwebende Differenzen in der Güte zu heben, L E. M. es so genau 
nicht nehmen, sondern gar leidliche Conditiones vorschlagen, und 
Spanien mit einem geringen davonkommen würde; gestalt dann L E. M. 
zu dem Ende noch ein ganzes Jahr dazu bewilliget. Ebenmässig 
wollten L E. M. nicht allein alles dasjenige, was zu Erhaltung des 
Friedens im Römischen Reich könnte erdacht werden, approbiren 
sondern auch, wenns begehret würde, mit dazu treten. Womit ver- 
mnthlich der Eaiser sich contentiren und I. E. M. ausserhalb Reichs 
nicht molestiren würde^ wo er nicht L E. M. zwingen wollte andere 
Consilia zu nehmen, welche dem Eaiser höchst schädlich sein würden. 
Worauf ich replicirte, dass sonder Zweifel das Römische Reich und 
die Spanische Niederlande würden müssen mit impliciret werden, 
diese wegen der continuirlichen Durchzüge, jenes aber^ weil es sedes 
belli sein würde, denn man Holland nirgend anders als auf des Rö- 
mischen Reiches Boden attaquiren würde, wobei ich ihm repräsentirte die 
Ruin, welche Ew. Ch. D. Lande vor anderen davor zu gewarten hätten. 
Er antwortete mir, man wäre befugt seinen Feind zu suchen, wo man 
ihn fände, im übrigen würde man solche Inconvenientien durch gute 
Ordre und Disciplin verhüten. Es würde zwar dennoch so genau nicht 
hergehen, weil aber solches inevitabel, würden die Reichsfürsten besser 
thun es mit dem zu halten, welcher ihnen ihre Plätze wiedergeben 



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26 I- Zur Vorgeschichte des dentsch-fraDSÖpIschen Krieges. 1671. 1672. 

wollte, als mit denjenigen, welche ihnen dieselbe vorenthielten. I. E. M. 
wflrden sich gar gern dahin obligiren, dass Sie nicht Friede machen 
wollten, ehe Ew. Gh. D. desdommagiret and völlig contentiret wären. 

Wegen der Schweden fragte er mich, ob ich davorhielte, dass sie 
etwas dabei thun könnten, darauf ich antwortete, dass sie von sich 
selber wenig oder nichts zu thun vermöchten, wenn aber Holland Geld 
gäbe, und der Kaiser ihnen Werbungen gestattete; könnten sie nebst 
dem Kaiser und einigen Reichsfttrsten, welche demselben adhaerirten, 
eine starke Partei formiren. Er wandte dawider ein, dass solches 
alles in der ersten Gampagne nicht zu bef drehten, die Holländische 
Völker aber, insonderheit die Cavallerie, schlecht bestellet wären. Ich 
antwortete ihm darauf, ich gestünde solches beides, und würden sonder 
Zweifel die Holländische, wie sie in allen Kriegen zu thun pflegten, 
im Anfang den kürzeren ziehen. Ich liesse ihn aber judiciren, ob 
man mit ihnen in einer Gampagne würde können fertig werden: sie 
würden ihre Frontiöre-Plätze mit Volk, Munition und allem, was 
menschliche Vernunft ersinnen könnte, besetzen und es darauf an- 
kommen lassen, dass sie im ersten Sommer zwei oder drei Plätze 
verlören. Er wüsste aber wol, und der Krieg mit England hätte es 
gewiesen, was sie vor Ressource hätten wegen Situation des Landes, 
ihres grossen Reichthums und der Humeur der Unterthanen, bei 
welchen die Liebe der Freiheit und des Vaterlandes so tief einge- 
wurzelt wäre, dass sie im Nothfall alles hergeben würden. Wenn 
nun dazukäme die Faveur so vieler Potentaten, welche sich bei ihrer 
Gonservation interessirten, liesse ich ihn judiciren, was man von der 
Suite dieses Krieges zu vermuthen, wobei ich auch anführete, dass 
das erste Jahr nicht allein die Magazine, sondern auch die Länder 
würden consumiret werden, Holland aber könnte daran niemalen 
Mangel haben. Er antwortete darauf, I. K. M. würden die andere 
Gampagne Frieden machen. Ich antwortete, wenn die Sachen der- 
gestalt brouilliret, und so vieler AUiirten Interesse darin mesliret, 
würde solches vielleicht schwer sein. Ich fragte ihn, ob I. K. M. 
der Krone England genugsam versichert wären, er antwortete mir 
nicht eben mit der Asseurance als Lionne zu thun pflegte, sondern 
dergestalt: I. K. M. hätten deshalben solche Sicherheit, als man in 
menschlichen Sachen haben könnte. Sie hätten des Königs Parole, 
wären seiner Intention versichert. Er hätte das Parlament prorogiret, 
um freie Hände zu haben; zudem wäre er aufs neue verbittert, weil 



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EnderlclaniDgeD der Minister. St. O^ran nach Berlin. 27 

die Holländer überall ungleiche und schädliche Rumores aussprengeten 
(unter andern: er wäre katholisch), und dass sie neulich nicht streichen 
wollten. Der König in Frankreich könnte ihm Geld geben die Flotte 
auszurüsten, es würde um vier oder fünf Millionen zu thun sein. 
Nachdem ich ihm darauf eins und das andere geantwortet, sagte er 
mir, man müsste nicht glauben, dass I. E. M. im Komischen Reich 
ohne Freunde wären, Sie hätten vielleicht mehr, als man nicht ver- 
meinete. Ich vermerkete wol, dass er von Hannover redete, und ant- 
wortete ihm, es könnte wol sein, dass einer oder der andere die Neu- 
tralität versprochen, aber das Haupt der Familie ftthrete andere Gon- 
silia, zum wenigsten hielte Holland sich desselben versichert. Er 
antwortete, wenn Ew. Ch. D. nur mit I. E. M. wären, würde derselbe 
Sich nicht separiren, und wenn der Eönig marchirete mit 100 Tau- 
send Mann, würde man schon davor halten, dass seine l^artei gut wäre. 
Schliesslich blieb er bei der vorher referirten Antwort. Sie ver- 
sprachen mir aber beiderseits, mir bei I. E. M. Audienz zu verschaffen, 
begehrten nur, dass ich mich zwei oder drei Tage gedulden möchte, 
weil I. E. M. heute nach St. Germain kommen werden, woselbst ich 
mich morgen einfinden will. — Sonst wird der Comte de Saint 
Gör an mit dem allerersten von I. E. M. an Ew. Ch. D. abgeschicket 
werden. Beide obgedachte Ministri haben mir gesaget, die Ursache 
dieser Abschickung sei, dass I. E. M. Nachricht bekommen, welcher 
Gestalt die Holländer Eurer Ch. D. Restitution der Plätze und Sub- 
sidien offerireten und würde derselbe Ewrer Ch. D. genügsame 
Satisfaetion geben und auf alle Casus instruiret sein, es sei dass 
Ew. Ch. D. Ihrer E. M. Partei nehmen oder neutral bleiben wollen. 
Ged. Graf ist noch ein junger Cavalier und bishero nicht gebrauchet 
worden, ist aber sonst bei Hofe gar wol aestimiret — Beide obged. 
Ministri haben mich gebeten, sie bei Ew. Ch. D. bestermassen zu re- 
commandiren, wie ich denn des letztern Civilität zu rühmen grosse 
Ursach habe. 

„Sonaten gehen die Kriegspraeparatoria noch immer fort nnd wird noch 
stets davor gehalten, dass der Fürst von Cond6 die Arm6e gegen Hol- 
land commandiren, I. E. M. aber mit einer andern Arm6e zwischen Ath, 
Marienburg, Philippeville nnd Cbarleroi Sich setzen werden, entweder nm 
den Fürsten von Cond6 zu secondiren oder Mastricht anzngreifen oder 
auch die Niederlande zn attaquiren, wenn sich Spanien en faveur von 
Holland regen sollte.'' 



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28 !• Zur Vorgeschichte de« dentsch-fniDEÖsiBcben Krieges. 1671. 1672. 



V. Crockow. Relation. Dat Paria 17./27. Nov. 1671. 

[St. G^rao. Persönlichkeiten. Werbe- and Festnngsnachrichten. Laaznns Ver- 
haftung. Trannng von Monsieur und Madame.] 

27. Nov. Der Comte de Saint 66ran wird künftige Woche von hier ab- 

reisen und seinen Weg über Metz und Frankfurt nehmen. Er hat 
den Gbaracter von Enyoy6 extraordinaire, ist sonst bis dato noch in 
keinen Negotiationen gebrauchet, ausser dass er in England und nach 
Florenz geschicket worden, daselbst einige Complimenten abzulegen. 
Er ist Obrister von dem Regiment d*Anjou, welches vor ?5wei Jahren 
gerichtet worden und noch denselben Namen behält, obgleich der 
Duc d'Anjou gestorben, wie denn I. E. M. neulich zu gedachtem 
Obristen und einigen Officirern gesaget, sie würden bald einen Herrn 
bekommen, weil I. M. die Königin schwanger. Es bestehet izt das- 
selbe Regiment in 72 Gompagnien. Es ist gedachter Graf ein naher 
Verwandter von dem Maröchal de Belle fonds und von sehr vor- 
nehmem Hause. 

Die Kriegspraeparatoria gehen noch immer einen Weg als den 
andern fort. I. K. M. haben einen l^tat gemachet von den Unkosten, 
so zu künftiger Gampagne erfordert werden, auf 30 Millionen, welche 
Mr. Golbert Ordre hat aufzubringen, worüber er sich mit Mr. de Lou- 
vois ziemlich brouilliret^ und hat es darauf gestanden, dass Golbert 
in Ungnade gekommen wäre. Es ist aber alles .wieder gehoben und 
beigeleget. 

Die Werbungen in Italien und in Portugal sind eingestellt. 

Zu der Artillerie wird auch Anstalt gemachet, und sein bereits 
25 halbe Gartaunen von Breisach nach Philippsburg gebracht, welche, 
wie man davor hält, weiter den Rhein hinunter nach Bonn sollen ge- 
schicket werden. Ebenmässig werden zu Metz und Philippeville starke 
Praeparatoria dazu gemachet. Die neugeworbene Schweizer und das 
Italienische Regiment des Magalotti sein bereits in Frankreich au- 
kommen wie auch das Teutsche Regiment zu Pferde des jungen 
Grafen Schombergs, mit dessen Montirung man nicht allerdings 
content ist, und werden dieEönigsmarkischen, welche bereits nach 
dem Elsass zugangen, viel mehr gerühmet. Die Werbungen gehen 
überaus wol von statten, die Gompagnien sein auf die bestimmte 
Zeit parat, und sein alles gute Leute, mit welchen man wol zufrieden. 
Man sagt, dass im künftigen Januario noch eine Werbung geschehen 



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ArmeeDachnchteD. Empfang der Herzogin tod Orleans. 29 

soll. — Sonst höret man noch nicht von einer extraordinairen Ar- 
matur zur See, aasser dass ein Gonseil de Marine gehalten worden. 

Es sein unterschiedene Gonstables und Officirer von der Artillerie 
nach Bonn gescbioket, und wird mit Aufrichtung der Magazine in den 
Grenzfestungen stark fortgefahren. Die alten Truppen, welche in den 
Festangen in Flandern gestanden, haben Ordre nach den Frontiören von 
lAigej nach Charleroi, Philippeville, Sedan und den Örter zu marchiren, 
und werden die neugeworbenen an ihre Stelle wieder hineingeleget. 

„Vorgestern Abends gar späte haben I. K. M. den Comte de Lau- 
znn zu St. Germain auf dem Schlosse in seinem Zimmer durch den Mar- 
quis de Roche fort in Arrest, aach seine Schriften in Verwahrang nehmen 
lassen, welcher denselben dem Monsieur d'Art.agnan überliefert, der ihn 
nach Lyon an Cbateau de Pore Ancbise bringen soll. Die Ursache ist 
noch unbekannt, |: man hält aber davor, dass der Graf Lau zun ohnge- 
achtet I. K. M. Verbot nnd der Gnade , welche I. E. M. in der Conside- 
ration nnd mit dem ßeding, dass er davon abstehen sollte, ihm erwiesen, 
die Heirat mit der Mademoiselle de Monpensier vollenzogen und 
sich mit ihr im geheimen tränen lassen, ihr anch eine Donation aller ihrer 
Güter abgescbwätzet. :|" 

Den 11. /21. dieses ist die neue Madame^) zu Chalons ange- 

') Elisabeth Charlotte, die Tochter des KnrfureteD Karl Ludwig von 
dor Pfalz (geb. 27. Mai 1052). üeber diese „Eurpfälzische Heirat*' finden sich 
schon vorher folgende bemerkenswerte Stellen, die um des wichtigen Gegen- 
standes willen hier im Zusammenhange Platz finden mögen. 

Relation d. d. Paris ll.y21. Angnst 1671: |: „Bei Hofe wird für gewiss 
ausgegeben, dass die Heirat zwischen Monsienr nnd der Chnr-Princessin 
za Pfalz ganz richtig nnd geschlossen, dass die Princessin die Religion chan- 
giren, nnd der Erzbischof von Paris oder der von Toulouse nacher Heidelberg 
gehen solle, um sie zu instrniren, dass anch I. K. M. den Mar^chal du Plessis- 
Praslin an S. Ch. D. schicken wurden, um die Werbung zu thun." Der Kur- 
fürst, 8o versichert der Pfalzische Resident (Pawel von Rammingen), wisse 

von alledem nicht das Geringste „Einige meinen zwar, dass es Ihrer E. 

M. selbst nicht Ernst sei, und dass Sie nur allein dadurch gesucht, die Heirat 
zwiechen ged. Princessin und dem Duc d'York zu hindern, weil Sie willens, 
dem Duc d*York die unlängst verwittibte Herzo|gin de Guise zu geben.' :| 

Relation d. d. Paris 16. October 1671. .Den 8. dieses ist die Heirat 
zwischen Monsieur und der Chnr-Princessin von Heidelberg *) allhier in dem 
Hostel der Princ.esse Palatino (Anna Gonzaga, Wittwe des Pfalzgrafen 
Eduard, Schwägerin des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz) in Gegen- 
wart derselben wie auch Monsieur und der beiden Ministres Le Tel Her und 
Colbert geschlossen und die Articul der Heiratspacten abgefasset worden, und 
ist der Marquis de B6thnne nach Heidelberg geschicket, damit dieselbe alda 
▼on S. Ch. D. und der Princesse« unterschrieben werden. Die Conditionen sind 

*) Zur Sache vgl. Ed. Bodemann Briefwechsel der Herzogin Sophie von 
Hannover mit dem Kurfürsten von der Pfalz (1885) Biol. S. XV fgg. 



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30 I- Zur Vorgeschichte des deutsch- fraocosiBcheo Krieges. 1671. 1672. 

langet und selbigen Tag mit dem Monsieur vertrauet worden. Den 
andern Morgen ist der Duc de St. Aignan daselbst per posta an- 



aber dieselbe , welche bei den Heiraten der. verstorbenen Madame wie auch der 
Madame Donaridre beliebet worden. | : Der Estat hat bei dieser Occasion vor 
sich keine Avantage stipuliret noch erhalten, weil I. E. M. protestiret, dass Sie 
die Estatsaffairen hierin nicht mesliren wollten. :{ Die Princesse Palatino ist 
vorgestern von hier nacher Strassburg abgereiset, wohin der Abrede gemäss 
I. Oh. D. zu Pfalz nebst dem Charprinzen und dessen Gemalin die Ohur-Prin- 
cessin begleiten werden. Von dannen wird die Princesse Palatino sie nach 
Metz bringen, woselbst sie die Religion changiren und von dem Maröchal da 
Plessis-Praslin par procuration wird getrauet werden. Monsieur wird sie zu. 
Cbalons empfangen und daselbst die Heirat vollziehen, nachgehends sie nach 
Villers Oosterests führen, wohin IL KK. MM. auch kommen werden. Die Prin- 
cesse Palatino hat das ganze Werk dirigiret, und ist nicht einmal 
die Formalität dabei gebrauchet, dasa Monsieur Jemand an I. Ch. 
D. geschicket, um die Werbung zu thun.* 

Belation d. d. Paris 13/23. October 1671: Da die Königin schwanger 
ist, wird sie sich nicht an dem Empfange in Villers Costerets beteiligeo. 
.Sonsten werden allerhand Präparatoria zn Balleten und Comedien gemacht, um 
die künftige Madame zu regaliren. Monsieur wird den 7. Novbr. von hier 
nach Ohalons aufbrechen "" 

Relation d. d. Paris 30. October 1671: .Die Vollenziehnng der Heirat 
und die Reise des Monsieur ist dadurch in etwas aufgeschoben, dass die 
Princesse Palatino einen Courier anhero geschicket und berichtet, dass 8. 
Ch. D. zu Pfalz Deroselben geschrieben: Sie könnten nicht sobald von Heidel- 
berg aufbrechen als Sie vermeinet, welches man muthmasset, es sei deshalboD 
geschehen, weil S. Ch. D. vorher die Ratification der Heiratsarticuln erwarten 
wollen; weshalben Monsieur den Mar^chal du Plessis-Praslin, welcher 
bei Arrivirung des Couriers abgereiset gewesen, wieder zurück berufen, wodurch 
zu allerhand Gerüchten Anlass gegeben worden. Es ist aber ged. Mar^chal den 
27. dieses wieder von hier abgereiset, und wird die Sache vorbereitetermaesen 

ihren Fortgang haben " Der König wird allein nach Villers Oosterets 

reisen» daselbst aber nicht länger als eine Nacht verbleiben. 

Relationjd. d. Paris 6. November 1671. Der König hat das Hubertus- 
fest zu Versailles seiner Gewohnheit nach mit Jagden begangen, wird aber 
in wenig Tagen wieder nach St. Germain kommen. Monsieur praparirt sich 
zu seiner Reise nach Ohalons, wohin er am 10. aufbrechen will. .Man erwartet 
taglich einen Courier von Heidelberg, welcher die Heiraths-Puncten von 8. Ch. 
D. unterschrieben mitbringen soll.* 

Relation d. d. Paris 13. November 1671. Der Hof ist stets zn Ver- 
sailles gewesen , „woselbst nichts Remarquables passiret, als 'dass I. K. M. und 
alle die Princes du sang den Heiratscontract zwischen Monsieur und der Prin- 
cesse von Heidelberg unterschrieben, wobei der Pfälzische Resident gewesen und 
ebenmassig den Oontract procuratorio nomine unterschrieben. S. Oh. D. lu 
Pfalz haben begehret, dass zwei Ezemplarien sollten verfertiget werden, da- 
von I. K. M. eins und S. Ch. D. das andere behielten, wie es in anderen Trac- 
taten gebrauchlich. Endlich haben Sie Sich mit einer von zweien Secretairea 



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Knrpfölzische Heirat. Eatscheidang des Kooigs gegen Holland. 31 

gelanget und hat wegen I. E. M. ihnen Glflck gewflnscht. Folgends 
hat sie Monsieur nach Villers Costerets gebracht. I. E. M. werden 
morgen Sonnabends dahin gehen und Montags wiederum zurück nach 
St. Germain kommen, wohin Monsieur und Madame sich auch kurz 
darauf begeben, unterwegen aber von dem Prince de Condö zu 
ChantiUy gar stattlich sollen regaliret werden. 



P. S. Relation. Dat. Paris 17./27. November 1671. 

[Letzte Entscheidang dee Königs und der Minister] 

Am 21. nochmals mit Loavois and Tarenne Rücksprache ge- 27. Nov. 
nommen. Am 22. Audienz beim Könige, deren Wortlant Cr. „zu seiner 
Justification'S weil Ef. ihm „die Sache so hoch und so hart anbefohlen^', 
berichtet. Grnndthema derselben im Munde des Königs: ,,Messieurs les 
Hollandois traittent tont le monde d'uue maniöre que je ne crois pas qu'il 
y alt beaucoup de Princes qni avent lien d'estre satisfaits d'eux et je ne 
pause pas que Mr. TEIecteur ajt sujet de Testre. Pour moy ils ont vonlu 
tellement marcher de pair avec moy qu'ii n'y a pas moyen de le souffrir 
davantage , et je feray 8i bien mon party que toutes les autres puissances 
▼erront aisöment que I*un des partis est plus fort que Tautre, et 
Mr. TEIecteur trouvera avec moy, s'il veut, tdus les avantages.dn monde. 
Vous pouvez asseurer M. l'Electeur que c'est une affaire oü il n'y a point 

de remdde Je connois trop la prudence de Mr. TElecteur pour 

croire qn'il se pr6cipite & prendre le parti des gents qui sont 4 la veille 
d'une semblable affaire.^' Hinterher bestätigen Louvois und Türen ne 
des Königs Worte. Alles gipfelt in dem Satze : die Puissance der Holländer 
müsse abaissiret werden. . . . „Woraus leicht zu ermessen, dass Ewrer 
Gh. D. so heilsame Intention vor dieses Mal nicht wird zu erhalten noch 
der Krieg auf solche Manier abzuwenden sein.'' 

„|: Es sein zwar ihrer Viel in der Meinung, man werde desselben alhier 
bald müde werden, weil I. K. M. noch immerhin Ihr Plaisir sehr lieben und 
den Bau bei währendem Kriege wollen fortgesetzt haben, weil auch das 
Geld bald mangeln wird, znmalen ganz kein Credit ist, welches man mit 
der Zeit erwarten müsse :|" Die Hofifnung auf Ruptur des Kf. mit Holland 
scheint sich, Crockow weiss nicht auf Grund welcher Gorrespondenzen, hier 
zu verlieren. Die Negotiation St. G6rans') werde wol nur auf Neutra- 
lität gerichtet sein. 



d'estat beglaubigten Abschrift contentiret, nachdem Ihrer D. remonstriret worden, 
dass es bei den Heiraten der Fürsten von Geblüt in Frankreich also gehalten 
wird. L K. M. haben Monsieur 60000 Rthlr. zu seiner Mnndirung geschenket" 
Die weiteren EmpfangsDachriohten finden sich im Texte der folgenden Relationen 
an den bezogliehen Stellen. 

Wohin sie zielte, s. Einleitung S. 10. 



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32 I- Zar Vorgeschichte dee dentech-franzoBiecheo Krieges. 1671. 1672. 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 4. December 1671. 

[HofDachrichten. Begrussnogsfeierlichkeiten für die Prinzessio von Orl^aos. — 
St. G^ran. Lanzan iDhaftirt. Gründe dafür.] 

4. Dec. Der König am 28. in Villers Costerests, Tags darauf nach St. Ger- 

main zurück. Den 30. brechen Madame nnd Monsieur nach Chantilly auf. 
Vom Prinzen von Cond6 daselbst fetirt. Tags darauf in St. Germain. 

I. E. M. fuhren hinunter, die Madame, welche in ihrem Appar- 
tement au Ghasteau neuf abgetreten, zu besuchen, führeten dieselbe 
hinauf auf die Residenz und praesentirten sie Ihrer M. der Königin, 
welche der Madame entgegen kam jusques au bord de TEstrade 
und dieselbe mit Bezeugung grosser Tendresse empfing und sie küsste. 
Nachdem I. K. M. dieselbe im stehen und nachgehends im sitzen eine 
Weile entreteniret, fingen sie an zu spielen. Folgenden Tages wurde 
das so genannte Ballet des Ballets, so von allen Balletten, welche 
seit 4 oder 5 Jahren getanzet worden, zusammengesetzet, nebst einer 
stattlichen Musicque praesentiret, und soll morgen ein Ball gehalten 
werden. I. M. der König thun der Madame sehr grosse Ehre an 
und haben Deroselben albereits ein Kleinod von 20 Tausend Reichs- 
thalern geschenket. Monsieur ist auch überaus satisfait, und Jeder- 
mann rühmet die Madame wegen ihrer Güte und Civilität. Man 
findet sie schöner, als man nicht gemeinet. Sie redet ziemlich gut 
französisch, tanzet wol, und obwol ihr Wesen nicht allerdings fran- 
zösisch ist, so excusiret maus doch damit, dass es ohne Afi*ection und 
ohne Hofi'art ist. 

Sonsten habe ich Tu renne zn St Germain gesprochen, aber von 
ihm, wie auch sonsten bei Hofe nicht anders vernehmen können, als 
dass die bewusste Sache ihren Gang fortgehet Der Gomte de 
St G6ran wird künftige Woche von hier abreisen, aber weil er 
seinem Vennuthen nach gegen die künftige Campagne wiederkommen 
wird, keine Equipage mitnehmen. 

„Mr. d'Artagnan, welcher den Comte de Lauznn von hier weg* 
geführet, hat verschlossene Ordre bei sich gehabt, die er nicht eher als zn 
Lyon eröffnen sollen. Man hält davor, dass ihm anbefohlen , den Comte 
de Lau zun nach Pignerol oder nach dem Chfttean d'If nahe bei Marseille 
zn bringen. Man hat mit der Zeit gesehen, dass die Ursache seiner Dis- 
grace nicht diejenige ist, welche anfangs gemuthmasset , wie ich in meinem 
letzteren nnterth. gemeldet, man kann auch dieselbe nicht eigentlich wissen; 
die meisten halten davor, es komme daher, dass ged. Graf deshalben sehr 



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Kriegsvorbereitongen. St. G^raD. 33 

nngedaldig gewesen, weil er sich bemühet „die Mar^chale de Cr^qny 
an der verstorbenen Madame de Montausier Stelle zu bringen, und 
darin nicht reüssiren können, massen I. E. M. dieselbe der Duchesse de 
Richelieu conferiret, weshalben ged. Graf gegen die Madame de Mon- 
tespan sehr harte ^orte soll gebrauchet haben, wiewol kein Mensch die 
eigentliche Gewissheit davon wissen kann/* 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 11. December 1671. 

[KriegsvorbereitoDgen. Rriegsrat in Aussicht. St. G^rao ohne Eqnipage ab- 
gereist. — Bestätigung der Panlette.] 

.... Inmittelst gehen die vorherberiehtete Kriegspräparatoria 11. Dec. 
noch immer fort, und werden noch täglich Patenta ausgegeben. So 
wird auch Ihrer K. M. Reise nach Champagne und Picardie zu Mu- 
sterung der Truppen noch vorsieh gehen, und Mr. de Louvois wird 
im Januar alle die Festungen in Flandern und auf der Grenze gegen die 
Spanischen Niederlande visitiren und die Garnisons, Zeughäuser und 
Magazine besichtigen. Der Holländische Ambassadeur machet 
sich zwar abermalen Hoffnung, die Sache in der Güte und durch Sub- 
missiones zu heben, er saget sogar, es sei ihm von vornehmem Ort 
an die Hand gegeben; so wären auch die Staaten General parat, 
den Anfang zu machen und die Sache dergestalt zu dirigiren, wie es 
I. K. M. hoher Respect erfordert. Weshalben er, sobald es seine 
Leibesdisposition leidet, eine Audienz begehren will, von welcher er 
sich glücklichen Success promittiret. Weil er aber oft übel infor- 
miret und in seinen Sentimenten sehr variabel ist, fürchte ich, es sei 
darauf kein Estat zu machen, sondern wollte ehe glauben, | : dass man 
ihm solche Hoffnung machet, um die General- Staaten zu endor- 
miren. :| 

In dem Hotel de Gond6 sagt man itzo öffentlich, dass der Prinz 
von Condö eine Arm^e und der Duc d'Enghien unter ihm die 
Cavallerie commandiren werde. Es ist auch diese Woche ein Conseil 
de guerre gehalten, wobei Mr. de Turenne und der Prince de 
Cond6 sich befunden. Künftige Woche soll abermal ein Kriegsrath 
gehalten werden. I. K. M. sein anitzo zu Versailles, wohin sich 
Monsieur und Madame, welche diese Woche alhier gewesen, 
morgen auch begeben werden. — Der Comte de St. G6ran^) ist 



») Vgl. Einleitung S. 11. 

Mater, s. Gescb. d. G. Kurfürsten. XIII. 



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34 I* Zur Yorgeflchicbte des deatsch-fraozösiBchen Krieges. 1671. 1672. 

vergangenen Dienstag von hier abgereiset, nimmt seinen Weg über 
Metz und Frankfurt a. M. ^Er bat keine Equipage mitgenommen, weil 
er vermeinet nicht lange bei Ew. Ch. D. Hofe zu verbleiben, sondern gegen 
künftige Campagne wieder alhier zu sein.** 

P. S. „I. K. M. haben die Panlette (welches ein Privilegium ist, ver- 
möge dessen die Conseillers de Parlement und andere Officiers de robe ihre 
Chargen erblich haben, vermittelst einer gewissen Summe Geldes, so sie 
Ihrer M. jährlich bezahlen) aufs neue auf drei Jahr confirmiret. Männiglich 
hatte davor gehalten, dass I. R. M. solches extinguiren würden, wodurch 
I. K. M. die Freiheit würden gehabt haben, die Chargen, wnnn sie vacant, 
zu verkaufen und ein grosses Geld daraus zu machen. Da es aber nicht 
geschehen, judiciret man daraus, dass I. K. M. den Krieg resolviret und 
deshalben nicht so viele Malcontenten machen wollen, welches durch Auf- 
hebung des gedachten Privilegii geschehen wäre." 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 8./ 18. December 1671. 

[ProviautliefernDg. Sunderlands Spanische Gesandtschaft. Kriegsaussichten und 
FersonalDachrichten. Agent Heiss. Der Staatische Gesandte verspricht sich 
von seinen Vorstellungen eine Wirkung auf den Gang der franzosischen Ent- 
schlüsse.] 

18. Dec. Herbeischaffung des Proviantes. Die Fermiers des quatre grosses 

fermes haben denselben nach den Grenzfestungen wie Philippeville, Marien- 
bonrg, Ath etc. zu liefern übernommen: 75000 settiers^) Korn, le settier 4 
9 fl. französisch. „Von einer solchen Mass werden 180 Rationen Brot ge- 
backen, dergestalt dass I. K. M. vor 9 FI. täglich 180, oder vor 1 Reichs- 
thaler 60 Soldaten unterhalten, deren ein jeder I. K. M. täglich nicht mehr 
als einen Sou kostet, davon 60 auf einen Reichsthaler gehen. Ebenmässig 
ist auch mit anderen Eaufleuten wegen Kraut und Loth gehandelt worden.'' 
Beabsichtigte Truppenrevue. Die vier Schweizerregimenter, jedes zu 
2000 M., werden dabei sein. Desgleichen die Irländer und Schotten. 
Der Graf von Sunderia nd^) ist hier einige Tage zu S. Germain gewesen, 
um wegen seiner Negotiation in Spanien mit I. K. M. völlige Abrede zu 
nehmen. Man sagt bei Hofe, „er gehe dahin, um zu verhindern, dass der 
König in Spanien die Staaten General nicht assistire, und demselben 
des Königs in England Guarantie zu offeriren. Man erwartet täglich 
zu vernehmen, ob die Spanier die Dilation der Entscheidung der mit I. K. 
M. annoch habenden Streitigkeiten acceptiret, und wessen sie sich darauf 
erkläret." 

|: Sonst promittiret man sich alhier ganz gewiss, dass der Bischof 
von Münster mit der Partei sein werde, und sagt man, dass der 
Verjus deshalben so schleunig dahin gereiset, um solches zur Rieh- 

1} Altes franzosisches Hohlmass. 
») Vgl. oben S. 23. 



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Armee- und Flotteonachrichten. 35 

tigkeit zu befördern. Auch hoflfet raan noch den Herzog von Han- 
nover mit OflFerirung grosser Advantagen zu gewinnen. :] 

Diesem allem, was obgedacht, ohngeachtet, war der Hollän- 
dische Ambassadeur noch vor drei Tagen in der Meinung, dass 
es nicht zum Kriege kommen würde, worinnen ich fürchte, dass er 
sich gar sehr wird betrogen finden. Er war damalen Willens bei I. 
K. M. Audienz zu begehren, welches dadurch beschleuniget worden, 
dass er vorgestern einen Courier aus Holland bekommen. Selbiger 
hat ein Schreiben von den Staaten General an I. K. M. und zu- 
gleich dem Ambassadeur Ordre mitgebracht, bei dessen Ueberliefe- 
rung I. K. M. alle billige Satisfaction zu oflferiren, dafern solches an- 
genommen wird, in Negotiation zu treten, widrigen Falls aber von 
hier abzureisen. Aller Apparenz nach sein alle menschliche Mittel 
umsonst dieses Unglück abzuwenden. Man machet anitzo nicht mehr 
ein Geheimnis davon, Jedermann redet bei Hofe öffentlich davon, die 
Allervornehmsten sowol als die Andern. 

;: Wegen der Stadt Cöln versicherte mich Tu renne gar hoch, 
dass I. K. M. nichts mehr verlangten, als die Sache in der Güte bei- 
zulegen. — Man sagt bei Hofe, dass der König in England 60 
und der König in Frankreich 40 Kriegsschiffe ausrüsten würde. 
Der Graf d'Eströes werde die Französische, der Duc d'York oder 
Pfalzgraf Ruprecht die Englische Flotte commandiren; der Fran- 
zösische Admirnl aber dem Engländischen allezeit pariren, und wäre 
deshalben alles abgethan und ajustiret. Es wäre auch in den Hafen 
alles parat dazu, dergestalt, dass die Flotte in kurzem könnte equi- 
piret werden. : j Gewiss ist es, dass sechs grosse Schiffe aus der Mittel- 
ländischen See in den Oceanum passiven, um sich mit der Flotte, so 
dieser Seits sich befindet, zu conjungiren. 

Mr. de Louvois hat neulich den Mainz- und Trierischen Agenten 
Herrn Heiss^) nacher Deutschland abgefertigt; wie mir glaubhaft 
berichtet, hat er Ordre, bei gedachtem Chur- und anderen benach- 



^) Schreiben der Generalstaaten d. d. Haag 10. December 1671 bei Migoet 
N^gociatioDS IH, G57. Sie entscbuldigten ihre Rüstungen und erboten sich, in 
Ausführang des französisch -holländischen Tractats von 1602 dem Konige in 
Bezog auf Handel und Schifffahrt jede billigerweise zu beanspruchende Satis- 
faction zu geben. Vgl. S. 44. 

^ Vgl. den Bericht von Marenholtz d. d. Würzburg 7. März 1672 unten 
(Abteilung 3) in den Correspondenzen mit Rurmainz. 

3* 



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36 I* Zur Vorgeschichte des deutsch-franzosiscben Krieges. 1671. 1672. 

harten Reichsfürsten einen freien Transitum vor die Französische 
Völker, Artillerie und andere Kriegsprovision zu begehren. 

„Die Antwort, welche der Holländische Ambassadeur bekommen 
wird, wird ihn sonder Zweifel desabusiren. Er hat mir gesaget, er wollte 
Ihrer K. M. repräsentiren, dass der König in England den General- 
Staaten Mediation und Assistenz offerirete, und also nothwendig entweder 
mit ihnen oder mit I. K. M. es nicht recht meinete. Es stünde bei den 
Staaten-General, den König in England dadurch zu gewinnen und auf 
ihre Seite zu bringen, ^ass sie dem Prinzen von Oranien das Com- 
mandement der Arm6e gäben, womit sieb der König in England con- 
tentiren würde. Derselben Intention ginge dahin, den Prinzen von Ora- 
nien so considerabel in Holland zu machen und ihm so grosse Autorität 
zu Wege zu bringen, dass Holland ins künftige sich nicht mehr von Eng- 
land zu separiren noch mit I. K. M. zu verbinden vermöchte. Er vermeinet, 
solche Considerationes nebst den Submissionen, welche er zu offeriren 
willens, würden capabel sein, I. K. M. Dessein zu changlren. Ich halte 
davor, sie werden nicht die geringste Impression thun, und befürchte des- 
gleichen von allem demjenigen, das er mit letzterm Courier mag bekommen 
haben." Was Crockow zur Sicherstellung der Kurfürstlichen Lande zu ne- 
gotiiren habe, für den Fall, dass der Krieg nicht mehr zu verhüten sei? 
Weil die letzte Ordre ') „ziemlich general, auch die Zeiten sich seitdem ge- 
ändert", bittet er um Instruction. 

P. S. Louvois sagt, es befremde I. K. M., dass Kf. zu Bonn eine 
derartige Declaration gethan; durch dieselbe würde der König nun wol 
genötigt werden, dem Kurfürsten von Cöln „mit dem ehesten so viel 
Mannschaft zu schicken, dass Niemand denselben weder mit Worten noch 
mit Werken gefahren könnte". Die Berechtigung dieser Proposition Blas- 
peils') wird von Crockow befürwortet, ihr Inhalt in der entsprechenden 
Weise gedeutet. Louvois meint, Blaspeil habe wol seine Ordre überschritten, 
und bittet in des Königs Namen, Kf. möge ihn (Blaspeil) anweisen, „dass 
er sich ins künftige in seinem Vorbringen moderiren möchte'^. Der neue 
dänische Envoy^ extraordinaire Graf Rantzau hatte gestern seine erste 
Audienz beim Könige, bei dem Dauphin und der kleinen Madame. Des- 
gleichen der Syndicus der Stadt Strassburg Fritsch beim Könige. 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 25. December 1671. 

[Officieller Boscheid an den HolländiBchen Gesandten. Beabsichtigter Aufbruch 

des Königs und eventuelle nächste Ziele. — General v. Podewils. — Für die 

Flotten geschieht noch wenig. — Gratulationsbesuch bei Monsieur und Madame.] 

25. Dec. Als der Holländische Ambassadeur, wie ich in meinem 

») Rescript des Kf. d. d. 3. November 1671 oben S. 20. 

^ Durch Blas peil abgelegt zu Bonn vom 26. November 1671. Das Acten- 
stuck selbst von Blaspeil mit Bericht d. d. Coln a. Rh. 1. December 1671 (unten 
in Abteilung 2) nach Berlin gesendet. 



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Bescheid an d. holl. Gesandten. Des KoDigs beabsicht. Rei8# n. Chalons. 37 

letztern unterth. berichtet, bei I. K. M. um Audienz angehalten, haben 
I. K. M. ihm heute vor 8 Tagen durch den Maltre de Cörömonies den 
20. dieses s. n. dazu benennen und zugleich nait sothaner Antwort 
ihm die Sentenz, welche I. K. M. als beiderseits beliebter Arbiter 
zwischen I. K. M. von Dänemark und den General-Staaten ausge- 
sprochen, in originali insinuiren lassen. Er hat mir gesagt, dass in 
derselben die Generalstaaten in contumaciam sowol wegen der Haupt- 
sache als wegen der Interessen, Schaden und Unkosten ganz und gar 
condemniret sein. Es würden aber die General-Staaten dawider ex- 
cipiren und vorschtitzen, dass I. K. M. damalen, als Sie zum Arbitro 
erwählet, Amicus communis gewesen, anitzo aber parteiisch wären. — 
Die Audienz ist bis auf den 22. dieses s. n. und nacligehends bis I. 
K. M. Zurückkunft von Versailles, welche den 2. Januar sein wird, 
aufgeschoben, und weil I. K. M. den 5. darauf nach Chälons verreisen 
werden, zweifelt der Ambassadeur, ob vor selbiger Abreise etwas 
daraus werden möchte, und ist auf solchen Fall Willens, bei I. K. M. 
Zurückkunft seine Abschiedsaudienz zu begehren. Man hat bei Hofe 
Nachricht, dass der Ambassadeur Ordre habe, Ihrer K. M. zu sagen, 
dass die Staaten General sich nicht erinnerten, wider den Respect und 
die Reconnaissance, welche sie I. K. M. schuldig wären, etwas be- 
gangen zu haben. Sollte es geschehen sein, wären sie erbötig, solches 
mit gebührender Submission zu redressiren, es würde ihnen mit Un- 
recht beigemessen, als hätten sie die Krone Spanien zu einer Ofifensiv- 
AUianz wider I. K. M. invitiret, welche Opinion Ihrer K. M. zu be- 
nehmen er ein Originalschreiben von der Königin in Spanien, 
darin solches begehret wird, zu produciren in Befehl haben soll. 
Aller Apparenz nach ist es soweit mit der Sache gekommen, dass 
solches alles keinen Effect mehr thun wird. 

„I. K. M. beschleunigen Dero gegen den 25. Januar nach Chälons vor- 
gehabte Reise dergestalt, dass sie den 5. dito von S. Germain aufzu- 
brechen nnd en relais de carrosse in einem Tage bis GhSlons zu reisen re- 
solviret; Monsieur, der Prince de Cond6 und Turenne begleiten 
I. K. M. Mr. de Louvois ist vergangenen Montag den 21. dieses von 
hier abgereiset, um die Plätze in Flandern zu visitiren und die Truppen 
nach den destinirten Rendez- vous, als nämlich Chälons, Troyes, Rethel, 
Soissons und Beauvais marchiren zu lassen. Er vermeinet den 4. Januar 
gegen I. K. M. Ankunft in Chälons zu sein. Die BescbleuniguDg dieser 
Reise verursachet allerhand Nachdenken. Es kömmt auch dazu, dass I. 
K. M. morgen and übermorgen 20 Compagnien du Regiment des Gardes 
(und zwar diejenigen; bei ^eichen die Officirer sieb wirklich befunden), 



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38 '• Zur Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges. 1B71. 1672. 

deren jede 100 M. stark, oach Cbftlous avanciren lassen, dahin auch 7 Cona- 
pagnien des Gardes Suisses im Marche begriffen, zu geschweigen, dass die 
Mousquetaires , Chevauxlegers und Gardos de Corps dahin zu geben theils 
schon unterwegens, theils ehester Tage aufbrechen werden." 

|: Jedermann siebet leicbt, dass solcbes nicht allein auf eine Muste- 
rung angeseben, und ist unschwer zu erachten, dass die Compagnies 
des Gardes zu Fuss nicht wieder zurückkomnien werden; wohin sie 
aber dürften employiret werden, davon wird unterschiedlich judiciret. 

Männiglich ist fast darin eins, dass I. K. M. die Spanische 
Niederlande wegen der mit England genommenen Mesures nicht an- 
greifen werden. So scheinet es auch, dass bei itziger Jahreszeit 
w*der Holland nichts vorzunehmen, weil die Plätze vor einer Surprise 
sicher, und einen Streif zu thun der Weg zu weit ist. Der Ambas- 
sadeur muthmasset, dass man sich eines oder des andern Posto zu 
versichern willens. Andere meinen, es werde nach Strassburg und 
dem Elsass gehen. Der von selbiger Stadt alhier anwesende Syn- 
dicus') saget, dass solches deshalben nicht zu beftlrchten, weil Frank- 
reich der Oerter ganz keine Magazine gemachet, auch keine Artollerie 
daselbst parat stehet. Vielleicht geschiehet es nur allein deshalben, 
dass I. K. M. die Truppen dergestalt vertheilen und in die Quartiere 
verlegen wollen, wie sie in dieser oder jener Arm6e dienen sollen, 
und dürfte vermuthlich ein Theil derselben die weitere Quartiere im 
Gölnischen oder im Bisthum Li6ge nehmen. I. K. M. vermeinen die 
Reise innerhalb 14 Tagen abzulegen. Nachdem die Resolution ge- 
nommen, die Reise dergestalt zu beschleunigen, sein unterschiedene 
Couriers nacher Spanien und England abgefertiget worden. — Man 
giebt alhier vor gewiss vor, dass der Herzog von Hannover I. K. 
M. Partei offensive nehmen und mit ehestem werben und sich in 
Postur setzen werden. Der Herr General Podewils'), welcher 
alhier gänzlich quittiret, hat schon seinen Abschied bei Hofe ge- 
nommen, um nacher Hannover zu gehen. — Zu verwundern ist es, 
dass bei Ausrüstung der Flotten so wenig alhier als in England noch 
zur Zeit nichts geschehe. Der Holländische Ambassadeur, welcher 
solches am besten wissen kann, weil sie in allen Hafen ihre Leute 
haben, saget, dass bloss allein vierzehn Schiffe in Frankreich ausge- 
rüstet werden, um in die See zu gehen. :| 



1) 6. oben S. 36. 

^ Heinrich von Podewils, französischer Marechal de camp. 



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Die braodeDburgische Proposition an Kurcolo. 39 

^Auch habe ich den 22. dieses nebet dem Ambassadeur de Malthe^) 
und Schwedischen Residenten Vormittags bei Monsieur und Nachmittags 
bei Madame Audienz gehabt und wegen glücklich vollzogener Heirat 
das Compliment abgeleget. Madame, nachdem sie mir geantwortet, fing 
aD teDtsch mit mir zu reden, bei einer halben Stunde lang, fragte insonder- 
heit gar fleissig nach Ihrer Ch. D. der Chnrfürstin und sagte, sie 
hätte von Deroselben zu Celle sehr grosse Ehre empfangen, und wünsche 
sehr Ihrer Ch. D. Affection sich jederzeit zu conserviren." 

Der Markgraf von Ansbach ist angekommen. ^Ich habe Ihrer D. 
meine unterth. Dienste präsentiret, werde mir auch höchst angelegen sein 
lassen Ihrer D. nach aller Möglichkeit an die Hand zu gehen. Ich habe 
auch Willens gehabt und mich ofiferiret, I. D. nach S. Germaiu zu führen, 
aber der Hofmeister machet DifficuUät, solches ohne expresse Ordre zu 
thun. Auch deucht mir, dass er etwas zu sehr mesnagiret, weil er weder 
Kutsche noch Livrei hat, welches hochnöthig, ob Sie schon incognito leben 
wollen. I. F. D. haben Einliegendes an Ew. Ch. D. geschrieben*'. (Ohne 
Belang.) 



Der Kurfürst an v. Crockow. Dat. Coelln a. Sp. 
20./30. December 1671. Conc. Meinders-O 

[Den König an seine alten Zusagen zu erinnern und nochmals vorzustellen was 
88 mit der Proposition an KurcÖln auf sich habe. Bezugnahme auf die Aeusse- 

rungen Fürstenbergs.] 

Auf Relation und P. S. vom 8./ 18 , aus welchen — 3q dqq^ 

mit Befremdung ersehen, was der de Louvois wegen Unseren an 
Chur-Cölns Ld. gethanen Proposition gegen Euch für Discursen ge- 
fltthret. Ob Ihr nun zwar albereit nach Unserem gn. Vergnügen dar- 
auf geantwortet, so wollen Wir doch, dass Ihr abermalen Gelegenheit 
suchet, entweder dem Könige selbst oder denen Ministris fürzustellen, 
dass Wir des Herrn Churfürsten zu Cöln Ld. nichts proponiren 
lassen, so I. E. M. im geringsten touchire, sondern vielmehr dieses 
Ihrer Uns jedesmal communicirten Intention gemäss sei, dann Die- 
selbe Uns zum öfteren und beständig versichert haben, dass Sie nicht 
gemeinet wären, das Römische Reich, in specie die Stadt Cöln, weniger 
Uns und andere Lande in einigen Krieg zu impliciren, sondern viel- 
mehr mit dem Reich den Frieden und gute Freundschaft zu unter- 
halten. Von des Herrn Churfürsten Ld. hätten Wir auch nichts an- 



^) Abgeordneter des Malteser Ordens. 

^ Mit bedeutenden Zusätzen von Schwerins Hand. 



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40 I* Zur Vorgeschichte des deutsch-fraozöeischen Krieges. 1G71. 1G72. 

deres als dieses begehret und, weiln Wir von Derselben Armatur und 
Anstalt zur Belagerung gewisse Nachrieht erlanget, Dieselbe wolmei- 
nend erinnert und ermahnet, den Frieden im Reich conserviren zu 
helfen und Dero Befugnisse auf andere Weise zu suchen, wozu Wir 
Unsere Assistenz, auch wenn Sie von Jemand gefilhret werden sollte, 
offeriret; welches Uns nicht allein als ChurfÜrsten des Reichs Unserer 
geleisteten Pflicht halber sondern auch als Ihrer Ld. Nachbarn und 
vertrautem brüderlichen Freunde, imgleichen wegen Unserer Lande 
und Unseres darunter versirenden merklichen Interesse halber in alle 
Wege obgelegen sein und verhoflFentlich von I. K. M., welche sonsten 
auch öfters contestiret, dass Sie Sich in die Streitigkeiten wegen der 
Stadt Güln nicht mischen wollten, nicht übel noch ungleich würde 
aufgenommen sein, wenn es nicht die von Fürstenberg aus un- 
zeitiger Uehereilung, und um Uns bei I. E. M. suspect zu machen, 
wider den Grund der Wahrheit anderes angebracht hätten. 

Wir wären aber Ihrer K. M, Generosität gnugsam versichert, 
und dass Sie wegen dergleichen unnöthiger und unbegründeter 
Rapporten keinen Glauben geben noch Ihre jedesmal gegen Uns 
bezeugte Affection und geneigten Willen ändern, sondern hingegen 
Unsere aufrichtige Freundschaft Sich allzeit versichert halten würden. 
Wir Hessen dahin gestellet sein, wohin deren von Fürstenberg 
Intention und Zweck gerichtet, könnten aber Ihrer M. nicht verhehlen, 
dass Wir nicht glauben könnten, dass derselben Intention dahin ginge, 
zwischen Ihre M. und Uns gute Vertraulichkeit zu befördern, weil 
Fürst Wilhelm Uns, wie er hier gewesen, ausdrücklich gesaget, 
die Französische Desseinen giengen so weit und ihre Macht wäre so 
gross, dass man billig Ursach hätte, zu deliberiren, ob man nicht 
vielmehr die Holländische als die Französische Partei anzunehmen 
hätte, und dass des ChurfÜrsten zu Cöln Ld. viel lieber Dero 
Stadt Rheinberg wie auch Mastricht in Holländischen als Französischen 
Händen sehen, auch lieber die Holländer als Franzosen zu 
Nachbarn haben wollten.^) I. K. M. würden Uns nicht verdenken, 
dass Wir das Römische Reich in Fried und Ruhestand und Unsere 
Lande ausser fremden und Uns nicht angehenden Kriegstroublen zu 
erhalten suchten, auch darunter allen möglichen Fleiss anwendeten, 
um bei Unseren Freunden und Nachbarn, insonderheit aber bei Un- 



»haec (das Gesperrte) addidit Dm. Meinders in originali" Conceptvermerk 
des Cabinetssecretärs Hippel. 



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Besugo. auf d. AeusserungeD FurstenbergB. Zweck der Reise d. Königs. 41 

Beren Alliirten und Mitchurfttrsten dergleichen friedsame Gonsilien zu 
befördern. 

Folgt Befebl ,,flei8Biger Comm^nicatioD'^ 



V- Crockow. Relation. Dat. Paris 21. /31. December 1671. 

[Der HoIläDdische Gesandte hofft auf Audienz. Nachrichten vom Aufbruch. 

Coln. Angebliche Ueberlassung der Stadt Jülich an Frankreich. Des Englischen 

Ambassadeurs plötzliche Abreise nach London. Auswärtige Nachrichten ] 

„Der Holländische Ambassadenr bat wegen der begehrten Audienz 31. Dec. 
noch keine weitere Nachricht; and stehet es auch annoch damit in vorigen Ter- 
minis. Inmittelst hat er den Courier zurückgeschicket nnd neue Ordre be- 
gehret, wie er sich bei I. K. M. Wiederkunft auf alle Fälle verhalten 
solle. — I. K. M. haben Dero Reise bis anf den 7. dieses aufgeschoben. 
Unterdessen marcbiret die Cavallerie de la Maison du Roy nach Metz zu. 
Monsieur d'Artagnan, welcher mit einem Theil der Mousquetaires den 
Comte de Lauzun nach Pignerol gebracht, bat Ordre anf seiner Rück- 
kunft nach Dijon zu marchircn, woselbst er weitere Ordre finden soll, wo 
er hin zu gehen hat. Vermuthlich, weil solches der nächste Weg, wird er 
von da grade nach Metz niarchireu ; die 20 Compagnien von dem Regiment 
des Gardes fran9aise8 und 7 Compagnien Schweizer gehen auch dahin. 
Ebenmässig sein neun Gompagnies Francbes de Suisse nach Monmedj zu 
gehen commendiret, unter dem Praetext die Garnisonen des Ortes zu ver- 
stärken. Auch sagt man, dass auf dem Rendez-vons bei Chälons einige 
Truppen sollen detachiret werden, um der Oerter hin zu gehen, dergestalt 
dass daselbst ein ziemlich stark Corpus wird formiret werden. Zu dem 
Ende wird zu Metz, Thionville und der Oerter herum eine überaus grosse 
Quantität Mehl gemahlen.^^ 

Niemand kann penetriren, was dieses Mouvement vor einen Zweck 
habe, |: obs bloss allein geschehe, die Quartier im Cölnischen zu 
nehmen und des Churfürsten Land vor eine feindliche Invasion zu 
schützen und die Stadt Coln zu schrecken, oder ob man gar eine 
Entreprise auf dieselbe Stadt vorhabe. Gewiss ist es, dass man al- 
hier sehr allarmiret ist [wegen] der im Haag zu Conservation selbiger 
Stadt genommenen Mesuren, davon Ew. Ch. D. anderwärtige Nach- 
richt haben werden, und dass man alhier gar sehr wünschet, dass 
die Sache möge accommodiret sein, damit Holland sich daselbst nicht 
feste setze und einen Fuss bekomme. Vielleicht möchte solches gut 
sein, um den Krieg, weil er ja nicht zu verhüten, von Ew. Ch. D. 



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42 I- Zur Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

Landen zu esloigniren *). Solches würde gewiss das Conccpt gar sehr 
ändern. :] Man höret noch nicht, wer dasselbe Corpus commandiren 
soll, der Marschall de Cr^quy oder sonst Jemand. 

Sonsten hat man alhier, so lange als ich alhier bin, die Zeitung 
herumgetragen, als wenn I. K. M. die Stadt Jülich von I. D. zu Pfalz- 
Neu bürg erkaufet. Ich habe dieselbe nicht würdig geachtet, um 
Ewrer Ch. D. referiret zu werden, weil ich solches vor so unmöglich 
gehalten, als es den Reichs-Satzungen, dem zwischen Ew. Ch. D. und 
Pfalz-Neuburg getroffenen Tractat und gedachter I. F. D. bisheriger 
Conduite zuwider ist. Anitzo aber wird es mir von so gewisser Hand 
vor ungezweifelt berichtet, dass, obschon ich dennoch daran zweifele, 
gleichwol mich schuldig erachte solches zu referiren. Es werden 
dabei diese Umstände berichtet, dass Pfalz-Neuburg Ihrer K. M. nur 
auf ein Jahr Besatzung darin zu legen vergönnet, dass I. K. M. hin- 
gegen versprechen, nach dessen Verfliessung den Platz zu evacuiren 
und Pfalz-Neuburg wegen Ravenstein von den Holländern Satisfaction 
zu verschaffen. Man hat auch Nachricht, dass GO Tausend Louysd'or 
von hier nach Breisaeh geschicket, dass alda einige masquirte Reiter 
dieselbe Gelder an einen gewissen Ort am Rhein vier Meilen von 
dannen gebracht, daselbst andere ebenroässig masquirte Reiter die- 
selbe empfangen und weggeföhret. Man muthmasset, dass der Pfalz- 
graf von Neuburg dieselbe empfangen. Daneben sagt man, dass 
I. K. M. Ihrer D. vor Dero Prinzen reiche Beneficia und Abbayen 
in Frankreich versprochen. Auch sagt man, dass die Compagnie 
mousquetaires, welche den 23. dieses von hier aufgebrochen, dahin 
gehet, um sich hineinzuwerfen, und dass die vielen Canons den Rhein 
heruntergebracht, um den Ort zu besetzen. 

DiT Holländische Ambassadenr hat diese Zeitung den General- 
Staaten bereits referirt, wiewol er selbst noch an der Gewissheit zweifelt. 

Sonsten hat der Englische Ambassadeur'), nachdem er zwei 
Couriers auf einander bekommen, bei I. K. M. ganz geheime Audienz 
gehabt und sofort darauf die Post genommen, um nacher London zu 
gehen. Er hat ausgespr enget, es geschehe solches wegen seiner 
Privataffairen und einer Streitigkeit, welche er mit dem Duc de 
Buckingham hat, wegen der ihm neulich conferirteu Charge de 

■) So musB es unzweifelhaft heisseD. Die entstellte Dechiffriraog des Ori- 
ginals lautet: viel England Landen zu esloigniren. 
*'*) Lord Montague. 



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Angebliche üeberlassuDg Jülichs. Des Königs Reise aufgegeben. 48 

Grand-Maitre de la Garderobe. Es will aber solches niciit geglaubet 
werden. Der Holländische Ambassadeur präsumiret daraus eine Ver- 
änderung der Consilien in England, und dass er revociret sei, um 
neue Instruction zu empfangen. Von der Krone Schweden sagt 
man albier, dass dieselbe die Neutralität auf ein Jahr lang versprochen. 
Sonst werden in dem Bisthum Metz Dragoner geworben, und aus 
zwei von den alten Compagnien drei gemachet. Die Officirer be- 
kommen Geld sich wieder zu recruitiren. |: Mit Münster und Han- 
nover :| hat es, soviel ich alhier vernehmen können, noch seine gänz- 
liche Richtigkeit nicht, wiewol man sich noch Hoffnung machet sie zu 
gewinnen. 

V. Crockow. Relation. Dat Paris 7. Januar 1672. 

[Des Königs Reise nach Ch&lons aufgegebeo. Wie diese and der Vergleich aiit 
ÜöId hier beurteilt wird. Aoerbietnngen des Staatischen Gesandten. Louvois 
nach Goln. Stadt Neuss. Answartige Politik. Markgraf von Ansbach bei Hofe 

vorgestellt.] j^^g^ 

„Ihrer M. vorgehabte Reise Darb Chälons ist gänzlich ziirückgegaDgen, 7. Jan. 
und sein ihrer Viele der Meinung, dass I. K. M. niemalen im Willen ge- 
habt dieselbe zu thun, sondern nor allein die Mine und die Anstalt dazu 
gemachet, theils, um die Officirer zu obligiren, dass sie ihre Truppen in 
desto besserm Estat hielten, theils auch weil die Fürsten von Fürsten- 
berg begehret, I. K. M. möchten der Oerter ein Corpus zusammenführen 
oder zum wenigsten die Mine machen um die Stadt Cöln zu schrecken 
und das Accomodement zu facilitiren. Man hat alhier mit sehr grosser 
Freude vernommen, dass solches endlich erfolget. Tu renne ist sehr 
bekümmert gewesen, dass die zwischen den Bischöfen von Münster 
und Strassburg entstandene Missverständnis das Werk hindern möchten, 
und ich habe ihn über den Vergleich so sehr erfreuet gesehen, als er 
perplex und bekümmert war, ^o lange man daran zweifeln können. 
Es scheinet, mau habe alhier besorget, dass sonsten die Holländer Gele- 
genheit genommen hätten eine grosse Garnison hineinzulegen, welches 
I. K. M. Armeen sehr würde incommodiret haben, zumalen weil I. K. M. 
dieselbe Stadt, sonder mit dem Reit he zu brechen, nicht hätten attaquiren 
können, welches I. K. M. aller Apparenz nach mit allem Fleiss versuchen 
werden, bis Sie Sich an den Holländern, gegen welche die Animosität sehr 
gross ist, revangiret." 

„Der Ambassadeur von diesem Staat hat den 4. dieses bei I. K. M. 
Audienz!) und vorher mit Mr. Le Te liier Confereuz gehabt, welcher ihn 
versichert, dass 1. K. M. Sich an keinem Hofe wider die Staaten General 
declariret und nar allein darüber Beschwer geführet, dass dieselbe eine 



1) Vgl. Mignet a a. O. 658. 



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44 1- Zur Vorgeschichte des deutsch-fraDsösischen Krieges. 1G71. 1672. 

grosse GaroisoD in die Stadt Cöln zu werfen resolviret, dabei er auch dem 
Ambassadeur angedeutet, dass 1. E. M. vermöge eines mit dem Chnr- 
fürsten von Cöln Anno 69 gemachten Tractats obligiret wären den 
Chnrfürsten zu assistiren, wenn sieb Jemand der Stadt annähme, nnd dass 
solches eine Ruptur würde verursachen können. Darauf hat er bei I. K. M. 
Audienz gehabt und Deroselben ein Schreiben von den General- Staaten *), 
davon die Copey hiebei gehet, überliefert." Seine Rede war dem Inhalt 
desselben conform: Die Generalstaaten wüssten sich nicht zu erinnern, dass 
sie etwas wider den König begangen hätten; im anderen Falle erböten sie 
sich zu allem Guten, „weil ja keiner so criminell wäre^ welchem man nicht 
dasjenige vorhielte, was man wider ihn hätte, und seine Justification ver- 
nähme (welches der Ambassadeur selber also referiret)'^ 

Auch offerirten sie, die Commercien auf den Fuss, wie sie Anuo 62 
gewesen, wieder zu setzen und solches bei I. E. M. zu suchen, auch 
deshalben alle die Avances zu thun, welche I. K. M. hoher Respect 
erforderte. I. K. M. haben geantwortet, Sie hätten den Brief schon 
lange gelesen, es wäre derselbe in aller Leute Händen, Sie hätten die 
Copey davon bei sich, sonst wäre Deroselben wol bewusst, dass die 
General-Staaten alle Potentaten in Europa wider Sie aufzuwiegeln 
gesuchet. Solches hätte I. E. M. obligiret Sich in Postur zu setzen, 
Deroselben Armatur wäre schon ziemlich avanciret, I. E. M. wollten 
damit fortfahren und weiter dasjenige thun, was Deroselben Gloire 
und Interesse erfordern würde. Dem ohngeachtet hält der Ambassa- 
deur noch davor (oder stellet sich zum wenigsten also an), dass es 
zum Eriege nicht kommen werde, wiewol er nicht in Abrede sein 
kann, dass man anitzo in allen Hafen beginnet zu equippiren, und 
dass I. E. M. Estat machen, künftigen Frühling im Oceano 50 Orlog- 
schiffe zu haben. Sonst ist nunmehro public, dass Mr. de Louvois, 
nachdem er einige Plätze in Flandern visitiret, nach dem Erzstift Cöln 
gegangen.') 

„Das Gerüchte von der Stadt Jülich, davon ich neulich unterth. refe- 
riret, continuiret nicht, hingegen wird es vor ganz gewiss gehalten, dass 
I. Cb. D. zu Cöln Ihrer Eöniglichen M. die Stadt Neuss auf eine gewisse 
Zeit einräumen, die 20 Compagnien des Regiment des Gardes fran9aise6 
und die 7 schweizerische Compagnien sein destiniret gewesen dahin in Gar- 
nison zu gehen, weshalben sie sich der Oerter genähert, um von Mr. 
de Louvois weitere Ordre zu erwarten. Und weil fünf Französische und 
drei Schweizerische Compagnien wieder anhero zurückkommen, als ist zu 



^) Bs ist das Schreiben vom 10. Dec. 1G71 , deaseo scboD obea 8. 35 ge- 
dacht worden. 

Vgl. die Rel. Blaspeils. d. d. Cölo a. Rh. 5. Jan. 1672 unten (Abt. 2). 



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ErbietuQgeD der HoUaDder. Staud der Verhandlungeo mit Schweden. 45 

vermothen, dass die übrigen ihren March dahin fortgesetzet, and dass die 
Cavallerie de la Maison du Roy dieselben escortiret." Aus Spanien noch 
keine Nachricht. Ein Courier von Brüssel nach Spanien mit dem Spanisch- 
Holländischen Tractat ißt auf Französischem Boden intercipirt worden. — 
8 grosse Rüstwagen mit Geld sind von hier weggesandt und von dreissig 
Garden escortirt worden. 

Sonst wird vor gewiss angegeben, dass Monsieur^dePomponne 
vor seiner Abreise aus Schweden einen Tractat geschlossen, dadurch 
selbige Krone sich obligiret vermittelst einer Summe Geldes, welche 
I. E. M. versprochen, ein Jahr lang neutral zu bleiben, inmittelst sich 
in Postur zu setzen und in Bremen und Pommern eine Armöe zu for- 
miren. Und wenn hiernächst der Römische Kaiser oder einige 
ReichsfÖrsten sich wider I. K. M. declarireten, denselben eine Di- 
version zu machen. Es wird dabei berichtet, dass Monsieur de 
Pomponne nach geschlossenem Tract Ihrer K. M. in Schweden 
ein Contrefait von I. K. M. in Frankreich, so mit sehr kost^ 
baren Diamanten besetzet, praesentiret habe. So machet man sich 
auch grosse Hoffnung, den Herzog von Hannover dahin zu dis- 
poniren, dass Er Sich vor I. K. M. declarire oder zum wenigsten 
Deroselben einige Truppen Oberlasse. Was England betrifft, giebt 
zwar der Holländische Ambassadeur vor, dass die Gonsilia daselbst 
geändert, ich habe aber gleichwol sonst keine gewisse Nachricht da- 
von. Es wird sich solches bei der Wiederkunft des Englischen Am- 
bassadeurs, welcher ehester Tage alhier erwartet wird, bald aus- 
weisen. 

Der Markgraf von Ansbach ist incognito unter dem Namen eines 
deutschen Edelmannes durch Turenne dem Könige in S. Germain vorge- 
stellt worden. Auf die gleiche Art hat er Monsieur angesprochen. 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 15. Januar 1672. 

[Nachrichten üher die Armee und deren Fährung. Absiebt aaf Mastricht. Eng- 
lands, Schwedens, Spaniens Haltung. Spanische Resolation nach Wien über- 
mittelt. — Munster, Hannoveri Kurcöln. 

Auf das Kescript vom 20. /30. December wird er Pomponne., der gestern ir). Jan. 
angekommen, zu sprechen suchen, sobald sich die Gelegenheit bietet. 

») Tractat vom 17. November 1671. 

*) Marquis de Pomponne, seit Frühjahr 1671 Gesandter in Stockholm, 
hatte daselbst das franzosisch -schwedische Bündnis vorbereitet, welches am 
14. April 1672 unterzeichnet ^urde. Die Instruction für diese Negotiation bei 
Geffroy, Recueil des Instructions 11,101. 



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46 I- Zur Vorgeschichte des deutsch- französi sehen Krieges. 1671. 1672. 

Seit*) meinem letzten haben 30 Compagnieen zu Pferde, welche 
um Metz stehen, Ordre bekommen, nach dem Erzstift Cöln zu mar- 
schiren. Die 8 Rüstwagen mit Gelde, auf welchen, wie man saget 
4 Millionen sein sollen, gehen nach Metz und von dannen ohne Zweifel 
nach dem Cölnischen zur Aufrichtung der Magazine, Bezahlung der 
alliirten und französischen Völker und anderen Notwendigkeiten. — 
Mr. de Louvois ist schon auf seiner Rückreise und zu Metz gewesen, 
hat sich aber wieder nach dem Erzstift Cöln gewendet. Gestern ist 
der Duc de Luxembourg von hier nach Bonn abgereiset, um die 
Churcölnische und mit demselben conjugirete französische Truppen zu 
commandiren. Einige sagen, der Comte de Chamilly werde unter 
ihm dienen, andere aber, er komme wieder zurück, weil er wegen 
seiner Blessures und Indisposition nicht travailliren kann. 

Die Disposition der officiers g^nöraux ist auch schon gemachet. 
Der Prince de Condö soll mit einer Armee gegen den Rhein und 
die Yssel agiren. Bei ihm sollen sein die Maröchaux de Cr6quy 
und de Bellefonds. I. E. M. werden mit einer andern starken 
Armee nach der Maas gehen und Mr. de Turenne bei sich haben, 
und weil die Mar^chaux de France nicht unter demselben dienen 
wollen, werden sie zu Lieutenants g^nöraux haben den Grafen von 
Schomberg und Duc de Duras. Aller Apparenz nach werden I. 
K. M. Mastricht attaquiren, massen zu Li^ge, S6dan und Metz grosse 
Praeparatoria gemachet und allerhand Provision de bouche et de 
guerre in überaus grosser Quantität zusammengebracht wird. Man 
vermeinet den Platz in vierzehn Tagen ganz gewiss wegzunehmen. 
I. K. M. wollen auch aufs neue Patenta ausgeben auf 400 Com- 
pagnieen zu Fuss und 120 zu Pferde, davon die Hälfte alsobald bei 
des Mr. de Louvois Zurückkunft, und die andere Hälfte eine Zeit 
danach sollen distribuiret werden, damit dieselben Truppen gegen den 
Ausgang der Campagne fertig sein, und man alsdann noch etwas 
Considerables entrepreniren könne. 

Man hält alhier davor, dass, wann L E. Maj. in dem letzten 
Flandrischen Eriege gegen den Herbst dergleichen Renfort gehabt, 
Sie noch unglaubliche Progresse würden gethan haben. — Bei einer 
so grossen Despence ist es zu verwundern, dass Hire E. M. weder 
Schulden machen, noch auch die Reditus, welche monatlich richtig 
einkommen, voraus employiren. 



^) Das folgende häufig wechselnd in Chiffren. 



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Teilung der Arm^eD. Haltung der Mächte. 47 

Von England hoffet man hier noch etets conjunctionem ar- 
morum; andere aber vermeinen, England werde neutral bleiben, in- 
inassen man auch daselbst noch nicht armiret. Der Comte d'Estr^es, 
welcher nach einem gehaltenen Eriegsrath benennet ist, die Flotte in 
dem Oceano zu commandiren, wird ehester Tage nach den Seehafen 
geben, um die Ausrüstung der Flotte, welche mit aller Macht fortge- 
setzt wird, zu befördern. Er hat sich gegen Jemand, der mirs wieder 
gesaget, gerühmet, er würde die Flotte en chef commandiren und 
Niemand über sich haben, daraus man judiciret, dass die Engländische 
Flotte nicht werde dabei sein, zum wenigsten dass England nicht mit 
Holland brechen sondern nur allein per speciem auxiliorum agiren 
werde, dass sonst zweifelsohne der Admiral von England bei der 
Conjunction commandiren würde. — Es ist nämlich der Chevalier 
Bann aus England alhier ankommen und hat unterschiedene Paquete 
an I. Eon. Maj. und die Ministros mitgebracht, auch mit denenselben 
lange Conferenzen gehalten, welches sonder Zweifel die Antwort sein 
wird auf dasjenige, was der Ambassadeur Montague bei seiner 
Ankunft daselbst angebracht.*) Bis dato hat man die Contenta nicht 
eigentlich erfahren können. — 

Was Schweden anlanget, habe ich die gewisse Nachricht, dass 
Mr. de Pomponne vor seinem Abzüge und zwar nach gehabter 
Abschiedsaudienz ein Project einer Allianz adjustiret, welche deshalben 
nicht hat können vollzogen werden, weil er nicht Vollmacht gehabt, 
alles einzugehen, was Schweden begehret, und beruhe es nur allein 
darauf, dass I. E. M. solches genehm halten. Dieses hat mir der 
Schwedische Resident selber gestanden. Der Articul, welcher noch 
nicht ajustiret, betrifft, wie mir gesaget, die Quantität der Subsidien. 
Sonst ist in ged. Allianz Spanien gänzlich excipiret, welches zwar 
gewiss ist, dergestalt dass I. Eon. Maj. versprechen, den Eönig in 
Spanien und dessen Provinzen nicht zu attaquiren, und Schweden 
sich vorbehalten, Spanien auf solchen Fall zu assistiren. Inmittelst 
habe Schweden versprochen, ein Jahr neutral zu sein, vermöge 

m 

200 Thaler Subsidien und sich daneben engagiret, mit denjenigen 
zu brechen, welche sich wider Ihre Eönigl. Maj. declariren würden, 
auf welchen Fall ged. Ambassadeur ihnen sehr grosse Summen Geldes 
und, wie man saget, 400000 Gulden monatlich soll versprochen haben, 
welches ich aber vor gewiss nicht berichten kann. Das Aergste vor 

») Vgl. oben S. 42. 



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48 I- Zur Vorgeachicbte des dentsch-franEosiBchen Krieges. 1671. 1672. . 

Holland ist, dass man aus diesem Tractat, welcher durch Trieb des 
Englischen Ambassadeurs getroffen worden ist, die Intention des 
Königs in England sowol gegen Spanien als Holland judiciren und 
abnehmen kann, dass derselbe zwar entschlossen, die Spanischen 
Niederlande zu salviren, aber hingegen den Krieg mit den Vereinigten 
Niederlanden anzuspinnen und dieselbe in Noth gerathen zu lassen. 
Was Spanien anbelanget, sagt man, dass der intercipirte Tractat, 
von welchem ich in meinem letzten unterth. referiret, nur bloss ein 
Project sei und zu keiner Perfection gekommen, auch nur allein von 
dem Emanuel de Lira^ ohne Ordre und Befehl concipiret sei. Man 
giebt alhier vor, Spanien habe die Neutralität versprochen, und dass 
die Königin an den Gouverneur der Niederlande geschrieben, dass sie 
auf die beschehene Versicherung, dass Ihre Kon. Maj. des Königs in 
Spanien Lande nicht gefährden wollten, dem König in Frankreich 
Neutralität und freien Durchzug versprochen , auch dem Gouverneur 
anbefohlen, sich darnach zu achten. Gewiss ist es, dass man hier 
ganz und gar Staat darauf machet, Spanien werde neutral bleiben, 
und werden aller Apparenz nach die beiden Kronen Schweden und 
England, weil sie sich der Niederlande so sehr annehmen, hin- 
wiederum verhindern, dass Spanien sich nicht wider I. K. M. erkläre, 
dann es nicht billig wäre, dass, wann Spanien I. K. M. attaquirete, 
oder Dero Feinden beistünde, I. K. M. nicht die Freiheit haben sollten, 
solches zu wehren noch dergleichen zu thun. 

Ein Gentilhomme ordinaire da Roy ist nach Wien geschicket worden, 
wie man sagt, am dem Kaiser die Resolation der Königin von Spanien wegen 
der Neutralität zn bringen und eine ähnliche Erklärung zu befördern. 

Es sein ihrer Viel der Meinung, |: I. K. M. wollen einen grossen 
Effect thun, damit Sie in der ersten Gampagne Holland zur Raison 
bringen und ihnen einen advantageusen Commercientractat abzwingen 
können, dass I. K. M. nicht Estat machen, den Krieg lange zn con- 
tinuiren, sondern, wann sie obged. Zweck erhalten können, bald Me- 
diationes admittiren werden, und dass aus dieser Ursache I. K. M. hin 
und wieder die Neutralität nicht länger als auf ein Jahr begehren. :| 

Wie es heisst, habe Loavois mit dem Bischof von Münster ge- 
schlossen. — 

Von Hannover vermuthet man desgleichen und dass selbiger Her- 
zog Ihrer K. M. zu Dienst eine Anzahl Völker in seinen Landen 



^) Spanischer Gesandter im Haag. Vgl. S. 45 Anm. 1. 



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AaslassaDgeo Tarennes auf die Blaapeil'sche Proposition. 49 

werde werben lassen. Bis dato aber ist noch nichts mit ihm ge- 
schlossen. Man erwartet mit Verlangen desselben Zurttckkunft aus 
Italien'). — Der Churfürst von Cöln hat jährlich ron Ihrer K. M. 
noch nicht 200000 Reichsthaler, welches mir eine Person berichtet, 
die es wol weiss. 



V. Crockow. Relation. Dat Paris 22. Januar 1672. 

[Gespräche mit Pomponne. Tarenne nimmt die Partei der Fürstenberge. Eur- 

triers Verhalten. Nachrichten ans England, Spanien, Schweden. Franzosisoh- 

Bchwedische Allians. -> FranKÖsische Projecte. Man yerspricht eich noch immer 

des Earföreten Neutralität. Absichten auf Duisbnrg.] 

Mr. de Pomponne hat den gewöhnlichen Eid abgeleget und 22. Jan. 
seine Charge') angetreten. Die auswärtigen Ministri sollten gestern 
und vorgestern Audienz bei ihm haben. Weil er aber zu seinem 
Vater, welcher schleunig krank geworden und 87 Jahre alt ist, nach 
Pomponne hinausgereiset, als ist solches bis ktlnftige Woche ver- 
schoben. Ich habe ihn zu Versailles au lever du Roy en passant an- 
gesprochen; da ich aber nicht viel mit ihm reden können, werde 
nicht unterlassen, dasjenige, welches Ew. Ch. D. in Dero Bescript 
vom 20. Decemb.') mir gn. anbefohlen, ihm bestermassen vorzustellen. 

Inmittelst habe ich Gelegenheit gehabt, mit Mr. de Turenne 
daraus zu reden, welcher der Fttrsten von Fttrstenberg Partei ge- 
nommen und sie in allem excusiren wollen, auch sogar darin, dass 
sie Ew. Gh. D. Gesandten nicht zur Audienz bei Ihrer Gh. D. zu Göln 
verstatten wollen (welches ich nur allein dergestalt fürstellen können, 
als wann ged. Herren Brüder die Audienz vorsätzlich verzögert 
und bei sich angestanden, ob sie dieselbe verstatten wollten oder 
nicht, weil der Herr Blaspeil Audienz gehabt und ich sonst nicht 
eigentlich weiss, wie sich die Fürsten von Fttrstenberg dabei 
comportiret), sagend, sie müssten gewiss gemerket haben, dass der 
Herr Blaspeil etwas proponiren würde, welches dem bewussten 
Dessein zuwider. Ich replicirete ihm darauf, dass, wann sie gleich 

üeber die Persönlichkeit des , dicken' Hersogs Johann Friedrich 
giebt interessante AafBchlasse der Briefwechsel der Herzogin Sophie von Han- 
nover mit dem Earforsten Karl Ludwig von der Pfals hrsgeb. ?. Ed. Bode- 
mann (PnbL ans den Prenssischen Staatsarchiven Bd. 26.) 1884. 

*) als Minister des Auswärtigen. Wahrend d. Vacanz versah sie Louvois. 

^ oben 8. 89. 
Mater, s. GMoh. d. 0. Karfünten. Zni. 4 



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50 Zar Vorgeschichte des deatsch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

gewisse Preuven davon gehabt, hätte doch solches, noch viel weniger 
aber die Suspiciones, welche sie sich darüber formiren wollen, ihnen 
die Freiheit nicht geben können, dass sie als Diener ihren Herrn den 
Churfürsten von Cöln verhindern sollten, die Gesandten eines Mit- 
churfürsten, Alliirten, und mit welchem man eine so vertrauliche Cor- 
respondenz vorgebe, zu hören. Es scheinete solches ein Zeichen zu 
sein einer ungewöhnlichen Autorität, welche sie an dem cölniscben 
Hofe affectirten, und eines schlechten Vertrauens, welches sie zu ihrer 
Sache haben müssten; denn, wo der Herr Blaspeil hätte etwas zu 
proponiren gehabt, welches der Billigkeit und Ihrer Gh. D. zu Cöln 
Interesse gemäss, hätte man ihm ja die Audienz nicht disputiren 
sollen, dafern aber sein Vortrag sowol der Raison als Ihrer Gh. D. 
Interesse zuwider befunden wäre, hätten sie ja Autorität und Gredit 
genug, um solches vorzustellen und den Effect zu verhindern. Ew. 
Gh. D. verstünden dergleichen Sachen ganz nicht (wobei ich ihm das 
Exempel des Königs in Schweden anfllhrete). Ich wünschte sonst, 
dass die Fürsten von FUrstenberg, als welche dieses ganze Werk 
dirigirten, sich dergestalt gegen Ew. Gh. D. bezeigen möchten, dass 
Ew. Gh. D. ein gutes Vertrauen in dieselben setzen könnten. Er ant- 
wortete mir, ich müsste mit Mr. de Pomponne daraus reden. Er 
hielte sonst davor, I. K. M. würden die Fürsten von Fürstenberg 
darüber vernehmen und, wann Sie es also befunden, dieselben er- 
mahnen, Ew. Gh. D. mit gebührendem Respect zu begegnen. Es würde 
aber darauf nicht ankommen; man würde sich mit dergleichen kleinen 
Sachen nicht lange zu bemühen haben, sondern sich in dem Hauptwerk 
erklären müssen und ein Jeder seine Mesures darnach nehmen können. 
In gar kurzem würde sich männiglich müssen declariren, ob er Freund 
oder Feind oder neutral sein, oder welche Partei er nehmen wollte, 
ob er die nöthigen Vivres den Armeen wollte folgen lassen, und wie 
sich sonsten ein Jedweder von den Benachbarten dabei betragen wollte. 
Auch habe ich ihm berichtet, was vor Propositiones Fürst Wilhelm 
zu Berlin gethan. Solches aber wird nicht attendiret, alldieweil man 
mit ihm alles concertiret gehabt. Mit was vor Gordialität derselbe 
Ew. Gh. D. eine Alliance mit Ghurcöln zur Erhaltung des Friedens 
und des Estats der Vereinigten Niederlande vorgeschlagen, solches 
erscheinet daraus, dass die Allianz zwischen I. K. M. und Ghurcöln 
schon Anno 69 geschlossen gewesen. 

Sonsten marschiren 10000 Mann nach dem Erzstift Göln zu. Der 



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VoraoBBichtliche Haltang der Machte. 51 

Churfttrst von Trier hat den französischen Truppen freien Durch- 
zug verstauet, vermittelst baarer Bezahlung, welches auch versprochen, 
und wird berichtet, dass Mr. de Louvois gar strenge Ordre hält. 
Die Franzosen geben vor, dass selbiger Ghurfürst besagtem Ministro 
die rechte Hand geben wollen, welches gleichwol schwerlich zu glauben. 

^Der GhevalierBaDD ist noch alhier und empfängt grosse Sa tnmea 
Oeldes ans dem Tresor Royal. Man sagt, es werden ihm bei 3 Millionen 
ausgezahlet, welche nach England übermachet und zur Ausrüstung der 
Flotte sollen angewandt werden , nebst denjenigen Geldern, welche bereits 
vor diesem dahin remittiret, wie ich vormalen unterth. referiret. Man hält 
davor, dass I. E. M. insgesamt 7 Millionen an I. K. M. in England geben, 
und wird nicht mehr daran gezweifelt, dass selbige Krone auch mit Holland 
brechen wird. Aus England wird geschrieben, dass I. K. M. den Duc 
de Buckingham und den Gomte d'Arlington zu Gommissarien, um 
mit dem französischen Ambassadeur wegen Execution der beiderseits ge* 
nommenen Resolutionen zu tractiren, benennet und declariret, dass sie in 
einem Jahre keine Schulden bezahlen wollten.^ 

Aus Spanien ist noch nichts Gewisses eingelaufen, und erwartet 
man mit Verlangen, wie sich selbige Krone auf des Comte de Sun- 
der 1 and Proposition erklären wird, von dessen Ankunft man noch 
keine Nachricht hat. Man hält alhier davor, dass der Gomte de 
Monterey') zur Ruptur rathe, vermeinet aber, er werde in Spanien 
kein Gehör finden, zumalen weil England in Verweigerung der Neu- 
tralität dräuet, nicht allein die versprochene Garantie wieder zurück- 
zuziehen, sondern auch sogar Frankreich zu assistiren. — |: Sonst 
habe ich ein Schreiben gesehen von dem Grömonville*), welcher 
berichtet, dass die Sachen zu Wien in crisi, und fast zweifelt, dass 
er die Neutralität erhalten werde. — Auch ist vor drei Tagen ein 
Courier nach Schweden abgefertiget, mit welchem dem französischen 
Ambassadeur') Ordre gegeben, alles einzugehen, was der Pomp onne 
versprochen, und das entworfene Project zu vollenziehen. Von selbiger 
Allianz vernehme ich noch immerfort dasselbe, welches ich in meinen 
vorigen Relationen unterth. berichtet, nämlich dass dieselbige in sich 
begreife: an Seiten Schweden eine Neutralität und Obligation, mit 
demjenigen zu brechen, welcher sich wider I. K. M. declariren würde. 

^) Oouverneur der Spanischen Niederlande. 

*) Chevalier de Gr^mooville, fraozÖBiBcher Gesandter am Kaiserhofe. 

*) HoDor^ Coartio. Das Nähere aber das ZuBtandekommeD des franzö- 
sisch-schwedischen Vertrages vom 14. April 1672 geben Christoph v. Brandts 
RelatioDen ans Stockholm, welche noter Abschnitt «Brandenbarg und Schweden** 
im folgeodeo Bande zum Abdruck kommeo. 

4* 



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52 '• Zar Vorgeschichte des deutsch- fransöBiBcheD Krieges. 1671. 1672. 

Ich habe zwar nicht vemoDimen, dass wegen der Stadt Bremen etwas 
darin enthalten, bin aber allzeit der Meinung gewesen, dass Schweden 
keinen Tractat machet, sonder dieses Interesse mit darin zu begreifen ; 
und bin darin noch mehr eonfirmiret worden, nachdem ich alhier von 
Leuten*), welche zu den Negotiationen employiret gewesen, und zu 
Lionne gegangen, zu welchem die Schwedische Ministri ein grosses 
Vertrauen gehabt, insonderheit dem General Podewils, vernommen, 
dass alle Schwedische Ministri, welche alhier gewesen, solches ge- 
suchet, I. E. M. aber solches allemal damit abgelehnet: es wäre noch 
nicht Zeit, man mtlsste eine andere Gonjunctur erwarten. Der 
Reichsrath Björnclou hat mir solches ofte gestanden und war der 
Meinung, Frankreich hätte solches zum Stichblatt, um Schweden in 
ein oder anderes grosse Interesse zu ziehen. Welches alles machet, 
dass ich gänzlich glaube, dass die Schweden solches in den Trao- 
taten so sie itzt machen mit zu begreifen suchen — es möchte 
dann sein, dass sie sich deshalben darüber nicht declariren wollen, 
weil sie genugsam erfahren, dass ihnen Niemand solches gern 
gönnet noch darin consentiren wird als in der grössten Noth, und 
es derenthalben bis dahin differiren wollen, bis sie in Postur, und 
Andere dergestalt embarrassiret, dass sie conniviren müssen. Zum 
wenigsten weiss ich wol, dass sie im Römischen Reich zwei Haupt- 
zwecke haben: die Stadt Bremen und: Ewrer Ch. D. wie auch des 
Hauses Braunschweig Puissance und Aufnehmen zu hindern. 

„Der Marquis de Seignelay, Mr. Colberts ältester Sohn, ist von 
hier nach Brest gereist, am die Ausrüstang der Flotte zu befodero. Man 
hält davor, er werde von danneo nach England gehen. — I. K. M. ver- 
mehren die Pension des Duo d'Enghien jährlich mit 20000 Thaler. 
Man saget, I. E. M. werden sehr eilen, sobald es nnr die Jahreszeit immer 
leidet, die Armee, bei welcher Sie selber sein werden, ins Feld zn führen, 
mit welcher Sie, so Spanien Holland beistehet, die Niederlande, wo aber 
selbige Krone neutral bleibt, Mastriebt attaquiren werden, za welchem Ende 
überaus grosse Magazine auf der Maas gemachet werden. Sonst halte ich 
vor gewiss, dass I. K. M. ein Dessein auf Njmwegen haben, der Hollän- 
dische Ambassadeur ist auch davon advertiret und hat es berichtet. 
Was vor grosse Desseins I. K. M. bei diesen so grossen und kostbaren 
Praeparatorien haben, solches werden Ew. Ch. D. dero hocherleuchtetem 
Verstände nach am besten jndiciren." 

Allem Ansehn nach ist es darauf gemünzet, dass Frankreich ent- 

1) Die verderbte Dechiffriruog der folgenden Zeilen ist im Texte oben 
richtig gestellt. 



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FraDKösische Projecte. Was man von Ef. erwartet. 53 

weder mit Assistenz von England den Holländern das Commercium 
gänzlich aus den Händen bringt, und dadurch den Estat zu Grunde, 
oder aber dass man dieselben in die Extremität bringet, damit sie die 
Spanischen Niederlande abandonniren oder zum wenigsten dieselben 
mit Ihrer Eon. Maj. theilen müssen. Hiebeneben ist es wol gewiss, 
dass man Dessein hat, den Bischof von Strassburg oder seinen 
Bruder, nach des jetzigen Ghurfttrsten Tode, zum GhurfQrsten oder, 
bei seinem Leben, zum Goadjutoren zu machen. Eben dergleichen hat 
man mit dem Gardinal de Bouillon zu Li^ge vor, welches beides, 
wann Frankreich in beiden Bischofthttmern dergestalt Heister ist, 
ganz nicht wird zu hindern sein; dadurch I. E. M. gedachtes Bi- 
sche flhum gänzlich in Dero Devotion bringen, wo Sie dasselbe nicht 
gar mit der Zeit, gleich wie andere, incorporiren, zumal wann Sie 
Hastricht occupiren sollten. Auch wird es gar schwer halten, die 
Plätze, welche der Ghur fürst von Göln Ihrer E. M. eingeräumet, 
wieder aus Ihren Händen zu bringen, dadurch I. E. M. Heister von 
dem Rhein bleiben und Holland dadurch zwingen, auch die Stadt 
Göln, wann der Rhein oben und unten gesperret, entweder zu Oe- 
horsam bringen oder gänzlich ruiniren können. 

Von Ew. Gh. D. promittiret man sich alhier die Neutralität ganz 
gewiss. Ich habe neulich Jemand gesprochen, welcher mit dem 
Fürsten von Gondä ausführlich davon geredet. Selbiger Fürst ist 
der Meinung gewesen, dass Ew. Gh. D. nicht anders thun könnten, 
aldieweil auf den widrigen Fall I. E. M. das platte Land im Herzog- 
thum Cleve und der Grafschaft Hark gänzlich ruiniren und in die 
Asche legen würde. Auch vernehme ich, dass man alhier Estat machet, 
aus der Grafschaft die Vivres vor die Armeen zu haben. Ich habe Ew. 
Gh. D. schon längst berichtet, dass man hier ein Absehen auf Duisburg 
hat, und dass der General Podewils, welcher vor zwei Jahren auf Jhrer 
E. H. Befehl alle diese Plätze besichtigt, seine Heinung aufsetzen 
müssen, wie selbiger Platz belegen und wozu er dienen könnte :|. 



Relation, d. d. Paris 29. Januar s.u. 1672. 
Der holländische Gesandte präparirt sich zur Abreise, da er nun- 29. Jan. 
mehr siebt, dass hier nichts auszorichten ist. Le Tellier hat ihm durch 
d'Estrades sein Bedauern darüber ausdrücken lassen, aber: ,,1. E. M. 
wären dergestalt animiret, dass Sie von keiner Negotiation noch Aecom- 
modement hören wollten.^ — Allerlei Hitteilungen über die Haltung Spa- 
niens und über spanisch-französische Differenzen. — Chevalier Bann ist 



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54 I- Zar Vorgeschichte des deatsch-fraDsosiBchen Krieges. 1671. 1672. 

abgereist, wie man sagt, mit drei Millionen. Mr. de Seignelay bringt die 
Ratification von allem was geschlossen nach England. Der Herzog von 
Monmonth wird in der franz. Armee ein Regiment commandiren. — Graf 
Moliua, der Spanische Ambassadenr, ist hier. — 

,,1. K. M. lassen den Ban an allen Oertern cessiren, ausser zn Ver- 
sailles, nm das Geld sowol als das Volk znm Kriege anzuwenden.^ Tod 
des Kanzlers Pierre de Signier. Le Tellier und der Marschall 
Villeroi haben Hoffnung zur Nachfolge. „Inmittelst lassen I. K. M. in 
Dero Präsenz durch einen Secretarius siegeln.'^ — Die Audienz der aus- 
wärtigen Minister bei Pomp onne ist wiederholt verschoben, vor drei Tagen 
aber auf künftigen Sonntag anberaumt worden. 



Relation, d. d. Paris 4. Februar 1672. 
4. Febr. „Seit meinem letztern habe ich Mr. de Pomponne gesprochen und 

nach abgelegter Gratulation ihm mit mehrem hioterb rächt, aus was ürsach 
ich anhero geschicket und was ich nachgehends alhier zu negotiiren gehabt, 
Weichergestalt Ew. Ch. D. sowol in- als ausserhalb Reichs, auf dem Reichs- 
tag, in der Cölnischen Sache, in den Holländischen Afifairen, auch en ögard 
der Triplen Allianz und sonst in allen Stücken Sich Ihrer Königlichen ML 
Consiliis confirmiret, sonsten aber I. K. M. mit ganz keinen Demanden, 
wie sie auch Namen haben möchten, importuniret hätten, und dass es Ew. 
Ch. D. nm desto weher thäte, dass einige übel Intentionirte sich unter- 
fangen, Ew. Ch. D. bei I. K. M. übele Officia zn leisten und des Herrn 
Blas peil Proposition, welche bloss allein das Cölnische Wesen respiciret, 
dahin zu deuten, als wann dieselbe wider I. Kön. M. angesehen wäre. 
Wobei ich Gelegenheit genommen ihm alles dasjenige vorzustellen, welches 
Ew. Ch. D. sowol wegen gedachter Proposition als auch der anderwärtigen 
Conduite der Fürsten von Fürstenberg bekannt zu machen in Dero 
gn. Rescript vom 20. /30. Dec. abgewichenen Jahres mir gn. anbefohlen. 
Er antwortete mir, er hätte von I. K. M. nicht anders vernommen, als dass 
Dieselbe ein sonderbares Contentement von Ew. Ch. D. Conduite und ein 
grosses Verlangen hätten, Ew. Ch. D. Dero Freundschaft in der Tbat zu 
bezeugen und die bishero gepflogene gute Verständniss zu continuiren. Die 
itzige Conjuncturen würden Gelegenheit dazu geben, dann I. K.M. Ewrer 
Ch. D. Dero Plätze wieder verschaffen wollten, sonder dass es Ew. Ch. 
D. etwas kostete. Was die offerirte Mediation betreffe, hätte dieselbe 
nicht können statthaben, weil annoch kein Krieg wäre; es müsste der- 
selbe vorhergehen, ehe man könnte Frieden machen. Sonst wäre es ihm 
lieb, dass Ew. Ch. D. nur allein wegen der Stadt Cöln in Sorgen gestanden 
wären. Es würde solcher Zweifel Ewrer Ch. D. nunmehro gänzlich benommen 
sein, weil der Vergleich*) getroffen, zu welchem I. K. M. nicht wenig con- 
tribuiret und dadurch der Welt erwiesen hätten, dass Sie nicht mehr 
wünschten, als den Frieden im Reich und die Stadt Cöln im vorigen 



^} Der Cölnische Recess vom 2. Januar 1672. Vgl. die Einleitang. 



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AuBlasBUDgen Pomponnes. Aach bezugl. Schwedens. 55 

Stande zn erhalten. Sonst wäre es ihm leid, dass £w. Ch. D. ein Mi6&- 
trauen in die FQrsten von Fürstenberg setzten, er könnte gleich wol 
nicht anders sagen, als dass dieselbe jederzeit, soviel er merken können, Ew. 
Ch. D. Dienst zn befördern gesuchet. Er verhoffete, sie würden sich dergestalt 
gegen Ew. Cb. D. anschicken, da<!6 Ew. Ch. D. ein Vergnügen daran hätten. 
Der Com te de St. G^ran rühmte zum höchsten die Reception, so ihm wider- 
fahren, er verhoffete einen glücklichen Snccess seiner Negotiation. — Ich ver- 
sicherte ihn^ dass Ew. Ch. D. keine grössere Inclination hätten als diejenige, 
aUes was immer möglich Ihrer E. M. zn Gefallen zu thnn, welches Ew. Ch. 
D. jederzeit in der That erweisen würden, insonderheit, wann I. K. M. Ewrer 
Ch. D. Officia zu Hinlegnng der Differentien und Erhaltung eines avantagensen 
Vergleichs acceptiren wollten. Wozu er mir aber ganz keine Hoffnung gab. 
Als ich ihn bat, er möchte ein favorabler Interpres sein von Ew. Ch. D. Con- 
daite, beantwortete er solches mit ßezeigung einer sehr hohen Devotion und 
Respects gegen Ew. Ch. D., ruhmete auch sehr hoch die Gnade, welche Ew. 
Ch. D. ihm erwiesen durch die Gratulation zu seiner neuen Charge. Sonst 
sagte er mir, der Hof in Schweden wäre noch eben so beschaffen, als ich 
ihn gelassen'). Ich antwortete, es wäre zwar annoch dieselbe Minorität, es 
regierten auch annoch fast alle diejenigen Ministri, welche wir damalen ge- 
sehen, und wäre dannenhero der vorige Modus agendi zu vermuthen; 
sonsten aber verlautete es, als wenn seine letztere Reise die Maximen in 
etwas verändert hätte. Er wollte aber solches ganz nicht gestehen, sondern 
versicherte mich, dass sie in allen Stücken bei der vorigen Coriduite blieben. 
Ich sagte, des Herrn Björnclons Tod würde auch sonder Zweifel eine 
Veränderung nach sich gezogen haben. Er antwortete mir, es hätte solches 
ganz kein Changement verursachet, die Maximen wären so tief eingewurzelt, 
dass darin nichts zu ändern, die Gazetten hätten viel davon gesprochen, 
aber es wäre nichts daran. Dem ohngeachtet halte ich davor, dass ein 
Trait6 de Neutralit^ dergestalt, wie ich vorhero unterth. berichtet, ajnstiret 
sei , und bin hierin noch mehr bekräftiget , nachdem ich erfahren, 
dass der Graf Eönigsmark von I. K. M. in Schweden den Cbaracter 
von Ambassadeur ordinaire bekommen, und dass Mr. dePomponne solches 
in Schweden mit dem Herrn Reicbscanzler, welcher dem Ansehen 
nach sich wieder mit göd. Grafen zu versöhnen willens, ajustiret. Graf 
Königs mark hat mir auch gesaget, er hätte in specie Ordre, wegen zweier 
Puncte, so bei desMr.de Po mponne Anwesenheit unerörtert blieben, albier 
zn negotiiren, deren einer betreffe die Quantität der Subsidien tempore 
neutralitatis. Ein mehreres habe ich bis dato nicht von ihm erfahren 
können; dafern England sich wider Holland declariret, zweifele ich im ge- 
ringsten nicht, Schweden werde zum allerwenigsten neutral bleiben, zumalen 
solches ihrer itzigen Beschaffenheit und Conduite ganz conform ist.^' 

„Der Holländische Ambassadeur hat bereits alle seine Meubles em- 
baliiret'', er hat aber Ordre, vorläufig noch zu bleiben. Als er neulich Po m- 



*) Vgl. oben S. 17 Amn. 1. 



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56 1* ^^^ Vorgeschichte des deattch-fraDSÖBisohen Krieges. 1671. 1672. 

poD ne gesprochcD, „hat ihn derBelbe gefraget, wamm er dergestalt wegeüete, 
I. E. M. hätten Sich ja noch nicht declarlret. Als er aber dem Mr. de 
Pomponne referiret, welchergestalt die Herrn Staaten Ihrer Königlichen M. 
alle billigmässige Satisfaction offeriret und im übrigen ihre Gondnite jnsti- 
ficiren wollen, hat ihm Mr. de Pomponne keine andere Antwort gegeben: 
qn' ii y avait des affaires, qni se demdlaient mienx par des actions qne par 
des paroles/^ Ungewisse Nachrichten ans Spanien. „Sonst wird man mit dem 
ehesten Patenta ausgeben anf 25, oder wie andere sagen anf 20 000 Mann, 
welche dem Verlant nach in Catalonien sollen employiret werden.^^ Madame 
ist am dreitägigen Fieber bettlägerig. Die Princesse de Conti i) gestern 
Morgen Tcrstorben. „Ich bin Willens gewesen, nicht ehender als über- 
morgen nach Abgang der Post nach S. Oermain zu fahren. So habe 
ich aber heute von Mr. Bonoell*) Schreiben bekommen, dass ich morgen, 
welches mein Posttag ist, gar früh mich daselbst einfinden soll, weil I. K. 
M. mich sprechen wollen, und ich noch vorher mit Mr. de Pomponne 
reden soll; weshalben ich diese meine nnterth. Relation in der Eil ver- 
fertigen müssen. Die Ursach kann ich nicht muthmassen.** 



Relation, d. d. S. Oermain 5. Februar 1672. 
5. Febr. Pomponne eröffnet: er habe vom Könige stricten Befehl, dem Ge- 

sandten mitzuteilen, der König erwarte vom Kf. eine formelle» Neutralitäts- 
erklärung, wenn er entschlossen sei „die Neutralität zu observiren^'. Nach 
St. G^rans Beriebt hätten nämlich die brandenbnrgischen Commissarien 
in Berlin zu verstehen gegeben, dass Kf. wol neutral bleiben könne ohne 
formelle Declaration. Cr. entgegnet, das hätten die Commissarien wol nur 
„per modum discnrsus^' vorgebracht; Frhr. O. v. Schwerin') habe dieses 
Yorscblages (an ihn brieflich) mit keinem Worte gedacht. Er verspricht 
aber alles getreu zu referiren. „Weil Pomp, auch gut befund, dass ich 
solches noch bei itziger Post referirete, als habe ich diese Relation in 
seines Commis Cabinet in höchster Eil verfertiget und dieselbe mit einem 
fremden Petschaft versiegelt, weil ich das meine zu Schliessung des Paquets 
zu Paris gelassen.^ 

P. S. Die Ansagung der Audienz beruhte auf einem Irrtum Bonoeils. 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 12. Febniar 1672. 

[Anf ein Rescript vom 15. Janaar. Uoterredung mit PomponDe. Dieser benimmt 
jede Hoffonog eines gütlichen Ausgleichs , drängt anf Neutralität. Die Unmög- 
lichkeit derselben dnrch Grockow vorgestellt Indemnisationserklärnngen der 
französischen Minister. Spanisoh-hoUandischer Traotat. Seignelay. Heise.] 

12. Febr. Seine vorletzte Relation d. d. 4. Febmar ist mit der ordinairen Ham- 
burger Post abgegangen. Die letzte d. d. 6. Febr. ^nrde aber mit einer 

Eine Nichte Mazarios. 

^) Ceremonienmeister. 

^ Der Oberpräsident des Geheimen Baths su Berlin. 



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AnslassQDgeD Pomponnes. Jeder gdiliche Aasgleieli aomöglieh« 57 

SeodoDg an St Oöran befördert. Beide werden hoffentlich angekom- 
men sein. 

Auf desKf. RescriptOhatBichCr.sademholläodischeo Oe sandten 
begeben. Der erklärte^ alles sei erfolglos geblieben, die Raptor wäre nicht 
mehr zq yerhüten: y^alle Officia, welche man deshalben anwenden könnte, 
würden vergeblich sein, man würde sieh nnr damit prostitniren.^' Er weiss 
niimlich recht wol, „was vor Jndicia von seiner Proposition gefallenes 
£r widerriet anch Grockow eine Andiene beim Könige; er möge nnr 
Pomponne Vortrag thnn. 

In S. Germain Gespräch Pomponnes mit Grockow, welcher unter Hin- 
weis auf die Berliner Gonferensen mitSt. 06ran und Amerongen*) erklärt, 
dass namentlich des letzteren Gontestationen in Berlin Hoffnung zu einem 
gütlichen Accommodement erweckt hätten; er, Grockow, sei befehligt, unter 
Ueberreichung eines neuen Greditifs des Ef. Interposition und Officia 
anzubieten. Indes in Rücksicht auf alles, was sich seit Datirung dieses 
Schreibens ereignet, halte er es vielleicht für gerathener, auf seine Ver- 
antwortung, dem Könige nicht „mit nicht practicabeln Propositionen'' zu 
kommen und das Schreiben nicht zu überreichen, bitte vielmehr Pomponne 
die Sache auf sich zu nehmen, die er (Grockow) ihm unter Ueberreichung 
eines Briefes vom Kf. hiermit bestens empfohlen haben möchte. 

Pomponne antwortete: ich könnte selbst leicht ermessen, dass kein 
gfltliches Accommodement zu hoffen. Der Holländer Zweck, wann sie Sa- 
tisfaction offeriren, wäre nur allein, Zeit zu gewinnen und I. E. M. in eine 
Negotiation zu engagiren, welche die Kriegsoperationen suspendiren 
würde. Ich möchte selbst judiciren, obs Ihrer K. M. zu rathen wäre, 
die bevorstehende Gampagne mit Tractaten zuzubringen, da I. M. Sich 
in eine so kostbare Armatur gesetzet nnd mit Ihren Alliirten die Me- 
Bflres genommen. Er zweifelte ganz nicht, der Herr de Witt') würde 
allerhand Projecte von reciproquen Gommercien-Tractaten fertig haben, 
welche aber Ihrer K. H. ganz nicht anständig sein würden (|: daraus 
ich judicire, Ihrer K. M. Dessein sei, unter anderem, Holland einen in- 
esgalen und Holland präjudicirlichenGommercien-Tractat abzuzwingen :|), 
I. K. H. würden Sich aber dergestalt nicht lassen amüsiren. 

Pomponne drängt auf Neutralität des Kf. . . . . Ew. Gh. D. ver- 
möchten so viel im Reich, dass wann Ew. Gh. D. Sich mit I. K. M. 



^ Das Reseript (d. d. Coelln a. Sp. 15/25. Januar 1672) enthält die Weisaugen, 
aaf welche die BelaiioD Bezag nimmt, and swar mit der Motiviraog, St G6ran 
habe bedauert, dass er auf eine FriedeDshandluDg nicht iostruirt; lässt es aber 
Grockow frei, nur mit Pomponne zu reden, .wenn des holländischen Gesandten 
Proposition nichts gefruchtet und I. M. noch sehr verbittert wären'^ 

*) Der holländische Gesandte in Berlin. Vgl. Einleitung S. 11. 

*) BathspensionariuB von Holland. 



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58 I- Zur Vorgeschichte des dentsch-fraozÖBischeD Krieges. 1671. 1672. 

Freunden zusammensetzten, sie die Resolutiones nach ihrem Gefallen 
dirigiren könnten. Es wäre ja Niemand, der sich dieser Sachen an- 
nähme oder wegen derselben ein Wort verlöre als Ew. Ch. D.: que 
TEmpire ne parloit point, qu'il n'y avoit que V. A. E. qui le faisoit 
parier . . . und doch, wendet Cr. ein, wolle man Kf. sprechen machen, 
bevor noch das Reich gesprochen habe. Nach Turenne's Meinung 
sei nach dem Instr. P. das ganze Reich zur Neutralität verpflichtet. 

Es erfolgt dennoch Audienz beim Könige, der nach geendigtem Rat 
den Gesandten wider dessen Yermaten rufen liess*). Der König äussert sich 
nicht nur im' nämlichen Sinne sondern mit denselben Worten wie Pom- 
ponne: der Entschluss, die Holländer zu züchtigen ^ stehe fest; des Kf. 
Vorstellungen nehme er wol auf, „mais cela ne peut former une n^gocia- 
tion^^ dass Ef. „veut former comme un tiers parti^S habe ihn (den König) 
sehr überrascht; er boffe, Kf. werde seine Anschauungen ändern. Cr. 
möge dies nach Berlin schreiben. „Welches ich versprach und, weil I. K. 
M. abbrachen, mich retirirete." 

In einer nochmaligen Unterredung mit Poroponne legt Cr. wiederum 
die Unmöglichkeit dar, dass Kf. sich wegen der Neutralität declarire; er 
merkt aber wol — 

dass sie ohngeachtet alles desjenigen, welches man ihnen sagen kann, 
deshalben noch weiter in Ew. Ch. D. dringen werden. | : Ich will zwar 
hoffen, dass I. K. M. auf den Entstehungsfall doch Bedenken haben 
werden, Ew. Ch. D. feindlich zu tractiren; jedennoch wird es zum 
höchsten nöthig sein, dass Ew. Ch. D. Sich bei Zeiten des Hauses 
Lüneburg und Anderer Assistenz versichern. Wer weiss, wann die 
Successe glücklich von statten gehen und andere Potentaten sich nicht 
regen, was Frankreich resolviren möge! Der Fürst von Turenne 
saget mir frei heraus: I. K. M. wären mit Ew. Ch. D. sehr übel 
zufrieden, weil Ew. Ch. D, die Neutralität refüsireten, und wäre 
solches capabel, die Freundschaft zu alteriren. Mr. de Pomponne 
braucht gelindere Terminos. In effectu aber kommt es auf eins aus. — 
Es wird gar hoch genommen, dass Ew. Ch. D. der erste und fast 
der einige sein, sowol in- als ausserhalb Reichs, die da ums gemeine 
Beste sprechen, Werbungen anstellen und den Anderen ein Exempel 
geben. Turenne sagte mir: er wüsste ein Expediens, Ew. Ch. D. 
Lande zu retten und dieselbe ausserhalb des Krieges zu halten; wann 
Holland Ew. Ch. D. alle die Plätze restituirte, alsdann würden I. K. 
M. dieselbe nicht attaquiren. Verhoffentlich wird solches zum wenigsten 

Das bei dieser Aadienz abgegebene, vod Cr. oben erwähnte Schreiben 
des Kf. gedr. U. A. II. 8. 508. 



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AaBlassoDgeD der Minister je nach Massgabe des Discorses. 59 

wegen eines oder des andern Platzes practicabel sein. Er sagt 
solches discursweise. Ich zweifle aber gar sehr, wanns dazu kommen 
sollte, ob Frankreich bei währendem Kriege solches gern sehen würde. :| — 
Eine Mediation des Kf. — nach Pomponnes Dafürhalten — würde dann, 
wann es zn Tractaten kommen sollte (nicht jetzt), dem Könige höchst an- 
genehm sein. 

Sonst hat Mr de Pomponne in unterschiedenen Malen von 
des Comte de St. G^ran Negotiation weitläufig mit mir geredet und 
mir gesaget, man hätte von demselben zu wissen begehret, was der 
Zweck des Krieges wäre, und mit was vor Satisfaction I. K. M. Sich 
contentiren wollten. Nun wäre es schwer^ bei dem Anfang eines 
Krieges vorher zu sehen, wie der Ausgang sein werde. Ich habe ihm 
geantwortet, dass I. K. M. gewohnet wären alles zu emportiren, was 
Sie Sich vornähmen, Sich nichts vorzusetzen, was nicht der Billigkeit 
gemäss, und Sich mit demjenigen zu vergnügen, wie glücklich auch 
die Successe wären, und wie favorabel sich die Occasiones anliessen, 
ein Mehres zu erhalten; vor Ew. Ch. D. aber wäre es schwer und 
Deroselben nicht zuzumuthen, ein Dessein zu embrassircn und das- 
selbe zu secondiren, entweder par une ligue oflfensive oder par un 
trait6 de neutralit^, sonder dass solches Dessein Ew. Ch. D. bekannt 
wäre. Dann wann man sagte, I. K. M. wollten Holland abaissiren, 
solche Expression wäre so general, und könnte so vielerlei diflFerente 
Concepte formiren, dass man nicht wüsste, bei welchem man bleiben 
sollte, und ich befinde, dass die Ministri durch diese Question nicht wenig 
embarrassiret sein, ja dass sie sich selbst contradiciren, nach dem es 
der Discurs mit sich bringet, und es ihnen dienlich ist, um diese oder 
jene Meinung zu behaupten. Wann sie sustiniren wollen, dass I. K. 
M. so grosse und vaste Desseins nicht haben, als Dero Widerwärtige 
aussprengen, so sagen sie, I. M. wollten nicht einen Fuss breit Landes 
hiebei gewinnen; die Plätze, welche Sie einnähmen, wollten Sie den 
rechtmässigen Herren restituiren; I. K. M. Dessein wäre nur allein 
die Holländer etwas zu züchtigen; Sie führeten den Krieg allein pour 
son honneur et pour le profit des autres, hätten auch nicht im Willen, 
die B^publique zu destruiren, sondern nur allein Revanche zu nehmen. 
Wann aber ich vorstelle, dass Ew. Ch. D. deshalben mit den General- 
staaten gewisse Mesures je observiren müssten, weil sie nach geen- 
digtem Kriege sich der empfangenen Offensen allzeit erinnern und 
alle Ew. Ch. D. Lande mit Entziehung der Commercien, die Clevischen 
aber wegen ihrer Situation, auch sonsten incommodiren könnten, und 



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60 !• Zor Vorgeschichte des deatoohjfraDZÖBischeD Krieges. 1671. 1672. 

obgleich I. E. M. Ouarantie kräftig genug wäre, so könnten doch Ew. 
Gh. D. den Effect derselben nicht anders geniessen als durch Krieg, 
welches eben dasjenige wäre, welches Ew. Ch. D. omnibus modis yer- 
httten wollten: alsdann antwortet man mir, ob ich vermeine, dass nach 
geendigtem Kriege die Pnissance, und in specie die Commercien des 
Estats in dem jetzigen Stande sein würden. Man versichert mich, der 
Staat würde alsdann dergestalt abaissiret sein, dass er nicht würde ver- 
mögen Jemands zu beleidigen. Der Fürst von Turenne sagt mir: 
dass I. K. M. Sich hierin gegen Ew. Gh. D. nicht expliciret, solches 
käme daher, weil Sie bis dato keine Gonfidenz in Ew. Gh. D. setzen 
könnten; gegen andere hätte man sich deutlicher herausgelassen. 
Ich weiss aber wol, dass man gegen andere ebenmässig variiret und 
dem einen dieses, dem anderen jenes gesaget, daraus erscheinet, {: dass 
die Desseins grösser sein als man vorgeben will und ausser Zweifel 
dahin gehen, die Staaten Oeneral dergestalt zu abaissiren, dass sie die Nie- 
derlande abandonniren und im Gommercio leges acceptiren müssen. :| 

Die Minister versprechen für das Gampireo der französiächen Trappen 
im Herzogtom Gleve Indemnisatioo des Ef., wenn er nur neutral bleibt, 
und Restitoirung der eingenommeneu Plätze ohne Entgelt. Nach Pom- 
ponnes Aossage sei es auch noch ungewiss, ob die Kriegeoperationen 
würden in Gleve vorgenommen werden. „I. K. M. würden Sich zwar die 
Hände deshalben nicht binden, und wollte er solches nicht gern affirmiren 
oder negiren/' Auf den von Grockow, jedoch ohne Hoffnung, ausgedrückten 
Wunsch, ,;es könne doch sedes belli anderswohin transferiret werden'', ant- 
wortet er: „ans dem Gölnischen könnte man an unterschiedene Oerter mar- 
schiren'' — „und ich sehe wol, dass man Estat machet, noch diesen künf- 
tigen Sommer |: mitten in des Feindes Land zu gehen, sonder Zweifel durch 
die Tssel." 

Schliesslich kann ich nicht umhin Ew. Gh. D. vorzustellen, dass 
man alhier so wenig auf die Raison als auf die Freundschaft einiger 
Menschen Reflexion machet. Man lasset sich auch nicht gross ange- 
legen sein, die Raisons mit Raisons zu beantworten. Die letztere 
Antwort ist allezeit: es wäre Ihrer E. M. Interesse und Desseins oder 
Deroselben Oloire gemäss, und man würde seine Sicherheit nirgend 
als bei I. K. Majestät finden. Pour toute raison allegiret man I. 
K. M. Macht — welches gar schwer ist vor diejenigen, welche etwas 
zu negotiiren haben, so I. K. M. Desseinen nicht gemäss ist. :{ 

Das Notificationsscbreiben der Entbindung der Eurfürstin von einem 
Prinzen Pomponne zugestellt. Gomplimente. 

Prinz Albert Friedrich geb. 14. Januar 1672. 



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Bei Hofe keine Räcksichten auf fremde Reflexioneo. 61 

P. 8. Der Tractat zwischen Spaoieo and Holland in Spanien sehr gut 
aufgenommen. Die Königin, hiess es, wolle ihn ratifioiren ; das gemeine Volk 
bezeuge seine Frende darüber und wünsche den Krieg; anch der Rat 

ausser Pefieranda neige dazn Hier hält man dafür, Spanien 

werde wol Mine machen , ohne jedoch zur That zn schreiten. So scheint 
es allerdings, ,)Weil sie nicht en Estat, und weil die Königin bei Ratifica- 
tion obged. Tractats sich vorbehalten, dass sie zn Praestimng des ver- 
sprochenen Snecnrses nicht ehe wollte obliglret sein als sechs Monat nach 
geschehener Requisition . . /' Einige kleine Streitigkeiten wegen der Li- 
miten der eroberren Festungen sind unlängst beigelegt worden. Der König 
hat sich erboten, von den eroberten beanspruchten Dependentien gänzlich 
abzustehen, wenn Spanien den französischen Truppen Durchzug und Proviant 
In den Niederlanden verstatten wolle, Ja gar die Gonquesten zu theilen, 
wann Spanien mit agiren wolle, davor aber Spanien sich wol hüten wird^. 

Mr. de Seignelay ist nach England gegangen und hat von den Gel- 
dern, welche man dem Chevalier Bann ausgezahlt, die Hälfte, nämlich eine 
Million Florin, von Galais mit sich genommen und die andere Hälfte da- 
selbst gelassen, die aber auch folgen soll. — Heiss, kflicher Unterthan, ans 
Cleve gebürtig, hier Kurtrieriscber und Kurmainzischer Agent, in Mission 
des Königs nach Trier und Mainz verschickt, um an beiden Höfen Neu- 
tralität und freien Durchzug zu erwirken. Worauf Kurtrier „alles promit- 
tiret^, Kurmainz aber „zwar gute Worte gegeben, jedoch allerhand Difficul- 
täten eingeworfen habe^'). — de Groot rät dem Kf. zu einer Sendung 
nach England. — Louvois verfertigt die Instruct. für die Generale. Mar- 
quis de Villeroi disgraciirt. 



Relation, d. d. Paris 9./19. Februar 1672. 

In einer Unterredung mit Pomponne hat der holländische Ge-^^ j^^* 
sandte auf seine nochmalige Frage, „ob nicht annoch ein Temperament 
zu finden^ von dem Minister keine „vergnügliche Antwort^ empfangen. 
Er hätte zwar Ordre, bis auf weiteren Befehl zu verbleiben*); „alldieweil 
aber bei so gestalten Sachen, da die Negotiation ganz cessirte, es das An- 
sehen gewinnen könnte, als wann er blos allein explorandi gratia alhier 
wäre, und er dannenhero befürchtete, dass seine weitere Gegenwart I. K. 
M. nicht angenehm sein dürfte^, so bäte er um Aufschlüsse über des 
Königs Absichten. Da Pomponne sich über diese nicht auslässt, vielmehr 
meint: „er müsste bekennen, wann er an einem Orte wäre, an welchem er 
die Ruptur mit seinem Herren vorhersehe, dergestalt als der Ambassadeur 
vermeinete dieselbe vorherzusehen, er so lange nicht warten sondern je 
eher je lieber sich von dannen begeben wollte^ — hat der Gesandte seine 



') Vgl. den Schriftwechsel mit KMains in der Abteilung 3. 
«) Vgl. oben S. 55. 



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62 I. Zar Vorgeschichte des deuUch-französischeD Krieges. 1671. 1672. 

Pässe verlangt; noch vier Wochen aber wird er bleiben, um die Staa- 
tische Antwort und bequemeres Wetter abzuwarten. 

Pomponnes Discurse gehen immer dahin, ^dass Ew. Ch. D. sich noth- 
wendig entweder französisch, holländisch oder neutral declariren müssteD, 
die Ruin des platten Landes wäre auf keine Mittel und Wege zu verhüten, 
am allerwenigsten aber wann £w. Ch. D. die holländische Partei nähmen; 
das Reich könnte sich nicht darein mesliren, weil in dem Instrumento Pacis 
die Paciscentes versprochen, dass einer des anderen Feinden nicht assi- 
stiren wollte. Die grösste Assistenz, so man den Holländern leisten könnte, 
wäre diese ; dass man ihnen so considerable Festungen in Händen Hesse; 
wo solches per vim geschehe und wider Ew. Ch. D. Willen, hätten I. K. M. 
zwar nichts dawider zu sagen. Auf solchen Fall aber könnten Ew. Ch. D. 
Ihrer E. M. nicht verdenken, dass Sic ihre Feinde suchten, wo sie wären, weil 
Sie so feste Plätze par raison de guerre nicht könnten zurücklassen; dafern 
aber Ew. Ch. D. mit gutem Willen die Holländer darin Hessen, declarirten Sie 
Sich dadurch wider I. K. M., weil Sie eben dadurch Dero Feinden einen so 
considerablen Succnrs leisteten. Es könnte auch keiner unter dem Prae- 
text eines Foederis defensivi den Holländern assistiren, sonder dass er 
I. K. M. vor einen Aggressoren declarirete, weil die Foedera defensiva nicht 
anders als contra aggressorem Statt hätten und pro lubitu eines Jedea 
könnten ezpliciret werden, welches der grösste Tort und die grösste Offense 
wäre, die man I. K. M. thun könnte. Es wäre nicht allezeit derjenige 
Aggressor, welcher den Krieg anfinge, sondern welcher Ursache dazu gebe. 
Wenn man darauf einwendet, dass I. K. M. bei anderen Kriegen, in welche 
Sie Sich mesliret, allezeit dergestalt judiciret, dass der Laedirte vorher 
Satisfaction begehren und gütliche Tractaten versuchen müsste, auch 
nicht eher als in Entstehung gütlicher Mittel zu den Waffen zu greifen be- 
fugt wäre, antwortete er, es wäre von Holland keine Satisfaction in der 
Güte zu hoffen, wie ich vorhero weitläuftiger berichtet. Von dem Reiche 
vermeinet er, es wäre so wenig en estat sich darin zu mesliren, als es dazu 
befugt wäre. Es hätten auch andere Reichsfürsten, von welchen I. K. M. 
die Neutralität begehret, den Prätezt vor dem Reiche nicht vorgeschützet, 
welche er zwar nicht nennen wollen; ich vermerke aber wol, dass er von 
Chur-Mainz und Chur-Trier redet, massen der Mainzische Agent, von 
welchem ich in meinem letzteren gemeldet, itzt weiter gegen mich heraas- 
gangen und mir angezeiget: Chur-Mainz hätte in der ihm ertheilten Reso- 
lution die Neutralität mit der Condition versprochen, wann kein Reichs- 
fürst mit impliciret werde, sich dennoch dabei vorbehalten, dass, wann Ew. 
Ch. D. oder sonst ein Fürst des Reichs Klage führete, dass er sich nicht 
entbrechen könnte, dieselbe dem Reiche vorzutragen und sich der sämtlichen 
Stände Gutachten zu conformiren, welche Resolution dennoch ziemlich 

equivoque zu sein scheinet ^ Wenn der König nicht wüsste, wie lange er 

des Kf. Freundschaft versichert sein könne, „würde I. K. M. Ew. Ch. D. 
mit ganz anderen Augen ansehen und andere Mesüres nehmen.^ — Aus 
allen diesen Di^cnrsen erhellt, „| : dass Frankreich einig und allein auf 



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Frankreich kennt nur sein eigenes loteresae. 63 

sein eigenes Interesse und im allergeringsten nicht anf die Conservation 
seiner Alliirten siehet, sondern prätendiret, dass dieselben ihre Maximen nnd 
Allianzen allzeit nach I. E. M. Interesse und Begehren verändern sollen 
und dass derjenige , welcher nicht dazu resolviren will, die Frenndschaft 

mit Frankreich anmöglich conserviren kann :|^ Von allen anderen 

Potentaten ,,macbt man hier wenig Consideration^, ^|: insonderheit vom 
Römischen Reiche, welches man in Wahrheit fast nicht nennen darf. 
Ihrer E. M. Interesse und Deroselben Puissance sein die Raisons, welche 
blos allein alhier employiret werden :|^ 

Man spricht von nenen Werbungen, um „auf allea Fall auch gegen 
Spanien parat zu sein^. — Der Englische Gesandte ist zurück. — Ouc 
de Monmonth führt ein Englisches Regiment von 2500 M., welches der 
König von England „auf eigene Unkosten^ geworben, in die französischen 
Dienste. — Qraf Schombergs Ernennung zum Lieutenant-G6n^ral in 
der Armee scheint zurückzugehen, „sonder Zweifel wegen der Religion 
und einiger Irrungen mit Mr. de Turenne^; vielleicht wird er sich gar 
auf seine Güter nach Deutschland begeben. 



Relation, d. d. Paris 16./26. Februar 1672. 

Königs mark hat sich vermöge des aus Schweden erhaltenen Gredi* 26 Febr. 
tifs bei Hofe angemeldet, jedoch ohne Charakter; hat bei beiden Majestäten 
Andienz ohne Ceremonien gehabt, darauf eine Conferenz mit Pomponne 
gehalten. Der Tractat mit Schweden werde sich wol an der Subsidienfrage 
zerschlagen. 

Aus Spanien Nachrichten, nach welchen man dort — sogar Graf 
Feneranda — die Allianz zwischen Spanien und Holland befürworte. 
Allerlei Kriegsvorbei:eitung dort. Geldaufnahmen in Genna. — Graf Mon- 
terey habe alles in allem nicht mehr als 21000 M. 

Die vornehmsten Herren als Tu renne und Prinz Cond6 machen 
nunmehr Anstalt zu ihrer Equipage. Erwerb von Artilleriepferden. An- 
kauf von Pferden, die Provision für die Armee fortzuschaflfen. — Man ist 
auf ausserordentliche Mittel bedacht um Geld zusammenzubringen. 
Creirnng und Verkauf neuer Chargen. Bei Fortdauer des Krieges dürfte 
das Geld bald mangeln, zumal so grosse Summen aus dem Lande geben und 
bei dem Stillstand der Commercien nichts wieder hineinkommt. 



Relation, d. d. Paris 4. März 1672. 
üeber die 120 Compagnien zu Fuss werden noch 100 zu Pferde ge- 4, Mmz, 
werben. Ferner ist man entschlossen, „mit dem allerebesten annochSOOOM. 
zu Fuss und 2000 Teutsche Reiter werben zu lassen*'. — Aus Spanien die 
Kachrichten wie bisher. Die Königin resolvirt, Holland nicht aufzugeben 
sondern ^vermöge der Libertät, welche der Pyrenäische Friede beiden 
Kronen lasset, mit Auziliarvölkern zu assistiren^. — Crockows Raisonne- 



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64 I- Zar Vorgeschichte des deatach-fraDEÖBiechen Krieges. 1671. 1672. 

ments über den Krieg >). Er wünscht die Raptar sehr lebhaft, damit die 
französische Macht getrennt werde, und Ef. Gelegenheit bekomme diejenigen 
Resolntionen zu nehmen, ^welche die Sicherheit Dero Estats erfordern wird, 
widrigenfalls es schwer fallen wird, dem ersten Anfall einer so grossen 
Macht zu widerstehen .... Der erste Anfall wird der gefährlichste sein. 
Nachgehends aber wird es nnmöglich Bestand haben können .... Andere 
Potentaten werden sich declariren .... and alsdann wird es Zeit sein, 
dass Ew. Ch. D. Dero eigenes and das gemeine Interesse beobachten, 
welches ausser allen Zweifel darin beruhet, dass die fransö- 
sische Macht nicht grösser werde. Ich zweifle anch um desto 
weniger daran, dass £w. Gh. D. endlich die Partei wider Frankreich 
nehmen werden, weil ich versichert bin, dass die hiesige Maximen und Ma- 
nier die Alliirte zu tractiren Ewrer Ch. D. nimmermehr anstehen werden.** 

Sir Downing bei seiner Rückkehr nach England ins GefÜngnis ge- 
setzt'); wie man meint, ^weil er eine secrete Ordre überschritten, welche 
ihm anbefohlen, mit seiner Abreise zwar zu drenen aber gleichwol nicht 
wegzureisen*^. Zu einem Bruch zwischen England und Spanien, trotzdem 
dieses letztere den Holländern assistire, werde es angeblich nicht kommen. 
Dessen ungeachtet wird weder der Krieg noch die Allianz mit England 
dieses Jahr zu hindern sein, ^weil der Franzö sische Ambassadeur') zu 
London die 500000 Reichsthaler, welche er noch bei sich gehabt, numehro, 
sondern Zweifel nach erhaltener genügsamer Versicherung, ausgezahlet 
hat.*^ — de Groot will Nachricht haben, der Krieg werde so geführt 
werden, dass der König suchen werde, |: „mitten ins Gebiet der General- 
staaten bineinzugehn , das platte Land zu yerheeren, die Städte aufzufo- 
dem und, wann sie sich nicht ohne Gapitulation ergeben, ihnen hernach 
dieselbe nicht zu verstatten*^ : | Dies hat der Fürst von Fürstenberg 
schon 7or anderthalb Jahren Crockow gesagt. — 

P. S. Tod der kleinen Madame^) am vergangenen Dienstag Morgen. 
Die Majestäten in Folge dessen von S. Germain nach Versailles, wo sie 
längere Zeit bleiben werden. 



Relation, d. d. Paris 11. März st. n. 1672. 
11. M&rz. Dio ▼on der Allianz zwischen Spanien und Holland eingelaufenen Zei- 
tungen haben in den hiesigen Gonsiliis so gar keine Veränderung verursacht, 
dass vielmehr die KriegSYorbereitnngen desto stärker fortgesetzt werden. 
„Dieses allein ist verordnet, dass, da anfangs der Französische Ambassa- 
deur zu Madrid mit der Ruptur gedreuet, wo selbige Krön die geringste 
Assistenz an Holland leistete, I. K. M. ihm anitzo durch einen eigenen 



Diese grösstenteils in Chiffren. 

*) Englischer Gesandter im Haag. Er hatte dort am 14. Februar seine 
Abschiedsaudienz genommen. 

*) Seignelay s. oben S. 61. 
*) Vgl. S: 66 Anm. 1. 




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Armee. Pomponne Aber des Kf. Neutralitat. 65 

Coarier Ordre gescbicket, der Königin anzuzeigen, dass wann dieselbe sieb 
in den Terroinis des Pjrenäiscben Friedens bielte nnd den Holländern 
allein mit AnziliarTÖlkern assistirte^ I. K. M. solcbes yor keine Rnptar 
nehmen, sondern demobngeacbtet den Frieden mit der Krone Spanien stets 
unterhalten wollten. Man hält davor, es rühre solches daher, weil I. K. M. 
wol sehen, dass, wann Sie mit Spanien im Kriege begriffen, Sie die Eng> 
liscbe Allianz nnmöglich conserviren können, weil selbige Krön weder die 
Commercien mit Spanien entbehren noch zugeben kann, dass Frankreich 
sich der Spanischen Niederlande bemächtige. Der HolIändischeAmbas- 
sadenr giebt Tor, dass Spanien selbst brechen werde and sich bereits dnrch 
einen Tractat dazu engagiret. Es wird zwar solches bei Hofe nicht ge- 
glaubet, gleichwol werden auf allen Fall Praeparatoria gemachet, und weil 
die Spanier in Catalonien eine considerable Arm^e unter dem Commando 
des Don Jean formiren wollen, als wird Anstalt gemachet 10 000 Mann 
nach dem Ronssillon zu schicken, welche der Duc de Noailles und 
Monsieur Le Brett commandireü sollen. Einige sagen, dass der Oraf 
Schomberg, im Fall Portugal sich nicht rege, daselbst employiret werden solle. ^ 
FrinzGond6 wird das Commando führen über die Armeen, „welche dies- 
und jenseits dem Rhein agiren'*, und bei sich haben seinen Sohn, den Dnc 
d'Enghien, und die Marächaox de ßellefonds und d'Humi^res; er 
wird künftigen Monat von hier aufbrechen. Louvois hat zu einem frem- 
den Minister gesagt, ged. Fürst würde yor allen Dingen Wesel wegzuneh- 
men suchen, damit er in Westphalen einen festen Fuss hätte, „daraus Ew. 
Ch. D. höchstvernünftig judiciren werden, ob Frankreich Willens selbigen 
Platz, zumalen solange der Krieg währet, zu restituiren^. Der Mar^chal 
de Cr^quy soll gegen den Juni bei Ath ein Corps zusammenführen. 
„Von Ihrer K. M. Arm^e, welche sonder Zweifel die grösste sein wird, 
höret man noch nicht, an welchem Ort dieselbe agiren solle. Aller Appa- 
renz nach wird es Mastricht gelten, es möchte dann sein, dass es mit Spa- 
nien zur Ruptur käme, auf welchen Fall sie sich zweifelsohne nach den 
Spanischen Niederlanden wenden wird. I. K. M. machen Estat den 
20. Mai s. n. von hier aufzubrechen.'' 

Pomponne mit der Resolution an St. O^ran nicht zufrieden. 
|: „Er saget, eine Nentralität von etlichen Monaten sei keine Neutralität, son- 
dern allein ein Amüsement, uro Zeit zu gewinnen und sich in Postur zu 
setzen. Und weil man also an der Neutralität alhier desperiret, als machet 
man sich gänzlich das Facit, dass Ew. Ch. D. der Holländer Partei nehmen 
werden. Der Pomponne sagt noch stets , wie ich schon vorher unterth. 
berichtet, dass wer Holland wegen eines Foederis defensivi assistire, der- 
selbe declarire I. K. M. vor den Agressoren, welches I. K. M. nicht anders, 
als vor eine grosse Offense und Injurie anfnehmen würden. Und ob man 
wol darauf antworten kann, dass I. K. M. niemal den Krieg anfingen, ob- 
Bchon es propter iustaro cansam wäre, wird doch solches alles nicht helfen, und 
obschon I. Kön. M. gegen Spanien in diesem Punct Dero voriges doch ge- 
ändert, ist solches propter speciales causas (wie obgemeldet) geschehen, 

Mater. %. Qesch. d. Q. Karfärtten. Xm. 5 



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66 I* Zar Vorgeschiclite des deatsch^fransosischeD Krieges. 1671. 1672. 

welche bei anderen Tielieieht nicht statt haben werden; nnd wird also 
hochnöthig sein, dass, wo Dänemark vermöge der Quadruplen Allianz assi- 
stiren wolle, nicht allein dass solches conjanctim mit denen anderen Mem- 
bris selbiger Allianz geschehe , sondern auch, dass Ew. Ch. D. mit Dero 
AUiirten eine considerable Armee parat haben, damit Frankreich entweder 
obligiret sei, bei gedachter AssistiCnz gleichwie mit Spanien zu conniriren^ 
oder wo es nicht zu erhalten, dass Ew. Ch. D. zur Defension parat seien.^' 

„Was ich wegen Wesel berichtet, glaube ich um desto eher, weil ein 
vornehmer Herr, welcher malcontent und mit dem Holländischen Ambassa- 
deur correspondiret, ihm gerathen, dass die Staaten Oeneral ein Lager auf 
der Lippe formiren. Derselbe hat ihm auch gerathen, dass die Staaten 
General etwa dreitausend Polen oder Croaten annehmen möchten, um die 
Französische Cavalierie zu strapaziren.^ 

Der Resident Canon ist wegen des Herzogs von Lothringen hier 
und conferirt mit Pomponne. — Der König hat den Comte de Char- 
rost vermocht, dass sowol er als sein Sohn, ,, welcher die Survivance ge- 
habt, die Charge de Capitaine des Gardes de corps gegen eine Satis- 
faction abgetreten, und alsofort selbige Charge dem Duc de Duras 
conferiret. Der Comte de C harrost ist mit anderen Chargen und 200 Flo- 
rin, die ihm der Duc de Duras ausgezahlet, vergnüget worden/' 

^Vorgestern habe ich nebst dem Dänischen und Pfälzischen Residenten 
das Compliment de condol^ance wegen des tötlichen Hintritts der kleinen 
Madame^) bei L E. M. beiderseits, wie auch bei Mr. le Dauphin abgeleget, 
und gleicbitzo werde ich avertiret, dass ich noch Vormittags ebendasselbe 
Devoir bei Monsieur und Madame abstatten soUe.^ 

P. S. Bericht über Aeusserungen eines gewissen Poll, welcher vom 
Kf. „in unziemlichen Terminis'' geredet. Es ist Befehl ergangen ihn in 
Arrest zu nehmen. 



Relation, d. d. Paris 18. März 1672. 
18. März. |: „Man ist alhier äusserst bemühet die Ruptur mit der Krön Spanien zu 
verhüten, nachdem der König in England declariret, dass er wider Spa- 
nien nicht agiren noch dem König in Frankreich, wo er mit Spanien 
im Krieg begriffen, assistiren könne, wegen der Ursachen, welche ich in 
meinem letztern angeführet. Es wird vor sicher gehalten, dass die Eng- 
lische Kaufleute über 36 Millionen in Spanien haben, weiche sie auf solchen 
Fall würden verlieren müssen. I. K. M. haben noch yor Tagen einen Cou- 
rier nach Spanien abgefertiget und dem Ambassadeur daselbst Ordre ge- 
geben, durch grosse Promessen nnd alle mögliche Officia die Ruptur und die 
Ratification der Tractaten, welche deshalben mit Holland mögen gemachet 
sein, zu verhüten, und die Königin zu versichern, dass obscbon sie den 

Oben S. 64. Das Ereignis ohne Bedeutang. Die Kinder Ludwigs XIV. 
aas der Ehe mit Marie Therese (drei Söhne und drei Tochter) starben — mit Aas- 
nahme des Dauphin -- sämtlich im zartesten Kindesalter. 



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FraDkreichs BemfibaDg die Baptar mit Spanien eh verhaten. 67 

Holländern mit Aaxiliairölkern assistiren würde, Sie's vor keine Ruptur auf- 
nehmen, sondern dem ohngeachtet den Frieden mit Spanien unverbrüchlich 
observiren wollen. Der Holländische Gesandte giebt stets vor, dass die 
Krön Spanien noch diese Campagne brechen werde. Ich mnss aber fast 
daran zweifeln ]. wegen der von Holland ins Mittel gebrachten Permnta- 
tion der Stadt Mastricht gegen einen anderen Platz, welches gar nützlich, 
wenn Spanien Frieden behält, aber unnöthig zu sein scheinet, wenn die- 
selbe Krön mit in den Krieg impliciret wird. 2. Weil Spanien dem Ver- 
laut nach den General Marcin lehnen, welchen sie auf solchen Fall selbst 
wol bedürfen würden. 3. Weil der Ambassadeur von Spanien alhier 
ehestens seine Entr6e halten wird und bereits sehr grosse Wechsel gezogen, 
auch seine Meubles und Equipage verfertigen lasset und sich gänzlich an- 
stellet, als wenn er lange alhier verbleiben wollte, zu geschweigen, dass 
Spanien noch nicht genugsam in Postur ist, deshalben man noch mehr 
Apparenz sehen muss» ehe man solches glaubet. :|" 

„I. K. M. haben diese Woche zum öftern Kriegsrath und mit dem P r in ce 
de Gond6 lange Conferenzen gehalten, und vermuthet man täglich, dass die 
Lieutenants G6n6rauz und Mar^chanz de Camp sollen genennet werden. 
I. K. M. haben nach der Schweiz geschicket, um daselbst anderwärtige 
Werbungen anzustellen; so wird auch vorgegeben, dass über die 15 Tau- 
send Mann, von denen ich neulich gedacht, in künftigem Majo noch mehr 
Patenta sollen ausgetheilet werden. Die Magazine zu Li6ge werden täg- 
lich verstärket, und die Maas hinunter grosse Quantität von allerhand Vor- 
rath dahin geschicket. Die Equipage zur See wird auch mit aller Macht 
fortgesetzet, wie auch alle zum Feldzng nötige Präparatoria, von denen 
ich vorher gedacht, mit aller Macht continniret werden. Der Tag, an wel- 
chem I. K. M. aufbrechen werden, ist noch eigentlich nicht benennet, man 
hält aber, es dürfte sich wol gegen den 20. Mai verziehen. Der Prince 
de Cond6 aber wird vorher nach dem Rhein gehen. Der Mar6chal 
de Cr^quy ist nach Lotbringen gereiset, um noch einige Tronppen zu 
detachiren, welche nach dem Erzstift Göln gehen sollen.^' 

„Man hat verspüren können, dass die Zeitungen ans England nicht 
allerdings angenehm gewesen, und sein unterschiedene Couriers von dannen 
ankommen und wiederum dahin geschicket worden. Es muss aber nichts 
essentielles sein, weil die Praeparatoria einen Weg als den andern fortge- 
setzet werden und darin keine Aenderung zu spüren. Der Holländische 
Ambassadeur hat seine Abschiedsandienz bis dato differiren müssen wegen 
einiger sichtbaren Incommodität, wird aber dieselbe ehester Tage begehren 
und innerhalb 8 od. 10 Tagen von hier aufbrechend).'^ 



Relation, d. d. Paris 31. März 1672.') 
,)Der Holländische Ambassadeur ist nach überall genommenem Ab- 31. März. 



Zwischen dieser nnd der folgenden sind einige Relationen nicht mehr 
vorhanden. 

^ Üeberwiegend in Chiffren. 

5* 



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68 I- Zar Vorgeschichte des deatsch-fraosösischen Krieges. 1671. 1672- 

schied gestern von hier abgereiset, hat alle alhier anwesende Holländer mit sich 
weggenommen. Der Englische Ambassadeur hat bei I. K. M. Audienz 
gehabt) die geschehene Rnptnr notificiret und begehret, dass I. K. M. dem 
Tractat zu Folge ebenmässig den Krieg declariren möchten, darauf I. K. 
M. ihm geantwortet, wann der Holländische Ambassadeur weggezogen, sollte 
solches ehister Tage geschehen. Vermuthlich wird man solange damit an- 
stehen, bis noch mehr Völker im Cölnischen angelanget, damit nicht etwa 
die Holländer, wann die Declaration geschehen, alsobald etwas tentiren 
möchten. Es hat mir nicht allein der Holländische Ambassadeur, welcher 
bei dem Handel interessiret und parteiisch sein kann, sondern auch andere 
Personen von Consideration vor ganz gewiss berichtet, dass der Fürst 
von Cond6 alsofort die Stadt Göln attaquiren werde, und ich bekenne, 
dass mir allemal leide davor gewesen. Die einige Consideration, welche 
solches* verhindern könnte, ist der Esgard, welchen Frankreich auf das Rom. 
Reich haben kann; aber derselbe ist so gross nicht, als man vielleicht wol 
meinet. Man praepariret sich alhier und vermeinet stark genug zu sein, 
um alle Hindernisse, sie mögen herkommen, wo sie wollen, zu überwinden^ 
und weil Frankreich beginnt zu sehen, dass das Rom. Reich sich darin m^liren 
möchte, wird der König um desto eher suchen sich dieses Postes zu be- 
mächtigen. Ich bin auch von wol intentionirten Personen guter Hand 
gewarnet, dass I. K. M. es sehr empfinden, dass Ew. Gh. D. unter allen 
Chnrfürsten und Fürsten Sich Ihrer K. M. am wenigsten accomodiren und 
den anderen ein Exempel geben, dass Ew. Gh. D. deshalben sich sehr wol 
vorzusehen hätten; dann I. K. M. gewiss solches ressentiren würden.^^ 

Des Königs Abreise wird wol bis in den Mai aufgeschoben werden. 
„I. K. M. gehen nicht nach Metz, wie man anfangs vorgegeben, sondern 
nach Rocroy, woselbst ein Rendez-vous gän^ral sein wird, und noch ein 
anderes zu Metz, und wird aller Apparenz jene Arm^e mit I. K. M. nach 
Mastricht, diese aber mit dem Fürst von Gond6 nach dem Rhein 
gehen. Es möchte dann sein, dass I. K. M. mit Ihrer Armöe .in die 
Spanischen Niederlande fielen ; es ist zwar solches nicht eben zu vermuthen 
wegen England, wie ich vorher unterth. berichtet, aber dem ohngeachtet 
man mit der Zeit nirgends sicher sein müssen.'^ 

Der König ist resolvirt noch sechs Tausend Schweizer zu werben. 
Das Regiment desDucdeMonmouth ist schon guten Teils in Frank- 
reich angelangt. In den Grenzfestungen werden noch stets unglaublich 
grosse Praeparatoria und allerband Magazine verfertigt. Marquis de 
Seignelay ist nach den Seehäfen verreist, um die Ausrüstung der 
Flotte zu beschleunigen. „Unter allen solchen Praeparatorien wird sonder- 
lich auf das Geld gedacht. Golbert hat dieser Tage viele Edicta, welche 
dahin angesehen, zu dem Premier Praesident im Parlament gebracht und 
begehret, er solle dieselben verificiren lassen. Selbiger aber, obschon er 
ganz dem Hofe anhänget und Hoffnung hat Ganzler zu werden, hat ihm 
geantwortet, er getraue sich nicht damit durchzudringen, wann I. K. M. 
nicht selbst ins Parlament kämen, welches auch geschehen soll. Man weiss 



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Weggang des holläDdischen Gesandten. Kriegserkläning. 69 

noch nicht eigentlich, was es ist, aber ntan sagt, es sollen überaas harte 
Sachen sein. Anch creiren I. E. M. viel neae Chargen und verkaufen die- 
selben, um Geld zu machen. I. E. M. wollen auch verordnen, dass kein 
Officier mit Oold oder Silber charoarirte oder gestickte Kleider tragen solle, 
sondern blos Escharpen mit Frangen und des bords de chapeau; auch soll 
wegen der Tafeln, so in der Arm^e gehalten werden, ein Reglement ge- 
machet werden. Der Comte de Lislebonne ist alhier angelanget. Man 
sagt, er habe sein particulier Accomodement gemachet. ^ 

Baron Schönborn*) ist hente wegen E Mainz augekommen. „Ich 
habe ihn gesuchet, aber noch nicht zu ihm kommen können. Man sagt, er werde 
die Mediation praesentiren, und eu dem Ende auch ein kaiserlicher Minister 
anhero kommen, welches aber alles yergeblich und umsonst sein wird. Das 
einige Expediens wird sein, dass alle Interessirte sich yerbinden Gewalt mit Gts- 
walt zu wehren. Der Spanische Ambassadeur praepariret sich, eine 
prächtige Entr^e zuhalten, der Englische wird ehestens seine Abschieds- 
aadienz nehmen und wieder nacher England kehren, die Truppen haben Ordre 
sich zu dem Aufbruch fertig zu halten. Es haben einige fremde Ministri 
durch den Introducteur des Ambassadeurs bei I. E. M. vernehmen lassen, ob 
I. E. M. wollten, dass sie Deroselben folgen sollten, darauf I. E. M. geant- 
wortet, es würde solches zu eines jeden Belieben stehen; die meisten aber 
werden alhier verbleiben.'' 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 8. April 1672. 

[Der Krieg ist erklärt. AnslasanDgeD des Mainzischen Qesandten. Unterredang 
mit Chevalier Lockart, der an die dentschen Höfe gebt. Tractat mit Lothringen 

nichtig. Nachrichten.] 

Der Erieg gegen Holland ist gestern alhier durch den Trompeten- 8. April, 
schall publiciret und deshalben eine Königliche Declaration in den Truck 
gegeben, welche sowol als die Edicta, so in dem Parlament verificiret, 
sonder dass L E. M. (wie man anfangs davor gehalten) hineinge- 
kommen, der Herr Beeck bei heutiger Post zweifeis ohne übersenden 
wird. Man weiss noch nicht eigentlich den Tag, an welchem L E. 
M. aufbrechen werden, es wird aber ohngefähr zu Ausgang dieses 
oder mit Anfang künftigen Monats ohnfehlbar geschehen. Der Prince 
de Condö hat seinen Officirern das Rendez-vous auf den 29. dieses 
zu Södan gegeben. Die Flotte ist auch nunmehro parat auszulaufen, 
bestehend in dreissig Orlogs-Schiffen. 

Baron Schönborn erklärt: sein Anbnngen bestünde darin, dass er 
Ihrer Eaiserlichen M. Resolution auf dasjenige, welches Ghur-Mainz 

^ Freiherr Erwin von Schönborn, Neffe des Kurfürsten von Mains. 



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70 I* Zur Vorgeschichte des deutsch-fraozösischen Krieges. 1671. 1672. 

auf I. K. M. Begebren Ihrer Kaiserlichen M. vortragen lassen, be- 
treffend die begehrte Neutralität und die Versicherung, dass es nicht 
wider das Reich angesehen, Ihrer K. M. hinterbracht, und bestünde 
solche Resolution ') in gar generalibus Terminis, und dann, dass er 
Ihrer E. M. Fayeur gegen Chur-Pfalz und die Explication des aus- 
gesprochenen Laudi suchen sollte. {: Sonsten aber hat er mich sehr 
versichert, dass. er alhier nichts negotiire, welches des Churfttrsten 
von Mainz particulier Interesse betreffe noch ihn einigermassen enga- 
gire, sondern dass derselbe freie Hände behalten würde alles zu thun, 
was ihm obliegen und des Köm. Reichs Ständen dienlich sein könnte, 
welches er mit grossem Eide bekräftiget. Die Mediation Namens I. 
Kais. M. oder Chur-Mainz zu praesentiren hätte er nicht in Befehl, 
es wäre auch noch nicht Zeit, bis der Krieg angangen, und man in 
Postur, dieselbe mit Nachdruck zu offeriren. Er sagt, dass man am 
Kaiserlichen Hofe sowol als bei Mainz sehr froh sein würde, dass 
der Krieg mit Holland anginge, dann man sonst denselben im Rö- 
mischen Reiche gehabt. Er wüsste auch nicht, ob's rathsam wäre 
bald Friede zu machen, dann man doch wegen der grossen Macht 
und vasten Desseinen von Frankreich nicht sicher sein würde. Er 
hat bereits Pomponne gesprochen und darauf bei I. K. M. Audienz 
gehabt, welche, wie er mir berichtet, mit seinem Anbringen sehr con- 
tent gewesen. Er sagt, man habe ihn nochmalen hoch versichert, dass 
I. K. M. wider das Römische Reich noch desselben Stände nichts in- 
tendireten. Man beklage sich aber gegen ihn gar hoch, dass Ew. Ch. 
D. die Neutralität nicht acceptiren wollten, ohngeachtet dass I. K. M. 
offeriret, die Plätze, welche Sie einnehmen würden, Ewrer Churfürstlichen 
D. wiederzugeben, davon I. K. M. parat wären dem ganzen Rö- 
mischen Reich Part zu geben. Aber wie ernst es Frankreich sei die 
Plätze am Rhein wiederzugeben, weiset die Gitadelle zu Neuss,' und 
es ist wol gewiss, dass man die Plätze alsdann erst wiedergeben wird, 
wann man siebet, dass man dieselben nicht mainteniren noch die 
grossen Desseine prosequiren kann. Man hat ihm auch hoch ver- 
sichert, dass I. K. M. kein Dessein auf die Stadt Co In hätten. Die 
Zeit wird es weisen; ich besorge gar sehr, wo nicht bald grosse Gar- 
nison hinein kommet, und das Reich eine Arm6e formiret, es sei da- 
mit geschehen. Der Herr von Schönborn vermeinet, Frankreich 



BeBprochen in MareDhoHz's Rel. d. d. Warzburg 7. März 1672 (unten in 
Abteilung 3;. 



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Schönborn erläatert sein AnbriogeD. Loekart über England. ^\ 

würde es nicht tbun wegen des Respectes auf das Reich. Derselbe 
ist indes, meint Gr., gering und wird nicht verhindern, dass man deshalb 
etwas unterlasse. Ew. Gh. D. und Pfalz-Neuburg sein so wol Stände 
des Reichs als die Stadt Göln, und nichts desto weniger wird Frank- 
reich nicht unterlassen Dero Lande zu ruiniren, zum wenigsten mit 
Durehzttgen und dergleichen. Sonst klagt der Herr von Schönborn 
gar hoch, dass der Fürst yon Lobkowitz*) die grosse Gefahr von 
Frankreich nickt sehe oder nicht sehen wollte, sondern dass er alle- 
zeit sage, man müsse Frankreich nicht offendiren noch demselben 
Ombrage geben, und hält er festiglich davor, wann nur Frankreich 
Spanien nicht attaquirte, der Kaiser werde sich nicht regen. :| 

Der Ghevalier Lockart, welcher vor diesem zu Zeiten des 
Cromwells die Englischen Truppen in Frankreich commandiret und 
nacbgeheuds Ambassadeur am hiesigen Hofe und Gouverneur zu 
Dttnkirchen gewesen, wird von dem Könige in England an Ew. Gh. 
D. und andere Ghur- und Fürsten des Reichs geschicket und ist an- 
hero kommen, um alhier alles, was seine Negotiation betrifft, zu con- 
certiren. Als er sich bei mir anmelden lassen, und ich ihn darauf 
besuchet, hat er mir gesaget, dass L K. M. in England, nachdem 
Sie die Allianz mit Frankreich gemachet und den Krieg gegen Hol- 
land declariret, ihn an Ew. Gh. D. schicken wollen, um Ew. Gh. D., 
Dero Freundschaft Sie sehr hoch aestimirten, mit in die Allianz 
zu ziehen, und Ew. Gh. D. dabei sehr grosse und considerable Avan- 
tagen zu offeriren. In welchem Diseurs er sich vernehmen liess, dass 
die beiden Könige dergestalt mit einander verbunden wären, dass 
sie gemeine Freunde und Feinde haben würden. Ich sagte ihm 
darauf, warum Ew. Gh. D. Sich bis dato nicht hätten erklären können, 
nämlich wegen der Importanz des Werkes an sich selber, und dann 
wegen des ^gards, welchen Ew. Gh. D. sowol auf andere Puissancen 
als auch absonderlich auf L Kais. M. und das Reich haben müssten. 
Darauf er mir geantwortet, I. Kais. M. und das Reich könnten vigore 
Instrumenti Pacis den Feinden von L K. M. von Frankreich nicht bei- 
stehen noch die Holländer in Dero Plätzen leiden, welches eine gar 
grosse Assistenz wäre; mit Spanien wäre es wegen des Pyrenäischen 
Friedens ein anderes. Weil er mir auch sagte, {: sein König hätte ihm 
Ordi'e gegeben, wegen der Securität desjenigen, welches würde ver- 
sprochen werden, und der Ombrage, welche man von der Puissance 

Der Kaiserliche PremiermiDister. Ueber ihn vgl. die Berichte AnhallQ 
aus Wieo (anten iö Abteilung 4). 



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72 I* Znr Vorgeschichte des deutsch- französischen Krieges. 1671. 1672. 

von Frankreich billig haben müsse, mit Ew. Ch. D. za reden, and 
dass er verhoffete, Ew. Ch. D. deshalben vollkommene Satisfaction 
zu geben, antwortete ieh ihm, er würde solches gar leicht thun können, 
Ew. Ch. D. hätten weder Ombrage noch Aemulation mit der Franzö- 
sischen Puissance; es wären aber andere Potentaten, als Schweden, 
der Kaiser und Spanien, welche solches gar sehr considerireten. Und 
als ich ihm eins und das andere von ihren Maximen sagte, antwortete 
er mir, es wäre solches alles an dem, sein König considerirte solches 
alles wol, sein Intent wäre nicht, des Königs in Frankreich Macht 
noch grösser zu machen, sondern allein Holland zu abaissiren. Wann 
der König in Frankreich weiter griflfe, würde sein König andere Me- 
sures nehmen, aber auf dieses Jahr wäre es unmöglich die Freundschaft 
beider Könige und die genommenen Mesures zu verändern, welches 
er unterschiedlich und gleichsam mit einem Nachdruck wiederholete. 
Ich befürchte aber, der König in England werde mit Frankreich der- 
gleichen Consilia, anlangend den innerlichen, sowol geist- als weltlichen 
£tat in England, formiret haben, dass er schwerlich so bald wird 
zurücktreten können, zumalen man aus England schreibet, dass da- 
selbst an der Seeküste gegen Flandern grosse Magazine von Korn 
und Fourage gemachet werden, welches Einige meinen, dass es ge- 
schehe, einen Platz in Flandern zu attaquiren, Andere aber, um Volk 
nach England zu schiffen. :{ 

„Ged. Chevalier Lockart sagte mir, er würde aacb nach Gassel 
und an die Lüneburgischen Höfe, vielleicht auch nach Münster and Göln 
geben, und wollte er sehr eilen, damit er om desto eher bei I. K. M. Arm6e 
sein könnte, allwo er diese Campagne sich aufhalten würde. Man hat mir 
gesaget, dass der König ihn dem Dnc de Monmouth zagegeben, um 
ihm zu assistiren. Vielleicht esloignirt man ihn mit Fleiss aus dem König- 
reich, weil er snspect.'' Die Tractaten mit dem Herzog von Lothringen 
sind gänzlich zerschlagen, and der Comte de Lislebonne nebst dem 
Präsident Canon von hier abgereist. Der Spanische Ambassadeur 
hat vorgestern seine Entr6e gethan und wird morgen Audienz haben. — 
Tod der alten Madame') vor sechs Tagen im Hotel Luxembourg. 

Relation, d. d. Paris 15. April 1672.*) 
lö.April. Besuche bei Pomponne in S. Germain. P. versichert, St. G6ran sei 
in der That nur auf sein eigenes Ansucheu (Führung seines Regimentes) 
abberufen worden. I. K. M. nehme Ombrage von der Zusammenkunft des 

1) Margarete Herzogin von Orleans, Witwe Gastons, f 3. April. 
^ Zum grössten Teil in Chiffren. 



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England. GebahreD der fransosischen Minister. 73 

Kf. mit dem Knrfürsten von Sachsen nnd dem Herzog von Gelle^), 
^wiewol er sehr glimpflich und circonspect davon redet. Andere aber 
sprechen deotlicher davon; der Fürst von Cond^ hat öffentlich gesagt: 
I. K. M. würden nicht leiden, dass eine Armee nahe bei ihnen stünde, son- 
dern wann solches geschehen, darauf los gehen.^^ 

Es werden aufbrechen Tarenne am 22. Gond6 am 24. Pom- 
ponne am 26. Der König von S. Germain ans am 28; am 2. Mai dann 
in Charleroy. Rendezvoos der Königlichen zu Rocroy, der Gond^'schen zu 
S^dan. — Der König geht auf Mastricht. Er begehrt die Citadeile von 
Lüttich. Der Cardinal von Bouillon würde Coadjutor dieses Bistums 
werden; dann könne das Stift Lüttich mit der Zeit der Krone Frankreich 
incorporirt werden. Ein ähnliches Schicksal droht vielleicht auch Göln. 

Man hat 168 000 M. auf den Beinen, mit welchen man sich die aller- 
grössten Successe verspricht. ^Sie nehmen gar keinen Esgard auf irgend 
welche Potentaten.'^ In kurzem müsse das Römische Reich mit implicirt 
werden. — Der Kur fürst von Trier hat von einigen Provianischiffen, welche 
die Mosel herunter ins Gölnische kamen, die gewöhnliche Auflage nehmen 
wollen. Daraufhat Louvois einen Zettel an den Trierischen Agenten alhier 
geschrieben, dass wo nicht der Kurfürst dieselben Sachen ohne Aufenthalt 
passiren Hesse, I. K. M. eine Armee in sein Land schicken wurden, um die 
Passage mit Gewalt zu nehmen, „mit dem ausdrücklichen Begehren, dass 
der Agent solches den Kurfürsten wissen lassen sollte.*^ 

Schönborn discredirt den Fürsten von Fürstenberg: derselbe 
sei überall suspect und incapabel für L K. M. im Rom. Reiche zu nego- 
türen. — Der Tractat mit Schweden wird sogleich abgeschlossen werden. 
Graf Königsmark erwartet sein Greditif. — Fürstenberg wird noch vor 
1. K. M. Aufbruch aus Baiem hier erwartet. — Dass der Bischof von 
Munster französisches Geld genommen und sich mit Frankreich engagirt 
hat, wird öffentlich gesagt; „und ist nicht zu zweifeln, obschon er solches 
dissimuliret, dass er sich mit den französischen Armeen conjungiren werde'^ 



V. Crockow. Relation. Dat Paris 23. April 1672. 

[Pompoone rechtfertigt ^es Königs Massregeln. Schönborn. Louvois uod Rur- 
trter. Golberts Mittel neue Gelder aufznbriDgen. Bendezvoas der Armeen. 

Nene Gesandtschafteo.] 

Mr. de Pomponne hat mich nochmalen versichert, dass der 23. April. 
Comte de St 66ran bloss allein deshalben revociret wäre, weil er 
solches so inständig gesuchet, dass aber dem angeachtet I. E. M. bei 
Dero vorigen Sentimenten verharreten, mit Ew. Ch. D.') in guter Freund- 
schaft zu leben und dieselbe Ewrer Ch. D. auch bei diesem Feldzuge zu 
erweisen durch die Conservation der Länder, so viel solches sich nur 

Zu Potsdam. Mit diesem am 15., Oiit jenem am 25. März. Vgl. unten Abt. 3. 
') Original verschrieben: I. K. M. 



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74 I- Zar Vorgeschichte des deutsch- fraDzösisebeD Krieges. 1671. 1672. 

immer than liesse; weshalben I. K. M. alle mögliche Ordre und 
Disciplin würden halten lassen, dergestalt dass, wann Ihrer E. M. 
Armeen entweder da durch marchireten oder in denenselben einige 
Belagerung vornehmen worden, alles bezahlet und nichts als blos 
allein die Fourage sollte genommen werden. Als ich ihm aber darauf 
remonstrirte, dass auch dadurch das Land zu Grunde gerichtet und 
in solchen Schaden gesetzet würde, welcher weder mit Gelde bezahlet 
noch in vielen Jahren könnte redressiret werden, antwortete er mir, 
die Fourage könnten sie nicht entbehren, I. E. M. aber würden solches 
anderwärts recompensiren. Ich bat ihn, er möchte selbst judiciren, 
ob dergleichen Schaden könnte aestimiret oder bezahlet werden, in- 
sonderheit aber, dass er Ihrer E. M« wollte zu Gemttthe führen, dass, 
wo die Holländer etwas delinquiret^ es nicht billig wäre, dass Ew. Gh. 
D. darüber litten, und dass Ew. Gh. D. Lande des Rom. Reichs 
Glieder wären. Weil nun I. E. M. überall so hoch contestireten, dass 
Sie das Rom. Reich nicht gefährden wollten, so könnten Ew. Gh. D. 
mit gutem Fug daraus scbliessen, dass I. E. M. auch Dero Lande 
verschonen und dieselbe mit keinen Eriegsbeschwerungen beladen 
würden. Er antwortete mir darauf, er wüsste selber nicht, an welchem 
Orte I. E. M. die Attaque thun würden, es könnte wol sein, dass 
Ew. Gh. D. Lande nicht einmal berühret würden. Weil aber Raison 
de guerre nicht würde zugeben, die Holländer auf dem Rücken zu 
lassen, wann die Armeen vielleicht nach der Yssel zu gingen, wollte 
er nicht gut davor sein, dass I. E. M. die Plätze, welche Sie an dem 
Rhein in Ew. Gh. D. Landen besässen, vorbei gehen und dieselbe 
nicht attaquiren würden. I. K. M. suchten Dero Feinde, wo Sie die- 
selben fänden, solches wäre aller Völker Rechten gemäss. Im übrigen 
tesmöignirte er kein sonderbares Missgnügen von Ew. Gh. D. bisherigen 
Gonduite, sondern sagte, es wäre Ihrer E. M. gar lieb gewesen zu 
vernehmen, dass Ew. Gh. D. mir Vollmacht schicken wollten, I. E. M. 
würden auch, wanns die Gonjunctur erforderte. Jemand anders zu Ew. 
Gh. D. schicken. Er gedachte gleich wol dabei, dass von allen Orten 
Zeitung einkäme, |: dass Ew. Gh. D. Sich bereits mit Holland enga- 
giret und dieser Ursachen halber nicht allein grosse Werbungen vor- 
nähmen, sondern auch Sich äusserst bemüheten, andere Ghurfürsten und 
Fürsten mit in die Partei zu ziehen. I. E. M. aber wollten solches 
nicht glauben. Ich antwortete ihm darauf, dass Ew. Gh. D. zwar 
werben lassen, welches nicht zu verwundern, aber mit Holland nichts 



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PompoDoe rechtfertigt des Königa, Crockow des Rf. Massregeln. 75 

geBchloesen, weniger andere dazu invitireten. Zu Jemand anders hat 
er gesaget, dass Ew. Gh. D. anitzo beginneten Sich Ihrer E. M. zu 
accommodiren. Ich kann aber nicht umhin, Ewrer Ch. D. unterth. zu 
berichten, dass bei Hofe die gemeine Rede ist, dass Ew. Ch. D. mit 
einer Arm^e nach dem Khein kommen, und dass I. E. M. dieselbe 
angreifen werden. Wiewol nun auf dergleichen Gerüchte nicht eben 
zu bauen, so sein mir doch des Pomponne freundliche Bezeugungen 
nichtsdestoweniger suspect, und ich halte davor, dass Ew. Ch. D. 
Sich aufs höchste vorzusehen haben. Ich habe von aller Zeit her wol 
gemerket, dass sie in Ew. Ch. D. Diffidenz gesetzet, wiewol man 
solches unterweilen hat dissimuliren wollen. Die vornehmste Ursache 
dessen ist wol diese, dass sie gar zu grosse Opinion haben von Ew. 
Ch. D. Frudenz, um zu glauben, dass Ew. Gh. D. die Desseins von 
Frankreich secundiren wollen. Dasjenige, was nachmalen passiret, 
hat solche Opinion genugsam confirmiret. Jedoch hat man alhier da- 
vor gehalten, Ew. Ch. D. würden Sich nicht opponiren dürfen, sondern 
gezwungen sein, Ihrer E. M. Freundschaft omnibus modis zu suchen 
und wider Ihren Willen neutral zu verbleiben. Wann man aber siebet, 
dass Ew. Ch. D. die Neutralität refusiren und Holland assistiren oder 
zum wenigsten Sich en estat setzen solches zu thun, fürchte ich sehr, 
sie werden solches zu verhindern suchen, wo nicht Ewrer Ch. D. 
Partei so wol formiret ist, dass sie deshalben Bedenken dabei tragen, 
zumalen wann Sie Gelegenheit dazu hätten, ehe und bevor sie Frank- 
reich in einige Belagerungen engagiret. Man kann sich auch nicht 
darauf verlassen, dass der Esgard auf das Köm. Reich sie davon ab- 
halten werde. — Der Mainzische Gesandte hat mir gesaget, dass 
man zu Wien anderswo Estat darauf mache, dass Frankreich grossen 
Esgard auf das Rom. Reich habe. Wer aber eine Zeit lang alhier 
gewesen ist, derselbe kann solches gewiss nicht glauben, da die 
Ministri selbst bei allen Occasionen bezeugen, dass sie gar geringe 
Reflexion darauf machen. 

Die Sache mit dem Churfürsten von Trier ist noch nicht 
accommodiret^), und auf das Schreiben, welches ged. Churfürst anhero 
gethan, von Hofe noch keine Antwort erfolget. Der Discours, welchen 
der Louvois mit dem Trierischen Agenten darüber gehabt, ist noch 
viel härter gewesen als das Billet, davon ich in meinem letztern ge- 



^) Oben S. 73. Zur Sache vgl. Droysen III, 3, 257. Aber nicht an den 
EnrfarsteD sondern an seinen Pariser Agenten war der »Zettel*' gesandt worden. 



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76 I- Znr Vorgeschichte des dentsoh-fraDzösischeo Krieges. 1671. 1672. 

meldet, welehea er auf des Agenten Veranlassung blos allein um die 
Sache zu addouciren, geschrieben, weil er dem Agenten, als derselbe 
sich auf das Rom. Reich bezogen, express gesaget, wann I. E. M. 
hundert und siebenzig Tausend Mann hätten, fragten Sie 
viel nach dem Rom. Reich und dergleichen mehr, welches alles 
der Agent nicht an den Churfürsten von Trier berichten darf, ob- 
gleich der Mainzische Gesandte ihn dazu antreibet. 

Ihrer K. M. Abreise wird innerhalb 6 Tagen, als nämlich den 
28. dieses s. n. gar gewiss vor sieh gehen, nach dem Rendez-vous 
g^n^ral, welches zu Rocroy sein wird. Des Prince de Gondö 
Arm^e wird sich bei S^dan versammeln, die Officirer sagen, dass sie 
niemalen weder so schöne Truppen noch eine so grosse Artillerie ge- 
sehen, der Prince de Gondä wird 28 schwere und 22 Feldstücke 
bei sich haben, und Ihrer K. M. Artillerie wird noch schöner sein. 
I. E. M. werden 8 Millionen baar Geld mit ins Feld nehmen, davon 
ein Theil so schon fortgeschicket. Golbert ist überaus bekümmert, 
um den Rest aufzubringen, weil Niemand Geld lehnen will, und muss 
er bereits die Leute, welche Mittel haben, mit harten Bedrohungen 
dazu zwingen, dabei er solche Gewalt und Ungerechtigkeit vornimmt, 
dass es nicht zu glauben. Jedennoch wird er dieses Mal obgedachte 
Summe wol aufbringen; wie es aber hernach gehen wird, lehret die 
Zeit. Es ist wol unmöglich, dass es Bestand haben könne. 

Es hat bis dato männiglich davor gehalten, wie ich in meinem 
letztern unterth. berichtet, dass I. E. M. anfangs mit beiden Armeen 
nach Mastricht gehen würden. Anitzo ist das gemeine Gerüchte bei 
Hofe, dass beide Armeen gerade nach dem Rhein und der Yssel gehen 
werden. :| Jedoch weiss ich nicht, ob solches zu glauben, weil meines 
wenigen Erachtens nach so viele Raisons das contrarium mit sich 
bringen, davon* Ew. Gh. D. Dero hocherleuchtetem Verstände nach 
am besten werden judiciren können. — Der Marquis de Feucquiferes 
wird an unterschiedene* Teutsche Höfe, an welchen I. E. M. keine 
Miuistres haben, geschicket, um die Ghur- und Fürsten zu versichern, 
dass I. E. M. ganz kein Dessein auf das Rom. Reich haben. Mr. 
Grammont wird an unterschiedene Italienische Fürsten und Repa- 
bliquen gesandt, um dieselbe zu versichern, dass I. E. M. den Frieden 
in Italien zu unterhalten Willens, und zugleich von denjenigen, welche 
Seehafen haben, zu begehren, dass sie den Holländern keine Retraite 
geben. Man hat mir gesaget, dass I. E. M. den Churfürsten von 



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Ob Grockow der Armee folgen soll. 77 

Baiern damit flattiren, dass Sie denselben bei begebendem Fall zu 
der Kaiserlichen Eron helfen wollen, und dass der Dauphin des- 
selben Princessin heiraten solle'). 

P. S. Bittet, für den Fall dass er der Armee folgen soll, um Zulage. 



V. Crockow. Relation. Dat. Paria 19./29. April 1672. 

[Verloren gegangene Relation. In Zweifel, ob er seinen Abschied nehmen oder 

der Armee folgen soll. Aeasserangen Lonvoia' und Einwände Crockows die 

Haltung des Ef. betreffend. Abdankung dreier Marschälle. Abreise des Königs 

zur Armee. Fnrstenberg. Schönborn. — Nachrichten.] 

„Aas S. Exe. des Herrn Oberpraesidenten mit letzter Post erhaltenem 29. Apr. 
Sehreiben habe ich ersehen, dass meine nnterth. Relation ?om 25. März 
nicht znr Stelle kommeD, weshalben ich mich bei Herrn Nicolas Fro- 
mont beschweret, welcher mir berichtet, dass kein einziges yoo seinen 
Packeten vom 25. März za Hambarg ankommen, und müssen also dieselbe 
entweder alhier oder za Brüssel angehalten sein. Mir hat solches am desto 
grösser Praejndiz verursachet, weil ich in ged. Relation nnterth. berichtet, 
dass Ihrer K. M Abreise, welche man davor gehalten, dass sie allererst 
den 20. Mai sein würde , beschlenniget and auf den 25. April angesetzet 
sei. Deshalben ich denn nnterth. gebeten, dass Ew. Ch. D. mir gn. Befehl 
ertheilen wollten, wie ich mich alsdann za verhalten, ob ich Ihrer K. M. 
folgen oder meinen Abschied alhier nehmen sollte, inmassen ich nach I. K. M. 
Abreise an hiesigem Orte za Ew. Ch. D. Dienst nicht mehr nütze sein würde.*' 

Alldieweil aber obged. meine unterth. Relation nicht zur Stelle 
kommen, und ich dannenhero Ew. Ch. D. gn. Befehl nicht erhalten 
können, als habe ich nichts anders bei der Sache zu thun gewusst, 
als dass ich Mr. de Turenne, Mr. de Pomponne und Mr. de Lou- 
yois gebeten, Ihrer K. M. zu sagen, dass ich hoffete, die Gnade zu 
haben, Ihrer E. M. bei der Arm^e aufzuwarten und deshalben Ew. 
Ch. D. nähere Ordre erwartete. |: Die beiden ersten haben mir ge- 
antwortet, es würde Ihrer E. M. lieb sein, jedoch mit ziemlicher Ealt- 
sinnigkeit. Louvois aber sagte mir, er wüsste nicht, auf was vor 
Manier ich I. E. M. folgen würde, weil Ew. Ch. D. Sich wider I, K. M. 
[erkläret] und durch alle Dero Actiones zu yerstehen geben, dass Sie 
wider I. E. M. Partei nehmen wollen, welches er weitläuftig deduciret. 
Crockow entgegnet beschwichtigend: dass was meine Person beträfe, 
ich noch nicht wüsste, wass Ew. Ch. D. mir befehlen würden, es 
wäre mir leid, dass meine Gegenwart nicht würde angenehm sein; 



1) Die Heirat des Danphin mit der Kurprincessin von Baiern kam später 
(1680) thatsächlicb zu stände. 



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78 ^' Zur Vorgeschichte des deQtsch-fraDzosischen Krieges. 1671. 1672. 

wo ich aber Ordre bekäme zu folgen, würde iebs gewiss thuD, bis 
I. E. M. mir solches verböten, welches ich nicht yermuthete. Darauf 
er ganz freundlich wurde und sagte, es würde Ihrer E. M. sehr lieb 
sein, dass ich folgete, und erbot sich mir zu allen Diensten. Im 
übrigen sagte er mir, ich wüsste sonder Zweifel gar wol, dass I. E. 
M. mit Ew. Ch. D. ganz nicht zufrieden wären, exaggerirte sehr hochi 
dass der Französische Gesandte auf seine Propositiones, welche doch 
Ew. Ch. D. so avantageux wären, in 5 Monaten keine gewürige Resolution 
sondern lauter Refus bekommen, und man inmittelst mit Holland trac- 
tiret und vor Holland so grosse Inclination gehabt; dass es nicht an 
Ew. Ch. D. sondern an Holland selbst ermangelt, dass der Tractat 
nicht geschlossen. Derselbe wäre schon vor sechs Wochen fertig ge- 
wesen, wann Holland Geld genug hätte geben wollen'). Anitzo würde 
Holland wol alles eingehen, aber Ew. Ch. D. würden vielleicht Be- 
denken dabei haben wegen der Schweden. I. E. M. wüssten auch 
ganz wol, dass Ew. Ch. D. stark werben, und könnten aus obged. 
leicht judiciren, zu wessen Diensten es geschähe. Solches alles wäre 
die einige und wahrhafte Ursache, dass I. E. M. mit Schweden ab- 
schliessen und ihnen eine Million geben müssen. Schweden hätte sich 
hingegen obligiret, alle dieselbe zu attaquiren, welche Holland assi- 
stiren würden. Er hielte wol davor, dass Ew. Ch. D. itzo aus dieser 
Consideration neutral sein müssten, aber Ew. Ch. D. würden itzt das 
Meritum nicht davon haben, welches Sie sonst gehabt hätten. Auch 
sagte er, Ew. Ch. D. hätten alles gethan, was möglich gewesen, um 
Sachsen und Celle') wider I.E. M. und vor Holland zu engagiren. 
Des Herrn Blaspeil Reise nach Brüssel') ftthrete er auch an. 

Ich beantwortete alles der Länge nach und so gut es mir möglich 
gewesen, wiewol er doch bei seiner Meinung blieb, versicherte ihn 
auch, dass, was Ew. Ch. D. Ihrer E. M. zu Gefallen nicht thun 
könnten, würden Sie aus keiner anderen Consideration thun. Ew. Ch. 
D. hätten niemalen refusiret neutral zu sein, sondern nur allein sich 
durch dringende Ursachen excusiret, dass Sie Sich noch nicht deshalben 
erklären könnten. Was Schweden in den letzten Pactis versprochen, 
wüsste ich nicht, aber ihre Maximen und Inclination wäre männiglich 
bekannt. Was anlangete Ew. Ch. D. Entrevue mit Sachsen und Celle, 

Die Richtigkeit dieser Auffassaog bestätigen die verscbiedeDeD Aus- 
lassangen Urk. u. Act. III, 241 fgg. 
3) Oben S. 73. Anm. 1. 
^} Vgl. unten die bezuglichen Relationen Blaspeils. 



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LouTois* Dicht misszuTerstehende Eroffnangen. 79 

wäre es ja nicht Döthig, dass Ew. Cb. D. dieselbe sollicitireten, dann 
man wol wisse, wie jener mit dem Kaiser, dieser mit Holland 
daran wäre. Er antwortete mir darauf, ich würde seben, dass Celle 
niebts vor Holland thun nocb sieb yon seinem Hause separiren würde, 
daraus ieb judicire, dass Frankreieb yielleicht sucht, Hannover ausser 
der versprochenen Neutralität nocb näher zu engagiren und also das 
Haus zu trennen. Sonst Hess er sich soweit heraus, dass I. E. M. 

erstlich Mastricht attaquiren würden. Es wären zwar ——Mann darein 

und sollten nocb -^ hineingehen, ich würde aber sehen, dass man 

bald damit würde fertig werden. Drei oder vier Wochen thäten viel 
dabei, desbalben ich befürchte, dass sie Intelligenz darinne haben, dar- 
auf sie sich verlassen, denn es sonst nicht möglich wäre, ein so 
schweres Werk sich so leicht einzubilden. Hernach, sagte er, würden 
I. K. M. Wesel attaquiren, welches er vorlängst einem fremden Mi- 
nistro gesaget, wie auch die Ursachen, die I. E. M. dazu haben 
könnten, wie ich vorher unterth. referiret. Ich bin versichert, dass 
Ew. Ch. D. hiervon dergestalt judiciren, dass, wann solches wäre, 
man es nicht so frei sagen würde. Ich muss aber dabei unterth. er- 
innern, dass der Louvois überaus frei im Reden ist, und dass ich 
sicher davor halte, dass er hierin seine eigentliche Meinung gesaget, 
und dass die Desseins dahin gehen. Es ist nur Schade, dass man 
ihn nicht kann zu sprechen bekommen. Es ist dieses Mal par hazard 
geschehen, dann I. K. M. noch kürzlich Dero Ministris verboten 
(ausser dem Pomponne), mit den Gesandten nicht zu communiciren. 
Sonst sagte er auch, es ginge die Rede, als wann Ew. Gh. D. eine 
Arm^e nach den Gleviscben Landen schicken wollten, welche sich bei 
Calcar oder Lippstadt setzen sollte. Er wollte solches nicht hoffen, 
denn I. E. M. ganz gewiss keine Arm^e neben Sich würden stehen 
lassen, sondern auf dieselbe losgehen. Ich antwortete, wenn Ewrer 
Ch. D« Arm^e in Dero Landen stünde und nicht wider I. K. M. agirte, 
hätten I. E. M. Sich nicht darüber zu beschweren, konnten auch Ew. 
Ch. D. deshalben nicht gefährden, wann sie nicht resolviret wären 
den Frieden mit dem Rom. Reich zu brechen. Ew. Gh. D. würden 
auch auf solchen Fall des Rom. Reichs und andere Garantie zu ge- 
warten haben, ich boffete aber, es würde nicht dazu kommen. Er 
sagte, Ew. Gh. D. sollten Sich nicht darauf verlassen, I. Kön. M. 
würden solches nicht leiden, dessen er mich versicherte. Andere 



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80 I* Zur Vorgeschichte des deutsch- französischen Krieges. 1671. 1672. 

möchten vielleicht nicht so deutlich reden, aber ich könnte nur sicher 
glauben, dass sie nicht so aufrichtig wären als er. Er wiederholte 
solches zum öftern und sagte, es sollte ihm leid sein, dass es dazu 
käme, es würde aber gewiss nicht nachbleiben. Die andere Ministri 
haben mir zwar dergleichen nicht gesagt, auch nicht mehr die ge- 
wöhnliche Reprochen gethan, sondern fast freundlicher mit mir ge- 
redet als eine Zeit her geschehen, jedoch mit einer gewissen Kalt- 
sinnigkeit, welche mir suspect gewesen, wie ich auch Ewrer Ch. D. 
unterth. berichtet, und gleichsam als Leute welche sich nicht heraus- 
lassen wollten. Ich halte aber davor, dass man aus des Louvois Dis- 
coursen besser judiciren kann, was I. E. M. vor Sentimenten haben. :' 

Die Marschälle de Bellefonds, d*Hamidres, de Cr^quy sind ver- 
bannt worden, weil sie nicht unter Torenne dienen wollen . . . ^nnd sind 
also alle die drei Mar^chanz, welche diese Campagne commaadiren sollen, 
disgraciiret, die anderen aber sind alle sehr alt und nicht mehr en 6tat zu 
dienen, würden sich anch noch weniger von Mr. de Taren ne commandiren 
lassen, welches sie öffentlich contestiren. Man weiss noch nicht, wer an 
ihrer Stelle commandiren wird. Man hält davor, dass I. E. M. einige 
Capitaine-G^nerauz machen werden, vielleicht den Dnc de Noailles, 
Mrs. de Ouadagne, de Passage. Der Comte de Schomberg will 
sich anch von Mr. de Tnrenne nicht commandiren lassen und wird diese 
Campagoe nicht employiret werden. Vor diesem würde dergleichen Handel, 
zumal im Eriege, grosse Weiterang in Frankreich verursacht haben, anitzo 
aber wird es die geringste Verändernng nicht causiren.^ 

Ihrer E. M. Abreise hat gestern als den 28. dieses sein sollen. 
I. E. M. haben aber dieselbe anticipiret, und sein vorgestern Morgens 
um 8 Uhr mit gar wenig Leuten wider männiglichs Vermuthen von 
S. Germain abgereiset, sonder von I. M. der Eönigin, Mr. le Dau- 
phin oder sonst Jemands Abschied zu nehmen, wie man davor hält, 
weil Sie befürchtet, dass I. M. die Eönigin bei dem Abschied gar 
zu wehmtlthig sein würden. Die anderen Dames haben sich unter- 
dessen in die Elöster retiriret. I. E. M. haben das erste Nachtlager 
in Nanteuil gehalten, von dannen Sie in kleinen Tagereisen nach Ro- 
croy gehen und daselbst einige Tage verbleiben, auch eine Tour nach 
S^dan thun werden, um des Prince de Cond^ Arm^e zu besehen. 
Gewiss ist es, dass alle drei Armeen sich conjungiren und ein im- 
portantes Dessein, vermuthlich dasjenige, von welchem obgedacht, 
entrepreniren werden. Es erscheinet solches daraus, dass die Strei- 
tigkeit zwischen Mr. de Turenne und den Mar^chaux de France 
rege gemachet worden, welche sonst durch dieses Expediens gehoben 



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Bei Hofe Freude aber d. Bäodnis mit Schweden. 81 

war, dass Mr. de Cr^quy k part und die anderen beiden unter dem 
Prince de Cond6 commandiren sollten. I. K. M. haben 8 Millionen 
an Silbergeld und noch 3 Millionen an Louys d'or und eine grosse 
Quantität goldener Medaillen mit zur Arm^e genommen. Solches aber 
verursachet, dass man alhier einen grossen Mangel an baarem Gelde 
yerspQret und der yornehmste Banquier in Paris Martel Daill6 ban- 
queroute gemachet, andre mehr Banquiers auch die Wechsel nicht 
bezahlen. 

|: Man hat bei Hofe grosse Freude verspQret, dass der Tractat mit 
Schweden geschlossen, welcher dem Verlaut nach dergestalt einge- 
richtet , als ich in meiner vorigen, wie auch in dieser unterth« Rela- 
tion mit mehrerem berichtet. Ich halte doch gewiss davor, dass sie 
den Articul nimmermehr exequiren werden, welcher mit sich bringet, 
dass sie dieselbe attaquiren sollen, welche Holland assistiren. Die 
Eschappatoires werden in der Allianz selbst schon praepariret sein oder 
sich sonst wol finden. In der Allianz mit England wider Holland 
war eben dergleichen Pactum, welches doch keinen Effect hatte, gegen 
Dänemark. In diesem Fall wird es viel weniger zu befürchten sein. 
Ich sorge alleine vor Bremen. — Der Fürst von FUrstenberg hat 
einen Courier anhero geschicket von München, das Oerücht ist, dass 
er daselbst eine Allianz vor Frankreich getroffen. :| Die Königin in 
Spanien hat Ihrer E. M. Transitum innoxium durch die Niederlande 
verstattet, mit dem Beding, dass I. E. M. nicht übel nehmen, dass 
selbige Eron den Holländern mit Auxiliarvölkern assistire. 

SchöDborn ist bereits abgereist. |: Ew. Ch. D. kennen ver- 
sichert sein, dass er alhier nichts geschlossen. Er hat sonst Ihrer 
K. M. gar weitläuftig remonstriret die Inconvenientien, welche der 
Krieg nach sich ziehen würde, unter anderm auch Ihrer E. M. selbst 
gesaget, dass das Haus Oestreich sich mit den Protestirenden ver- 
bünden würde, darauf I. K. M. geantwortet, selbiges Haus wäre gar 
zu gut katholisch :| , auch sich sonst durch die angefflhrete Rationes 
ganz nicht bewegen lassen. Wegen der WildfangstreitigkeiteD i) hat der 
König an KMainz zq schreiben versprochen. 

„Die Sache mit Chnr-Trier ist dergestalt verblieben, dass die Franzö- 
sische Schiffe haben müssen anlegen nnd bezahlen.^ Die französischen 
Orlogschiffe, die zn Kochelle gelegen^ sind schon in See, die von Brest 
nnd anderen Seehäfen noch nicht ansgelanfen. Der Dnc de Mon- 
montb' ist hier angelangt und geht mit nach der Arm^e. Der König 



Ueber den Wildfang s. ürk. Act. XI. Einleitung 10. 

Ifater. x. 0«8ch. d. G. Knrfursten. Xm. 



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82 I Zar Vorgeschichte des deutsch- fransösischen Krieges 1671. 1672. 

Bchickte Mr. de St. Romain als Ambassadear nach der Schweiz. Die 
Fürstin von Ostfriesland hat bei I. K. M. die Neatralität gesacbt, 
aber dieselbe nicht erhalten können. „Vermnthlich wird der Bischof von 
Münster der Oerter zu agiren willens sein.** — Erwartet des Kf. Befehl, 
wie er sich verhalten solle, ^weil ich anitzo zu Ew. Gh. D. Dienste albier 
nicht das geringste mehr nutze sein werde.^ 

P. S. ^I. K. M. haben dieses Mal nicht begehret, dass die fremde 
Ministri Deroselben glückwüoscheten zu dem Feldzuge, da doch solches 
bei allen den Reisen nach Flandern gebräuchlich gewesen. Ich habe unter- 
dessen Mr. de Turenne und Mr. de Pomponne gebeten, die Sachen 
also zu dirigiren, dass Ewrer Gh. D. Lande von den Kriegsbeschwerden 
verschonet blieben. Sie haben geantwortet, sie wollten dabei thun, was 
möglich wäre, Ihrer K. M. Truppen würden überall in so guter Disciplin 
gehalten, dass der Feldzug ohne sonderbare Ruin der Benachbarten sein 
würde. Im übrigen hofften sie, ich würde von Ew. Oh. D. Vollmacht be- 
kommen und der Armee folgen.^ 



Relation d. d. Paris 6. Mai 1672. 

G. Mai. Der Aufbruch beider Armeen von Gharleroi und Södan ist auf den 

17. verschoben, weil „wegen des continuirenden kalten Wetters noch wenig 
Gras im Felde ist^^ Beide sollen auf Mastricht, dann an den Rhein 
rücken. — Gomtede Feucquidres geht nach Trier, Mainz, Heidelberg, 
Durlach, Stuttgart. Er wird eine neue Rheinische Allianz, desselben 
Zweckes wie die alte, proponiren; |: „soviel ich aber von dem Mainzi- 
schen und Trierischen Agenten vernehmen kann, werden ged. beide 
Ghurfürsten sich nicht dazu verstehen^S :| — Beabsichtigte Sendung nach 
Italien, an alle Fürsten und Republiken, um diese zu vermögen, dass sie 
den Holländern ihre Seehäfen weigern. 

Durch den Abgang so vieler Millionen auf einmal zur Armee ist das 
Geld hier „sehr beinötig^ geworden; und die vornehm^^tcn Banquiers können 
ihre Wechsel nicht bezahlen. „Alldieweil aber nacbgehends Mr. Golbert 
einige grosse Summen von Gontenten ans den Provinzen bekommen und 
alsofort diejenigen bezahlet, welche zur Aufbringung der nach der Armee 
geschickten Summen vorgestrecket, dadurch dann das Geld wieder unter 
die Kaufleute gekommen, als haben dieselbe ihre Wechselbriefe bezahlet, 
und ist zu männigliehen Verwunderung alles dergestalt redressiret, dass es 
fast nicht mehr zu ^ puren /• 

Des Königs Armee beträgt 40 000, Gondös 30 000 M. — ,,1. K. M. 
wollen von der Armee, welche der Mar^chal de Cr6quy, nach seiner 
Disgrace aber Mr. de Nancr6 und Duc d'Elboeuf in zwei Corps 
commandiren sollen, wie auch von den Garnisonen und den neuen Wer- 
bungen alle Monat in dieser Campagne 8000 M. zu Refraichirung der an- 



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Grockows Bitte nm AbberaftiDg. Ef. gew&hrt ne. 83 

deren Arm^eo kommen lassen/' — Bitte nm Verhaltnngsbefehl; ist zn des 
Kf. Dienst hier nicht mehr nütze. 

P. 8. „I. Dnrchl. der Markgraf y. Ansbach brechen heute von 
hier auf, nm über Strassbnrg nach Ansbach zn gehen. Es ist gewisslich 
ein Herr von sehr gntem Verstände nnd von gatem Oemüthe, welcher sich 
wol qualificiren wird, wann er mehr in Oesellschaft kömmt. Alhier hat er 
meines wenigen Erachtens etwas gar zn still nnd einsam gelebet/' 



Der EurfilrBt an v. Crockoit. Dat Coelln a. Sp. 30. April 

1672. 

[Auf die Relation vom 19./ 29. April. Jean Beeck.] 
. . . Weil Wir daraus ersehen, dass der König von dannen aufge- 10. Mai. 
brochen, und Ihr nunmehr aldar zu Unserm Dienst nichts werdet ver- 
richten können, als befehlen Wir Euch hiermit gn. , aldar von der Kö- 
nigin Euern Abschied zu nehmen, |: unter dem Vorwand, dass weil wegen 
Ihrer K. M. Ihr aldar weiter nicht negotiiren könntet, Ihr dannenhero 
Euch von dannen begeben und, nach Euren eigenen Privatgeschäften 
zu sehen, eine Reise nach Teutschland thun wolltet, :| und könntet Ihr 
die Königin ersuchen, dass sie Euch einen Pass ertheilen möchte. 
|: Wenn Ihr nun Euren Abschied also erhalten, könnet Ihr Euren Weg 
auf Frankfurt a. M. richten und von dar Euch förderlichst anhero be- 
geben. :| 

P. 8. „Auch haben Wir bei dieser Post Unserm Agenten Beeck 
eine Post Geldes zn seiner Schnidenbezahlung zn übermachen befohlen 
nnd ihn darbenebst seine Dienste erlassen. Ihr habet ihm aber anzudeuten, 
dass es nur zum Schein geschehe, damit ihm nicht einige Ungelegenheit 
entstehen möge; nnd dass Wir wol zufrieden, dass er der Unseren oder 
anderer Reichsst&nde Negotia aldar treiben möge"; unterdess aber solle 
er nach als vor mit allen Posten unter der Eaufleute Convert fleissig cor- 
respondiren nnd wöchentlich die Zeitungen einschicken ^).'' 



V. Crockow. Relation. Dat. Paris 20. Mai 1672. 

[Nachrichten von der Armee. Feucquieres. Dringende Bitte um Abberufung.] 

Hat mit letzter Post keinen Bericht erstattet, weil seit des Königs 20. Mai. 
Abreise gar nichts Schriftwürdiges passirt ist. — In den Provinzen dauern 
die Werbungen fort. Die französische Flotte ist vor Portsmouth ange* 
langt, wo sie der Englische König besichtigt hat; man hat aber noch keine 



') Dieser Aufgabe hatte sich Beeck bisher unterzogen. Die Zeitungen, ge- 
druckte wie geschriebene, befinden sich im Geh. St. -Archiv. 

6* 



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84 I- Zar Torgeachichte des deatteh-franiöiisoheD Krieges. 1671. 1672. 

Nachricht, dass die Kriegsschiffe aas der Themse aasgelaafen seien. — 
Absicht, Nancy — wie ans Lothringen geschrieben wird — ,,mit 17 Royal- 
Bollwerken zu fortificiren^^ — Verweist aaf die Zeitungen von der Armee, 
welche Kf. viel näher ond gewisser über Cöln hören werde. Die Armee 
marschirt znm Rheine^ sodass Wesel und Rheinberg zngleich werden atta- 
qnirt werden. 

Marquis de Fencqnidres soll, wenn er seine Qesandtsohaftsreise 
durch Dentschland beendet hat, dann an Conrtins Stelle nach Schweden 
gehen. — Cr. bittet dringend um seine Abberufung. „£& würde mir höchst 
praejudicirlich und überaus schmerzlich sein, wann ich alhier müssig bleiben 
sollte, zu dieser Zeit, da alle Ew. Ch. D. Bediente und Unterthanen Ge- 
legenheit haben, Ew. Ch. D. ihrer Schuldigkeit nach unterth. Dienste za 
leisten. Es würde mir am hiesigen Hofe selbst despectirlicb sein, wann 
ich bis I. K. M. Wiederkunft alhier bliebe.'* Im Fall Kf. wünscht, dass er 
der Armee folge, so bittet er, durch Michael Matthias das ihm 
Restirende zu zahlen, auch „zu seiner Mundirung nöthige Mittel zu ver- 
ordnen". 



V. Crockow. Relation- Dat. Paris 12./ 22. Mai 1672. 

[Auf das Rescript vom 30. April. Schwierigkeit hinsichtlich seines Fortkommens. 
Verdacht bezfiglich des Grafen von Hanau.] 

22. Mai. Er wird morgen nach S. Oermain fahren, um bei Le Tellier anzuhalten, 

dass er ihm bei der Königin Audienz verschafft. Jedoch befürchtet Cr. 
aufgehalten zu werden, da die Königin sein Ansuchen wahrscheinlich dem 
Könige unterbreiten und dessen Antwort abwarten werde; ohne' Ab- 
schiedsaudienz wird er eben nicht fort können. „Es ist ein Spanischer 
Envoy^ alhier, um das Compliment de condolöance wegen der kleinen Ma- 
dame abzulegen, welcher nach verrichteter Commission seinen Abschied 
nehmen wollen. I. M. die Königin aber haben ihm denselben nicht ertheilen 
wollen, bis der Courier, welchen Sie deshalben an I. K. M. geschicket, 
wieder zurückkommen^ dannenhero ich dergleichen befürchte.^' 

|: Sonsten habe ich diese Tage erfahren, dass der Ftlrst von Tu- 
renne mit dem Grafen von Hanau correspondiret, und dass ged. 
Oraf einen Franzosen bei sich hat namens Beaujoly, welchen ich 
alhier gesehen. Derselbe ist öfter als ein Espion nach Teutschland 
geschicket. Ich befürchte, man werde sich der Faiblesse des Grafen 
bedienen und etwa suchen , sich der Festung Hanau zu versichern. 
Dafern ich den Baron von Schoenborn antreffe, werdeich mit ihm 
davon reden. 

Alhier werden noch täglich Commissiones ausgegeben und neue 
Mittel, Geld aufzubringen, vorgenommen, und sagt man, es wird ein 



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AbschiedsaadieDS bei d. Königin. Vaugnion in Berlin. 85 

Ediet ausgehen, dasB ein Jeder sein Silbergeschirr ausser einer ge- 
wissen und gar geringen Quantität in die Hflnze bringen soll, welches 
albier ein Unglaubliches austragen wird. :| 
Oute Wünsche für des Ef. Pläne. 



Nach dieser Relation reiste Crockow ab. Eine nene Gesandtschaft nach Paris, 
an welcher die Instraction d. d. Ooelln a. 8p. 90. Jnni 1672 (Gonc. Schwerin) 
mnndirt vorliegt, kam nicht snr Ansfährang. 



b. Die zweimalige Sendung des Grafen de laVauguion nach 

Berlin, 
cc. Die erste Sendung. 

König Ludwig XIV. an den Kurftirsten. Dat Rheinberg*) 

7. Juni 1672. 

[Greditif för den Grafen Tangnion.] 

MoQ fröre. Comme j'ay jag6 qu'il estoit man intöreet d'estre informö 7. Juni, 
plus particaliörement de Yos sentiments dans la coDJonctnre präsente , j'aj 
choisy le Siear Comte de la Vangalon non sealement poor Vous tes- 
moigner le dösir qae j'ay qoe Voas yonliez bien me les faire cognoistre par 
Iny, mais encore pour me rapporter incessamment la response qae Voas luy 
aurez rendue. Je dois me promettre qu'elle sera teile que je la dois attendre 
de Yostre amiti6 et des marques qae j'ay estö bfen aise en toates rencon- 
tres de Voas donner de la mienoe. Yens youlez donc adjoaster one creance 
entiöre a ce qae le dit Siear Comte de la Yaogaion Yons dira de ma 
part, et sar ce je prie Diea qa'il Yoas ayt, mon frdre, en sa sainte et digne 
garde. Yotre hon fröre Lonis. 

Mittwoch den 5. Jani 1672 trifft der Abgesandte za Colin a. Sp. 15. Jnni. 
ein. Der Kurfürst ist verreist. Der Gesandte wird veranlasst, obschon er 
darauf dringt Seiner Darchlaacht zu folgen, die Rückkehr abzuwarten, 
welche Sonnabend den 8. spät Abends erfolgt. Aadienzen am 9. und 10. 
Tags darauf wird eine Conferenz anberaumt mit dem Oberpräsidenten 
Frhrn. v. Schwerin und dem Kanzler von Hinterpommern Geheimen 
Rath V. Somnitz. 

Erste Conferenz am 11. Juni 1672 Morgens um 9 in des Herrn 21. Jnni. 
Oberpräsidenten Wobnnng auf dem Schlosse. Yauguion macht geltend: 
der König habe vernommen, dass S. Ch. D. sich mit den Holländern ver- 
bündet, Geld von ihnen genommen, auch sonst am KaiserL Hofe wie mit 
verschiedenen deutschen Kur- und Fürsten ünterhandlang gepflogen habe. 
Der König glaube zwar diesen Gerüchten nicht; dennoch aber wolle er „am 
der Freundschaft willen so Sie zu Sr. Ch. D. trügen^ wissen, ob Kf. in der 

1) Haaptqnartier des Königs nach Brobemng der BheinfestangeQ. 



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86 I. Zur Torgeschichte des deatsoh- französischen Krieges. 1671. 1672. 

Neutralität verbleibe, oder ob er etwas wider Ihrer K. M. Interesse 
vornehmen wolle. Er begehre eine positive Erklärung über die Haltung 
des Kurfürsten in dieser Gonjunctur. „Des Königs Intention wäre diese, 
den Frieden im Reich unverbrüchlich zu halten, in welchem auch enthalten, 
dass Niemand des Königs Feinden Assistenz leisten solle. Sollte es dem- 
nach von einem und andern geschehen» würde es der König vor eine 
Ruptur halten und alle Gousortes pacis Westphalicae zur Garantie 
rufen." 

Die Gommissarien wollen zunächst Sr. Gh. D. Rapport thun. 
Soviel wüssten sie allerdings, dass es den Kurfürsten befremden würde, 
dass I. M. von seinen Gesinnungen zu wissen verlangen, da er (Deroselben) 
nicht den geringsten Verdacht erregt hätte. „Hingegen hätten sie (die 
Gommissarien) wol verspüret, dass 8. Gh. D. nicht wenig empfunden: dass 
der König contra tenorem Instrumenti Pacis mit einer so grossen Krieges- 
macht in Sr. Gh. D. Land gegangen, dasselbe jämmerlich verheeret und 
grossen Schaden darinnen verursachet, die festen Plätze occupiret und Volk 
hineingeleget, absonderlich Emmerich, welches von den Holländern ganz 
verlassen und von den ünsrigen besetzet gewesen, dennoch mit französi- 
scher Garnison beleget und Sr. Gh. D. Völker herausgeschaffet, hofften aufs 
wenigste, dass er Gommission haben würde, Sr. Gh. D. dieselbe wieder zu 
offeriren, und dass Deroselben zugleich wegen des erlittenen Schadens Er- 
stattung geschehen werde.'' 

Vauguion: Der König habe die Plätze darum eingenommen, weil er 
seines Feindes Garnisonen darin gefunden ; allen, die es begehrt hätten, sei 
Salvegnarde erteilt worden; wenn Schaden vorgekommen, wie das bei solchen 
Unternehmungen natürlich, so wäre das gegen die Ordre geschehen. Das 
zu Emmerich Vorgegangene sei ihm unbekannt. — Der Gesandte bittet, 
ihn baldigst abzufertigen, da er stricten Befehl habe, sich nicht aufhalten 
zu lassen. Die wiederholte Anfrage wegen Restituirung der Plätze lehnt er 
dahin ab, dass sein Auftrag nur laute, „positive Resolution von Sr. Gh. D. 
zu begehren, wie Sie Sich bei diesen Gonjuncturen betragen wollten^^ 
22. Juni. ^^^ 12. Juni 1672 referiren die Gommissarien im Geheimen Rath. 
Darauf erfolgt diese Resolution des Kurfürsten : 

Kf. nimmt es mit Dank auf, dass der König den Gerüchten ebenso wenig 
Glauben schenke wie er den Nachrichten über die Pläne des Königs. Es sei 
Grockow von Paris schon unterwegs; der sollte mit dem Abgesandten, wenn 
dieser solange verziehen möchte, zugleich zum Könige gehen, falls nicht, ihm 
folgen. — Die Beschwerden über sein Verhalten weist der Kurfürst zurück. 
„Was die Holländer belanget, so ist weltkundig und Ihrer K. M. genngsam 
bekannt, dass S. Gh. D. und Dero Hochlöbliche Vorfahren mit denen 
Staaten fast ein ganzes Saeculum her in steter Allianz gestanden, und die 
letzte Allianz, woraus sie Sr. Gh. D. Hülfe suchten, durch I. M. eigene Be- 
förderung gemacht, das Geld, so ansgezahlet, auf eine Obligation aufge- 
nommen, in Hoffnung (weil S. Gh. D. eine Anforderung an sie haben, die 
jetzt im Process hänget), dass solches daran gekurzet und compensiret 



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GonfereDsen mit Vaugnion. 87 

werden solle; daun 8. Cb. D. haben an keinem andern Ort Geld bekommen 
können, gleichwol dessen bei itzigen Zeiten höchst benöthiget gewesen. Die 
Deliberationes, so za Wien and an einigen fürstlichen Höfen gehalten, sein 
ZQ Conseryation des Friedens im Reiche angesehen, welches I. M. nicht 
fremd finden könnten, aldieweil S. Ch. D. wegen Dero tragenden Chnr- 
fürstlichen Amts dazu verbanden!, die Armatar aarh, so S. Ch. D. itzo 
thun , za nichts als Maintenirong des westphäliscben Friedens angesehen.'' 
Der Abgesandte werde bezengen, dass der Earfürst die Nentralität 
bewährt and nicht einmal die ez foedere schaldige Hilfe den Holländern 
geschickt habe, während doch Spanien den Holländern helfe, and gleichwol 
die Frenndschaft mit Frankreich fortdauerte. Kf. erwartet von I. K. M. 
Schadenersatz and Wiedereinräamnng der genommenen Plätze. 

^Nachdem anch I. K. M. sich znm öfteren gegen S. Ch. D. höchst- 
löblich vernehmen lassen, dass sobald Sie Ihrer Gloire einige Satis- 
faction von den Holländern wegen empfangener Offensen erhalten, Sie den 
Frieden wieder restitniren wollten, so ersachten S. Ch. D. den König gleicher- 
gestalt, Deroselben wissen zn lassen, ob es Ihro angenehm, dass Sie (Ef.) 
ihre Officia hiernnter anwendeten. Sie hielten davor, dass es itzo die beste 
Occasion für I. M. wäre und Dero hohen Ruhm unsterblich machen würde, 
wann Sie bei itzigen Deroselben glücklichen Progressen den Frieden zn 
restitniren Ihro gefallen lassen wollten. S. Ch. D. fnndirten Sich bei diesem 
ihren Sachen auf I. M. eigene gethaoe Offerten und Promessen und ver- 
sicherten Sich demnach gewünschter Erklärung.^ Im übrigen wird auf 
Crockow verwiesen. 

Den 13. Juni 1672 morgens 10 Uhr wieder Empfang beim Ober- 23. Juni 
Präsidenten. Dem Gesandten wird die Kurfürstliche Resolution erteilt. 
„Er hatte zwar angefangen, dieselbe zu protocolliren, aber bald darauf sehr 
gebeten, man möchte sie ihm nur schriftlich zustellen.^ Das geschieht, 
,Jedoch nur als ein Eztractus protocolli'' ^). — Dann Abschiedsaudienz beim 
Kurfürsten. 

Den 14. Juni 1672 bei früher Tageszeit erfolgt die Abreise des Ge- 24. Juni, 
sandten. 



Der Kurfürst an König Ludwig XIV.^ Dat Coelln a. Sp. 

13. Juni 1672. 

[Recreditif für den Grafen Vaugnion.] 

Le Sr. Comte de la Vaugnion s'est si dignement acquitt^ de sa 23. Jaoi. 
commission et m'a si bien fait entendre le d6sir de V. M. que je ne fais 
nul donbte, qu'il ne rapporte de mesmes les trdshumbles ressentiments que 
je luy ay tesmoign^ avoir de Fhonneur qu'il plait a V. M. me faire. C'est 
dans cette confiance que j'ose La supplier d'adjouster une enti^re creance 

Das fraozöB. Mundum dieses Eztracts liegt bei den Acten, 
^ Conc. Graf Christian Albrecht zu Dona. 



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88 I. Zar VorgeBchichte des dentsch-fraDSÖsischen Krieges. 1671. 1672. 

i ce qne le dit Sr. Comte Loy ezpliquera de mes seDtiments snr la ean- 
jonctnre präsente, en laqaelle je croys avoir donn^ de telles preaves de 
moQ zdle poor le bien da service de V. M. qa'fiUe en reetera pereaad^e de 
ma trdshamble recogDoissance. 



ß. Die zweite Sendnog. 

König Ludwig XIV. an den Kurfürsten. Dat. BoxteP) 

23. Juli 1672. 

[Creditif für den Qrafen Vanguton.] 

23. Jali. Les mesmes raisons qui m'ont desja port^ i dösirer d'estre ioform^ de 
Vos sentiments dans la conjonctare präsente des affaires göo^rales me con- 
viant encores ä Yoas en demander une communicatioD qai responde fl ce 
qae je dois attendre de Vostre amiti^ et aox preaves qne j'ay tonjonrs 
estö bien aise de Vous donner de mon affection, j'ay jag6 devoir faire passer 
une seconde fois anprds de voas le Sr. Comte de la Vaugnion non 
sealemeDt par la confiance enti^re qae j'ay en Iny, mais eocores par la satis- 
faction qae Voas m'avez fait paroistre de sa condaite dans les affaires qae 
je le chargeay il a pea de temps de Voas exposer en mon nom. Voas 
Yoadrez donc bien adjoaster toate creance i ce qa'il Voas dira de ma 
part, et comme j'attends par son retoar ane cognoissance certaine de Vos 
intentions, je ne feray la präsenter plas longae qae poar prier Diea qa'U 
Voas ayt, mon fröre, en sa sainte et digne garde. 

3. Ang. Am 24 Jali 1672 erscheint Graf de la Vaagaion zam zweitenmal 

in ßerlin. Da am 25. der Spanische Oesandte Baron de Bergeick'), 
Mittagp, seine Abschiedsaadienz nimmt, so kann Vaugnion erst am 26. 
empfangen werden. Es findet dann anch anter den gewöhnlichen Cere- 
monien die Audienz bei Sr. Ch. D. statt ^vor dem Bette, weil Sie am 
Schenkel incommodiret gewesen^'). Nach der Audienz zur Mittagstafel bei 
den Kurfürstlichen Prinzen. — Am 27. betraut der Kurfürst im Geheimen Rath 
den Fürsten Johann Georg zu Anhalt^), den Oberpräsidenten Frhrn. 
y. Schwerin and den Kanzler y. Somnitz mit der Leitung der Gonfe- 
renzen. Zugleich wird die Antwort an Vauguion aufgesetzt, nachdem sie 
vorher dem Kaiserlichen Gesandten Freiherrn von Goes vorgelegt 
worden. 

6. Aug. £r8te Conferenz am 27. Juli bei dem Fürsten zu Anhalt, welcher 

Hauptquartier (an der Dommei, Nordbrabant). 

^ Gieng um dieselbe Zeit aach an die Hofe von Gassel und Celle. 

^ Vgl. hierza die Depeschen Vaagnions ans Berlin bei Mignet N^gocia- 
tions IV, 128fgg. 

*) Anhalt war gegen Ende Juli von seiner zweiten Wiener Qesandtschafi 
zurückgekehrt. (Vgl. unten Abteilang 4.) 



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CoDferenseD mit VangnioD. g9 

den Gesandten ersncht, seine Proposition zu wiederholen. Das geschieht, 
wenn auch nach einigem Zaudern. 

Vangnion: ^Der König hätte ihn vor einiger Zeit an S. Ch. D. 
geschicket, nm positive Erklärung zu haben, was 8. Gh. D. für Sentimenten 
bei gegenwärtigen Gonjunctoren hätten, und was sich der König zu S. Gh. 
D. versehen sollte: er hätte aber keine positive Antwort erlangen können, 
ihm wäre gesagt, dass 1$. Gh. D. den Herrn Grockow ihm sofort nach- 
schicken und sich bei dem Könige ferner expliciren wollten. Als aber der- 
selbe nicht gekommen und I. M. erfahren, dass S. Gh. D. so viel Volks 
nach Lippstadt geschicket und überdem soviel Schickungen an alle Höfe 
im Reiche gethan, so hätten I. M. nach Ihrer hohen Prndenz nicht nitheilen 
können, dass weil S. Gh. D. Sich wegen der Nentralität nicht erklären 
wollen, solches zu Ihrem Besten angesehen wäre. Ueberdem so hätte Herr 
Brandt in Schweden ein Memorial eingegeben und darinnen repraesen- 
tiret; dass Ghur-Göln fremde Völker ins Reich kommen Hesse und den 
Krieg m Westphalen zöge, und dargegen Hülfe gesuchet. Weil nun der 
König seine eigene Tronppen darbei hätte und solches nicht länger leiden 
könnte, so begehrten I. M. Esclaircissement, wessen Sie Sich zu Sr. Gh. 
D. zo versehen. Sie hätten an Ihrem Ort alle Tentativen gethan, eine Neu- 
tralität zu erhalten, solches aber nicht erlangen können, begehreten also 
nochmals eine positive Resolution; dann Sie wüssten gar eigentlich, was S. Gh. 
D. mit den Staaten tractiret hätten, und dass alle Sr. Gh. D. Armatur denen- 
selben zum besten geschehe, und das Reich nur zum Praetext dienen müsse.** 

Nach diesem Eingange entspinnt sich eine lebhafte, zum Teil erregte 
Debatte, in welcher der Sprecher Schwerin die von den Franzosen im 
Glevischen verübten Schäden (Herausdrängung der kurfürstl. Truppen aus 
dem Schlosse Oennep und der Stadt Emmerich) betont, der Gesandte 
dagegen immer wieder auf des Kurfürsten Unternehmungen zurückkommt: 
„das Memorial, so in Schweden übergeben, die Alliauce mit den Staaten, 
davon man in Holland laut predigte (pronoit) oder viel Geschreies machte, Sr. 
Ch. D. Mouvements oder Zurüstungen könnten seinem Könige praejudicirlich 
8ein% und die Restituirung der Plätze durch den König ungewiss lässt'). — 
Eine Neutralitätserklärung wird vor der Hand von den Gommissarien nicht 
abgegeben. — Es wird noch ansdrücklieh angemerkt,. dass der Gesandte 

„1. zuweilen ziemlich hitzig redete und fast nicht hören wollte, wann 
man ihm sagte, warum S. Gh. D. auf dem Pnncte der Nentralität nicht 
anders als Sie allzeit gethan sich erklären könnten; 

2. drang er allzeit auf eine Erklärung auf seine Proposition, auf die- 
jenige aber, so von selten Sr. Ch. D. ihm vörgestellet ward, wollte er nichts 
oder nichts rechtes antworten; 

3. antwortete er zuweilen etwas gelinder, als wann er sagte, er wüsste 
nicht was sein König thun wollte bei den Sachen. Einmal sagte er doch, 
der König müsste zusehen, was ihm zu thun, und die Wurzel des Uebels 



*) Dem entgegen unrichtig Pafendorf Gomm. XI, 53 (ed. 1733 p. 636), 



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90 I* Zar YorgeBchichte des deutsch- fraDatosischen Krieges. 1671. 1672. 

heben (couper laracine); item dass der König solche Dinge, als fürgingen, 
nicht länger leiden könnte; 

4. zuweilen erhub er des Königs Macht hoch, nnd wie alles bei ihm 
in Bereitschaft wäre, im Reiche aber von Zusammenkünften, Yerfassnngen 
etc. . . . geredet würde, nnd dass der König wol wüsste, was darauf za 
geben. Bald redete er wieder wol von S. Ch. D. Milice, lobete sie nnd 
sagte, man wüsste wol, dass wann S. Ch. D. was thnn würden, das würde 
nicht sein ein conp de novice, wie er dann allzeit von Sr. Ch. D. mit 
sonderbarem Reepect sprach.^ 

10. Aug. Am 31. Juli 1672 erfolgt die nächste Conferenz unter Beteiligung 

derselben Persönlichkeiten ohne den Fürsten zu Anhalt. Dem Wunsche 
des Kurfürsten entsprechend wird die (für den Gesandten schriftlich aufge- 
setzte) Resolution ihm vorgelesen und zugestellt, ,,damit er alles recht wol 
und eigentlich einnehmen könnte^. Sie präcisirt noch einmal die branden- 
burgischen Aoschaunngen und Forderungen. Vanguion will sie dem 
König übersenden. Er wisse hierauf vorderhand nichts anderes zu sagen 
als dass er sehe, wie man noch immer bei dem vorigen verbleibe. 

21. Aug. Weitere Audienzen am 11. August zu Potsdam und am 29. August 
zu Halberstadt ^). Der Kurfürst besteht auf dem Verlangen nach Restituirung 
der Cleviscben Plätze und Entschädigung für die erlittenen Verlnste. Seine 
Massregeln beträfen nur den Schutz der Ruhe im Reich und Verteidigung 

8. Sept. seiner Lande. In Halberstadt macht Vanguion Anzeige, dass der 
König, „weil er aus allerhand umständen und Nachrichten nunmehr ver- 
sichert worden, dass der Marsch Sr. Ch. D. Armee und anderer Truppen, 
welche sich damit conjungiren möchten, nacher Westphalen und dem Rhein 
wärts gerichtet, und also wider den König und dessen Alliirte, in specie 
Münster und Cöln, angesehen, sich ans allen politicqnen Rationen und um 
Ihr Interesse, Grandeur uud Ehre zu beobachten, gezwungen gefunden, 
den Mar^chal de Turenne zu beordern, dass er Holland verlassen, 
die Armee über den Rhein ziehen nnd Sr. Ch. D. damit entgegen gehen 
solle. I. M. wollten in der Freundschaft gegen das Reich zwar continuiren, 
könnten aber Ihre Alliirten nicht abandonniren, wiewol Sie ungern und mit 
D^plaisir Ihre gegen Holland angefangenen Desseinen quittirten, auch Sich 
anerböten, sobald S. Ch. D. Ihre Trouppen von des Königs Conquesten 
und Alliirten zurückziehen würden, Sie auch Ihre Arm6e wieder nacher 
Holland marchiren lassen wollten.'' Die kurfürstliche Antwort gibt ihrer 
unverhohlenen üeberraschung über diesen Befehl („on plutost la clarigation^') 
Ausdruck. Kf. hofft sich eines anderen versehen zu dürfen: „S. A. E. espdre 
que S. Maj. ne voudra pas renverser la paix n'y Tempescher de faire ce a quoy 
son devoir Toblige et dont pas un prince nest responsable ä qui que ce soit.^ 

Dort war der Karfürst am 25. August aDgekommen. Vaugnion wie auch 
der Gesandte der Generalstaaten Amerongeo schlosseD sich dem Hauptquartier 
an. Id Bezug auf dies Ultimatum Frankreichs vgl. die Einleitung zu Abschnitt 
n. dieses Bandes. 



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Frankreicht Ultimatum. Vaagnione letzte Audienz. 91 

König Ludwig XIV. an den Kurfürsten. Dat. Versaillea 
23. September 1672. 

[Abberafang des Grafen Vangnion.] 
Voas aurez recen parle Comte dela VaagaioD 'lorsqae je Tay 23. Sept. 
eoYoy^ aaprez de Yons, dod senlement les assearaDces de ofiOD amiti6 mais 
les tesmoignages encore da d^sir que j'avois de Voas en donner des mar- 
qoes solides sar le sujet des places que mes armes ODt occupö snr les Hol- 
landois dans Vos estats. II continuera i Yoqb faire cogDoistre, lorsqae 
je le rappelte aaprez de moy, qae je seray toajoars bien aise que Voas me 
mettäez en estat de Voas donner de Doayelles preaves de mon affection, 
qae je soahaitte qae Voas voaliez tenir d'elle aprös la gaerre, qae j'ay est^ 
Obligo d'entrepreadre, les mesmes avantages qae je Voas ay offert avant 
qae la commencer, sartoat que Voas soyez aassy toach6 qae je le seray 
toajoars da repos de TEmpire et de la conser?ation des traittez de West- 
phalie. Sar ce je prie Diea qa'il Voas ayt, mon fröre, en sa sainte et 
digne garde. 

Am 29.September 1672 Abschiedsaadienz des Gesandten za Witzen- 29. Sept 
bansen an der Werra. Vangaion proponirt, dass der König ihm anbefohlen 
babe, noch einmal zn versichern, ,,da88 I. M. beständig resolviret wären, 
den Westphälischen Frieden exacte zn observiren and dawider nicht zn 
handeln; und gleich Sie bei Anfang dieses Kriegs Sr. Gh, D. solche Ver- 
Eicherung gethan, auch Ihro daneben allerhand Satisfaction and Advantagen 
offeriret, also verharreten I. K. M. dabei nochmalen, insonderheit was die 
CleFische Festangen und Städte und deren Restitution belangete. Die- 
weil anch der König vemommen, dass nipht allein S. Ch. D. mit einer 
Armee im Anzug begriffen, sondern dass man anch wegen £mmerich und 
dessen Oecnpation allerhand ungleiche Dinge ausbrächte, also hätten I. K. 
M. nötig ermessen, an Chnr-Bayern und andere Stände des Reichs Abge- 
ordnete zu schicken und denselben von seiner gegen das Reich führenden 
guten Intention und untadelhaften Conduite behörige Intention zu geben. 
Der Abgesandte producirte dabei die Abschrift einer Requisition des Lieu- 
tenants Tettau, worin er um einen Pass für die bei sich gehabte Chur- 
brandenburgische Völker in Emmerich angehalten, wie auch des Passes, 
welchen der Prinz de Cond6 darauf ertheilet.^ Dann überreicht er das 
Schreiben Sr. Majestät und zeigt an, dass er befehligt sei, seinen Abschied 
zu nehmen. Der Kurfürst bezeugt seine Freude über des Königs Gesin- 
nungen hinsichtlich des Westphälischen Friedens. Emmerich anlangend, 
so hätte der Kurfürst allerdings allen Grund zn klagen, wie auch darüber, 
dass man in seinen Landen dergestalt hauste, seine Städte und Häuser 
demolirte, wovon er jedoch für jetzt absehen wolle. Unter Dankesbezen- 
gungen an S. K. M. wird der Gesandte entlassen. 

Recreditif des Kurfürsteu für den Grafen de laVanguion d. d. du 
camp a Witzenhausen au pais de Hessen le 19/29. Septembre 1672. 29. Sept. 



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92 I- Zur Vorgeschichte des cleiitBeh-franBOBiBchen Krieget. 1671. 1672. 



2. Die französischen Alliirten Kurcöln (Strassburg) 

und Münster, 
a. Aus Blaspeils Berichten. 



3. Nov. [o. 0.] d. d.'y^^^~. 1671 befiehlt Kf. demGesandteo Werner Wil- 
helm Blaspeil in Göln^), sich nochmals zam Karfürsten Mazmilian 
Heinrich Yon Cöln za verfügen und die ^Remonstration dahin zn wie- 
derholen , dass der Friede im Rom. Reich nicht gekränket, noch Unsere 
Clevische Lande in einige Ungelegenheit impliciret werden möchten*^. Des- 
gleichen hat er auch die Intention des Bischofs von Münster in der 
Cölnischen Sache zn vernehmen. 



19. Nov. ^* ^* Bonn 19. November 1671 meldet der Knrcölnische Geheime 
Secretär Caspar Lariz an Blaspeil, es würde seinem Eorförsten lieb sein, 
wenn Bl. am nächsten Samstag Festi Beatae Mariae Yirginis Abend oder 
sonst am Sonntag erschiene. „I. Ch. D. wollen auch Ihrer Hochf. Gn. 
zn Strassburg, welche Sich annoch zu Brühl aufhalten, darab Part geben, 
am etwa pro re nata in einem nnd anderen zn conferiren.^ 



Blaspeil an den Kurfürsten. Dat. Cöln a. Rh. 20./30. November 

1671. 
30. Nov. Unterredung mit den Ku|^mainzischen Delegirten über die Mittel, wie 
bei der drohenden Kriegsgefahr S ichers tellung des Rom. Reichs zu erzielen 
sei. Die Delegirten empfehlen dazu die vom Kurfürsten von Mainz mit 
dem Kaiser, Kurtrier, Kursachsen und Münster aufgerichtete Farticular- 
dcfensivallianz'), insbesondere den Eintritt Kurbrandenburgs und der 
Brannscbweigischen Häuser in dieses Bündnis. 



1. Dec. d. d. Cöln a. Rh. ^^;^^^^ 1671 berichtet Blaspeil dem Kf. von der 

bei Kurcöln abgelegten Froposition. 

Anlage. 

Kurbrandenburgische Proposition an Kurcöln, abgelegt zu 

Bonn am 16. /26. November 1671. 

Blaspeil verweist auf seinen letzten Vortrag zn Brühl am 29. Septem- 
ber 1671 und die darin enthaltenen Abmahnungen K Brdbgs. 

') Seine VerrichtaDg daselbst Eiol. S. 8. 

') Oemeint ist das sogen. «Marienbnrger Bandnis'', welches dann anter dem 
22. Januar 1672 veröffentlicht wurde. 




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Blaspeil beim Enrförsten von Göln. 93 

£w. Cb. D. haben solche meines gn. Herrn treuherzige ... Er- 
innerung nicht allein sehr wol aufgenommen, sondern auch Sich dar- 
aaf dermassen genereus, friedfertig und freundlich erkläret, dass Die- 
selbe alle Ihre deshalb geschöpfte Bekttmmernis schwinden lassen; 
gleichwie nun höchstged. S. Gh. D. Sich solchem nach versichert ge- 
halten, dass an Seiten Ewrer Gh. D. nichts wttrde vorgenommen 
werden, daraus einige Ungelegenheit oder Weiterung zu befahren: 
also haben Sie auch I. Kais. M., auch andere dessen versichert 
and bei Derselben befordert, dass die Kaiserlichen Regimenter, 
welche Sie nach diesen Quartieren zu schicken gesonnen waren, zu- 
rttckgeblieben und contramandiret worden, auch zufolg der damals 
Ewrer Gh. D. durch meine Wenigkeit beschehener Versicherung 
bei den Herren General -Staaten es dahin zu richten angenommen, 
«dass nicht allein Ew. Gh. D. davon Sich nichts Widriges würden zu 
befahren haben, sondern auch zu völliger Benehmung aller Anlass und 
Ombrage das also genannte Holländische Regiment') aus der Stadt 
gegen anderwärte derselben genügsame Versicherung genommen werden 
möchte; und wann auch solchem allem nnerachtet dennoch gegen Ew. 
Gh. D. oder Dero Erzstift von einem oder andern etwas Thätliches 
vorgenommen werden sollte, dass S. Gh. D. Sich dessen gleich Ihrer 
eigenen Sache annehmen und dieses Erzstift nicht weniger als Ihre 
Lande und Leute vor aller Gewalt schützen zu helfen Ihre höchstens 
würden lassen angelegen sein. 

Wie nun höchstged. S. Gh. D. Sich hierauf keine andere Gedanken 
gemachet, als dass in diesen Quartieren weiter keine Unruhe zu be- 
fürchten wäre, kommt Ihre anjetzo desto unvermuthlicher vor, dass 
gleichwol noch zu dieser Zeit, da sich die Sachen mit der Stadt Göln 
Gottlob sehr wol anlassen, solche grosse Anstalt und Kriegspraepara- 
torien in diesem Erzstift bei dieser winterlichen Zeit fast öffentlich zu 
grossem Nachdenken der Benachbarten gemachet werden, wodurch 
Ihre vorige Bekümmernis nicht nur resuscitiret, sondern auch merklich 
vermehret werden, indem nicht allein Sie sondern Jedermänniglich in 
den sorglichen Gedanken stehen, dass dadurch sedes belli dieser Ends, 
da man des Friedens am meisten und besten versichert zu sein ver- 
meinet hätte, wol gar hingqiflanzet werden dürfte, sowol auf den 
unvermutbeten Fall, da Ew. Gh. D. etwan Selbsten ein oder anders 
vorzanehmen gedenken, als auch da Dieselbe sonsten geschehen lassen 

■) Regtraent Bampbield. 



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94 !• Zur Vorgeschiobte des deutsch- franEÖBiBcheD Krieges. 1671. 1672. 

und zugeben wollten, dass Andere sich der bereits vorhandenen und 
täglich zunehmenden Miliz und Magazine zu Ausführung eines oder 
andern Desseins möchten gebrauchen, weil zu besorgen stehet, dass 
derjenige, dem es gelten oder treffen möchte, diesen Erzstift, als in 
welchem solche Praeparatoria gemachet werden, vor Feind halten und 
entweder praeveniendo seinem Unglück vorzubauen oder doch her- 
nacher sich des Schadens quovis modo zu erholen gedenken und be- 
wirken möchte. 

Zwar ist Niemand unbewusst, was etwa von einer Ruptur zwischen 
den Benachbarten spargiret und befahret wird. S. Gh. D. mein gnä- 
digster Herr hält aber davor, dass Ew. Gh. D. sowol als Sie mit den 
Herren Benachbarten bisher in solcher guten Verständnis gestanden, 
dass Sie Sieh ihrer Freundschaft vielmehro zu versichern als einiger 
Widerwärtigkeit (wenn nur dazu keine Ursach gegeben wird) davon 
zu befürchten haben sollten, wissen auch nicht anders, als dass Ew. 
Gh. D. in Terminis einer aufrichtigen Neutralität zu bleiben Sich jeder 
Zeit erkläret, und sind höchstged. S. Gh. D. dannenhero um soviel 
mehr wegen der vorgem. Armatur in diesem Erzstift bekümmert, nicht 
so sehr, dass Sie zu penetriren suchen, was Ew. Gh. D. damit etwan 
intendiren und vorhaben mögen, als weil Sie besorgen, dass bei 
jetzigen Gonjuncturen die Unruhe dadurch vorgemeltermassen in 
diesem Erzstift und der Nachbarschaft erwecket und dadurch auch 
Ihre Glevischen Lande mit eingefiochten werden möchten. 

Dahero Sie als ein Ghurfürst des Reichs, als ein interessirter 
Nachbar, und als Ew. GIj. D. treuer Alliirter und rechtschaffener 
Freund und Bruder Ihrer Schuldigkeit zu sein erachtet, solche fast 
unausbleibliche Gefährlichkeiten Deroselben wolmeinentlich vorstellen 
zu lassen, und gleich wie bei jüngster Audienz als auch jetzt noch- 
mals Ew. Gh. D. freundbrüderlich zu belangen und zu ersuchen, 
solchem allem beliebig vorzubeugen und vielmehr bei Dero hochrühm- 
lichen Friedensgedanken, deswegen Sie bei männiglich einen unsterb- 
lichen Namen erlanget, zu continuiren, auch hiebei Dero hocherleuch- 
tetem Verstände nach Selbsten gn. zu ermessen, was ein grosses Be* 
schwer es sein würde, wenn ohne einige Noth zu dergleichen Unruhe 
und Gefährlichkeiten, wodurch diese Lande ruiniret und etliche Tau- 
send unschuldige Unterthanen leiden und zu Grunde gehen würden, 
über alles Verhoffen einem oder anderm Anlass gegeben werden sollte. 
Dann auch und dafern es zu blosser Defension dieser Ihrer Landen 



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Die KnrbraDdeDbnrgische Propotitioo. 95 

angeschen, so halten S. Gh. D. mein gn. Herr dafBr, dass es ja keiner 
80 nachdenklichen Anstalt bedürfe. Ew. Gh. D. wissen auch gn., 
wann Jemand Sie unverschuldeter Dingen angreifen wollte, dass der- 
selbe es mit dem ganzen Römischen Reich zu thun und E. Gh. 
D. desfalls die im Instrumento Pacis fest gestellete allerkräftigste 
Garantie vor sich haben würde, wie denn auch zu mehrer 
Dero Versicherung S. Gh. D. mein gn. Herr den Accessions-Becess ^) 
zu der Bielefeldischen Alliance stündlich zu ratificiren bereit sind, 
wann nur zuvörderst alle vorgem. weit aussehende Anstalt, so die 
Nachbarschaft vorbedeutetermassen alarmiren und zu Unruhe Anlass 
geben kann, eingestellt und alles in dem Stande, wie es die jetztgem. 
nirgends anders als zu Erstattung des Friedens zählende Alliance 
indigitirt; gesetzet werde. 

Höchstged. S. Gh. D. sind auch nochmals erbötig, wann Ew. Gh. 
D. dem Vorgange von Jemand ohne Ursach sollten überfallen, be- 
schädiget oder beunruhiget werden, dass Sie Sich selbst dabei inter- 
essiret achten und Ew. Gh. D. neben Dero Erzstift nicht allein nach 
Anleitung vorberührter Alliance und mit der darin versprochenen 
Mannschaft sondern auch mit allen Ihren Kräften vor aller Gewalt 
retten zu helfen, Ihre nebst anderen Beichs-Ghur-Fürsten und Ständen 
äusserst werden lassen angelegen sein. Sie suchen und wünschen 
ein mehreres nicht als mit Ew. Gh. D. und anderen Beichs-Ständen 
wie bishero zu allerseits höchstem Vergnügen als auch ferner unzer- 
trennlich zusammen zu stehen, damit das Römische Beich durch Sie 
insgesammt bei dem theuer erworbenen Frieden erhalten, und den be- 
nachbarten Potentaten mit dem Beich oder einigen dessen Gliedern 
zu zerfallen oder dawider etwas zu attentiren weder Ursache noch 
Anlass noch sonsten einige Ombrage gegeben werden möge; ersuchen 
dannenhero Ew. Gh. D. nochmals freundbrüderlich bei vorigen Ihren 
hochrOhmlichen friedsamen Maximen ferner unverrückt zu beharren, 
damit also mehrgem. Friede im Beich beständig conserviret, auch 
die Glevische und angehörige Landen in keiner Ungelegenheit 
impliciret noch in Schaden gesetzet, und folglich ofthöchstgem. 
Seiner Gh. D. durch alsolchen Schaden zu keiner Unlust, weniger 
Sich dessen zu erholen Ursach gegeben werden möge. Inmassen 
solchen unverhofften ja unvermutheten Falls dessen Ersetzung viel 
höchstged. Seiner Ghurfürstlichen D. vorzubehalten ich gn. beordert bin. 

<) EiDleitQDg S. G. 



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96 I- Zur Vorgeschichte des dentsch-franBÖsischen Krieges. 1671. 1672. 

Bitte aber dabei unterth. und zweifele auch zumalen nicht, Ew. 
Gh. D. werden mir solches um so viel weniger ungn. ausdeuten, weil 
mein gn. Herr zu Ew. Ch. D. und zu Dero weltberühmten friedlie" 
benden Gemüthe das feste freundbrttderliche Vertrauen tragen, die- 
selben werden Ihren jederzeit zu gemeinen Ruhe und Wolstand rühm- 
lich bezeigten Eifer und geführten Consiliis auch ferner inhaeriren. 

Von Ew. Gh. D. werde hieraus Dero gewürige gn. schriftliche 
Erklärung ich mit unterth. Bespect zu dem Ende erwarten, auf dass 
meinem gn. Ghurffirsten und Herrn ich dieselbe förderlichst ein- 
schicken, Sie dadurch esciairciren und mit einer angenehmen Resolution 
erfreuen möge. 



23 Dec. d. d. Coeln a. Sp. 13./23. December 1671 überseudet Kf. an Blas- 
peil zur EenatnisDahme eiQ Schreiben des Earfürsten Maximilian Hein- 
rich mit der Weisung an den Gesandten, sich za äassern, falls er auf die 
wider ihn erhobene Beschwerde etwas zu seiner Rechtfertigang vorzabringen 
habe. 



1672. 



Blaspeil an den Kurfürsten. Dat. Cöln am Rhein 5. Januar 

1672. 

[Rechtfertigt sich gegen den Vorwarf der Parteilichkeit für die Stadt Cola.] 

5. Jan. Antwort anf des Ef. Schreiben vom 23. Dezember 1671. Er bat das- 

selbe vor acht Tagen gerade bei Abgang der Berliner Post erhalten, daher 
mit seiner ^nnterthänigsten Verantwortung zeitlicher nicht einkonameo 
können.^ 

Ich halte sonsten dafbr, dass Ihre Churf. Durchlaucht, als welche 
der Humor ja nicht sind, dasB Sie wissentlich jemanden Unrecht thun 
sollten, von einigen, welche entweder ttbel informiret oder die Strei- 
tigkeiten zwischen Ihre und dieser Stadt ungeme, wenigstens noch 
sobalde nicht beigelegt gesehen hätten, zu Führung dergleichen Be- 
Bchwers müssen sein veranlasst und bewogen worden, und hätte 
wünschen mögen, dass solche Angeber nicht in terminis generalibus 
geblieben, sondern in specie berührt hätten, wannen ich doch einige 
Parteilichkeit vor die Stadt bezeiget haben sollte; daran aber hat es 
ihnen ermangelt, und werden sie dessen nie das geringste beibringen 
können. 

Die Instruction, womit der Kreis mich und andere anhero ge- 
schickt hat, haben die Chur-Gölnische auf dem Kreistag zu Bielefeld 



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Blaspeils Recfatfertigang. 97 

mit berathen und einrichten helfen, und weil wir uns allesamt steif 
und fest daran gehalten, so wUsste ich nicht, worinnen die angege- 
bene Partialität bestehen könne, und warum allenfalls ich mehr als 
meine CoUegen, welche mit mir, gleichwie ich mit ihnen, jederzeit in 
Omnibus et singulis einig gewesen, zu beschuldigen sei; dass ich aber 
öfters das Wort geführet, und, als man uns von Chur-Cölnischer Seite 
(daran jedoch I. Gh. D. wol keine Schuld haben) allerlei Obstacula 
in den Weg geleget und uns das Werk dadurch sehr verdriesslich 
gemachet, meine CoUegen angestärket, dass sie darum von ihrem 
angefangenen guten Eifer nicht ab — noch den Muth sinken lassen 
möchten, solches habe ich wegen des führenden Directorii thun mUssen, 
dabei aber ist der Bespect, so Ihrer Ch. D. gebühret, nimmermehr 
ausser Augen gesetzet noch Deroselben in Ihren Juribus zu nahe ge- 
treten worden. Ich habe michs gleichwol desto leichter zu getrösten, 
dass man an der Seiten auch über mich geklaget, weil ich alhier noch 
keinen gesehen, der es den Ghur-Gölnischen zu Dank machen könne. 
Ueber den Kaiserlichen Enyoyä Marquis de Orana, über die Ghur- 
Mainzische und Trierische Subdelegirten, über den Pfalz -Neubur- 
giscben Oberkanzler Freiherrn von Oise und mehr andere*) sind 
fsBt ebenmässige Beschwer geführt worden, ungeachtet sie sich der- 
gestalt betragen, dass man sie vielmehr dafür danken und ihre Dienste 
rühmen sollen. 

Dass auch ferner in dem Ghur-Cölnischen Schreiben an Ew. Gh. 
U. hinzugethan wird, man könne sich meiner Assistenz gar nicht be- 
rühinen, muss ich dem an Seiten der Stadt über mich geführten Be- 
schwer, dass ich ihnen zu hart gefallen, entgegen setzen. Es wissen 
aber die Ghur-Gölnische sehr wol, dass vorberührte Instruction mich 
nicht, sie zu assistiren, sondern mich unparteilich zu be- 
tragen angewiesen, und glaube ich, wann man entweder I. Gh. D. 
in dieser Streitsache hätte assistirt, oder der Stadt nicht ein wenig 
hart zugesprochen, es wäre nimmermehr zum Vergleich kommen. Ich 



'} Die DepütirteD für den Cölner Recesa waren für K Mainz: Friedrieb 
Oreiffenclau von Vollraths und Constantin Bertrams, far KTrier: 
Anton Sohler, fdr Brandenburg: neben Blas peil (dieser zugleicb far die 
CleviBchen Stande) Conrad von der Reck und Ezechiel Spanbeim; 
endlich Caspar Philipp von Eetteler für Paderborn, Johannes de 
Beyer für Nassau, Johannes Brandt für Werden und Dortmund. Für den 
Kaiser fangirte der im Text erwähnte Marchese di Orana; für Pfalzneuburg 
der Kanzler von Gise. 

Uater. t. Qescb. d. O. Kurfürsten. XUI. 7 



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98 !• Zur Vorgeschichte des deatoch-franEosischen Krieges. 1671. 1672. 

und andere aber, gnädigster Churfttrst und Herr, hätten yielmehr Ur- 
sacb, uns zu besehweren, dass man uns öfters bald mit diesen, bald 
mit jenen nichtigen AusflOchten drumher geftlhret, unsere Arbeit 
schwer gemacht und dadurch verursachet hätte, dass der Vergleich 
nicht ein paar Monat zeitlicher, da es ebenso wol hätte geschehen 
können, getroffen worden, diesmals zu geschweigen, wie fremd vor 
und nach die Kreisdeputirte begegnet worden. 

Wir lassen uns aber gerne damit begnügen, dass wir denen allen 
uneracbtet noch endlich zu unserem Intent kommen sind und wol 
hoffen, sowol an Seiten I. Gh. D. als auch diese Stadt werden je 
länger je mehr begreifen, dass ihnen wol geschehen, und also ihr 
Unwille Aber uns sich endlich in einer danknehmlichen Erkenntnis 
verwandeln. 



Blaspeil. Relation. Dat Cöln 5. Januar 1672. 

(ZusammenEiehnngeD französischer Trappeo. Loavois auf Schloss Brühl. Ge- 
plante Entrevne mit Pomponne. Lonvois' Besuch in Cöln und Ünterrednog mit 
Blaspeil daselbst. Verhältnis des Karfursten sn den Generalstaaten. Lonvois' 
Anslassnngen über die Haltung Frankreichs, die Stellung der Spanischen Nieder- 
lande, den Succurs an Kurcöln, die Sicherung der Stadt Cöln.] 

5. Jan. Verweist aaf Berichte v. Crockows') über die ZusammenziehuDg der 
französischen Trappen. 

Marquis de Loavois') ist nach Flandern gereist Nun ist 

aber gem. Marquis de Louyois sechs Tage hernacher, nemblich 
am 2L/31. selbigen Monats (December), zum BruiP) angelanget, hat 
sich auch daselbsten beim Herrn Bischof von Strassburg und 
dessen Herr Bruder Prinz Wilhelm, wie dem Mr. Verjus, bis noch- 
zu aufgehalten mit dem Vorgeben, dass er heute wieder zurück zum 
Könige verreisen würde. Er ist vorgestern, Sonntag, mit Prinz Wil- 
helm und Mr. Verjus in diese Stadt gewesen und eine Nacht darinnen 
verblieben, da ich nicht unterlassen ihm die Visite zu geben; und wie 
ich von Anderen vernommen, solle er sich mit Mr. Pomponne, so 

Vgl. oben die einschlägigen Relationen Grockows aus Paris. 

*) Le Tellier Marquis de Louvois der Jüngere. Oben S. 37. 44. 

') Brühl, das kurfürstlich Gölnische Lustschloss n. w. von Bonn, damals 
zugleich ein Lieblingsaufenthalt des Fürstbischofs von Strassburg und der Für- 
stenbergischen Bruder, 



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Lonvois in Göln. Unterredung mit Blaspeil. 99 

auf die Rückreise aus Schweden begriffen *), irgendwo in der Nähe 
zu abboucbiren Vorhabens sein, und scheinet fast, dass die meisten 
Sachen, selbsten auch die Audienz') von dem holländischen Ambassa- 
deur de Groot, welche der König differirt hat, auf diese Entrevue 
Yomehmlich beruhen, und mag wol sein, dass auch der Bath-Pensio- 
naritts de Witt, welcher die Correspondenz mit gem. Pomponne bis- 
her unterhalten, davon dass diese Zusammenkunft an die holländische 
Grenzen geschieht, einige Wissenschaft und er auf seine vorige Ge- 
danken, wie die Spanische Niederlanden unter Frankreich und Hol- 
land vollends mögen vertheilet werden, nach wie vor sein Absehen 
habe. Jedoch sind dieses nur Muthmassungen, darauf eigentlich nicht 
zu gehen ist. 

Er kommt Jetzt auf seinen Besach bei Louvois. Es war im späten 
Abend, als ichs erfuhr, dass der Marquis hier in der Stadt war, 
Bchickete darauf zu Mr. Verjus und Hess demselben sagen, dass ich 
vernommen, der Herr Marquis wäre bei ihm und würde des folgenden 
Morgens gar zeitlich wieder verreisen. Nun wttsste ich nicht, ob er 
bekannt sein wollte, auch Ansprach erleiden könnte, sonsten wünschte 
ich wol, die Ehre zu haben ihn aufzuwarten. Worauf ich zur Ant- 
wort bekam, dass es demselben lieb sein würde, wann ich alsofort 
hinkommen wollte; wie geschehen. 

Der Marquis fragte alsbald, nach abgelegten beiderseits Curialien, 
wieweit die Tractaten zwischen Ew. Ch. D. und den Herren Staaten 
avanciret wären. Ich antwortete darauf, dass ich von keinen Trac- 
taten im geringsten wüsste, weniger dass desfalls gehandelt würde, 
könnte ihn aber versichern, dass Ew. Gh. D. gleichwie zu der Zeit, 
da I. Eon. M. Ihr zum erstenmale Ouvertüre von Dero Vor- 
haben geben lassen, also noch auf die heutige Stunde freie Hände 
hätten. Sie stünden von vorigen Jahren noch in Bündnis mit denen 
Herren Generalstaaten und wären verpflichtet, dieselbe, wann sie atta- 
quiret werden sollten, mit einiger Mannschaft an Hand zu gehen, 
wovon Sie Sich auf solchen Fall schwerlich würden entschuldigen 



1) Aroanld d'ADdilly Marqnis dePompoDoe kehrte damale von seiner 
zweiten Negotiation ans Stockholm zarnck, woselbst er, nm den französischen 
Allianzentwarf zn stände za bringen, noch verblieben war, als nach Lionnes 
Ableben (f 1. Sept. 1671) Ludwig XIV den Entfernten znm Minister des Ans- 
wärtigen ernannt hatte. Sein Nachfolger in Stockholm Conrtin zeichnete dann 
das Schntzbundnis vom 4./14. April 1672. Vgl. S. 45. Anm. 1. 

») Oben S. 43. 

7* 



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100 I- Zur Vorgeschichte des deuUch-fraDEösiBcheD Krieget. 1671. 1672. 

können. Er sa^e, dass sie die Nachrieht von einigen Tractaten zwar 
nur aus dem Gerüchte hätten, die Holländer debitireten es aber über- 
all als eine bereits ausgemachte Sache. Er wollte aber aus der 
Ewrer Gh. D. zutragender Affection ein besseres von Sie hoffen, Sie 
würden Sich nur dadurch des Unglücks dieser Leuten, darinnen sie 
sich Selbsten stürzeten, ohne Noth theilhaftig machen. Es würde 
zwar dem Könige wol am angenehmsten sein, wann Ew. Gh. D. mit 
Ihrer Kon. M. zuhalten wollten; weil Sie aber dabei Bedenken fänden, 
wären Sie auch zufrieden, dass Ew. Gh. D. Sich nur neutral hielten, 
dessen müssten aber I. M. wol versichert sein; auf die Weise würden 
Sie Ihre Städte wieder bekommen, ohne dass Sie deswegen einen 
Pfenning Unkosten bedürften anzuwenden; und weil er von Mr. Ver- 
jus vernommen, dass ich der Meinung wäre, es könnte dieses ohne 
Landsverderb und Ruin der Unterthanen nicht zugehen, so würde der 
König in dieser Stadt oder an einem anderen Orte sattsam Gaution 
stellen, dass wann einiger Schaden geschehe, Ewrer Gh. D. und Dero 
Unterthanen derselbe alsbald wirklich ersetzet werden solle. Ew. Gh. 
D. wären gar nicht verbunden, dem Staat aus vorigen Foederibus 
einige Hülfe zu senden, weil er beides der Krone Frankreich und 
England mehr denn zuviel Ursach zur Buptur gegeben. 

Wie er nun bei diesem allem mich ersuchete, wann ich einige 
Dubia hätte, dieselbe unbeschwert vorzubringen, er liebete diejenige, 
so ihre Meinung frei heraussagten und ihm das obstat hielten, so habe 
ich ihm geantwortet, dass es auf meine Dubia und Meinung gar 
nicht ankommen würde; auch hätte ich in dieser Sache gar keine Ordre 
und wüsste davon ein Mehreres nicht als dass Ew. Gh. D. gerne sehen 
sollten, dass der Krieg verhütet bliebe und wir den Frieden behielten. 

Wobei Blaspeil umständlich remonstrirt, was nach seiner Meinang ans 
diesem Kriege für Ungelegenheiten zu gewärtigen seien; wie bedenklich es 
doch wäre, „wenn man einen so mächtigen Potentaten in sein (des Kf.) 
Land ziehen und alles anf dessen Wort*) ankommen lassen sollte^ da man 
wol wüsste, dass ratio statas und ratio belli öfters nicht zageben, dasjenige 
was zngesagt wäre zu praestiren^. 

Er bemühete sich mir alle Scrupulos zu benehmen, und war sein 
vornehmster Grund, dass der Krieg inevitabel wäre, und wenn gleich 
einige Incommoditäten dabei vorfielen, so wünscbete er doch und 
wollte dahin arbeiten, dass dieselben Ew. Gh. D. am wenigsten treffen 

Nämlich: entweder für FraDkreicb — oder für die also vorgeschia- 
geoe Neutralität (für eine Neutralität wie sie vorgeschlageD). 



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ErbietuDgen der Holländer. Stand der Verhandlangen mit Schweden. 101 

möchten; Ew. Ch. D. mOssten sich der Regel gebrauchen und ex 
duobus maus das geringste erwählen. England wäre mit Frankreich 
dergestalt einig, dass der Herr Downing, ehe dann ein Monat yor- 
bei, Holland den Krieg ankündigen würde. Der Krön Schweden, dass 
dieselbe still sitzen würde, wäre man schon versichert. So zweifelte 
man auch an dem Kaiser und Spanien nicht, denn obzwar yor 
weniger Zeit zwischen Spanien und dem Haag etwas geschlossen, 
so wäre solches doch auf eine alte Vollmacht und Ratification zweier 
Monaten geschehen, und würde England wol dafür sein und zusehen, 
dass solche Ratification nimmermehr erfolgete« Dieses stünde fest, 
und wäre die Zusage an England geschehen, dass der König der 
Krön Spanien alle Satisfaction geben würde, als unter anderem in 
der Limitstreitigkeit, da Frankreich auf Condä renunciiren,. die Festung 
Linck rasiren und sonsten weiter thun würde wie es Spanien Verlan- 
gete. Dabenebens wollte Frankreich die Scheide öffnen, damit 
alle Commercien wieder auf Antwerpen kämen, auch andere Avan- 
tages im Brabantischen zukommen lassen, und endlich sollten der 
Kaiser, England und Schweden Garanteurs der Spanischen Nieder- 
lande sein; da nun die Spanische solches annähmen und sich neutral 
hielten, würde alles gut sein; im widrigen Fall wäre der König re- 
solvirt sie alsbald k vive force anzugreifen. 

Blaspeils Einwände — „zafolge der mir vorhin gegebenen Freiheit*' — 
gehen dahin , dass Kf. .sich nicht erklären könne, ohne die Massnahmen 
Englands und Spaniens abgewartet zu haben. Louvois, der alles wol auf- 
nimmt, endet mit dem Wunsche, dass Blaspeil nur Ordre hätte, „ein 
oder anders auf Ew. Ch. D. gn. Oenehmhaltnng zu schliessen^. „Es würde 
bald zu Papier stehen, und Ew. Ch. D. ohngezweifelt Ihre Rechnung dabei 
finden.« 

Er fieng diesen nächst an, auch von der Proposition, so ich neu- 
lich zu Bonn bei I. Ch. D. zu Cöln abgeleget'), zu reden, da ich 
ihm ins Wort fiel und sagte, dass vornehmlich dieser Ursachen halber 
ich Gelegenheit gesuchet, mit ihm zu sprechen, weil der v. Crockow 
mir geschrieben, dass gemelte Proposition vom König nicht am besten 
aufgenommen. 

Beurteilung derselben von beiden Seiten. Bl. macht geltend, es habe 
sich, solange Kf. „bei den Friedensgedanken bliebe«, mit dieser Proposition 
nur darum gehandelt, über die lutentionen Kurcölns Communication zu ' 
erzwingen, die jedoch nicht erfolgt sei. Louvois lenkt schliesslich ein — 

Oben S. 92. 



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102 I- ^^r Vorgeschichte des deutsch-franzosiBchen Krieges. 1671. 1672. 

weil mir von den Ghur-Gölnischen die Ouvertüre nicht geschehen, so 
wollte er mir bekannt machen, dass der König Ihre Ch. D/) bei 
Dero Land und Leute quoviB modo zu mainteniren gedächten, und 
weil I. M. besorgeten, dass L Ch. D. Ihre Oerter und Plätze, Bonder- 
lieh Neuss und Dorsten mit denen auf den Beinen habenden Völkern 
(deren etliche nicht viel nutz wären) nicht verteidigen könnten, so 
Hessen Sie in Kraft der mit Ihr gemachten AUiance 1500 zu Pferd 
und einige zu Fuss aus Ihrer Garde anhero marehiren, welche in 
Ghurffirstlichen und des Thumb-Gapitels Dienst und Pflichten treten 
worden, und da I. Gh. D. deren noch mehr haben wollten, so würden 
sie Ihre gleichfalls zugeschicket werden. 

Er, Marquis, wäre expresse diesertwegen anhero kommen und wttrde 
die Marche gem. Völker aufgehalten haben, bis die Gölnische Diffe- 
rentien beigelegt, oder er dieser Stadt genugsam Versicherung gegeben, 
dass dieselbe wegen gem. Völker sich nichts zu befahren hätte. Die 
Stttcke, welche zu Neuss ankommen, hätten L M. Ihrer Gh. D. gelehnet, 
die Magazine aber giengen den König an, und wttrde die Königl. 
Armee etwa 4 Monate damit zukommen können. Sie macheten Staat, 

mit -^ Mann nach den Niederländischen Quartieren zu kommen, da- 
von ^ vorerst zusehen, und die ttbrige agiren würden, hätten sonsten 

—Tp-PT- Mann auf die Beine, und beliefe es sich über 80 Millionen, 

welche der König angelegete, nur allein die Holländer in ihrem un- 
erträglichen Hochmuth ein wenig zu demüthigen, ohne dass I. M. ein 
anderes als nur diese Glorie davon haben oder tragen würden: dass 
Sie Anderen wieder zu dem ihrigen verhelfen hätten. 

Der Vergleich mit der Stadt Göln scheint dem Marquis — in Rück- 
sicht nämlich auf die Beseitigung weiterer holländischer Anschläge, die er 
zur Folge hat — lieb zu sein. Er fragt , ob er dem Könige aufs Wort 
versichern könne, „dass das Holländische Regiment *) nunmehr herausziehen 
und keine andere Staatische wieder hineinkommen würden?'^ Bl. bejaht. 
Abschied. Gomplimente. 



Kurcölo. 

^ Ohen S. 93 Anm. 1. 



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Marsch franzöB. Völker in d. Ersetift von Lonvois motiTirt. 103 



P. S. Blaspeil Relation. Dat. Cöln 5. Januar 1672. 

[SpaniBche Resolntion. Französisehe AbsichtoD anf Neuss nnd Dorsteo. Con- 

ferens mit dem Ffirstbischof voa Münster. Marsch der französischen Völker. 

Was dabei brandenbnrgischer Seits zu berücksichtigen. — Bedenklicher Disput 

zwischen dem Kurfürsten von Cöln und seinem Beichtvater.] 

Er bat bei seiner Relation noch za erinnern, ^dass ich den Marqnis de 5. Jan. 
Lf ou vois sehr resolnt and offenherzig gefandeo, nnd als ich ihn hinwiederum 
anf die Art begegnete, gieng er mit mir desto confidenter, und konnte ich 
verspüren, dass er über die Resolution der Spanischen, indem dieselbe sich 
mit dem Staat eingelassen, etwas versetzt stnnd^. Die spanische Resolu- 
tion folgt anbei. 

Mir kam es auch etwas nachdeuklich vor, dass die Französische 
Völker, so anitzo anhero kommen und in der Marche begriffen sind, 
auch in des Thumb-Gapitels Pflichten treten sollen, und glaube ich, 
es sei solches alles vornemblich dabin angesehen, dass die Krön Frank- 
reich sich der beiden Plätze Neuss und Dorsten nur desto mehr 
versichern möge, und dass deswegen zwischen Deroselben und Gbur- 
Cöln davon pacisciret sein müsse. Ich werde in solcher Mei- 
nung um so viel mehr gestärket, weil auch Münster seine in Dorsten 
habende Völker daraus nimmt, wenigstens diejenige, welche vor ihre 
Quote zu den Ereisvölkern in dieser Stadt Cöln sollen eingelegt 
werden. Der Pfalzneuburgische Oberkanzler Freiherr von Giese 
und ich haben mit itzhöchstged. Ihrer F. 6n. zu Münster am yer- 
wichenen Donnerstag aus der also genannten grande affaire weit- 
läufig geredet, und muss ich meinestheils aus vielen Umständen be- 
sorgen, I. F. 6n. seien mit Frankreich ziemlich weit enga- 
giret, und ob Sie gleich einen Schlag um den Arm gehalten, Ihre 
gleichwol solches nicht sehr viel zu statten kommen dürfte, wenn 
nicht Andere Sie daraus helfen. Bei unseref Conferenz vernahmen 
wir unter anderm, wiewol es I. F. Gn. nicht so positive sagten als 
wol discurs- und exempelsweise anfahrten, dass die Krön Frank- 
reich Holland wol angreifen könnte, ohne Ew. Gh. D. Clevische Lande 
zu berühren; wenn aber den Franzosen daraus zum ersten einige 
Uostilität zustossen sollte, man alsdann auch dem König nicht würde 
verdenken können, seinen Feind hinwieder in gem. Landen zu suchen 
und anzugreifen; sonsten würden gem. Franzosen zu Kaiserswerth 
den Rhein passiren, durch das Werdische und Essendische auf Dorsten 



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104 I- Zur Vorgeschichte des deutsch-französiBchen Krieges. 1671. 1672. 

und von dannen durch das Münsterische bis an die Grenzen von 
Groeningen, Friesland, Overyssel und Grafschaft Zutphen kommen 
können. Und als wir darauf remonstrirten, eine wie gefährliche Sache 
dieses fQr I. F. 6n. und der ganzen Nachbarschaft sein wollte, ver- 
meineten Sie, es würde Ihro noch gefährlicheif und gar nicht zu rathen 
sein, einem so mächtigen Potentaten sich zu widersetzen und den 
Durchzug zu verweigern, und mochten gerne von uns wissen, ob und 
wie doch solches zu thun wäre. Wir regerirten, dass darauf zu ge- 
denken stünde, und hielten dafür, wann man nur kein ander Absehen 
dabei hätte, sondern ohne einige Praeoccupation solche Deliberation 
antreten wollte, dass sich alsdann vielleicht ein oder ander Mittel, so 
uns noch zur Zeit unbekannt wäre, finden dürfte. 

Sollte nun, gnädigster Churfürst und Herr, das französische Augen- 
merk dahin gehen, sich obbedeuteten Weges zu gebrauchen, wie dann 
zu solchem Ende alle Nothdurft zu einer Schiffbrücke bei Kaisers- 
werth zusammengebracht wird, so würde zu bedenken stehen: 

1. wie man es mit Werden und Essen zu machen, darüber Ew. 
Ch. D. Schutzherr sind; 

2. ob man nicht mit allen hiebei interessirten Benachbarten, 
denen es treffen kann, in Zeiten dahin zu reden, wie etwa zu 
verhüten, dass man hierdurch nicht gewähret werde; und 

3. wie man es dahin zu richten, dass auf allen unverhofften 
Fall aus dem Glevischen keine Hostilitaet geschehe, noch selbige 
Lande dadurch in diesen Krieg «mit eingeflochten werden. 

Im übrigen ist mir von guter Hand anvertrauet und mit vielen 
Umständen referiret worden, was massen Ihrer Ch. D. zu Cöln von 
Dero Beichtvätern, so ein Jesuit ist, vorgehalten sei, in was 
Gefahr und Ungelegenheit Ihre Lande und Leute sowol als die ganze 
Nachbarschaft durch solche Gonsilia, wie itzund an Dero Hof gefOhret 
würden, nothwendig gerathen müssen; dass gem. Beichtvater den Zu- 
stand aller Sachen und was vorgehet Ihro umständlich remonstriret 
und dabei angewiesen, dass solches alles auf I. Ch. D. Verantwortung 
und Gewissen vornehmlich ankäme. Worauf Dieselbe geantwortet, 
Sie wüssten und sähen es wol^ was vorgienge, wären aber dermassen 
tief ins Werk und engagiret, dass Sie nicht zurück könnten, ob Sie 
gleich wollten; ausserdem wären Sie fast bei jedermännlich in den 
Ruf, als wann es Ihr an genügsamer Resolution und Herzhaftigkeit 
ermangelte. Sie wollten sich aber aus solchem Namen bringen und 



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Event. Gegenmaesregejo. Mit d. Pfalzneub. Kanzler beim Bischof von Münster. 105 

nicht mehr yexiren lassen, wie es fast schiene, dass ein jedweder zu 
thun sich unterstünde. 

Auf Bl.'s Frage, ob er dies dem Ef. übermitteln dürfe, wird ihm das 
mit dem Beding zugestanden, ,,daB8 es gleichwol, soviel möglich, mesna- 
giret werden möchte. Es wäre soosten anch an S. Eaiserl. M. gebracht.^ 
Aöf die Art erkläre sich übrigens die Vergeblichkeit der an Kurcöln ge- 
thanen Remonstrationen. 



Nach dieser Relation gieng Blaspeil nach Cleve auf seinen Posten als 
Clevischer Regierongsrath zurück. 



Blaspeil. Relation. Dat. Cleve 10./20. Januar 1672. 

[Reise nach Berlin. Beabsichtigte Audienz beim Fürstbischof zu Munster. 

Dessen Gesinnung hinsichtlich eines Kreistages. — Ludwig XIV. an die General- 

Staaten. Downing im Haag. — Besorgnis vor der Nahe der Franzosen.] 

Blaspeil ist vor wenig Tagen ans Cöln wieder eingetrofifen. 20. Jan. 

Dem Befehle des Kfn. gemäss — er hat solchen aus einem Schreiben 
des Oberpräsidenten Freiherrn v. Schwerin ersehen — wird er noch 
in dieser Woche die Reise nach Berlin antreten ^), auf dem Wege aber den 
Fürstbischof von Münster wegen Ausschreibung eines nenen westphälischen 
Kreistages angehen. Hoffentlich mit mehr Glück als bei den Audienzen in 
Eendenich und Cöln. Der Bischof werde sich, zwar auch diesmal zunächst 
ungeneigt erweisen, ^da S. F. Gn. leichtlich erachten könnte, dass die Zu- 
sammenknnft der Ereisstände Ihrem Vorhaben und vermuthlichen Engage- 
ment mit Frankreich mehr entgegen als zuträglich sein dürfte^; Blaspeil 
ist «ein nnd anderes davon vorkommen^ wovon er mündlich berichten wird. 

Die Ernennung des Prinzen von Oranien zum Capitain und Admiral 
general ,,durch die gute Partei*^ wird Ef. ja erfahren haben; «man machet 
sich hieraus diese Hoffnung, alles werde hinfüro besser als vorhin zugehen.^ 

Ueberschickt eine Abschrift von dem Schreiben König Ludwigs XIV. 
an die Generalstaaten (Lettre du Roy Treschr^tien ä Messienrs les Estats 
G6n6raux d. d. S. Germain le 2. janvier 16*72)^). «Die Antwort scheint den 



') Blaspeil selbst hatte dies längst als Wunsch zu erkennen gegeben: „ich 
finde — bei dem erwarteten Anrücken der französischen Völker — für Ew. Ch. 
D. Clevische Lande solche Gefahr, dass ich längstens die Gedanken gehabt 
Selbsten hinüber zu reisen und desfalls ein und anders untherth. mündlich vor- 
zustellen, so sich alles nicht so umständlich schreiben lasset; und weil die 
Mechelsche Sache auf eine Zeit lang ausgestellet worden, diese Cölnische 
anch nunmehr verhoffentlich bald zur Richtigkeit gelangen wird, und ich also 
dieser Endes in publicis nichts versäumen wurde, werde mit Ew. Ch.D. gn. Per- 
mission ich mich ungeachtet dieser unbequemen winterlichen Zeit für eine geringe 
Frist hin begeben.« (d. d. Cöln 14./24. Novbr. 1671.) 

^ Die einschlägigen Schreiben bei Mignet a. a. O. Vgl. oben S. 35. 



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106 I. Zur Vorgeschicbte des deutsch-fraDSÖsiBcheo Krieges. 1671. 1672. 

Compass wieder zu verrücken^; Kf. werde sehen, ^wie alles auf SchraabeD 
gesetzet ist and man daraus nicht abnehmen kann, was der König mit einer 
60 ungewöhnlichen grossen Armatar vorhabe.^ — Gerüchte über des Königs 
Absichten. ^Der Dauphin solle Römischer König werden.^ — D o w n i n g's ') 
Gesandtschaft im Haag. Wohin sie ziele, weiss Niemand, de Witts Freund 
(das weiss BI. aus Downing's früherer Gesandtschaft) ist er nicht. Man 
müsse, sagt Bl., die Sachen noch mit ansehen. ^So sind wir in diesen 
Quartieren zum wenigsten damit gefähret, dass wir die Franzosen in unserer 
Nachbarschaft zu Neuss, Kaiserswerth und Dorsten haben, da ich nicht 
sehe, wie man ihnen in der Güte wird loswerden können.^ 



Blaspeil. Relation. Dat. Lippstadt 17./27. Januar 1672. 

[Audienz £o Coesfeld. Der Färstbischof einem Kreistage abgeneigt. Schmieing 

geht nicht nach Berlin. Blaspeil rat, aaf Paderborn und Lüneburg zu wirken. 

Militärisches. Befestigungen im Bistum Münster.] 

27. Jan. Er hat sich von Cleve direct nach Coesfeld begeben. — Der Fürst* 
bischof war — am 25. — nicht mehr dort, sondern „wegen Gonversionis 
S. Pauli als des Stifts Patroni^ in Münster. Festlichkeiten mit den Domherreo 
daselbst nahmen ihn in Anspruch; der Vormittag war mit Processionen 
und anderen „bei den Römischen gewöhnlichen Ceremonien** ausgefüllt. 
Erst am Abend kommt EL zur Audienz. Er stellt die Nothwendigkeit 
eines Kreistages Yor und remonstrirt — 

dass das Directorium denselben auszuschreiben gehalten wäre erst- 
lich, weil es die zu Göln gewesene Ereisdeputati, wie dann insbeson- 
dere die Stadt Göln, begehret und darum angehalten hätten; zwei- 
tens weil es auf dem jüngsten zu Bielefeld gehaltenen Kreistag 
concludiret, auch der Instruction in der Cölntschen Sache ausdrücklich 
einverleibet worden; dahero zu besorgen stünde, wann das Directorium 
darinnen ermangeln sollte, dass die Herren Kreisstände ungeduldig 
werden und sich Selbsten verschreiben und zusammenthun dürften. 

Der Fürstbischof replicirt, dass er „lange nicht eigentlich wÜ8Ste> wohin 
Ew. Gh. D. Ihre Gonsilia richten und was Sie für eine Resolution fassen 
würden^ (worauf Bl. entgegnet, des Kf. Intention gienge dahin, „dass 
dieser Kreis in Frieden und Ruhe erhalten werden möchte^), giebt über- 
haupt hinreichend zu verstehen, dass er dem Kreistage abgeneigt ist: er 
werde denselben verhüten, werde auch den Domdechanten v. Schmising 
nicht, wie er einst beabsichtigt, in dieser Sache nach Berlin senden. Bl. 
ist privatim der Ansicht, der Kreistag Hesse sich wol zu stände bringen, 
wenn nur Pfalzneuburg und Knrbrandenburg hierin einig blieben. 
Das meint auch derBischofvonPaderborn, der bisher „auf einen Kreis* 



*) Englischer Gesandter im Haag. Vgl. oben 64. 101. 



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Der Bischof dem penen Kreistage abgeneigt. 107 

tag habe treiben lassen^. Er (Blaspeil) möchte ihn daher gern en passant 
begrüssen and sondiren^ anch in Celle bei Herzog Oeorg Wilhelm vor- 
sprechen. ^Paderborn nnd Lüneburg hätten (wie sich zu Bielefeld gezeigt) 
einen grossen Anhang.*^ — ^Ew. Ch. D. wollen es nnr in Ungnaden nicht 
vermerken, dass ich dieser wichtiger Ursachen halber etwas Umweges nehme. 
Ich werde sonsten meine Reise so viel immer möglich beschlennigen und zn 
Berlin kommend Ew. Gh. D. von allem gute Rechenschaft geben.^ 

P. S. BI. hat gehört, ^dass I. F. On. Ihren Antheil der znr Be- 
setzung der Stadt Cöln destinirten Kreisvölker in termino, so künftigen Mon- 
tag einf&llt, anf das Rendezvons zu Mühlheim a. Rhein unfehlbar stellen 
werden*'. Alle Mannschaften sind nen gekleidet. Bl. hat deswegen an Oberst 
Syberg nach Hamm geschrieben, wobei er annimmt, dass die Branden- 
bnrgischen, die zum Redezvons ^ sollen, ebenfalls gut eqnipirt sein werden. 

— Ans Dorsten ziehen die kurcölnischen und münsterischen Völker aus, es 
werden französische Schweizer hineingelegt. Die anf münsterischer Seite 
genaachte Schanze wird der Fürstbischof mit eigenen Lenten besetzen lassen. 

— Das Yest Kecklinghansen soll mit Franzosen fast ganz angefüllt sein. 
Sollte man von ihnen „einiger Widerwärtigkeit^ zn befahren haben, so mnss 
die Garnison in Lippstadt verstärkt werden. 

Borken, Coesfeld, Rheine und noch andere Plätze hat der Fürstbischof 
„trefflich versehen lassen*^ 



Im Lanfe des Februar ist Blaspeil In Berlin. Für den Rückweg giebt 
ihm Rf. einen Befehl an den Generalmajor von Eller „wegen des Aus- 
schusses im Mindischen und Ravensbergiscben, auch anderer Sachen halber^' 
mit; da er (Blaspeil) Eller „nicht zum Sparenberg getroffenes hat er ihm 
den Befehl schriftlich hinterlassen. 



BlaspeiL Relation. Dat. Hamm 29. Februar/10. März 1672. 

[Erwartet Nachrieht aber den Aufenthalt des Fürstbiachofa von Münster. — 
Militärische Mitteilungen. Werbaogen Kurc51o8 and Münsters nnd deren 

Resaltate.] 

. . . Als ich nun von dannen — Sparemberg — weiter gereiset und 10. März, 
albie angelangt bin, habe ich mich fleissigst erkundigt, wo doch I. F. 
D. zu Münster, welche fast nichts thun als von einem Orte zum an- 
deren zu gehen und wenig stille zu sitzen, anzutreffen sein möch- 
ten. Da ich aber solches nicht erfahren können und bei diesen 
überaus bösen Wegen, sonderlich im Jtfünsterischen, ungerne und mit 
Zeitverlust drumher laufen mögen, habe ich heute einen Expressen 



d. d. CoellD a. Sp. 14./24. Decemb. 1671 hatte Kf. gemeldet, dass er daza die 
in Hamm stehenden 200 M. vom Kannenbergiscben Regiment beordern laaaen werde. 



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108 I- Zur Vorgeachichte des deutsch-franEOBischen Krieges. 1671. 1672. 

mit Schreiben an einen der Mdnsterischen Bäthe abgefertiget, der 
mich auf Cleve folgen und die Nachricht, wo künftige Woche I. F. 
D. Sich aufhalten werden, mitbringen würde. Sobald ich dieselbe 
erlangt, werde ich mich dorthin verfügen und, was Ew. Ch. D. mir 
gn. anbefohlen haben, treufieissigst in Acht nehmen. 

Indessen habe ich mich hin und her auf der Keise, wo Ss die 
Gelegenheit gegeben, so nach den Churcölnischen als auch Münsteri- 
schen Werbungen, und was sie sonsten machten, erkundiget und von 
einem dieses, von einem anderen jenes erfahren; unter anderm, dass 
Ghur-Göln an verschiedenen Orten werben lasse, und sich sehr be- 
fleissigen solle alte erfahrene Officirer an Hand zu haben. Im Hil- 
desheimischen lassen sie zu Ross und zu Fuss werben. Das Fürsten- 
bergische Regiment, so neulichst aus Frankreich kommen und 
mehrentheils in Teutschen bestehet, liegt hier in der Nähe in dem 
Herzogthume Westphalen und hat sein Hauptquartier zu Werl zwischen 
Soest und Unna, ist 2000 Mann affective stark und wird mit des 
Generalwachtmeisters von Landsberg Regiment ad 1000 Mann 
conjungiret, und aus den beiden eins gemacht, welches hinflihro Ghur- 
Gölns Leibregiment sein solle. Es finden sich darunter ungefähr 
150 Zimmerleute und Grenadiers^). Gem. Fürsteubergisches Regiment 
hat sowol im Littauischen als an anderen Orten für Geld zehren 
müssen, und weil dazu keine Anstalt gemachet war, viel Ungemachs 
und Elend alda erlitten. 

,;Id Dorsten liegen noch die vorige Völker, nnr dass sie täglich stärker 
werden, und halten sich die französische Schweizer noch In und bei Neuss 
auf. An die Dorsten^sche Yestnng wird anitzo wieder mit aller Macht ge- 
arbeitet nnd die Magazine daselbst ?on Tag zu Tag mehr und mehr versehen.^ 

I. F. D. zu Münster haben unter dem Obristen Wolf Ramsdorf 
eiü Regiment Dragoner und eins zu Fuss richten lassen, so complet 
sein sollen; noch sollen sie zwei Regimenter unter einem Rhein- 
grafen (wer derselbe sein mag, weiss ich nicht) werben lassen, auch 
eins unter einem Obristen Bilnitz, item noch eines unter dem Obristen 

Knie. Der Ruf gehet, Sie hätten für -^ Mann zu Fuss Patenten 

ausgegeben und allerorten Ihre Leute zu werben ausgeschicket; in 
Cöln aber sollen Sie gar wenig aufthun, und Lothringen weit mehreren 
Zulauf haben, Sie lassen sonst verlauten, ob wollten Sie neutral 



Original: Granadiers. 



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Werbangen Knrcolas nnd Munsters. 109 

bleiben und nur Ihr Land verteidigen. Inmittels ist bekannt, dass 
im MOnsterischen, iD speeie zu Coesfeld, Manster, Meppeu, Warendorf, 
Rheine und mehr anderen Orten überaus grosse Magazine, und zwar 
Beiseins Französischer Commissarien, welche die Aufsicht darüber 
haben, aufgerichtet werden, und dass allerlei Anstalt zur Attacque 
und Belägerungen nicht weniger als zur Defension, beides im Cöl- 
nischen und Mttnsterischen, gemachet wird. •— Auch hat man mich 
versichern wollen, dass der Herr Graf von Waldeck Georg Frie- 
drich') für Lothringen ein Regiment Dragoner und eins zu Fuss 
werbe, und auf diese 8, auf jene 20 Rthlr. für jeden Mann auf die 
Hand gebe. Nicht weniger ist mir vorkommen, ob sollte der von 
Podewils im Hannoverischen nicht zu Rechte kommen und nun- 
mehr sich bemühen, einige Teutsche hohe Officirer in Französische 
Dienste zu bringen. 



Desgleichen. Dat. Hamm 29. Februar/10. März 1672. 

[BUspeiis Vorschlage io Bezag aaf die Brässeler NegotiatioD. Der GölDische 
BesideDt Donffet nach Spanien. 

Fragt an, ob er noch in Brüssel mit dem Grafen Monterey') unter- 10. März, 
bandeln solle, „nach Anleitung dessen so Ew. Gh. D. zn Wien würden 
negotiiren lassen'S und ob er auch „dahin za gedenken hätte, ob nicht zu 
Formirnng einer gnten Armee einige Snbsidien zu erhalten sein möchten'^ 
Ueber die (erwartete) Ankunft des kaiserlichen Gesandten, des Baron 
de Ooes, zn Berlin ist ihm eine Instruction in Bezog anf diese Angelegen- 
heit nicht zugekommen'). 

„Sousten habe ich zn Hildesheim im Durchreisen bei dem Vicekanzler 
daselbsten, Herrn Nicolarts, Briefe von dessen Brüdern ans Brüssel ge- 
sehen, darinnen er schreibet, dass Spanien die Ratification über den im 
Haag gemachten Tractat dergestalt restringiret, dass es die Hülfe allererst 
6 Monate nach der beschehener Requisition leisten wolle, wornach man sich 
dann allenfalls zn Brüssel würde richten müssen.*^ 

Bl. bittet um Instruction, in specie — ob nicht die Sache dahin 
zu nehmen, dass Ew. Gh. D., als Sie vernommen, dass die Krön 

Der ehemalige kurbrandenburgisohe Minister, seit 1672 Feldmarscball im 
Dienst der General Staaten. 

^ Gouverneur der Spanischen Miederlande. 

*) Bei Ueberweisung des Creditifs an Monterey hatte Kf. Blaspeil ange- 
deutet, dass er die Negotiation zu Brüssel „ohne Esclat, nnd unterm Schein der 
Mechelscben Sache, und zwar nach Anleitung dessen, so S. Ch. D. zu Wien bei 
I- Kais. M. wurden negotiiren lassen*, verrichten solle. 



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110 I- Zar Vorgeschichte des dentach-fraDsosischeD Krieges. 1671. 1672. 

Spanien den mit dem Staat eingegangenen Tractat, aber alles Ver- 
muthen der Krön Frankreich, ratificiret und nicht zweifeln wollten, 
I. Kais. Majestät, darauf Sie jederzeit reflectiret gehabt, würde Sich 
damit conformiren, Sich solcher der Krön Spanien genommenen tapfern 
Resolution zum höchsten erfreuet, und ob Sie gleich auch vorhin, 
denen weitaussehenden französischen Desseinen, insonderheit als weil 
dieselbe gegen das Römische Reich und dessen Nachbarschaft ange- 
sehen sein möchten, zu begegnen das Ihrige beizutragen entschlossen, 
dass Sie dennoch nunmehr weniger Bedenken tragen würden, Sich 
desfalls etwas öffentlicher herauszulassen, bevorab wenn Sie auch der 
Kaiserlichen Resolution möchten versichert sein; dass Ew. Ch. D. in- 
mittels nöthig ermessen, diese wichtige Sache, und was Ihro dabei zu 
thun stttnde, mit Ihrer Exe.') zu überlegen und darinnen Sich einer 
Meinung mit derselben zu vergleichen, damit man nicht einen Scopum 
zu erreichen verschiedene Wege eingehen möchte; dass dieses das 
eigentliche Subjectum meiner Abfertigung w&re^ darauf ich Ihr. Exe. 
hochvernUnftiges Gutachten erwarten wollte. Hierbei nun könnte der 
Krön Frankreich dergestalt gedacht werden, dass dieselbe, wann 
etwas davon auskäme, keine befugte Ursach hätte, es für eine Offense 
zu nehmen. 

Ich könnte auch, wann es Ew. Gh. D. also gn. gutfttnden, gleich- 
sam als aus mich selbsten dabei vorstellen, oder wenigstens I. Exe. 
auf die Gedanken bringen, dass die Sache hierauf wol sonderlich an- 
kommen würde, nemblich ob Ew. Gh. D. Sich nun alsbald und pure 
vor den Staat, welcher durch den Herrn von Amerongen darum 
anhielte, zu erklären, oder ob Sie damit annoch anstehen oder, gleich- 
wie Spanien gethan, Ihre Resolution auf eine gewisse Zeit zu restrin- 
giren hätten; wobei dann ferner discursweise angeffihret werden 
könnte, dass auf den ersten Fall Ew. Gh. D. zwar alsbald einige 
Subsidia von dem Staat zu Richtung Ihrer Armee zu gewarten, hin- 
gegen aber auch allerlei Incommoditäten, so in Dero Preussischen und 
Westphälischen Landen, zu befahren haben würden; und dass Sie auf 
den anderen Fall besorgen müssten, dass Sie mit Ihrer Armee nicht 
wol aufkommen würden. Dann obzwar Ew. Gh. D. einige Gelder 
dazu auf Ihre eigene Domainen negotiiren zu lassen albereits Ordre 
ertheilet, so würde doch solches nicht zureichen, dahcro Ew. Gh. D. 
auf solchen andern Fall Ihre Zuflucht zu der Krön Spanien würden 



^) Graf Monterey. 



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Negotiation nach Brüssel beabsichtigt Blaspeils Vorschläge. Hl 

nehmen und davon begehren müssen, dass Ihro mit einer erklecklichen 
Summe Geldes, es wäre auf Abschlag der hinterher versprochenen 

^^ Thlr. jährlich, oder per modum subsidiorum, oder auch leihes- 
weise, bis hernacher der Staat es refundirte, an Hand gegangen 
würde. 

Bl. verspricht nach empfangener iDstractioa sein Möglichstes. 

P.S. ,»Herr Yicekanzler Nicola rts sagte mir aacb, dass Char-Gölos 
D. Ihren Residenten zu Brüssel Herrn Donffet mit eben dergleichen In- 
struction nach Spanien abgefertigt, als Dero Rath Boeckhorst mit aus 
Wien genommen, und Ew. Ch. D. commnniciret worden ist.^ 



Blaspeil. Relation. Dat Cleve 6./16. März 1672. 

[Morgen aaf den Weg zam Fürstbischof. Grana wanacht Blaspeil bei sich in 

Göln ZQ sehen. Stimmen aas Holland. Was bei der drohenden Kriegsgefahr 

aus Blaspeil nod seiner Familie werden soll? Olevisches Archiv.] 

Der vor acht Tagen an den Fürstbischof abgesandte Expresse hat die 16. März. 
Nachricht zurückgebracht, dass der Bischof sich die ganze nächste Woche 
über in Coesfeld aufhalte. Bl. wird sich daher morgen dorthin begeben. 

Erwartet im Pnncte der Brüsselschen Gommission des Kf. Ent- 
scheidung. 

Inmittelst hat der Marquis de Grana, dem ichs bekannt gemacht, 
dass ich vermuthlich in der Statischen Schuldsache nach Mecheln reisen 
und bei der Gelegenheit auch hochgem. Grafen de Monterey wol 
sehen und die Beförderung dieser Schuldsache recommandiren dürfte, 
mir sub volante ein Adressschreiben an hochgem. Herrn Grafen zu- 
geschicket und dabei die Stiftung guter Intelligenz zwischen der 
Krön Spanien und Ew. Gh. D. sehr hoch recommandiret, sähe daneben 
auch gerne, dass ich die Reise über Cöln nähme, weil er aus ver- 
schiedenen Sachen mit mir zu communiciren hätte. Ohne Ew. Gh. D. 
gn. speciale Verordnung gedenke ich meinen Weg dahin nicht zu nehmen. 

Sonsten hat man einige Tage in Holland ziemliche gute Hoff- 
nung zu England gehabt. Ich kann aber nicht finden, dass es 
grossen Grund habe, sondern glaube vielmehr, dass England die 
Ruptur mit Holland anfänglich befordern und in puncto der Gom- 
mercien und des Gesags auf das Britannische Meer seinen Vortheil 
aus diesem Krieg suchen, hernacher aber die Hände daraus ziehen 



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112 I« Zar Vorgeschichte des deatsch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

und ehender gegen Frankreich gehen als zusehen werde, das» der 
Staat über einen Haufen geworfen oder in französische Gewalt ge- 
rathen sollte. Zum wenigsten wtirde Frankreich, wann England schon 
anitzo anfinge umzusatteln, auf solch Praesuppositum nicht mehr 
bauen weil wir die Neutralität, so es von Ew. Ch. D. begehret, darauf 
nach wie vor gründen. 

So flattiren sich nun etliche im Staat damit, ob fienge Frankreich 
an, seine Desseins zu ändern und andere Mesures zu nehmen, nach- 
dem Spanien sich durch die neuliche Ratification genugsam vor Holland 
erklärt gehabt; und dass es dahero ehender die Spanische Nieder- 
landen als Uniirte Provinzen angreifen, ja dass es in specie die Stadt 
und Vestung Luxemburg, um dem Rom. Reiche desto näher zu sein, 
belägern, zu solchem Ende seine Völker aus dem Erzstift Coeln theils 
wiederum zurückziehen, auch einigen Vorrath aus denen alda aufge- 
richteten Magazinen veräussern würde. Ich finde aber dieses noch 
weniger als das vorige gegründet, und ist es fast insgemein die Art 
der Holländischen Nation, dass sie sich gar leichtlich Muth machet, 
auch denselben wiederum sehr bald schwinden lasset. Es gehe aber 
Frankreich am ersten auf die Holländer oder auf die Spanier los, so 
stehet doch zu besorgen, dass hiesige Ew. Ch. D. Lande den ersten 
Anstoss und vielleicht den meisten Schaden dabei leiden und 
empfinden werden; wie solches, wann es nöthig, mit mehrem augen- 
scheinlich dargethan und angewiesen werden könnte. 

„Wie nnn, gnädigster Chnrfurst und Herr, bei alsolcher Bewandtniss in 
diesem offenen Ort zn bleiben sehr gefährlich sein wird, bevorab vor Ew. 
Ch. D. Bedienten, also weiss ich fast nicht, wohin ich meine Menage Zeit 
währenden Troublen transferiren boII.*^ 

Zwar haben Ew. Ch. D. hiesigen Dero Vicekanzlem Roms- 
winckel und mir die Haagische Verrichtung dergestalt gn. aufgetragen 
und anvertrauet, dass wir uns von Monat zu Monat oder von Quartal 
zu Quartal abwechseln, unser einer jedesmal in gem. Haag und der 
andere hierselbst Ew. Ch. D. Dienst und Interesse respiciiren sollte. 
Wir haben auch zu dem Ende unser absonderliche Haushaltung noch 
bis auf diese Stunde alda; wir wissen aber nicht, wie sich die Trac- 
taten mit dem Staat schicken werden, weniger ob und welchergestalt 
Ew. Ch. D. gn. wollen, dass wir beide zugleich oder separatim im 
Haag continuiren sollen; und hätte ich meines wenigen Ortes vor- 
berührter Ursachen halber wol unterth. zu bitten, weil an französi- 



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stimmen aus Holland. 113 

sehen Seiten noch zu den bevorstehenden und befahrten Hostilitäten 
allerlei Anstalt tftglieh weiter gemachet wird, zu solchem Zweck auch 
noch gar neulich, vor ein Tag oder 6, abermalen eine Million Bthlr. 
in Neuss ankommen ist, und die Zeit im Felde zu agiren je länger je 
mehr herannahet, dass Ew. Gh. D. gn. Willensmeinung ich wissen möge, 
ob ich im Hage oder wo sonsten in auswärtigen Verrichtungen em- 
plofiret werden oder ob ich mich in hiesigen Quartieren verhalten 
und Dero gn. Befehl unterth. abwarten solle, damit ich mich in Trans- 
ferirung meiner Familie darnach in etwan richten könne. 

„Was Ew. Ob. D. mir sonsten wegen hiesigen Archivi mit des Herrn 
StatthaltersFürstl.On. zn reden mündlich anbefohlen, daraus habe ich bei 
S. Fiirstl. Gn. Absenz mit Dr. Wüsthauss geredet (und berichten wir 
davon absonderlich, woranf mich nnterth. beziehe) *).*' 



P. S. Relation. Dat. Cleve 6./16. März 1672. 

[Umschlag der Meinungen im Haag. Amerongen. Erteilte Information bezüg- 
lich der Clevischen Plätze.] 

„Anch werde ich ans dem Haag berichtet, ob sollte bei vielen Regenten i6. März, 
daselbsten nicht nur zu Evacairnng der Stadt Orsoy sondern anch dazu, 
dass man Ew. Gh. D. wegen der anderen Plätze eine oder andere Satis- 
faction geben möchte, sehr gnte Disposition gewesen, solche Gedanken aber 
bemacher auf die alda einkommenen Advisen, als wenn die Handlung mit 
£w. Cb. D. sich ohne das wol schicken würde, wendig worden und geän- 
dert sein.^ . . . ; dass man auch im gen. Haag das Werk gar andersten 
als dann vorhin und zwar dahin nehme, als wenn Ew. Gh. D. bei 
dem französischen Kriege mehr Interesse hätten als der Staat und 
Ibro dannenhero wol am meisten an des Staats Freundschaft gelegen 
wäre, und habe ich derhalben nicht stille stehen können, hierbei 
unterth. zu erinnern, dass als der Herr von Amerongen von Göln 
nacher Holland reisen und die Abschickung nach Berlin alda befor- 
dern wollen, er sich aber eingebildet, dass vorgem. Glevischer Plätze 
halber ausser Zweifel etwas vorgehen würde, gem. Herr von Ame- 
rongen die Information, was es doch mit solchen Plätzen eigentlich 
f&r eine Beschaffenheit haben möchte, von mir zu haben begehret 



Der Inhalt wird aus S. 123 (oben) ersiehtlich. 

Matex;. t. Oescb. d. G. Kurfuraten. XIIT. 



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114 1. Zar Vorgeschichte dee deatech-fmnsöeischen Krieges. 1671. 1672. 

hätte, inmaaseii ilun aach dieselbe alsbald gegeben worden. Wie 
ich nun fast zweifle, ob man solohe Information bei Ew. Ch. D. zar 
Hand haben werde, dieselbe aber bei den C!onferenzen mit dem Herrn 
yon Amerongen dienen könnte, so werde ich gem. Information aus 
der Niederländischen in Hochdeutscher Sprach übersetzen und Ew. 
Ch. D. bei n&chster Post unterth. zusenden. 



Der KorfUrst an Blaspeil. Kesolution. Dat. Potsdam. 

9./19. März 1672. Conc. F. Meinders. 

(Ebenso an Romswinckel.)*) 

19. März. Erwartet Bericht über die Audienz in Münster. — Bl. hat sich schleu- 
nigst nach Brüssel zubegeben — und was daselbst fttrgehe und wohin 
man auch über die bereits mit dem Staat gemachte und ratificirte Allianz 
inclinire, besten Fleisses zu beobachten, insonderheit aber den Guber- 
nator soviel immer möglich dahin zu bewegen, damit der Kaiserliche 
Hof immer mehr und mehr animirt werde, sich des Werks mit Ernst 
anzunehmen und zu Restabilirung des allgemeinen Friedens eine nach- 
drückliche und vigoureuse Resolution zu ergreifen. 



. Blaspeil. Relation. Dat Cleve 13./23. März 1672. 

[Audienz za Coesfeld. Yeraioherongeo des Faratbischofs.] 

23. März. Ist am 17. März, wie er angekündigt, in Coesfeld gewesen. 

Ob ich zwar nicht andersten vorgegeben, als dass ich hinkommen 
wäre, I. Fttrstl. Gn. nur bloshin aufzuwarten und meiner Zusage, dass 
bei meiner Rttckreise von Berlin ich weiter zusprechen würde, ein 
Gnügen zu thun, so haben I. F. 6n. mich bei meiner Ankunft alsbald, 
und ehe ich mich noch angeben lassen, durch Dero Hofmeistern den 
von Schade im Wirthshause verwillkommen und meiner Protestation 
ungeachtet durch Dero Leibkutsche mit sechs Pferden, so von sechs 
Hellebardierer, acht Heyducken und etliche Lakaien begleitet ward, 
hinauf zu Schloss holen, unten an der Treppe durch die sämmtliche 



*} Der bezügliche Befehl an Rom^wiackel lautete natürlich auf den Haag. 



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Blaspeils Audienz sa Coesfeld. GesinnaogeD d. Müosteres. 115 

Cavaliere, so Btoh bei Hof fuoden, empfangen und also nach dem Oe- 
mach, da ich mein Quartier haben sollte, flihren lassen. Ich habe 
daraus nicht anders abnehmen können, als dass Sie mir diese äusser- 
liche Ehre yornehmlich darum erweisen liessen, damit die Leute so- 
wol in der Stadt Coesfeld als bei Hof daraus abnehmen möchten, dass 
zwischen Ew. Ch. Durchl. und I. F. Ob* annoch eine sehr gute Ver- 
ständnis wäre. 

Folgt eine lange Beschreibung der Audienz. Blas peil ersählt von seinea 
Versuchen, den Fürstbischof zq treffen. Bischof: Domdechant Schmi- 
sing hätte, wenn er nicht bettlägerig geworden wäre, nach Berlin gehen 
sollen, des Kf. Intention zu vernehmen. Er (Bischof) sei der Meinung, dass es 
daranf ankomme sich zunächst über den Modus zu vergleichen, wie solcher 
Zweck (Friede im Reich) am füglichsten zu erreichen. „Sie (F. Qn.) könn- 
ten zwar der Krön Frankreich transitnm innoxinm nicht verwehren, nach- 
dem Ghur-Trier, Chnr-Cöln nnd Andere ihr solches nicht versagt, 
wären auch allenfalls nicht bastant, sich einer solchen Macht, ohne Ihr 
Land und Leute in Hazard nnd höchste Gefahr zu stellen, zu widersetzen; 
hätten aber dieselben nie einnehmen wollen, wie Ghur-Cöln gethan, wür- 
den auch nicht unterlassen, den mit dem Staat gemachten Clevischen Frie- 
den unverbrüchlich zu observiren, ungeachtet Sie davon noch immerhin stark 
bedreuet würden. Sollten Sie nnn davon attaqniret oder Ihro einige Unge- 
legenheit zugefügt werden, so verliessen Sie Sich auf I. Kais. M., Frank- 
reich, Ew. Ch. D. und andere, welche gen. Clevischen Frieden gemacht 
and garantirt hätten. . . ," 



P. S. Dat. Cleve 13./23. März 1672. 

[Kriegaan stalten und Werbungen im Bistum Munster. Franzöusche Comiiiis- 

sarien in Coesfeld. Der Fürstbischof far Frankreich, dessen erster Stoss die 

kfUcben Lande treffen wird.] 

„Auch werden sich Ew. Ch. D. gn. erinnern, dass die ürsach, warum 23. März, 
ich mich zu I. F. Gn. von Münster verfügen sollen, vornemblich diese 
gewesen, dass ich sondiren möchte, wohin 1. F. Gn. eigentlich zieleten nnd 
was Sie für Anstalt macheten. Nnn hatte ich, solches zu erfahren, Ew. Gb. 
D. Richtern zum Hamm zur selben Zeit, als ich zu Coesfeld war, dorthin 
zu erscheinen veranlasset, in Meinung, durch denselben von Einigen, wobei 
ich mich ohne Verdacht selbsten nicht angeben können, auszuforschen, was 
I. F. Gn. für Obristen im Dienst hätten, auch was und wo Sie werben 
Hessen. Das Unglück aber bat gewollt, dass gen. Richter eben mit einem 
Catharren überfallen nnd davon dermassen incommodiret worden, dass er 
sein Hans und Cammer verwahren müssen, derowegen ich mich selbsten, so- 
viel thnnlich gewesen, bemühet ein und anderes zu erfahren, und 

8* 



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116 I* Zur Vorgeschichte des deatsch-fraozösischeD Krieges. 1671. 1672. 

habe ich verooromeo, dass I. F. Gii. weit und breit in- und ausserhalb 
Landes werben und recraitiren lasBcn, dass aber ein Officier von dem 
anderen kaum wisse, dass innerhalb Landes mehrentheils einfache 
Compagnien von Landsassen zu Ross und Fnss geworben würden, 
ohne dass noch znr Zeit bekannt wäre, ob sie unter andere Regimenter 
gestochen 0) oder absonderliche Regimenter davon formiret werden sollten. 
So würden anch alle alte Compagnien mit 15 Mann recrnitiret und der 
Aussohnss in jedem Amte mit einer neoen Compagnie verstärket, dass end- 

M 

lioh die Anstalt auf eine Armee von -^-^ Mann gemachet würde, wenn 

nemblich alle Regimenter und Compagnien, darauf die Patenten ausgetheilet 
wären, complet sein würden." 

Obrist Post passirte am verwicbenen Sonnabend mit einer schönen 
neugeworbenen Compagnie Reuter von 100 Köpfen Coesfeld. „Aach 
fanden sich alda zwei französische Commissarien, so die Ammunition 
und Nothdurft zu den Magazinen einkauften und bestelleten, und als ich von 
dannen wieder zurückreisen wollte, kam ein Obrister aus Lothringen von 
dem Marschall de Cr6quy alda an.'' Dessen Anbringen hat Bl. nicht 
erfahren. 

^I. F. On. macheten zwar Ihre Werbungen selbsten nicht sehr gross 
und sagten mir, dass dieselbe nur bloshin zur Defension Ihres Landes an- 
gesehen wären. Wie ich es aber meiner Einfalt nach begreife, gehen Ihre 
Gedanken viel weiter und dürften mit Frankreich wol eine Linie ziehen. 
Dass England ehestens auf Holland losbrechen würde, stelleten Sie ausser 
allen Zweifel, und ist aus allen Umständen nichts anders abzunehmen als 
dass der erste Effort'^.. sehr gross Fein und die kf liehen Lande am ersten 
und härtesten treffen wird, „bevorab dader Prinz von Cond6 Generalissi- 
mus der Armeen am Rhein sein soll". Hoffentlich wird „der Staat die 
Treue, so Ew. Ch. D. nun wiederum daran erweisen, besser als vormals 
begreifen und erkennen und solches bei gegenwärtiger Handlung in der 
That verspüren lassen'^ 



Relation d. d. Cleve 20./30. März 1672. 

30. Miirz. l^es Kf. Befehl vom 19. März ^) vorgestern mit der Berliner Post er- 
halten. Hat an Romswinckel nach Mors, wo sich dieser aufhält, einen 
Expressen geschickt und ihn ersucht, sich ohne Zeitverlust hierher und von 
da hinunter nach dem Haag zu verfügen. Hoffentlich findet Romswinckel 
„die Qemütcr disponirt, des Kf. billigen Postniatis entgegenzukommen und 
zu consideriren, 

») Original. 
^ S. 114. 



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AuslassQDgeo des Mäusterers. Blaspeil geht nach Brüssel. 117 

1. dass £w. Ch. D. den Staat zu retten und zu Sahiren Ihre west- 
phälische Landen in Gefahr stellen nnd gleichsam daran wagen; 

2. dass Ew. Ch. D. so viele rechtmässige Praetensiones, als Sie wegen 
Dero Clevischer Städte nnd sonsten daran haben, gleichsam übersehen und 
bei Seite setzen; 

3. dass wann die Sachen wol succediren, Ew. Ch. D. für Sich selbsten 
nichts dabei profitiren oder gewinnen können, vielmehr zu Formirung nnd 
Unterhaltung der Armee ein Grosses aus Ihren eigenen Mitteln werden 
beitragen müssen; dahingegen wann es übel ausschlagen möchte, £w. Ch. 
D. zehn, ja zwanzig mal mehr verlieren könnten, als all dasjenige, so der 
Staat an Subsidien und Zuschub geben wird, sich ertragen mag; und was 
dergleichen Motiven mehr sind . . .'' 



Blaspeil. Relation. Dat. Cleve 26. März/5. April 1672. 

[Romswinckel im Haag. Hoefysersche Schaldsache. — Deputation der Stadt 
Wesel. Deren Anbringen und Blaapeils Bescheid.] 

Romswinckel ist abgereist und wird mit nächster Post über die ö- April, 
staatischen Erklärungen referiren. 

Bis. Reise wird „um so weniger Aufsehen machen, als man uns von 
Mecbeln geschrieben, wir möchten doch unausgestellet hinkommen, weil die 
Relation in der Hoefyserschen Schnldsache von dem Referenten völlig ab- 
gelegt, und wir vermuthlich noch vor Ostern Definitivum haben dürften^. 
Er bat es daher für nötig ermessen, „sich mit den Sportulis zu versehen*', 
und daher die Abreise ein Tager vier verzögern müssen. 

Im übrigen, gnädigster ChurfÜrst und Herr, kann ich hiebei 
unterth. nicht verhalten, wasmaBsen die Deputirte der Stadt Wesel 
alhie bei mir gewesen und sehr darüber doliret haben, dass obwol 
nicht allein die gemeine Gerüchte liefen, sondern auch die Briefe aus 
Paris es mit brächten, dass der Prinz von Cond^gem. Stadt am ersten 
attaquiren nnd belagern würde, der Staat dennoch so wenig Sorge 
daf&r trüge, dass er auch noch unlängst einen guten Theil des Garni- 
sons daraus genommen, anstatt dass sie yerhoffet, itzgem. Garnison 
würde sein verstärket geworden; so mangelte es alda auch an grobem 
Geschütz und an allerlei Ammunition, ungeachtet man im Hagen eine 
geraume [Zeit] hero einständigst darum angehalten. 

Auf die Frage der Deputation, wie sich die Bürgerschaft im Falle 
einer Belagerung zu verhalten habe, weist Blaspeil anf das Holländische 
Schutzversprechen hin, schlägt aber zugleich eine Eingabe an die Cleviscbe 



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11g I. Zur Vorgeschichte des deuUch-fraiiBöusohen Krieges. 1671. 1672. 

Regierong zur Kenntoisuahine des Kf. vor. Man bittet ihn, die Angelegeo- 
heit dem Kf. so recommandireD. 

Das Verhalten der Oeneralstaateo ist allerdiogs verdächtig. Während 
sonst noch ^in der jüngst mit Ew. Ch. D. aofgerichteten Defensivallians ver- 
sprochen, alle Clevische Städte, darinnen er (der Staat) seine Oarnisonen hat, 
dergestalt zo versehen, damit dieselbe für allen Ueberfall genugsam versichert 
sein können/ ') so hat er die Garnison ans Wesel zn einem Theile heraus- 
genommen und das Geschütz, ,,6o man einmal nacher Wesel destiniret and 
bereits eingeschifift gehabt^, zoruickgefordert. — Auch das Magazin in Rees 
soll sehr schlecht versehen sein. 



Blaspeil. Relation. Dat. Brössei l./U. April 1672. 

[Seioe Brüsseler Verricbtoog.' Eine Kondgebung des Grafen Mooterey über 
Spanien, Frankreich nnd England. Montereys Fragen. EinquartirtiDg wechsels- 
weise Staatischer and Spanischer Volker in den FesUingen.} 

11. April. Seine Commission an den Spanischen Gouverneur abgelegt Wenig- 
stens die Substanz derselben will er hiermit durch Expressen befördern, 
damit dieser die Berlinische Post in Cleve noch erreiche, und der Kf. acht 
Tage eher die Nachricht habe. 

Graf Monte rey zweifelt nicht, ^es würde I. Kais. Maj. die awischen 
Spanien und Holland gemachte Ligue, welche weiter als auf eine blosse 
Assistenz gieng, mit antreten.** Dazu stimmten die kaiserlichen Erklärungen 
von einer Defension der Spanischen Niederlande, auch die kaiserliche Ordre 
an den Spanischen Botschafter, ferner auch die nachdrückliche Ordre an 
den am kaiserlichen Hofe residirenden Spanischen Botschafter, da dann 
ferner hinzukäme, 

dass der Eron Spanien Intention und Gonsilia dabin gingen, (woran 
dann Ihrer Kaiserl. M. nnd dem ganzen Reich eben so hoch gelegen) 
dasa man mit der Krön Frankreich, so alle Benachbarte nur in Alarm 
hielte, auf unerträgliche Kosten brächte und damit ausmergelte, ein- 
mal einen rechtschaffenen Krieg führen oder einen bessern und be- 
ständigeren Frieden, *als vor wenig Jahren gemacht worden, treffen 
müsse. Hocbgem. Herr Graf füget dabei, dass in Frankreich die 
Gelder schon anfingen zu ermangeln, dass er gewisse Nachricht hätte, 

dass der König keine -jr— M. zusammen ins Feld bringen könnte. 



In dem ratificirten Vertrage findet sich ein solcher Paragraph nicht. 



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Au8föhrlieber Beriekt aber die ÜnlerredoBg mit Monterey. 119 

und dasB unter den Neugeworbenen viele schleehte Eneobte irftnui^ 
woknit wenig wMrde aasznriobten sein; dass England resolviret bfttte, 
mit ibrer Sehiffsflotte nicbt auBsuiaufen, Frankreich bätle dann den 
venproebenen zweiten Termin bezahlet. 

Es folgen Fragen des Gouvernenrs, als er ▼ernommei), es läge an 
den Staaten, dass sie mit dem Kf. noch nicht ^inig seien: 

1. „ob er (MoDterey) die hier anwesende Depntirte wol darüber zn«* 
Bprechen möchte?'' 

2. ;,waDD Frankreich die Stadt Cöln attaquiren oder auch die Stadt 
Neuss mit Macht für sich mainteoiren würde, ob das fiöm. Reich solches 
also zugeben und nichts darwider thnn wollte?^' — worauf Blaspeil repli- 
cirt: das erste zu begehren, sei er nicht beordert; auf das zweite vermöge 
er nicht zu antworten. 

P. S „Oleich wie Staatische Völker in hiesigen Oamisonen gelegt 
werden^ also werden hinwiedernm die Spanische in Staatiseben Städten 
geleget, nnd sollen zu Mastriebt schon einige in der Stadt eingezogen seio.'^ 



Blaspeil. Relation/) Dat. Cleve 1Ö./20. April 1672. 

[Ergänzender Bericht über die Unterredung mitMonterey. Frankreichs Fläoe.] 

In Mecbeln hat er einige der Richter begrüsst, den Präsidenten 20. April. 
aber nicht angetroffen; er ist daher genötigt gewesen ihn zn Brüssel zu 
anehen, „bei welcher Occasion dann auch den Herrn Gaberoatoren zu 
complimentiren und die Mechelsche Sache 3) zu recommandiren ich nicht er- 
mangeln wollen und zugleich ihm meine Commission eröffnet, welche ihm 
sehr angenehm.^^ 

Die erste Vorstellong in genere: Friedensbestrebongeu des Kf. 

Wunsch, dass Kf. nnd Reiehsfürsten mit gutem Beispiel vorangehen. 
Monterey antwortet ebenfalls in generalibus, berührt aber dann den Trac- 
tat zwischen Kf. und den Staaten. Er begehrt zu wissen, worauf es 
damit beruhe. 

Diesea ward aber dergestalt vorgestellet^ daes es fast seUene, ale 
wann die staatisehe Ministers, welche zu Brüssel sein, Ew. Ch. D. 
deshalb beschuldigt hätten; daraus ich Occasion nahm, Ton diesenl 
Punct etwas ausführlicher zu discouriren, und sagte, dass der staatische 
Envojä nunmehr an die drei Monat zu Berlin gewesen, nnd ob zwar 
Ew. Ch. D. Sich alsbald herausgelassen und eine Armee von zwanzig 



^) Zam gröesten Teil chiffrirt. 
*) Die Hoefysersche Schnldeache. 



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120 1- Zur Vorgeschichte 4e8 deatsch-fraDZÖsischen Krieges. 1671. 1672. 

tausend Mann darzustellen sich erboten, nur möchten die Staaten drei 
fünfte Theil davon unterhalten, hätten sie nicht dazu verstehen wollen, 
auch Ew. Gh. D. einige Ihrer Städte wiederzugeben difficultiret; daran 
haftete es annoch. Der Herr, als er nun Ew. Ch. D. Fundamenta 
von mir verstand, konnte sich über der Holländer Art nicht genugsam 
verwundern, improbirte dieselbe und fund Ew. Gh. D. Fostulata der- 
massen billig, dass er sich anbot, sein Werk davon zu machen und 
die Staaten solches einzugehen zu bewegen, wenn ich es begehren 
würde. Ich sagte, darauf keine Ordre dazu zu haben, wüsste aber, 
dass es Ew. Gh. D. sehr angenehm sein würde, wenn Er I. Kais. M. 
zu einer guten Resolution würde disponiren können. Wessen er sich 
nun darauf erkläret, habe ich aus Brüssel unterthänigst berichtet. 

Gespräch über die französis eben Pläne. Monterey meint, „dass Frauk- 
reich lieber alles würde lassen über sich gehen als noch zar Zeit mit Spa- 
nien brechen — weil es wüsste, dass es wider das Interesse der Krön 
England liefe, und dieses eine Gondition wäre, darauf Frankreich mit 
England tractiret. Man wüsste aber auch wol, wie Frankreich Wort 
zu halten pflege, darum er sich wol in Acht nehmen würde. Ew» 
Gh. D. möchten dergleichen thun und sonderlich Ihre Lande in West- 
phalen wol verwahren, weil nichts gewissers als dass Frankreich sich 
davon Meister zu machen suchen würde. Nicht weniger gienge Frank- 
reichs Äugenmerk auf die Stadt Göln, und haben wir weitläufig mit 
einander davon geredet, wie solches etwan möchte zuvorzukommen sein. 

Die französische Armee unter Dac de Cr6qaj sei ,,wol sonderlich 
auf England angesehen, nm dem König aufm Nothfall zu helfen^'. 

Das Recreditif wird Bl. über Hambnrg schicken, wobei er „von der 
Materie der Stadt Göln*^ aasführlicheren Bericht ?erheisst. 



Bald nachdem Blaspeil nach Cleve zurückgekehrt ist, beginnt nuu der 
Krieg. Es erfolgt der Einbruch der Franzosen in das Herzogtum, die 
Erobernng der Rheinfestungen, die Flucht der Glevischen Beamten aus dem 
Lande, wovon die folgende Relation^) fesselnde Mitteilungen bringt. 



*) Dieselbe hat, wenn sie gleich Bekaontes enthält, um ihres lebendigen 
Tones willen hier eine Stelle gefanden. — üeber firoberaog der Rheioplätze vgl. 
die Berichte im Diariom Europaeom XXV. Appeod. 2, 17fgg. 



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Uebergabe der Rhein festiiD gen. Vorstoss der fraozösischeo Armeen. 121 



Blaspeil. Relation. Dat. 's Glavenshage 3. /l 3. Juni 1672. 

[Nachrichten vom Kriegflschäuplatze. Fürstbischof von Strassburg. Schilderang 
der Bedrängnis im Land Cleve]. 

Hat unter dem 26 Mai /5. Juni aas Cleve (Rel. fehlt) die Uebergabe 13. Juni, 
der beiden Plätze Orsoy und Büderich an die Franzosen gemeldet — 
„darinnen aber geirret, als wenn Büderich sich auf eine raisonnable Capita- 
latioD ergeben hätte; denn wie ich hernacher erfahren, hat der König die 
üebergab selbiger und aller anderen Plätze im Clevischen andergestalt nicht 
als aofGnad undUngnad annehmen wollen, inmassen auf die Weise 
die Stadt Wesel noch am selbigen Tag, da ich jenes berichtet habe, 
(Rbeinberg aber auf Gapitulatlon den folgenden Tag) und Rees bald 
darauf sich ergeben haben. Die Bürger sowol als die Miliz werden in den 
meisten eroberten Plätzen ein- und aufgehalten, dass Niemand herausser 
mag, dahero man nicht recht wissen kann, wie sie gehalten werden und 
was die Franzosen damit im Sinne haben. Yielleicht wollen sie zuforderst 
erwarten, was Ew. Ch. D. dem Cavalier, so der König Ihr zugeschicket 
hat, für eine Antwort geben werden." 

Der Fürstbischof von StrassburgO hätte Blaspeils Kommen gern 
gesehen. Bl. hat es abgelehnt und sich damit entschuldigt, dass ohne des 
Kf. expresse Bewilligung er sich nicht anders wohin verfügen dürfe. Alles 
Weitere und des Bischofs Schreiben hat er unbeantwortet gelassen. Das 
Schreiben folgt anbei. Später noch eines, welches ebenfalls folgt (Aul. 
A u. B). 

Soviel BL weiss, ist im Clevischen von allen Festungen Emmerich 
der einzige Ort, der noch nicht in den Händen der Franzosen ist. Das 
hat aber seinen Grund darin, „dass etwan ein oder zwei Stunden vorher, 
als sie diesen Platz attaqniren wollen, die Staatische Miliz ausgezogen und 
35 Mann aus Calcar den Ort wieder besetzt haben (wovon Ew. Ch. D. 
die Particularitaeten zweifelsohn anderen Orts her unterth. werden hinter- 
bracht sein); wodurch denn nicht wenig Ungelegenheit abgewendet worden, 
indem nicht nur rings umher an beiden Seiten Rheins, wo sich sonsten die 
französischen Läger würden hingeschlagen haben, die Bauersleute und das 
Getreidig auf den Aeckern noch einigermassen conserviret worden, sondern 
es continuiren nun auch annoch die Evangelische so Lutherischer als Re- 
formirter Religion in denen bis daher eingehabten Kirchen; ob aber und wie 
lange Frankreich diese Stadt in diesem Zustande lassen werde, ist wol un- 



') Franz Egon von Füratenberg. Mit ihm hatte Bl. im letzten Herbat 
von Cöln aus wiederholt verhandelt. „Ich habe spuren können, dass S. F. Gn. 
von Münster mit dem Herrn Bischof von Strassburg ziemlich einig, und . 
wird es hart halten Dieselbe zn versetzen oder anf andere Gedanken zu bringen* 
(Blaspeil an Kf. d. d. 24. Nvbr. 1B71). Vgl. dessen Briefe an Schwerin unten 
8.127fgg. 



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122 I* Zar VorgeschichU des deoUch*f^«D8dti8cbeD Krioget. 1671. 1672. 

gewiss, und möchte ich wünschen, £w. Ch. D. b&tten ein tausend Mann 
vier oder fünf darein und setzten aldorten und zo Galcar einen festem Foes, 
so möchte sich alles übrige mit der Zeit auch schicken. 

Die französische Armeen an beiden Seiten Rheins marchiren indessen 
weiter und weiter hinunter und erwartet man t&glich, wie es mit der 
Schenkenschanz, Nymwegen und anderen Plätzen an dem Maas- 
Waal- und Tsselstrom ablaufen, und wie die Franzosen sich mit den 
Unterthanen und Eingesessenen dieser Provinzen verbalteu werden. In 
der Gegend von Rees sind den Cleviscben Unterthanen an die 4000 Stück 
Kühe und Rinder weggenommen, soll aber mebrentheils durch die Münste- 
rische geschehen sein.** 

Was nun dieser so unerhörter geschwinder und glücklicher Progress 
der Fra'nzösischen Waflfen, iudem der König beinahe in vier oder fünf 
Tagen Zeits alle Vestungen im Cleviscben erobert und sich dadurch gleich- 
sam Meister vom ganzen Herzogthum gemachet, für einen Alarm nnd 
Schrecken bei allen und jeden Unterthanen und Einwohnern verursachet 
hat, ist mit keiner Feder zu beschreiben. Alles was nur gekonnt, hat an- 
gefangen sich zu retiriren aus Beisorge, die Franzosen möchten sich ihrer 
ermächtigen nnd solange, bis sie Ew. Ch. D. eigentliche Resolution nnd 
Erklärung hätten, aufhalten und übel tractiren. 

Ich meines wenigen Orts bin zwar von allen Räthen, ans Noth, der 
letzter gewesen, so sich von Cleve begeben, weil meine Eheliebsr« am 
selbigen Tag, da sie aufbrechen wollen, in die Wochen kommen. Sobald 
ich aber vernommen, dass auch die Stadt Wesel sich ergeben, habe ich 
mich mit der Kindsbetterin und Kinder von Cleve weggemacht, nachdem 
vorher bei der Canzley und unter deren Bedienten, so aus Mangel entweder 
nötiger Reisemittel oder anderer Gelegenheit bleiben mussten, eine nnd 
andere Anordnung, wie sie sich auf einen oder anderen Fall zu verhalten, 
gemacht und hinterlassen worden. 

Indem ich dieses schreibe, bekomme ich Nachricht, dass die Franzosen 
ebenso wol in Emmerich als Rees sein, muss dahero fast daran zweifeln, 
ob die 35 Mann aus Calcar, die Possession davon in Behuf Ew. Ch. D. 
zu nehmen, hineingeschicket oder frühe genug angelangt oder von Frank- 
reich respectiret sein, und wird mir dabei geschrieben, dass auch fast alle 
Magistratspersonen die Stadt Cleve verlassen haben, also dass keine Ordre 
mehr darinnen sei. Ich habe einen Canonicum von Cranenburg Stalpart 
genannt, welcher einige Jahre des kaiserlichen Ministri Friquets Capellan 
gewesen und uns in verschiedenen Gelegenheiten viele Dienste erwiesen hat, 
darum dass ihm die französische Sprach und Hnmoren Ziemlichermassen 
bekannt sein, dahin disponiret, dass er sich bei währenden itzigen Troublen 
zu Cleve aufhält und dasjenige, was Ew. Ch. D. angebet, soviele thunlich 
in Acht nimmt und Sorge dafür trägt. Derselbe schreibt mir vom l./ll. 
hnj., als der Mareschal de Tureniie mit etwan 10 000 zu Pferde vorbei die 
Stadt Cleve an der Linden passiret, dass er zu ihm geritten, ihn namens 
der Regierung complimentiret und anneben was in der Stadt an Vivres 



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Sebrecken und BedräDgnis im Lande Cleve. Verlegenbeit d. Rate. 123 

io Vorrath wäre praesentiret hätte, welches der Marschall sehr wol aaf- 
genommeD ond ihm Dank dafür gesaget hätte. — Ewrer Gh. D. haben DeroRatfa 
Wüsthaus Qod ich hiebevorn schon berichtet^), wie wir es mit dem ArchiTO 
zu halten gemeinet, welches anch also geschehen. Glciohergestalt sein die 
vornembste Nachricht nngen ans der Cammerregistratnr in ein Schiff gethan 
und dem Amts-Gammer-Secreiario und Registratori Schlechtenthal an- 
vertrauet, welcher uebens meinem Schiff binnuter gefahren und sich solange 
mit den Schriften aufs Wasser yerhalten wird, bis man einen Ort weiss, 
wo sie wol verwahrlich und in Sicherheit hingebracht werden können. 

Dieses, gnädigster Kurfürst und Herr, ist nngefähr der itziger Zustand 
Dero Herzogthnms Gleve, und wissen diejenige, welche auf solche Weise 
Hans, Hof und alles verlassen müssen, wol nicht, ob und wann sie wieder 
dazu kommen werden. Wie beschwerlich nun und mit wie vielen Sendern 
und Thränen denen Meisten diese Flucht ankommen sei, ist kaum auszu- 
reden. — Die Freiherren von Heiden und Lottnm sind nach Her- 
zogenbnsch, der von Hüchtebrnch nach Gampen, der von Morrien zu 
Galbeck nach Yenloo, der von der Reck mit etlichen Jnstizräthen, Secre- 
tarien und Rechenmeistern nach Bommel, andere verschiedene Räthe nach 
Dordrecht, und in summa der eine hierhin, der andere dorthin geflüchtet 
Ich habe keinen anderen Ort zu erwählen gewusst als diesen, weil anitzo 
meine Vices sind, £w. Ch. D. Angelegenheiten dieser Endes zu respiciiren. 
Die meisten haben zwar ihre vornembste Mobilien mit in diesen Quartieren 
salviret; geschiebet aber den Franzosen nicht bald ein guter nachdrücklicher 
Widerstand, so möchten dieselbe dieser Oerter weniger als im Glevischen 
sicher und verwahret sein. 

Der Pöbel ist Meister und kann derselbe leichtlich gegen die Geflüchtete 
aufgewiegelt und angehetset werden, dass sie weder ihres Lebens noch 
Güter versichert sein, insonderheit wann sie sollten vermeinen oder ihnen 
ins Haupt gebracht werden, dass Ew. Gh. D. sich des Staats nicht genug 
aaaähmen, worüber dann unserer etlich albereits Viele murmuriren und 
leichtfertige Worte hören, dieselbe aber mit Geduld verschmersen müssen. 
— So laufen wir auch an der anderen Seite Gefahr, dass Frankreich, wenn 
es mit Ew. Gh. D. Erklärung und Condnite nicht zufrieden wäre, uns 
rappelliren, das Acbivum haben wollen, und wo wir nicht erscheinen noch 
pariren würden, unsere Güter confisciren und in Feuer und Rauch aufgehen 
lassen möchte. Wir setzen unser Vertrauen nächst Gott auf Ew. Gh. D., 
den Allerhöchsten bittend, Er Deroselben solche Gedanken von oben 
herab inspiriren wolle, wodurch Dero Lande nnd Leute conserviret und 
wir bald wieder zu denen Unsrigen gelangen mögen. Es sind einige gnä- 
digste Rescripte von Ew. Gh. D. einkommen, und werden der Vicekanzler 
Romswinckel nnd ich die nächstbeigesessenen Räthe hierhin veranlassen, 
mit denenselben die Rescripta vornehmen und darinnen thun, was Ew. Gh. 
D. Dienst und dieser Zeiten Zustand erfordern und zugeben werden. 



») Oben S. 113. 



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124 I< 2^ur Vorgeschichte dee deutech-französischen Krieges. 1671. 1672. 

Endlich sind gem. Romswiockel and ich entschlosBen, nachdem durch 
obberührte Eroberang aller Vestongen im Clevischen die Sachen in einen 
andern Stand gerathen sind^ mit einigen von hiesigen Regenten darans zn 
reden und zn conferiren, nm von ihnen zu vernehmen, wie sie vermeinen, 
dass nunmehr die Sachen anzugreifen sein, und werden nicht nachlassen, 
£w. Ch. D. mit nächstem alles getreulich unterth. zu hinterbringen. 

Von dem Durchbrechen der Franzosen in die Betuwe, Eroberung der 
Stadt GroI und dergl. mehr berichtet der Secretarius Campmanu.^ 

11. JuDi. P. S. Dat. Haag 4./14. Juni. Das Gerücht, dass der König von Frank- 
reich in Oleve auf dem Sch!oss übernachtet habe, bestätigt sich nicht. Er bat 
bisher in keine Stadt kommen wollen, sondern überall Zelte aufschlagen 
lassen und in den Zelten Quartier genommen. Nach diesen jüngsten Cle- 
vischen Briefen sei er verwichenen Freitag Nacht in Rees, die folgenden 
Nächte in Emmerich gewesen. Auch dies wird wol grundloses Gerede sein. 

^Sogleich da die Post abgehen will, kommt Zeitung, als sollte des 
Prinzen von Oranien Hoheit die Französische Tronppes, welche vor* 
gestern Nacht unter Lobith durch den Rhein in die Betnwe eingebrochen ')9 
wiederum zurückpassiret und geschlagen haben; ob dem also, wird man 
bald vernehmen.^ 



A 11 1 a g e n. 

A. 

Fürstbischof Franz Egon von Strassburg an Blaspeil. Dat. 

Heideck 6. Juni 1672. 

6. Juni. Fest bcHonderfi Lieber. Derselbe wird zweifelsohne vernommen 

haben, wie es zu Orsoy, Wesel und BOderich ergangen. Gott ist be- 
kannt, wie eifrig ich cooperiret — und werden es die armen Bürger 
Selbsten Zeugnis geben — damit sie nit gebrennt und geplündert. 
Inmittels bezeugt der König grosse Inclination, mit des Herrn Ghnr- 
fürsten zu Brandenburg Ld. in guter Verständnis zu stehen, schicket 
zu dem Ende heut einen Gavalier') expresse zu Deroselben, um zu 
wissen, ob Dieselbe neutral oder gegen Dieselbe oder mit Ihro be- 
ständig zu verbleiben deelariren, also dass Wir dafür halten das beste 
zu sein, dass Sie es mit dem grössten Haufen halten, damit Sie Dero 



') Der vielverherrlichte Rheinübergang vom 12. Juni. Die Berichte Roms- 
wiuckels aus dem Haag sind reich an Nachrichten vom französisch-Diederländischen 
Kriegsschanplatz. Dieselben bedürfen jedoch keiner Aufnahme in die Urk. u. Act. 

^ Vauguion. Oben S. 85. 



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Wie der Strassburger die Lage aaffasst. 125 

Land und Leute umsonst wieder bekommen mögen. Uns würde ab- 
sonderlich lieb sein, wann Derselbe Sich zu Uns anhero begeben 
könnte, angesehen Wir zweifeln, ob Deroselbe Uns alhier finden werde, 
weilen man diese Nacht und heut kein Sehiessen mehr höret, also dass 
Wir verhoflFen, Rheinberg werde den Weselschen Accord acceptiret haben. 
Und wir bleiben demselben mit Gnaden beigethan. 



B. 

Fürstbischof Franz Egon von Strassburg an Blaspeil. Dat. 

Alpen 9. Juni 1672. 

Demselben berichten Wir, gleich Er auch ander wärtig, her ver- 9. juni. 
nommen haben wird, dass dieser Endes noch alles wol hergehet und 
in gutem Stand ist, auch von des Herrn GhurfUrsten zu Brandenburg 
Ld. alleinig dependiret, Ihre Land und Leute zu recuperiren, zumal 
nunmehr alles bis auf die Schenkenschanz und das Genneper Haus in 
Königlich französischen Händen. Wir sind wol recht k propos kom- 
men und also mit befördern helfen^ dass die Königliche Völker die 
Einwohner der Städte Rees und Emmerich nit Qbel tractiret sondern 
solchen Accord gegeben und in Protection genommen, wie sie es ver- 
langet, auch bei ihren Privilegien zu mainteniren versprochen, unan- 
gesehen doch der Garnison sich auf des Königs Discretion und als 
Prisonnier de guerre ergeben. 

Unterdessen wird hoffentlich vorhöchstgem. Herrn Churfürst zu 
Brandenburg Ld. und männiglich spüren, dass Gott der Allmächtig 
dieses Wesen sonderlich segnet, um dadurch gegentheiligen Hochmuth 
zu dämpfen. Wir haben alles treulich vorgesagt. Hätten S. Ld. 
Unserm geringen Rath gefolget, so würden Sie vielleicht in ein und 
anderem mehrers Satisfaction erhalten und die Plätze in ihren Händen 
haben. Wir erbieten Uns, alles dasjenige zu befürdern, was Wir und 
immermehr zu S. Ld. und Dero Landen Besten thun und praestiren 
können; und weil Wir übermorgen, geliebts Gott, zu Emmerich, 
Wesel oder der Ends sein werden, so würde Uns absonderlich lieb 
sein, wann Wir Ihn daselbst sprechen könnten. Morgen werden Wir, 
geliebts Gott, in Unseres lieben Brüdern Prinz Mauriz^) Behausung 



*} Der Statthalter von Cleve. 



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126 ^' 2^"r Yorgesokiehte des d^utoch-franzosiBohen Krieges. 1671. 1672. 

zu Wesel PoggesBion nehmen and seine Gerandheit alda trinken, 
Vorgem. Prinz Mauriz hat Uns uniftngst verwiesen, dass Wir gewettet 
haben sollen, in sechs Wochen wtirden alle diese Oerter fiber sein. 
Es ist ja in Wahrheit also, und sind gem. PUtze gleichsam in 6 Tagen 
emportiret worden. 

Gestern und heutigen Vormittag hat man zu Grol stark cano- 
niret, weil aber seiter heut Nachmittag um 2 Uhren nichts mehrers 
gehört worden, so glaubt man diesseits, dass der Ort entweder mit 
Sturm übergangen und sonsten zu capituliren angefangen. Schliesslich 
wäre jetzo die rechte Zeit, wenn einer oder ander aus dem Reich 
sich fttr Holland declariren wollte. 

Wir vermeinen aber besser zu sein, dasg man beim groggen 
Haufen bleiben, die Beute mit theilen und dahin cooperiren verhelfe, 
dass in Zeiten Fried gemachet werde, und Wir sind Demselben mit 
gn. Willen wol beigethan. 



Der Kurfürst an Blaspeil. 

Dat. Coelln a. Sp. 12./22. Juni 1672. 

22. Juni. Bl. wird ermächtigt sich zam Fürstbischof von Strassbnrg zu fer» 
fügen, aber erst nach genommener Rücksprache mit den staatischen Regenten. 



Diese Reise kommt nicht zur Ansführnng. Blaspeil bleibt im Haag. 
In der zweiten Hälfte Aagast begiebt er sich auf Wnnsch des Pfalznen- 
bargischen VicekanzUrs Stratman (laut Schreiben d. d. 's Oravenhage 
6/16. August 1672) nach Cleve, um dort mit Str. za Yerhandeln, ehe dieser 
die ihm aufgetragene Qesandtschaft an den Kf. antritt. Dieser Besprechung 
war die Entrevne') zwischen König Ludwig XIV. und dem 
Pfalzgrafen von Nenbnrg und dessen Nentralitätsvertrag ') mit Frank- 
reich vorangegangen: ^anf solchen Fnss nnd mit solchen Bedingnissen, als 
Ew. Ch. D. Selbsten gerathen nnd gn. gntgefanden hätten.^ (d. d. Cleve 
14./24 Augost 1672.) 



^) Za RavensteiD. Vgl. das Schreiben d. d. Düsseldorf 2. Angust 1672. 
Correspondenz mit Pfalsneuburg unten. 

») Vom 7. Juli 1672. Zeitschrift für Bayern, Jhrgg. 1816, IV, 200. 



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KoQdgelraogen d. Forttbiscbofs v. Strassburg in d. GoloiaelMD Sache. 127 



b. Schriftwechsel Kurbrandenburgs mit den französischen 

Alliirten. 

Fürstbischof Franz Egon von Strassbarg an den Freiherrn 
von Schwerin. Dat. Brühl 12. December 1671. 

[Die Sadt Colo ist nicht zn bewegen, die Erklärung des Kurfürsten zu accep- 

tiren. Auch die von Munster angegebenen VorBchläge sind nicht genehm. Des 

Kurfürsten Sicherheit womöglich gefihrdet. — Was von Amerongen und Bam- 

pbield bekannt geworden.] 

Wir haben immerzu verhoflft gehabt, Wir würden Demselben bei 12. Dec. 
dieser Ordinarii haben beriehten k^nen, wie dass alles mit der Stadt 
CSln verglichen und beigelegt, bevorab da Ghur- Brandenburg sowol 
als auch Ghur-Mainz und Trier, ja mftnniglich, so die Churfarstliche 
endliche Erkl&rung gesehen, selbe approbirt. Dannoch aber so ist 
die Stadt, selbige zu acceptiren, nit zu bewegen, weil man dafOr 
haltet, dass die Herren Kreis- Deputirte, absonderlich der Chur-Bran- 
denbnrgischer Geheime Rath Blaspeil der Stadt nit, wie es dies Orts 
verlangt und aufgegeben wird,' zuspricht sondern vielmehr in allem 
Beifall giebt und die Ghurfttrstliche erhaltene Befehle in Favor der 
Stadt auslegen will; und bestehen halt die Hauptdifficultäten darin, 
dass die Sache zu Göln instruirt werden solle, so man dies Orts da- 
rum suchet, weil man an seit der Stadt genugsam erweiset, dass man 
allein Verzögerung suchet, und dies Orts aber hingegen bald gern 
draus wäre, indem man sich gleicbwol seines habenden Rechtens so 
weit begeben muss, dass hiesiger Herr Ghur fürst auf die bei dem 
seinigen sich zu manuteniren habende Privilegia durante Processu 
renuntiirt; inmittelst die Stadt mit ihren Eingriffen immerzu continuirt 
and die Sache nacher Speyer, um alda die Brief zu tragen, verweiset. 
Dieses aber hat man den Ereis-Deputirten gestern ins Mittel gebracht 
uud vorgeschlagen, dass man endlich zu Instruirung der Sache eine 
uehere Zeit benennen solle, Welche dann auch in den Reichs- Abschie- 
den also schon versehen, und dann, dass das Kammergericht zu Speyer 
zwei Unparteiischen Gommissionem geben könnte, so die Sach zu 



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128 I- Zur Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

Cöln mit Assumption vier unparteiischer bewährter Recbtsgelehrter 
vornehme, so ohne das bräuchlich und öfters geschieht, ohnangesehen 
des Herrn Ghur fürst en Vorschlag also beschaffen, dass die Stadt 
dabei im geringsten nit befahrt sein kann, weil sie sowol ihre Syn- 
dicos als Bürgermeister, und wen sie wollen, dazu nehmen können, 
also dass sie Ghur-Göln Ld. pari gehen. Es ist ihnen aber, gleich man 
aus allem abnimmt, nichts recht, wo man die Sache auch angreife. 

Zweitens können sie die Benennung der Zeit, wann das Wesen 
ausgemacht werden solle, nit vertragen, sondern wollen, dass der 
Richter die Terminos in infinitum nach Belieben verzögern und er- 
theilen möge, welches dann sich also leichtlich begeben könnte, indem 
wir Exempla haben, dass hiesigen Erzstifts Clerus mit dem Magistrat 
der Imposten halber 130 Jahre in Disput, 60 und mehr Jahre in sub- 
missis stehet; und als mau nun einen Expressen vor einem Jahr nacher 
Speyer hinaufgeschickt, um diesen Process zu völliger Endschaft zu 
soUicitiren, ist zur Antwort gegeben worden: es sei noch nit de tem- 
pore. Eben auf diese Weise könnte es auch mit dieser Sache er- 
gehen. Nun wollen darauf sowol die Kreis-Deputirte als auch des 
Herrn Bischof von Münster Ld. ohnverrichter Sach wieder abreisen, 
und treiben hingegen die Herren General -Staaten bei dem Magistrat 
darauf, noch mehrere Völker in die Stadt zu bringen, wie denn die 
Brembtische und Beverwertische Regimenter schon zur Abmarche 
in Bereitschaft stehen, nebens 5 Regimenter zu Pferd, um die Infanterie 
zu convoyiren, wie denn auch 50 Gompagnien Spanische Völker, um 
eine Diversion zu machen, in der Nähe stehen. 

Derselbe kann nit glauben, was grosse Partialität, wie hiesiger 
Herr Ghur fürst berichtet wird, bevorab bei den Kreis- Deputirten, 
für die Stadt bezeigt wird. Dahero denn auch Dieselbe gezwungen 
werden, zu mehrerer Ihrer Sicherheit Hilfe zu suchen, so sonsten nit 
geschehen sein würde; denn es würde ja hiesiger Herr Ghurfürst 
Ld. in Dero eigener Residenz nicht sicher sein, wenn Sie in der Stadt 
Göln solche Garnison leiden sollte. Man hat ja dies Orts nichts er- 
winden lassen sondern alles, was nur mensch- und möglich gewesen, 
und noch mehreres als begehret worden nachgegeben und in Puncto 
Securitatis für die Stadt alles resolviret, wie sie es verlangt, der 
Kreis sich auch zur Garantie und Versicherung offerirt Wa6 hat die 
Stadt sich dann zu besorgen und Ursach, mehrere fremde Völker ein- 
zunehmen? Wir besorgen aber, die Stadt oder Theils derselben sein 



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Des Bischofs v. Strassbarg Klagen über die Stadt Golo a. d. Ereisdepatirten. 129 

ZU weit engagirt, wie denn der Herr von Amerongen dem ein- 
langenden Bericht nach mit 100 Mille Reichsthaler, um selbige bei 
der Stadt unter Einige zu spendiren, ehestens zu Göln wieder anlangen 
solle'}. Es haben sonsten die tiberschickten Staffetten und Befehle von 
Chur-Brandenburgs Ld. bei den Ihrigen wenig verholfen. Uns wird 
auch aller Orten sehr die Versicherung gegeben, dass yorm End der 
andern Woche die Staatische Völker nach der Stadt marcbiren, auch 
einige andere Anschlag gegen Uns obhanden sein sollen. Wie denn 
der Obrist Bamphield selbst hin und wieder schreibt, dass er seinen 
Kopf zu Pfand setzen will, dass er die Völker in die Stadt Göln 
bringen und einnehmen machen wolle; so wir Demselben nit verhalten 
wollen . . . 



Fürstbischof Franz Egon von Strassbarg an den Frhrm. 
V. Schwerin. Dat. Brühl d. 22. December 1671. 

[Beschwerde über die von Blaspeil abgelegte Eurbrandenburgische Proposition.] 

Soviel aber die auf des Blas peil gethane Proposition dieser 22. Dec. 
Seite ertheilte Resolution anlangen thut, möchten Wir wünschen, dass 
Wir die eigentliche Intention des Herrn Churfürsten zu Branden- 
burg Ld. so wol damalen gewusst hätten, als maus au^ diesem letz- 
teren Schreiben, auf welches Wir mit verwichener Post geantwortet 
haben, abnehmen können, so würde die Gegenerklärung auf eine 
andere Weise eingerichtet worden sein, obschon man diesseits, die 
Wahrheit zu melden, nit sieht, was sie härteres in sich haltet als die 
Proposition, worauf sie gegründet ist. Denn Wir lassen Denselben 
seinem wol erleuchten Verstand nach judiciren, ob gem. Proposition 
wann sie in der Staaten Hände gerathen sollte, nicht genugsam Ur- 
sach geben könnte Uns unter dem Praetext einer Partialität anzu- 
gi*eifen, dann Wir hingegen Unserer Seits nichts zu thun noch in 
dem geringsten vorzunehmen gedenken, welches des Herrn Chur- 
fürsten zu Brandenburg Ld. billigmässigen Anlass geben könne 
Sich gegen Uns zu beschweren. Derselbe meldet, beide Herren Chur- 
fürsten zu Cöln und Brandenburg versiren nicht in gleichen Ter- 



1) Auf seiner GeaandtBchafUreite ao den Berliner Hof. Vgl Eioleitaog 
S. 10. 

Haler, i. Qeacli. d. Q. Kurfuxiteo. Xm. 9 



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130 I* Zar Vorgeschichte des deatsch-firaDEosischen Krieges. 1671. 1672. 

minis. Er wird Uns aber erlauben zu sagen, dass Wir den Frieden 
nicht weniger hier denn zu Berlin verlangen, auch nit wol begreifen 
können, warum des Herrn Churfttrsten zu Brandenburg Ld. 
mehrere Ursach haben sollen einigen Gewalt zu besorgen denn hie- 
siger Herr Churfürst, welcher ja dergleichen vor Augen hat. Die 
starke Negotiationes der Herren General-Staaten, um das Accommode- 
ment mit der Stadt Cöln zu verhindern, geben solches an Tag, zumalen 
es gewisslich nicht geschieht, um den Krieg aus diesen Landen zu 
halten, aber wol, da möglich, von sich abzuwälzen. Wir ersuchen 
Denselben freundlichst gn., Er wolle doch bei sich selbsten ermessen, 
ob des Herrn GhurfBrsten zu Cöln Ld. von Seinem gn. Herrn mit 
mehrerem Fug könnte verdacht werden, wann Sie auch schon die 
Stadt Rheinberg als das Ihrige suchen und (dazu jedoch Dieselbe bis 
herzu noch nit resolvirt gewesen) belagern sollten, als wann von des 
Herrn Churftlrsten zu Brandenburg Ld. Frankreich verwehrt 
werden wollte seine Feinde in den Churbrandenburgischen Städten 
anzugreifen, welches diesem Erzstift weit mehrere Ungelegenheit und 
Schaden nach sich ziehen würde, denn des Herrn Churfürsten zu 
Brandenburg Ld. Lande, wann Wir die in Unserem Land gelegene 
Stadt Rheinberg belägern sollten, empfinden dürften. 

Wir können dahero nit wol urteilen, dass man eben so sehr befugte 
Ursach habe sich auf selbigen Fall vorzubehalten, an dem Herrn Chur- 
fttrsten von Cöln zu erholen, was dieserhalb für Schaden dem Lande 
von Cleve könnte zugefttgt werden, zumalen dann auch dasjenige, so 
in Unserer Resolution enthalten, fttr keine Bedrohung kann aufgenom- 
men werden, wenn man nit haben will, dass dasjenige, so von Chur- 
Brandenburg seither vorgangen, nicht eben massig dafür solle ge- 
halten werde. P. S. Betrifft Durchmarsch 5 Kcöluischer Compagnien 
(ans dem Hildesheimischen) durch das Märkische. 



Fürstbischof Franz Egon von Strassburg an den Frhrrn. 
V. Schwerin. Dat. Brühl 5. Januar 1672. 

[Nochmalige Beschwerde and Rechtfertigung. Pompoones Rückkehr aus Schweden]. 
1672. 

5. Jan. Obzwar Wir grosse Ursach gehabt haben nit allein den Chur- 

brandenburgischen Geheimen Rath Blaspeil sondern auch andere 
Deputirte der Stadt-Gölnischen Sachen suspect zu halten, weil uneracht, 



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Beschwerde über die RurbrandeDburgische Proposition. 131 

dass man Chur-Gölnisehen Tbeils fast alles was verlangt worden nach- 
gegeben, die Stadt gleich wol nichts eingehen wollen, so sind doch 
Wir'nunmehr nach eingenommenem genügsamen Bericht, soviel ob- 
gem. Blaspeil angehet, einer anderen Meinung, hoffen auch, dass, 
nachdem anitzo der Vergleich unterschrieben, am künftigen Freitag 
die Ratificationes ausgewechselt, auch an Seiten äer Stadt Göln alles 
exequiret und die Holländische Völker hinausgeschafft 'werden sollen, 
wie Wir denn Unserer Seits mehrgem. Stadt gewisslich wider den 
getroffenen Vergleich in dem geringsten nichts zumuthen noch dem- 
selben contraveniren werden; weil aber fast stündlich aus Holland 
solche Avisen zukommen, die Uns nicht geringe Sorge und Nachdenken 
verursachen, ja wider Unsern Willen benöthigen mehrere Mannschaft 
an Uns zu ziehen, so haben Wir nicht unterlassen wollen, Demselben 
in hergebrachtem Vertrauen hiermit zu berichten, dass höchstgem. 
Herrn Churfürsten Ld. drei bis vier Tausend Mann zu Ross und 
Fuss von der Krön Frankreich vermöge der im Jahre 1669 mit Ihro ge- 
troffenen Alliance an Sich zu ziehen, in Dero Pflichten zu nehmen und 
in Dero Erzstift in wenig Tagen zu verlegen entschlossen, und er- 
suchen nun Wir Denselben zugleich gn., des Herrn Churfürsten zu 
Brandenburg Ld. davon zu informiren und annebenst zu versichern, 
dass dadurch Niemandem der geringste Anlass zur Feindseligkeit ge- 
geben, viel weniger den benachbarten Chur- und Fürsten einige Un- 
gelegenheit zugefftgt werden solle. 

Die von hiesigem Herrn Churflirsten auf verm. Blaspeil Propo- 
sition ertheilte Besolution betreffend, lassen Wir Ihn selbst vernünftig 
erkennen, ob eine andere Antwort hätte erfolgen können; dafern 
man es aber Ghur-Brandenburgischen Theils bei der vertraulichen 
Communication und Gonferenz gelassen hätte, würde man sicherlich 
alle Satisfaction erhalten und gesehen haben, dass man diesseits nichts 
als Friede, Ruhe und gute Verständnis suche und sich an die Biele- 
feldische Alliance zu halten gedenke, inmassen man sich dann bei der 
zu Eendenich') gehaltenen Gonferenz zu aller Vortrefflichkeit und 
annebenst, da man mit anderen in keiner Offensive- sondern allein' 
Defensive-Bündniss begriffen, dahin erboten, dass, wenn an einem 
oder andern einig Engagement gewonnen würde, man solches den 
übrigen eröffnen wollte. Wir wissen dahero nicht, wie man sich ver- 
treulicher bezeigen sollte, der Hoffnung lebend, man werde hinführo 



J) Dorf im Kr. CöId. 

9* 



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132 I- Zar Vorgetcbichte des deatscb-französischen Krieges. 1671. 1672. 

besser zusammenstehen, zumalen solches die Noth erfordert, und wird 
Er sich auch annoch erinnern, was Unsers Brüderlichen Prinz Wil- 
helmen Ld. bei seiner jttngsten Anwesenheit zu Berlin in Vertrauen 
communieirt hat 

Nachrichten ans Schweden. ^Obschon Pomponoe wider Hoffnung 
von Hambarg io der Stille hier vorbei, ohne bei einigen Chur- and Fürstlichen 
Höfen anzusprechen, grad nach Paris verreiset, so haben Wir dannoch an- 
derwärts so viel vernommen, dass seine Negotiation sehr avantageose für 
Frankreich aasgefallen, aber gewisser erheblicher Ursachen halber auf eine 
Zeit lang annoch in geheim gehalten werden solle. Als viel aber die Krön 
England betrifft, glauben Wir nicht, dass dieselbe 6 Wochen oder läng- 
stens 2 Monat nicht anstehen lassen werden, der Repablik von Holland 
den Krieg anzakünden, welches aber Derselbe in höchstem geheim zu halten 
belieben wolle.^ P. S. (eigenhändig) „Ans Polen wollen d. Zeitungen 
nicht znm bcBten lanten.^ 



• Kurfttrst Maximilian Heinrich von Cöln an den Karftirsten. 
Dat Bonn 12. Januar 1672. 

[Einbrach staatischer Völker zu erwarten. Zweck der von Karcola an sich ge- 
sogenen französiscbeo Trappen.] 

12. Jan. Wir mögen Ew. Ld. in hergebrachtem Vertrauen nicht verhalten, 

wasgestalt uneraehtet des aujetzo getroffenen und ratificirten Stadt- 
Gölnisehen Vergleichs die Staaten von Holland deren Völker nicht 
allein auf Unseres Erzstifts Grenzen liegen, sondern dieselbe noch 
mehrers verstärken lassen, dieselbe auch, dem unter ged. Völkern 
gehenden Gespräch nach, ehist in Unsern Erzstift einen feindlichen 
Einfall zu thun gemeint sein. 

Nun müssen Wir diesen Zeitungen um so viel mehrers Glauben 
beimessen, weil nicht allein erm. Staaten sich bisherzu äusserst be- 
mühet, das Bamphieldische Regiment in erm. Unserer Stadt Cöln 
zu behalten und darüber noch mehrere Völker hineinzubringen, son- 
dern Wir auch von unverdächtigen und gewissen Orten berichtet und 
gewarnet sind. Uns deshalb wol in Obacht zu nehmen; und haben 
Wir Uns dahero genothigt befunden, nicht allein Unsere wegen ge- 
dachter Stadt- Cölnischen Streitigkeiten auf die Beine gebrachte 
Völker ferner zu behalten sondern auch noch mehrere von Un- 
seren Mitalliirten, absonderlich der Eron Frankreich, vermög der 
mit ibro vor zweien Jahren aufgerichteter Defensiv- AUiance, an 



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Evrcöln zieht franzosische Trappen an sich. 133 

Uns zu ziehen. Wir thuen aber dabei Ew. Ld. hiermit versichern, 
dass ein solches zu Unserer Benachbarter Ungelegenheit nnd Schaden 
gar nicht, sondern allein zu Unserer Landen Rettung und Sicherheit 
angesehen sei, und werden Wir dahero diese Völker, sobald Wir nur 
von denen Benachbarten gegen allen Ein- und Ueberfall versichert 
nnd ausser Gefahr gesetzet, zu licentiiren nicht unterlassen. In- 
massen Wir deshalb an I. Kais. M. eine expresse Schickung zu thun 
Vorhabens ^). 

Von dems. Dat. einschreiben des Fürstbischofs von Strassborg 
an den Frhrn. v. Schwerin, welches den Abschluss des zu Cöln ge- 
troffenen Vergleichs bestätigt. Anliegend Schreiben des Freiherrn von 
Lisola und des Ritters von Grampricht an den Kurfürsten von Cöln 
d. d. Haag 22. December 1671 und Knrcölns Beantwortung d. d. Bonn 
2. Januar 1672. Dabei Gruss an den Kurfürsten von Brandenburg mit dem 
Bemerken: „ob nit dieses Verfahren und Schreiben Ursach genug an Hand 
geben^ sich und seine Lande in genügsame Sicherheit zu stellen').'' 



d.d. 10. Januar 1672 (Conc. v. Schwerin) gratulirt Kf. dem Kur- 20. Jan. 
fürsten Maximilian Heinrich zum Abschluss des Recesses — „dass Ew. Ld. 
ounmebro Ihre Sicherheit dergestalt erhalten, dass Sie ausser Weiterung in 
guter Tranquillität Ihrem Erzstift wie bishero also auch künftig mit gleichem 
Ruhm vorsein und dasselbige von übriger Miliz nnd also von Betheurnng 
befreien können, gestalt Wir dann auch wol gewiss glauben, dass Ew. Ld. 
Sich von dem Staat keine Attaque oder Ueberzugs befahren, sondern wann 
nur sonst alles in ruhigem Stande bleibet, Sie deshalb wol keine Sorge zu 
tragen haben.*' 



Fürstbischof Franz Egon von Strassburg an den Freihrm. 

V. Schwerin'). Dat. Bonn 15. Januar 1672. 

Gesinnnngsphrasen. Hofft den Krieg abgewendet zu sehen . . . ,)Wei! 15. Jan. 
aber die göttliche Vorsichtigkeit es nunmehr also verhängt, so muss man 

Es ist die Gesandtschaft Boeckhorsts. S. anten d. Gorrespoodeoz mit 
dem Kaiser. 

') Wie das ProtocoU der auf dem Hanse Kendenich in Gegenwart des 
Bischofs von Münster gehaltenen Gonferenz ausweist, habe man sich damals (wie 
S. 131 angegeben) von Seiten KCÖlns höchst aufrichtig erboten. 

*) Diese folgenden wiederum nur in einer Auswahl hier mitgeteilten Briefe, 
welche sachlich nichts neues enthalten, sind gerade durch ihren Ton äusserst 
charakteristisch. 



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134 t 2iur Vorgeschichte des denisch-fransösischen Krieges. 1671. 1672. 

dessen abwarten, unterdessen aber dahin gedenken, wie man sieb, aach sein 
Land und Lent conserviren und in solchen Stand setzen möge, dass man 
der Zeit nnd was es etwa geben möchte abwarten könne . . . Wir kommen 
wol anschuldig in dieses jetzige Geschrei and so grosse Verfassung, haben 
es aber Niemandem zu danken, als der Stadt Cöln und dann denjenigen, 
welche sie zu dergleichen Procedere angereizet haben. Hätte mehrgem. 
Stadt sich in den Schranken des gebürenden Respects gehalten und nit zq 
sehr unterstanden, des hiesigen Erzstifts Jura über einen Haufen zu werfen, 
so hätte man dies Orts niemalen an dergleichen Verfassung gedacht. Weil 
Wir aber gesehen, dass Unsere Herrn Nachbarn, welche auch dieses Wesen 
ganz nit angangen, sich dessen so eifrig angenommen nnd sich dieses Han- 
dels bedienen wollen, so haben Wir auch endlich auf andere Mittel bedacht 
sein müssen, welches Uns gewiss nicht nur eine Tonne Goldes gekostet hat. 
Wer wird Uns aber die deshalb beschehene Ausgaben und Schaden wiederum 
ersetzen? — Wir haben sonsten gewisse Nachricht, dass man zu Brüssel 
und in Holland über die Zeitung des Cölnisrhen Accommodements nit 
wenig bestürzt worden." 

„Dass der Königl. Französische Abgesandter ^j daselbst alle Satisfactioo 
gegeben, solcheb hören Wir absonderlich gern, haben es auch dem Mar- 
quis de Louvois, welcher eben hier war und hier durch passiret, um 
wegen der erwartender Auziiiarvölker, ihrer ordentlichen Verpflegung halber 
und sonsten nöthige Anstalt zu machen, hinterbracht, so ihn nit wenig 
consoliret, gestalt er der gänzlichen Hoffnung lebet, solcher werde an da- 
sigem churfürstlichen Hof nit weniger als der Mr. de Pomponne am 
Königl. Schwedischen Hofe mit aller Satisfaction abgefertiget werden. 

Wir bedauern den guten Herrn von Amerongen, dass er bei diesem 
schlimmen Wetter dergestalt herumreisen muss, und wo sonsten Niemand 
▼on seinen Herrn Principalen hin will, er solches übernimmt, zumaten Wir 
dann versichert sein, wann alle von solchem Estat wären als wie £r, dass 
sie gewiss wol keine solche Ungelegenheit, als wie es anjetzo wol kommen 
dürfte, zu gewarten haben würden.^ 

Anbei die Antwort des französischen Königs auf das „Submissions- 
schreiben^* der Oeneralstaaten. „Ist gewiss sehr köstlich/^ — Desgleichen 
die Proposition des Englischen Gesandten im Haag. „Es wird aber von 
den Particnlarpetitis noch viel geredet werden und den Herrn Staaten hart 
und schwer fallen solche zu resolviren. Von Brüssel haben Wir Nachricht, 
dass diejenige, so den in dem Haag zwischen Spanien und Holland ge- 
machten Tractat') befördert haben, sehr perplex sind und an der Spanischen 
Ratification mächtig desperiren.'^ 

Anlagen. 
Die Gen.-Staaten an den König Ludwig XIV. d. d. Haag 10. Dcbr. 1671. 



1) Graf St. O^ran. 

*) Vom 17. Decemher 1671. 



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Eigentamliohe Aoschannogen des Strassburgers. 135 

Der König an die Oen.-Staaten d. d. S. Germain en Laye 6. Jan. 1672 >). 

DowningB Proposition an die Gen.-Staaten d. d. 30 December 1671. 
^ ^ 9. Januar 1672. ^ 



Der Fürstbischof von Strassburg an ' Schwerin. Dat. Bonn 

26. Januar 1672. 
Möchte die an den holländischen und den französischen Gesandten 26. Jan. 
erteilte Resolntlon erfahren. Mit Schweden wie mit England scheint 
Frankreich einig zu sein — ^und vermeinen die Herren Holländer, sie wollen 
noch mit ihrem Geld das Werk hindern und die besorgende Ungelegenheit 
von sich, ab nnd anf andere wälzen. Zu wünschen aber wäre, wann man 
Fried nnd Ruhe erhalten könnte; aber es scheinet wol, dass die Sach zu 
weit kommen. Dies Orts ist man wegen vieler empfangener Bedrohungen 
und verspüreter so eifriger Assistenz gegen Ghur-Cöln in dem Stadt-Göl- 
nischen Wesen, und dass man dadurch Chur-Cöln in unwiderbringlichen 
Schaden nnd Kosten gesetzet, verursachet worden Uqs in eine andere Postnr 
zn setzen, dass man dem Werk mit Sicherheit zusehen und abwarten kann, 
ob vielleicht Gott der Allmächtig noch einige friedliebende Gemüther schicken 
und erwecken möge. Es haben bisanhero die Herren Staaten der Ver- 
einigten Frovincien der Niederlanden die Benachbarte nichts geachtet und 
gar keine Reflexion aut sie gemachet, also auch, dass sie sich deren bis 
dato wenig haben angelegen sein lassen, sondern es kommt Uns deren Train 
vor, gleich wie die Spanier vor etlichen Jahren ergangen: indem sie ge- 
sehen, dass Frankreich sie attaqnirt, haben sie sich in keine Oegenpostur 
gesetzet, sondern allein sustiniren wollen. Jedermann solle lanfen und rennen 
ihnen zn helfen um ihres eigenen Interesse wiUen, dann wann die Nieder- ^ 
landen oder sie verloren, würde es das Reich und die benachbarte Landen 
auch gelten. Sie haben aber darüber etliche ansehnliche Platz und guten 
Theil der Niederlanden verloren, nnd damit war der Friede gemacht, nnd 
dürfte ein gleichmässiges Unsers Dafürhaltens den Herren Holländern auch 
widerfahren. Mit^ dem guten Prinzen von Uranien thun sie wol seltsam 
umgehen, wollen einen Interims- Capitain und Admiral-General aus ihm 
machen, also dass wann er das geringste versehen würde oder ein Unglück 
haben sollte, wie dann dergleichen bald durch Anderer Fahrlässigkeit ge- 
schehen könnte, so werden alle Crucifigel gegen ihn rufen nnd seine Feinde 
sich dessen desto« mehrers gegen ihn bedienen, wie dann so wol gem. Prinzen 
als deren bei sich habender Generalität Instruction also eingeschränket werden 
solle, dass sie von einem Kerls*), welche von den Herrn Staaten darzn de- 
pntiret werden sollen, völlig dependiren sollen. Was nun bei sogestalteq 
Sachen für ein köstlicher Krieg erfolgen wird, lehret die Zeit.^ 

J) Vgl. oben S. 105. Anm. 2. 

*) Formaiien. Theatr. Bnrop. X, 551. 

«) Origin. 



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136 I- Zur Vorgeschichte des deatsch-französischeD Krieges. 1671. 1672. 

Der Fürstbischof von Strassburg an Schwerin. Dat Bonn 

30. Januar 1672. 

30. Jan. Antwort auf ein Schreiben vom 19 ten. 

Schwerin werde über den Abschluss des Vertrages mit Cöln erfreut 
sein. Jetzt gelte es die zwischen Holland und Frankreich obschwebenden 
Misshelligkeiten zu keinem offenen Kriege ausbrechen zu lassen sondern in 
Güte beizulegen ... um so mehr . . . ^als Wir nit wol sehen, wie Wir Uns 
widrigenfalls werden neutral halten können, solang als Wir nit versichert 
sind, dass Uns die Herren Staaten Rheinherg restitniren, auch für keine 
Feindseligkeit ausdeuten werden, wann Wir der Krön Frankreich durch 
hiesigen Erzstift den freien und unschädlichen Pass, auch danebens ge- 
statten, aus demselben an Yivres, Munition und sonsten alles dasjenige 
ziehen mögen, was sie ums baare Geld und ohne hiesiger C hurfür stlichen 
Unterthanen Schaden ziehen können, znmalen dann hiesiger Herr Churfürst 
dieses alles Ihrer K. M. durch eigene Abschickung weitläufig remonstriren 
lassen. 

Zu wünschen wäre, dass die Herren Staaten dasjenige, was sie anjetzo 
resolvirt sind, für einem halben Jahr hätten thun wollen. So würde viel- 
leicht die Krön Frankreich, welche unterdessen mehr dann bei die 30 Mil- 
lionen extraordinari Unkosten angewendet wie nit weniger auch dies Orts 
ebenmässig in grosse Schuldentast und Spesen sich gesetzet, zu einem 
anderen zu disponiren gewesen sein, anch vielleicht Andere mit selbiger 
Krön sich nit so weit, als anjetzo bereits geschehen, engagiret haben. 
Demselben ist aber und der ganzen Welt bekannt, dass hiesiger Herr 
Churfürst mehrers nichts als Dero Land und Leute in Frieden und Ruhe- 
stand zu regieren desiderirt. Es begeben sich aber bisweilen solche Con- 
juncturen, dass unmöglich in Frieden zu stehen. Hätten die Herren Staaten, 
nachdem Unsers Brüdern Prinz Wilhelms Ld. zu Berlin gewesen, 
Cburbrandenburgs sowol als auch hiesiger Herrn Churfürsten Ld. Ld. die 
. Ihnen von Gott und Rechts wegen zustehende Plätze wieder restituirt, so 
würde sicherlich die Sach nit soweit kommen sein.^ Vielleicht wende Gott 
den Krieg noch ab. 

Die Krone Frankreich hat mit dem König von England, „auch appa- 
renter mit Schweden ihre Bände fest gestellet'^ Es verlautet ausserdem, 
„dass der Spanische Hof den zwischen dem Comte de Monterey und 
den Herren Staaten in dem Haag getroffenen Vergleich >) improbiren thue 
und neutral zu stehen willens sei, weil der König in England nebens der 
Krön Frankreich sich conjungiren thut, dass auf solchen Fall nit allein de 
facto den Dependenz- oder Limitenstreit zu Satisfaction der Krön Spanien 
endigen wollen, damit also kein einiger Praetext zu einem neuen Streit übrig 
sein möge, sondern sogar mit Holland keinen Frieden zu treffen, bis daran sie 



') Vgl. S. 134. 



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Eigentümliche AoschanungeQ des Straesbiirgers. 137 

der Stadt Antwerpen nnd übrigen Spaniscben-Niederländiscben Städten das 
freie Commercium wie vor diesem gestattet baben werden/' 

Im übrigen bleibt die Krone Frankreich dabei, alle etwaigen Er- 
oberungen diesseit Maas nnd Waal herauszugeben. 

Ob St. Oöran und Amerongen noch keine Resolution vom Rf. 
empfangen haben? 



Der Fttrstbischof von Strasaburg an Schwerin. Dat. Bonn 

20. Februar 1672. 

Hat aus dem letzten Schreiben des Kurfürsten von Brandenburg an 20. Febr. 

Kurcöln ersehen, dass der Ef. der Meinung sei ,,a1s thäten erm. I. Ld. 

einen Krieg anfangen, da man doch ein solches dieser Orts niemalen im 
Sinn gehabt, sondern vielmehrers, dass man bei jetzigen Conjuncturen nit 
allein dasjenige, was so unbilliger Weise hiesigem Erzstift vorenthalten, 
wiederum verlange, sondern auch die dem Erzstift vor und nach zugefügten 
ond verursachten Schaden und Unkosten wiederum ersetzet haben will, 
ond weil man dafür gehalten, dass Schweden mit Frankreich nit einig und 
geschlossen, England auch andere Mesnres nehmen dürfte, so habe Dem- 
aelbeu hierbei in Abschrift comniuniciren wollen, was mir gestern über 
Brüssel zukommen*), gestalt ich dann ebenmässig von guter Hand berichtet 
worden, dass, obschon die Herren Spanitr den durch ihren Envoyö 
Emanuel de Lira in dem Haag gemachten Tractat ratificirt, dennoch ge- 
meint sind sich neutral zu halten, um dadurch ihre Monarchie in Sicherheit 
zu setzen, weil ihre Oerter und Plätze noch in keinem Stand, viel weniger 
die Mittel vorhanden sind dergleichen schwere Krieg auf sich zu laden, 
insonderheit, da man von ihnen noch Geld begehret, und sie hingegen 
Selbsten solches vonnöthen haben. 

Ich höre sonsten von Niemanden, der sich mit den Herren Staaten- 
General offensive eingelassen haben solle, ohne Zweifel darum, weil man 
nit sieht, mit was Nutzen solches geschehen könne. Es wäre aber zu 
wünschen, und thue ich meines Orts dazu cooperiren, dass man sich inter* 
poniren möge, damit der Krieg, so viel möglich, verhindert oder wenigstens 
es dahin gebracht werde, dass der zwischen beiden Kronen und den Herren 
Staaten gleichsam resolvirter Krieg sich bald endigen und nit über ein Jahr 
dauern möge, damit man desto bälder dessen End und also einen bestän- 
digen Frieden erleben und sehen möge, unterdessen kann ich mich gar nit 
entsinnen, wo doch die böse Officia, so hiesiger Herr Chur fürst Chur- 
BrandenburgLd. beider Krön Frankreich geleistet haben solle, herrühren 
müsse. Ob es vielleicht darauf gedeutet wird, dass man sich dies Orts be- 
schweret und dem Monsieur Louvois communiciret hat, was für eine harte 

^) Fraozösiecbe Zeitang d. d. Brüssel 15. Februar 1672. 



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138 I- Zur Vorgeschichte des deatoch-franBÖsiaohen Krieges. 1671. 1G73. 

Protestation durch den Herrn Blas peil hiesigem Herrn Chnrfürsten so 
münd> als schriftlich beschehen? Derselbe sei versichert, dass ohne der- 
gleichen Protestation Wir gewiss dasjenige nit würden gethan haben, was 
Wir thnn müssen, weil Wir dadnrch gleichsam gezwungen worden ander- 
weitig (jedoch bei Unseren Freunden und Alliirten) Hilfe zu suchen, indem 
Wir dies Orts nichts zu hoffen gehabt, und man alles dasjenige, so Wir aus 
friedliebendem Gemüth und zu Unserer mehrerer Sicherheit gethan und vor- 
genommen haben, als eine Ruptur und keine Neutralität gehalten hat. Zu- 
dem haben des Herrn Pfalzgrafen Herzogen zu Neuburg Ld. Sich 
damalen dabin vernehmen lassen, wann Wir wirklich angegriffen und Uns 
einiger Schade von Unseren Feinden zugefügt würde, dass Sie alsdann auf 
diesseitig Ersuchen Uns beistehen und Assistenz leisten wollen. 

Des Herrn Bischof zu Münster Ld. zu der Zeit also schwach 
und in solchem Stand waren')) dass Wir von dorten aus nit viele Hülf 
zn hoffen, dabero endlich alle Stund in Unsicherheit stehen und erwarten 
müssen, dass man mit Uns nach eigenem Belieben umgangen wäre, 
alles mehreren Inhaltes meiner vor und nach an denselben abge- 
lassenen Schreiben. Im übrigen halte ich dafür, dass viel guts bei 
der Sache thun würde, wenn hochgem. Herrn Cburfürsten zu Brandenburg 
Ld. die Ratification der Bielefeldischen Allianz Ihres Orts auch einschicken 
thäten'), indem diesseitige dem Herrn Blaspeil zugestellt, und von ihm 
daselbst nunmehr wird überantwortet worden sein; denn ich nit sehe, wie 
und warum beide Herren Cburfürsten zerfallen sollten. Wenn auch schon 
CburbrandenburgsLd. den Holländern, vermög etwa habender Defensiv- 
Allianz, mit einigem Volk assistiren wollten, so ist doch nie nötig, dass Sie 
dieserhalb mit Jemandem brechen, sondern gar wol gute Freund bleiben 
kann, dafern aber vorhochbem. Herrn Cburfürsten zu Brandenburg Ld. 
Sich aller Assistenz und Einmischung entschlagen wollten, würde es besser 
sein und sicherlich zu deroselben Ghurhaus, auch allgemeinen Wesen Besten 
und dahin gereichen, dass man so viel mehreres Hoffnung zum Frieden hat. 

Demselben ist bekannt und zwar besser als ichs Ihm vorbilden kann^ 
dass die Herren Staaten viel lieber was mit Gewalt verlieren, als dass sie 
dasjenige, so sie einem oder anderem Stand so lange Jahre wider alles 
Recht und Billigkeit vorenthalten haben, auf gütliche Weise wiederum zu- 
rück geben sollen. 

Mit nächstem werde ich demselben einen gewissen von einem Tertio 
gemachten Tractat communiciren, welcher curios ist und gewiss viel Lichts 
geben kann. Mich dünket, dass alles dieses Wesen eine rechte Fatalität 
sei, dahero man auch gegen Gottes unabänderliche Disposition nichts zu 
thun, sondern dieselbe zu erwarten sein wird." 



Original. 

*) Einleitnng S. 6. 



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Seine Ansicht von den Hollandern. 139 



Der Fürstbischof von Strassburg an Schwerin. Dat. Bonn 

23. Februar 1672. 

[Verwickelte Conjuncturen. Gebahren der Holländer. Orsoy.] 

Hat mit letzter Post nichts von Schwerin vernommen, nimmt aber an, 23. Febr. 
dass dieser wie anch der Ef. selbst wieder wohl ist. 

Unterdessen laufen allerhand Nachrichtungen ein, welchen man 
aber keinen Glauben beimessen kann. Die Gevatterschaft kommt 
theils suspect vor, bevorab bei diesen Conjuncturen; inmittels bleibt 
alles noch in vorigem Stand, und ist man in England in völliger 
Armirung begriffen. Hingegen thut Holland auch das seinige, und 
dürfte der Erbfeind auch, wie es scheinet, sich herbeinahen. In 
Summa, es will sich ein jeder dieser Conjuncturen bedienen. 

Kurbrandenbnrg solle bei den Generalstaaten uro Restitution seiner 
Plätze nachsuchen; indes würde Holland „Chnr-Cöln Chnr- Brandenburg 
gleichhalten und es bis auf die letzte sparen*'. Das beste wäre, wenn es 
doch sein sollte, dass man gesamter Hand dahin strebe und „ohne vieles Blut- 
vergiessen die Herren Staaten zur Raison anweise^, dass sie ien zugefügten 
Schaden erstatten oder billige Satisfaction geben. 

P. S. Er hört — 

dass die Herren Staaten Orsoy wiederum restituiren wollen 
wann Chur-Brandenburg hingegen Ruhrort einräumt, und dass sie 
solches fortificiren mögen. Es wäre ein hübscher Tausch, und scheint 
wol, dass Gott diese Leut verblende. 



Den Inhalt eines Schreibens des Kf. d. d. 10./20. Februar 1672 ergiebt 
folgende Antwort. 



Kurfürst Maximilian Heinrich von Cöln an den KarfUrsten. 
Dat. Bonn 1. März 1672. 

[Beharrt anf der Rückforderung Rheinbergs. Impertinente Verteidignng seiner 
Ansprache nnd Massregeln.] 

Complimente. Wir thuen zugleich Ew. Ld. r- 1. Mär«. 

nicht bergen, welchergestalt Wir nicht wol begreifen können, warum 



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140 I- ^Snr Vorgeschichte des dentsch-franBösischen Krieges. 1671. 1672. 

Ew. Ld. als ein yomehmer Churflirst des Reichs, und so oho allen 
Zweifel die Billigkeit allen anderen Eespecten jederzeit vorziehen 
werden, nicht ehender vermeinen Ursach zu haben, zu Verhütung 
fernerer Verschimpfung der allerhöchster Kaiserlicher Autoritaet und 
des Roem. Reichs Hoheit, auch Beförderung der lieber Justiz, die 
Herren Staaten von Holland zu vermögen und anzuhalten, damit die 
so Viel Jahren hero Uns und Unserem Erztstift widerrechtlich vor- 
enthaltene Stadt Rheinberg, und nachdem von Uns und Unseren Vor- 
fahren die Restitution derselben mit so vielen grossen Unkosten viel- 
faltig gesuchet, aber allezeit schimpf- und spöttlich abgeschlagen 
worden, dermaleneins wieder restituirt werde, als Uns, wie die 
Formalia des Schreibens lauten, zu ermahnen, in die Wiedergabe al- 
solcher Stadt zu dringen, damit das Reich und die Benachbarte da- 
durch nicht in einen blutigen Krieg implicirt werden mögen. Dann 
obschon Wir billig dahingestellt sein lassen müssen, mit was für Fun- 
dament die Herren Staaten Dero Städte und Vestungen besitzen, auch 
was Dieselbe für vordringende Motiven haben mögen, solche Städte 
und Plätze in der Staaten Händen und Gewalt zu lassen, so sehen 
Wir doch nit, warum Wir Uns dieserhalb verhindern lassen sollten, 
die Stadt Rheinberg zurückzufordern, indem Wir nicht allein keine 
Apparence sehen, dass diesertwegen der zwischen den Kronen Eng- 
land und Frankreich, sodann Holland befahrender Krieg vermieden 
bleiben werde, sondern dass Wir auch weder Raison noch Force genug 
haben würden, von der Krön Frankreich diese Stadt wiederzubekom- 
men, wann sie selbige einmal mit dem Schwert ihren Feinden würde 
abgenommen haben. ' 

Sollten die Herren Staaten aber, wie Ew. Ld. vermeinen, Willens 
sein, sowol Uns Unsere Stadt Rheinberg unverlängtwiedereinzuhändigen, 
als auch genügsame Versicherung zu geben, dass uneracht der viel- 
faltiger öffentlich- und heimlicher Instinuationen und Bedrohungen dero 
Ministrorum Sie Uns für keine Feindschaft ausdeuten wollen, wann 
Wir schon zwischen Frankreich und selbigem Staat eine gleichförmige 
Neutralität halten würden, so thut Uns nicht wenig verwundem, dass 
sie bis hieherzu keine ordentliche Abschickung zu Uns gethan haben, 
zumalen Wir nicht würden unterlassen haben, Uns solchergestalt zu 
erklären, wie es die Billigkeit, Chur-Fürsten und Ständen des Reichs 
Reputation und Unsere Ehr und Gewissen zulassen kann. 

Versichert die Ehrlichkeit seiner Absichten, wie er andererseits an- 



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KarcolD verteidigt seioe Ansprüche auf Rheioberg. 141 

nimmt, Kf. werde der Fürsten nnd Stände Interesse dem fremden Interesse 
vorziehen. In diesem Sinne wird er gebeten, von Kurcöln die Meinung 
festzuhalten ,,dass Uns Oott mit genügsamen Verstand versehen hat, um 
Uns durch Niemanden seines particulier Interesse halber wider Unser und 
des gemeinen Wesens Bestes verleiten noch ums Licht führen zu lassen^. 

Zq weiterer Gommnnication ist er erbötig. Kf. möge angeben, wie, 
wo and wann solches geschehen könne. Folgen patriotische Versicherungen. 



d.d. Bonn 2. März 1672 intercedirt der Fürstbischof v. Strassburg 2. März, 
für die Aebtissin von Essen ^), „weil Dieselbe Uns gar nahe beschwägcrt 
und verwandt ist^. 

Kriegsanssichten. Man glaubt nicht, „dass sich die Kronen England 
nnd Frankreich anjetzo mit deren Holländern Submissionen begnügen 
können*^. Wenn Holland veranlasst würde, die 'Plätze abzutreten, so würde 
der Krieg für Deutschland vermieden werden. Die auswärtigen Könige nnd 
Potentaten „möchten sich dann gleichwol mit einander schlagen und zanken, 
als es ihnen gefällig**. 



Der EurfÜrBt an den Karfürsten Maximilian Heinrich von 
Cöln. Dat. Potsdam 9. März 1672. 

Den Vorschlag einer Conferenz der Räte nimmt Kf. an. Sein Ge- 19. März^ 
heimer Rat und Kammerpraesident Raban von Ganstein geht gegen 
den 21./31. März nach Brannschweig, der Reinsteinischen Sache') 
halber; mit ihm könne sich der kurcölnische Vicekanzler Nicolarts, 
dem der Kurfürst Befehl und Instruction erteilen möge, über einen Ort 
der Zusammenkunft vereinbaren. — Zu deliberiren werde über nichts an- 
deres sein, als „wie man die Sachen dergestalt anzustellen, dass beiderseits 
Leute in einen fremden Krieg nicht eingemischet, sondern dieselbe davon 
gänzlich verschonet und befreiet werden mögen^. 



In einem eigenhändigen Schreiben an R. v. Canstein d.d. Hildesheim 
- . \ — TT- 1672 meldet der Vicekanzler Nicolarts, dass er einen Befehl zu 4. April. 



Anna Salome (II), Gräfin von Salm-Reifferscheid. Sie hatte sich bei 
KCöId beschwert, dass die Glevische Regierang ihr ,,eine CompagDie Pferd, um 
eine solche zq erbalten, zngeschickt." 

*) Droysen, III, 3. 8. 240. 



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142 f> Zur Vorgeschichte des dentsch-fransosischeD Krieges. 1671. 1672. 

der UDterrednng noch nicht erhalten habe, und wünscht zu wissen, wie 
lange Canstein noch in Brannschweig oder doch in der Nähe zn bleiben 
Termeine. 



7. April. d. d. Bonn 7. April 1672 meldet der Kurfürst Max Heinrich, dass des 
Ef. Schreiben vom 9. März st. ▼. am 31. März eingetroflfen, damit also der 
benannte Termin verstrichen sei. Ob Kf. einen anderen Ort, „nnd etwa 
dieser Ends in der Nähe^, zn einer Gonferenz ansersehen wolle ? Er werde 
alsdann jemand, ^welcher von ^i^sen jetzigen Conjnnctnren wol informirt 
sei, so Wir sonsten nicht weit von Uns entfernen mögen,^ dorthin abordnen. 



•25. April. d. d. Colin a. Sp. 15./25. April 1672 antwortet Kf., dass „der Ends" 
keiner seiner Minister sei, der von den gegenwärtigen gefährlichen Con- 
jnnctnren gründliche Information habe, und er von hier ans einen so weiten 
Weg Niemanden seiner Räte schicken könne. Die Sache müsse bis anf 
weiteres anstehen, da ohnehin „negotiornm pnblicornm halber ein nnd andere 
Zusammenkunft zn vermuten sei^. 



Der Fürstbischof von Strassbnrg an Schwerin. Dat. Bonn 

15. April 1672. 

[Die Motive wamm französische Hülfe angeDommen. Haltong der übrigen 
Staaten. Lippstadt nicht durch Eurcoln besichtigt.] 

15. April. Antwort anf Schwerins Brief vom 6. dieses. 

Ist mit ihm einer Meinung, dass m.-in sich in eine „gute Verfassung 
setze** nnd wol überlege, „wohin^^ selbige zn verwenden sei. 

Unterdessen hat das Spargement, dass man von 20 bis 30,000 
Mann naeher Lippstadt schicken, selbige der Ends herum in an- 
derem Land campiren und ein Läger schlagen wolle, wie auch andere 
von theils Ministris beschehene Bedrohungen bereits verursachet, so 
yielleicht sonsten hinterblieben wäre, zumalen fiberall bekannt, dass 
die Kronen Frankreich und England, auch deren Alliirte an des Herrn 
Churf&rsten zu Brandenburg Ld. und Dero Haus nichts zu praeten- 
diren; dafern auch auf die zu Eendenich wolmeinend geschehene 
Proposition, dass man nämlich sich gegen einander wegen deren itziger 
und damalen vorgesehener Conjuncturen vertreulich expectoriren und 
die Bielefeldische Allianz ratificiren möchte, eine annehmliche Antwort 
und wegen deren damalen nicht dieses Kriegs sondern deren Göl- 



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Voraussichtliche Haltung der übrigen Staaten. 143 

nischer Unruhe halber aufgerichteter Magazine, auch ob man des 
Herrn ChurfÜraten zu Cöln Ld., da die Staaten von Holland Sie und 
Dero Erzstift diesfalls als auch sonstefi hemächst feindlich anfallen 
würden, vigore foederis und welchergestalt assistiren wollte, eine will- 
fährige Erklärung erfolget oder wenigstens eine fernere Conferenz 
veranlasset wäre, so würde man sicherlich von der Krön Frankreich, 
vermöge mit Dero habender und damals producirter Defensiv-Ällianz, 
keine Volk— Hülf begehret, viel weniger angenommen haben, dazu 
dann die anstatt willf&hriger Antwort geschehene schriftliche Pro- 
testation und nachdenkliche Declaration, sodann des Baron de 
Lisola im Haag geführete Gonsilia, und des Marquis de Grana 
Bedrohungen mehrere Anlass gegeben, und ist seither von den Kai- 
serlichen Ministris, in specie von dem Kanzler Hocher, den chur- 
colnisehen Abgeordneten so übel begegnet, dass dergleichen einem 
treuen Reichs-Churfttrsten geschehen zu sein nie erhört worden, dero- 
wegen man billige anderwärtige Hülf suchen müssen. 

In England und Frankreich^ ist der Krieg bereits öffentlich de- 
clarirt; dies Orts aber wird man publiciren, auch denen Staaten selbst 
vortragen lassen, dass des Herrn Ghurfürsten zu Cöln Ld. und die 
in hiesigem Erzstift liegende Auxiliarvölker dabei nichts zu schaffen, 
auch solange die Herren Staaten mit Seiner Ld. gute Nachbarschaft 
pflegen, in Erwartung verlangender Satisfaction über die ihnen so viel 
malen vorgetragene Beschwernisse, und solange besagte Völker im 
Land sein werden, nichts feindseliges vornehmen werden. 

üeber die Vorgänge in Schweden wird Schwerin selbt bessere Knnde 
haben. 

Man berufet sich aller Orten auf das Instrumentum Pacis, dass 
nemlich vermöge dessen keinem Ghurfürsten und Stand des Reichs 
erlaubt sei, denen Holländern gegen Frankreich zu assistiren, in- 
massen dergleichen bei letzt zwischen Spanien und Frankreich vor- 
gewesenem Krieg des Burgundischen Kreises halber bei dem Reichs- 
tage declariret worden. 

Wir wissen zwar nicht, wessen sich die Krön Spanien resolviren 
werde, sind aber versichert, da sie sich wol comportiren und, wie es 
scheinet, nit darunter mischen, es deroselben nicht übel ergehen 
werde, dessen sie die mit England suchende Allianz vergewissigen 
kann. Wir sehen auch nit und gebttret Uns nichts zu sagen, ob das 

Hier am 7., dort am 8. April. 



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144 t* Zur V(»rge8cbichte des deotach-franzosischeD Krieges. 1671. 1672. 

Reich hierunter so interessiret sei, dass dieserhalb die Neutralität ein- 
zugeben und Churbrandenburgs Ld. sich dieserhalb auf das Reich zu 
beziehen, ausserhalb dass man in Güte oder mit Gewalt dahin zu 
sehen, wie dasjenige, so dem Reich abgezwackt und weder vom 
Kaiser noch dem Reich durch Tractaten weggegeben, wieder herbei- 
zubringen; und kann demselben nichts praejudiciren, was etwa von 
der Eron Spanien geschehen. 

Dass ein knrcölnischer Ingeniear die Werke von Lippstadt besichtigt 
habe, ist nicht der Fall. £s wird wol Jemand gewesen sein, welcher Werl 
oder die beoachbarten Orte in Bezug auf ihre Brauchbarkeit zur Landes- 
verteidigung geprüft hat. Vielleicht habe auch einer von den „daherum 
liegenden Oificieren^ in dortiger Gegend gekandschaftet, den man für einen 
Ingenieur gehalten. 

„Das bewnsstes Tractatlein >) ist Uns von unbekannter Hand mit Ver- 
tröstung des Erfolges zukommen. Dafern Wir nun ein Mehreres erhalten, 
werden es Demselben communiciren.^ 



25. April. Dat Bonn 25. April 1672 übersendet der Knrfürst von Coln sein 
beim Regensbarger Reichstage abzugebendes Votum, als Antwort anf das 
sowol beim Kaiser wie beim Reichstage eingebrachte Memorial der Oeneral- 
staaten. 



Kurfürst Maximilian Heinrich von Cöln an den Kurfürsten. 
Dat. Neuss 27. April 1672. 

[Ausbruch der Feindseligkeiten. Holländischer Ueberfall bei Hülst.] 

27. April. £r wiederholt wie er sich stets bemüht habe, den Zwist um Rheinberg 
„durch gut nnd billige Wege hinzulegen^, auch die zwischen der Krone 
England, dem Bischof Ton Münster nnd den Generalstaaten entstandenen 
Streitigkeiten aus dem Wege zu räumen. Trotz vielfacher Gesandtschaften 
nach dem Haag, trotz kaiserlicher, bei seinen Vorfahren und seiner Regie- 
rung „eingewendeter Interposition" sei ihm eine Satisfaction nicht wider- 
fahren. Nun aber die Generalstaaten, nachdem Wir ihnen beiliegende 
Unsere auf die von beiden Kronen Frankreich und England gegen die- 
selbe beschehene Kriegsverkündigung denen in Unserm Erzstift zu 
dessen Sicherheit von der Krön Frankreich yermöge mit dero haben- 
der Defensivalliance eingenommenen und verlegten Auxiliaryölkem 
gegebene Erklärung und Ordre nicht allein selbst durch Unseren 
Residenten im Haag präsentiren sondern auch deren in der Nähe ge- 
legenen Gubernatoren durch Unseren Generallieutenant Grafen von 

Oben S. 13«. 



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Einbruch der Holländer in das Erzstift. 145 

Chamilly communiciren und in Unserem Erzstift überall publlciren 
lassen, dannoch vorgestern Morgens in der Frühe, als Wir Uns eben 
aas Unserer Residenz auf die Anheroreise begeben wollen, in be- 
sagten Unsern £rzstift mit etlichen tausend Mann zu Ross und zu 
Fuss gewaltsamlich eingefallen, die Schlagbäume und Landwehr auf- 
und eingehauen, die Vorwachten und auf denen Grenzen liegende 
Compagnieen zurückgetrieben. Unsere Unterthanen mit Schlagen, 
Stechen und sonsten übel tractiret, verwundet, geplündert, gebrand- 
schatzet und ein Haus vorsätzlicher Weise in Brand geschossen, auch 
die auf ein gewisses in besagtem Unserem Erzstift gelegenes adlichesHaus 
von Unserer Generalitaet zur Wacht verordnete 1 1 Mann zum Abmarche 
gezwungen, mit denenselben ordentlich, wie hiebei zu ersehen, capi- 
tulirt, und also gegen die von Uns mit ihnen, Staaten, gepflogene und 
ferner zu unterhalten gesuchte gute nachbarliche Correspondenz und 
Zuversicht, ohne einige dazu gegebene rechtmässige Ursach, diese 
Feindseligkeiten in mehrgem. Unserm Erzstift verübet, dergleichen sie 
dann mehrere vornehmen dörften — 

so wird Kf. ersucht „vermöge der Cbarfürstlichen Verein, auch denen 
ReichscoDstitutionen und jüngerem Friedenscbluss gemäss^ einige Mann- 
schaft za senden, auf die Restitution der Stadt Rheinberg und „Reparation 
aller diesem Unserem Erzstift von 80 und mehr Jahren her verursachter 
Kosten und Schaden^ zu dringen und dnrch seine Gesandten beim Reichs* 
tage die knrcölni sehen Intentionen unterstützen zu helfen. 



Anlagen. 
Das Manifest Kurcölns d. d. Bonn 16. April 1672, französisch und 
deutsch, durch welches den französischen Eriegsvölkern im Erzstift einge- 
schärft \?ird, gegen die Generalstaate n, ihre Städte und Unterthanen nichts 
Feindliches vorzunehmen. (Theatr. Enrop. XI, 4.) 

Darstellnng des holländischen Ueberfalls bei Hüls ^) am 25. April. 
Die Bescheinigung, die Capitulation der kurcölnischen Musketiere be- 
treffend : 

„S. Exe. Grave van Nassau, Lieutenant Qenerael van der Caval- 
lerie van Haer Hochraogende, hebbende genomen gevangen een Sergeant 
met tien Monsquetiers ende deselven laeten passeeren ende genomen in 
genaden ende deselven genereux weder gerelaxeert sonder ransoen 
Wolrad Gomte de Nassau. 
Pro copia cum sno origiaali coUatioData et concordante Matth. 
Haen Notar, publ. et Secretar. Civitatis Novesiensis.'' 

*) Oestlich Kempen, an der Grense der (neutralen) Grafsch. Mors, halb auf 
Btaatischem, halb auf stiftiBchem Gebiete gelegen. 



Mater, b. Ge§ch. d. G. Kurfürsten. XIII. 10 



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146 ^' Zor Vorgeschichte des dentsch-franzosischen Krieges. 1671. 1672. 



KurfUrst Maximilian Heinrich von Cöln an den Kurfürsten. 
Dat. Bonn 4. Mai 1672. 

[Droht mit anderen Resolutionen.] 

4. Mai. Die ^Eriegspartejen aus Dero Stadt Wesel^ ^ dorchstreifen das Herzog- 
tum Gleve, und ^unangesehen wie Eurcöln mit den Herren Generalstaaten 
annoch in keiner Feindschaft begriflfen^, nehmen sie korcölnische Unter- 
thanen gefangen and dismontiren sie; nnd wenn sie anch die Personen der 
Gefangenen anf freien Foss gesetzt haben, so werden ihnen die Pferde 
und was man sonst bei ihnen gefunden bis zur Stunde rorenthalten. Es 
ist darüber an den staatischen Gommandeur Grafen Wolrad zu Nassau- 
Saarbrücken, geschrieben worden. 

Wiederum wird Kf. ersucht, „Uns bei so gestalten Sachen nit stecken 
zu lassen^ und — wie im vorigen Schreiben — 

Hilfe zu senden; da indesBcn, wie es scheint, die Generalstaaten sich 
Uns je länger je mehr in Feindschaft zu nähern Vorhabens, so werden 
endlich auch Wir eine andere Resolution zu fassen genöthiget werden, 
unterdessen aber [möge er] Uns nit ftlr übel nehmen, wann Wir, Gewalt 
mit Gewalt zu steuren, Deroselben Lande zu berühren gemttssiget 
werden. 



KurfUrst Maximilian Heinrich von Cöln an den Kurfilraten. 
Dat. Bonn 9. Mai 1672. 

[Wünscht die Versichemng, dass die nach Westfalen marschirenden branden- 
burgischen Trappen nicht gegen ihn nnd seine Lande gebraucht werden.] 

9. Mai. In Beantwortung zweier Schreiben des Kf. vom 27. März st. y. und 

2. April st. V. teilt er mit, dass er den nach Lippstadt commandirten Bran- 
denburgischen Völkern zu Fuss und zu Ross „durch Unser Stift Hildes- 
heim den freien unschädlichen Durchzug nebest einem Nachtlager^ gestattet 
hat; da die Völker aber — gegen die Versicherung — nicht gezahlt hätten, 
„ihrem Vorgeben nach aus Ermangelung des Geldes, so etwa von den 
Gfficieren den Soldaten vermuthlich nicht gereicht sein mag^, so möge Ef. 
die Verfügung treffen, dass ins künftige den Einwohnern billigmässige Zah- 
lung widerfahre. 

Weil nun die Staaten von Holland, wie Ew. Ld. bereits wissig sein 
wird, gegen L Kais. M., das Reich und Uns sowol dann des Herrn 
Bischofen von Münster Ld. declariret haben, dass sie nit zugeben 



^) Es ist die Staatische Garnison in Wesel gemeint. 



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K CoId droht mit entschiedeDen Resolationen. 147 

könnten, dass Wir den Franzosen den Pass in Unseren Landen ge- 
statten noch zugeben thäten, in demselben Viyres und Munition zu 
erkaufen und niederzulegen, sondern auch wirklich in dem Erzstift 
Cöln und dem Vest Recklinghausen feindliche Einfall und Angriffe 
sonder geringste dazu gegebene Ursach gethan haben: als thun Wir 
Uns zu Ew. Ld. freundvetterlich versehen, Dieselbe Ihro nit zuwider- 
sein lassen werden, Uns die Versicherung zu geben, dass Dero nacher 
Westphalen durchmarchirende Völker, dem gemeinen Ruf nach, nicht 
gegen Uns und Unsere Landen gebraucht noch den Staaten von 
Holland fiberlassen werden sollen . . . Versichernagen. 



Dat. Goelln a. Sp. 13. Mai 1672 dankt Ef. und erklärt: dass er die 23. Mai. 
durchziehenden Völker „zo Unser and Unserer Lande und Unterthanen 
Sicherheit und Conservation ond also zugleich mit zu des heil. Rom. Reichs 
und der nächst gelegenen Kreise Besten gebrauchen werde; sind auch nicht 
gewohnet, Unsere Miliz jemand anders zu überlassen'^. 



Kurftirst Maximilian Heinrich von Cöln an den Kurfürsten. 
Dat. Bonn 14. Mai 1672. 

[Abmahnang, für die Qeneralstaaieo Partei zq ergreifen.] 

Antwort anf das Schreiben vom 15. April st. y.^). Hat den Wunsch, die 14. Mai. 
berührte Conferenz zu Stande kommen zn sehen, weswegen er dem Ef. an* 
heimstellt — 

weil I. E. M. in Frankreich nunmehr in der Nähe und bei Dero- 
selben Dero Rath yon Crockow') sich ungezweifelt annoch befindet, 
ob Sie demselben Commission ertheilen wollen, mit den Unsrigen, so 
sich etwa der oder dieser Ends ebenfalls einfinden möchten, vertrau- 
liche Communication zu pflegen; und dafern Wir auch bei höchsterm. 
S. Maj. Ewrer Ld. und Dero Landen etwas zum besten negotii ren 
und beitragen lassen können, thun Wir Uns darzu freundvetterlich 
erbieten. Dieselbe zugleich aber hiermit ersuchen, in reife Consideration 
zu ziehen, was für grosse Gefahr nicht allein Ihro und Ihren Landen 
sondern auch dem ganzen Rom. Reich zuwachsen könne, dar Sie bei 
diesen Conjuncturen und Lauften sich directe oder indirecte für die 
General-Staaten der Ver. l^iederlande erklären und denselben Assistenz 



«) Oben S. 142. 

'0 Crockow verliess Paris, ohne dem Hofe ins Feld zu folgen. Oben S. 85. 

10* 



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148 I* Zur Vorgeschichte des deutsch -französischen Krieges. 1671. 1672. 

leisten sollten, wozu auch die mit ihnen etwa habende Allianeen, in- 
dem sie, die Generalstaaten, gegen Uns sowol als des Bischofs von 
Münster Ld. die Feindseligkeit zum ersten angefangen, und also 
Aggressores sein, keine Ursach geben, und dahero Sich davon genug- 
sam entziehen können, gestalt Wir dann auch Unsers Theils mit der 
Krön Frankreich nichts anders als eine pure Neutralität geschlossen 
und selbige zu unterhalten intentioniret gewesen. 

Den Truppen möge der Durchmarsch durch das Westfälische in keiner 
Weise behelligt werden. 



Der Fürstbischof von Strassburg an Schwerin. Dat. Bonn 

18. Mai 1672. 

[Vorrücken der franzosischen Armeen. Ef. möge den Völkern des sächsischen 

Prinzen Durchzug verstatten. Erinnert nochmals an die Neutralität. Nahen des 

Königs. Allarmirende Nachricht aus Münster.] 

18. Mai. . . . Zwar ist aueh nichts Sonderbares vorgefallen, ausser allein, dass 
der König aus Frankreich nunmehr mit allen seinen Armeen unweit 
Mastricht in dem Staatischen und StiftLQttichschen stehet und, wie ^ 
scheinet, deliberiret, ob er sich etwa an einem oder andrem Ort auf- 
halten oder aber gerade fortgehen werde, denen Herrn Holländern 
eine Visite zu geben, insonderheit weil, wie spargiret wird, die Flotten 
auch an einander gewesen sein, und die Staatische hart gelitten haben 
sollen. 

Da nun zwar noch keine gewisse Nachricht einkommen sondern 
mit morgiger Ordinari erwartet wird, und weil Wir, gleich Demselben 
bekannt ist, nichts bergen oder schweigen können, wann Uns was 
vorkommt, welches zwischen beiden Herren Churfttrsten einig Disgusto 
geben kann, so müssen Wir Demselben auch in Vertrauen berichten, 
wie dass verlautet wird, ob sollte Kf. denen chur-cölnischen Regimentern, 
welche S. Ld. durch des Herren Administratoris zu Magdeburg Ld. 
zweiten Prinzen') vermög mit demselben getroffener Capitulation 
werben lassen, den Pass oder Durchmarsch nicht allein nicht gestatten, 
sondern sogar auch diese Werbung hindern wollen. Es thun vorgem. 
Herren Churfürsten zu Cöln Ld. Sich ganz eines andren versehen und 



^) Prinz August zu Sachsen- Weissenfeis, Sohn des Administrators August 
Vgl. J. 0. Opel. Die Wiedervereinigung des Herzogtums Magdeburg mit Kur- 
brandenburg. 1880. S. 19. 20. 



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KCölo nod Strassborg mahnen von der Aesisteoz an Holland ab. 149 

halten festiglich dafhr, hochgem. H. Ghurfttrst zu Brandenburg werde 
yiel ehender dazu contribuiren und mit befürderen, oder wenigst nicht 
hindern (wann Sie etwa selbsten Bedenken haben sollten, S. Ld. gegen 
die Herrn Staaten als Aggressores zu assistiren), dass andre Chur- 
f&rsten dasjenige thun und prästiren, wozu sie kraft der Reichs- 
Constitutionen schuldig sein oder ihnen zu thun und zu lassen frei 
stehen möchte. Schliesslich wäre nun die rechte Zeit, die vorge- 
schlagene Neutralität mit grossem Vorteil zu negotiiren, weil der 
König, wie es scheint, ehester Tagen selbsten in die Nähe kommen 
oder sein dürfte. Wann Wir capabel sein sollten, hierzu was zu 
contribuiren, so wollen Wir von Herzen gern es thun, um nach Mög- 
lichkeit alles dasjenige bef&rderen zu helfen, was zu gemeiner Ruhe, 
hingegen aber auch zu einiger Mortification der Herrn Staaten ge- 
reichen kann, dann deren widriges Verfahren und fiberaus grosser 
Hochmuth gar nit zu gedulden, sondern billig etwas moderirt werden 
muss. 

Einliegend eine yertranliche Notiz vom Bischof von Münster. Wenn 
dem also, wie nit zu zweifeln, so ist nit mehr Zeit zu fragen, ob Wir 
einander assistiren sollen und ob die Herrn befugt sind, die Glevische 
Garanteurs oder die Quadruple-AUirte zu Hilfe zu rufen, sondern 
haben sich dieses alles selbsten verlustig gemacht 



Anlage. 

Schreiben des Fürstbischofs von Münster d. d. Coesfeld 
13. Mai 1672. „Es sind Einige ertapfet, welche die Magazinhäaser ein- 
zuäschern Stadt und Dörfer verräterischerweise abbrennen und meiner 
eigenen Person nachstellea wollen. Ich werde gegen dieselbe den Rechten 
gemäss verfahren lassen.^ 



Der KarfUrst an den Kurfürsten Maximilian Heinrich von 
Cöln. Dat Ooelln a. Sp. 13. Mai 1672. Conc. F. v. Jena. 

[Antwort auf das Schreiben vom 4. Recapitnlation des Inhalts die Weseler 

GarniBon betrefifend.] 

Anfänglich so möchten Wir von Herzen wünschen, dass Ew. Ld. 23. Mai. 
die vor diesem von Uns aus rechtem Deutschen ') Gemttth geschehene 

^) Original. 



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150 I- Zur Vorgeschichte dee deute ch-fransösischeo Krieges. 1671. 1672. 

wolmeinende EriniieniDg etwas bei Sich hfitten gelten lassen, so wür- 
den Ew. Ld. dieses Ihres Beschwerungsschreibens ohne Zweifel nicht 
bedurft haben. Ihr Erzstifl hätte in gutem Frieden und Ruhe bleiben 
können, und andere unschuldige benachbarte Reichs-Ereise und -Stände, 
welche mit allem Eifer und Mühe den Frieden zu erhalten gesuchet, 
würden in keine dergl. Unsicherheit, Noth und Gefahr gerathen sein, 
in welcher sie sich doch nunmehr wahrhaftig und unleugbar befinden. 
Es scheinet aber, dass das Verhängnis nicht anders sein solle, und 
haben Wir zu dem lieben Oott noch die feste Hoffnung und Zuver- 
sicht, er werde sich der Friedliebenden gnädig annehmen und es 
alles noch zu einem guten Ende anschlagen lassen. 

Sollte die Oamison in Wesel etwas Unrechtes fürnehmen, so 
wollten Wir der unvorgreiflichen Meinung sein, Ew. Ld. hätten es bei 
denen Staaten General zu suchen, welche sodann ohne Zweifel sich 
darauf, wie es recht und billig, erklären würden. Wir Unsers Orts 
können bei so bewandten Umständen wenig bei der Sache thun, weil 
die Garnison vermöge alter Verträge unter Unserem Gommando nicht 
stehet, dieselbige sich von vielen Jahren, wie bewusst, nicht wider 
Unseren, auch nicht des Reichs Willen darinnen befindet, denen zu- 
wider auch in dem deutschen Friedenschluss nichts verordnet; und 
haben Wir dabei zu Ew. Ld. das freundvetter- und brüderliche Ver- 
trauen, dass wann Sie ja auch mit öffentlichem Krieg für Sich wider 
die Vereinigte Niederlande losbrechen wollen, Sie werden Unsere un- 
schuldige Lande und Unterthanen verschonen und denenselbigen durch 
die Ihrige keine Ungelegenheit, Bedrängnis oder Schaden zufügen 
lassen. 

Sollte Korcöla widerrechtlich von Jemand angegriffen werden, so 
wisse Kf., wozu die Reichsconstitotionen ihn anweisen. 



29. Mai. d. d. Bonn 29. Mai 1672 übersendet der Kurfürst von Cöln das Mani- 

fest gegen die Generalstaaten d. d. Bonn 27. Mai 1672 *). 

Er hat dasselbe publiciren lassen^ weil die fortdauernden Feindselig- 
keiten der Holländer ihn nunmehr nötigen, „die von Gott, der Natur und 
dem Westpbälischen Friedenschluss erlaubten Mittel zu ergreifen^. 

Theatr. Europ. XI, 5-7. 



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WoImeineDde ErinneniDg des Ef. KriegserkläroDg CCoIds u. Mänsters. 151 

Fürstbischof Christoph Bemard von Münster an den Kar- 

fürsten. Dat. In Unser Residenz St. Ludgersburg 

31, Mai 1672. 

[Kriegserklärang an die GeneraUtaaten.] 

Constatirt die Feindseligkeiten der Holländer. Dass sie des Friedens- 31. Mai. 
brochee schnldig sind, erweist die Anlage „Enrtzer Bericht wasgestalt 
an Seiten Ser Vereinigten Niederlanden der zu Cleve im Jahr 
1666 den 18. April mit Ihr. Hochfürstl. Gn. zn Münster ge- 
schlossener Friedt, fast in allen Articulen ond Poncten ge- 
brochen. Getruckt im Jahre 1672. 4.^(2OS.)0 

Trotzdem ihnen zwei mächtige Könige gegenüberstehen, sind die Hol- 
länder nicht ^za milderen Gedanken veranlasst worden, nnd — 
Wir müssen zu Unserem höchsten Leideswesen erfahren, dass Wir 
nnd die Unsrige sogar zu selbiger Zeit, da die Generalstaaten einen 
aas ihren Deputirten zu Feld zu Uns geschicket und Fried und Freund- 
schaft contestiren lassen, in allen Oertern mit feindlichen Actionen 
angegriffen werden. Derowegen Wir ein anders nicht thun können, 
als Uns aller Mflglichkeit nach darwider zu setzen und zu defen- 
diren, haben auch Unsere Miliz, dieWir sonsten des Herrn Chur- 
fbrsten zu Göln Ld., in kraft zwischen den Erz- und Stiftern Göln 
und Monster von uralters hergebrachter Erbvereinigung wegen be- 
schehenen feindlichen Einfall der Staatischen Armee in das Erzstift 
Cöln und wegen verweigerter Restitution der Stadt Rheinberg zu Hülf 
geschickt, nach so vielfältig vorgangenen Rupturen und feindlichen 
Angriffen beordert, nunmehr auch in Unser eigenen Sache zu agiren. 
Wie Wir dann nicht weniger wegen des violirten Clevischen Frieden- 
schlusses zu I. Eon. M. in Frankreich und des Herrn Churfttrsten 
zu Göln Ld., als welche desselben Guarantie mit allergnädigstem Vor- 
wissen Ihrer Kais. Maj. übernommen und anitzo wider die Vereinigte 
Niederlande ohne das armiret sein, Unsere Zuflucht nehmen müssen. 

Zu Ew. Ld. tragen Wir die feste Zuversicht, gleich Wir Uns und 

Unsere Land und Leute andergestalt nicht retten können, Sie 

werden also Unseren gerechten Wapfen Beifall geben und auf Er- 
suchen zu assistiren geneigt sein. 

Ein anderes Exemplar in der Biblioth. d. Altertamsvereios zu Münster. 
S. Tückiog, Geschichte des Stifts Mäoster unter Christoph Bernard von Galeq 
1865. S. 178. Daselbst auch die übrigen Manifeste des Farstbischofs« 



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152 I- Zar Vorgeechichte des deutsch-franzoBiBchen Krieges. 1671. 1672. 

Kurfürst Maximilian Heinrich von Cöln an den Kurfürsten. 
Dat. Schloss Linn 6. Juni 1672. 

[Antwort anf des Kf. beide Schreiben vom 13. Mai st. v.^] 
6. Juni. , , . Dafern nun von Ew. Ld. die Verordnung geschehen wird, 

dass Unsere Landen mit dergleichen schädlichen Durchzügen hin- 
führo nicht beschwert werden sollen, so wollen Wir das Verwichene 
gern nachgeben. Es befremdet aber Uns auch nicht wenig, dass Ew. 
Ld. denen von des Herrn Administratoris zu Magdeburg Ld. 
zweiten Prinzen*) zu Unserem Behuf angeworbenen beiden Regimentern 
den Pass durch Dero Landen nicht gestatten wollen, da jedoch Wir 
Uns jederzeit gegen Ew. Ld. in allem so willfährig erzeigt haben. 
Wohin Korcöln gegen die Staaten sich zu entscheiden genötigt worden, 
hat sein jüngster Brief bereits erwiesen. 

Wir lassen auch alles daraus entstehende Unheil zu deren Ver- 
ursacher Verantwortung hingestellt sein und leben der Hoffnung, Ew. 
Ld. werden Sich auf die von dem König in Frankreich an Dieselbe 
gethane Abschickung') (damit er nemblich wissen möge, wessen er sich 
eigentlich gegen Ew. Ld. zu verseben) also erklären, auf dass zwischen 
Churf&rsten und Ständen alle Zerrüttung verhütet und das Roemische 
Reich in einen gefährlichen Krieg nicht miteingefiochten werden möge. 
Wir Unsers Theils werden Uns in alle Wege dahin befleissen, haben 
auch zu dem Allmächtigen das feste Vertrauen, dass Wir durch dessen 
Beistand eine billigmässige Satisfaction ohne Vergiessung vielen 
Menschenbluts (wie dann bei Eroberung Ew. Ld. Städte Wesel, Bü- 
derich, Orsoy solches verhütet worden, und ein gleichmässiges von 
Unserer Stadt Rheinberg heut zu vernehmen erwarten) von denen 
Oeneralstaaten, welche fast alle Könige und Potentaten schimpflich 
tractirt, auch Cbur- und Fürsten des Reichs fast weniger dann einen 
von ihren geringsten Bürgermeistern geachtet, dermalen erlangen mögen. 

Kurfürst Maximilian Heinrich von Cöln an den Kurfürsten. 
Dat. In Unser Stadt Deventer 20. Juli 1672. 

20. Jali. Hat des Kf. Schreiben, worin um Verstattung des Darchzages durch 
das Hildesheiraiscbe für zwei weitere Regimenter nachgesucht wird, durch 
seine Hildesheimischen Räte empfangeD. 

S. 147. 149. 

^ S. 148 Anm. 1. 

^ Vauguion, Oben S. 85, 



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Abweisende HaltoDg EGölns. Brandenbargische SenduDg an K Mainz. 153 

Da IndesseD von allen Seiten Berichte einlaufen, dass diese Truppen 
ZQ einer Assistenz der Generalstaaten und zur Bekämpfung Kureölns und 
Münsters verwendet werden sollten, so steht der Kurfürst an, den Pass zu 
gewähren, ehe nicht Ef. eine nähere Erklärung gegeben hat. Hierüber er- 
wartet er des Kf. Willensmeinung. 



Der Kurfürst von Cöln an die Landgraefin von Hessen- 
Cassel. Dat. Zwolle 30, August 1672. 

Uebersendet das CircnlarBchreiben an des Niedersächsischen Ereises 30. Aog. 
ausschreibende Fürsten, worin gebeten wird, (den Marsch der vereinigten 
Truppen) solch „wider den allgen^einen Friedenschluss, Eaiserl. Wahlcapi- 
tulation und Reichsconstitutionen laufendes*' Vorhaben zu hintertreiben. 



3. Die Haltung der Neutralen, 
a. V. Marenholtzs erste Sendung an Eurmainz. 

Der Kurfürst an den Freiherrn Cqrt Asche von Marenholtz*) 
nach Regensburg. Dat. Coelln a. Sp. 14. Februar 1672. 

[Befehlschreiben bezäglich seiner Abschickung an den Kurfärsten von Mainz 

nach Wärzburg^.] 

Rf. befiehlt ihm, diese seine Sendung an Kurmainz soviel immer mög- 24. Febr. 
lieh geheim zu halten. Marenholtz mag sagen, dass er mit des Rf. Erlaubnis 
eine Reise in eigenen Angelegenheiten nach Halberstadt antrete, wie er 
denn auch, wenn er scheinbar privatim dem Kanzler in Würzburg seine 
Aufwartung gemacht, sich dorthin und erst von da zum Kf. zurückzu- 
begeben hat. 

Er darf keine Ceremonien oder Tractamente annehmen, auch von 
seinen Aufträgen Niemandem ausser dem Kanzler selbst Eröffnung geben. 
Den ersten Vortrag soll er „in genere thun'', aber sobald er sich von der 
Geneigtheit der Intentionen von K.Mainz überzeugt hat, das Uebrige an- 
zeigen und — speciell in des Kf. Namen — um vertrauliche Meinungs- 
äusserung bitten. 

„Ihr habet die Reise also fort aozutreteu und Euch nichts denn Gottes 
Gewalt abhalten zu lassen.*' 



Gart Asche von Marenholtz (dies die aathentische NameDSchrei- 
bnog) vertrat mit Gottfried von Jena den Kurfürsten beim Regeneburger 
Reichstage. 

^) Johann Philipp von Schönborn, Rorfärst seit 1647, zugleich 
Bischof von Wnrzbnrg und Worms. Diese Gesandtschaft Pafendorf, Comm. XI, 44. 



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154 I- Zur Vorgeschichte des deatsch-französisohen Krieges. 1671. 1672. 

Instruction wonach sich Unser Gebeimer Rath Präsident Unseres 
Fflrstenthums Halberstadt, Kämmerer, Hauptmann zu Gattersleben und 
Grottorf, auch Gesandter auf jetzigem Reichstage zu Regensburg..., 
Gurt Asche Freiherr von Marenholtz bei seiner Abschickung an des 
Herrn Ghurftirsten zu Mainz Ld. zu achten. Dat. Goelln a. Sp. 14. Fe- 
bruar 1672. Conc. Friedrich v. Jena'). 

24. Febr. Die InstructioQ weist anf die dem Reiche aus den französischen ünter- 
nehmoDgen erwachsende Gefahr. „Darch einseitige Gonsilia und Resolntiones 
werde dem Werke nicht geholfen oder gerathen'^ schon im letzten Kriege 
sei das singiUi pugnant, universi vincuntur „zu des Vaterlandes und der Teut- 
sehen Fürsten unüberwindlichem Schaden practicirt worden'^ Eine Com- 
munication mit Karmainz ist dem Kf. von besonderem Wert, weil schon zu 
Cöln „I. Ld. Räthe von Deroselben gute und heilsame Intentionen vor das 
Vaterland nnd Dessen Interesse gegen die Unsrige sonderlich und bestän- 
dig contestiret, überdem aber Uns Ihrer Ld. dem Reich als unserem gemeinen 
Vaterlande zutragende ungefärbte Liebe und Affection bekannt^'. 

„Es wäre wissend, was der König von Frankreich wider die Vereinigte 
Niederlande vorhätte, und wären Wir von demselbigen durch dessen Ab- 
geschickten ^ ersuchet worden, entweder Partei mit dem Könige zu nehmen 
oder aber neutral zu bleiben nnd deshalb gewisse Pacta aufzurichten. Noch 
zur Zeit hätten Wir Uns zu nichts hauptsächlich erkläret und würden auch, 
wenn Wir Uns zu etwas verstünden, dasselbige dergestalt einrichten lassen, 
dass Wir weder dem Reiche dadurch praejudiciren, noch auch sonsten 
etwas Nachtheiliges schliessen würden. Zwar hätten Wir Unsere Mediation 
und, auf des Staats Belieben, dem Könige alle billigmässige Satisfaction 
angeboten, es hätte aber solches alles bis auf diese Stunde nichts ver- 
fangen noch von dem Könige angenommen werden wollen, und wäre Uns 
nunmehr alle Hoffnung dazu benommen. Dahero Wir nicht ohne grosse 
Ursach befahren und besorgen müssen — es laufe auch die Sache aus, 
wie sie immer wolle — es werde das Reich seine Sicherheit nicht erhalten 
sondern dergleichen Blosse bekommen, dass hernachmals ohne grosse Mühe 
und Force demselbigen beizukommen.'^ 

„Wir ersuchten demnach I. Ld. freundbrüderlich, Sie wolle in diesem 
grossen Werke auf nichts anders als auf die Wohlfahrt des Vaterlandes 
Ihr Absehen richten nnd Uns Dero hocherleuchtete Meinung und Gutachten 
unbeschweret wissen lassen. Wir wären über vorige Ursachen auch darum 
mit zu dieser Schickung veranlasset worden, dass Wir vernommen, wie I. Ld., 
auf Begehren und Instanz des Königs in Frankreich, den Freiherrn von 



') Kanzleinotiz des Secretärs Sturm: «Wann H. Hippel das Creditif von 
Char-Mainz abzuschreiben gegeben, so wolle er ihm [dem Schreiber] sagen, dass 
er Niemand das Geringste davon sage, auch das Goncept dem H. Hippel aleo- 
bald zustelle, dass es nicht laut werde, dass Herr Marenholtz dahin gehet*. 

^ Gomte de St. G6ran. 



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lostraction far Marenholtz. 155 

Schönborn') an den Kaiserlichen Hof geschicket, and dass ged. Freiherr 
von Wien aas Ihrer Kais. M. Resolntion nacher Paris selbst tiberbringen 
sollte." 

Der Gesandte soll sich auslassen oder an sich halten, je nach dem er den 

Kanzler geneigt findet „Wann er aber sehen wtirde, dass I. Ld. die Sache 

wie es nöthig begriffe and von denen Mediis, welche etwan za Conservation 
des Reichs Secnritaet nöthig, Erwähnung thäte, so hat er anzuzeigen, dass 
wol freilich nöthig, dem Unglück in Zeiten, und zwar nicht einzeln son- 
dern mit zusammengesetztem Rath und That, vorzukommen und 
nicht zu erwarten, bis dem Heil. Römischen Reich der Yortheil entzogen, 
die beste Avantage benommen, und dasselbige dergestalt entblösset, dass 
bernachmals demselbigen gar leichtlich beiznkommen, und vollends unter die 
Fasse gebracht und untertreten werden könne. Gott hätte noch Mittel genug 
verliehen, solchem allem entgegenzutreten und dergleichen Gefahr abzu- 
kehren, wann nur Alle und Jede oder doch nur die Vornehmsten ihnen das 
Werk einen rechten Ernst sein und die Zeit nicht vorbeigehen liessen. 
Wir wollten von Herzen gerne alles und jedes willig und gern beitragen, 
was Unser Churfürstliches Amt und die dem Heiligen Rom. Reiche schul- 
dige Pflicht erforderte, wären auch dahero entschlossen. Uns in mehrer 
Verfassung zu stellen und an allem was Uns möglich nichts zu versäumen." 

„Zwar sähen Wir wol, dass Wir in Unseren Glevischen Lande für 
allen anderen was sonderbares leiden und die Landen würden lassen 
ruiniren müssen. Wir stelleten aber I. Ld. reiflich zu bedenken, dass ob- 
gleich der Staat mit Unserem guten Willen nur blos die Garnison in .eini- 
gen Unseren Städten hätte, ein ander Auswärtiger dieselbige Reichslande 
und Städte mit Gewalt überziehen, belägern und andere dergleichen Thät- 
lichkeiten mehr, unbeschadet des Westphälischen Friedens und der Reichs- 
constitutionen, fürnehmen könne, und ob Uns nicht auf solchen Fall das 
Reich vermöge des Westphälischen Friedens und der Reichsconstitutionen 
zu assistiren schuldig und gehalten." 

,>Gleichwie er aber dieses alles ehender und anderergestalt nicht vor- 
znstellen, es sei denn dass er I. Ld. Inelination und Meinung mit der Unsri- 
gen conform findet, also hat er auch Dieselbige zu versichern, dass Wir 
dabei beständig verharren und nichts überall thun oder vornehmen werden, 
was dem Heiligen Römischen Reiche auf einigerlei Weise oder Wege nach- 
theilig sein könnte. Und weil Wir wüssten , dass I. Ld. mit dem Kaiser- 
lichen Hofe in guter Correspondenz und Confidenz stünden, so ersucheten 
Wir Dieselbige, Sie wollen auch daselbst für das Vaterland gute Officia 
anwenden und I. Kaiserl. Maj. zu Ihrem Kaiserlichen Amte und nöthiger 
annachlässiger Vorsorge für das Heilige Rom. Reich aufmuntern und Die- 
selbige dabei aller getreuen Ghurfürsten, Fürsten und Stände getreuer 
Beitretung und Assistenz versichern." 

Da dem Reiche und absonderlich dem Westphälischen Kreise an dem 



^) Des Kanzlers Neffe und Hofmarschall. 



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156 ^' Zur Vorgeschichte des deutsch-fraDSosischen Krieges. 1671. 1672. 

Geschick der Stadt Cöln das höchste liege, so möge man aof ConserYation 
eines so wichtigen Platzes bedacht sein. Wie es heisst^ snche der Bischof 
von Strassbnrg in Ansnntznng der Conjnnctnren das KnrfursteDtQin 
Cöln an sich zn bringen. 

Der Kanzler möge solches alles „secretiren^'. Dem Gesandten wird 
Behutsamkeit empfohlen; er ist gehalten, nichts Schriftliches zu geben, aber 
den Wunsch einer ferneren Correspondenz mit Knrmainz auszusprechen. 



I.März. d. ± Regensburg 20. Februar 1672 meldet v. Marenholtz- den 
Emfang des Ef.lichen Rescriptes mit der Notiz, dass er sich morgen auf 
die anbefohlene Reise machen werde. 



y. Marenholtz an den Kurfürsten. Dat WUrzburg 26. Fe- 
bruar/7. Maerz 1672. 

[Ankauft and Aufnahme im Schlosse zu Wurzbarg. Audienz beim Kanzler. 

Dessen Eröffnungen über den Stand der Verhandlungen and Vorschlag eines 

Bündnisses; Unzufriedenheit mit dem Verhalten des Kaiserhofes; Auskunft über 

die Abmachungen mit Paris und Wien. Cölo. Oravels Argwohn ] 

7. März. Des eingetretenen Thauwetters und der schlimmen Wege halber hat 
er nicht eher als gestern in Würzbnrg eintreffen können. 

S. Ghurf. Gn., weil ich meinen Namen von mir geben mttssen, 
schicketen also bald herunter und Hessen fragen, ob ich der Maren- 
holtz, der bisher zu Regensburg gewesen, und ob bei Deroselben was 
anzubringen? Ich gab zur Antwort, dass auf gnädigst erhaltene Per- 
mission von Ew. Gh. D. in meinen Privatgeschäften nacher Halber- 
stadt reisete, und weil bei einem Fränkischen von Adel, dem von 
Riedesel, eine Post Geldes ausstehen, und derselbe seine Güter von 
hier nicht weit, wäre mein Weg hieraufzu gangen. Bei S. Ghurf. Gn. 
hätte zwar nichts zu verrichten, weil aber vernähme, dass Sie Sich 
meiner noch gnädigst erinnerten, würde die Schuldigkeit erfordern, 
Deroselben unterthänigst aufzuwarten. 

Als auf das Schloss kommen, traf den Herrn Hofmarschalln an 
und andere Gavaliers, welche zu Regensburg und Mainz gekannt. 
S. Ghurf. Gn. hatten befohlen, dass mir sofort ein Zimmer eingegeben, 
und daroben logiret werden sollte. Ich entschuldigte mich aber und 
bat nur, dass mir die Residenz und Festung, auch was sonst zu sehen, 



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RrBfiTanDgen des Karfürsten v. Mainz über die Lage. 157 

möchte gezeiget werden, da dann in das Zeughaus, welches nicht 
weniger als der Weinkeller wol versehen, geführet ward. 

S. Ghurf. 6n. Hessen mich bald darauf vor Sich kommen, em- 
pfiengen mich gar gnädigst, sagten, dass Sie sich meiner nicht ver- 
muthet, wollten ja nicht hoffen, dass man also vom Reichstage ohne 
Abschied ziehen würde. Die itzige Laufte wären dergestalt be- 
schaffen, dass man eher zusammenkommen als von einander gehen 
sollte. Ich antwortete, dass Ew. Gh. D. mir nur eine Reise nach 
meinen Gütern in dem Fflrstenthum Halberstadt zu thun erlaubet, 
und weil S. Gh. Gn. in Dero Gemach ganz allein, übergab Dero- 
selben das Greditif. Ich musste mich alsobald setzen und merkete 
wol, dass S. Gh. Gn. sehr verlangeten was ich anbringen würde. 

Der Gesandte stellt nun vor, wie sehr seinem Herrn daran gelegen sei, 
mit dem Kanzler über „die itzige weitaussehende GonjuDctaren*' zu com- 
mnniciren. Er betont das Geheime seiner SenduDg: als er von Regens- 
bnrg abgereist sei nod der Kaiserliche CommisBarias za ihm geschickt, 
habe er nichts anderes sagen lassen, als dass er in Privatis nach Halber- 
stadt verreise und sich ehester Tage wieder einfinden werde; wie er denn 
aach alle seine Sachen dort gelassen and Mietpferde genommen hat. 

Nach vielen Betenernngen , „was Sie vor Estime vor Ew. Gh. D. 
Freundschaft, Gondoite^ Vermögen und Eriegserfahrnng macheten^, giebt 
der Kanzler seiner Freude über des Kf. Vertrauen und seiner eigenen auf- 
richtigen Gesinnung Ausdruck — 

Nun wäre reichskundig, wie vielfältig S. Ghurf. Gn. den Punctum 
securitatis publicae zu Regensburg in den Gollegiis vorzunehmen und 
auszumachen proponiren und urgiren lassen; wie schlecht aber solches 
beobachtet, und wie langsam alles hergangen und noch gienge, wäre 
nicht weniger bekannt als zu beklagen, und wüsste ich selbst, was 
passiret, auch wie die Sache so oft sich gestecket und aus ein und 
anderen Respecten aufgehalten worden. S. Gh. Gn. hätten, dies 
nöthige Werk zu befodem, unterschiedliche Abschickungen, insonder- 
heit an Ew. Gh. D., gethan und gehindert — wiewol Sie deswegen 
gar schlechten Dank verdienet und erfahren müssen, in was Goncept 
Sie Prinz Wilhelm von Fürstenberg bei Ew. Gh. D. bringen wollen 
— dass die Rheinische Alliance nicht prorogiret worden. Voritzo . . . 
wären Sie auf eine Alliance bedacht, darinnen Kaiserl. Maj., Sie selbst, 
Chur-Trier, Ghur-Sachsen, die Sächsische Häuser, Branden- 
hurg-Gulmbach, Sachsen-Lauenburg, Münster begriffen'). Ew. 



») Oben S. 92. 



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158 ^ Zar Vorgeschichte des deatsch-fraozösischen Krieges. 1671. 1672. 

Ch. D. wäre auch solches alles sattsam wissend. Wenn nun Dieselbe 
gleichfalls darinnen sich begeben wollten, wäre dieses Foedus desto 
redoutabler, und würden die Braunschweigische Häuser Ew. Ch. 
D. Exempel gewiss folgen. 

S. Ghurf. 6n. apprehendirten die Gefahr, welche dem Reich von 
des Königs in Frankreich Macht, allem Vermuthen nach, bevorstünde, 
rechtschaffen, sagten darauf, Sie kttnnten über des Bischofen von 
Strassburg Bezeigungen, als eines deutschen Reichsfürsten, Sich 
nicht genugsam verwundern noch die Consilia fassen, imgl. dass S. 
Ch. D. zu Co In so fromm, dass Sie sich dergestalt einnehmen Hessen. 
Ew. Gh. D. wüssten vorhin, was Dieselbe vor Oerter dem König in 
Frankreich überlassen. Münster würde sich zwar auch wol bei 
diesen Zeiten in einige Verfassung stellen und wäre denen Holländern 
aus dem alten Groll nicht gar affectioniret. Dass es aber feste Plätze 
denen Franzosen einräumen sollte, wären S. Churf. Gn. versichert, 
dass es nimmer geschehen würde. S. Ch. Gn. hätten noch allezeit ge- 
hoffet, dass Ew. Ch. D. Mediation von I. K. M. in Frankreich würde 
angenommen werden. Indem Sie aber aus meinem Vortrag ver- 
standen, dass Ew. Ch. D. nunmehr gar daran zweifelten, und ganz 
keine Apparence dazu, künnten S. Ch. Gn. leicht raisonniren, dass 
wenn Sie Sich zu dergleichen, wie bereits geschehen, ferner offerirten, 
solches so viel weniger würde consideriret werden. Zumalen denn 
aus diesen Discoursen, auch S. Ch. Gn. Minen, soviel abnahm und 
merkete, dass Dieselbe der Franzosen Desseins sehr apprehendirten. 
Hatte kein Bedenken, Ew. Ch. D. gnädigsten Befehl nach mich weiter 
herauszulassen und fragete, was doch der Kgl. Französische Envoyä 
Mr. Heiss (welcher ein Clevischer und Ew. Ch. D. Unterthan sein 
soll) proponiret, was S. Ch. Gn. Demselben vor eine Antwort er- 
theilet, und was Dero Hofmarschall, der Freiherr von Schönborn 
(welcher vor zwei Tagen wiederkommen) zu Wien ausgerichtet. 

S. Ch. Gn. giengen darauf zu Ihren Schreibtisch, holeten vorge- 
dachten Mr. Heissen Vortrag, item was S. Ch. Gn. darauf geant- 
wortet, imgleichen die Resolution, welche von I. Kais. M. der Freiherr 
von Schönborn mitgebracht, und sagten: ich möchte nur alles laut 
lesen. Des Mr. Heissen Anbringen bestand vornemblich in dem: 

I. K. M. in Frankreich versicherten Sr. Ch. Gn., dass Sie das 
Reich oder einige Churfürsten und Stände nicht attaquiren, son- 
dern ob dem Münster- und Osnabrückischen Frieden festhalten 



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Sein Bescheid an Frankreiefa. Kaieerliche BesoIutioD. 159 

wollten. Auch hätte eich Spanien vor Ihren Waffen nichts zu 
befahren, wenn es Dero Feinden nur nicht Hülfe leistete. Sie 
wären erbötig, gegen die Hollaender eine offensive Ligue mit 
gedachter Krön Spanien zu schliessen: que Tintention de Sa. Maj. 
n'estoit autre que d'attaquer les Hollandois, pour les punir de 
leurs insolences lesquelles leur fönt oublier ce qu'ils estoient, 
youlants d^cider de toutes les affaires de TEurope et tyranniser 
toutes les nations dans le commerce, pour satisfaire k leur ava* 
rice; que S. M. vouloit de plus les obliger k vendre k tous les 
Princes de TEmpire, leurs voisins, les places qu'ils ont usurp^es 
pour eux^). I. K. M. yerhoffeten, England, welches die Holländer 
auch gerne gedemttthiget sähe, würde Ihr nicht zuwider sein. 
Die Gonservation der Vereinigten Provincien gienge auch I. Kais. 
M. nichts an, au contraire ihr Abaissement würde Deroselben 
und dem Roem. Reiche nützlich sein. Diesem allem nach ver- 
langeten I. Eönigl. M. von Sr. Ob. 6n., Sie möchten bei I. Kais. 
M. sich ef&cacement bemühen, dass Dieselbe in die Sache sich 
nicht mengeten, sondern den König mit den Holländern die Que- 
relle demesliren und ausmachen lassen. Auch ersuchete I. K. M. 
S. Gh. 6n. um freie Passages auf dem Rhein u. s. w. 

Die KarmaiDzische Antwort an Heiss bezeagt die OenagthanDg des 
Kanzlers, dass I. Kön. M. mit dem Römischen Reiche Friede halten wolle: 

Sie wünscheten, dass I. K. M. eine raisonnable Satisfaction von 
den Herrn Generalstaaten verlangen möchten, wären erbötig hiezu 
gerne zu cooperiren, damit ein so blutiger besorgender Krieg 
vermieden bliebe. Sollten aber I. K. M. gegen die Staaten- 
General ja was vorzunehmen bewogen werden, erkläreten S. Gh. 
Gn. Sich hiermit: qu'Elle ne S'en mesleroit pas, si ce n'estoit qu'il 
y eust ou arrivast quelque chose qui pr^judiciast k la conser- 
vation commune de la seuretä de l'Empire et du traitä de West- 
phalie ou k quoy les constitutions de TEmpire et son debvoir 
comme Archichancelier et Directeur d'aucuns autres cercles 
d'iceluy Tobligeroient *). 

Die Kaiserliche Resolution ist sehr allgemein gehalten. Man ver- 
läset sich auf die Versichernngen Franiireichs, wird im übrigen dem Münsteri- 
schen Frieden nachleben und, wenn es die Not gebietet, mit Kurfürsten 
nnd Ständen über die Reichswolfahrt in Beratung zn treten nicht unter- 



So der gereinigte Text. Die Copie ist an verschiedenen Stellen fehlerhaft. 



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]60 I- Zur Vorgeschichte des deutsch- französischen Krieges. 1671. 1672. 

lassen. Diese Resolation wird, da der französische König einen Expressen 
wünscht, Frhr. v. Schönborn nach Paris überbringen; indes wäre sie 
— nach des Kanzlers Meinung — so eingerichtet, dass sie sehr wol mit der 
ordinär! Post geschickt werden könnte: 

Es gienge am Kaiserlichen Hofe sehr schläfrig und langsam her, 
man refleetirte da mehr, was gegen Polen möchte vorgenommen wer- 
den als was Frankreich thäte. Daher ich Gelegenheit nahm zu er- 
wähnen, ob denn nicht Sache, dass S. Ch. 6n., weil Dieselbe am 
kaiserl. Hofe in so guter Correspondenz und Confidenz stünden, I. 
Kais. M. zu Ihrem hohen Kaiserl. Amt bei itzigen Gefährlichkeiten 
aufmunterten; S. Gh. Gn. kttnnten dabei aller getreuen Churfürsten 
und Stände Beitretung und Assistenz versichern. S. Ch. Gn. ant- 
worteten, dass Sie nichts mehr, als was Sie bisher gethan, zu thun 
vermöchten. Sie schicketen und schrieben, es verfienge aber wenig. 
Als der Freiherr von Schoenborn abgereiset, hätte I. Kais. M. noch 
nicht gewusst, dass Spanien sich so wol vor die Herren Staaten er- 
kläret, und machte vielleicht dieses die Consilia ändern und reveilliren. 
Ich fragte hierauf: ob denn S. Gh. Gn. nicht vermeinten, dass wenn 
Ew. Gh. D. Reichslande und Staaten (worin mit Dero guten Willen 
die Vereinigte Provinzen nur blos die Garnison hätten) ein ander 
Auswärtiger überziehen und belägern sollte, das Reich auf solchen 
Fall obligiret und gehalten, vermöge der Reichs-Constitutionen Ew. 
Gh. D. zu assistiren? S. Ch. Gn. antworteten, dass bei Ihr solches 
ausser allem Zweifel, und wenn Ew. Ch. D. auf dem Reichstage dieser- 
wegen was proponiren lassen wollten, hätten Sie Sich Sr. Ch. Gn. 
Votorum in einem und andern Collegio zu versichern. 

Wegen der Stadt Cöln, ob dieselbe genugsam versehen, hielten 
S. Ch. Gn. davor, dass sie ausser Gefahr, und sich niemand an die- 
selbe machen würde. S. Ch. Gn. hätten zwar ohnlängst vorschlagen 
lassen, dass die gewesene H. Mediatores auch einige Mannschaft darin 
legen sollten. Sie wären aber auf andere Gedanken kommen, und 
wenn es ja noch geschehen sollte, müsste die Stadt darum anhalten 
und solche Völker verpflegen. S. Ch. Gn. hätten genug zu thun, dass 
Sie Ihre Plätze besetzten. — Von dem Bischof von Strassburg kam 
en discourant vor, dass er wol gerne Coadjutor des Erzstifts Cöln wäre. 

Unter ferneren Beteuernngen mahnt der Kanzler nochmals, Kf. möchte 
doch in die obenerwähnte Allianz eintreten nnd auch die Braunschweigi- 
Bchen Häuser zum Beitritt veranlassen. „Es würde zu vielem dienen, und 
man könnte desto besser und öfter zusammenkommen und -schicken.^' Auch 



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Marenholtzs zweite Sendang an Kurmainz. 161 

möchte Kf. dem, wenngleich schon lange währenden, Reichstage noch 
ein wenig nachsehen und za seiner Aaflösung keine Ursache geben, ehe 
naan wüsste, was der Sommer offenbaren würde. Die Auffofderung zu fer- 
nerer schriftlicher Verbindung nimmt der Kanzler mit Dank an, wobei das 
Secretnm gewahrt bleiben solle. 

Mr. de Gravel, der Bruder des Regensburgischen Gesandten, am 
Hofe zu Mainz Königl. Französischer Resident, soll sehr fleissig nachgefragt 
haben, ob bei Sr. Ghurf. Gn. etwas negotiirt worden; er wird aber wol 
nichts erfahren; denn soviel Marenholtz in dieser kurzen Zeit hat merken 
können, sind die Mainzischen Minister nicht gerade gut französisch gesonnen. 

Morgen reist er direct nach Halberstadt und wird von da dem Kur- 
fürsten zu Berlin aufwarten. 



Anlagen. 

Gopie de Tinstrnction donn^e de la part du Roy trös chrestien a 
Sieur Heiss, s'en allant vers son Altesse Electorale de Mayence. o. D. 

Resolution que Son Altesse Electorale a ?onln donner par escrit an 
Sieur Heiss, s'en retonrnant ä la Cour de France, sur Textraict de son 
instruction. o. D. 

[Kaiserliche] Antwort auf das von dem Herrn Churmainzischen Ab- 
geordneten wegen der Krone Frankreich beschehenes Anbringen, o. D. 

Den wesentlichen Inhalt aller drei ergab die vorstehende Relation. 



b. V. Marenholtzs zweite Sendung. 

Instruction Dat. Coelln a. Sp. 26. April 1672. 

Conc. V. Somnitz. 

Der Gesandte soll wie bei seiner ersten Sendung „keinen Gharacter 6. Mai. 
prätendiren^. Die vertraulichen Aeusserungen KMainz's veranlassen wei- 
teren Austausch über die zu treffenden Sicherheitsmassregeln. 

,,Weil nnnmehro Reichs- ja weltkundig, wie dass fremde Armeen auf 
des Römischen Reiches Boden geiühret, damit desselben Frontierstädte, wie 
auch im Reich belegene Oerter besetzet und fortificiret, auch Gitadellen 
darin gebanet, die beste Mannschaft für Fremde weggeworben und denen- 
selbeu zugefübret, ja wann Ohur- und Fürsten etwa znsamra'enkämen, auf 
dieselben sofort ein Argwohn geworfen, auch wider Dero Verfassungen, 
wann sie einige fürnehmen sollten, bedräuliche Reden ungescheut geführet 
und ausgeschüttet, auch wann einige Ghurfürsten am Rhein wegen ihrer 
Befugnis auf selbigen Strom Erinnerung thäten, damit übel abgewiesen 
würden: so stelleten Wir Sr. Ld. zu bedenken, was dahero ins künftige und 
wol in kurzem zu gewarten, und ob demnach den Dingen also zuzusehen, 

Mater, s. Gescb. d. G. Kurfursteu. XIII. 11 



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162 I- Zqc Vorgeschichte des deatsch-französischen Krieges. 1671. 1072. 

oder aber Dicht viel mehr^ bei Ihr. Kaiserl. M. die nötigen Massregeln 
n. t». w. zum Schatz und zur Gewährleistong des Friedens anzuordnen seien. 

^Wir hätten sonsten nicht unterlassen zn erwägen, ob und welcherge- 
stalt durch die Alliance, so die Rom. Kais. Maj. mit einigen Chur- and 
Fürsten aufgerichtet, den Sachen gerathen sein möchte. Es wäre aber 
offenbar, dass die Hülfe, so darin versprochen, fast geringe, und die Er- 
höhung von einigen AUiirten nicht leicht zu Tennuthen. So wollten anch 
Viele zu des Bischofs von Münster Ld. ein schlechtes Vertrauen setzen 
und dafür halten, dass die AUiirten ehe was Widriges als einige Hülfe 
zu gewarten. Einige Alliirte, so am Rheinstrom belegen, wären dergestalt 
unter fremder Macht begriffen, dass sie für ihr Vaterland nichts thun dürf- 
ten oder könnten. Bei einigen anderen würde noch 2ur Zeit keine Ver- 
fassung oder Aubtalt dazu verspüret. Wenn aber dennoch I. Kais. Maj., 
wie Wir von dem anhero gesandten Reichshofrath, dem Baron deGoes') 
vernehmen, darauf^ bestünden, dass Wir mit darin treten möchten, so wären 
Wir auch hierin I. Raserl. M. Satisfaclion zu geben nicht ungeneigt; allein 
wäre offenbar, dass ein so langsam und schwaches Mittel dem vor der Thür 
stehenden grossen Unheil nicht steuern könnte, und wäre also nun so viel 
desto mehr dahin zu gedenken, wie zu der Sache besser und schleuniger ge- 
rathen werden möchte. Wir wären I. Ld. hochverbunden, Dero rechtmässi- 
gen Sentiments wegen, da Sie dafür gehalten, dass wann Unsere Clevischen 
Lande von auswärtiger Gewalt sollten angegriffen werden, das Reich schul- 
dig und verbunden wäre, selbige zu retten und zn vertheidigen. Nun wäre 
es an dem, dass solche Oerter in grosser Gefahr, attaqniret zu werden, 
stünden. Wir müssen anch vernehmen, dass einige Uns zustehende Plätze 
von fremden hohen Officirern recognosciret, und Churcölnische Ministri sich 
vernehmen lassen, dass Seine des Ghurfiirsteu von CölnLd. eine alte 
Praetension auf die Lippstadt hätten, die doch ganz unbegründet ist. Wann 
nun bei solcher Bewandtnis sothane Unsere Plätze und Ijande in kurzem 
überfallen werden sollten, das doch Gott verhüte, so könnten Wir nicht ab- 
sehen, wie Wir der Assistenz vom Reiche, so I. Ld für billig erkannt, und 
zumalen zu rechter Zeit, zu gewarten hätten.^ Nochmaliges Ersuchen, „die 
Verfassung** zu befördern. 

Zu Regensburg in particulari einzukomroen ist überflüssig und unzweck- 
mässig. Die Stadt Co In schwebt in grösserer Gefahr als früher. Die 
einliegenden Truppen sind teils Kurcöln teils Münster zuständig: es ist 
leicht ersichtlich, was von deren Defension zu halten sei. 

Der Gesandte soll des Kanzlers Gedanken über eine Particular-Allianz 
mit den Generalstaaten sondiren. Am Eaiserhofe ist man nicht der Ansicht, 
dasB diese dem Friedensinstrument zuwider läuft; „worin denn auch aus- 
drücklich enthalten, dass singulis Statibus zugelassen sein sollte, nach dem 
einmal zwischen Frankreich und Spanien getroffenen Frieden, einer oder 
anderen Krone zu assistiren^. 

*) Siehe unten S. 172. 



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KMaiDZ in Yerlegeoheit gegenüber der drohenden Gefahr. 163 

Aaf Wunsch des Earfürst-Erzbiscbofs von Trier soll v. M. 
aoch mit den Trierischen Delegirten am Reichstage verhandeln. Der Erz- 
bischof ^) hat wegen der bedrohlichen Haltung der Französischen Alliirten, 
^die sich in auswärtige Händel mischten und seinem Stift grosse Ungelegen- 
heiten zuzögen^, ein Schreiben an den Rf. gerichtet. 



C. A. von MarenhoH^ an den Kurfttrsten. Dat Würzburg 

6./16. Mai 1672. 

[Empfang und Audienz. Des Kanzlers Verlegenheit gegenüber der drohenden 
Qefahr. Französische Resolation. Gerächte aus Paris. Bescheid auf die ein- 
zelnen Materien der Marenholtz'schen Instruction.] 

Der Kanzler steht im Begriff, mit dem gesamten Hofstaat ins Erzstift 16. Mai. 
abzureisen^ hat ihn aber nichtsdestoweniger gleich nach seiner gestern Mit- 
tag erfolgten Ankunft empfangen. — Die Ablegung der Cnrialien wie bei 
der ersten Gesandtschaft. 

Der Kanzler erbietet sich, Schreiben in dem vom Kf. vorgeschlagenen 
Sinne, absonderlich an den Kais er, abgehen zu lassen; er wird auch ^seinem 

Directori zu Regensburg befehlen, den Gesandten am Reichstage 

die vor Augen stehende Gefahr auf das beweglichste zu repraesentiren und 
die Ausmachung des Puncti securitatis angelegentlichst zu befördern^. Es 
wäre recht und billig, dass das Reich dem Kurfürsten von Brandenburg bei 
einem Anfall auf seine Clevischen Lande Beistand leiste. Aber wie wolle 
man einer Macht von 180 000 Mann, wie der französischen, widerstehn? Er 
wisse nicht, was zu thun sei. Wegen seiner Länder schwebe er in nicht 
geringerer Gefahr als Kf. 

V. Schönborn hat neulich die Antwort vom Französischen Hofe 
gebracht*). L Kon. M. wollten das Reich weder in genere noch in 
Bpeeie (wie diese Art zu reden gebrauchet worden) nicht attaquiren, 
stünde aber dahin, was hierunter zu trauen. Und als S. Ghurf. 6n. 
nochmaln eine Mediation zwischen L K. M. und dem Bstat offeriret, 
hätte man geantwortet, es wäre nunmehr zu lang gewartet: L M. 
kannten auch vermöge des Foederis, so Sie mit England aufgerichtet, 
den Lauf Ihrer Waffen nicht sistiren und hemmen lassen. 

Redereien bezüglich Wesels. Deir König habe Absichten auf diese 
Stadt, von denen wol v. Crockow gemeldet haben würde»): „er könne keinen 
Feind auf dem Rücken leiden. Ewrer Ch, D. sollte ja lieb sein, dass Sie den 
Platz wieder zu Ihrer Devotion und in Ihre Gewalt kriegten^ zumalen I. M. 
denselben nach der Eroberung Ewrer Ch. D. alsobald übergeben wollten..." 



^) Carl Caspar 70D der Leyen (1652-1676). Das Schreiben d.d. 
3. April 1672. 

») Oben S. 160. 
^ Oben 8. 66. 66. 

11* 



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164 I- Zar Vorgeschichte des deutscb-französischen Krieges. 1671. 1G72. 

S. Churf. Gn. vernähmen auch sehr geiii, dass Ew. Ch. D. in 
die ProviBional-AlIianz zu treten nicht ungeneiget. Von den Conditionen 
und, wie das Quantum zu erhöhen, würde zu reden sein, und mQsste 
man dieser wegei^ zusammenkommen. Ihres Theils wären Sie mit 
der Mannschaft, so Sie zu stellen versprochen, allemal bereit. Sonst 
müssten sie wol gestehen, ktlnnten es auch Ewrer Ch. D. nur schrei- 
ben, dass Sie dem Bischof von Münster selbst nicht traueten und 
nicht wüssten, was man sich zu ihm zu versehen. 

Die PraetensioD der KaroölDiscben auf Lippstadt findet der Kanzler über 
die Massen befremdlich. Prinz Wilhelm von Fürstenberg, der neu- 
lich hier gewesen, habe sich davon nicht das Geringste merken lassen. 
»^Dergleichen Sachen, nnd wenn ein Stand des Reichs auf den anderen ja 
was zu sprechen, müsse gerichtlich nnd nicht dnrch die Waffen ansgemachet 
werden.'' Die Stadt Cöln hält EMainz für ausser Gefahr. Wollte man 
jetzt noch Völker hineinlegen, so „würde es viel zn thau und grosse Om- 
brage geben, ja wenn es die Stadt nicht selbst suchete, könnte es in der 
Gemeine gar einen Anf stand erwecken^. 

Ich nahm auch Gelegenheit bei S. Churf. Gn. zu sondiren, wohin 
Dero Gedanken wegen der Particulier-Alliirung mit den Staaten giengen, 
ob Sie nicht vermeineten, dass solche dem Instrumento Pacis, nicht 
zuwider? S. Churf. Gn. aber wollten weder ja noch nein sagen, 
und als ich vorstellete, es wäre gleichwol in dem Friedensinstrument 
enthalten, dass dergleichen singulis Statibus zugelassen sein sollte, 
antworteten S. Churf. Gn., dass dieser Passus bekannt und Einige 
denselben vor Sich anzögen; Andere aber allegirten hingegen einen 
anderen § aus dem Instr. Pac, nämlich: et ut eo sincerior etc. ..; 
stünde also dahin, welcher recht hätte. 

Mit der Reise ins Erzstift eilt es; der französische Resident Gravel 
fährt mit. Mareuholtz hat demnach nichts mehr zu verrichten. — Zaletzt 
bat der Kanzler noch geäussert, man müsse unbedingt eine Mediation zwi- 
schen Frankreich und Holland durchsetzen nnd dürfe Holland nicht ver- 
lassen. 



Kurfürst Johann Philipp von Mainz an den Kurfürsten. 
Dat. St. Martinsburg in Unserer Stadt Mainz, 20. Juni 1672. 

[Das französiflch-schwedische Bündnis ist durch Arenten übermittelt worden. 
Des Kanzlers Ansicht davon.] 

20. Juni. Bezieht sich anf ein Schreiben des Kurfürsten vom 28. Mai, welches 
von dem Anbringen des Schwedischen Bnvojös Hermann Wolfrath, 



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M.arenholtzs dritte Sendung an Kurmainz. Ii65 

betreffend das zwischen Schweden und Frankreich abgeschlossene Bündnis, 
und von der mit den brandenburgischen Räten abgehaltenen Conferenz be- 
richtete. Aach in Mainz ist ein Schwedischer Abgeordneter, Rat Johann 
Arenten, erschienen und hat gleichmässige Communication gethan. Der 
Kanzler findet das Bündnis sehr wichtig, auf eine Interpretation des In- 
stmmenti Pacis biuanslaafend ; wogegen die Krone Schweden höchlich con- 
testirt hat, dass es darauf abziele, neben der Erhaltung des Westphälischen 
Friedens das in den Niederlanden bestehende Kriegsfeuer „durch eine güt- 
liche Interposition, dass es nicht weiter um sich greife und die Nachbar- 
schaft mit inficire, zu dämpfen". KMainz verspricht, sich beim Reichstage 
den nunmehr aufzustellenden Propositionen für die Beilegung des Nieder- 
ländischen Krieges nicht zu verschliessen ^). 



c. y. MarenholtzB dritte Sendung. 

Instruction. Dat. Coelln a. Sp. 25. Juni 1672. 
Conc. V. Somnitz. 

Der Gesandte erscheint „ohne Character" wie das letzte Mal. Als 5. Juli. 
Beweggrund dieser erneuerten Abschicknng dient, dass „nach der Zeit die 
Sachen in einen viel gefährlicheren Zustand gerathen. Wir aber doch nicht 
yernähmeu , dass auf dem jetzigen Reichsconvent darauf reflectiret, noch 
dass der gemeinen Ruhe wegen und zu Erhaltung derselben etwas gethan 
würde*'. 

Ganz besonderen Anlass aber geben die Proceduren im Clevischen') — 
als worinnen der König von Frankreich verachiedene Plätze, die 
auch zum Theil mit Staatischer Garnison nicht besetzt gewesen, be- 
sondern durch Unsere eigene Soldaten (wie in Emmerich geschehen) 
verwahret worden, occupiret, die Einwohner in Eidesgelübde genom- 
men, auch wol andere Diener als Zöllner angestellet. Wie dann Sr. 
Ld. auch nicht unbekannt sein könnte, wie der Flecken Lobith am 
Rhein, auch sonsten verschiedene im Lande gelegene Höfe und 
Häuser in Brand gesetzet, die Bürger in den eingenommenen Städten 
gebrandschätzet und zur Redemption ihres von allerlei Metall ge- 
machten Hausgeräthes gezwungen, und sonsten überall das Land 
übel zugerichtet und Männiglichen ein grosser Schaden zugefüget und 



*) Anbei folgt das ProtocoU der Verhandlungen mit dem Schwedischen Ge- 
sandten Johann Arenten. Dat. Mainz, Lnnae 24. Mai 1672. 

^) Die Gapitnlation der Stromfestungen des linken Ufers war in den ersten 
Janitagen erfolgt (vgl. den Bericht Blaspeils oben S. 132); aaf der rechten 
Rheinaeite war die Arm^e Conde's erobernd vorgedrungen 



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166 I. Zur Yorgeachichte des deutsch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

um seine zeitliche Wolfahrt gebracht. Wie dann auch die in besagten 
Landen vorlängst von Unseren Vorfahren, denen Herzogen von Cleve, 
zu Orsoy, wie auch denen Spanischen Völkern und Unseren eigenen 
Unterthanen anderweit gemachte Fortificationes ohne einige Rück- 
sprache demoliret worden. Wir erinnerten Uns wol, wie 1. Ld. solche 
Dinge schon längst, ehe sie passiret, fQr Infractiones des Westphäiischen 
Friedens geachtet, und zu aller guten Assistenz sich willfährig, wie 
auch noch neulich durch den v. Crockow') erboten. 

Der Gesandte soll KMainz's Assistenz nachsocheo nnd in Erfabrang 
bringen , ob für den Kf. auf Schadenersatz zo hoffen, und wie dem Brach 
des Westfälischen Friedens vorzubeugen sei; wobei von einem Memorial an 
die Reichsstände die Rede ist. Der Kaiser hat gegen den Fürsten von 
Anhalt Förderung des Werkes versprochen, dazu jedoch die Assistenz der 
übrigen Reichsstände requirirt. Diese betont auch Ef., „damit nicht dem 
Reiche dasjenige widerfahren möchte, was den Vereinigten Niederlanden 
geschehenes 

Sollten I. Ld. zu einigen Particularverfassungen rathen als mit 
dem Kaiser und anderen, so hat Marenholtz zu erwähnen, wie man bei 
Niemand von denenjenigen, die fttr die gemeine Ruhe sorgeten, einige 
Verfassung spUrete, die doch nöthig wäre, wann ja einige Zusammen- 
thuung geschehen sollte, und dahero auch bei diesem Punct zu bitten, 
dass I. Ld. ftlrschlagen möchten, welchergestalt solche Verfassung zu 
befördern. Klagen über die lässige Haltung des Reichstages. 

Hiernächst hat er auch zu vernehmen, wohin L Ld. Gedanken 
wegen der Stadt Cöln giengen? und ob nicht zu befahren, dass sie 
einen Anstoss noch vor Winters, wann die Sachen (wie zu befahren) 
im Niederlande gethan sein möchten, leiden dürfte? Und ob nicht 
nöthig, dass man dahero bei Zeiten darauf gedächte, wie besagte 
Stadt mit mehr Garnison und aller Nothdurft versehen werden 
möchte? Es hätte zwar der Westphälische Kreis längst dafür ge- 
sorget, und möchte auch wol dazu gute Anstalt gemacht sein, wann 
der Bischof von Münster die zu dem Ende angesetzte Tagfahrten 
nicht gehindert hätte oder ohne einige Ursache rückgängig werden 
lassen. Und weil nunmehro am Tage, in was ftlr einen Zustand es 
mit ihm gekommen, so wäre keine Hoffnung übrig, dass die Kreis- 
conventus angestellet, oder dass in diesem Puncto auf selbigen etwas 



^) Auf seiner Rückreise vom französischen Hofe war Cr. vom Karfürsten 
von Mainz empfangen worden. 



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ErbietoDgeo des Kaozlere. 167 

Erspriessliches möchte verhandelt werden. Würde demnach auf andere 
Wege f&r der Stadt Sicherheit zu sorgen sein. 

^So hat er auch von I. Ld. zq vernehmen, was für Sentimente Sie über 
Char-Cöln nnd des Bischofs von Münster Actiones führen, und wie 
Sie vermeinen, dass, nachdem sie durch ihre Völker zu Unserer Lande Rnin 
geholfen, Wir von denselben Satisfaction deswegen erlangen möchten''. 

Nach seiner Gesandtschaft verfügt sich M. wieder nach RegensbnrgO 



Unter dem Datum der Instruction rescribirt KL an v. Marenboltz, dass 5. Juli, 
er „sich sofort, jedoch ohne gross Aufsehen, auf den Weg nach Würzburg 
zu begeben habe^. 

d. d. Regensburg 4. Jnli 1872 antwortet v. Marenholtz: er werde 14. Jali. 
sich noch heute auf die Reise machen. 



V. Marenholtz an den Kurfürsten. Dat. Würzburg 
8./18. Juli 1672. 

[K Mainz' geneigte Aensserungeo. Brande obargiBcbee Memorial an die Reichs- 
etände. Coln. KMainzisches Truppenquantam. Schoenborn nach Paris. Ein- 
zelne Reichs färsten. Qravel. Gremonville. 

Empfang bei S. Churf. 6n., „welche vor wenig Tagen wieder anhero lö.Jali. 
kommen und noch vom Podagra incommodiret sein". Sie danken für die 
weiter gepflogene vertrauliche Correspondenz , beklagen, dass in Puncto 
secnritatis zu Regensburg nichts verrichtet; G,nicht einmal geredet, viel 
weniger deliberiret") werde, nnd äussern Ihr höchstes Befremden über das 
Vorgehen der Franzosen im Glevischen, „welches ja wider alle Sincera- 
tiones, welche der König von Frankreich gethan.^' — „Man müsste cansam 
comrounem daraus machen'^ Entschädigung des Knrfürsten halten Sie für 
recht und billig; wer sie freilich geben soll, ob sie von Frankreich, Göln 
oder Münster zu fordern sei, das wollten Sie nicht decidiren. Einen An- 
trag des Kurfürsten beim Reichstage sähen Sie gerne, wollten ihn durch 
Ihr Yotnm anfs beste unterstützen. 

Ich nahm daher Gelegenheit, das Concept des Memorials'), welches 
Ew. Ch. D. an die Stände des Reichs wollen abgehen lassen, Sr. Churf. 
6n. zu tibergeben mit der Anzeige, dass Ew. Gh. D. zu sonderbaren 
Gefallen gereichen würde, wenn S. Ghurf. 6n. einige Erinnerung 
dabei thun wollten, auch daneben den jetzigen Zustand sowol im Reich 
als S. Ghurf. D. Landen Ihrer Kais. M. in einem beweglichen Schrei- 



Greditif vom gleichen Datam wie die Instruction. 
*) Ueber dasselbe s. die Einleitung IL 



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168 I. Zar Vorgeschichte des deutsch-frauzosischen Krieges. 1G71. 1672. 

ben repraesentiren. S. Churf. 6n. lasen besagtes Memorial mit son- 
derlicher Attention, sagten, dass es gut eingerichtet, wussten nichts 
dabei zu erinnern, und wäre wol gethan, dass Ew. Ch. D. von 
dem holländischen Wesen abstrahiret und nur Ihre Angelegenheiten 
und, was Dero Land und Leuten widerfahren, vorstelleten. Sie 
wollten alles, wie Ew. Ch. D. es verlangen künnten, mit Ihren Votis 
secundiren, auch an Kais. M., wie begehret worden, schreiben und, 
damit Ew. Ch. D. es selbst lesen möchten, solches Schreiben sub 
sigillo volante (wie Sie denn auch gethan und dasselbe hierbei kommt) 
mir zustellen, Ew. Ch. D. anheim gebend, wann Sie es an Kaiser). 
M. schicken wollten. 

Mit CöId hat es seine grossen Schwierigkeiten. Mehr Völker hinein* 
zalegen würde Aufsehen machen, „und der gemeine Mann würde dasselbe 
nicht leicht nachgeben, viel weniger solche bezahlen wollen. Sr. Churf. 6n. 
fielen Ihre Garnisonen schwer genug zu unterhalten, müssten allezeit auf 
der Hut stehen, und wäre die Situation derer Erz- und Stifter bekannt. 
Vermeineten, man kunnte mit gedachter Stadt es ansehen und dem Ver- 
gleich, welcher mit Kurcöln getroffen, trauen. Der Pöbel wäre wunderlich." 

Für eine Piirticularallianz erbietet sich Kurmainz zu einem Simplum 
von 2000 M. zu Fuss und 500 M. zu Boss, will bich aber noch mit einem 
grösseren Quantum gefasst halten. — Der König yonFrankreich hat die 
Qebnrt eines jungen Prinzen angezeigt. In Folge dessen soll Hofmarschall 
V. Schönborn nach Paris gehen und dabei einiges sondiren. — Mit dem 
Bischof von Münster unterhält der Kanzler keine Correspondenz. — Man 
▼ermutet, dass der König von Frankreich sich mit dem Kurfürsten von 
Trier wegen des Zolls verglichen habe und diesem Kurfürsten jährlich 
6000 Rtblr. zahle. — Der Kaiserliche Envoy^ v. Meier sberg logirt noch 
auf dem Schlosse, wird aber nächstens in die Stadt ziehen und ,, wegen 
Ihrer Kaiserlichen Maj.^' am Hofe bleiben. — Oravel soll sehr fleissig 
nachgefragt haben^ was Marenholtz angebracht habe. 

,,Es ging eben ein Courier von Wien hierdurch, welchen der Gr6mon- 
ville an seinen König abgefertiget , und sich beschwerete, dass an etz- 
liehen Orten daselbst angeschlagen worden, er der Gr6monviile wäre 
derjenige, welcher die Unruhe in Ungarn und Polen anrichtete, man sollte 
ihn mit Steinen zu Tode werfen*). Oberwähnter Französischer Resident 
hätte dieses Sr. Churf. Gn. mit sonderlicher Esmotion erzählet, auch da- 
neben gedacht^ es wäre nunmehr genugsam bekannt; dass I. Kais. M. mit 
seinem Könige brechen würden". 

Das Memorial an die Reichsstände kommt nebst der Instruction zurück. 



25. Juli. d. d. Coelln a. Sp. 15. Juli 1672 übersendet Kf. an v. Marenholtz 

V *) Vgl. dazu unten die Relation Anhalts d. d. Wien 10. Juli 1672. 



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Grandloses Gerücht von einem Abkommen des Kf. mit Frankreich. Iß9 

seine Antwort an KMainz, ,,ob hätten Wir mit Frankreich einige Pacta, 
das jetzige Unwesen belangend, aufgerichtet^^'). 

Anlage. 

Der Kurfürst an den Kurfttrsten Johann Philipp von Mainz. 

Dat. Coelln a. Sp. 15. Juli 1672. Conc. v. Somnitz. 

Kf. tritt dem Gerücht entgegen, als habe er mit Frankreich etwas Be- 25. Jali. 
stimmtes abgeschlossen. Dem Kanzler wären seine Consilia bekannt. Er 
habe einerseits der Krone Frankreich keinen gegründeten Anlass zur Offensive 
gegeben; andererseits sei selbst die notwendige Beschwerde über die 
Drangsale im Clevischen so abzufassen, dass nichts darein gesetzt werde, 
was zu einer begründeten Qegenbeschwerde dienen könnte. Obgleich seine 
Clevischen Lande dem Feuer am nächsten, auch endlich zuerst davon er- 
griffen worden wären , so gienge die Sache nicht ihn allein sondern das 
ganze Reich an 

dahero Uns nicht gebflren wollte, in einer gemeinen Sache fttr 
Uns einigen Traetat einzugehen und zu schliessen, allermassen alle 
diejenige, so die Kon. M. zu Frankreich an Uns gesandt, mit solcher 
Erklärung versehen und von Uns dimittiret worden. Solchem nach 
versichern Wir Uns, Ew. Ld. . . . werden Uns niclit allein nichts Un- 
gleiches beimessen, sondern auch in Vertrauen eröffnen, woher die 
oberwähnete Nachrede Deroselben von Uns zugekommen. 



Kurfürst Johann Philipp von Mainz an den Kurfürsten. 
Dat. Schloss Marienberg ob Würzburg, 10. August 1672. 

[Klärt den Sachverhalt auf.] 

Bekennt, dass ihm von einem Fact zwischen Kf. und der Krone Frank- 10. Aug. 
reich nichts zu Ohren gekommen sei. „Allein dieses ist von einer gewissen 
und Ew. D. Selbsten bekannten Person vorbracht worden, ob hätte selbige 
ein eigenhändiges von der Frau Landgräfin zu Cassel Ld. an des 
H%rrn Landgrafen E.rnstenszu Hessen-Rheinfels Ld. abgangenes 
Schreiben gesehen und gelesen, darin Sie der Frau Landgräfin Ld. in ver- 
traulicher Wolmeinung avisirt hätte, wasmassen £. Ld. sich nunmehr auf 
des Königs französische Gesinuen für neutral und, sich in das hoUändische 
Wesen keineswegs zu mischen, erklärt hätten, welches Uns dann aus der 



Der Befehl an den Gesandten, über das Ergebnis der Unterrednog mit 
dem Kanzler (nach Inhalt der Anlage) za berichten, erledigte sich darch das fol- 
gende Schreiben des Kanzlers. 



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170 I- Zur Vorgeschichte des deatsch-fransoBischen Krieges. 1671. 1672. 

Ursachen sonderbar angenehm zn hören gewest, weil Wir der gänzlichen 
Hoffnung gelebet, es würde Deroselben von Seiten Frankreichs bereits alle 
verlangende Vergnügung gegeben worden sein.** 

Im übrigen bezieht er sich auf Marenholtzs Gesandtschaft und die 
Kurmainzischen Zusichernugen beim Regensburger Reichstage, die Resti- 
tution der Glevischen Plätze und Indemnisation des erlittenen Schadens 
betreffend. 



d. Verhandlungen mit Eursachsen. 

Der Kurfürst an den Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. 
Dat Coelln a. Sp. 4. Februar 16720- 

[Der Vorschlag eines ZnaammeDschlasses der beiden Kreise ist abzuweisen. Cf. 

entscheidet sich vielmehr mit E Mainz sustimmend für das Bünduis einzelner 

Reichsstaude. Dissens in der Wahicapitulationsfrage zwischen den beiden CoN 

legieo. An die Gesandten Frankreichs und Hollands noch nichts resolvirt] 

14. Febr. Dank für den Bescheid an die Abgesandten. Ef. giebt sein Urteil über 
die Dresdener Propositionen ab. Die erste^ „ob eine Zusammensetzung der 
beiden Ereise zu befördern^ scheint an sich practicabel; aber bei der Art 
wie es auf den Ereis Versammlungen hergehe, wird davon nicht viel zu 
hoffen sein. Zeit und Kosten wird man erfolglos verlieren. — üebrigens 
möchte es nicht nndienlich sein, dass der Eurfürst von Sachsen alle wich- 
tigeren Plätze im Obersächsischen Ereise gut in Aufsicht nehmen liesse, 
ob sich etwa fremde Völker dort einlagerten: für den Niedersächsischen 
verspreche er selbst, die gleiche Anmahnnng thun. 

Dagegen stimmt Ef. dem zweiten Vorschlage: „wenn einige nahe An- 
gesessene sich vereinigten, wozu dann das von Chur^Mainz ins Mittel ge- 
brachte Foedus nicht undienlich sein möchte**, billig bei; nur möge das 
Büudnis so eingerichtet werden, „dass die darin mentionirte Hülfe dem 
gegenwärtigen Zustande proportionirlich gemachet würde^. Seine, die 
brandenburgische, Antwort auf diese Mainzische Allianz folgt anbei'). 



1) Ans Aolass der i,gefährlicfaeD Coojanotnreo* war im Jannar voo Seiten 
K Brandenburgs eine Abschickncg nach Dresden erfolgt, nod zwar die des Frei- 
herrn Otto von Schwerin d. J. und des Kammergerichtsrats Hasso Adam 
von Wedeil. (lostr. u. Nebeoinstr. d. d. Goelln a. Sp. 3. Januar u. 6. Jan.) 

Man hatte jedoch nichts Bestimmtes vereinbart. Von K Sachsen war nur 
ein engerer Zusammenschluss der beiden in Frage kommenden Kreise, des Ober- 
und NiedersächsischeD, vorgeschlagen und dabei der Vermitteluug von K Mainz 
gedacht worden. Auf beides bezieht sich das obige Schreiben. (Die auf dieser 
Gesandtschaft verhandelte Zerbster Beligionssache gebort nicht in diesen Zu- 
sammenhang). 

^ Schreiben des Kf. an Kurmai dz d. d. 22. November/ 2. Dezember 1671 
auf die Mitteilung des Marienburger Bündnisses. 



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Vorschlage vod Seiten K Sachsens. 171 

„Sonsien wollen Wir nicht hoffen, dass einige von den Fürsten, welche 
sich gegen das Ghnrfürstliche Collegium in po. Capitnlationis bisher so hart 
bezeiget, hierunter sich widrig erweisen werden^ weil sie ja wol sehen, dass 
dieses die allgemeine Sicherheit and Wolfahrt des Reichs betriffti und ob- 
besagter pnnctns Capitnlationis dennoch wol ansgemacbet werden kann^. 

^Was Char-Mainzens Ld. wegen jetzt berührten Pnncti Capitnlationis 
an Uns geschrieben, nud wie es fast scheinet, dass Sie dem Fürstlichen 
Collegio beipflichten wollen, als wäre Ihre Intention in Instrnm. Pacis fnndiret, 
solches sehen £w. Ld. gleichfalls ans beikommender Abschrift 0- ^^^ weil 
dieses die Praeeminenz des Ghnrfürstlichen Collegii hauptsächlich concerairet, 
und Wir Uns dann erinnern, wie tapfer und rühmlich Ew. Ld. Sich allemal 
die Maintenirung derselben angenommen, als verlangen Wir Dero Sentiment 
hierüber zu yernehmen und wünschen Unseres Orts nichts mehr, denn dass 
zwischen beiden hohen Collegiis gute Einigkeit und Vertrauen gestiftet 
werden könne, halten auch dafür, dass von selten der Herren Ghnrfürsten 
albereit soviel nachgegeben, dass das Fürstliche Collegium sich daran wol 
vergnügen könne. Denn wie dasselbe sich schon erboten, dass bei künftiger 
Wahl eines Römischen Kaisers nichts adcapituliret werden sollte, so dieser 
perpetaae Capitulationi entgegenliefe, also sehen Wir nicht, wie von den 
Fürsten mit Fug begehret werden könne, dass sie nicht über dem in Kraft 
habenden Juri capitulandi dasjenige, was sie zu des Reichs Wolfahrt zu- 
träglich ermessen, ohne dass solches auf einem ganzen Reichstag geschehen 
müsse, beobachten mögen. Jedoch wollen Wir auch hierüber Ew. D. Ge- 
danken und Meinung in hergebrachtem Vertrauen vernehmon und mit Dero- 
selben Uns gerne conformiren*. 

P. S. Wird dem Kurfürsten, wenn es soweit ist, gern Nachricht erteilen — 
was mit denen Französischen and Holländischen*) Gesandten 
alhier tractiret wird. Wir versichern aber Ew. Ld., gleichwie die 
Sache von grosser Wichtigkeit ist, also Wir Uns bis auf diese Stunde 
KU nichts resolviren können, sondern nur die fttrgewesene Gonferentien 
dahin richten lassen, ob die eingeriBsene Missverstände und Streitig- 
keiten nicht durch gütliche Wege entschieden und der besorgende 
gefährliche Krieg verhütet werden könne. Zu dem Ende Wir dann 
Unsere Interposition anerbieten lassen, stellen auch Ew. Ld. freund- 
brüderlich anheim, ob Sie nicht zu Erhaltung allgemeinen Friedens 
dergleichen thun wollen. 



Schreiben des Karfürsten von Mainz d. d. 20. Januar 1B72. Den luhalt 
ergiebt die obige AuslassiiDg. 

*) St. G^ran and Amerongen. Eiol. S. 10. 



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172 1- Zar Vorgeschichte des deatech-fransösischen Krieges. 1671. 1672. 



Kurfllrst Johann Georg von Sachsen an den Kurfürsten. 
Dat. Dresden, 26. Febr. 1672. Eigenhändig^- • 

[Erwartete Ankaoft des Frhro. v. Goes. Welches Verhalten gegen Holland za 

beobachten.] 

T.März. ^Ich habe aus £w. L. vom 2J. Februar au mich gethanes Scbreibeu^) 

verstanden, dass bei £w. L. der Baron de Goes') ehstens mit Kaiser- 
licher Commission anlangen wird, und befinde mit Ew. L. vor rathsam^ dass 
die Anfsetzung des bewussten Schreibens und AbschickuDg so lange ^ bis 
er sein Anbringen abgeleget, zurückzuhalten. Ich verho£fe auch iamittels 
von Ihrer Maj. Intention mehr Nachricht zu bekommen, welches ich [in] 
hergebrachtem Vertrauen communicireo werde^^ 

Durch den Krieg, so mit Holland angefangen werden will, dürfte 
dem Reich grosses Nachtheil verursachet werden, und höchst nöthig, 
mit £. L. wachsam zu sein; und will ich nicht unterlassen wa^ der 
Sachen Notdurft erfordert mit E. L. zu überlegen, und ist wol gefähr- 
lich bei dem Anfange sich mit einer Partei zu engagiren, darmit man 
nicht der Grossen Schwall aufen Hals bekommet. Jedoch sollte dem 
Reich nicht vorträglich fallen, wann die Holländer übern Haufen 
gingen oder einen Frieden, so dem Reiche nachtheilig, treffen möchten. 



Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurftlrsten. 
Dat. Wittenberg 8. März 1672, 

[SchoeDborn nach Wien Ist einer ZasammeDschickuDg sämmtlicher Ereisstande 

zum Zweck der Reichs securi tat abgeneigt Verhandlungen mit KGöln in Sacheu 

Rheinbergs, und wie dieselben za erledigen seieu.J 

18. März. I^er Kurfürst von Mainz sendet wegen „des von ihm ins Mittel ge- 
brachten Verfassongswerkes'^ seinen Oberhofmarschall Freiherrn von 
Schoenborn an den kaiserlichen Hof und verspricht über das Ergebnis 
dieser Mission nähere Mitteilungen. Indessen hält d. Kurfürst v. Sachsen 
den Vorschlag jetzt, bei veränderten Conjuncturen, nicht mehr für zweck- 
dienlich; es möchte besser sein, dass jeder einzelne Stand „sich selbst in 
Verfassung setze'' und seine Sicherheit wahrnehme, nötigenfalls dem 



') Die willkürliche Orthographie des Origio. ist nicht beibehalten. 
') Jedenfalls eigenhändig. Concept nicht vorhanden. 
^) Der Kaiserliche Reichshofrat Frhr. Johann von Goes traf erst im 
April in Berlin ein. 



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loBtractioD für Berlepsch nach Dresdeo. 173 

Nachbar mit bewaffneter Assistenz die Hand biete. Dergleichen öffent- 
liche Zusammenkünfte sind „jetziger Zeit mit Nutz and Saccess kaum 
practicirlich, indem solche nicht allein , wann sie von ihrer Vielen ge- 
schehen sollen, ehe man sich deswegen mit einander vernommen, viel Zeit 
zn erfordern nnd alles langsam darbei herzngehen, sondern anch bei den- 
jenigen, so solche Conjunctiones nicht gerne sehen, ein unzeitiges Auf- 
merken dadurch erwecket und deren Effect directe oder indirecte zu ver- 
hindern nur mehrer Anlass gegeben zu werden pfleget''. 

Als Abgesandter des Kaisers hat der Abt Otto von Banz über 
die Rheinbergische Sache Eröffnung gethan. Der Kaiser lässt noch stets 
durch seine Minister im Haag^) in dieser Angelegenheit verhandeln und hofft 
auf gütliche Beilegung derselben. — Mit KurmaiDz hat der Kurfürst darüber 
vertraulich coromunicirt und sich Kurcöln gegenüber sogar zur Förderung 
erboten. Er unterbreitet dem Kf., an dessen Mitwirkung ihm gelegen, nun 
die Frage, ob es nicht zuträglich sei, „dass an Chnr-Cöln ein Charfürst- 
liches Collegial-Schreiben (darüber die zu Regensburg anwesende Gesandt- 
schaften zu Gewinnung der Zeit mit ehistem zu instruiren) förderlichst ab- 
gelassen würde". 



Instruction für den Obristen und Schlosshauptmann zu Coelln 
a. Sp. Otto Wilhelm von Berlepsch bei seiner Sendung an 
den Kurfürsten von Sachsen. Dat. Potsdam 5. März 1672. 

Conc. F. V. Jena. 

Die Instr. weist den Gesandten an, den Kurfürsten zu bewegen, dasslö.März. 
er sich im Hinblick auf die drohende Kriegsgefahr mit Kf. ins Einver- 
nehmen setze, welcher auf ihn als „seinen nächst angesessenen und an- 
grenzenden Churfürsten sein vornehmstes Absehen mit gerichtet^. K Sachsen 
möge Zeit und Ort für eine Zusammenkunft der vertrauten Räte bestim- 
men. — Femer liesse Kf. ersuchen, Kursacbsen möge bei dem Gesamt- 
hause das Verbot der durch auswärtige Potentaten veranlassten Werbungen 
vermitteln; „dabei er in Disenrs gleichsam vor sich zu erwähnen, welcher- 
gestalt des Herrn Administrators zu Magdeburg Ld.') nicht nur Unsere 
Werbungen im Magdeburgischen nicht gestatten, sondern auch einige Ge- 
worbene weg- und abnehmen lassen^. 

In beiden Puncten hat er auf „gewierige Erklärung^ zu sehen. 

S. 179. Anm. 2. 

*) August, Herzog zu Sachsen, des Kurfürsten Johann Georg jüngerer 
Bruder, Administrator des Erzetifts Magdeburg. 



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174 ^ Z<^c Vorgeschichte des deuUch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

Otto Wilhelm von Berlepsch an den Kurfürsten. Dat. Dtiben 

9. März 1672. 

[Der Karfürst 7on Sachsen beabsichtigt eioeD Besuch in Potsdam, ausserdem 
Gonferens der beiderseitigen Bäte dringend erwünscht.] 

19. März. In höchster Eil kann ich dieses wenige in antecessum unterth. 
berichtcD, dass Gh. D. zu Sachsen, welche ich alhier zu Dflben an- 
getroffen und Selbiger dasjenige, was Ew. Gh. D. mir gn. aufgetrageD, 
gebührend vorgetragen, annoch gesonnen, Deroselben eine Visite zu 
Potsdam zu geben, wollen Sich aber erstlich zu Leipzig, dahin Sie 
diesen Moment fortgehen, eigentlich entschliessen, welches Tages Sie 
daselbsten einzukommen vermeinen, und haben mir zu solchem Ende 
anbefohlen, mit hinüber zu reisen. — Einer genaueren Zusammen- 
setzung sind Sie buchst begierig und halten in Gonsideration der ge- 
fährlichen obhandenen Conjuncturen alle Momenta, so desfalls retar- 
diret würden, vor übel angewendet und gleichsam verloren, werden 
Sich auch gleichergestalt zu Leipzig des Orts (dazu zwar obiter 
Lübben in der Lausnitz in Vorschlag kommen) und der Zeit halber 
entschliessen, auch zugleich Dero Bäthe nominiren, so Sie hierzu zu 
employiren gedenken. 

Zur Einstellung fremder Werbungen sind bereits die Anstalten getroffen. 

Des Herrn Administratoris D. Proceduren wollten Sie nicht billi- 
gen. Es hätte Ihr selbiger alleine notificiret, dass der älteste Prinz 
Augustus, welcher sich itzo in Stockholm befttnde, ein Begiment zu 
Pferde von Chur-Goln acceptiret, und solches mit Einrathen und Gut- 
finden der Krön Schweden, worin S. Ghurf. D. Sich gar nicht finden 
könnten. Es sollte auch der jüngste Prinz, so bei Derselben') zu Dres- 
den, das Regiment zu Fuss bekommen, wozu er aber dato noch ge- 
ringe Lust hätte. 

Wegen Ghur Cöln sind Sie sehr perplex, hätten Sich dergleichen 
nicht einbilden können. Der Herr von Amerongen sollte Derselben*) 
zu Dresden sehr angenehm sein, und ihm alle Affection und Civilitact 
erwiesen werden. 

Weil ich die Gnade haben werde, zwischen hier und Leipzig mit 
I. Ghurf. D. alleine in Dero Galless') zu sein, will ich mich äusserst 
bemühen, ob Sie dahin condescendiren möchten, die Hallischen Wer- 
bungen auf eine andere Art verhindern zu helfen. 

^) Original: Dieselben. 

^ Kalesche. 



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Knrfnrst Johann Georg in Potsdam. 175 

V. Berlepsch au den Kurfürsten. Dat. Treuenbrietzen 
11. März 1672. 

[Der Karfurs^ wird am 24 In Potsdam eintreffen. Werbeverbot an den 

Administrator.] 

Der Obermarscball wird bereits angezeigt haben, dass der Earfürst 21. März. 
von Sachsen übermorgen, Mittwoch, bierselbsti Donnerstag darauf in 
Potsdam eintreffen wird. 

Gespräche mit dem Kurfürsten auf der Fahrt nach Leipzig. Das 
Werbeverbot betreffend hat man in den Knrsächsischeu Landen wie im 
Alteabargischen*) deswegen Patente angeheftet. Dem Administrator sind 
die Werbungen auf das strengste untersagt. — ▼. Berlepsch schlägt vor, 
bei der Zusammenkunft der beiden Kurfürsten das Werbeverbot auf den 
ganzen Kreis auszudehnen, ^anch sonderlich die kreisverwandten Graf- 
schaften und Städte als Stolberg, Schwarzbnrg, Gleichen, Qued- 
linburg, Mühlhausen, Nordhausen, auch gar das Erfurtische, an 
wetebem die meisten Werbungen vorgingen**, einzusohliessen. 



Am li.^ März 1672. a. St. kommt Johann Oeorj^ in Potsdam an. Vom 
15. datirt ein Handbillet') an Kf. mit Hervorhebung einiger Punkte: 25. März. 

Es sei wol Acht zu haben, „dass man ja behutsam sei, Frankreich als 
mächtigen Feind nicht zur Unzeit zu reizen, sondern viel als möglich mit 
gotten zu erhalten, jedoch der Holländer Interesse in Obacht zu nehmen 
und sie als einen Evangelischen Stand bedenken und in keinerlei Weise 
aus den Augen zu setzen, hierbei sich auch bemühen, die drei Evangelisehen 
Chronen England, Dänemark und Schweden auch zum wenigsten 
als Mediatores zu gebrauchen.^ 

Kurfürst antwortet: „Die gedancken, so Ew. Ld. führen, sein sehr 
vernunftig, undt were zu wünschen, dass man durch interposition der dreyen 
Chronen Frankreich dahin bewegen kuntte, selbige anzunehmen. Ich kann 
aber Ew. Ld. woll gewisslich versichern, das solches von Konige in Frank- 
reich keinesweges wirdt angenommen werden, weill der Konig sich schon 
dabin erkleret, dass er keine annehmen wolte noch wurde. Was Spanien 
anlanget, so erfodert seines Staadts Sicherheit dass er Sich der Hellender 
annehmen muss, kan aber doch nicht schaden Ihn unterderhandt undt in 
geheim zu ancoragireu.*' (Eigenh. Conc. mit Beibehaltung d. Orthographie.) 

') Jobann Qeorg war Vormund für den unmündigen Herzog Friedrich 
Wilhelm (III). 

») ürkk. Act. III, 252. 

*) Die Orthographie ist nicht beibehalten. Ein ferneres Handbillet Johann 
Georgs vom 16. lautet: ,Der angehängte Panct Spanien betreffend ist sehr 
raisonnable;' er erachtet ihn auch für sehr nothwendig und wird ihn von Dres- 
den aus ausführlicher beantworten; ebenso die Leipziger Conferenz betreffend. 



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176 



Zur Vorgeschichte des deatsch-fraozöBischen Krieges. 1671. 1672. 



Der beiden Kurfürsten Gedanken. Entwurf. Beide Spalten 
vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm eigenhändig'). Dat. Pots- 
26. März. dam 16. März 1672. 



Sachsen. 

ChurSachs8en')Ld. consideriren 
die gefahr sehr, undt veruieinen 
das man sich mitt den anderen 
eyangelischen setzen und selbige 
mit darzu ziehen mochte, auff dass 
man einhellig der Gefahr begege- 
nen kuntte. 

2. 

Bey diessen punct vermeinen 
Ch.Ss Ld. das man nicht zugeben 
kQntte, das Hollandt untergedrackt 
wurde, denn man verlöhre einen 
grossen Stein äussern Brede. 

3. 
Ch.S.s gedancken sein hir- 
von, das man behudtsam hirin 
verfahren muste, auf das man 
nicht bey Unzeitt selbige Chron 
für den kop stosen, undt dadurch 
verursachen, das der krieg ins 
Reich gezogen wurde, begreifn 
auch sehr woll dabey, dass wann 
Hollandt über ein hauffen ge- 
worfen wurde, nachmals ins Reich 
gehen und Sein intent ausführen 
wurde. Ch.S.s Ld. wollen Sich 
von Ghur Brandenburg hirin nicht 

separiren. 

4. 

Befindet Ch.S. hochnottig an 

die gesantten nach Regensburg zu 



Brandenburg. 
Die grosse gefahr worin das 
Romische Reich anitzo begriffen 
zu remonstriren, undt wie man 
selbiger bey Zeitten begegenen 
kunne. 



Wan Hollandt untergedruckt 
wurde, was gefahr darauss den 
Evangelischen zuwackssen wurde. 



Ob man den Hollendern nicht 
beizustehen hette, bevorab da Sie 
Sich gegen Frankreich erbotten, 
(dass) da Sie den König in einiger- 
ley Weisse offendiret betten, alle 
gebührende satisfaction zu thun, 
den wenn der Staedt leiden undt 
über einen hauffen geworffen, 
nachmals Frankreich nach seinem 
belieben mitt dem Reiche ver- 
fahren undt Sich zum meister 
darvon machen wurde. 



4. 
Ob man nicht ein gesambt- 
Schreiben ahn Chur Collen von 



^) Orthographie des OrigiDals. 

^) Des K(. Schreibung variirt zwischen Sackssen und Sachsse n. 



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Der beiden Kurfürsten Oedanken. 



177 



schreiben, das man Sich eines ge- 
sambts Schreibens ahn Ghur Colin 
alda verglichen mochte; auch 
kuntte ahn Chor Ments Ld . ein Schrei- 
ben abgehen, dass er solches durch 
seine gesantte befördern lassen 
mochte. 



Gh. S. befindet solches höchst- 
nottig. Were auch in Wercke be- 
griffen Sich in gutter Verfassung 
zu setzen. 

6. 
Fiat. Das man ein patent auf- 
setzen und Sich hiruber vereinigen 
solle. 



Regenspurg aus abgehen zu lassen 
hette, darin er erinnert wurde, 
wegen Seines privats interesse 
das Reich nicht in Gefahr neuen 
Kriegs zu setzen, auch danehbenst^ 
zu begeren, das er die frembde 
Volcker von des Reichs boden 
abführen lassen mochte. 

5. 
Ob nicht hochstnottig sey Sich 
bei Zeitten im Reiche in gutter 
Verfassung zu setzen. 

6. 
Das man Sich eines gewissen 
patents vergleichen mochte, da- 
durch man die frembde Werbungen 
in den Kreissen verhinderte. 



Ch.S. befindet gleichfalls, dass 
die Bundtnus so zwischen den 
Kayser Chur Mentz Trier Sackssen 
und anderen Fürsten gemacht 
nicht sufScient sey, zu dem were 
der Bischoff von Munster schon 
darauss geschideu. 

8. 
Diesser punct mflsse woU con- 
sideriret werden, weill es ein 
haubt punct were. Wolte solchen 
weitters nachdencken. 

9. 
Gh. S. Ld. sein begirig mit 
Ghur Brandenburg in nehere Ver- 
bundtnus zu trotten, undt ver- 
meinen, dass es itzo gegen der 

lC«ter. c. Q«scb. d. G. Kurfuntou. XIII. 



Wegen des Bundtnussses so 
zwischen den Kayser Ghur Meintz 
Trier Sackssen und anderen Für- 
sten gemacht sey, das solches nicht 
sufficient sey. 



8. 
Ob das Reich nicht angegriffen 
wurde, wan man ortter angriffe, 
so mitt belieben der herschaft den 
Hollendern zu besetzen vergönnet 
weren. 

9. 

Das Ich begirig were eine 

Aliance mit Ghur Sackssen Ld. 

zu treffen, auf das dass Vertrauen 

zwischen uns beiden haussern 

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178 I- Zur Vorgeschichte des deotsch-fraoEosischeD Krieges. 1671. 1672. 

Leipzigermesse ohne viell auf- desto fester gesetzet werden möge, 
sehen alda geschehen kuntte. undt das desswegen rahte ahn 

ordt und stelle so Ghur Sackssen 

beliebig geschickt werden mochten. 

Potsdam, den 16. Hart» Ao. 1672. 

Eigenh.: Johann Georg Ghurftirst. 



Das Ergebnis ferneren Notenwechsels ist die Ansschreibnng einer Con- 
ferens nach Leipzig, die jedoch ron selten K Sachsens '} verschoben wird. Dazu 
allerlei ziemlich aussichtslose Vorschläge die Beichssecurität betreffend. Gom- 
mentirang des franEösisch-schwedischen Bündnisses. Uebersendnng der Proto- 
colle der zn Berlin abgehaltenen Gonferenzen mit dem schwedischen Gesandten 
Wolfrath. In Aassicht genommener Obersächsischer Kreistag zn Leipzig. 



Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurfürsten. 

Dat. Dresden 8./18. Juli 1672. 

(Eigenhändig.) 

[Den Tractat zwischen Karbrandenbnrg und dem Kaiser betreffend.] 

18. Juli. Dankt für das Handbrieflein vom 30. vor. Moo.^ nnd wird sich in der 

neuen Angelegenheit als treuer Mitkarfürst bezeigen. Aus Wien ist ihm 
noch keine Nachricht zugekommen , was der zwischen Knrbrandenburg und 
dem Kaiser abgeschlossene Tractat enthält'). 



Der Kurfürst an den Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. 
Dat [o. 0.] 9. Juli 1672. Conc. v. Schwerin. 

[Kriegerische Stimmnng in den Niederlanden. Prinz von Oranien Statthalter. 
Der Knrfärst möge gleich dem Kaiser die Holländische Sache wirksam nnter- 

stutzen.] 

19. Juli . . . Auch mögen Wir Ew. Ld. nicht vorenthalten, dass unangesehen 
aller grossen französischen Progressen im Reich und einigen der 
Uniirten Provincien die Herren Staaten dennoch beständig resolviret 
haben, den Krieg zu continuiren, gestalt dann die drei m&chtigste 
Provincien als Holland, Seeland und Friesland, in welchen die 
Franzosen auch noch nichts occupiret haben, sich aufs neue sehr hart 

') In dem Schreiben d. d. Dresden 24. April st. v. wurde das plötzliche Ab- 
leben des jungen Herzogs von Altenbnrg als Grund angegeben. 
3) Concept existirt nicht. 
*) Die Defensivallianz vom 23. Juni 1G72. 



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Kurfürst JohaDD Georg möge d. Holland. Sache uDterstützen. 179 

Terbunden, keinen Frieden einzugehen, wenn sie nicht bei dem ihrigen 
verbleiben, auch einhelliglich den Princen von Oranien zum Statt- 
halter erwählet und in alle seiner Vorfahren Dignitaeten, Auctoritaet 
und Chargen gesetzet, wodurch dann ihre innerliche Dissidia, welche 
grösstentheils ihres jetzigen Unglücks Ursache sein, gänzlich gehoben, 
und nunmehr mit grossem einmfithigen Eifer alles was zu beständiger 
Defension nöthig an Hand genommen wird. Wir hoffen auch ehestens von 
dem Herrn von Amerongen, dem wir so wol hie gegenwärtig als fol- 
gends durch Schreiben sehr fleissig recommandiret, dass sich der Staat 
auch um Ew. Ld. Assistenz bemflhen sollte, und immer gehoffet, er wflrde 
auch alhier Ordre bekommen, desfalls zu E. Ld. zu gehen, Nachricht 
zu erlangen, wessen sich der Staat desfalls erkläret, da ich dann 
nicht zweifle, es werde dieselbe zu E. Ld. Gontentement gereichen, 
insonderheit weil Wir vernehmen, dass I. Kais. M. durch Ihre Mi- 
uistros im Haag') solches gleichergestalt eifrig urgiren lassen. Zwei- 
feln inmittelst nicht, weil Ew. Ld. genugsam sehen, in was Gefahr das 
Beich und der Mflnstersche Friede hierdurch geräth, Sie werden auch 
unerwartet solcher Resolution, weil die Deliberationes etwas langsam 
im Haag [zu] fallen pflegen, nebenst L K. M. Uns und anderen, die 
die Wolfahrt des Reichs ihnen zu Herzen gehen lassen werden, die 
Hand ans Werk legen und dadurch Ihren hohen Ruhm nicht wenig 
vermehren. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. 
Dat. Colin a. Sp. 10. Juli 1672. 

[Qosafriedenheit mit dem Verhalten des Administrators.] 

Die Werbangen für auswärtige Potentaten im Magdebargischeo dauern 20. Juli, 
fort. Man bat sogar den brandenborgischen Truppen daselbst, ungeachtet 
sie vom Kurfürsten unterhalten werden, die bewilligten Qnartiere verweigert, 
ist ihnen, hart und bedrohlich entgegengetreten. Ef. bittet den Knrfürsten, 
dem Herrn Administrator gegenüber seine brüderliche Autorität geltend 
zu machen und ihm ernstlich und wol meinend vorzustellen, ,)da68 er sich 
bei diesen Occarrentien gegen Uns als Ew. Ld. treuen Freund and Nach- 
baren, aneh des Lands gehnldigten Erbherren etwas besser bezeigen möge^. 

Die ErneDDiing erfolgte am 4. Juli 1672. Archives de la Maison d'Orange- 
Naaean 2. S^rie. Tom. V. p. 259. 

*) Freiherr von Lisola und Ritter von Crampricht. 



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180 I- Zar Vorgeechichte des deatsch-fraDzosieoheD Krieges. 1671. 1672. 

24. Juli. d. d. Dresden 14./24. Juli meldet der Kurfürst von Sachsen: Fürst 
Johann Georg von Anhalt ist aaf seiner Rückreise von Wien hier ge- 
wesen und hat ^neben zwei Handbrieflein^ des Kaisers Meinung übermittelt ; 
auf AnhaU bezieht er sich. Sobald der erwartete Kaiserliche Abgesandte') 
in Dresden eingetroffen ist, sollen weitere Eröffnungen erfolgen. (Eigen- 
händig.) 



Instruction und Creditif für den Kriegsrath, Obriaten und 

Schlosshauptmann Otto Wilhelm von Berlepsch. 

Dat. Halberstadt, 24. August 1672. 

3. Sept. Soll dem Kurfürsten die Assistenz der Vereinigten Niederlande ans 

Herz legen. — Amerongen werde jedenfalls selbst nach Dresden gesandt 
werden . . . und einen Succurs von 6000 oder 8000 Mann yorschlagen. 
Jeder Aufschub einer Erklärung sei vom Uebel. Die Generalstaaten wür- 
den, wenn sie den jetzigen deplorablen Zustand überwunden hätten, diese 
„ihnen erwiesene Freundschaft wol ersetzen^. Erfolge darauf keine Resolu- 
tion, so habe er bei allen Räten die gleiche Vorstellung zu thun, auch 
den Gesandten des Kaisers, den Grafen von Mansfeld, der jetzt am 
sächsischen Hofe weilt, anzugehen. 



Otto Wilhelm von Berlepsch an den Kurfürsten. 
Dat. Dresden, 30. August 1672. 

[ÜDterreduDg mit den Kaiserlichen Abgesandten. Wohin man sich hier am Hofe 
erklärt und wie man die von Kf. befürwortete Negotiation Amerongens deutet 
Die beiden Abgesandten betonen die Notwendigkeit von Amerongens Herkunft. 
Audienz beim Kurfürsten. Conferenz mit Friesen, dessen Einwände durch Ber- 
lepsch widerlegt werden.] 

9. Sept. Am 28. eingetroffen, hat er vernommen, dass der Graf von Maos- 

feld sich bereits zur Abreise rüstet. Nachdem er ihm des Baron de 
Goes Schreiben überschickt, hat er sich sogleich auf Ersuchen des Grafen 
incognito aufs Schloss begeben und dort mit diesem wie mit dem anderen 
kaiserlichen Gesandten, dem Abt von Banz'), conferirt. Der Kurfürst 
habe nach vielen Schwierigkeiten sich endlich verpflichtet, innerhalb dreier 
Monate 3000 M. auf die Beine zu bringen und unter des Grafen Mon- 
tecuccoli Commando zu stellen. 

Beide Ministri „hätten sich zwar ihrer Instruction nach äusserst dahin 
bemühet, das Werk auf die Art und Weise, wie mit Ew. Ch. D. geschlossen 



1) Graf Mansfeld. 

^ Von dems. D. ein Schreiben des Kf. an den Freiherrn von Friesen, 
worin die Negotiation v. Berlepschs empfohlen wird. 
») Oben S. 173. 



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Berlepsch nach Dresden. StimmaDg am Hofe. 181 

worden, einznrichteD. Man hätte aber gar nicht davon hören wollen son- 
dern vorgeben, Ew. Ch. D. hätten ganz diverse Interessen, die sie nicht 
mit embrassiren könnten, als Dinge, so sie ganz und gar nicht angiengen; 
principaliter wäre auch das Clevische Werk, dabei sie ohnbeschadet ihres 
Nachbars nicht beizutreten wüesten. Mit der Kais. Maj. aber wollten sie 
sich einlassen, nnd würden Ew. Ch. D. ans dem Tractat, so der Herr 
Prälat bei eben dieser Post dem Herrn Baron de Goes zn dem Ende 
zusendete, dass er Deroselben commnniciret werden sollte, mehrers ersehen 
können, dass obwol dasjenige, so man eigentlich intendiret, mit klaren 
Worten nicht specifice ezpriniiret, dass doch nichts destoweniger in re ipsa 
gar ein Wenig-es dran ermangele.^ Sie bedauern, dass Berlepsch die Puncte 
seiner Instruction geltend zu machen nicht eher in der Lage gewesen ist; 
es würde das ihre eigene Negotiation merklich gefördert haben. 

Man hätte sich alhier die Impression gemacht, als ob Ew. Ch. D* 
den H. Baron von Amerongen selbsten abgehalten anhero zukom- 
men, welches sie mordicus widerfechten*) müssen. Eben dieser 
Ursachen halber wären sie der einhelligen beständigen Meinung, ich 
sollte nichts von dem dritten Theil Werb- und Unterhaltsgeldern, dazu 
sich die Herrn Staten allenfalls anerböten, und also gar von keinen 
Conditionen gedenken, sondern dieselben dem Amerongen zu seiner 
Anherokunft Selbsten zu proponiren überlassen. Ich würde doch unter 
der Hand bei den Ministris durch Discurse wol sondiren können, ob 
dergleichen Offerten annehmlich und zureichend; inmittelst aber hätte 
ich mich nur darinnen zu halten. Ew. Ch. D. hätte es nunmehr da- 
hin bracht, dass die Unirten Provinzen unerachtet des deplorablen 
Zustandes, darein sie kommen, dennoch ihr Aeusserstes thun und Sr. 
Ch. D. nach Müglichkeit unter die Arme greifen würden, worzu E. Ch. 
D. noch ferners alle gute Officia zu praestiren erbötig. Solchergestalt 
würden Ew. Ch. D. den Verdacht vermeiden, darein Sie die Übel- 
intentionirte unfehlbar zu bringen trachten würden, als ob Sie nemb- 
lich das Werk mit den Herren Staaten zu dem Ende also concertiret, 
damit Sie vor Sich Selbsten so viel desto pinguiores conditiones be- 
halten könnten. Sie könnten auch auf diese Weise dem holländischen 
Etat bessern Nutzen schaffen, und wann man alhier mit denen Postu- 
latis zu hoch hinaus wollte, allemal den deplorablen Zustand ohne 
Verdacht zusamt dem itzigen Unvermügen remonstriren lassen und 
gleichsaoi Mediatoris Stelle mit guter Erspriesslichkeit vertreten. 

Vor allen Dingen aber lassen Ew. Ch. C. sie beiderseits unter- 



>) Original. 



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182 I- Zar Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

thänigst und instAndigBt ersuchen, des Herrn Barons von Arne- 
r engen Anherokunft so viel mfiglich zu poussiren, damit das Eisen 
vollends geschmiedet werde, weil es noch warm, und dann mög- 
lichst dahin zu sehen, dass baar Geld bei dem Handel sein möge, 

wann es auch anfänglich nur -^ Thlr. sein sollten. Dieses einig und 

allein müsste das Werk limentiren, ohne selbiges wäre auch durchaus 
nichts zu hoffen; da es aber vorhanden, so getraueten sie die Guarantie 
vor Cöln und Bremen zusamt dem völligen Engagement zu erhalten. 
Der H. Graf von Mansfeld gienge eben zu solchem Ende in aller 
Eil auf Wien, Kais. Maj. dahin zu disponiren, dass Sie auch etwas 
bei der Sache thun möchten. 

Gestern hat B. eine erste Audienz gehabt und dabei in Uebereinstim- 
mnng mit dem Anraten der kaiserlichen Minister von den Conditionen zu- 
nächst abstrabirt. Der Kurfürst trägt grosses Verlangen, Amerougen 
am Orte zu sehen; er wird sich, rechtzeitig benachrichtigt, za dem Zweck 
nach Torgan begeben, unter dem Verwände, in dem grossen Teiche da- 
selbst fischen zu lassen, Niemanden mit sich nehmen als den Herrn Prae- 
laten von Banz^ nud ein oder zwei der vertrautesten Räte und daselbst 
den Handel in Richtigkeit bringen. Zur Werbung wollen S. D. alsbald 
Anstalt machen. Sie besorgen aber, es werde ohne Geld nichts erfolgen, 
um besserer Correspondenz willen soll die Post bis Mansfeld „mit Einspän- 
nigem unterlegt** werden. — Darauf wird der Gesandte zur Tafel gezogen. 
Aufgefordert, seine Propositionen schriftlich niederzulegen, hält er dies mit 
seiner Instruction zunächst nicht vereinbar; er entschliesst sich aber, da es 
ja nicht die Meinung ist „dass er alles in solchem Memorial reveliren solle^, 
ein solches einzureichen (Anlage), „welches sie nach ihrem Gusto fiinden.^ 

Am Nachmittag übergiebt er dem Freiherrn von Friesen das 
Schreiben des Kf. mit den üblichen Versicherungen. Der Minister verspricht 
Förderung der brandenbnrgischen Intentionen, wobei ihm folgende Einwände 
kommen: 

„Erstlich so wäre es ein sehr schweres, sich mit Holland als einem 
übern Haufen liegenden Etat gegen einen mächtigen und victoriosen König 
in Bündnis einzulassen, es könnte auch von Chur-Sachsen sonder Reproche 
nicht geschehen. Mit Kaiserl. Maj. aber wäre es ein anders, dern könte 
man dahin assistiren, diejenige Reichsglieder, so sich allzu weit wider des 
Reichs Interesse vergangen, wieder in ihre gehörige Schranken zu bringen, 
auch übrigens Fried und Ruhe erhalten zu helfen. Man hätte sich anch 
albereits ziemlich weit mit Ihrer Kais. M. engagiret, und beruhete alles nur 
auf des Mansfeld's Wiederkunft und fernerer Kaiserl. Declaration. 
Vors andere könnte man nicht sehen, wie der Amerongen bei gegen- 



Orig. Pansc, 



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Berlepsch befürwortet die Negotiation Ameroogens. 183 

wäitigem Zastande seine Person legitimiren wollte, and mit wem man zu 
tractiren? ob bei denen ?ielen Revolten auch noch ein Corpus vorhanden, so 
den Etat and Magistrat repraesentiren könnte? ob man es mit dem Pöbel 
oder allenfalls mit dem Prinzen von Oranien za than haben sollte?*' 

leh antwortete, was das erste anlangete, so wttrden sich bei 
des Herrn von Amerongen Ankunft schon Expedientia finden, wie 
etwa das Kind zu taufen, wann nur der intendirte Zweck erreichet 
würde. Was die Legitimation betreffe, so wäre der Staat in 
Holland noch lange dergestalt nicht zerrüttet, wie die Gegenpartei 
darvon declamirte. Ew. Gh. D. wären von dem itzigen Zustande 
exacte informiret und würden schon an Hand zu geben wissen, auf 
was Mass und mit wem sicher zu tractiren. Sie würden allenfalls 
gut daryor sagen, dass dasjenige, so versprochen, richtig gesehaffet 
werden sollte. Worauf ich endlich allgemach auf die Conditiones 
digrediret und mich vermerken lassen, ich hätte wol soviel ver- 
merket, wann Gh. D. Sich resolviren würden, ein gleiches Gorpo zu 
werben und es mit operiren zu lassen, dass die Herrn Staaten auch 
einen gewissen Antheil Werbegeldes und Verpflegung darschiessen 
würden. Sie wären aber itzo in schlechtem Stande, man müsste es 
so genau nicht bei ihnen suchen. Darauf liess er sich heraus, dies 
sollte sich wol geben, wann nur erstlich die quaestio an? erörtert und 
der Schlüssel geAinden, wie und auf was Weise man dem Werke 
beitreten könnte. Heute oder morgen könnte sich der Etat über 
solches noch wol recognoissant erzeigen. Auf welches ich das Mal 
meinen Abscheid genommen und bei selbigem noch dieses erwähnet, 
ich hätte zu meinem sonderbaren Leidwesen vernehmen müssen, dass 
von Uebelintentionirten dergleichen Impressiones gemachet werden 
wollen, als ob S. Gh. D. den H. Baron von Amerongen Selbsten 
von seiner Anherokunft abgehalten. Ich bäte, man wollte nur seriem 
rei ansehen, so würde sich alsobald finden, dass dieses falsch. Zu 
Potsdam wäre concertiret worden, dass beider Theile vertrauete 
Ministri zur Gonferenz nach Leipzig zusammengeschickt werden 
sollen. Sothane Gonferenz wäre nicht von Ew. Gh. 0. sondern von 
hier abgekündigt worden'). Nächst darauf wären die ganz unver- 
muthete monströse französische Progresse erfolget, dadurch der Etat 
dahin gerathen, dass er die ganze Zeit mit sich selbtsen genug zu 
thun gehabt, sich nur ein wenig wieder zu fassen, worzu auch noch 



'} Oben S. 175. 178. 



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184 !• Zar Vorgeschichte des deutsch- fransösischen Krieges. 1671. 1672. 

von aussen mit allen Kr&ften gearbeitet werden mttssen. Währender 
solcher Zeit wäre von Subsidien und dergleichen nichts zu hoffen ge- 
wesen. Nunmehro da durch Gottes gnädigen Beistand nun wiederum 
ein wenig ein anderes facies rerum erschienen, hätten Ew. Ch. D. durch 
emsiges Anregen es dahin bracht, dass itzige Resolution gefasset worden. 

Die anderen ^yWolintentionirten^' Minister hat Berlepsch noch nicht ge- 
sprochen. 

Anlage. 

Das von B. eingereichte Memorial ist ganz allgemein „auf Zasammen- 
bringen einer hinreichenden Anzahl von Kriegsvölkern, nach Sr. Kais. M. 
Ezempel^, gerichtet. 

y. Berlepsch an den Kurfürsten. Dat. Halberstadt, 
7. September 1672. 

[Amerongen soll kommen. Des Residenten Ghassan anmassliohe Proposition 

nnd Kursachsens Bescheid auf dieselbe. Beschwerdesohreiben Enrcölns so 

guDsten des Administrators. Friesen nnd Geradorff for Holland. Wamm aber 

ein Bändnis nicht durchführbar.] 

7. Sept Bezieht sich anf seine Relation ans Dresden. — In einer letzten Audienz 
hat der Kurfürst sein Verlangen nach des Freiherrn von Amerongen 
Ankunft nochmals betont, dem er nach Torgan entgegenreisen wolle, am 
ihn dann, zur Vermeidung jeglichen Aufsehens, nach Eilenbarg zu beschei- 
den: in Dresden würde der französische Resident Chassan dem Gesandten 
keine Ruhe lassen. — Das Werbegeld, falls es wirklich von Holland gezahlt 
werde, solle dem kaiserlichen Residenten übermittelt werden und aus dessen 
Hand an die Officiere kommen. 

Berlepsch empfängt sein Recreditif und das Handschreiben *), welches 
er [dem Kf.] in Halberstadt überreicht hat. Der Kurfürst von Sachsen beme^^kte 
dabei noch: dass der Resident Chassan ^selbigen Morgen Audienz und ab- 
sonderlich dieses begehret, dass alle geheime Räte bei selbiger sein 
möchten, da er dann bei einer halben Stunde lang wider der Rom. Kais. 
M. und Ew. Ch. D. proniret und Gh. D. zu Sachsen ersucht, Sie möchten 
Ew. Ch. D. dahin disponiren, die unterhabende Marche zu unterlassen, 
sonsten würde man den Krieg ins Reich bekommen, denn der Mar^chal 
de Turenne ezpresse beordert. Selbiger mit 40000 M. recta entgegenzn« 
gehen. — Sie hätten ihn aber in generalibus beantworten lassen, man müsste 
sehen, was- zu Regensburg in dieser Materie würde geschlossen und gut 
befunden werden.^ 

Es ist dann weiter von einem Schreiben Kur cö Ins die Rede, welches 
den Kurfürsten peinlich berührt hat. Ueber den Inhalt könnte er sich nicht 



Das Handschreiben, dessen der Text Erwähnung thnt, d. d. Dresden 
l./ll- September 1672. Das Recreditif fnr v. Berlepsch ist nndatirt. 



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TrotB guDStiger Stimmang sei eio Bandnis mit Holland nicht darchfuhrbar. 185 

näher anslasseD. Diesen hat Berlepsch jedoch dnreh die freundliche Ver- 
tranlichkeit des von ihm als besonders znyerlässig gepriesenen, auch Ame- 
rongen in dem Sinne zu empfehlenden Oberhof marschalls von Kanne er- 
fahren : 

,,Char-Göln hätte vernommen, dass Ew. Gh. D. den Herrn Administra- 
toren sehr übel nnd in vielen Stücken dem Instmmento Pacis gänzlich zu- 
wider tracdrten. Nnn wäre selbiger ein vornehmer Fürst des Reichs, den 
man nicht lassen könnte. Chnr-Cöln fände sich auch Selbsten verbunden 
ihm zu assistiren, weil er zwei Regimenter unter dem mittleren Prinzen 
zu seiner Armee geschicket, bäte derowegen, Gh. D. zu Sachsen wollten 
eigentlich berichten, wie es um diese Sache bewandt, damit man weitere 
Mesures darnach nehmen könnte.^ 

„Die Antwort darauf wäre diese: £s hätte zwar der Herr Admi- 
nistrator vor diesem ein und andere ßeschwerung gegen Ew. Gh. D. 
führen wollen. Seit dem aber sei nichts weiters vernommen worden nnd 
zu Dresden nichts bekannt, worinnen wider das Instrumentum Pacis des- 
falls gehandelt sein sollte.^ — „Dem H. Administrator nun schicke man 
das churcölnische Schreiben zu mit beweglicher Ermahnung dergleichen ge- 
fährliche Dinge nicht zu suchen und darbei positive zu berichten, was 
zwischen Ghur-Göln und Ihme vor Special-Tractaten Vorgängen.^ 

Der Kaiserliche Resident verspricht Besorgung von Gopien dieser drei 
Schreiben. 

Er verabschiedet sich dann von den beiden Freiherren von Friesen 
und dem Herrn von Gersdorff, welche sich alle sehr wolgesinnt er- 
zeigen Nur, meinen sie, müsse „ein Expediens gefunden werden, wie 

sonder erpresse Bündnis mit Holland, die sie aus vielen wichtigen Ursachen 
nicht eingehen noch darzu raten könnten, der Zweck gleichwol erreichet wurde. 
Man könnte auch den Landstäuden, so mit nächstem convociret werden sollten, 
nicht zumuthen, zu einem fremden Kriege die Mittel herzugeben, weil 
sie nicht weiter als zu Defension ihres Landes verbunden, und gehet in sa. 
alles einig dahin, dass Geld, absonderlich zur Werbung, vorhanden sein 
müsse. — Der einzige Herr Garl von Friesen gieng etwas weiter 
heraus und sagte, der Resident Ghassan hätte noch selbigen Morgen bei 
der Audienz so insolent und dictatoriscb gesprochen, dass wol daraus ab- 
zunehmen, es würden es die Herren Franzosen auf eine solche Art angreifen, 
dass man öffentlich mit Holland würde Bündnis machen können und müssen. 
Alle insgesamt aber und zuvorderst Gh. D. selbsten haben sehr wol begriffen, 
dass der holländische Staat vor jetzo ein so Erkleckliches nicht dargeben 
könnte als bei vorigem Flor, welches ich auch aller Orten wol zu impri- 
miren, gn. Instruction gemäss, mich so viel muglich bearbeitet. Bin auch 
der Meinung, wann man zu 1000 Pf. und 2000 zu Fuss das Werbegeld, 
nnd von dem dato an, da sie ins Feld gestellet, den Unterhalt gäbe, es 
dürfte das Werk auf eine solche Art zu erheben sein.^ (Anliegend ein 
Project über den Tractat mit Holland. Ohne Bedeutung.) 



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186 1* Zur Vorgesohichie dee dentgch-fraDSösiachen Krieges. 1671. 1672. 

Des Kf. Ansuchen an Knrsachsen, „sich in Postar zn setzen^, wieder- 
holt sich anch nach EröffiiaDg des Feldsnges während des Herbstes 1672. 



e. Schriftwechsel mit Pfalzneuburg. 

Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Neuburg an den Kurfttrsten. 

Dat. Neuburg 18. Februar 1672. 

[Bedrohliche Rfistangen Frankreichs. Empfiehlt Neatralitat. Förderang des 
ReligicDswerks zwischen Earbraodenbarg nod Pfalzneabnrg.] 

18. Febr. Der Pfalzgraf äussert unverhohlen seine Besorgnis angesichts der fran- 
zösischen Rüstungen : die Kriegsvorbereitnngen gewinnen von Tag zu Tage 
an umfang; die Hoffnung, dass die Misshelligkeiten, durch welche diese 
Armaturen veranlasst sind, in Güte beizulegen, schwindet mehr und mehr. 
Der Bruch wird kaum vermeidlich sein, und ein etwa auflodernder Krieg 
kann grössere Dimensionen annehmen. Die Actionen lassen sich derart an, 
dass man, da das Frühjahr naht, auf baldigen Beginn der Feindseligkeiten 
gefasst sein dürfte. Was ist zn thnn? 

Ew. Ld. sowol als Unsere im Westphälisehen Kreis liegende 
Lande sind also situiret und unter den Benachbarten theils inclaviret 
oder Tcrmischet, dass Uns das ausbrechende Kriegsfeuer desto mehr 
in sorgsame Gedanken setzet, wie Wir Unsere Lande und arme Unter- 
thanen in Sicherheit conserviren werden, und sehen Wir demnach 
Unseres Theils kein anderes Mittel, als dass man sieh hoc rerum 
statu der Neutralität bezeige und dieselbe auf eine considerable Ma- 
nier einrichte, damit von Unseren allerseits Landen und Unterthanen 
die feindliche Einfäll, Plackereien und dergleichen verderbliche Th&t- 
lichkeiten möglichst können abgewendet werden. Wir erwarten dero- 
wegen Ew. Ld. hocherleuchtes Sentiment, ob Sie mit Uns nit gleicher 
Meinung seien, um so viel eher mit grossem Verlangen, weil sich die 
vorstehende Gampagne merklich acceleriret, und man sich derentwillen 
noch vorangehenden Operationen wird nothwendig resolviren mttssen. 
Er verweist auf die bisherigen Remonstrationen seines Yicekanzlers 
Stratman und hofft in allen, ganz besonders in den ihre Lande betreffen- 
den Fällen mit Ef. „nach aller Möglichkeit di concerto zu gehen^. 

P. S. eigenhändig: „Ew. Ld. bitte ich ganz dienstlich, Sie wollen 
Beliebens tragen, das solang ventilirete Religionswerk ^) einst zur vollstän- 
digen Richtigkeit unverlangt bringen zn lassen, da die anscheinende Con- 
juncturen andere Occnpationes bedrohen, und ich Ew. Ld. generenses Ge- 
müth dabin portirt zu sein weiss, dass die einzig noch übrige Sache auch 

1) Siehe 8. 187 Anm. 3. 



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Pfalznenbarg schlägt Nenträlität vor, . 187 

zu ihrer endlichen Richtigkeit gelange, nnd der Znndel den Malevolis ge- 
nommen werde, das anter Uns gemachte feste Band zn schwächen.^ 



Der Eorflirst an den Pfalzgrafen Philipp Wilhelm von Neu- 
burg. Dat. Coelln a. Sp. 27. Februar 1672. 

{Bedenken des Eurfürsten gegen die Neutralität. Hat noch freie Hand.] 

Das Schreiben vom 18. Februar bat Stratman eingeliefert. 8. März. 

Kf. stimmt diesen Vorschlägen zn, teilt des Pfalzgrafen Besorgnis, 
zweifelt aber^ da er neben der Reichs- nnd Ereishilfe kein Mittel der 
Rettung sieht, dass der Zweck, Schonung der rheinisch-westfälischen Lande, 
durch Neutralität erreicht werde. 

Die Verhandlungen mit dem französischen') nnd holländischen') 
Gesandten sind im Gange: noch aber habeEf. in jedem Punkte freie Hand, 
noch habe er sich an keine Partei engagirt Er rät dem Pfalzgrafen, 
sieh nicht etwa durch einen dem Frieden hinderlichen Tractat die Hände 
binden zu lassen. Von seinen ferneren Massnahmen ^wird er vertrauliche 
Apertur thun, ?on Herzen wünschend, dass der Allerhöchste heilsame Gon- 
silia verleihen nnd den so theuer erworbenen Frieden in unserem geliebten 
Vaterlande erhalten, alle Gefahr aber und der deutschen Libertät praeju- 
dicirliche Fümahmen divertiren und verhindern wolle^. 

In der Religionssache beruht alles auf Abfassung eines endgiltigen Re- 
cesses^, wozu man unverzüglich schreiten wird. 



Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Neubnrg an den Kurfürsten. 
Dat. Düsseldorf, 16. Juli 1672. 

[Zweck seiner Armatur.] 

^^Unsere Armatur betreffend, ist Ew. Ld. Unsere führende Intention 16. Juli, 
bekannt, wie sich dann Ew. Ld. sicherlich vergewissern können, dass solche 
allein zu Defendirung Unserer Land und Erhaltung allgemeiner Sicherheit 
in unserm geliebten Vaterland angesehen sei, gänzlich nicht zweifelnd, 
Ew. Ld. werden auch bei Ihrer Armatur solchen heilsamen Scopum vor 
Sich haben und Ihres vermögenden hohen Orts cooperiren helfen, damit das 
Reich in beständigem Friede- und Ruhestand erhalten werden möge, massen 
Wir Dieselben hierzu jederzeit incliniret gefunden.^ 

Graf St. 66ran. 

^ Ameroogen. Vgl. Einleit. S. 10. 

*) Der Becess erfolgt am 6. Mai. v. Moerner 8.349. Vgl. Max Leh- 
mann, Preussen und die katholische Kirche seit 1640. I, 85fgg. und die ein- 
schlagigen Docamente des Textes. 



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188 1- Zur Vorgeschichte dee deaisch-fraoiösischeii Krieges. 1671. 1672. 

Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Nenburg an den Kurfürsten. 
Dat. Düsseldorf 2. August 1672. 

[Reise Dach RavensteiD Visite beim König von Frankreich und deren Ergebnis. 

Persönliches.] 

2. Aug. Der König von Frankreich, welcher früher schon wiederholt des Pfalz- 
grafen Vicekanzler Stratmaa — bei dessen Gesandtschaft am Pariser 
Hofe — das Verlangen za erkennen gegeben, gelegentlich seines Zuges in 
die Niederlande mit dem Pfalzgrafen znsammenzatreffen, hat nnn, da er in 
Person mit der Armee an den Grenzen von Berg vorbeigerückt ist, diesen 
Wnnsch ernenert. Demselben habe aber der Pfalzgraf, da er ans „seinem 
darobigen Fürstenthnm^ Nenbnrg noch nicht zurückgekehrt sei, bisher nicht 
willfahren können. Jetzt hat er einen erstmaligen Besuch seiner Herr- 
schaft Ravenstein, welche die Generalstaaten evacuirt und ihm eingeräumt 
haben, dazu benutzt, dem Könige seine Aufwartung zu machen . . . „eine 
Beise dahin getban, auch Uns vollends zu I. Königl. Maj. in Dero Haupt- 
läger nacher Boxtel^ ohngef&hr drei kleine Stunden von den Grenzen Un- 
serer Herrschaft Ravenstein gelegen ^), begeben und alda I. M. zu sehen und 
Uns mit Ihro zu besprechen die Ehre gehabt^. 

Die Particularien werden dem Kf. später zugehen; zunächst soll diese 
Mitteilung nur als Benachrichtigung dienen. Bei der Besprechung ist nicht 
unterlassen worden^ hinsichtlich der Vorgänge im Glevischen beim Durch- 
marsch der französischen Armeen, des Kurfürsten und seines Interesses ein- 
gedenk zu sein. Der König hat geäussert, falls es in dieser Sache zu 
Tractaten komme, „werde er sich als einen genereusen König erzeigen''. 
Pfalzgraf bittet um Vorschläge „was hierauf ferners an Hand zu nehmen^* 

Auf der Reise hat er das Herzogtum Cleve berühren müssen. Er 
dankt für die in der Hauptstadt wie an anderen Orten ihm gewährte gute 
Aufnahme, die gewiss auch dem Kf. selbst nicht unlieb sein werde. 

P. S. eigenhändig: „Es hat mein älterer') Sohn') in Ew. Ld. Thier- 
garten zu Gleve auf Instigation Dero daselbst anwesenden Forstmeisters 
die Libertaet genommen ein Damhirsch^) zu schiessen, und muss dahero um 
Vergebung bitten, die ich auch hoffe, weil es der erste ist, den er ge- 
schossen hat.^ 



Vgl. oben S. 126, wo irrtümlicherweise Ravenstein selbst als Ort der Zn- 
sammenkonft angegeben. 

^ Original: Eterer. 

^ Der nachmalige Kurfürst Karl v. d. Pfalz, der letzte ans dem Hanse 
Simmern. 

<) Origin. 



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Kf. weist sie zurück. FransÖa. Procedaren im Clevischeo. Ig9 

Der Kurfürst an den Pfalzgrafen von Nenburg. Dat. Coelln 
a. Sp. 30. Juli/9. August 1672. 

[Dank. Bittet am Dähere MitteilaDgen. Freude aber die Aufnahme io Gleve. 
Gompliment an den Erbprinzeu.] 

Er dankt sehr für die empfangene Nachricht wie für die Wabmng 9. Aug. 
seines (des Kurfürsten) Interesses anlässlich jenes Besuchs. Erbittet weitere 
Eröffnongen im Einzelnen. — Die dem Pfalzgrafen im Clevischen be- 
reitete gnte Aufnahme vernimmt er mit Genugthuung. Hätte er zeitiger 
etwas gewnsst, würde er gebürende Anstalt gemacht haben. 

^Bs bedarf keiner Entschuldigung, dass Ew. Ld. ältesten Sohnes 
Ld. in Unserem Thiergarten zu Cleve ein Stücke Wild gefället. Wir rechnen 
Uns vielmehr zu einer Ehre, dass solches das erste ist, und S. Ld, also 
Ihre erste Probe daselbst glücklich abgelegt.^ 



Der Kurfürst an den Pfalzgrafen von Neuburg. Dat. Haupt- 
quartier Witzenhausen 17./27. Septbr. 1672. 
Conc. V. Schwerin. 

[BedrückaugeD durch die FranzoseD im ClevischeD. Man geht soweit, von Deposse- 
dimng des EurfursteD zu sprechen. Hilfegesuch auf Grund des Erbvertrags.] 

Ew. Ld. umständlich vorzustellen, was vor unsäglichen Schaden 27, Sept. 
Unsere Clev- und Märkische Lande von den Königlichen Französischen 
Armeen diesen Sommer erlitten, achten Wir unnöthig, weil Ihro solches 
nicht verborgen sein kann: und ist es endlich nunmehro dahin kom- 
men, dass man französischer Seiten vermittelst Affigirung öffentlicher 
Placaten sich der Territorialjurisdiction und der Uns als Landes- 
fürsten allein zustehenden Gerechtigkeiten anmasset, Unsere Unter- 
thanen nach Gefallen mit unerschwinglichen Auflagen beschweret, von 
Unseren Städten und Aemtern eine so grosse Quantität an Victualien 
und Fourage bei angedroheter Strafe der Execution fordert, dass den 
armen Leuten solches aufzubringen wegen der vielen Märche, so sie 
diesen Sommer ausgestanden, und die bereits alles weggenommen, 
allerdings unmüglich fallet; wie dann durch den letzteren March über 
den Rhein alle Unsere Glevische Aemter dergestalt verderbet und zu 
Grunde gerichtet, dass kein Wagen noch Pflug ganz blieben. Und 
damit Ew. Ld. gleichsam in einem kurzen Begriff sehen mögen, wie 
man den armen Leuten mitfähret, so haben Wir Deroselben die Ab- 
schrift einer Ordre, welche der Königlich Französische Gommandant 
zu Grave de Beton ergehen lassen, hiebei zufertigen lassen wollen. 



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190 1- Zur Vorgeschichte des deatsch-fr&Dzösischen Krieges. 1671. 1672. 

worin er die Unsrigen par toutes les rigueurs de gaerre zu unmög- 
lichen Dingen zu zwingen drohet; anderer grossen Drangsalen zu ge- 
schweigen, welche verursachen, dass Unsere Beamten und die Land- 
leute allenthalben austreten, und also eine gänzliche Desolation Unser 
Glev- und Märkischen Lande obhanden ist. 

Ueber das Andere werden Wir vor gewiss berichtet, als sollten 
die franzosische Bediente damit umgehen, dass Unsere Unterthanen 
dem Könige zu huldigen, und die sich dessen entbrechen würden, das 
Land zu räumen angehalten werden sollen, und hat sich noch neulich 
der Gouverneur zu Wesel Comte d' Estrades gegen die Deputirte 
aus Unser Stadt Cleve dabin verlauten lassen, dass der Marechal de 
Turenne beordert wäre. Uns entgegen zu gehen und eine Schlacht zu 
liefern, und würden Wir, wenn Wir dieselbe verlören, aller Unser 
Länder verlustig sein. 

Nun geben wir Ew. Ld. hochvemttnftig zu ermessen, wie tief 
Uns dergleichen harte und feindselige Proceduren, ftlmemblich aber 
das Elend Unserer Uns von Gott anvertrauten Lande und Unterthanen, 
zu Herzen gehen muss: bevorab da Wir solches nicht verschuldet, 
sondern bisbero alle Unsere Actiones und Gonsilia so sorgfältig und 
behutsam geführet, dass dadurch der gemeine Ruhestand im geringsten 
nicht verletzet, noch Ihrer Eönigl. M. in Frankreich einige Ursache, 
Sich mit Fug über Uns zu beschweren, gegeben werden möchte, auch 
so gar, dass Wir denen Staaten die Hülfe, welche Wir ihnen ver- 
mittelst der verschiedenen Alliancen, so Wir mit ihnen haben, zu 
leisten verbunden, noch zur Zeit nicht schicken wollen. 

Zwar haben Wir bisanhero angestanden etwas desfalls an Ew. 
Ld. zu bringen, des Vertrauens gelebend, man würde endlich fran- 
zösischer Seiten Unsere Glev-Lande verlassen, die darin occupirte 
Plätze Uns wieder einräumen und wegen des erlittenen Schadens 
billigmässige Satisfaction erstatten, worzu Uns Ew. Ld. selber Hoffnung 
gemachet. Nachdem aber in allen Abschickungen, so der König an 
Uns gethan, davon nicht einmal Erwähnung geschehen, sondern viel- 
mehr anjetzo Übel ärger wird, und man vermittelst Exercirung 
öffentlicher Feindseligkeit Uns Unserer Clev- und Märkischen Lande 
via facti gar zu depossediren drohet, und gleichwol in der zwischen 
Ew. Ld. und Uns getroffenen Erbvereinigung der Gulich- und Cle- 
vischen Lande Interesse solchergestalt vereinbart, dass wenn ein Theil 
derselben mit Verheerung und Kriegsgefahr angefochten wird, das 



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Kf. erläest ein HilfegesDoh an Pfalsnenbnrg. 191 

andere sich dessen anzunehmen und dasselbe zu vertreten gehalten 
sein solle — so können Wir länger nicht umhin, Ew. Ld. um den 
Effect solcher Erbvereinigung und also um diejenige Hülfe 
und Assistence, so darinnen verglichen, wider den unbil- 
ligen Gewalt, so Uns in Unsern Glev- und Märkischen Lan- 
den zugefüget wird, freundvetterlich anzutreten. 

Ew. Ld. werden Sich zweifelsfrei noch wol erinnern, mit was vor 
sonderbarem Eifer und Aufrichtigkeit Wir nach getroffener solcher 
Erbvereinigung Dero Interesse in allen Fällen embrassiret und be- 
fordert, auch sogar, dass Wir keiner Kosten gesparet, keine Feind- 
schaft, so Wir dadurch auf Uns geladen, gescheuet, ja den Nutzen 
und Yortel, so Wir sonst hätten haben mögen, gar aus den Augen 
gesetzet, damit Wir nur Ew. Ld. in allen Stttcken an Hand gehen 
und nicht allein das, worzu Wir vermittelst oftgedachter Erbvereini- 
gung verbunden, sondern noch ein Mehres thuen möchten. Und wie 
Wir dabei ferner in allen Occurencen zu verharren gemeinet sein, so 
versehen Wir Uns ein gleichmässiges zu Ew. Ld. und ersuchen Die- 
selbe hiemit freundvetter- und brüderlich, Sie geruhen nach Anleitung 
der Erbvereinigung sich Unser hierunter aufs Beste anzunehmen und 
Uns mit Hülfe u. s. f. beizuspringen. — Aach soll der Neuborgische 
Gesandte in Regensbnrg die karfürstliche Proposition kräftig unterstützen. 



4. Die Verbündeten Kurbrandenburgs. 

a. Der Vertrag mit dem Kaiser, 
o. Correspondenz des Kurfürsten mit Kaiser Leopold. 

Freiherr Johann von Goes*) an den Oberpraesidenten Frhrm. 
von Schwerin. Dat. Wien 28. Februar 1672. 

[Gebort und Tod einer Erzherzogin. — Wird seine Räckreise nach Berlin be- 
schleunigen. Ankündigung der Besolntion des Kaisers in der Niederländischen 
Sache. Schönbom nach Paris. Was von der Sicherstellnng Cölns zn halten. 
Unterstellnng, dass Brandenburg nfit Frankreich einen Tractat geschlossen.] 

Antwort anf des Oberpraesidenten Briefe vom 5. and 9. st. v. 28. Febr. 

Meldet die Geburt einer kaiserlichen Prinzessin'). ^Diese Prinzessin 
ist nns nit lang geblieben, sondern bald nach dem Himmel aufgenommen 
worden. Es ward der Hebamme ein grosser Fehler impntirt, dass sie den 

*) Der bisherige Abgesandte des Kaisers am Berliner Hof. 
*) Marie Anna Amalie geb. 9. f 23. Februar 1672. 



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192 I- Zur Vorgeschichte des deatsch-fraosösischeo Krieges. 1671. 1672. 

Nabel zu karz abgeschnitten; sonsten hat man alle Viscera bei dieser Prin- 
zessin gar gesund gefanden, nnd wird ihr Tod jetztgemeldter Ursach zn* 
geschrieben. Ich tröste mich mit der Observation, daraus Ew. Ezc. uns 
mit nächstem einen jungen Prinzen prognosticiren. Der liebe Gott wolle 
seine Gnad darzn geben !^ 

^Ich bedanke mich nochmalen ganz dienstl. wegen des mit mir tragen- 
den Mitleidens. Mit meiner Gesundheit Hess es sieb zwar zuweilen etwas 
besser an, es will sich aber zu keinem rechten Bestand anschicken. Ich 
werde doch auf alle Weis dahin trachten, dass meine Zurückreis nach 
Berlin soviel möglich befürdere^'. 

Von I. Kais. M. habe ich bis dato die Instruction, was ich bei 
I. Ghurf. D. zu negotiiren, noch nit erhalten. Sie pflegt uns nur bei 
der Abreis zugestellt zu werden. Diejenige, so darvon Beriebt ge- 
than, mögen etwa yernommen haben, dass man dieselbe vor der Hand 
habe. I. K. M., wie ich heut von Herrn Hofkanzler Ho eher ver- 
nommen, werd an I. Ch. D. über die gegenwärtige Conjuncturen schrei- 
ben, Deroselben communiciren, was die Herren Staaten an Dieselbe 
gelangen lassen und sie j gut befunden, was zu des Reichs und bei- 
derseits Landen Securitaet und Wolfahrt gedeihen möge. 

Herr von Schoenborn ist heut abgereist'). Der König in Frank- 
reich hatte an I. Churf. Gn. zu Mainz begehret, dass Sie I. Kais. M. 
zu einiger Dedaration, Sich bei dem obhabenden Kriege nicht zu 
wollen interessiren, disponiren wollten, welches I. Gh. Gn. zwar ad 
referendum genommen, I. Kais. M. bleiben aber allerdings in terminis 
Instrumenti Pacis und der darauf erfolgten anderen Tractaten. Wie 
ich das gute Vertrauen zwischen höchstged. I. Ch. Gn. zu Mainz nnd 
I. Gh. D. zu Brandenburg, sonderlich bei diesen gegenwärtigen 
Conjuncturen, f&r sehr erspriesslich zu des gemeinen Wesens Besten 
erachte, als habe ich mich gegen den Herrn von Schoenborn erboten, 
meine zwar geringe doch wolgemeinte OfGcia jederzeit darzu zu con- 
tribuiren, welches hoffentlich auch I. Ch. D. nit missfallig sein werd. 

Mit dem churcölnischen Abgesandten') ist man zwar bis 
dato noch nit zur Conferenz kommen. Ich vernimb aber, dass in 
Privatvisiten ihm die Meinung all ziemlich klar gesagt worden. Ew. 
Exe. muss ich dabei berichten, dass gar hohe und vornehme Stände 
des Reichs dafür halten, dass die Stadt Cöln durch den Provisional- 
vergleich nit gnugsam versichert und nun in grösserer Gefahr sei als 
sie vor demselben nit wäre. Ich meinestheils muss bekennen, dass 

1) Seine Ankunft zu Wärsburg obeu 8. 15H. 
») ÜDteD S. 194. 



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Bescheid ans Wien. Beschwerde der OeneralstaateD. 193 

ich die Sicherheit auch nit sehe, zweifle nit, I. Ch. D. werden Sieh 
angelegen sein lassen, damit alle Unsere Fürsorg nit eludirt, und die 
novissima pejora prioribus werden. 

Vom Herrn Bischof von Münster hat man Nachricht, dass 
derselbe stark werbe*). Ich vernimb, dass man I. Fürstl. 6n. bei- 
bringen wollen, dass I. Ghurf. D. zu Brandenburg einige schon vor 
diesem geschlossene Tractaten mit Frankreich haben, derentwegen Sie 
nit freie Hand haben wollten. Nun weiss ich wol, was daran ist, 
wie auch Ew. Exe. zum öfteren hiervon gesagt. Ich habe doch gut 
befunden Sie dessen zu erinnern, damit dergleichen unbegründete 
Impressiones nit etwa einige schädliche Effectus veranlassen. I. Kais. 
M. haben S. F. 6n. vor einiger Zeit dehörtiren lassen, dass Sie nichts 
wider die Glevische Friedenstractaten vornehmen wollten, zumalen 
I. H. wie imgleichen viele andere Ghur- und Fürsten Sich zu derer 
Garantie obligirt; werd auch nochmalen diese Dehortation wiederholen. 

Es dürfte sieb empfehlen, wenn der Karfürst von Brandenburg das 
Gleiche thäte. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. Dat. Wien 9. März 1672. 

[UehersenduDg von Schriftatäckeo, die Beschwerde der Geoeralstaateo and die 
OölnisoheD Unruhen betreffend.] 

Die Beschwerde der Generalstaaten (Anlage A.) soll auf dem Reichs- 9. Marc, 
tage in Dellberation gezogen werden (Anl. B.). Es ist ein Reichsbedenken 
aufzusetzen — 

was nit allein desfalls zu thun sondern auch, weil die 'Gefahr sowol 
ab Oriente als anderwärtshero sich von Tag zu Tag vermehret, ob 
man sich bei sothanen Gonjuncturen in eine allgemeine Reichsver- 
fassung, nach Gestalt eines jeden Stands obhabenden Gontingentis, 
ohnverlängt setzen solle? auch damit das heilige Römische Reich zu 
aller bevorstehenden Gefahr an gehöriger Mannschaft nicht noch 
mehrers entblösset werde, ob nicht nothwendig sei, die hin und wieder 
im Reich vorgehende fremde Werbungen zu verbieten und einzustellen? 
und weil nächst diesem von des Ghurfürsten zu Göln Ld. die 
Rheinbergische Restitutionssach pro lapide offensionis gehalten werden 
wUl, ob nicht ein anderer Ghur- und Fürst zu benennen und dahin zu 
vermögen, dass er sich des Werks mit und nebenst Unseren Ministris 

») Vgl. oben S. 108. 

Mater, s. Geseb. d. G. KurfurateD. Xin. 23 



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194 I. Zar Vorgeschichte des dentflch-rraosösischeu Krieges. 1671. 1672. 

im Haag (denen Wir die Reassumirung der gütlichen Handlang ron 
neuem anbefohlen) alles Eifers annehme und solches mit befttrdern 
helfe? 

Kf. wird ersucht, aoeh iu den anderen Punkten, wie sie sich ans den 
folgenden Schriftstücken (Anl. C. D.) ergebeoi seine Meinung sn eröffnen: 
„was in ein und anderen eu verfügen und wie denen fast aller Orten empor- 
gehenden gefährlichen Machinationen zn steuern.^ 



Anlagen. 

A. Die Generalstaaten (gez. Gaspar Schalck und Gaapar 

Fagel) an den Kaiser. Dat. Haag 28. Januar 1672. 

Beschwerdeschreiben über Durchmarsch und Logirung der französischen 
Truppen im Erzstift Cöln. 



B. Kaiser Leopold an den Fürstbischof von Eichstaedt^). 

Dat. Wien 6. März 1672. 

Auftrag an den Bischof als kaiserlichen Principalcommissarins beim 
Regensbnrger Reichstage, die staatische Resolution, welche abschriftlich 
folgt, den Reichsst&nden per dictaturam zu comrouniciren mit dem Be* 
merken, dass auch Kurmainz ersucht sei, „Dero Directorio hierzu auch 
seines Orts zu concurriren.^ 



C. Der Kaiserliche Bescheid an die Korcölnischen Abge- 
ordneten. Signat. Wien 4 März 1672. 

[lo Form einer Resolution.] 

Die knrcölnischen Abgeordneten ?on Meiersheiro und von Boeck- 
hörst haben beim Kaiser ihre Hand- und Gredenzschreiben (dat. Bonn 
14. 26. 28. Januar) überbracht, einerseits die Streitigkeit zwischen dem 
Kurfürsten von Cöln und der Reichsstadt und die darüber verlangte 
holländische Versicherung, andererseits die Rheinbergische Restitntions- 
Sache betreffend. (Es liegen darüber zwei Memorialien der KCölnischen 
Diplomaten vor). Darauf lässt der Kaiser die Deputirten folgendes wissen. 

Er hat seinen Gesandten im Haag Befehl erteilt, die Generalstaaten 
zu vermögen, dass sie dem Kurfürsten von Cöln die ihm in seinem Erz* 
Stift lange Jahre vorenthaltene Stadt Rheinberg cum omni causa restituiren 



') Markward II. Scheok von Castell [Farstbischof 1657—85]. 



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Kaiserliche Resolation io der Bheinbergischen Sache. 195 

und ferner geotigende Yersicherang geben, dass bei einem etwa ansbrechen- 
den fijriege zwischen Frankreich nnd Holland «wegen Dnrchuige vel alio 
qnocnmqne praetextn dem Erzstift und Stiftern nichts Widnges zugefügt, 
sondern dieselben in dem verlangenden Nentralstand gelassen werden möch- 
ten^. Wogegen gleichfalls Knrcöln bei der Armatnr zur Defension des Erz- 
stifts zu keiner Feindseligkeit Anlass geben soll, sondern erbötig bleiben, 
„die Yon I. M. mit einigen anderen Chur- und Fürsten veranlasste Yer- 
bündnis auch ihres Orts mit einzugehend^ nnd für den Frieden zu sorgen. 

Der Kaiser hat es anf sich genommen, nicht nur die Petition der kur- 
cölnischen Räte in Erwägung zu ziehen, sondern auch mit dem hier an- 
wesenden Residenten der Gen.-Sfaaten in ordine ad promovendnm negotium 
Unterredung zn pflegen nnd seiner Principale Bedenken zn vernehmen. Es 
hat sich dabei herausgestellt: ,,indem man die von der Krone Frankreich 
suchende Verstattung des freien Passes dnrch I. Ch. D. v. Cöln Lande 
also beschafifen zu sein befunden, dass solche zu mehrer und grösserer 
Weitläuftigkeit Anlass geben könnte, dass allerhöchstged. I. Kais. M. von 
tragenden Kais. Amt in alle Wege dahin zu sehen obgelegen sein wolle, 
damit das Reich in fremde Kriege nit impliciret werde'^ 

Die Qeneralstaaten haben die Angelegenheit an den Reichstag gebracht, 
wie ja auch der Kaiser seinen Commissarien aufgetragen hat, die Stände 
des Reichs um Eröffnung ihres Gutachtens zn ersuchen. 

Der Kaiser hat aus dem Schreiben Kurcölns wie aus den Memorialien 
ersehen . . . , „können aber im übrigen nit absehen (wasmassen wider Dero 
Ministros darinnen einige Klag geführet werden wolle, samb dieselbe beflissen 
und bemühet gewesen sein sollen, obbesagte Ihrer M. und des Heiign. Rehs. 
Stadt Cöln in ged. Herrn Oeneralstaaten Hände zu spielen und mithin auch 
die katholische Religion selbst in Gefahr zu setzen): aus was für Funda- 
ment und Ursach I. Churf. D. Dero Eaiserl. M. Ministros^) mit so harten 
Zulagen anzuschuldigen bewegt sein mögen. Einmal können I. Maj. solchen 
starken Anzüglichkeiten kein Statt geben sondern (wann man der Sachen 
wahrer Beschaffenheit änderst sich recht informiren lassen will) der bestän- 
digen Zuversicht, man werde mehr besagte Kaiserliche Ministros mit solchen 
beschwerlichen Zulagen allerdings verschonen.'^ 

Schliesslich habe der Kaiser das Vertrauen, es werde „I. Gh. D. Sich 
bei obged. Rheinbergischen Restitutionswerk, und was darvon dependiren 
möchte, dem gemeinen Vaterland zum besten also friedsam und geneigt 
erweisen, damit M^^^^^S^^^^ daraus abnehmen könne, dass Sie an Ihrem 
Ort nichts erwinden lassen, was zu Erhebung des von I. Kais. M. bei Voll- 
ziehung der gütlichen Handlung intendirenden Zwecks immer mehr habe 
erspriessen können." 

Die vom Kaiser verordneten Commissarien bei den Gölner Verhandiaogen. 
Die betreffenden Schriftstücke vereinigt Londorf Act. Pnbl. IX, 862 fgg. 



13^ 



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196 I- Zur Vorgeschichte des deutsch- französisehea Krieges. 1671. 1672. 

D. Der Kaiser an Marquis de Grana^). 
Dat. Wien 9. März 1672. 

[Betraut ihn mit efner Gesandtschaft an die Färstbiscböfe von Paderborn und 

Munster.] 

9. Mars. • • . ^Wir haben Dir bei dieeeiD gn. anbefehlen wollen, wann änderst 
der dasige Zastand Deine Abwesenheit von Cöln ohne Gefahr and Ver- 
abs&umnng des allgemeinen Wesens Dienstes so lang erdnlden kann, dass 

Da Dich alsbald za des Bischofs za Paderborn And.*) verfügest 

and beweglich vorstellest, in was Gefahr der ganze Stift Münster so wol 
circa spiritualia als temporalia sich setzen würde, da selbigen Bischofs A. 
die Generalstaaten der Vereinigten Niederlanden (mit welchen sich leichtlich 
einige protestirende Chor- ond Fürsten conjungiren machten) zu einem 
Krieg veranlassen sollte, nnd wie dannenhero S. A. als Coadjutor zu seiner 
Zeit ob dnbinm belli eventnm das Bisthnm entweder gar nit oder wenig- 
stens in einem ganz ruinirten Zastand za erlangen haben würde, allermassen 
dessen der nächstvorgeweste dreissigj&hrige Krieg genngsame Ezempla vor- 
bilden thäte.*' 

Die Gefahr soll der Gesandte dann im selben Sinne dem Fürstbischof 
von Münster remonstriren, „vorhero aber daraas mit S. des Bischofs za 
Paderborn And. vertraalich commnniciren and Sie in Unserem Namen an- 
gelegentlich ersachen, dass Sie Ihro belieben lassen möchte, wonicht darch 
eine gesamte Abscbickang, wenigst durch ein nachdrückliches Schreiben 
Deine an erm. Bischofs za Münster And. obhabende Negotiation zn be- 
gleiten^' 

„Schliesslich weil Wir glaubwürdig berichtet, wie dass die Stadt Cöln 
denen Franzosen zu hundert stark ond männiglich den freien Ein- nnd Aas- 
gang ohne einiges Anfragen vergönnet, voller Frembden, so häufig bestän- 
dige Quartier bestellet, sich befindet, und also schlechte Obsicht ihrer 
Sicherheit haltet, wollest Du gehöriger Orten zu besserer Anstalt und Ge- 
wahrsamb einige Erinnerung thun.'* 



Der KurfUrst an Kaiser Leopold. Dat. Coelln a. d. Sp. 
25. Maerz 1672. 

[Erwartet Goes. — Werbeverbot. Ist för gütliche Beilegung der Rheiubergi- 

scben Sache.] 

4. April. ^^' ^^^^^ ^^^ Kaiser für seine Mitteilungen und für die damit be- 
I wiesene Sorge um des Reiches Wolfahrt. Nach der Rückkehr des Fr hm. 

I von Ooes, der Ja schon eine Zeitlaug am brandenburgiscben Hofe gewesen 



') Kaiserlicher Oommissarius in Cöln. 
^ Ferdinand li. von Furstenberg. 



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HilA9gesach des Kf. an Kaiser Leopold. 197 

18t, mid dessen Wiederkommen man bestimmt erwartet, wird Ef. mit diesem 
die Sachen besprechen. 

Die y, Verfassung'^ hält Kf. für nötig; so lange es freilich im Reich 
damit so langsam daher gehe, solle sich ein Jeder in Postur setzen. — 
Die Werbungen hat er in seinen Landen schon untersagt; zweckvoll 
würde ein Verbot sämtlicher Werbungen für Answärtige sein. — Die 
Rheinbergische Sache mag im Haag, unter Beteiligung anderer Kur* und 
Fürsten^ wenn möglich auf gütlichem Wege beigelegt werden. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. Dat. Coelln a. Sp. 
3./13. Mai 1672. Conc. v. Somnitz. 

[Befärchteter Einmarsch der FranzoBen in seine rheinisch- westfälischen Gebiete. 
DriDgendes Hilfegesach. PräteoBion Kurcölne auf Lippstadt.] 

Ew. Kais. M. kann ich gehorsamst nicht verhalten, wie dass ich id. Mai. 
gleich itzo von meinen Bedienten aus dem Glevischen durch einen 
Expressen berichtet werde '), dass die französische Arm6e gar stark in 
Anmarsch sei, nnd ein Theil derselben vor die Stadt Göln, um sich 
derselbigen zu bemächtigen, und dann vor meine Stadt in der Graf- 
schaft Mark, die Lippstadt, selbige gleichfalls zu belägern, anch eine 
Schiffbrücke zu Ruhrort im Glevischen zu schlagen, damit sie die 
Westphälischen Lande desto besser invadiren können, entschlossen; 
gestalt dann des Bischofs von Strassburg Ld. in Schreiben an 
Uns Sich vernehmen lassen, dass Chur-Coln eine alte Praetension auf 
die Lippstadt machte, welche aber ganz und gar nicht fundiret ist 
und nimmermehr zu recht wird behauptet werden können. 

Gleichwie ich nun nicht nöthig achte Ew. Kais. M. vorzustellen, 
was bei so gestalten Sachen f&r eine Gefahr dem Rom. Reich da- 
durch zustehe, und wie die allgemeine Ruhe, Friede und Sicherheit 
werde tnrbiret werden, absonderlich wie meine Clev-Märkischen und 
Ravensbergischen Länder in Gefahr und äusserste Ruin gerathen, auch 
was ftlr grosses Praejudiz nicht allein mir, sondern auch dem ganzen 
Westphälischen Kreise und allen denen Benachbarten daraus entstehen 
würde, und ich mich dann kraft der mit Ew. Kais. M. getroffenen 
Allianz') einer mutuellen Assistenz versichere, als hoffe ich unterthänigst, 
Ew. Kais. M. werden mich nicht lassen, sondern in Dero Kaiserlichen 
Schutz mich gnädigst halten, auch wann dem Ruf nach die Lippstadt 
sollte attaquiret werden, die vermöge solcher Allianz verglichene 

Ö^Vgl. oben S. 120 fgg. 

s) Die Allians vom 10. Mai 1666. 



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198 !• Zur Vorgeschichte des dentocb-fraososischen Krieges. 1671. 1672. 

Hülfe mit dem allerforderlichsten ttberschicken, gestalt ich Ew. Kais. 
M. desfalls gar inständigst unterthänigst implorire, nicht zweifelnd, 
Sie werden allergnädigst gernhen, mir nicht allein auf den Nothfall 
damit, sobald immer möglich, aufs schleunigste zu willfahren, sondern 
auch die nachdrClckliche Verordnung kraft tragenden Kaiserlichen Amts 
an die benachbarte Kreisstände ergehen zu lassen, dass sie aller 
fremden Gewalt sich mit gehöriger Macht entgegensetzen und con- 
junctis viribus alle Invasiones ins Boemische Reich zurttcktreiben sollen. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. Dat. Wien 30. Mai 1672. 

[Auf das letzte Schreiben vom 13. Mai. Sicherang Golns.] 

30. Mai. Der Kaiser ist erstaunt and befremdet über den Bericht, ,,da die Ghur- 
nnd Stadt- Cöloische Streitsache vermittelst der von mir angeordneten 
Kaiserl. Commission darch Chnr-Mainzens, Char-Triers und Ew. Ld. Sab- 
delegirte in Nenlichkeit erst provisionaliter verglichen und von mir auf der 
interessirten Theilen gebürendes Ansuchen confirmiret worden ; da man auch 
an Seiten der Krön Frankreich keine Bescheinigung, viel weniger einig 
billige Ursach zu dergleichen Vorhaben ersinnen kann." 

Der Kaiser hat in der Sache an Kurmainz und Kurtrier geschrieben, 
auch seinem Reichshofrat und bestellten Obristen Marchese de Sarona, 
Carretto und Grana aufgetragen, bei einem feindlichen Angriffe die 
Stadt Göln zu veranlassen, dass sie die Recess-Commissarien an den 
Tbatbestand erinnert; dass also die betreff. Fürsten auf Orund des vom 
Kaiser approbirten Provisionalvergleichs ihre eigenen Völker unverzüglich 
zu Hilfe schicken. 

Des zwischen ihm und dem Kf. aufgerichteten Bündnisses weiss sich 
der Kaiser zu erinnern und h&lt sich hinsichtlich Lippstadts zur Hilfe ver- 
pflichtet. 

Anliegend Schreiben Kaiser Leopolds an Kurmainz und Knrtrier d. d. 
Wien 30. Mai 16*72, welches auf Grund der vom Kf. gemachten Mittei- 
lungen das Vorgehen und die Absichten der Franzosen meldet und Hilfe 
für die Stadt Cöln empfiehlt. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. Dat. Coelln a. Sp. 
3. Juni 1672. 

[Gewaltmassregeln der Fransosen im Clevischen.] 

13. Juni. ^^m Kaiser ist bekannt, dass der König von Frankreich eine grosse 
Anzahl Eriegsvölker auf des Reiches Boden gesandt hat, verschiedene an 
den Grenzen des Reichs wolbelegene Oerter befestigen lassen und nun- 



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Einmarsch der FraDEOsen. Anhalt nach Wien. 199 

mehr mit einer weit grösseren Macht selbst gefolgt nnd ins Reich gegangen 
ist; ferner dass sich einige Knrcölnische und Münsterisohe Truppen dabei- 
gefügt haben sollen. 

Fflr jetzo kann ich nicht umhin Ew. Kais. M. unterth. zu be- 
richten, wie dass höehstbem. König in meine Clevisohe Lande ge- 
gangen und zwene feste Oerter darin, als Wesel und Orsoy, zur 
Uebergabe gezwungen. Auf dem platten Lande besagten Herzog- 
tbums sind verschiedene Hausleute erschossen, Häuser ausgeplflndert 
und abgebrannt, das Getreide auf dem Feld zertreten und das Vieh 
weggetrieben. Dabeneben werde ich aueh berichtet, wie der Herr 
Bischof von Mttnster die Grafschaft Lingen mit seinen Völkern be- 
leget undt die Einwohner zur Huldigung gezwungen. 

Ef. wünscht, dass die Sache vor den Reichstag komme, and er wieder 
za dem Seinigen gelange. 

P. S. Ef. hat eben erfahren, dass der französische König ,)yon den 
Städten, die er eingenommen, einen Eid hat abnehmen lassen.^ ^) 

d. d. Wien 8. Juni 1672 nimmt der Kaiser hinsiohtlich der neaenS. Jnoi. 
Mntnalassistenz Bezug anf die inzwischen erfolgte Gesandschaffc Anhalts. 



ß. Anhalts erste Negotiation nach Wien. 

Pnncta so Wir des Dürchleuchtigen Hochgebornen Fürsten 
Unsere frenndHchen Heben Vettern, Schwägern, Gevattern, 
Statthalters Unserer Chur- nnd Mark Brandenburg und Gene- 
ral-Feldmarschalls Herrn Johann Georgen Fürsten zu Anhalt 
• . . Ld. am Kaiserlichen Hofe zu negotiiren freundvetterlich 
aufgetragen. Dat. Coelln a. Sp. 4. Mai 1672. 
Conc. y. Somnitz. 

[iDBtmction fnr den Fürsten Jobann Georg von Anhalt-DesBan.] 

1. Der Fürst hat in Wien wie nnterwegs nnr seine eigenen nnd seiner 14. Mai. 
Schwester, der verwittweten Herzogin zn Liegnitz nnd Brieg An- 
gelegenheiten als Vorwand seines Besuches am Eafserhofe anzngeben. 

2. ^ünd weil die Sachen durch Fürst Lobkowitz wol am besten 
des Orts zn incaminiren nnd zu befördern, als werden I. Ld. selbigem das 
Handschreiben, so Wir an ihn abgehen lassen, zustellen und dabei den 
Hauptzweck Ihrer Beise eröfifnen, ihn auch daneben ersuchen, dass er bli 
I. Kais. M. das Werk, so zu des Kelchs nnd Ihrer Kais. M. eigenem hohen 

Dem Schreiben liegen Berichte bei d. d, Dinslaken 6. Juni, Esaen 5. Juni, 
Wesel 5. Juni, Essen 7. Juni, 



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200 1* Zur Vorgeschichte des deatsch-firanBÖsisohen Krieges. 1671. 1672. 

Rahm nod Aafnehmen aogesehen, aafs beste seenodiren und befördern, auch 
dergestalt Ihrer Ld. Äudiens za Wege bringen möchte, dass es ohne son- 
derlich Anfsehen zngehen und I. L. also angenommen nnd bei M&nniglich 
angesehen werden möchten, als wann Sie nnr in Ihren eigenen Geschäften 
daselbst so thnn hätten. 

3. Bei erlangter Audienz bei L Kais. M. werden I. L. nach Ueber* 
reichung Unseres Handschreibens und abgelegten Carialien gebührlich 
Deroselben fürtragen, wie Wir nnnöthig achteten, Ihrer Kais. M. die Ge- 
fahr, worin das Römische Reich schwebete, fürzustellen. 
Welchergestalt I. Kais. M. als das Haupt desselben selbige zq Herzen 
nähmen, könnte Uns leicht furstehen, and hätte Uns Dero Beichshofrath 
der Baron deGoes deswegen mehrere Nachricht ertheilet. AHein roüssten 
Wir beklagen, dass, da nnnmehro eine geraume Zeit hero fremde Völker 
auf des Reiches Boden geführet, desselben Frontier-Städte, auch mitten 
im Reiche gelegene feste Plätze, mit denselben Völkern belegt und forti- 
ficiret würden, die beste Mannschaft in Teutschland für Fremde auch von 
Teutschen Fürsten selbst weggeworben und Fremden zugeschicket würden, 
dagegen aber keine Mittel zur Sicherheit und Abwendung der vor Augen 
schwebenden Gefahr ergriffen würden: So hätten Wir hierunter zu Ihrer 
Kais. M. Uns wenden und Dieselbe ersuchen müssen, Sie wollten dergleichen 
Gonsilia ergreifen, die dem Römischen Reich erspriesslich, und dadurch 
dasselbe für äusserlichem Eintrag und Ueberfali beschützet und die Zer- 
gliederung desselben verhütet werden möchte. Und weil Wir Uns, als ein 
getreuer Churfürst des Reichs schuldig erkennen, Ihrer Kais. M. hierunter 
der Gebühr mit Rath und That an die Hand zu gehen, so hätten Wir das 
Werk sorgfältig erwogen nnd dabei nicht unterlassen, auf die Reichsver- 
fassung ein Abseben zu haben. Weil aber bekannt, wie langsam es damit 
herginge, und wie schwer die Stände zur Einigkeit zu bringen, da der eine 
dieses, der andere jenes Absehen hätte, die Gefahr aber, welcher zu be- 
gegnen wäre, immer zunehme und also beschaffen, dass die Mittel, womit 
selbige abzuwenden, aufs schleunigste es möglich >) an Hand zu nehmen und 
zu Werke zu richten, so könnten Wir nichts zuträgiichers ersinnen, als 
wann I. Kais. M. resolviren wollten, einige ansehnliche Trappen 
näher dem Rheinstrom aufs schleunigste gehen zu lassen, um 
daselbst auf des Reichs Sicherheit Acht zu haben. Wir zweifelten nicht, 
dass einige wolmeinende Stände des Reichs dergleichen tbun würden, und 
Unseres Orts macheten Wir Uns anheischig, Ihrer Kais. M. gebührlich an 
Hand zu stehen und gleichfalls einige Truppen dahin zu schicken. 

4. Gefiele es auch Ihrer Kais. M. deswegen, und wie sothanes Defen- 
sions-Werk anzustellen, mit Uns absonderlich Sich zu vernehmen 
und die Praestanda von einer und andern Seite festzusetzen, 
würden Wir Ihrer Kais. M. gnädigstem Gefallen Uns hierunter accommo- 
diren und in allem Uns also erweisen, dass Dieselbe im Werk erspüren 



*) Origin. 



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Anhalt! Instraction nach Wieu. 201 

möchten, wie Uns Dichts lieben, als Dero wolgemeinte Intention nach 
höchster Möglichkeit zn befordern. 

5. Wir lassen Uns hiebei fürstehen, I. Kais. M. entweder selbst oder 
durch Dero Ministros bei einer Conferenz hierunter einige Bedenken 
werden fttrstellen und dabei Sich nichts desto minder auf die Reichs- 
Verfassung und auf die Allianz, so Sie mit einigenChnr- und Fürsten des 
Reichs getroffen, berufen und Uns gleichfalls verweisen, daneben auch die 
Türkengefahr und das Polnische Wesen, und wie darauf zu reflec- 
tiren, möchten vorstellen lassen. 

6. Was nun die Reichsverfassnng belanget, so ist deswegen al- 
schon Erwähnung geschehen und sonsten wol bekannt, dass bis hieher von 
den Französischen Mötibus und Attentats im Reiche nicht das geringste 
zu Regensburg ins Mittel gebracht, auch solcher wegen auf keine 
Gegenyerfassung gedacht, weit weniger etwas zu Werke gerichtet sei. So 
hat man auch wegen Churcölnischer, Ghurbayrischer und deren Adhaerenten 
starken Contradiction nicht zu hoffen, dass man daselbst, und znmalen so 
bald als nöthig, zu einem guten Schlüsse und viel weniger zu wirklichen 
Defensionsmitteln gelaogen werde. 

7« Die Allianz anreichend, so I. Kais. M. mit einigen Ghur- 
Qud Fürsten getroffen, isfs an dem, dass darin ein schlechter Zuschub 
und Assistenz an Volke versprochen, worauf nicht sonderlich Staat zu 
machen und bei einigen die Erhöhung nicht zu erhalten. Einige Stände 
als Chur*Trier und andere sein dergestalt mit Französischen Völkern um* 
geben, dass, wo ihnen nicht von einer anderen Seiten oder durch andere 
Mittel Luft gemachet und geholfen wird, sie nichts bei der Sache thun 
können. Einige als Munster möchten, dem Rufe nach, eher wider als 
für die AUiirte ihre Waffen gebrauchen. Einige von den Alliirten, als die 
Sächsische und Brandenburgische Häuser, sein in ganz keiner Verfassung. 
Doch sein Wir nicht abgeneigt, auch in solch Bündnis mit zu treten und 
sobald deswegen eine Zusammenkunft von I. Kais. M. beliebet und inti- 
miret wird, auch die Unsrigen dahin zu senden. Wir können aber 
nicht absehen, wie angezogener Ursachen wegen auf diese 
Allianz Staat zu machen oder daher, sobald als die Conjuuctnren es 
erfordern. Hülfe, und zwar zulängliche Hülfe zu gewarten. 

8. Die Türkenge fahr belangend ist selbige annoch ungewiss, und 
könnte soviel, als I. Kais. M. an Mannschaft nach dem Rhein wärts schicke- 
ten, durch das Reich unschwer ersetzet und noch wol ein mehres 
dabei gefuget werden; wie Wir dann deswegen alle gate Ofißcia treulich 
anwenden wollten. 

9. Was das Polnische Wesen betrifft, sein Wir der Meinung, man 
hätte zuvörderst dahin zu sehen, dass die Misverständnis zwischen dem 
Könige und den Ständen gehoben nnd beigelegt würden, woranf dann die 
Defensionsmittel wider den auswärtigen Feind von selbsten folgen würden. 
Dabei sein Wir des Erbietens, dass wann der König sich Uns vertrauen 
nnd Unsere Preussische Unterthanen, die mit ungegründeten Querelen wider 



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202 I* ^^^ Vorgeschichte des deatoch-fraozoli sehen Krieges. 1671. 1672. 

die Pacta bei I. M. sich angeben, den Pactis zufolge Yon sich ab- and an 
Uns yerweisen würde, Wir bei der guten Partei und die ob dem EidCi so 
sie Ihrer M. einmal geleistet, fest halten, wie auch bei denen, so etwa 
andere Meinungen führen, Unser äusserstes thun wollten, dass das Miss- 
trauen gehoben und gutes Vernehmen wieder gestiftet würde. Wie dann 
Ihrer Ld. bekannt, dass Wir gute vornehme Leute im Königreiche Polen an der 
Hand haben, die dabei viel gutes thun könnten, auch Unser Einrathen und Er- 
mahnen bei der andern Partei nicht so gar aus Augen gesetzet werden möchte. 

10. Ueber dem, was die Türkengefahr belanget, so sein Wir ent- 
schlossen Ihrer Kön. M. an Mannschaft 1500 guter Soldaten zuzusenden, 
worunter 600 Dragoner begriffen, die Wir doch, wann Wir auch den Pactis 
schnurstracks inhaeriren wollten, nicht schicken dürften. Haben Uns auch 
daneben erboten, I. M. mit einiger Munition gleichfalls eztra Pacta aus- 
zuhelfen, sein auch über das nicht abgeneigt, dem Könige erheischen- 
der Nothdurft nach aus Unserm Herzogthum Preussen mit 
mehrer Mannschaft zu assistiren; 

11. und werden solchem nach I. Ld. aufs beste sich bemühen und Ihr 
angelegen sein lassen, I. Kais. M. zu Sendung einiger wirklichen 
Hülfe oder auch zu einer Particular- Verbi ndung mit Uns, so 
anf die jetzige Conjuncturen gerichtet, zu bewegen; 

12. wobei dann, wann I. Kais. M. Sich dazu verstehen und aufs wenigste 
4000 Pferde und 2000 zu Fuss senden wollten, Wir Uns erbieten, ein 

m 
Corpus von -r^" Mann dabei zu fügen. 

13. Dabei dann Ihrer Kais. M. yorzustellen, dass die Fussvölker, 
insonderheit der Stadt Cöln halben, nöthig wären, damit Sie aufn 
Nothfall in den Ort geworfen werden könnten; 

14. und wann bei Ihrer Ld. Anwesenheit nur die Sendung solcher 4000 
zu Ross, wie auch derselbigen schleuniger Aufbruch von I. 
Kais. M. resolviret, auch dass sie nnter Unserm Commando stehen soll- 
ten, festgestellet, könnte das übrige hernach wol verabredet werden. I. Kais. M. 
können von selbst leicht erachten, wie Dero Kaiserliche Autorität und blosser 
Name die gute Partei stärken und des Reichs Defension befördern würde. 

15. Hiernächst sein auch I. Kais. M. zu ersuchen, bei Ghnr- 
Sachsen Erinnerung zu thun, damit Sie Sich in Verfassung setzen 
und mit herzutreten möchten. 

16. Weil auch die Stadt Cöln nicht wol versehen, wann dergleichen, 
wie ihr gedräuet wird, wider dieselbe sollte vorgenommen werden, so ist 
Ihrer Kais. M. fürzustellen und Dieselbe zu ersuchen, dass Sie den Ort 
mit Ihren Völkern besser besetzen, oder, da es nicht sein könnte, dass 
weil aus den Spanischen Niederlanden solcher Ort am schleu- 
nigsten secouriret werden könnte, I. Kais. M. solchen Secours 
bei dem Gouverneur des Orts*) vermitteln wollteu. 

^) Heisst: dem dortigen Gouverneur; nämlich Qraf Monte rey. Vgl. oben 
S. 118. 



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Anhalts iDstnioüon Dach Wien. 203 

17. So ist auch Ihrer Kais. M. za hinterbringeo, wie Wir berichtet 
werden, dass auswärtige hohe Kriegsofficirer die Lippstadt 
nebst der Gegend daherum fleissig recognosciren^ anch die 
Cöinisehe Ministri einer alten Praetension, so Chnr-Göln daranf machen 
soll, wiewol ohne einigen Ornnd, Erwähnung thuu, wannenhero Wir in 
Sorgen stehen, dass der Ort attaqniret werden möchte; und anf solchen 
Fall ersuchen Wir gleichfalls I. Kais. M. Uns mit zulänglicher Hülfe zu 
asBistiren, in mehrer Betrachtung, dass dem ganzen Westphälischen Kreise 
an dem Orte gelegen. 

18. Sollten I. Kais. M. weder zu Absehickung Dero Truppen näher dem 
Rhein, um sich mit Uns und anderen, so des gemeinen Wesens sich an- 
nehmen möchten, zu conjnngiren, noch zu einer particulieren Allianz, so 
auf dieses Wesen einzurichten, verstehen wollen; so seind Sie der Alli- 
ans, so Wir mit Derselben Anno 1660 aufgerichtet und Anno 1666 
wieder renoviret, zu erinnern und zu ersuchen, weil die Gefahr vor 
der Thür, dergleichen Anstalt gn. zu machen, dass Wir der darin yer- 
sprochenen Assistenz zu rechter Zeit gemessen könnten. 

19. Weichergestalt Sich L Ld. bei dem Französischen, Spanischen 
und anderen publicis, wie auch Kaiserlichen Ministris zu be- 
tragen, deswegen achten Wir unnöthig etwas zu erwähnen, weil Dero- 
selben Unsere Intentiones wol bekannt und Sie ohne das alles Dero hohen 
Dezterität nach, Unserm zu Deroselhen gesetzten sonderbaren freundvetter- 
lichen Vertrauen zufolge, wol mesnagiren und anstellen werden. 

20. Absonderlich werden I. Ld. Fürst Lobkowitz versichern, 
dass Wir Uns seine Interessen allerwege wollten aufs beste recommandiret 
sein lassen und demselben alle Gefälligkeit erweisen. 

21. Sonsten ist bekannt, wie der Ausschlag bei der Wahl Ihrer 
Kais. M. auf Uns angekommen, und als Wir denselben für I. Kais. M. 
gegeben, Wir dahero bei den auswärtigen Königen grossen Undank ver- 
dienet, auch viele Widerwärtigkeit empfunden. Dessen können I. Ld. die 
Kaiserlichen Ministros vertraulich erinnern, es ihnen zu Gemüthe führen, 
damit an Unsere in der Wahrheit erwiesene Treue gedacht und derselben 
wieder bei diesen Occureutien der Gebühr begegnet werde. 

22. Endlich werden I. Ld. aus dem copeilich beigefugten Ez- 
tract ersehen, was ein vornehmer Reichsrath in Schweden 
gegen Unsern Abgesandten, den von Brandtim Vertrauen erinnert^), was 
wegen der Churcölnischen Proceduren vorzunehmen sein 
möchte, welches dann I. Ld. mit guter Manier, Dero beiwohnenden hohen 
Dezterität nach, Ihrer Kais. M. werden zu hinterbringen wissen und Dero 
gn. Gutachten darüber vernehmen.^ 



Von dem gleichen Dat. der Instruction sind die Creditife (eigenh.) an 14. Mai. 
Kaiser Leopold, die regierende Kaiserin, die Kaiserin- Wittwe, den Fürsten 

Im nächsten Bande; Braadenbar|^ und Schweden, 



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204 I* Zar Vorgeschichte des deutsch-fransösiseheD Krieges. 1671. 1672. 

Lobkowitz. Desgleichen die kf. liehe AssignatioD auf 1000 Rthlr. zu der 
Wiener Reise ans den Legationsgeldern. 

22. Mai. d. d. Wien 12. Mai 1672 abends 8 Uhr^) meldet Anhalt karz seine 
eben erfolgte Ankunft in Wien. 

Anhalt. Relation. Dat. Wien 16./26. Mai 1672. 

[BegrüssoDg und eingehende Unterredang mit dem Forsten LobkowitE. Einfluss 
der Kaiserin- Wittwe. Markgraf Hermann von Baden hier. Nachrichten vom 
Kriegsschanplatse. Lobkowitss Indisposition.] 
26. Mai. Der Kaiser verweilt in Lazenbnrg. Anhalt wendet sich hier in Wien an 
den Fürsten Wenzel Lobkowitz nnd meldet sich bei ihm znr Visite. 
Ehe es dazu kommt — L. hatte sich mit gehäuften Oesch&ften entschuldigen 
lassen — begegnen sich beide vor des Gesandten ,,Losement, der weisse 
Schwan, welches das nächste Hans an des F. Lobkowitz Hans ist'S ^^ 
14. nachmittags. Bewillkommnang. 

Er empfieng und embrassirte mich mit grossen Freuden, nnd als 
er in meine Kammer eintrat, und wir uns beide setzeten, vollbracht 
ich gleich Ew. Ghurf. 6n. gn. Befehl und nach abgelegtem Gompli- 
ment eröffnete ich ihm den Hauptzweck meiner Anherokunft vermöge 
der mir mitgegebenen gn. Instruction, überreichte ihm Ew. Ghurf. Gn. 
Handschreiben, welches er mit grossester Veneration empfieng und 
solches zweimal kttssete, und eröffnete ihm, was ich im Befehl hätte 
Ihrer Kais. Maj. allergehorsamst anzutragen, mit Zuthunng alles des- 
jenigen, so meine mir mitgegebene Instruction in sich hielt. Lob- 
kowitz dankte und lobte des Kf. „generense Intentionen.'' 

Hierauf fieng er trefflich an zu raisonniren, von dem itzigen Zu- 
stand des Rom. Reichs, von des Königs in Frankreich weitaussehendes 
desegno, von der sohlechten Verfassung im Reich, von der Gefahr, so 
daraus zu gewarten, und sagte diese Wort, doch in höchstem Ver- 
trauen: |:,ich weiss gar wol, dass Frankreich durch diesen Krieg 
anders nichts als perniciem S. Imp. Rom. suchet. Unser Hof ist be- 
rufen, dass alles gar schl&frig daher gehet. Nachdem wir aber so 
von Ew. Ghurf. D. aufgemuntert werden, so wollen wir uns diesmal 
aus diesem übelen Ruf bringen.' Ich kann sonsten nicht genugsamb 
rtthmen die ttberaus grosse Höflichkeit, mit welcher er mir begegnet, 
und mit was grossem Respect er von Ew. Ghurf. Gn. hohen Person 
und heroischen Conduite und Actionibus discourirte. Er sagte mir 
auch im höchsten Vertrauen, dass an der ausgebrachte Türken [ge- 

Anhalts Relationen sind, wo nichts im Texte angegeben, stets eigen- 
handig. Die Orthographie ist möglichst gewahrt. 



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Anhalt in Wien. Gespräche mit und über Lobkowitz. 205 

fahr? fehlt] es nicht viel zu bedeuten h&tte. Ihre Kais. M. würden 

noch aufs neue auf -^ Mann innerhalb 8 Tagen Patenta ausgeben, 

es würde sich alles wol schicken, nur wollte er treulich anrathen, 
dass man fein nach der Ordnung verfahren möchte. Erstlich müssten 
festgestellet werden die foedera, darauf die consilia, endlich reme- 
dia et operationes. 

Ich antwortete darauf, dass dieses mir auch der rechte Modus zu 
sein anschiene, inzwischen aber und zur Gewinnung der Zeit würde 
höchst nöthig sein, dass der Kaiser die Regimenter zu marchiren be- 
orderte :| ; womit er auch ganz einig war und versprach, darzu alle gute 
OfBcia anzuwenden. Nach vielen andern Discoursen von Staatsachen, 
so recht remarquabel und meines Bedünkens von grosser Prudenz 
waren, welche über eine grosse Stunde wfthreten, nahm er gegen 
7 Uhr abends seinen Abscheidt und fand für rathsam, dass ich mich 
möchte bei dem Obersten Eammerherm dem Grafen von Lam- 
berg anmelden lassen, um mich bei Ihr. Kais. M. anzugeben und 
Audienz zu verschaffen. Er liess ihm auch sehr wol gefallen, dass 
Ew. Churf. Gn. dieses Werk in grösster Geheimb tractiret wissen 
wollten, und versprach es dahin zu richten, dass etliche wenige ge- 
heimbte R&the, derer I. Kais. M. Sich in den geheimbsten Sachen 
zu bedienen pflegten, darzu gezogen werden sollten, weil quae plus 
quam tribus nota sunt, non occulta. {:Des Fürsten von Lobkowitz 
Erbieten kann nicht besser sein-, Gott gebe, dass die Effecten auch so 
folgen mögen. :| 

Am folgenden Tage sendet Anhalt einen Cavalier an den Grafen 
Lamberg mit dem Handschreiben an S. Maj., hält um Andienz an 
und wird auf den n&chsten Tag den 16./26. nachmittags zwischen 2 and 3 
nach Lazenbnrg beschieden. Er hält sich zur Ausfahrt fertig und schliesst 
jetzt am Mittag, ehe er geht, diese erste Relation. Vielleicht wird er nach 
seiner Rückkunft (bis zum Schiuss der Post am 8 Uhr) noch Zelt finden 
einiges hinzuzufügen. 

Nach jener Unterredung am vorgestrigen Abend ist Fürst Lobko- 
witz sogleich gegenüber zn den Kapuzinern gegangen, hat den Pater 
Emerich^) abgeholt und ist mit ihm in die Favorite zn der verwittweten 
Kaiserin') gefahren, welche dem Bericht nach über Anhalts Ankunft sehr 
erfreut sein soll und zn Lobkowitz gesagt hat, als er ihr von dem branden- 
burgischeu Anbringen Mitteilung gemacht: ^ambrasciate questa occasione 



Des Kaiaers Beichtiger, ein Ungar aus der Familie Sinelli. 
>) Eleonore Gonzaga, Wittwe Kaiser Ferdinands III. 



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206 I- Zur Vorgeachiohte des deatsch-franzöBisohen Krieges. 1671. 1672. 

a dne braccbi^. Markgraf HermanD von Baden hat es mit angehört and 
ihm im Vertraaen erzählt. 

Erwähnte Kaiserin soll ein überaus gross Pouvoir ttber den 
F. Lobkowitz haben, and wann Spanische und Polnische Interesse 
darunter versiren, sich sehr eifrig erweisen; sobald als ich werde 
meine Audienz erhalten haben, so will ich ihr fleissig aufwarten, 
weil sie gern haben mag, dass man sie von Affaires,' sonderlich von 
solchen, welche in ihren Kram dienen, sprechen mag; ihr Wort soll 
viel bei dem Kaiser und bei den grossen Ministris gelten. 

Markgraf Hermann voo Baden — Anhalt hat gestern und vor- 
gestern mit ihm gespeist — ist schon acht Monate hier, indem er sich 
eifrig bemüht den Kaiser zn bewegen, dass er sich mit Spanien zur Assistenz 
für Holland bereit erkläre. (Ein von demselben aof kaiserlichen Befehl 
abgefasstes Memorial folgt bei.) — Der Markgraf hat anch erzählt, dass 
nach dem Bericht des Mainzischen Residenten hier Marenholtz in Würz- 
bnrg angekommen ist^), und zwar znr grossen Freude des Erzbischofs. 

P. S. Dem Fürsten Lobkowitz ist der Schenkel diese Nacht 
anfgebrochen; er wird daher im Geheimen Rath nm Va 9 Uhr nicht erscheinen. 
— Der Reichsvicekanzler Graf Königseck zeigte gestern ein Schreiben 
des kaiserlichen Residenten ans dem Haag vom 2./12. Mai, dass man tags 
zuvor hätte anf der See stark schiessen hören, so dass man einen Zusammen- 
stoss der Flotten vermnten könne. — Heute Morgen hat der Kammer- 
praesident OrafSinzendorf ein Schreiben ans Cöln commnnicirt: die 
Franzosen hätten sich bereits mit einer Armee vor Mastricht thatsächlicb 
engagirt, mit der anderen vor Rheinberg festgesetzt. 

|: „Von des Lobkowitz Indisposition kann ich nichts Gewisses iudi- 
ciren. Der Graf von Sinzendorf sagte mir im höchsten Vertrauen, der 
Kaiser hätte ihm dnrch einen Secretarinm sagen lassen: er wollte nicht 
glauben, dass er sich foppete. Liebe hat er wenig, aber bei Allen treff- 
liche Furcht.** :| 

Der kaiserliche Oberstallmeister hat Anhalt angeboten, sich kaiserlicher 
Carossen und Pferde zu bedienen, so oft es ihm beliebe; was er mit Dank 
acceptirt. 

Der Kurfürst an den FttrBten von Anhalt nach Wien. Dat 
Coelln a. Sp. 8. Mai 1672. 

[Gute NachriebteD aas Poleo, die hoffentlich der Niederländischen Sache eq 

statten kommen werden.] 

18. Mai. Ew. Ld. habe ich hiermit nicht verhalten wollen, wasgestalt 
diesen Morgen ans Polen gar gute Zeitungen eingelaufen, indem sich 

^) Seine mehrfachen Sendnngen oben S. 158 fgg. 



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JSiDdrüoke des Eaiserhofes. Audienz io Lazenburg. 207 

nieht allein die innerliche Unrnhe stillet nnd die Ukraine sich gänz- 
lich accommodiret, sondern auch der Tractat mit Moskau glQcklich 
geschlossen, und der Gzar*) den TQrkischen Kaiser') vom Krieg 
wider Polen ernstlich abgemahnet, auch auf allen Fall sich mit Polen 
wider den Türken zu conjungiren versprochen. Ich zweifele nicht, Ew. 
Ld. werden solches alles dort ausf&hrlicher vernehmen, und dannen- 
hero in der Ihr aufgetragenen Negotiation desto mehr Facilität finden, 
weil die Gefahr vom Türken, wie auch von der bekannten Faction 
in Polen, worauf man dorten so grosse Reflexion gemachet, auf diese 
Weise fast verschwindet, oder doch von so grosser Importanz nicht 
ist, dass sie Ihre Kaiserl. Maj. abhalten könnte^ auf das Werk in 
Niederland gebflrende Obacht zu nehmen und einige Völker dahin 
gehen zu lassen, zumal man in Polen grosse Ombrage von denen auf 
den Polnischen Grenzen stehenden Völkern nimmt und solche von 
dannen wegzufahren begehret. 

Das besagt im Beischlass: Essentia articalornm instructionis Palati- 
natns Cracoviensis (38 articl.) 

Anhalt. Relation. Dat. Wien 19./29. Mai 1672. 

[AuBführliche Beschreibung der Audienz in Laxenbnrg bei beiden Majestäten. 

Oesgleicben bei der KaiserinWittwe in der Favorite. Besuche der Minister. 

Unterredungen mit einigen Gesandten.] 

Begiebt sich zur Audienz nach Laxenbnrg (am 26.).... Da war der FIuss, 29. Mai. 
die Wien, nach zweitägigen ungewöhnlichen starken Regen dermassen 
an- und ausgelaufen, das keiner von den Ministris und Hofcava- 
lieren sich durchzufahren getrauete, auch alle wieder um nach der 
Stadt kehreten. Ich hatte zu allem Glück eine Carosse, die ziemlich 
hoch geh&nget war^ mit sechs stattlichen Pferden, und satzete in 
Gottes Namen hindurch, zu 5 unterschiedlichen Malen, dass das Wasser 
bis in den Sitz hineinlief. Als ich nach Laxenburg kam, waren 
alle Brücken weggeschwemmt, und stunden alle Häuser im Dorf bis 
an die unterste Fenster im Wasser, dass Keiner als zu Pferd oder 
mit Schiffen einer zu dem andern kommen konnte, und war das 
allergefährlichste, hart an der Schlossbrücke durch ein tiefes Loch, 
welches zwar über 20 Schritt nicht breit, aber wegen des starken 
Stroms, so durchfiel, am allerschlimmsten war, zu passiren, gestalt 
dann der Strom allerbereits die Kutsche aufhübe, der gute Kutscher 

1) Alezei Michailowitsch« Zur Sache Ernst Herrmann, RuBsischer 
Staat, III, 693. 

^ Mohammed IV. 



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208 I- Zur Vorgeschichte des deatsch-fraDEösischen Krieges. 1671. 1672. 

aber und stattliche Pferde dennoch sich durchrissen, dass ich also noch 
ohngebadet und trocken auf der Brttcken absteigen konnte. Weil 
dann niemand sich meiner bei diesem grossen Wasser vermuthet, traf 
ich nicht mehr als 8 Trabanten vor des Kaisers Antichambre, alwo 
ich hinein gieng, und fand nicht mehr als einen einzigen Gayalier 
nebst dem Thürhüter. Als ich nun nach dem Oberkammerherm dem 
Grafen von Lamberg fragte, als welcher mir die Audienz auf be- 
stimmte Zeit hatte ansagen lassen, so kam er gleich selber in die 
Antichambre hineingetreten, empfieng mich sehr höflich und wun- 
derte sich, dass ich so glttcklich durchkommen war, sagte, niemand 
noch auch I. K. M. hätten yermuthet, dass ich würde haben aus 
Wien noch auch hierher kommen können. Bald darauf gieng er 
hienein zum Kaiser, kam aber gleich wieder, machte die Thüre auf 
und sagte, I. K. M. begehreten, ich möchte nur zu Ihr kommen. Als 
ich hienein trat und zur linken Seiten des Schirmes herfBrgieng, 
sähe ich den Kaiser ohngef&hr 6 Schritt, weil das Zimmer sehr enge 
ist, vor mir stehen. Als ich nun die erste Reverenz machete, giengen 
I. K. M. zwei Sehnt entgegen, also dass ich weiters nicht als noch 
eine tiefe Reverenz machen konnte. Ihre K. M. hatten Dero Hut 
unter den Arm, und die rechte Hand entblösset, weil Sie aber solche 
mir nicht reicheten zu küssen, sondern an den Ordre hielten, fing ich 
gleich meine Proposition an. 

Die abgelegte Propositioo folgt im Wortlaut anbei. 

Als ich meine Rede geendigt hatte, fiengen I. K. M. sehr deutlich 
und vernemblich an zu sagen: Sie bedankten sich gar sehr vor Ew. 
Churf. Gn. treugemeinten guten Wunsch, wären erfreuet, dass Ew. 
Gh. 6n. zu dieser Schickung resolviret und Sich meiner Person 
hierunter gebrauchen wollen, rühmeten sehr Ew. Churf. 6n. hohe 
Sorgfalt bei den itzigen gefährlichen Gonjuncturen, sagten dass Sie 
Sich solche sehr Hessen zu Herzen gehen, hätten auch deshalb sich 
in bessere Postur gesetzet, bezeigeten ein sonderbares Missfallen, das 
auf des Reichs Boden albereits fremde Völker eine geraume Zeit 
hero gestanden, und dass theils Reichsstände nicht geringe Anlass 
darzu gegeben hätten, hielten Ew. Ch. Gn. treu gemeineten Vorschlag 
vor das beste und heilsamste Mittel, und müsse man allem besorg- 
lichen Unheil in Zeiten conjunctis viribus consiliis et armis begegnen 
und steuern. Sie hätten auch resolviret, Sich in noch weit stärkere 
Verfassung ehestes zu setzen, und wäre zu wünschen, dass alle andere 



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Audienz bei beiden Majestäten. 209 

Churfürsten, Fttrsten uDd St&nde im Reich gleich Ew. Churf. 6n. so 
viel Sorgfalt vor das gemeine Wesen Besten^) und so gute Sentimenten 
hätten. Sie wollten weiters bei Sich alles dieses der erheischeten 
Nothdurft nach überlegen und mit allen Gnaden zugethan verbleiben. 

Anhalt dankt für die gnädige Erklärung nnd bittet um Gewährung einer 
Resolution, weil das Werk wenig Verzug leidet. Der Kaiser stellt solche 
nach gethaner BespreAung mit seinen Leuten in baldige Aussicht. — 
Compliment des Gesandten an den Oberkammerherrn wegen zu Wege ge- 
brachter Audienz. 

. . . Ich Hesse nebst Ueberreichung Ew. 6n. Schreibens durch den 
Fürsten von Dietrichstein als Obersten Hofmeister von der re- 
gierenden Kaiserin^) mich anmelden und umb Audienz anhalten. 
Der kam gleich und begleite mich in der Kaiserin Antichambre, so über 
des Kaisers Apartement ist. Als er zur Kaiserin ins Gemach gieng, 
kam er bald wieder heraus und sagte, die Kaiserin begehrte zu 
wissen, ob ich eine Privat- oder öffentliche Audienz verlangte. Ich ^ 
sagte, ich stellete alles in Dero allergnädigsten Gutfinden und Belieben, 
wornach ich mich allergehorsamst reguliren würde. Bald darauf 
kam er wieder und machte mir die Thür auf. Als ich nun hienein 
ins Gemach trat, stund die Kaiserin gleich gegen der Thüre über 
auf einen grossen Teppicht mit den Rücken dichte an der Wand, 
überaus prächtig mit köstlichen Edelgesteinen gezieret, und auf fein 
Spanisch sehr artig adjustiret, beide Hände und Arme in einander 
geschlagen, rührete sich aber nicht als nur mit den Augen. Als 
ich nun das Compliment von Ew. Ch. Gn. und Dero Gemalin Ch. Gn. 
auf das beste abgeleget, und ihr mein Ansuchen durch Dero hohen 
Credit zu befordern allergehorsamst recommandiret hatte, wurf sie 
die Augen auf den Fürsten v. Dietrichstein, und als er zu ihrer 
linken Seiten hinzutrat, regete sie ihre Lippen, mochte etwa 6 oder 
7 Wort auf Spanisch sagen, jedoch ohne einigen Laut. Darauf machte 
mir der Fürst von Dietrichstein in der Kaiserin Namen mit sehr wenig 
Worten das Gegencompliment, worauf ich mich dann wieder retirirte. 

In der Kaiserin Gemach war niemand bei ihr als die Spanische 
Camariere maggiore und der Spanischen Fräulein Hofmeisterin, auch 
eine Spanierin. In der Antichambre discourirte ich noch etwas mit 
dem Fürsten von Dietriehstein und bekam ein Stück oder 6 von 
der Kaiserin ihre Fräulein im Fenster stehend zu sehen. Weil aber 



*) Origin . 

^ Margarete Theresia, T. König Philipp IV. von Spanien. 

Ifater. s. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIII. 14 



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210 I* Zar Vorgeschichte des deuUch-franzo Bischen Krieges. 1671. 1672. 

das Wasser augenscheinlich wuchs, als hatte ich nicht viel Zeit übrig 
zu warten, und musste an eben dieselbe Oerter, alwo das Wasser 
einer Hand breit inzwischen höher gewachsen hatte, wieder durchfahren, 
welches dann abermals wol^und sonder^ nass zu werden ablief, also 
dass ich nach 7 Uhren wieder alhier anlangete. 

Des Morgens als den 17./27. dieses Hesse ich durch der ver- 
wittibten Kaiserin Obersten Hofmeister den Grafen von Zinzendorf 
bei der verwittibten Kaiserin nach Einschickung Ew. Gh. 6n. 
Schreibens um Audienz anhalten und bekam zur Antwort, abends 
um 6 Uhr wfirden L M. mich in Dero Favorite erwarten. Zwischen 
3 und 4 Uhr, als eben der Fürst von Schwarzenberg bei mir 
war, kam ein Gavalier von der verwittibten Kaiserin, welche sich 
entschuldigen liess, mich selben Tag nicht vor sich kommen zu lassen, 
weil eben gegen derselben Zeit I. K. M. von Laxenburg bei ihr an- 
kommen und mit ihr speisen würden. Den folgenden Tag aber 
' Nachmittag möchte ich kommen, die Stunde, welche mir selber be- 
liebte. >- Der Fürst Schwarzenberg') war fast drei Stunden bei 
mir und nach vielen Discoursen von den itzigen Lauften verlangete 
er sehr zu wissen, woher es doch käme, dass er in allen seinen 
Suchen bei Ew. Ghurf. Gn. so unglücklich wäre und alles mit ihm 
den Krebsgang gienge. Er erinnerte sich nicht was pecciret zu haben, 
wodurch er Ungnade verwürkt hätte, und bäte mich, ihm in Ver- 
trauen doch zu entdecken, ob dann gar keine Hoffnung mehr übrig, 
in seinen Suchen und Angelegenheiten zu reussiren. Ich gab ihm zur 
Antwort, dass ich ihm mit Bestände hierauf nicht antworten könnte, 
ich sollte aber doch vertrauen, dass dafern ich bei meiner Wieder- 
zurückkunft Ew. Ghurf. Gn. in der That versichern und darthuen 
könnte, dass er soviel als an ihm mir eine schleunige und gute 
Resolution und Depesche würde mit verschaffen helfen, Ew. Ghurf. Gn. 
sonder Zweifel solches consideriren würden. Er sagte darauf: stände 
es alleine^bei ihm, so würde der Sachen bald geholfen sein; inzwischen 
aber wollte er mich gebeten haben, ihn Ew. Gh. Gn. ganz gehorsambst 
zu recommandiren. Ich konnte doch soviel wol abmerken, dass ihm 
sehr viel darum zu thun war, und ist kein Zweifel, er wird seinen Gredit 
möglichst hierinnen employiren, gestalt er es auch sancte versprochen hat. 
Empfängt die Besuche des Fürsten v. Dietrichstein, des Grafen 

') Kürst Adolf, Sobo des EurbraDdenbargischen Ministers Adam Schwarzen- 
berg (t 1G41), Praesident d. Reichsbofrats. 



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Besucbe der Mioister. Audienz bei der Kaiserin- Witt we. 211 

Koenigseck, Reichsvicekanzlers, des KammerpraesidenteD von Sinzen- 
dorf, des Gen.Lieateo. Montecuccoli. Letzterer empfiehlt sich ganz 
besonders ... £r erwähnte unter anderen Discoursen, dass er hoffete 
noch einmal im Felde Ew. Churf. Gn. unterthänigst aufzuwarten, hatte 
gleich einen Brief bekommen durch einen Couriren vom Gross-Ve- 
zier*), welcher alle gute Freundschaft und friedliche Nachbarschaft ver- 
sichert. Die Türken seind im vollen Marsch und gehen durch Moldau, 
also dass man hier und in Ungarn diesmal ganz sicher zu sein scheinet. 
Die Ukraine dürfte wol einen Anstoss leiden. Die Polen verlangen keinen 
Saccurs von kaiserl. Völkern, aber sehr nach Geld. Der Feldmarschall- 
Lieutenant Heister befiehlet sich auch Ew. Churf. Gn. unterthänigst. 
Den 18. abends umb 5 Uhr führe ich naus in die Favorite 
und hatte bei der verwittibten Kaiserin Audienz, auch pri- 
vatim, waren nur zwei Dames bei ihr im Zimmer. Als ich mein 
Compliment geendet hatte, sagte sie zu mir lächelnde, auf teutsch: 
,Sie müssen mir vergönnen^ dass ich weltsch') antworte; ich weiss, Ew. 
Ld. verstehen das weltsche', machte darauf eine sehr majestätische 
Mine und bezeigete in ihrer Antwort, dass Ew. Ch. Gn. guter 
Wunsch und Erbieten sehr angenehm war, und wann Sie Ew. Churf. 
Gn. nennete, sagte sie allzeit ,1a Sua Altezza elettorale^ Sie trat sehr 
nahe zu mir zu und sagte mir mit leiser Stimme: Der Kaiser hätte 
ihr Part von meiner Proposition geben, als er gestern Abend mit ihr 
gespeiset hätte, lobte überaus Ew. Churf. Gn. treu gemeinten Vor- 
schlag, sagte auf weltsch : ,was ihr Herren thuen wollt, das thut nur 
bald.^ Ich sagte: eben dieses wäre Ew. Ch. Gn. treues Anrathen, 
und ersuchete ich Ihre Maj. allergehorsamst, durch Ihren hohen 
Credit und Pouvoir solches zu befördern, welches sie auch gar gnä- 
digst versprach, und befahl mir ofte zu ihr zu kommen, so auch schon 
geschehen soll. — In die Antichambre redete ich noch etwas mit ihren 
Obersten Hofmeister den Grafen von Zinzendorf, welcher ein gar 
wackerer Herr zu sein scheinet. Er sagte mir in gutem Vertrauen: der 
Kaiser hätte ihm gestern Abend in Gegenwart der verwittibten Kaiserin 
gesagt, er wäre mit meiner Proposition überaus zufrieden. Eben dieses 
sagte mir auch der Markgraf von Baden, welcher hinzutrat, der Kai- 
ser hätte ihm gefragt, ob ich auch mit ihm wol zufrieden wäre und was 
ich von seiner Antwort gesagt hätte; weil ich aber mit ihm seiter der 
gehabten Audienz nicht gesprochen hätte, hat er darauf zu antworten 

') Achmed Köprili. 
^ OrigiD. 

14* 



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212 I- Zar Vorgeschichte des deutsch-französiacheD Krieges. 1671. 1672. 

nieht vermocht. — ^Gremonville '), nach allen angewandten Instantien, 
hat »och bis dato nicht erhalten können, die Permission zu haben, wieder an 
der Ferwittibten Kaiserin Hof zu kommen, ist auch keine Apparenz, dass er 
solches jemals erhalten werde. — Der ganze kaiserl. Hof ist nun wieder 
hier, welches mir trefiflich zu statten kommt. Der Fürst Lobkowitz hat 
ein Geschwür bekommen, dass er nicht wol sitzen kann; deshalb ist er 
seit dem 15. dieses nicht im geheimbten Rath gewesen. Der Graf von 
Zinzendorf sagte mir im Vertrauen, der Kaiser hätte gesagt, sobald als 
der Fürst von Lobkowitz im geheimen Rath wieder kommen könnte, so 
wollte er meine Sache fürnehmen ; an fleissigen Sollicitiren soll es nicht er- 
mangeln, nnd werde nun diese bevorstehende Woche so wol I. K. M. noch 
auch den vier Ministris Lobkowitz, Lamberg, Schwarzenberg, 
Hoc her'), mit welchen sie die Staatafifaires zu überlegen pflegen, wenig Rahe 
lassen und, wo immer möglich, suchen expediret zu werden.^ 

„Von frembden Ministris hat sich noch keiner bei mir angegeben, ausser 
der Dänische Resident, welcher gestern bei mir speisete; ich habe ihn 
Tor diesen in Schwedischen Diensten bei dem Feldherrn Wrangel gekennet. 
Der Spanische Gesandte verlanget sehr mit mir zu reden, in loco tertio, 
welches auch morgen oder übermorgen geschehen soll, in dem Garten bei 
der Favorite, damit es kein Aufsehen haben soll. Auf solche Weise werde 
ich auch suchen, mit dem Holländischen zu reden^ dafern er es begehret 
gleich als der Spanische. Der Schwedische Pufendorf soll sehr alarmiret 
sein, und hat gegen dem Markgrafen von Baden erwähnt, er wollte ja 
nicht hofl'en, lidass Ew. Chnrf. Gn. wegen des zwischen Frankreichund Schwe- 
den geschlossenen Tractats meine Schickung an hiesigen Hof resolviret hätten.*':! 

Empfängt des Kf. Schreiben vom 8/18. Die gute Zeitung aus Polen 
ist auch hierher berichtet worden. Man meint hier aber doch, es werde ^die 
Ukraine gelten.^ P. S. Eben meldet sich d. Herzog v. Lothringen an'). 



Der Fürst von Anhalt an die KurfUrstin Dorothea*). Dat 
Wien 19./29. Mai 1672. 

29. Mai. Hat das Compliment der Kuriürstin an beide Kaiserinnen gebürend 
abgelegt. 

„Ich befahre mich sehr, man werde mich suchen, nach des hiesigen 
Hofs Gebrauch, lange aufzuhalten. Ich werde trefflich dawider pro- 
testiren und auf meine Depesche hart dringen.^ Lobkowitzs Unpässlich- 
keit verzögert die AflFairen. 

') Der franzödiscbe Botschafter. Ueber die Ursachen seiner Uugnade siehe 
Adam Wolf Fürst Wenzel Lobkowitz 1869. S. 37K Es sind in diesem Buche 
auch die hervorragenderen Persönlichkeiten des Wiener Hofes charakterisirt. 

'^ Johann Paul Hocher, Freiherr von Hohengrani Hofkanzler. 

^ Der alte (vertriebene) Herzog Karl (IH.). 

*) Adresse: A Son Altesse Electorale Madame L'Glectrisse de Brandenburg 
ä Berlin. (Ebenfalls eigenhändig.) 



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GoDfereoseD mit Hocher and Pater Emerich. 213 

Anhalt. Relation. Dat. Wien, 23. Mai/2. Juni 1672. 

[ConfereDBen mit Hocher und P. Emmerich. Zareden des Spanischen Gesandten. 
Meldungen von OfBcieren. Gremonville. Feier in der Favorite] 

Weitere Bemühangen des Fürsten. Man scheiot die Angelegenheit ver- 2. Juni, 
schleppen zn wollen. Lobkowitzs Indisposition dauert an. Jedoch dringt 
der Kaiser selbst in ihn, die brandenbnrgische Angelegenheit vorzunehmen nnd 
zn ezpediren. Anhalt reicht (nach einigem Zögern) ein schriftliches Memorial 
eioy welches der Kaiser zu besserer Information erbeten hat. (Folgt anbei.) 

Die Wirkung ist eine Conferenz mit von Ho eher. Dieser recapitnlirt 
anfänglich den Tenor des Memorials und sagt im Namen des Kaisers, dass 
die quaestio an ? bereits festgesetzt wäre, und man die Truppen werde mar- 
schiren lassen; Kaiserliche Majestät wünsche nur noch auf einige Einzel- 
fragen Bescheid z. B.: ^^wie weit sich der Kf. mit Holland engagirt habe? 
was er von Chursachsen, Celle, Gassei und anderen fiirstl. Häusern, 
iusooderheit Pfalz-Neuburg, auch von Dänemark zu hoffen habe?^ 

y^Ah ich ihm nun von allen gebärende Information gegeben hatte, ihm 
auch die Gefahr wegen der Stadt Cöln und Lippstadt klärlich fürstellete 
und darauf feste bestand, dass kein zuträglicher Mittel ersonnen werden 
könnte, als wann I. Kais. M. resolviren wollten, ehestes einige considerable 
Trouppen nach £ger wärts marchiren zu lassen, um sich auf erheischeten 
Fall mit Ew. Ch. Gn. Armee zu conjungiren, so gab er mir gnugsam zu 
erkennen, dass er damit ganz einig, und versprach, I. Kais. M. alles 
fideliter zu hinterbringen^. . .. Unter anderen sagte er, „ob ich auch wüsste, 
dase Pfalz-Neuburg das Cölnische Wesen durch seinen Gesandten zu 
Regensburg öffentlich hätte approbiren und defendiren lassen, auch dass 
Frankreich an Pfalz-Neuburg die Clevische und in der Grafschaft Mark 
gelegene Lande offeriret hätte, im Fall er sich mit Frankreich setzen 
wollte. Dergleichen Offerte wäre auch an Chur-Sachsen geschehen. Ich gab 
ihm aber zur Antwort: Ew. Gh. Gn. wären wegen des mit Pfalz-Neuburg 
aufgerichteten Successionstractats wegen Dero Lande gnugsam versichert; 
auch würde sich Ghur- Sachsen nicht leichtlich verführen lassen, von Frank- 
reich etwas anzunehmen, so ihm nicht zukommt, und darüber zu disponiren 
Frankreich nicht die allergeringste Macht hat^. 

Gestern früh im Eapuzinerkloster Conferenz mit Pater Emerich. 
Anhalt verspürt bereits deren guten Effect. — Vorgestern früh empfieng 
er die Visite des Holländischen Residenten^), der, wie zu mutmassen, 
sich sehr eifrig bezeigte. Am selben Abend in der Favorite, wo man den 
Geburtstag der Königin von Polen') feierte. Der ganze Hof in vollem 
Glänze gegenwärtig. Daselbst Conversation mit dem SpanischenBotschaf- 
ter. — Gestern Morgen um 10 Uhr gab ihm dieser „eine solanelle Visite mit 
3 Kutschen, mit 6 Pferden bespannet^. Auf die notwendigsten Eröffnungen 
Anhalts riet jener, die Sache mit Eifer zu poussiren und „auf einer ge« 



Hamel Brnijninox. 

3) Eleonore, Gemalin Konig Michaels, ältere Tochter der Kaiserin Eleonore, 



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214 I* Zur Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges. 1671. 1672. 

wierigen Resolotion zu bestehen nnd keine Dilation einznränmen^ ; er wisse, 
dasB die Sache beim Kaiser bereits 'entschieden sei, die Minister aber ihrer 
Gewohnheit nach dnrch allerhand Ränke nnd Einwürfe die Sache nicht so 
leicht zum Schlnss kommen Hessen. Einer Verzögerung indes vermeint 
Anhalt vorgebaut zu haben^ weil der Kaiser, die Kaiserin* Wittwe and An- 
dere mehr jetzt selbst auf Abschluss dringen. 

A. hofft, bald „eine gute schlüssige Resolution zu überschreiben^. 

P. S. „Ich habe ziemliches Anlaufen von Officirern, welche alle wün- 
schen und verlangen, das Avantage zu haben, unter Ew. Churf. Gn. Com- 
mandozu stehen. Der Herzog von Lothringen machte mir deshalb auch 
ein Compliment und sagte, er wünschete unter Ew. Churf. Gn. Gommando den 
Krieg zu lernen. Der Obrist Schmidt aber uud Dünnewald, so beide 
itzo alhier sein, bestehen hart darauf, dass ihre Regimenter möchten mit com- 
mandiret werden. Ich weise sie aber mit höflichen Worten ab, dass ich ihnen 
hierinnen nicht dienen könnte, weil mir von dergleichen noch zur Zeit wenig 
wissend ist. I. Kais. M. tractiren dieses Werk sehr secret, und ob zwar Viele 
sich tnrmentiren, eines und anderes zu erfahren, so wissen sie doch anders 
nichts, als was sie durch apparentliche Muthmassungen ihnen einbilden. 

Als die gute Zeitung in des Kaisers Antichambre public gemacht 
wurde, dass man dieses Jahr sich nichts vor den Türken zu befahren halte, 
waren unterschiedliche Schälke, die dem Gremonville solches mit stach- 
lichten Worten trefflich artig anzubringen wussten, sonderlich der Graf von 
Windischgraetz. Gremonville antwortete: ,il paroist que le bon Dien 
deplojt toujours des miracles pour la maison d'Autriche^ Als er gewahr ward, 
dass nach geendigten Rath ich mit dem Fürsten von Schwarzenberg 
und anderen geheimbten Räthen geredet, hat er gegen den Hofkanzler Hocher 
gesagt: j'espöre queTEmpereur observera religieusement le traitt^ de Munster*'. 

P. S. In der Favorite wurde gestern Abend italienische Akademie 
gehalten. „Als ich bis 10 Uhr abends in der Favorite die verwittibte 
Kaiserin aufwartete nnd der weltschen accademie mit anhörete, alwo von 
6 weltschen Gelehrten proponiret und defendiret wurde : ob die Passion der 
Liebe oder des Zornes die schädlichste wäre und aus welcher der grösste 
Schaden entstünde, plassirte mich die Kaiserin selber zwischen der Fürstin 
von Eggenberg und der Cammerpraesidentin, der Herzogin von Hol- 
stein 0- Als dieses vorbei, erhielte ich auch die Permission, welche noch nie- 
mandem bisher zugestanden worden, mit der Erzherzogin, der Königin in 
Polen Schwester'), zu reden: sie ist von 16 Jahren, sehr schön von Gesicht 
uud überaus schöner Taille, ist sehr gut von Gemüth, discourirte sehr artig, 
war aber doch ziemlich decontenanciret, weil alle Dames und Cavaliers 
herzutraten umb mit anzuhören, was sie sagte, weiln ihnen dieses gar was 
Neues zu sein erschiene.^ 



Gattin des Kammerpräsidenten Grafen Ludwig Sinzendorf. 
') Marie AnnaJosepha, die spätere Herzogin von Ffalzneuborg, jüngere 
T. der Kaiserin Eleonore. 



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Geteilte Vota der MiDister hiosicbtlich der Resolatioo. 215 

Der Kurfürst an den Fürsten von Anhalt. Dat. Coelln a. Sp. 

17./27. Mai 1672. 

[Anhalt soll energischer drängen.] 

V. Pölnitz ist gestern aas Celle zarückgekebrt und hat berichtet, 27. Mai. 
dass der Herzog sich mit Kf. za coüformirea geneigt sei; es hange nnr 
daran, dass der Kaiser sich des Werkes aDoehme und zum wenigsten ein 
paar Tansend Mann schicke. Der König von Dänemark werde zweifellos 
beitreten. Anhalt soll dies alles gebürend vorstellen und dabei reroonstriren 
— wie ungleich es Ihrer Kais. M. würde ausgedeutet werden, wenn Sie 
um 80 geringer Hülfe willen die gute Parthei und das Reich gelbsten 
yerliessen. Wir wollten nimmer verboffen, dass Ihre Kais. Majestät 
solches abschlagen oder desfalls Difficnltäten machen würden. 

In Kurzem wird auch Graf Wal deck nach Wien kommen nnd sollicitiren. 
V. Goes hier beharrt auf seinem Anbringen. Kf. hat ihm geantwortet, ,,da88 
wenn Kaiserliche Majestät solchergestalt das Reich verlassen wollten, man 
auf andere Mittel bedacht sein müsse^. Anhalt möge alles vorbringen, 
^was zur Persuasion gereichen kann; jedoch wird er dieses alles (auch die 
Nachricht bezüglich Waldecks) mit Behutsamkeit zu mesnagiren wissen.^ 



Der Kurfürst an den Fürsten von Anhalt Dat. Coelln a. Sp. 

20./30. Mai 1672. 

Der schwedische Regiernngsrat Wolfrath ist vorgestern hier ange- 30. Mai. 
langt nnd hat gestern in der Audienz den Tractat mit Frankreich com- 
mnnicirt'). Später soll der ganze Wortlaut übersendet werden. Zunächst 
folgt Artikel 4., „als worin das fürnehmste bei dieser Allianz enthalten'*. 



Anhalt Relation. Dat Wien 26. Mai/5. Juni 1672. 

[Geteilte Vota der Mioieter hinsichtlich der zu fassenden Resolution. Lobko- 

witz und Hocher krank. Unterredung mit Montecuccoli. Gute Intentionen des 

Kaisers, welche Anhalt nach Kräften bestärkt. — Das Vorgehen der Franzosen 

wird commentirt. — de Souches.] 

Neue Audienz beim Kaiser am 2. Juni. Handbillet^) desselben an den 5. Juni. 
Fürsten Lobkowitz mit dem Befehl^ die brandenburgische Angelegenheit 
vorzunehmen. 

In der ^secreten Gonferenz^ bei Lobkowitz am 24. Mai/ 3. Juni, welche 
von 4 bis 8 Uhr abends dauerte, votirten mit ihm Schwarzenberg und 
Lambergim Sinne schleuniger Gonjunction ; wogegen H o c h e r und Monte- 

Das französisch-schwedische Bündnis vom 14. April., Domont C. U. D. 
VU, 167. 

3} Solche Billets citirt nach den Originalen Adam Wolf a. a. 0. S. 383. 385, 



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216 1* Zur Vorgeschichte des deQtsch-rraDzösischen Krieges. 1671. 1673. 

cDccoli, wie es heisBt, sich dabin äasBerten: ^der Kaiser sollte sich nicht 
moviren sondern allererst erwarten, dass Frankreich eine Raptor im Reich 
vorgenoQimen hätte^. — Dnrch den Spanischen Botschafter lässt A*Dhalt 
seine Resolution nrgiren. Auch er selber drängt wo er nur kann. 

Seine Abreise, die er ursprünglich auf künftigen Dienstag, den dritten 
Pfingstfeiertag, angesetzt, verschiebt er bis auf Freitag, um am kommenden 
Donnerstag noch deu Geburtstag des Kaisers (9. Juni) mitfeiern zu helfen. 

Fürst Lobkowitz ist nicht zu sprechen. Sein Geschwür hat sich 
verschlimmert und ist nach Meinung der Aerzte nicht ungefährlich. 
Hoch er leidet an Podagra. Im übrigen bekommt Anhalt von allen Seiten 
gute Vertröstung, dass er „satlsfait^ von hier gehen werde .... Es ist 
wol ein fatal Werk, dass eben zu itziger Zeit der Ftlrst Lobkowitz 
mit einem so gefährlichen starken Geschwür und der Hoch er mit 
dem Podagra beschweret sein müssen, welches yerursachet, dass die 
Negotia nicht so schleunig von statten gehen können. 

Gestern Abend spät auf der Hof bürg Unterredung mit Montecuccoli. 
Auch dieser vertröstet auf eine befriedigende Resolution. Er meint, 
der Kaiser könne sehr wol 5 oder 6 Regimenter zu Ross, ein Regi- 
ment Dragoner und ein 8 bis 10,000 Mann zu Fuss schicken, üeber- 
hanpt äussert er sich gegen Anhalt sehr geneigt. Andere sind der 
gegenteiligen Meinung: wenn er nämlich — so sagen sie — in Person mit- 
gehen sollte (wozn er doch keinen Anderen leicht kommen lassen wird), 
so müsste er dulden, dass man in seiner Absenz einen Vice-Kriegspraesi- 
denten ernennen werde, ^und selbiger hätte alsdann soviel Pouvoir, dass 
dafern es ein capabel Subiectum wäre, es dabin zu dirigiren, dass der G. 
L. Montecuccoli gleichsam wie von ihm mit dependiren müsste^. Mancherlei 
Mitteilungen Montecuccolis die Armee betreffend. Heister würde an seiner 
Statt wol hierbleiben als ^la seule personne de laquelle S. M. Imp. se pent 
servir dans un conseil de guerre^. Die nächstliegenden Regimenter könnten, 
sobald die Kaiserliche Resolution herauskäme, marschiren, nämlich Monte- 
cuccoli, Lothringen (der Herzog suchte sehr inständig mit von der Partei 
zu sein), Alt-Holstein, Schneidow, Caprara, Zeiss, Schmidt. 

Der Kaiser selbst ist dem Werke geneigt. Wenn es nicht zu stände 
kommt, |: würden drei Ministri das ganze Odium auf sich laden. ^ :| Hocher 
hat den Entwurf des Projectes zugesichert. Fernere Gespräche mit dem 
Holländischen Residenten nnd dem Spanischen Botschafter, 
die beide dem Eifer der Minister misstrauen, über das Zaudern derselben. 
Anhalt kann sich aber nicht überzeugen, dass es ihnen kein rechter Ernst 
sei. Sollte er merken, „dass die Ministri nur in Worten und nicht in den 
Effecten zu tractiren und zn schliessen ihre Inclination wollen blicken 
lassen^, so wird er aus anderem Tone reden und den Modus anwenden, den 
Kf. in dem Schreiben vom 27.*) empfiehlt. 



S. 215. 



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MoDtecnccoH über den Feldeug. Gate AbsichteD des Kaisers. 217 

Ich habe zwar bei der letzten gehabten Audienz dem Kaiser 
dieses mündlich allerunterthänigst gnugsamb versichert, dass sobald 
es esclatiren würde, dass L ENjtf. Sich resolyiren würden, die Hand 
selber mit an das Werk zu legen, dass alsdann alle wolgemeinten 
ChurfUrsten, Fürsten und Stände ohne einig Bedenken dieses Defen- 
sion-Werk mit angreifen und sich engagiren würden. I. K. M. 
waren auch der Meinung und habem gewiss die beste Intention von 
der Welt, und möchte ich wünschen, dass Sie Ew. Gh. 6n. heroi- 
schen Exempel, den Schluss bei Sich selber zu nehmen, resolviren 
wollten. Diese Vorstellung will ich zum Stichblatt behalten und es 
durch die verwittibte Kaiserin und den Pater Emerich den 
hohen Ministris zu verstehen geben lassen, vor meine Person aber es 
Ihr. K. M. selber fein deutlich allerunterthänigst hinterbringen und 
der ganzen Welt kund machen, dass dafern, wie zu befahren, eine Zer- 
gliederung der Stände im Reich erfolgen sollte, keinem als den Kai- 
serlichen Ministris wegen ihres Tergiversirens undt Scrupulirens die 
einzige Schuld beizumessen sein wird, und werden I. K. M. alsdann 
selber sehen können, wie Sie gerathen und gedienet worden sind. — 
Der ganze Kaiserliche Hof wünschet undt verlanget nichts anders, 
als dass der Kaiser mit Ew. Churf. 6n. sich unter einander wol 
verstehen und eine Alliance schliessen möchten, und murmuriren theils 
albereits, dass Leute sich finden lassen, die solches zu traisniren 
oder gar zu verhindern suchen. Es sagte mir |: Pater Emerich :| vor 
etlichen Tagen: ,man hat nun schon gesehen, was solches unnöthige 
Gunctiren dem Kaiser vor Vortheil gebracht, indem wir Schweden 
haben lassen aus Händen gehen und nun zuschauen müssen, dass sie 
einen Tractat mit Frankreich geschlossen.^ 

P.S. Vorgestern zeigte ihm Reichsvicekanzler GrafKoenigseck 
einen Brief aas Lütticb, worin enthalten, dass sich das Domcapite] vor 
dem Kaiser über die Procednren der Franzosen beklagt — dieselben haben 
sich dreier Städte bemächtigt — und nächstens um Reichshilfe anhalten 
würde. — Speist bei dem Kammerpraesidenten Grafen Sinzendorf 
in dessen schönem Garten vor der Stadt mit 12 Herren vom Hofe und 
5 Geheimen Räten. Alle fragen einhellig, ob man noch länger warten 
solle, dass Frankreich das Reich augreifen werde . . . Viele raillirten dar- 
über und vermeineten, Gremonville wollte doch susteniren, dass man 
solches vor keinen Bruch im Reich ausdeuten könnte, weiln ja einem 
jedem Stand im Reich freistünde, seine rebellirende Unterthanen mit 
Gewalt zu ihrer Schuldigkeit zu bringen, und hätte dieses Frankreich 
als ein AUiirter von Chur-Cöln auf Begehren thun müssen, und 



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218 I- Zur Vorgeschichte dea deutsch- frauKÖBischen Krieges. 1671. 1672. 

würden diese drei Städte ehestes wieder restitniret werden, welches 
der Ausgang dann schon gnag zeigen werde. 

P. S. Gestern kam der Feldmarschall de Sonches and lad ihn auf 
künftigen Mittwoch zum Mittagsmahl ein. Es scheint, dass Etliche seine 
(de Sonches') Anwesenheit zu jetziger Zeit nicht gerade gern sehen. 

13. Juni. d. d. Coelln a. Sp. 3./13. Juni 1672 bestätigt Kf. den Empfang der 
yerschiedenen Relationen vom 16. 19. 23. 26. Mai a. St. Hat den vom 
Fürsten ^angewandten Eifer, Fleiss und rühmliche Condnite mit sonder- 
barer Satisfaction vernommen^^ Giebt Nachricht von dem Zustande seiner 
Clevischen Lande, über welchen die Beilagen nnterrichten. Der Gesandte 
mag beim Kaiser — das Schreiben an diesen folgt anbei ^) — die Hülfe ans 
dem Foedere, auch des Reichs wegen weiter urgiren. 



Anhalt. Relation. Wien 30. Mai/9. Juni 1672. 

[Fernere Audienz. Conferenz an Hochers Krankenbett. Endgültige Feststellnng 
des Tenors des Projectes. — Abreise nahe.] 
9. Juni. Am 6. Andienz beim Kaiser: der Kf. wolle nicht hoffen, „dass Kaiser- 

liche Majestät die gnte Partei oder das Reich selbsten verlassen werden''; 
von Dänemark nnd Celle sei gnte Hoffnung. — Der Kaiser wird Anhalts 
Abfertigung beschleunigen lassen. 

Tags darauf conferirt Fürst Lobkowitz deswegen mit Seh war zen- 
berg, Lamberg, Montecuccoli. Am selben Abend lässt der Kaiser 
durch den Secretär Abele bei Anhalt anfragen, ober ihm znmnten dürfe, 
dass er sich zu dem kranken Hocher begebe und dort yerhandele. Anhalt 
erklärt sich gern dazu bereit, da Hocher wegen seiner Gicht noch das Bett 
hüten muss. 

Am 8. morgens 8 Uhr wird die entscheidende Conferenz gehalten, an 
welcher sich neben den beiden Oenannten Montecnöcoli und die beiden 
Secretäre Abele und Dorsch betheiligen. Montecuccoli teilt mit, dass 
der Kaiser ein Allianzproject habe entwerfen lassen. Auf einige Dubia, 
welche der Hofkanzler Anhalt entgegenhält, findet er leicht die Antwort; 
es kommt ihm dabei der vierte Artikel des vom Kf. commnnicirteu schwe- 
disch-französischen Tractats zu statten, aus welchem mau die Worte betont: 
et sed et si Imperator Electores vel statnum aliquis in Imperio contra 
Pacis Westphalicae tenorem est 

Darauf wird das Project von Abele verlesen und, nachdem noch über 
alle Artikel pro und contra debattirt worden, angenommen. Kriegsrat 
Dorsch verliest einige geheime Artikel, welche in militaribus bestehen. 



Es ist ein nochmaliges Hilfegesnch gegen die französische Invasion (von 
dems. Dat. wie das obige Schreiben S. 198). Beide Schreiben, sind dem Resi- 
denten Naumann zuzusenden mit dem Befehl weiterer Beförderung, für den Fall 
dass Anhalt schon abgereist sei. (Kanzleivermerk.) 



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FeststelluDg des AlliaozprojeoteB. 219 

Auch hier that Anhalt im Sinae des Kf. überall die nötige Erinaerang. — 
Heate wird alles ins Reine gebracht. Weil aber des Kaisers Geburtstag 
ist, „welcher mit einer schönen Comedie und stattlichen Mnsiqoe celebriret 
werden soll^', so wird die Angelegenheit wol bis morgen oder übermorgen 
verschoben werden. Der Gesandte will auch dies in Gednld ertragen, 
künftigen Sonntag aber bestimmt seine Abschiedsandienz nehmen. — Eine 
Reinschrift seines Protokolles verbietet die Kürze der Zeit; überdies zieht 
Anhalt es vor, dasselbe der Sicherheit halber auf mündlichem Wege zur 
Kenntnis des Kf. zu bringen. 

Die Rückfahrt soll beschleunigt werden. Er wird sich wenige Tage 
nach Einlanf dieses Schreibens beim Kf. einstellen, ,,in der festen Hoffnung 
nicht unangenehm zu sein". 

Protokoll einer am 2./12. Juni beim Hof kanzler gehaltenen Sitzung. 12. JqdI. 
Es nehmen teil: Anhalt, Montecnccolii Hocher, die Secretaere 
Dorsch und Abele. Montecnccoli führt das Wort: 

Was in der gehaltenen Conferenz passiret, ist dem Kaiser vor- 
getragen worden; er hat alles resolviret und placidiret. 

Das aufgesetzte Projeet wird nochmals verlesen; da Kaiserliche 
Majestät es gnt eingerichtet befunden, so mag Anhalt bis zur Knr- 
fOrstlichen Ratification nichts erinnern. 

Die Conjunction soll spätestens am 20./30. Juli geschehen. Sobald 
ein Kur fürstlicher Courier dieselbe begehrt, sollen die Ordres ergehen. 
Den Ort mag der Kurf&rst vorschlagen. Sonst kann der Marsch 
von Eger aus auf Culmbach, Fulda' und Paderborn eingerichtet werden. 
Die Hülfe besteht in 12000 M., nämlich 5000 zu Pferd und 7000 
zu Fuss und 12 Stück DreipfÜnder. Es sind die Regimenter: 
zu Ross zu Fuss 

Montecnccoli Portia ganz 

Sporck Pio halb 

Schneidow Keiserstein halb 

Gaprara Knigge halb 

Heister Leslie halb. 

Diese 12 000 M. werden coramandirt vom Feldmarsch.-Lieutenant 
Heister. Generalwachtmeister Caprara commandirt die Gavallerie, 
General w. Keiserstein die Infanterie. — Alles unter dem Ober- 
eommando I. Ghurf. D., wie es vor diesem in Jütland gewesen, und 
dass alles communicato consilio geschehen möge. 

Den Kaiserlichen für Geld, was es tlem Lande kostet, Vivres zu 
überlassen und Getreidig mit Getreidig zu ersetzen. 



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220 I- Zar Yorgesdiiclite des deutsch-fraDBOBischen Krieges. 1671.1672. 

Kaiser Leopold an den Kurfürsten. Dat Wien 13. Juni 1672. 

Eigenhändig. 

[Recreditif für den Färsten von Anhalt.] 
13. Juoi. Ich habe Enr. Liebd. Eigenbfindiges Schreibeo yoiii 4. May jübgsthin 
durchs des Fürsten Johann Oeorgen von Anhaldt Ld. zne Recht empfan- 
gen, und zne gleiches von Selbigen mitt mehren mündtlich yernomben, was 
Sie Ihme Fürsten in ein und andern mir zue hinderbringen anfifgeben haben. 
Und gleich wie mir nun diese Abschickung nnd sonderlich sein des Fürsten 
von Anhaldt sehr angenemb nnd lieb, Ich auch mit dessen vernünftigen Manier 
undt dezteritet gar wol znefriden gewessen nnd ob £w. Ld. durch Ihne 
eröfneten wolgemeindten an£frichten Intentionen ein besonders gnedigtcs Wol- 
gefallen getragen, also habe ich mich anch gegen Ihme daraufif in ein und 
anderen weiters erklerdt, wie Sie solches von Ihme Fürsten von Anhaldt 
nnd sonderlich dasjenige von Ihme verstehen werden, was alhier mit Ihme 
vorgangen nnd über das Ihme zugestellte Project gehandelt worden. Da- 
hin Ich mich beziehe nnd Ew. Ld. ersuche, gedachten Fürsten desfalls zu 
allen nnd jeden volligen Glauben zu geben. Verbleibe dabey Deroselben 
mit Frenndtoheimblicher aifection, Kayserlichen Uulden und allen gnetten 
alzeit wol beygethan*). 

Recreditif der Kaiserin Margarete (,gnettwillige Muemb Margarita 
man. p.^). Dat. Wien 11. Juni 1672. Recreditif der Kaiserin Eleonore. 
Dat. Wien 12. Juni 1672. Schreiben des Fürsten Lobkowitz dat. Wien 13. Juni 
mit der Courtoisie: ,Hochgeehrter Herr Oheimb — Ew. Gnaden geflissener 
willigster Diener nnd Oheimb Wenzel H. z Sagan'. Complimentschreiben 
des Spanischen Botschafters. Dat. Viennae 14. Juuii: ,Electorali6 Celsitudinis 
Vestrae ad officia paratissimus et devotissimus servitor.' 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. Dat. Coelln a. Sp. 
13. Juni 1672. 

[Allianzproject. Gewänschte AenderuDgen.] 
23. Juni. Bedankt sich für die erteilte gute Resolution. Das Project der Allianz 
kommt (von dem Bevollmächtigten, dem Fürsten von Anhalt, vollzogen) 
zurück'). ^Weil aber dabei einige Erinnerungen nöthig, wie Beiliegendes 
ausweiset, so zweifle ich nicht, Ew. E. M. denselben gn. Statt thun und be- 
lieben werden, dass es fürgescKlagenermassen eingerichtet werde.'^ 

Anlage. 
Aenderungen. 
artic. 5 möge ganz ausgelassen werden. 

*} Orthographie des Origioals. 

*) v. Moerner Staatsvertrage S. 364. 



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Das AlliaDZproject genebmigt. Anhalt eotlasseD. 221 

artic. 6 möge angefügt werden: 

tractatar inter Regem Hispanlae et Electorem Brandeoburgicum 
de rationibus conservandae pacis Pyrenaeae et AqniBgranensis, 
81 nimiram illam armis tueri oportnerit. 



Bei artic. I secret. sollen nach den Worten ,intra proximnm bimestre' 
die folgenden gesetzt werden: ant qaantocius pro 
reram exigentia. 



Der Kurfürst an den Brandenburgischen Residenten Andreas 
Neamann in Wien. Dat. Coelln a. d. Sp. 14./24. Juni 1672. 

[Dank an P. Emerich. Titalator.] 

Durch des Fürsten von Anhalt Bericht veranlasst, trägt er dem Re- 24. Juni, 
sidenten auf, dem Pater Emerich für seine guten Oflficia zu danken: Ef. 
wird es anch bei passender Gelegenheit gegen ihn nnd seine Ordensbrüder ^) 
in seinen Landen nnd anderswo „mit allen Cburfürstlichen Gnaden zn er- 
kennen nnTcrgessen seines 

F. S. dat. 15./25. Juni. Weist den Residenten an, beigehendes Schreiben 
desselben an den Spanischen Botschafter^ abzugeben nnd dabei den Secretaer 
za erinnern, „dass in des Ambassadeurs an Uns abgelassenen Schreiben Uns 
nur Celsitudo gegeben würde, welches zweifelsfrei durch Irrthum würde ge- 
Beliehen sein, angesehen Wir von Königen selber den titnl Serenitatis be- 
kommen: wollten demnach hoffen, dass solches ins künftige beobachtet und 
redressiret werden würde**. 



Andreas Neumann an den Kurfürsten. 
Dat. Wien 23. Jum/3. Juli 1672. 

Hat das gestern Abend empfangene Schreiben an den Spanischen Bot- 3. Juli, 
schafter demselben heute Nachmittag 4 Uhr zu eigenen Händen überliefert 
nnd aus der mitgeschickten Copie einen kurzen Vortrag formirt. 

,,Er hat sich hierüber gar höflich herausgelassen und darbei angezeigt, 
dass er mit höchstem Yerlangeu Ew. Churf. D. Ratification zu vernehmen 
erwarte und dass man hier ferme bei der gefasseten Resolution verbleibe. Ge- 
dachte auch, dass I. Egl. Maj. zu Daenemark sich erkläret hätten, worüber 
ich mich bei selbigem Residenten erkundigen will. — Des Herrn Mark- 
grafen zn Baden Dnrchl. versicherten mich gestern bei Hof, dass man 

-— - Mann zu Ross und zu Fuss, darunter auch einige Regimenter Croaten 

sein sollen, werben nnd Patenten ausgehen werde, und sobald Ew. Ch. D. 
endliche Resolution einlanget sein wird, der Anfang zu machen. Bei den 

^) Kapnziaer. 

*) Von dems. Dat. wie das P. S. 



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222 I- Zur Vorgeschichte des deatsch-fraDEosischeo Krieges. 1671. 1672. 

Landständen wird von den Mediis deliberirt. — Vor drei Tagen ist ein 
Conrier an Ew. Ch. D. in der Still nnd Eil spediret, and meldete der Am- 
bassadenr, dass man von Deroselben jemanden hier erwartete; auch er 
hcifte, ehe die hentige Post dorten anlangte, solcher hier sein würde. 

Vorgestern bat man den Schwedischen Residenten Pnfendorf beim 
Fürsten von Lobkowitz, da sich aach der Baron Hocher, nnd ein 
Secretarins, welcher der Abele sein wird, befanden, über die zwischen Frank- 
reich and Schweden getroffene AUiance in Gonferenz gesehen nnd über etliche 
Pnncten vernommen, welche, soviel ich abnim, eben diejenige vornehmlich 
sein, so dem Wolfrath vorgelegt worden; die eigentliche Bewandtnis wird 
zweifelsohne commnnicirt werden, wo nicht immediate, so durch den Baron 
de Goes.^ 

P. S. Wegen des tituli Serenitatis ist in der Spanischen Kanzlei das 
Nötige veranlasst worden. 



y. Anhalts zweite Negotiation nach Wien. 

Instruction für den Fürsten Johann Georg von Anhalt-Dessau. 

Dat. Coelln a. Sp. 17. Juni 1672. Conc. 0. v. Schwerin. 

27. Jani. Der Gesandte soll den nächsten Weg anf Wien wählen nnd die Nego- 
tiation, wie das erste Mal, so heimlich als möglich verrichten. 

Curialien. Dank für des Kaisers „so tapfere nnd vigoarense Resolation*' 
lant überbrachten Projectes. Kf. wird dem Kaiser in Devotion verbanden 
bleiben and hofft, dass die übrigen Fürsten „das Reich nicht nnter ein 
fremdes Doroinioni gebracht sehen wollten^. 

Die Fortschritte der Franzosen nnd ihrer Adhaerenten machen eine 
Verstärknng der Kriegsmacht notwendig. Der Kaiser wird daher ersucht, 
za den 12 000 M., die bereits beordert sind, noch einige Tansend hinza 
marschiren za lassen. Kf. wünscht den Oberbefehl des Generallientenants 
Grafen Montecnccoli; denn bei diesem Werk sei „ein General von 
solcher Experienz und Capacität höchst nöthig^ ; and zwar mass er mit der 
Vollmacht sofortiger Execation in Dingen, welche di% Kriegsraison er- 
fordert, versehen sein. Ferner ist es zweckmässig, dass ein erfahrener 
Officier nach Berlin kommt, um wegen des Marsches nnd des Rendezvous 
Abrede za nehmen. Sollte es dem Fürsten znviel dünken dies alles aaf ein- 
mal za proponiren, so mag man za diesem Behaf aach eine Conferenz 
beschicken. 

Auch haben Ew. Ld. mit guter Manier zu erinnern, dass nicht 
andienlich sein würde, bei Zeiten auf Mittel zu gedenken, wie dieses 
Vorhaben auszuführen, sonderlich wann Frankreich noch mehrere Pro- 
gresse in Holland thun sollte und man von dannen keine Subsidia zu 
gewarten hätte. Wir bemüheten Uns sonst jetzt aufs Höchste, dass 



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Anhalts ndue iQStraciion nach Wien. 223 

Ihrer Kais. M. auch darin von dem Staat gefüget und mit Gelde 
unter die Arme gegriffen werden möge, wollten auch daran nicht 
zweifeln, wann ihnen nur bei Zeiten Luft gemachet würde. Wie dann 
Ihre Ld. vor allen Dingen eiferigst zu urgiren haben, dass der March 
der Völker und die Gonjunction soviel immer möglich beschleuniget 
werden möge, um so viel mehr, weil so viel Nachrichtungen einlaufen, 
dass das Gegentheil wol das praevenire spielen und nicht allein Unsere 
Operationes schwerer machen, besondern auch diejenige Oerter, so 
Wir zu bedienen und zur Subsistenz der Armee von nöthen haben 
werden, gänzlich vorher ruiniren möchte. 



Die Creditifschreiben des Kf. an den Kaiser, die Kaiserin und die 
Kaiserin -Wittwe d. d. Coelln a. Sp. 17. Juni 1672. Schreiben an den 
Kaiser eigenhändig. Ein Ooncept liegt nicht vor. 



Der Kurfürst an den Spanischen Botschafter in Wien.^) 
Dat. Coloniae a. Sp. die 18. Jnnii 1672. 

ErsQcheD, die Negotiation Anhalts wie bisher wirksam zu unterstützen. 28. Juni. 



Fürst Johann Georg von Anhalt an den Kurfürsten. 
Dat. Dessau 20. Juni 1672. 

[Abreise steht bevor. Militärische Mitteilangeo.] 

Er ist vorgestern Abend angelangt nnd hat sogleich einen Trompeter so. Juni, 
vorausgeschickt, dass zwischen Leipzig und Prag von 4 zu 4 Meilen frische 
Pferde bereit stehen. Nach Schliessung dieses wird er sich auf den Weg 
machen und hofft, innerhalb fünf Tagen vor Wien zu sein. — Oberst Schier- 
ste dt berichtete ihm gestern, viele Reiter vom Regimen te Koenigsmark 
hätten sich bei ihm angegeben und Dienste gesucht; über die Hälfte des 
Regimentes soll desertirt sein. «Des Herrn von Blnmenthal Com- 
pagnie wäre über 18 Reiter nicht mehr stark, auch Mr. Podewils Com- 
pagnie würde meist von einander sein. Die er hier im Fürstenthum ge- 
worben, haben sich alle wieder fein mit der Montirung eingefunden. Sie 
klagen, dtfss sie sehr übel gehalten worden seien und grosse Noth leiden 
und viel Travail thuen müssen.^ 

') Dob Spioola-Doria. 



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224 T- Zar Vorgeschichte des deatsch-französiacheD Kriegee. 1671. 1672. 

Der Kurfürst an Anhalt Dat. Coelln a. d. Sp. 22. Juni 1672. 

[Anhalt soll die Auswechselung der Verträge voUzieheD. Separatartikel.] 

2. Juli. Weil Wir gerne sehen möchten, dass bei Ew. Ld. Anwesenheit 

am Kaiserlichen Hofe das neulich aufgerichtete Foedus ratificiret und 
die Ratificationes ausgewechselt werden möchten, so senden Wir das- 
selbe, wie es von Uns ratificiret, Ew. Ld. zu und tragen keinen 
Zweifel, Ew. Ld. die Ratification von Seiten Ihrer Eaiserl. M. aufs 
beste befördern mögen, damit Sie dieselbe mit überbringen können. 

Zwar erinnern Wir Uns wol, dass beim 5. und 6. Punct annoch 
einige Erinnerungen gethan ; es können aber dieselben in einen Recess 
k part gebracht werden. Was fär Formalien Wir Unseres Orts dabei 
zu gebrauchen für gut angesehen, solches werden Ew. Ld. aus dem 
Schreiben, so Wir dieser wegen an L Kais. M. selbst gethan, ersehen. 
(Copie anbei) 

2. Juli. d. d. C e 1 1 n a. S p. 22. Juni 1672 tibersendet Ef. an Anhalt ein Schreiben 
an den SpaoiBchen Botschafter des Inhalts: er möchte seinem Könige 
nahelegen, dass er zu der bewossten Gonjunction wenigstens 10 000 M. her- 
gebe. — Wegen Anlegung von Magazinen soll Anhalt beim Kaiser vorstellig 
werden. Kf. selbst hat in seinen westfälischen Orten dazu Anstalt ge- 
troifen und speichert von Tag zu Tage mehr Getreide anf : „zn Magdeburg 
können auf der Elbe eine gute Quantität von Granne gebracht, auch zu 
Boehmeiv^ dergleichen negotiiret , dann auch nach Eger ein Vorrath geschafft 
werden.* 

Anhalt. Relation. Dat. Wien 27. Juni/7. Juli 1672. 

[Ankunft. NacbrichteD aus Polen. Lobkowitz genesen.] 

7. Juli. Ankunft gestern Abend 1 Uhr. Auf der letzten Post zu Enzersdorf 
Begegnung mit vielen vornehmen Damen und Herren, die auf ihre Güter 
nach Böhmen reisen. Unter ihnen Graf Windischgrätz und der Vice- 
kanzler in Böhmen Graf Sternberg. Lebhafte Gespräche zwischen ihnen 
und Anhalt, den sie Alle kennen, über die Nachrichten aus Polen, welche 
bei Hofe „grosse Consternation causirten^. Der Erzbischof und der Feld- 
herr Sobiesky hätten dem Könige zugemutet abzudanken; au 16 000 M., 
die vor Warschau ständen, würden den König eventuell dazu zwingen. — 
Besonders die beiden Kaiserinnen sind sehr geängstigt. Der Kaiser war 
auf der Fischerei, wird aber, wie es heisst, heute Abend wieder in Wien sein. 
Complimente mit dem Spanischen Botschafter, den Anhalt indes vor 
dem Fürsten Lobkowitz nicht begrüssen will. Letzterer ist gestern 
zum erstenmal ausgegangen. Anhalt wird ihn noch heute zu treffen suchen. 



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Ankunft in Wien. Allerlei Nachriobten. 22Ö 

P. S. Dat. Wien 27. Juni/7. Juli 1672. 

[Beabsiehtigte Wallfahrt des Kaisers. Gremonville. Ungarn. Cond^'s Verwundung.] 

Der Kaiser hat eine Wallfahrt nach Nikolsbnrg in Aussicht genommen. 7. Jnli. 
Vor derselben will er aber alle Staatsgeschäfte abthnn, „damit er mit desto 
mehrerer Ruhe und Libertät ungehindert seine vorgenommene Devotion ver- 
richten könne^. 

Der Courier, den Oremonville eben am Tage von Anhalts Abreise 
ans Wien an seinen König abgeschickt hatte, ist vorgestern hier wieder 
angelangt; darauf hat der Botschafter eine Audienz beim Kaiser erhalten 
und einen Brief vom Könige von Frankreich übergeben, des Inhalts: 
^I. Kais. M. möchten Sich doch kein Ombrage machen lassen, sie [der 
König] versicherten nochmals, gegen das Roem. Reich nicht das Geringste 
ansnfangen; sondern was sie itzo thäten, wäre nur seine Feinde in etwas 
abzustrafen angesehen.^ 

Gestern Abend ist Anhalt im Goldenen Hirsch abgestiegen, weil sein 
voriges Quartier, der Weisse Schwan, von zwei englischen Grafen und 
dem Generalmajor Meyer bezogen gewesen. Auf Veranlassung des Wirtes 
haben diese ihm jedoch das alte Logis sofort wieder eingeräumt. — Gleich 
die Besncbe des Markgrafen von Baden und des Herzogs Johann 
Adolf von Holstein empfangen. Beide empfehlen sich dem Kurfürsten 
und tragen grosses Verlangen, „von der guten Partie mit zu sein^. 

„In Hungarn soll eine, neue Regierungsart zu bestellen von Kaiserl. 
M. resolviret sein, und soll künftig statt eines Hungarschen Palatini der 
itzige Teutschemeisteri) alsVice-Roy die Administration überkommen.^ 

Es ist festgestellt, dass der Kaiser innerhalb wenig Tagen Patente auf 

m m 

neue Regimenter ausgeben wird, nämlich -r^ Mann zu Fuss, -^ zu Ross, 

-ft" Dragoner und -«- Croaten. 

„Der Bürgermeister zu Emmerich, bei welchem derPrince de Condö 
logiret und sich wegen seiner Blessure daselbst heilen lasset, schreibet an 
seinen Sohn, so alhier in Processsachen sich aufhält, dass bemelter Prinz 
wegen empfangener Blessure in grosser Lebensgefahr sei, weil der Schade 
sehr übel gerathen solle.^ 

Anhalt Relation. Dat. Wien 30. Juni/10. Juli 1672. 

[Launige Gespräche mit Lobkowitz. Empfang bei Kaiser und Kaiserin. Mit* 
teilnngen der Kaiserin- Wittwe Polen betreffend. Günstige Aensserungen Monte, 
cnccolis und Spinola-Dorias. Pasqaill auf Gremonville. Oonferenz mit den Mi- 
nistem. Hofoachrichten. •— An Monterey sei Ordre zur Ooiganction ergangen.] 

Lange Visite beim Fürsten Lobkowitz am 7ten abends. 10. Juli. 

«Ew. Ch. On. Handschreiben, so ich ihm überreichte^ empfing er mit 

Johann Gaspar von Ampringer. Seine Inatallirong erfolgte wirk- 
lieh im Marx nächsten Jahres. 

Mater, i. GMch. d. O. Kurl&nteiL XIII. 15 



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226 I* Zar VorgttBchiohte des deotaob-franBöaiaohen Krieges. 1671. 1672. 

grosser Ebrerbietang und mit eioem starken Kass. Er fragte mich gleich 
anfangs, ob ich letitmals content von hier geschieden wäre, and als ich ihm 
sagte, dass ich Ursach gehabt hätte, content zn sein^ — 

sagte er zu mir: jdiesmalen können Ew. LcL auch content von 
hinnen scheiden, es stehet nur bei Ihr, wann Sie wollen; mein gnä- 
digster Kaiser kann Ew. Ld. schon nichts abschlagen. Sie mflssten 
aber znvor eine Heirat stiftend Als er nun im Reden einhielt und 
mich starr ansähe nnd ich ihn wiedemm, ohne nichts darauf zn ant- 
worten, weil ich mir wol fUrstellen konnte, dass was darauf erfolgen 
wttrde, sagte er abermals: ,eine Heirat mttssen Sie zuvor beschliessen, 
wann Sie content von hinnen ziehen wollen, mit meinem allergnAdig- 
sten Kaiser und meinem gnädigsten Herrn Churfftrsten zu Branden- 
burg; es ist nicht genug, dass man eine Sache wohl anfängt, man 
muss sie auch wohl enden*. ,Ew. Ld. nehmen mich', sagte er weiters, 
,zu Dero geheim bten Bath an. Darf ich Ihr sagen, waa Sie von 
meinem Kaiser anitzo begehren sollen? Den Montecuccoli und 
noch etzliche tausend Mann mehr, und das geschwind ohne 
einige Zeitverlierung. Ist dem nicht also? Sie bestehen nur darau£ 
Dem Kaiser ist unmöglich, Ew. Ld. etwas zn refusiren.* Und sagte 
weiters hunderterlei Sachen, so theils diesen Zweck theils andere Dinge 
concernirten, so mir alle zu ttberschreiben unmüglioh fallen wollen. 

Der Kaiser ist am selben Abend von der Fischerei zarückgekommen. 

Die erste Audienz ist aof den 8 ten Nachmittags 4 Uhr angesetzt wor- • 
den. — An demselben Tage hat A. die Besnche des Herzogs von Loth- 
ringen nnd des Spanischen Botschafters erhalten. Anhalts Oegen- 
warty meint der Botschafter, sei gerade jetzt höchst nötig und zweckent- 
sprechend; denn leicht könne man die Polnischen Unruhen zum Vorwand 
nehmen und die gefasste gnte Resolution ins Stocken bringen. 

Noch vor der bestimmten Stunde begiebt er sich in einer Hofkntsche 
auf die Burg, empfängt in der Antichambre von allen Granden höfliche 
BegrUssnng nnd begiebt sich in Begleitung des Herzogs von Loth- 
ringen nnd anderer fürstlichen Personen in der Kaiserin Tafelmach. (Es 
ist Freitag, an welchem der Kaiser bei der Kaiserin zu speisen pflegt.) 
Kaiser Leopold macht ihm» als er seiner ansichtig wird, eine sehr gnä- 
dige Mine nnd äussert zu Lobkowitz, es sei ihm lieb, dass der Ffirst 
„nicht wie ein Fremder, sondern wie ein Domestiqne bei Kaiserlicher Ma- 
jestät sich einfinde^. 

Als nun die Kaiserliche Mahlzeit fast halb verrichtet war, be- 
gehrte der Ffirst von Lobkowitz, ich möchte mit ihm speisen, war 
sehr lastig und trunk zum öftern Ew. Gh. 6n. Gesundheit und atta- 
quirte Alle, so mit an der Tafel sassen, mit allerlei lustige Gesprftebe 



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Lobkowitz sehr anfgeräumt. Der Kaiser geneigt. Mitteil. d. Eais.-Wittwe. 227 

und seltsame Fragen. Naeh gehaltener Mahlzeit, so ziemlieh lange 
wfthrete, schickete ich mich auf die mir angesagte Audienz, welche 
ich auch sofort erhielt, und als ich meine Proposition yermög der mir 
gn. ertlteilten Instruction abgeleget hatte, auch zu Gewinnung der 
Zeit solche schriftlich in ein Memorial abgefasset und auf Gutfinden 
des Ftlrsten Lobkowitz Ihrer K. M. überreichete, gaben Sie mir 
zur gnädigsten Antwort: Ihr wäre lieb zu vernehmen, dass Ew. Gh. 
Gn. über die mir ertheilete Resolution eine Freude und Vergnügung 
empfunden hätten. Sie an Ihrem Ort empfunden dergleichen auch, 
dass Ew. Gh. Gn. zu dieser anderen Abschickung abermals resolviret 
hätten. Sie findeten Ew. Gh. Gn. guten flinrat und Erinnerung wol 
fundiret: weil die Gefahr je länger je grösser, so müsse man billig auf 
stärkere Remedia bedacht sein. Auf des G. L. Montecuccoli Person 
hätten Sie auch reflectiret, dafern das Corpus der Armee vergrössert 
werden sollte. Sie wollten etzliche Ministros Befehl ertheilen, sich 
weiters über eins und das andere mit mir zu yemehmen und mich in 
kurzem mit einer Resolution yersehen lassen, versicherten mich in- 
zwischen Dero Kaiserlichen Gnade und Affection. 

Die Audienz bei der regierenden Kaiserin gleich darauf verläott 
eben sowie das erste MaP). — Gegen Abend machte er in der Favorite der 
Kaiserin Wittwe und der Erzherzogiu, ihrer Tochter, seine Auf- 
wartung. Spaziergang mit der Kaiserin im Garten. Sie kegeln. Dann 
spielen sie „auf der Trucktafel^ in der grossen Gallerie, wohin sich die 
Kaiserin begeben, weil es inswischen windig geworden war und sie erst 
wenige Stunden zuvor gebadet hatte. Das Spiel dauert bis 9 Uhr, bis die 
Speisen auf dem Tische stehen. Intimes Gespräch über die polnischen 
Verhältnisse. „Die Kaiserin erzählte den yerwirreten Znstand, und dass sie 
sich solches sehr zu Herzen zöge wegen ihrer Tochter der Königin, die sie 
so herzlich liebete. Sagte, sie hätte selber dem König in Polen geschrie- 
ben und angerathen, er sollte lieber den Degen in der Hand und nnr vor 
wenig Hundert Soldaten sich lassen in tausend Stücken zerbaaen als gut- 
willig renunciiren und mit Schmach Zeit lebens in miseria seine Tage con- 
sumiren.^ Unter anderm meinte sie auch, man solle sofort Regimenter zur 
Polnischen Grenze marschiren lassen. Anhalt widerräth das. Schon die 
vorige Schickung zweier Regimenter hätte Widerwillen verursacht; solche 
Massregel könnte auch die Gutgesinnten abwendig machen. Vielmehr müsse 
man den Polnischen Adel, der ja König Michael gewählt habe, animiren, 
dass er nnn auch zu dem Träger der Krone halte und ihn schirme. Der 
Kaiserin erscheint dies plansibel; es dünkt ihr aber doch gut, dass man 
dem Könige „nur etwas weniges als eine Gnarde zuschicke^. Ancb das, ent- 

Oben S. 209. 

15* 



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228 I* Zur Vorgeschichte des deutsch- französischen Krieges. 167L 1672. 

gegnet Anhalt^ möchte bei den Polnischen Senatoren «grosse Jalousie eau- 
siren^. — Uebrigens sind bessere Nachricbten eingelanfen. Man drängt den 
König nicht gerade mehr zur Abdankung; man fordert, „dass er auf die 
begangene Ezorbitantien sich yerantworten und solche abasabelfeD« sich re- 
solvirea solle^. 

Am 9. Discarse mit Montecnccoli, Spinola-Doria, Oremon- 
yille. An erstem ein Schreiben des Kf. abgegeben; der O. L. freut sieh, 
dass Kf. seine Gegenwart bei der Armee yerlangt. — Der Spanische Bot- 
schafter bittet am unyeränderte Beibehaltang des Art. 6 der Allianz; Kf. 
betone mit Recht die Garantie des Pyrenäischen and Aachischen Friedens. 
— Der französische Envoy^ erzählt yiel von seines Königs Progressen. 
«Es kamen aber (in der Antichambre der Hof barg) etzliche Hofschälke, so 
ihn interrompirten, and sagten za ihm, es wären gute Zeitungen aas Polen 
kommen, and als er fragte, was gutes Neaes, so wurd ihm zur Antwort 
gegeben: die Senatores in Polen haben sich nun anders bedacht und wollen 
ihren König Michael behalten, weil sie nun allererst erfahren, dass ihr 
französischer König, le Gomte de St. Paul, in Holland ist establiret 
worden. Er verstellete sich sehr darüber und sagte: ,le Roy n'avait jamais 
consenti que Mr. de St. Paul sortisse du Rojaume' .... Vergangene Nacht 
sind an vielen Orten an den Kirchthüren Pasquill angeschlagen worden, 
ohngefähr dieses Einhalts*): Alhier in Wien ist ein Verräther und 
Schelm, der die Rebellion in Polen angerichtet hat, gleich 
der am Kaiserlichen Hof mit den Ungrischen Herren. Sein 
Name ist Gremon?ille. Es ist wunder, dass man diesen Schelm 
duldet; man sollte mit blutigen Nägeln die Steine ans der 
Strasse auskratzen und ihn steinigen. — Lobkowitz liest das 
Pasquill bei Tafel laut Tor und spasst darüber: ,eines ist hierbei ausge^ 
lassen, wer will der Katzen die Schelle anhangen^^ 

Nachmittags 4 Uhr auf kaiserlichen Befehl Conferenz bei Anhalt. Es 
erscheinen Hocher und Montecnccoli, dazu die beiden Seeret&re 
Dorsch und Abele. Auf Beider Dubia antwortet Anhalt „mit Bestände^. 
Vor seinem Weggange wird er auch mit Montecnccoli noch über Marsch 
und Vereinigungszeit richtige Abrede nehmen. — Als er am Abend spät in 
sein Quartier kommt, lässt ihm Hocher Gutenacht wünschen: er könne 
ruhig schlafen, denn er werde ehestens eine gute Resolution bekommen. 
Das von Kf. an Ho eher übersendete Praesent will dieser erst annehmen, 

wenn alles zum guten Schluss gebracht ist Empfängt noch abends 

10 Uhr durch Vergünstigung des Postmeisters das Kurfärstl. Schreiben v. 
22. Juni a. St mit der Ratification und den Beilagen. 

Am 12ten, übermorgen, feiert man den Geburtstag der Kaiserin 
Margarete. Tags darauf, an ihrem Namenstage, wollen beide Majestäten 
nach Nikolsburg wallfahrten, aber nicht länger als 7 Tage aasbleiben. An- 

1) d. d. Goelln a. Sp. 17./27. Juni 1672. (Unten gedruckt Abschn. H. Abtlg. 1.) 
*) GremoDvilles Beschwerde darüber oben S. 168. 



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Pasquill aaf GremoDYiUe. Mobilmachang. 229 

halt wird sich bemühen, seine Abfertigung noch vor des Kaisers Aufbruch 
zu erhalten. Wenn das nicht gelingt, will er ihm nachreisen. Der Rück- 
weg führt ihn ohnehin nach Nikolsburg; es ist die vierte Post Tor Wien. 

P. 8. Eben (am 10.) hat er dem Spanischen Botschafter des Kf. 
Schreiben 1} uberbracht, worauf dieser versicherte, Oraf Monterey hätte 
schon Ordre, sich mit den Kaiserlichen Trappen zu conjungiren. Zum üeber- 
flass wolle er noch heute einen Courier ezpediren, damit der Graf, des Snccur- 
888, den er bereits Holland zugesandt, ungeachtet, dennoch mit 4000 zu Ross 
und 6000 zo Fnss sich stellen und mit der Reiohsarmee vereinigen möge. 
Es mnsste denn sein, dass Frankreich sie selber in den Spanischen Nieder- 
landen angriffe — für den Fall natürlich habe man die Völker daselbst nötig. 



Anhalt Relation. Dat. Wien, 4./14. Juli 1672. 

[Mobilmachung. Wird den Kückweg über Dresden nehmen.] 

Die Ergebnisse der letzten Tage im einzelnen behält er mündlicher 14. Juli. 
Berichterstattung vor. Er ist am schreiben verhindert worden, „wegen 
gestriger erlangter Abschiedsaudienz bei I. I. E. K. M. M., welche gestern 
Abend spät um 6 Uhr von hier abgereiset sein, heute Morgen aber wegen 
der mit dem Hofkanzler Hoc her und Abele gehaltenen langen Conferenz, 
auch Auswechselung der Ratification, so nun albereits geschehen, am aller- 
meisten aber wegen Adjuutirung unser allerseits gehaltenen Protocolls, so 
nun auch recht eingerichtet, aber noch nicht mnndiret ist; zu geschweigen 
der continuirlichen Visiten, derer ich mich unmüglich, solche zu empfangen, 
entbrecben kann.^ 

Der Kaiser hat die Mobilmachung von 16 000 M. befohlen. 4000 unter 
dem Comroando des Herzogs von Holstein sollen sobald als möglich 
folgen. Mit jenen wird sich Montecuccoli in Person am 15./25. August 
zum Rendezvous in Eger einfinden. Gegen einen früheren Termin schützt 
man hier die faktische ündurchführbarkeit vor. Montecuccoli geht zu- 
nächst allein voraus, um vom Kf. die nötigen Ordres die Conjuoction be- 
treffend entgegenzunehmen und wegen des Marsches und der Operationen 
nach Massgabe der jeweiligen Conjuncturen zu beraten. — Der Herzog 
von Lothringen kommt ebenfalls in Person mit, nebst seinem stattlich- 
sten Regimente zu Ross. 

Der Kaiser wünscht, dass Anhalt den Rückweg über Dresden nehme. 
Er soll ein Handschreiben an den Kurfürsten von Sachsen abgeben, 
denselben für die Allianz disponiren und einem kaiserlichen Cavalier, der 
ihm folgen wird, die Bahn bereiten. — Da verschiedene Sachen dem Kaiser 
zur Vollziehung nachzuschicken sind, so wird Anhalt noch zwei Bis drei 
Tage verweilen müssen. Den 16/26. denkt er in Berlin zu sein. Diesmal 
ist ihm seine Verrichtung „recht schwer und diificil^ gemacht worden. Er 



I) Oben S. 224. 



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230 I- Zar Vorgeschichte des deutsch-französischeo Krieges. 1671. 1672. 

hat starke Opponenten gehabt and zn einem ganss anderen Modas greifen 
müssen als bei seiner ersten Gesandtschaft. Davon mündlich. 



Anhalt. Relation, Dat. Wien, 7./17. Juli 1672. 

[Wird noch hingehalten. Vorbereitungen zum Aufbrach der Armee. Bestärsaog 

Gremonvilles aber den Marsch and die Beteiligang Montecaocolis. Braanschveig- 

Celle. Abschied von der verwittweten Kaiserin. Polen. Briefbefbrderang.] 

17. Jali. Gestern beim Fürsten Lobkowitz zu Mittag gespeist in Gesell- 
schaft vieler Generale. Während der Mahlzeit erscheint Abele nnd mel- 
det, er nehme aas dringender Veranlassung eben die Post nach Nikolsbnrg; 
hente nm 2 Uhr werde er znrück sein und alles vollzogen mitbringen. An- 
halt macht Elnwendnngen: er habe seine Depeschen bereits in Händen; die 
Kescripte an Baron de Goes könne man per Post schicken. Lobko- 
witz meint, anf einen Tag käme es ja nicht an, nnd Kaiserliche Majestät 
sähe gern, dass der Fürst wie das letzte Mal alles selber überbrächte. Wird 
also erst am 27. kommen. — 

Die OfQciere haben ihren Marschbefehl empfangen nnd setzen sich «in 
Equipage**. Monte cncco 11 ist die beiden letzten Tage mit Ansfertigong 
der Ordres stark beschäftigt gewesen; er lässt über 220,000 Rthlr., die znr 
nenen Werbang parat gelegen, anter die aasrückenden Regimenter verteilen, 
damit sie zwei Monate Sold anf den Marsch bekommen, «und werden die 
neuen Werber wieder in dieser marchirenden Regimenter Quartier assigniret, 
welches dann ein sehr gnt Ezpediens ist, damit der Marsch nicht aufge- 
halten werde^. — Mit dem hiesigen Hofkammerpraesidenten nnd dem Prae- 
sidenten der Böhmischen Kammer ist wegen des Unterhalts der Völker 
gestern Conferenz gehalten worden. Man sieht ans allem, dass es Ernst 
wird. — Was der Spanische Botschafter — er war gestern über zwei 
Standen hier — an die Königin nnd an Graf Monterey geschrieben, 
mündlich. 

Der Herr Gremonville ist über den Marsch der kaiserliehen 
Völker und, dass Montecuccoli in Person mitgehen wird, trefflieh con- 
sterniret und hat also fort wieder einen Courier an seinen König de- 
peschiret. Vorgestern war er über dritthalb Stunden bei dem Fürsten 
von Lobkowitz und hat rund aus zu wissen begehrt, was er seinem 
Könige hiervon übersehreiben sollte; er hat ihn aber im Seherz ge- 
antwortet: ,eseriyez au Roy que je me mettray k la teste de cette 
armie^ Hernach aber hat er ihm gesagt, dass der König dem Kaiser 
und des Reiches Ständen nicht verdenken könnte, auf des Reiches 
Sicherheit zu gedenken und die Grenzen des Rom. Reichs für allen 
Ueberfall zu bewahren, worauf der Gremonville mit trefflichen 
Sincerationibus versichert, dass sein König nichts wider das Reich 



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GreinoD?iil«8 Befliorsong. Unwesen in Polen. 231 

vonanehmen willens wäre, dafern ihm vom Reich in seinen Pro- 
gressen wider seine Feinde kein Eintrag und Verhinderung geschehen 
wOrde. — Zu mir sagte er letztmalen in der Kaiserlichen Antichambre: 
,V. A. ya fort affliger la Seine par tout ce qu'elle fait et n^oeie 
icy. Le Roy escrit ä la Reine qu'il retourneroit chez eile, pour 
manger avec eile des pesches, mait tout ce dösordre que cause V. A. 
fera que le Roy ne s'en retournera pas si tot, et qu'il restera auprös 
de Tarmäe^ Ich gab ihm zur Antwort: ,Je yous asseure, Mr., que ce 
ne sera pas moy qui fera passer au Roy le goust k manger avec la 
Beine des pesches, et pour le plaisir de Leurs Majestös je souhaiterois 
que les pesches auroient estö mfires il y a deux mois.^ Er fing 
darauf an zu lachen und machte mir ein gross Compliment und sagte, 
ich könnte mich yersichem, dass mich sein König sehr liebte und 
estimirte, und wftre ich nicht zu yerdenken, dass ich des Herrn In- 
tention, so ich diente, mögliehst befördern hülfe. 

Relation t. C an steine^) ans Celle durch Schwerin überschickt. So- 
weit nötigi wird Ho eher davon yerständigt werden. Der Irrtum in der 
Kaiserlichen Kanzlei, Titnlatnr Hochgeboren anstatt Durchktucht für das 
Haus Lüneburg, ist berichtigt worden. — Ein Kaiserliches Schreiben an 
Celle wird Anhalt dem Baron de Goes übermitteln. 

„Ich habe schon vor drei Tagen meine Abschiedsandienz bei der ver< 
wittibten Kaiserin genommeni weil sie aber erfahren, dass ich noch 
mich alhier aufhalte nnd die Expedition erwarte, wurd mir im Vertrauen 
gesagt vom Fürsten Lobkowitz, ich würde sehr wol tbnen nnd würde 
die Kaiserin erfreuen, wann ich noch ein paar Mal in der Favorite mit ihr 
kegelte. Als ich mich nun gestern sehr spat mit dem Fürsten von Lobko- 
witz in der Favorite aufhielt, sagte sie: ich nehme heut noch keinen Ab- 
schied aber wol morgen Abend in der Frau Praesidentin') Garten, und 
befahl mir ezpresse, mich, als heut Abend, da einzufinden, alwo die Praesi- 
dentin auf eine treffliche Merenda sich gefasst gemacht und zugeschicket 
bat, und werden sich alle schöne Dames aus Wien daselbst einfinden. Ich 
habe dieses zu decliniren mit guter Manier nicht wol vermocht, werde aber 
noch diese Nacht oder morgen in aller Frühe aufs längste mich anf die 
Post machen und meine Ueberknnft soviel möglichst beschleunigen, zuvor 
aber der Kaiserin des Herrn von Schwerin Brief zeigen, alwo 8. Ezc. diese 
Wort an mir schreiben: ,S. Ch. D. haben mir gn. befohlen, an den Hefrn 
von Hoverbeck zu schreiben, dass er das Polnische Werk, als wann es 
8. Ch. D. selbst anginge, alda beobachten nnd sich dessen annehmen solle' 
— welches dann gewiss der Kaiserin überans gefallen nnd consoliren wird. 



>) d. d. Celle 24. Jani/4. Jali 1672. Vgl. unten 8. ! 
>) Grfifln Sinzendorf. 



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232 I- Zar Viorgescbichte des deutsch-fraozösischen Krieges. 1671. 1672. 

— Die letzten Briefe ans Polen lauten sonsten alle wol. Es menaciret 
aber dem König in Polen eine andere Gefahr, welches ich der Feder nicht 
vertrauen mag.^ 

P. S. Mit Montecnccoli^in allem Verlass genommen wegen fleissiger 
Gorrespondenz, ihm anch gesagt, dass zwischen Berlin nnd Grünberg Reiter 
▼erlegt sein, damit man in fünf Tagen durch diese Reiter bis Grünberg 
und von da ans durch Stalfetten bis Wien Briefe erhalten könne^. 



Anlage. 

Kaiser Leopold an den Kurfürsten Johann Georg von 

Sachsen. DaL Wien 12. Jnli 1672. 

[Creditif ffir Anhalt mit dem Ersnchen an K Sachsen am Eintritt in das Baodnis.] 

12. Juli. Teilt dem Kurfürsten mit, dass der Fürst von Anhalt von Kur- 
brandenburg zum zweitenmale an seinen Hof gesendet, und dass mit ihm 
das bereits angeregte Bündnis nunmehr in Gottes Namen völlig geschlossen 
worden ist. Auf seinen (des Kaisers) Wunsch geht Anhalt nach Dresden 
zu eingehender Berichterstattung. — Ersucht den Kurfürsten, ^nicht allein 
vor sich Selbsten in dieses neu aufgerichtete und forderst zu allgemeiner 
Reichs-Ruhe und Sicherheit angesehene Foedus wirklich einzutreten, sondern 
auch Dero Herrn Gebrüder Ld.') zu einem gleichmässigen zu disponiren 
und zu vermögen.^ Ein kaiserlicher Abgesandter wird nachkommen. 



Kaiser Le.opold an den Knrfttrsten. Dat. Wien 12. Jnli 1672. 

12. Juli. Der Kaiser hat die Allianztractaten „gnädigst ratificirt^ und die Original- 
Instrumenta des Fürsten von Anhalt Ld. eztradiren, auch im übrigen 
die von Ew. Ld. erinnerte Bedenken in einem neuen Instrumente dergestalt 
hinlegen lassen, dass Sie hoffentlich darmit zufrieden sein werden^. Kf. 
möge nun neben Dänemark die Braunschweigischen, Hessischen 
nnd andere fürEtlicben Häuser zum Beitritt zu vermögen suchen. 
Bezieht sich im übrigen auf Anhalt. 



Darch Anhalt nberbracbt: Kaiser Leopoid an den Karffirsten. Dat. Wien, 



»Ich habe bei dem Hofkansler Hocher erinnert, dass das Wort Vettern 
Ld. alhier mit hinein gesetzet werden möchte, wann die Abschickung geschehen 
soll, welches er anch versprochen.' (Von Anhalt an den Band der nach Berlin 
übersendeten Oopie geschrieben.) 

') Die Ratification erfolgte thatsächlich am 13. Juli. Anhalts Anwesenheit 
in Dresden bestätigt ein Schreiben. 



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Kaiser Leopold retificirt den Vertrag. Anhalt aber Dreeden snrfick. 233 

13. Jnli 1672 [eigenhändigeB Becreditif för Anhalt nebst Dank für des Ef. beide 
Schreiben vom 23. nnd 27. Jnni]. 

Becreditif der Kaiserin d. d. Wien, 13. Juli 1672; der Kaiserin- Wittwe, d. d. 
Wien 18. Joli 1672. Fernere Complimentschreiben von Montecnccoli. Dat. Wien, 
13. Jnli 1672; von Hocher Dat. Wien 17. Juli 1672; von LobkowiU, Dat. Wien 
18. Juli 1672; von Abele Dat Nikolsbnrg 17. Jnli 1672, sämtlich Formalien und 
Wnnsche enthaltend. 



b. Der Anschlass von Brandenburg-Baireath. 

Der KnrflirBt an Otto Frhrm. von Schwerin d. J.*). Dat 

Coelln a. Sp. 28- Juli 16720- 

Praesentat Leipzig 30. Juli. 1672. 

[Instruction för seine Gesandtschaft an den Markgrafen Christian Ernst von 

Brandenbarg-Baireath.] 

Sogleich nach Beendigung des Kreistages hat er Leipzig zu verlassen 7. Ang. 
und sich nach Baireoth zu begeben. In der Audienz soll er den Mark- 
grafen zum Eintritt in die zwischen dem Kaiser und Kurbrandenburg ge- 
schlossene ^Defenslvalliance zur Conservation des Friedens^ auffordern: 
derselbe möge eine solche Gelegenheit, dem Vaterlande zu dienen, nicht 
ans den H&nden lassen. 

«Befindet Ihr I. Ld. darzu geneigeti wie Wir daran nicht zweifeln, 
allermassen I. Ld. ^hon in die Alliance, so I. Kais. M. mit etlichen Chur* 
und Fürsten gemachet, wie I. Ld. uns selbst deswegen consuliret, 
eingetreten, habt Ihr Derselben das Foedus, so mit I. Kais. M. geschlossen, 
zo communiciren und einen Accessionsrecess auf unsere Ratification zu 
projectiren, des Einhalts, dass I. Ld. zu solchem Foedere mit treten und 
dabei an Mannschaft eine gewisse Anzahl (so I. Ld. nach Dero rühmlichen 
Eifer für das gemeine Beste und der Gelegenheit nach zu denominiren 
wissen werden) ehest, möglich stellen wollen. Wobei Ihr ^dann melden 
könnet, dass sonsten I. Kais. M. Sich erkläret, Ihre Völker nach Eger so- 
fort marchiren zu lassen, also dass sie den 15. Ang. alda sein und bald 
darauf sich mit den ünsrigen conjungiren können. Qleichfalls habt Ihr 
Erwähnung zu thun, dass Ihrer Kais. M. zu sonderbarem Gefallen gereichen 
würde, wann I. Ld. die Kreis-Völker nebst den Ihrigen aufbringen könnten. 
— Sollten I. Ld. sich vernehmen lassen, dass Sie Sich unter Unsere Armee 
begeben und dabei einig Gommando praetendiren wollten, habt Ihr solches 
bescheidentlich abzulehnen nnd Deroselben fürznstelleu, wie es Ibro als 



Der jüngere Schwerin, Hof- and Kammergerichtsrat, befand sich zur Zeit 
als Depntirter bei dem Obersächsisohen Kreistage zn Leipzig. Oben S. 178. 
^ Conc. V. Somnitz. Creditif von demselben Dat. 



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234 I* Zar YorgeBchiebte dM dentacb-frmuodsdMD KriegeB. 1671. 1672. 

einem Regiereoden Landesföreten liel repotiilieher sein würde, wann Sie 
als ein Foederatos das Werk mit antriten nnd führeten.* 

Zo der Reise wird ihm Michael Mathias 200Rthlr. mit dieser Post 
überschicken. 

P. 8. von dems. Dat Der Cksandte wird noch benachrichtigt, dass 
zwischen dem Kaiser nnd dem Knrfnrsten verabredet worden, dass Ton 

selten Ihrer Kais. M. oa~ Mann, von des Knrfnrsten Seite j^ Mann teils 

zn Ro88, teils zu Fnss nebst zugehöriger Artillerie gesendet werden sollen, 
nnd darauf in wenigen Tagen die Conjnnetion mit den brandenbnrgischen 
Truppen erfolgen wird. 

Auf des Oberpraesidenten Befehl werden dem Gesandten die Ar- 
tikel mit dem Kaiser vom 13./23. Juni 1672 abschriftlich übermittelt. Nicht 
communiciren soll der Gesandte (nach einem Kanzleivermerk von Somnits's 
•Hand) die Art. 5 nnd 6 des Vertrages. 



Otto von Schwerin d. J. an den Karfttrgten. Dat Leipzig^ 

31. JnU 1672. 
10. Aug. Hat das Befehlschreiben des Kf. sowie die 200 Rthlr. gestern em- 
pfangen und wird, ,|da die Eretshandlungen morgen, geliebts Gott, ge- 
schlossen werden dörften^, am Freitag die Reise antreten. 



Der Kurfürst an Otto von Schwerin d. J. Dat Coelln a. Sp. 
30. Juli 1672. Praes. Leipzig 2. AuguBt 

[Neues Projeet nnd AceessioDsrecess.] 

9. Aug. Weist den Gesandten an, sich nicht der ihm jüngst zugesandten ^For- 
mula foederis sondern eines neuen Projectes*' su bedienen, wovon ihm Ab- 
schrift zugeht (Es ist eine mit der ersten TÖllig gleichlautende Copie mit 
Ausnahme einer einzigen nicht erheblichen Aenderung des § 5.) Es folgt 
ferner der Wortlaut des Accessionsrecesses nnd die Vollmacht für den Ge- 
sandten Ton dems. Dat. 

Vor allem soll er die Stellung einer möglichst hohen Anzahl MannschafteD 
Ton dem Markgrafen erwirken. 



Otto von Schwerin d. J. an den Kurfürsten. Dat Leipzig, 

2. AugnBt 1672. 
12. Aug. „Die hiesige Haodlungen sind durch Siegelung des gemachten Kreis- 
abschiedes ganz abgethan.^ Seiner Reise steht demnach nichts mehr im 



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Schwerin d. J. Sendang an den Markgrafen r. Brandenbnrg-Bairenth. 235 

Wege; und zwar wird sie über Jena and Bamberg gehen: denn, wie 
Schwerin in Erfahrung gebracht hat, hält sich der Markgraf nicht in Bai- 
renth auf, sondern ist in Baiersdorfi) ^anf die Hirsch-Feisse^ >). 



0. y. Schwerin d. J. Relation. Dat. Neustadt an der Aisch, 19. Aug. 
9. An gast 1672. Er hat in Bamberg erfahren, dass der Markgraf sich 
nicht mehr in Baiersdorf sondern 5 Meilen davon, hier in Nenstadt, befindet. 
Heute Vormittag ist der Gesandte hierselbst eingetrofifen. Meldung seiner 
Ankunft durch Uebersendung seines Creditifs an den Kanzler ?on Stein 
and Ersuchen um Audienz. Zwei Herren von Adel, Oberst-Lieutenant 
Proecken und Lieutenant Posern bewillkommnen ihn namens Ihrer 
Fürstl. Durcbl. und bitten ihn aufs Schioss, ^worauf er in I. F. D. Leib- 
kutsche, mit sechs Pferden bespannen, allein auf das Schioss gefahren und 
daselbst von obbenannten zweien Edelleuten, welche vor der Kutsche her- 
gangen, in ein für ihn destinirtes Gemach geführet worden^. Weil der 
Markgraf bereits zur Tafel gegangen, wird er in seinem Gemache, in Gegen« 
wart des Kanzlers von Stein, bewirtet. Nach Tisch erfolgt Audienz und 
Erledigung seines Anbringens. 

L Fürstl. D. antworteten: „über alle massen höflich und respectueux^. 
„Die Sache an ihr selbst belangend, lobten Sie zwar die zu Beförderung 
des allgemeinen Friedens zwischen I. Kais. M. und Ew. Gh. D. geschlossene 
Alliance; rühmten dabei sonderlich, dass Ew. Ch. D. bei diesen so ge- 
fährlichen Conjuncturen der Einzigste wären, so die Anderen aus dem 
Schlaf und die so nöthige Verfassung zum stände zu bringen sich be- 
roüheten. Erfreueten Sich auch, dass allem Anschein nach ein und ander 
die Gefahr zu apprehendiren schiene, und bedankten sich nicht weniger für 
die Ehre, so Ew. Ch. D. Deroselben thäten, Sie mit dazu zu invitiren, 
bäten aber, Sie zu entschuldigen, dass Sie Sich in so wichtige Sache so- 
gleich nicht expectoriren könnten. Sie wollten die Sache etwas überlegen, 
desiderirten auch tu solchem Ende einige Nachricht über der mehrged. 
Kaiserlichen Alliance, wollten alsdann Dero Resolution mir gn. hinterbringen 
lassen. Sonsten wären Sie bereit zu Conservation der Teutschen Libertät, 
welche sehr zu periclitiren schiene, wie nicht wenigei' Ew. Ch. D. zu ob- 
ligiren und Dero vorgesetzten Zweck zu befordern das Ihrige nach allem 
Vermögen beizutragen.^ 

Bei Besprechung der Kaiserlichen Allianz und eines Teiles ihres In- 
halts nimmt der Gesandte Veranlassung, von der Sistirung der Kreisvölker 
zu sprechen. Der Markgraf aber, wie auch vorher schon der Kanzler gethan 
hatte, entgegnet, „es wäre in dem Kaiserl. Schreiben zu Veranlassung des 
gehaltenen Kreistages versehen, dass man nur allein der Türken- und keiner 
anderen Gefahr gedacht, weswegen dann die genannte Kreisverfassnng auch 
nur auf die benannte Gefahr gerichtet und also in Ihren Mächten nicht 



>) an d. Begnitz, Bz. Erlangen. 

^ Hirschjagd (altes Wort). Grimm Wh. 3. sp. 1465. 



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236 I' Zar Vorgetchichte des deoUoh-fraDBÖsischeo Krieges. 1671. 1672. 

Btüode, solche, bevor ein Kaiserliches Monitoriam (?on welchem sehoa bei 
voriger Post gegen den Herrn von Knesebeck Erwähnong gethan sein 
soll) an Sie als Ereisobristen ergienge, zn sistiren. Sobald aber solches 
eingekominen sein würde, wollten Sie schon davor sorgen, dass die Völker, 
so bereits auf den Beinen wären, zusammengebracht werden möchten: 
zweifelten anch nicht, es würden Ew. Ch. D. solches Monitorinm leicbtlich 
befordern können.^ Hieranf überreicht der Gesandte das AUianzproject. 

Empfang bei der Fr an Markgräfin'). Diese betenert, ^dass ihr 
Ew. Ch. D. AiTeetion sehr werth, und weil Ew. Ch. D. gegen alle Menschen 
so gnädig nnd gütig wären, hofl^ Sie deren nm so viel mehr theilhaftig za 
werden, als sie sich fleissig bemühen wollte, solche zn meritiren^. — 
Später hat ihn der Markgraf noch wissen lassen, dass ein kaiserliches 
Schreiben ihm den Marsch der Truppen nach Eger nnd den Durchmarsch 
durch seine Lande angezeigt habe. 

Der Gesandte erwähnt noch des freundlichen Empfanges auf der Her- 
reise bei Herzog Bernhard') zu Jena, „indem 8. Fürstl. D. mich mit 
einem Edelmann in einer Kutschen zn Sich hinauf holen nnd sowol bei 
der Tafel als sonsten durch inständiges Bitten die Nacht dar zu verbleiben 
(welches ich gleichwol decliniret) alle Ehre angethan und in Dero Discursen 
eine sonderbare Affection gegen Ew. Ch. D. bezeuget, sonderlich aber Ew. 
Ch. D. höchst gerühmet wegen der Sorgfalt, so Dieselbe zu Erhaltung des 
gemeinen Besten n. s. w. bezeugen^. Die Gegenwart der französischen Ge- 
malin*) des Herzogs legt dem Gesandten, wenigstens nach seiner Mei- 
nnng, eine gewisse Reserve auf; er glaubt sich nur allgemein äussern zu 
dürfen, dass man es dem Kurfürsten von Brandenburg nicht verdenken könne, 
dass er sich gegen alle Gewalt zu schützen suche, da ihm die Gefahr am 
nächsten liege, er den Schaden auch zum teil bereits empfunden habe. 



26.Aag. Relation d.d. Neustadt an der Aisch 16. August 1672. Tags 
nach seiner letzten Berichterstattung hat ihn der Markgraf ,)etwas vor 
der Mittagsmahlzeit zn sich fordern lassen^ und über verschiedene Punkte, 
die Allianz betreffend, Erläuterung begehrt. Der Tenor des Vertrages wurde 
durchgesprochen. ,,End]ich dimittireten mich I. F. D. vor dieses mal mit 
der Resolution, dass Sie auf Ew. Ch. D. getbanes Ansuchen bereits fest- 
gestellet, Deroselben durch Eintretung in die Kaiserliche Allianz nach allen 
Kräften beizuspringen ; gleichwie Sie aber dasjenige, so Sie zu leisten Sich 
obligiren würden, effective beitragen wollten, als müssten Sie Sich über 
dem Quanto noch etwas bedenken ; sollten Sie Sich aber vor jetzo alhier nicht 
recht herauslassen können, wollten Sie Sich gegen Ew. Ch. D. bei der 



') Sophie Laise, Tochter Hersog Eberhards III von Wirttemberg. 
^ Herzog Bernhard von Sachsen- Je na, Sohn des Herzogs Wilhelm 
von Sachsen- Weimar. 

*) Anne Marie de Tremoaille. 



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Relatfoneo SebweriDS aas Neustadt. AcceesionBrecesa. 237 

ConjonctioD der Armee, so Sie so sehen yerlangten, mündliclr Dnd ver- 
boffentlieh nach Ew. Ch. D. Contentement erklären.^ Auf Wonsch des 
Markgrafen, ^inzwischen doch etwas festzustellen^, überreicht ihm der Ge- 
sandte die Formel des Accessionsrecesses, worauf der Markgraf am Abend 
endlich, nachdem ihm Schwerin nochmals eröffnen müssen, dass Ef. die 
Höhe des Qnantnms ganz aof des Markgrafen Diseretion ankommen lassen 
wollte, sich znr Stellung einer Compagnie zu Pferde Ton 100 Köpfen und 
zweier zn Fnss, anch jede von 100 Köpfen, bereit erklfirt. Auf die Gegen- 
▼orstellung des Gesandten, dem ^diese Zahl etwas geringe vorkam^, äussert 
der Markgraf, dass es ihm «ganz unmöglich fallen wollte, ein Mehres zn 
thnn. Bezeugten dabei, dass wenn es in Dero Mächten stünde, Sie Ew. 
Ch. D. wol zwei Regimenter mit Ihrer eigenen Person präsentiren wollten^. 

— Gespräch mit dem Oberpräsidenten Grafen tou Castell. Dessen 
Verdacht, dass man die Kaiserliche Armee nur „pro forma herannahen 
Hesse, um die Krön Frankreich von weiterem Vornehmen zu deterriren^. 

— Nach mehrtägiger Bedenkzeit, während welcher der Gesandte stets aufs 
neue Erhöhung des Quantums nachsucht, und nach weiteren Discussionen, 
ob die Erbverbrüderung zur Verpflegung der Auxiliarvölker durch den Re- 
qnirenten verpflichte, stellt der Markgraf die Alternative: ob Kf. „lieber 
die 300 M. auf I. D. des Markgrafen Verpflegung oder etwa ein gutes Regi- 
ment z. F. von 1000 M. auf Dero eigene Kosten zu erhalten belieben würde^, 
und lässt dem Kf. die Wahl. 

Schwerin möchte dadurch, dass er etwa (wie er eigentlich gern 
wünschte), noch über den einen oder den anderen Punct nähere Infor- 
mation aus Berlin erwartete, den Schluss der Handlung nicht hinausschieben; 
überdies sei der Markgraf schon vor seiner Ankunft entschlossen gewesen, 
zn Kf. ins Halberstädtische zu kommen. Vielleicht wird er (MarkgraQ dem 
Kf. „alsdann wol ein mehres selbst praesentiren, um so viel mehr Dank zn 
verdienen^. Schwerin giebt ihm aber den Rat, den Termin seiner Abreise 
nicht eher anzusetzen, als bis er über den Aufbruch des Ef. znr Armee 
sichere Nachricht habe. 

Morgen wird Schwerin seine Rückfahrt antreten. Rühmt des Mark- 
grafen hohe Gnade, seine gute Gesinnung und Anhänglichkeit an den Kf. 
und sein Haus. — Der Markgraf bittet, den Musterplatz etwa im Halber- 
städtischen anzuordnen. 

Der von 0. Frhrrn. v. Schwerin und Wolf Dietrich Grafen 
und Herren zu CastelP) Neustadt a. d. Aisch 14. August 1672 unter- 
schriebene Accessionsrecess wird nicht ratificirt. 



RecreditSf ffir Otto Erhrrn. v. Schwerin d. d. Neustadt 14. Angnst 1672. 



Accessionsrecess des Harkgrafen Christian Ernst Dat. 



') Des Markgrafen Oberpr&sident und Geheimer Bat. Vollmacht d. d. Neu- 
stadt 14. August 1672. 



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238 I- Zar Vorgeschichte des deotfch-fraDiösischen Krieges. 1671. 1672. 

9. Sept. Halb er 84a dt 28. Angust 1672 des Inhalts, dass der Markgraf sich er- 
klärt: ^eine Compagnie von EinhaDdert zu Pferde und eine von 
zweihandert Köpfen so Fnss inclasive der prima Plana ehest 
möglich za sistiren and dieselben selbst zu verpflegen nnd zn nnterhalten, 
ausser dass S. Gh. D. za Brandenburg nach gehaltener Mosterang, wann 
Sie in Dero Landen sein, selbige mit gewöhnlichem Service versehen wer- 
den^. (Vgl. V. Moemer Staatsvertrage S. 367.) Daran reihen sich einige wenige 
BrinnemDgspoDkte des Markgrafen. 



12. Sept. d. d. Halberstadt 2./12. September 1672 erlässtKf. an den Mark- 
grafen Johann Friedrich von Ansbach^) eine Einladung zum Beitritt 
in das Kaiserliche Bündnis. 



c. Das BrauDBchweiger Bttndnis. 

Die enge Beziehung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm za den Gliedern 
des Braanschweigischen Herzogshaases veranlasste seit dem Herbst 1671 
einen lebhafteren Aastaosch über die bedrohlichen Coigonctaren ; mit Be- 
ginn des Jahres 1672 führte sie damit von selbst zo Erklärangen dieser 
Fürsten in der Holländischen Frage. 

Während Johann Friedrich von Hannover and der Administrator 
Ernst Angast von Osnabrück die von Frankreich angebotene Neu- 
tralität annahmen, jener sogar für Frankreich warb, Hessen Herzog Georg 
Wilhelm von Lüneburg-Celle und der Vetter dieser drei Brüder 
Herzog Radolf August von Braunschweig- Wolfenbüttel, beide' 
dem Karfürsten dnroh das Defensivbündnis vom 22. Angast 1667 verpflichtet, 
sich eine Allianz mit den Niederlanden vorschlagen. Im Janaar und Fe- 
bruar 1672 war der Braodenbnrgische Amtskammerpräsident Geheimer Rat 
Raban von Gans te in in Celle thätig; Mitte März kamen die beiden 
Herzoge von Celle und Wolfenbüttel zum Besuche nach Potsdam. Eine 
dann veranstaltete erste Conferenz zu Braunschweig am 81. März, welche 
die Niederländische Angelegenheit besprechen sollte, ging resnltatlos ans 
einander. Eine zweite zu Seesen am 3. Mai — zu beiden waren auch De- 
putirte der Landgräfin Hedwig Sophie von Hessen-Cassel, der 
Schwester des Kurfürsten, geladen, nnd anf beiden leitete Raban von Gan- 
stein die Verhandlangen') — brachte einen Tractat za Wege (stipalirt am 
7. Mai), dessea Ratificirang man aaf Veranlassang des Kf. eyistweilen an- 
stehen Hess*), der aber als die Ornndlage des späteren Brannschweiger 
Bündnisses geschichtlich bemerkenswert bleibt Die Unterzeichner sind 
neben den beiden bereits namhaft gemachten Brandenbnrgischen: von Hessi* 

Vgl. oben 8.45.83. Der Markgraf war inzwischen majorenn geworden; 
eine bestimmte Ordre mit ihm direkt zu verhandeln hatte Schwerin nicht gehabt 

*) Instruction für die Seesener Verhandlnng an v. Oanstein nnd Otto Frhrrn. 
V. Schwerin d. J. Dat Lehnin 15./25. April 1672. 

*) Schreiben d. d. Coelln a. Sp. U. Mai 1672. 



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VorverhandlangeD vor den Brumschweiger Confereozen. 239 

scher Seite Regner Badenbaosen and Caspar Friedrich vod Dal- 
wigk, TOD Wolfen bütteliscb er Fritz von Heimbnrg and Hermann 
Hoepfner, von Gellischer Johann Helwig Sinold gen. Schütz. 

Die Ratificimng des Seesener Vertrages ward somit znm eigentlichen 
Hanptthema der Yerhandlnngen. Allein gerade der ansehnlichste der in 
Frage kommenden Alliirten, Herzog Oeorg Wilhelm von Lüneburg- Celle, 
▼erstand sich zn keiner Resolution, wie der KnrfÜrst sie wünschte. Dieser 
hatte am 6. Mai die Allianz mit den Generalstaaten abgeschlossen; sein 
Abgesandter nach Celle, der Generalmajor Freiherr Gerhard Bern* 
hard von Pölnitz sollte nun f^mittelst Fürstellnng allerhand ihm be- 
kannter Motiven^ den Herzog veranlassen, dass er auch mit den General- 
Btaaten den Schlnss der Tractaten ohne fernere Verzögerung befördere, 
Qnd ihm über die Haltung der wolgesinnten Mächte in dieser Frage, 
namentlich des Kaisers und der Krone Dänemark, jeden Zweifel benehmen^. 
Ohne Erfolg. Auch eine fernere Verrichtung v. Cansteins im Juli zn 
Pyrmont, wo sich der Cellische Herzog im Bade befand, zu Arolsen, wo- 
selbst Graf Waldeck dieser Negotiation seine bewährte Beihilfe ange- 
deihen Hess, zu Cassel, wo eine Audienz bei der Landgräfin, zu Seesen, 
wo eine solche bei Herzog Rudolf August statt hatte — auch diese Ver- 
richtung erzielte durch die zaghafte Bedenklichkeit Georg Wilhelms keine 
bündige Erklärung der drei Fürsten über Truppenquantnm und Hinzutritt 
zn dem inzwischen abgeschlossenen') Kaiserlichen Bündnis. — Erst eine 
Gonferenz sollte diesmal ein positives Ergebnis bringen. Auf Betreiben 
des Kurfürsten wurde sie auf den 17. August nach Braunschweig anberaumt. 

Die Abgesandten zn den Verhandlungen sind: der Kaiserliche Frei-, 
herr Johann von Goes (Vollmacht d. d. Wien 13. August), der Dänische 
Christian Habbaeus, Resident im Ober- und Niedersächsischen und 
Westfälischen Kreise (Vollmacht d. d. Kopenhagen 5./15. August), der 
Cellische Johann Helwig Sinold gen. Schütz« Kanzler, und Georg 
Christoph von Hammerstein, Geheimer Rat und Grossvogt (Voll- 
macht d.d. Celle 8./18. August 1672), die Wolffenbüttelisehen Hermann 
Höpfner, Friedrich von Heimburg, Busso von Münchhansen, 
Kanzler und Geheime Räte (Vollmacht d. d. Blankenbnrg 7./17. August 
1672), die Casselischen Burkhard von Gär und Regner Badeo- 
b aasen, Geheime und Regiernngsräte, (Vollmacht d. d. Cassel 2./12. August). 

Die Gonferenz, welche durch die Teilnahme des Kaiserliehen und des 
Dänischen Gesandten ein besonderes Schwergewicht empfing, endete mit 
dem Bündnis vom 22. September, über dessen Zustandekommen die folgen- 
den Relationen Cansteins unterrichten. 

Zur Sache sei nochmals auf die oben (Einleitung S. 14) gemachte Be- 
merkung bezüglich der Köcher'schen Archiv-Publicationen verwiesen. 



>) lostrnction. Dat. Goelln a. Sp. 7./17. Mai 1672 and ein noch eingehen- 
deres Schreiben, Pölnits nachgesandt, vom 8./18. Mai. 
>) Am 28. Juni 



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240 f* Znr Vorgeaehichte des dentsch-franiöBisclieD Krieges. 1671. 1672. 

Der Korftirst an die Landgraefin Hedwig Sophie von Hessen- 
CasseL Dat Coelln a. Sp. 23. Juli 1672. 

[GoDferens %jx BranDschweig. Trappen eenclaog. Conjanction mit deo 

Kaiserlichen.] 

2. Aag. Kf. fordert zur AbseodoDg ihrer Rftte nach Braanschweig aof den 
7. Aagust aof. Aach bereits vor Ankonft des kaiserlichen nnd des dänischen 
Abgesandten könne das Werk begonnen werden. 

^Und wie Ew. Ld. hochvemiinftig von selbsten ermessen, wie die 
Sicherheit des Vaterlandes anf eilfertiger Anschaffung der Trappen berohet, 
so tragen Wir keinen Zweifel, Ew. Ld. dazu, Dero bekanntem hochrtthm- 
lichen Eifer für die gemeine Wolfahrt zufolge, dienliche Anstalt machen 
werden, worum Wir Dieselbe dann auch gleichfalls freandbrüderlich wollen 
ersnchet haben. — I. Kais. Maj. haben die Ihrige beordert, gegen den 
15./25. August in Eger zu sein, und Wir werden die Unsrige also marchiren 
lassen, dass sie sich wenig Tage hernach mit selbigen eonjnngiren können^. 



Herzog Georg Wilhelm von Lttnebarg-Celle an den Enr- 

fllrsten. Dat Celle 22. Juli 1672. Eigenhändig. 

1- Aug. Antwort aof ein Schreiben des Kurfürsten Tom 18ten, welches von der 
(zweiten) Sendung Anhalts nach Wien berichtete. — Der Herzog wird den 
(Frhrrn. von Ooes erwarten und von dessen Anbringen Mitteilong 
machen. — Mittlerweile wird der Französische En?oj4 Comte de la 
Yanguion^) beim Kf. eingetroffen sein; Tor einigen Tagen passirte er 
Hannover. 



Der Kurftirgt an den Herzog Georg Wilhelm von Lttnebarg- 
Celle. Dat Colin a. Sp. 23. Juli 1672. 

[Dänemark zum Beitritt in das Bündnis bereit. Kf. schlägt eine neue Gonferens 
▼or and drängt aof Beteilignng des Braansebweigisohen OeBamthaases.] 

2. Aug. Die Krone Dänemark hat sich seinem Gesandten, dem Freiherrn 
von Blnmenthal, gegenüber bereit erklärt, iü das Bündnis mit dem 
Kaiser und Knrbrandenburg einzutreten; es möge, und zwar im Beisein 
eines dänischen Abgesandten, auch mit Celle abgeschlossen werden. Zo 
diesem Zweck bringt Kf., ohne vorzugreifen, eine Gonferenz zu Braan- 
schweig, etwa am 6. oder 7. August, in Vorschlag. Wenn blos der Dä- 
nische Deputirte erscheint, so kann man dennoch za tractiren beginnen, 

1} Gben S. 88. 



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CaoBteiDB tostractioD nach Braunschweig. 241 

denn des Kaisers Willensmeinang ist hinreicbeDd bekannt. — Des Herzogs 
Brüder nid Vettern sollen das Werk mit angreifen. — Der Herzog mag 
sich mit seiner Mannschaft zur Conjnnction gefasst halten. (Aehnlich an 
Wolfenbüttel. Hinsichtlich der Conferenz zustimmende Antworten.) 



Instruction womit der Geheime Rath Raban von Canstein zu 
der in Brannschweig veranlasseten Zuftammenkanft abge- 
fertiget« Dat. Coelln a. Sp. 3. Angust 1672. Conc. v. Somnitz. 

[Kventaalreise nach Celle. Beginn der VerhandluDgeD anch ohne den Kaiser- 
lichen nnd den Dänischen Gesandten. Zweck dieses Tractats ist Assisteoz der 
Vereinigten Niederlande. Quantam der Volker. Artillerie. Oommando. — Wie 
die Gegenpartei zu hindern. Einzelne Massregeln.] 

Der Gesandte soll sich so einrichten, dass er, wie es bestimmt ist, am 13. Aug. 
7. Angnst zu Brannschweig eintrifft. Wenn er dort Niemand von den Mi- 
nistern findet, soll er in Celle mit dem Herzog verhandeln. 

Für den Beginn der Tractaten braucht die Ankunft des Kaiserlichen 
oder Dänischen Gesandten nicht abgewartet zu werden. ^Das Werk ist 
nicht anszustellen, damit bei Anknnft derselben der Schluss desto eher er- 
folgen möge.^ 

^Das Hauptwerk belangend hat Unser Abgesandter sich anfangs auf 
dasjenige zu beziehen, was er bei den Fürstl. Häusern Braunschweig, 
dann auch Unserer Frau Schwester Ld. zu Pyrmont, Seesen und Cassel 
im Ausgange des jüngst abgewichenen Juni und Anfang des Juli propo- 
niret und fürgestellet ^), auch was ihm dem gemeinen Wesen zum Besten 
darauf der Zeit, absonderlich zu Pyrmont, geantwortet worden. Und weil 
damals und nachgehends nöthig befunden, dass yorhochbem. Häuser unter 
einander, auch Celle mit Hannover und Osnabrück, sich vernehmen, und 
darauf eine fernere Unterredung angestellet würde, dieselbe Communication 
auch jüngsthin zu Holzhansen geschehen, als hat er anzuzeigen, dass Wir 
Uns nunmehro der wirklichen Beitretung dem damaligen Versprechen nach 
unfehlbar versehen ; ihn auch, selbige und was sonsten noch bei der Sachen 
zn thun, ferner zu befördern, dahin abgesandt. 

Die vorige Erklärung ist dahin gangen: 

1. Dass man eine Zusammensetzung zu Maintenirung des Friedens 
im Reich allerseits nöthig achtete. 

2. Dass man bei dem mit Ihr. Kais. M. aufgerichteten Bündnis nichts 
Sonderliches zu erinnern fünde, nur dass der Punct, wohin nämlich das- 
selbe eigentlich angesehen und welches der Zweck desselben eigentlich sein 
sollte, etwas deutlicher, eztensins und also müsste gesetzet werden, damit 
Niemand dadurch offendiret würde. 



Oben S. 239. Diese Instruction Cansteins recapitnlirt am besten die 
bisherigen Y erhandlangen. Darum in wörtlicher Wiedergabe. 

Uater. >. Gescb. d. 0. Korfurateu. XIII. 16 



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242 I* Zur Yorgeschichte des dentsoh-fraozösischeD Krieges. 1671. 1672. 

3. DasB wegen der Anzahl der Völker, 

4. der Artillerie, 

5. des Commando was Gewisses zu schliessen wäre. 

Das erste und andere belangend ist bekannt, wie die Handlangen bis 
hieher dabin gerichtet worden, dass man 

1. den Frieden im Römischen Reiche mainteniren und zu solchem 
Ende 2. was in demselben wider das Instrumentnm pacis fürgenoromen ab- 
thnn, Denjenigen, so dawider vergewaltiget, assistiren, bis sie zn dem Ihrigen 
and rechtmässiger Satisfaction gelanget, 3. auch weil die Sicherheit des 
Rom. Reiches einen grossen Stoss leiden würde, wann die Vereinigta 
Niederlande von Frankreich gänzlich snbjogiret würden, denenselben sogat 
möglich Hilfe geleistet werden möchte. 

Die ersten beiden Scopos und Absehen, worauf das Foedus zn richten, 
belangend, so halten Wir dafür, dass in dem mit Ihr. Kais. 3f . jüngsthin 
aufgerichteten Bündnis Art. 3 dieselbe zur Genüge exprimiret, worauf denn 
anch Unser Abgesandter allerdings zu bestehen und zuvorderst dahin za 
sehen hat, dass die Worte des besagten Articuls: sed si quid contra fac- 
tum fuerit nee amicabilis dehortatio locum invenerif, armis mutnis pacis tur- 
batores . . . ungeändert bestehen bleiben, auf welchen Fall es dann auch 
des Disputs wegen Unserer Clevischen Lande Reception ins Bündnis nicht 
bedarf und, was deswegen moviret werden möchte, nach* diesem Articnlo 
zu richten. Wir wollen hoffen, es werden die Anwesende hiernnter keine 
Schwierigkeit machen, sondern Ihr. Kais. M. sich fugen, allermassen sonsten 
unstreitig, dass das Instr. pac. nicht maintenirt werden könne, wann die 
dawider fürgenommene Gontraventiones nicht abgethan werden sollten. Die 
Niederlande und deren Succurs belangend, ist bekannt, wie deroselben 
Conservation dem Evangelischen Wesen, der allgemeinen Ruhe und des 
Rom. Reichs Sicherheit importire, und wäre daher zn wünschen, dass auch 
deswegen bei jetziger Versammlung was Gewisses möchte verabredet wer- 
den, auf welchen Fall Unser Abgesandter sich nach demjenigen zu richten, 
so er für diesem in instructionibns gehabt. Wann aber wegen der vorhin 
ins Mittel gekommenen Considerationen nochmalen für gut befunden werden 
möchte, davon noch zur Zeit in diesem Foedere zu abstrahiren und den 
Punct Bu weiterer Ueberlegung auszusetzen, müssten Wir es endlich anch 
dahin gestellet sein lassen, und ist das Werk doch also fQrznstellen und su 
reooromandiren, wie desselben Notwendigkeit es erfordert und dass man es 
gar nicht aus Augen oder Gonsideration lassen möge. 

3. Das Quantum der Völker belangend zeiget der mit Ihr. Kais. M. 
getroffene Vergleich, was Dieselbe zu schicken gnädigst resolviret, wie aach 
zu was für einer Anzahl Wir Uns anheischig gemachet, worauf Wir nicht 
zweifeln, dass die Königl. Würde in Dänemark wie auch die fürstlichen 
Häuser reflectiren und in Ansehung der Gefahr und des Werkes Wichtig- 
keit dero wolbekannten £ifer nach für die allgemeine Wolfahrt und Sicher- 
heit sich also erklären werden, dass derselbe daraus zur Genüge wird cu 
spüren sein. Und um so viel weniger wird es nötig sein, hierüber zu con- 



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Cansteins lostraotion nach BrauDscbweig. 243 

testiren. Es haben Herzog Georg Wilhelmen zn Braonschweig Ld. 
Sich juagsthin vernehmen lassen, dass, wann sie von den vereinigten Nieder- 
landen keine Subsidia erlangten, Ihre Hilfe über vier oder fünf tausend 
Mann sich nicht erstrecken könnte, welches etwa den dritten Teil machen 
möchte dessen, so Wir für Uns selbst an Völkern ohne Staatiscbe Subsidia 
auf die Beine und zn der gemeinen Sache Diensten zu bringen entschlossen; 
versehen Uns also, dass Ihr. Ld. die fünftausend Mann liefern, und die 
Königliche und andere Fürstliche H&user auch das Ihrige nach Proportion 
thnn werden. Wobei zu bedingen, dass wann vermittelst zweierlei Bünd- 
nissen Völker zu steilen die Confoederirte sich anheischig gemachet, die- 
selbe einer von dem andern mehr nichts erfordern wollen, als was in diesem 
Foedere ratione quanti enthalten. Auch ist zu erinnern, dass weil der Zu- 
stand ein mehres an Völkern erfordern möchte, ein jeder von den AUiirten 
auf fernere Znwerbung und solchen Zuschub an Völkern bedacht sein 
müsste als die Occurrentien nach und nach erheischen möchten. Zuvorderst 
ist zu erinnern, dass dasjenige an Völkern, so in Foedere versprochen wird, 
dergestalt parat sein möge, dass man sich dessen erheischender Nothdurft 
nach sofort also gebrauchen könne, wie es von den AUiirten insgesamt oder 
im Kriegsrathe wird gut gefunden werden. 

4. Die Artillerie belangend ist dieselbe nach der Anzahl der Völker 
zn proportioniren, und kann man sich, nachdem die Kriegsoperationes an- 
zustellen sein möchten, deswegen ferner vergleichen, allermassen die schwere 
Stücke, so etwa erfordert werden möchten, von denen NächstgoJegenen au 
den Oertern, da man sie bedürfen möchte, am besten angeschaffet, und die 
Munition zu einem grossen Fürnehmen billig von allen Theilen proportiona- 
biliter zu suppeditiren. 

5. Das Commando belangend ist Uns nicht bekannt, wer von den 
AUiirten bei der Armee zu seio resolviren möchle, und werden die Kriegs- 
operationes es geben, ob nnd wieweit man mit den Völkern beisammen 
stehen oder absonderliche Corpora machen könne. Sonsten ist bekannt, 
wie Wir fürdem das Obercommando über die Kaiserliche, auch Polnische 
mit den Unsrigen conjungirte Völker gefübret, wobei es auch für dieses 
Mal nach dem mit Ihr. Kais. M. getroffenen Vergleich gelassen. Die Juris- 
diction behält ein jeder Herr oder dessen General über seine Truppen; in 
Kriegsactiones, so von Importanz, wird nichts ohne gemeinen Rath gethan. 
Sollten die Königl. Würde in Dänemark bei der Armee, auch eine oder an- 
dre von denen Fürstl. Personen sich befinden, geschehe Deroselbeu billig 
der gehörige Respect und wollen Wir mit den übrigen fürstlichen Personen 
Uns also begehen, dass sie nicht Ursach haben sollen, sich zu beschweren, 
wie Wir auch von ihnen keine andre als gebührliche Bezeigung hierunter 
vermuthen. — Im übrigen woher der Armee Subsistenz zu nehmen? wie 
und an welchem Orte dieselbe agiren soUe? solche und dergleichen Puncta, 
wie sie allerdings in diesem Foedere nicht determinirt werden können, so 
werden [sie] dieselbe ad consilinm bellicum billig ausgesetzet, und solches 
ist in dem Foedere, wie obgesetzt, zu erwähnen, und was die Verpflegung 

16* 



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244 1- Zur Vorgeschichte des deutsch-fraDeosischen Krieges. 1671. 1672. 

belanget, zo setzen, dass gleiche Sorge für alle Allürie Trappen getragen 
und aller insgesamt ohne unterschied Conservation beobachtet werden solle. 

Die übrigen Pnncta, so etwa ins Foedns zu bringen, werden in denen 
mit Ihr. Kais. M. anfgerichteten Articnlis zn finden sein, and ist also an* 
Döthig, dieselbe anhero za wiederholen, nnd kann man sich der Billigkeit 
nach darüber ferner vergleichen. Weil man aber an Fürstl. Brannschwei- 
gischer Seiten über dem Articalo circa religionem, so in dem Foedere mit 
Ihrer Kais M. enthalten, darin die Conservation der Katholischen Stifter 
bedangen wird, Considerationes gemachet, so stellen Wir dahin, ob man an 
Evangelischer Seiten dergleichen gegen Gantion gebranchen wolle, auf 
welchen Fall man es nar auf das Instr. pac. und statum illam qni ante hos 
motns fhit zo nehmen nnd dabei zn lassen; und ist hiebei dahin £a sehen« 
dass man nichts Unnöthiges movire, damit nicht anfangs das Vertrauen ge- 
störet werde. Würde man Nachricht begehren von demjenigen, so mit Sachsen 
wegen der Beitretnng, item mit dem Französischen alhie anwesenden 
E nvoy 6, . mit dem Spanischen Abgesandten, dem Baron de Bergeick'} 
fürgangen, hat er sich auf dasjenige za berufen, so Wir schon dorthin com- 
maniciret; er kann sich auch ex actis alhier informiren, davon nach be- 
schlossener Zusammensetzung vertrauliche Communication zu than. 

Welchergestalt die Gegenpartei, so etwa (wie berichtet wird) von Göln, 
Baiern, Münster, Neuburg solle formiret werden, zu stören und was 
deswegen Ihrer Kais. M. an die Hand zu geben, denen Alliirten aber insge- 
samt zu thun sei, solches ist auch nach beschehener Conföderation fleissig 
zu überlegen, wie auch imgleichen, was des Herrn Administratoris wie 
auch des Herzogen zu Meklenburg^ Werbungen halber fürzunehmen. 

Wegen Conservation der Stadt Göln hat er mit Braunschweig- 
Celle und Hessen-Gassel anderweit sich vertraulich zu vernehmen, ob nicht 
sein könnte, dass wann die besagte Stadt Völker einnehmen wollte (weswegen 
der Kaiserliche Resident daselbst Marquis de Orana Nachricht geben wird, 
so Wir stündlich erwarten) I. I. Ld. Ld. auf Kaiserlich Ansinnen etwa 
tausend Mann hineinwerfen wollten, wobei er den Zustand nnd Zerrüttung 
des Westphälischen Kreises, nachdem Münster und Nenburg das Condirec- 
torium haben, und Wir dahero für der Hand keine zuträgliche Resolution 
zu gewarten, repräsentiren wird. 

Mit den Hessischen hat er auch zo reden, dass Chur-Trier zu desto 
besserer Defension ihrer auf dem Rhein nnd der Mosel situirten 
Festungen verlangen, dass sie von Unsrer Frau Schwester Ld. zumalen 
im schleunigen Notfall einige Völker habhaft werden möchten; er hat die 
Abgesandten zu ersuchen, solches an Ihr. Ld. also zu bringen, dass Wir 



Mit Bergeick warden am 2. und 3. Aagast zu Berlin Gooferenzen gehal- 
ten. Unter dem 4. Aagast meldet Kf. an die Landgrafin, dass sich derselbe 
aach nach Gassel begeben werde. Vgl. oben S. 88. — Ueber Vaagaion ebd. 

^ Herzog Christian Loais, der bekannte Parteigänger Ludwigs XIV. 
00 d Converti^. 



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Die Brannschweiger Confereozen. 245 

Bchleonige Antwort haben köonteD, wobei doch zo erinnern; dass das Werk 
in geheim zn halten wegen wolbekannter Ursachen. 

Wann der Holländische Enyoy^ annoch za Celle, hat er mit ihm, 
wie vorhin, dahin zn reden, dass Ihrer Ld. möchte Satisfaction gegeben wer- 
den; die hierzn nötige Vollmacht wird Unser Abgesandter hiebei empfangen 
Wegen der Beichs- und Ereisyerfassnngen, und wie dieselben zu befördern, 
hat er sich wie vorhin zu erklären. Auch kann er nach beschehenem 
Schlosse mit den AUiirten überlegen, weil Ihr. Kais. M. entschlossen nach 
Frankreich zn schicken, ob sie eine gemeine Sendung von Seiten aller AUi- 
irten zn thnn rathsam befunden.^ * 

Mit Herzog Qeorg Wilhelm hat der Abgesandte za überlegen, ob er 
nach Hannover oder Osnabrück zu reisen habe. Wenn der Herzog es gut 
findet; so hat er an den beiden genannten Höfen ebenfalls auf die Gefahr 
hinzuweisen 9 die ihren Landen droht, wenn sie sich „der gemeinen 
Assistenz^ entziehen würden. 



Creditife und Vollmachten von dems. Datum' wie die Instmetion. 



V. Canstein. Relation'). Dat. Brannschweig 10. August 1672. 20. Ang. 
Am 7. spät eingetroffen. Die Wolfenbüttelischen Abgeordneten sind 
hier, die Cellischen werden jeden Augenblick erwartet. Von Däne- 
mark hört man noch nichts. Wegen des Kaiserlichen ist lebhafte 
Nachfrage erlassen. — Der Spanisch-Niederländische Gesandte von Ber- 
geick war hier schwer erkrankt, befindet sich jedoch auf dem Wege der 
Bessemng. Gespräche v. Cansteins mit ihm über Snbsidien der Oeneral- 
staaten an die Beitreter zum Bunde. Desgleichen mit Brasser*). Dieser 
aber „will von nichts wissen, erkennt swar wol, dass ein Stück Geldes hier 
nothwendig von den Holländischen angewendet werden müsse, saget auch, 
er habe es zum öfteren an seine Principalen berichtet, beklaget aber die 
Unvermögenheit, und dass er zum wenigsten keine Antwort empfanget; es 
hilft auch nichts, wenn ich ihm schon zeige die Nothwendigkeit von diesem, 
und dass der Staat die ostindische Schiffe einbekommen, auch nicht nöthig 
hätte, an Schweden was zu geben, sondern dass solches Geld bei Däne- 
mark, Ew. Ch. D., Chur-Sachsen und Braunschweig wol nützlicher ange- 
leget werden könnte. So kann er zwar solches nicht widersprechen, wieder- 
holet aber sein Voriges, will auch von obbem. Staaten Resolution nichts 
wissen, doch muss man sehen und werde ich äusserst dahin arbeiten, dass 
man die Tractaten mit Holland und den Braunschweigischen beibehält,^ 
Das Zurückbleiben der Braunschweigischen Häuser würde das Werk alte- 
riren.... „Es giebt mir die Sache nicht wenig Nachdenken, dass die 

Die Bei. sämtlich nur in Coocepten des Geheimsecretärs Nenhaus vor- 
handen. 

*) Christ Dietrich Brasser, Abgesandter der Generalstaaten. 



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246 I* Zor Vorgeschichte des deatsch-französiBchen Krieges. 1671. 1672. 

BraunschwelgiBchen Herren, seitdem dass sie von der Kaiserlichen 
Allianz berichtet worden, Werbungen angestellet, dazu sie sich sonsten bis- 
hero Dicht resoWiren wollen. Ich habe auch soviel wol Nachricht, dass sie 
unter sich einen Schlots gemacht, 15 000 M. zusammenzubringen, mit welchen 
sie sich an die Weser setzen und dem Werk etwas zusehen wollen : summa 
und vermeinen sie, dass sie einen Rücken an Dänemark haben und auch 
wol von Schweden erlangen können (und dahin ist auch von Anfang ihr 
Absehen gerichtet gewesen, wie ich öfters berichtet); es sind zwar die von 
Celle und Hannover mit einander etwas uneinig wegen des Gommando der 
Officirer worden, doch continuiren sie ihre Werbungen, mit welchen es 
dann billig, wie ich fürchte, hier heissen muss: wer nicht mit mir ist, der 
ist gegen mir. Zum wenigsten ist die Sache so beschalTen, dass man 
darauf reflectiren muss.^ 

Die Fragen dar anwesenden Braunschweigischen Deputirten 
hat C. zunächst per generalia beantwortet: wie der Marsch der Kurbran- 
denburgischen und Kaiserlichen Trappen gehen werde? was man bei so 
später Zeit des Jahres thun wollte? woher der Proviant zu nehmen? was 
man nach der Gonjunction anfangen wollte? 

Während er seinen Bericht abgefasst, sind die Cellischen Gesandten 
eingetroffen, der Kanzler und der Grossvogt'). Nach ihrer Meinung 
würde der Dänische Habbaeus heute oder morgen hier sein; ferner müsse 
man die Ankunft der Hessischen abwarten, ehe „etwas Endliches vor* 
genommen werden könnte^. Die Cellischen Gesandten kommen immer 
wieder darauf zurück, „dass man zwar wol sich zu der Beitretung allerseits 
bequemen möchte, wann man nur in terminis defensionis bliebe, nicht aber 
etwas mit Frankreich, Cöln oder Münster anfinge, denn das apprehendirten 
die Anderen gar zu sehr und vermeineten, solches könne anders nicht als 
unanimi consensu Statuum Imperii geschehen. Mainz hätte cum communi- 
catione des GraveFscben Memorials') nachdenkliche Vorträge zu Regensburg 
thun lassen; imgleichen wäre von Chur-Cöln Erinnerung und dabei ange- 
henkte Bedräunng verschiedenlich einkommen, und vermeineten die Anderen, 
mau würde hiermit ein Ursach sein, dass der Krieg in das Reich sich zöge. 
Sie blieben aber der Meinung, man müsse dennoch hier nicht unverrichtet 
von einander gehen.^ C. widerlegt diese Bedenken. Der Kurfürst hätte 
noch bisher „sein grösseres Absehen auf I. D. zu Celle gerichtet, und 
dahero könnte ich in dem hergebrachten Vertrauen wol eröffnen, dass die 
Zusammensetzung mit L Maj. zugleich auf die Assistenz vor Holland zielete, 
wie dann I. D. zn Celle selber allerwege für sehr nöthig gehalten, den 
Holländischen Staat nicht ganz zu verlassen, und nur urgiret, dass Mäch- 
tigere, sonderlich aber der Kaiser, Spanien und Dänemark mit beitreten 
möchten. Der Kaiser thäte es. Dänemark giebt dazu Hoffnung, möchte 
also wissen, was I. D. nunmehro gesinnet wären, bei dem Werk zu thun, 



Schätz und Hammerstein. Oben 8.239. 
^ S. unten Einleitung II. 



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Die BrauDsehweiger Conferenseo. 247 

sonderlich wann Alle gar nicht wollten sich bewegen lassen, oder alles nnr 
so restringirten, dass in effectn nichts davon za hoffen w&re.^ Die Celli- 
Bchen dringen anf Beitritt D&nemärks, auf die Geneigtheit der Oeneral- 
ataaten znr Snbsidienzahlnng. Es ist daher durchaus nötig, meint Ganstein 
ond legt es dem Kurfürsten ans Herz, ,,dass Holland sich angreife*'. „Es 
moss Geld da sein, und das schleunig, oder es ist alles yergeblich.^ Wenn 
sich die Deputirten nicht zu etwas Positivem entschliessen, so wird alles 
auf den Kaiser, Spanien, Brandenburg und Holland ankommen, „dazu 
Dänemark und Gelle endlich mit beitreten möchten, woferne Holland sich 
gegen sie fügete^. 

Dabei müsse Ef. allerdiogs sein Auge auf die Actionen der Braun- 
schweigischen Herren richten, „weil sie zu ihrer Defension sich 2U8ammen-> 
setzen und einige , Völker zusammenziehen werden; glaube auch, dass die 
Herzoge zusammen leicht}ich ohne Dänemark 8 oder 10000 M. zusammen- 
bringen werden^. 

Eine Reise nach HaonoTcr wird ihm von den Cellisohen Abgeordneten 
von vornherein als erfolglos widerraten: der Herzog habe seinen Beitritt 
„ganz und gar reftisiret^. 



Relation. Dat. Braun schweig 15. August 1672. Habbaeu8 26. Aug. 
ist am letzten Sonntag eingetroffen. Montag den 12. ist man dann zu den 
Deliberationen geschritten. Vorher jedoch hat der Dänische an ihn das 
etwas befremdende Ersuchen gerichtet: C. „möchte seine Proposition in ge- 
linden Terminis, und die nicht choquant wären, ablegen, welches ohn das 
von mir würde geschehen sein^. Das geschieht. Die Proposition wird von 
Allen in generahbus beantwortet; die Notwendigkeit der Zusammensetzung 
von Allen anerkannt. 

Nun zu den Einzelpunkten. 

Die Deputirten halten den Tenor des Bünduisses anfänglich nur für 
ein Project, wobei sie scrupuliren, warum es lateinisch abgefasst sei, da 
das Werk doch nur zwischen Deutschen verhaudeit werde. G. bedeutet sie, 
dass es auch Spanien und Holland angienge. 

Der 2te Artikel, „darinnen von der Büodnis ao. 1668 und 1666 mit 
I. Kais. M. geredet wird, sei auszulassen, imgleichen der 4t e wegen des 
Spanischen Mitein nehmung, und solches bis auf sonderbare Handlung aus- 
austeilen, doch wollte man Spanien hierdurch keine Ezclusivam geben. 
Fernerebenfalls der 5te, da von der Onarautie des Olivischen, Glevischen, 
Pjrenäischen, Aachischen Friedens geredet wird, auszulassen^; mit Zu- 
sicherung der nöthigen Erweisung jedoch, im Falle der Noth. „Ferner wäre 
auszulassen der 9t e, welcher redet von der Kaiserlichen Bündnis mit 
einigen Ghur- und Fürsten, dann ohne dessen in diesem Bündnis würde 
sonderbar sich verglichen werden, wer ferner in dieses Foedus mit einzu- 
nehmen. Bei dem Uten de duratiooe hnius foederis hat man es allerseits 
anf 8 Jahre vorerst genommen .... Wegen des 6t en die Stadt Göln be^ 



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248 I- Zur VorgeBchiohte des dentBch-frsDBöaifioheii Krieges. 1671. 1673. 

treffend hat man allerseits erkannt, dass dem Reiche nnd sonderlich diesem 
Kreise höchst daran gelegen, dass solche in ihrem itzigen Znstand erhalten 
würde. Brannschweig-Celle ist anch erbötig, wann Sie von Ihrer Kais. 
M. ersnchet werden, anch bei Cöln der Einnehmnng halber versichert sein, 
Ihre Völker dahin mitzuschicken. Dänemark entschuldiget sich defectn 
mandati, Wolfenbüttel aber kann und Hessen will nichts dabei thno. 
Bei dem 7ten nnd 8ten, betreffend die Particularien, ist von Gelle vor« 
erst nnr zwei Pnncta moviret worden, als den ersten, wer in dieser Bünd- 
nis mitznnehmen, zum zweiten das Qnantnm, so ein Jeder der Gonfoede- 
rirten an Mannschaft bestellen soll.^ Sie halten dafür, dass man sich erst 
bemühe, Knrsachsen, Hannover, Osnabrück, Hessen-Darmstadt, von den 
Katholischen Mainz nnd Trier herbeizuziehen . . . wie von Allen gut be- 
funden. „Schwedens aber habe ich in specie nicht gedenken wollen, wegen 
Dänemark, nnd auch weil man nicht weiss, was man an ihnen hat. Das 
Quantum betreffend, habe ich gezeiget, dass zwar Ew. Gh. D. anitzo eine 
Armee von 20 bis 24 000 M. zusammen hätten, Ew. Gh. D. aber wollten 
nnr hier in diesem Foedere 12 000 M. setzen, I. Kais. M. aber hätten Sich 
zu 15 000 vorerst erkläret. Ich wollte also hoffen, es würde ein Jeder nach 
dieser Proportion nnd nach der Beschaffenheit der Gefahr sich auch za- 
reichend erklären.^ Dass sich der Dänische mit Mangel Befehls entschul- 
digt, ist doch höchst wunderlich. Gelle erklärt sich zu 2000 z. F., 1000 
z. Pf.; Wolfenbüttel zu 1000 z. F., 50O z. Pf.; Hessen zu 800 z. F., 400 
z. Ff.; „und haben dabei auf Jedes Unvermögen und habende Besatzung 
ihrer festen Plätze sich bezogen^. Wird jedoch von Ganstein als nicht zu- 
reichend von der Hand gewiesen, desgleichen die Entschuldigung der Gar- 
nisonen. 

Der Dänische nimmt Anstoss an dem Wortlaut des §3: turbatores 
pacis mutuis armis ad debitam satisfactionem compelli. Einen anderen 
Aufsatz dafür anzufertigen lehnt Ganstein ab: das Bündnis habe die Gon- 
servation des Friedens zum Fundament, es ergebe sich daher von selbst^ 
„dass alle dagegen geschehene Gontraventiones müssen abgestellet wer- 
den^. Es ist verwunderlich, wie Dänemark sich so „schwer nnd widrig in 
dieser Sache allenthalben erweist^. „Vielleicht kann es auch wol sein, dass 
andere die Pfeile füttern und er sie nur verschiesst .... Dieses aber ist doch 
zu verwundern, dass er erstlich mich ermahnete, gelinder zu gehen, er auf 
kein Quantum instruiret und zum dritten dass ich sicher weiss, wie er hier 
suchet, die Andern zu persuadiren, dass Spanien nicht brechen werde, 
worauf doch alhier viel mit gesehen wird.^ 

Dies der summarische Verlauf der bisherigen Verhandlung. Ans einer 
aparten Unterredung mit den Gellisohen Deputirten, auf deren Votum 
doch das Meiste ankommt, erfährt G.: „dass Brasser mehr nicht als die 
Werbegelder angeboten, aber anstatt 12 000 Mann, darauf es anfänglich 
I.D. gestellet, itzo nur auf 6000 M. sich erkläret, von Subsidien aber nichts 
als schriftliche weitläuftige Versicherung angeboten; nichts desto weniger 
hätten I, D. Sich erkläret, wann Ihr erstlich auf 10000 Mann itzo die 



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Die Brannschweiger Conferenzen. 249 

Werbegelder gezahlet, hernach vors andere aaf 2 Monat die Subeidien vor- 
aus itzo gereichet würden, so wollten alsdann I. D. Sich mit der angebotenen 
schriftlichen Versicherung vergnügen lassen, und dieses wäre Ihr Ultimum.^ 

Darauf hätte sich Brasser zu nichts erklärt, vielmehr zu erkennen 
gegeben, „als wann er zweifelte, dass der Staat hierzu ßich verstehen würde^. 
Es läge also nicht an dem Willen der Cellischen, sondern an den General- 
Staaten. Auch „gegen Dänemark hätte sich Holland bis jetzt nicht an- 
schicken wollen^. „Wann sie nur einige Tonnen Goldes an beiden Oertern 
anwenden wollten, daran es ihnen dann nicht mangeln könnte und sie ja 
die Subsidien hätten den Schweden angeboten, die nun zurückblieben, so 
könnten sie von Dänemark und Braunschweig (denn Hannover schon mit 
sollte) zum wenigsten eine Armee von 24 000 M. erlangen . . .^ Sie meinen 
übrigens, man müsse sich mit dem Abschluss der Verhandlungen nicht 
übereilen, zumal der Dänische Deputirte „mit Erholung weiteren Befehls 
das Werk selbst wol removiren würde.^ 

Herzog Georg Wilhelm ist gestern in der Nähe der Stadt gewesen 
ond hat die Räte zu sich beschieden. Was die Cellischen vorgebracht 
haben, ist also unstreitig als des Herzogs persönliche Meinung anzusehen. 
— Der Spanische Gesandte^) hält dafür, dass wenn „sich Holland 
gegen Dänemark und Celle nicht anschicke^, dann „bei beiden Theilen für 
ihn nichts zu thun sein würde^. Ef. möge dies bei den Generalstaaten be- 
fürworten, aber nicht — so schlägt Canstein vor — das Bündnis von der 
Nebenhflfe dieser beiden abhängig machen, sondern „es muss das Werk 
blos auf nachdrückliche Zusammensetzung I. Kais. M., Spanien, Ew. Ch. 
D. und Holland genommen und gestellet, auch darin mit änssersten Kräften 
und nicht ä demy gethan und die Sache angegriffen werden; dann nicht 
nur (wie man hier dafürhält) man eine ziemliche Force gegen sich finden, 
sondern Frankreich das Aeusserste daran setzen werde, sich bei seinen Con- 
questen zu erhalten*^. 

Erwartet des Kf. Befehl: „wann ich etwan ein Mehres nicht bei hie- 
sigem Convent erhalten und dahin richten könnte, dass sie pure zur 
Assistenz Ew. Ch. D. sich erkläreten, sondern solches nur auf die Märkisch- 
Ravensbergisch-Mindische und andere Lande, diesseit der Weser gelegen, 
restringiren wollten, ob ich dann länger hie subsistiren oder die Sache so 
etwas hinhalten und traisniren sollte.^ — Ob er sich, wenn Kf. ins Halber- 
städtische käme, per Post zu ihm begeben solle? Das Ausbleiben des 
Baron von Goes nimmt sich nicht gut aus. Vom Kaiserlichen Hofe auch 
„gar keine geringste Anzeigungen''. * 

P. S. Man meint hier, Kf. werde nicht lange im Halberstädischen 
stehen bleiben, aber noch auch keine Hostilitäten, sonderlich im Hildes- 
beimischen, vornehmen. Trotzdem bitten der Grossvogt v. Haamerstein 
und der Marschall v. Hazthausen um Sanvegarden für ihre daselbst be- 
legenen Güter. 



Bergeick. Oben S. 244 Aom. 1. 



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250 I- 2ar Vorgeschichte des dentflch-fraDBÖBi sehen Krieges. 1671. 1672. 

Des Ef. Befehlschreiben ▼. 9. Aogust erhalten, aber nicht die Beilage, 
anf welche sich das Schreiben bezieht'). 



27. Aag. Relation. Dat. Braunschweig 17. Aagnst 1672. Ergebnislose 
Beratungen bisher. ,,Man kommt zwar zum Ende, aber in effectn ohne 
Ende/' Auf des Kf. Bescript d. d. Ziesar 14. August 1672 hat Canstein 
„die staatische Erbietnng gegen die Braun seh weigischen'' den Delegirten 
mitgeteilt. Solches ist ihnen willkommen gewesen. Brasser ist zwar 
von den Bundesbehörden noch nicht beordert, wird aber seine Rückreise 
danach richten. — Zu melden wäre noch, „dass Dänemark in seinen Votis 
verschiedentlich angeführet, dass dieses Foedus nicht müsste auf das, was 
etwan in ein und anderem gegen das Instrumeutum Facis geschehen, ge- 
zogen, sondern nur auf die zukünftige Begebenheiten restringiret werden*'. 
Sowol auf dies wie auf das, was man Tags darauf gesagt hat: „wie man 
von den Ländern, welche in dieses Foedus kommen sollen, geredet, ist der 
Cellische darauf kommen, dass man der Länder halber auch dieses in Acht 
nehmen müsse was gestern wegen der Zeit (worauf dieses Foedus gemeinet 
sein sollte) angerühret, welches beiderseits nichts anderes nach sich führte 
als die ezclusio der Glevischen Plätze'' — erwidert G. ablehnend. (Zeugnis 
zwei Noten, die jedoch nicht beiliegen.) 



Zwischen dieser und der nächsten Relation ist Canstein in Halberstadt 
beim Kurfürsten. 



2. Sept. Relation. Dat. Braunschweig 23. August 1672. Isf früh zu- 
rückgekehrt. — Die Hauptpunkte können noch nicht endgiltig festgestellt 
werden, da die Resolution vom Dänischen Hofe abgewartet werden muss, 
welche unter 10 Tagen nicht eintreffen kann. — Die Gellischen lassen etwas 
nach Yon ihren Forderungen, wollen die Werbegelder für nur 5000 Mann 
und werden sich vielleicht, „wenn sie bald baar Geld sehen", zunächst mit 
den Subsidien für zwei oder gar für einen Monat begnügen. Sie klagen, 
„dass der Staat sich so difficil erweist; wäre er, wie sie vorgeben, ßo ener- 
viret, dass er es nicht thnn [zahlen] könnte, so wäre er auch in solchem 
Stande, dass ihm gar nicht mehr zu helfen stünde, müsste also ein Jeder 
sehen, wie man sich weiter salvirete". Es scheint, „dass sie auf eine dritte 
Partei sehen, und dürfte dazu nebst Dänemark auch wol Schweden 
mitkommen, und auch wol Münster sich dazu verfügen; (an Sachsen aber 
zweifelten sie gar nicht), und dergleichen mehr, welche nur die gemeine 
Ruhe und Frieden im Reich ohne einige Einmischung in denen Dingen, was 
bishero vorgangen, suchen^^ Wenn doch Holland 3 oder 4 Tonnen Goldes 



1) Es war die Antwort des Kf. auf Christoph v. Brandts letzte Stockholmer 
Relation (s. die Verhaodlnngen mit Schweden im nächsten Bande). 



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Die Braunschweiger Gonferenzen. 251 

nicht ansehen wollte. Bedanera darüber, dass es nicht geschieht. — In den 
Gonferenzen keine besonderen Resultate hinsichtlieh der Hauptpunkte. Eine 
Instruction für den Kriegsrat soll aufgesetzt werden. Debatten über Ver- 
pflegungswesen, Verteilung der ,,Oefangenen von Gonsideration^' u. a. m. — 
Einige Sonderwünsche des Dänischen werden zurückgewiesen. 



Relation. Dat. Brannschweig 80. August 16*72. Die Entrevue 9. Sept. 
zwiächen dem Kurfürsten und dem Herzog Georg Wilhelm, von welcher 
des Kf. Rescript d. d. Halberstadt 26. August spricht, ist nun, wie v. Can- 
stein erfahrt, vor sich gegangen '). 

Qespräche mit den Gellischen, die der Herzog auf morgen zu sich 
beschieden hat. Brasser ist mit Ganstein einig geworden „dass wir uns 
vernehmen lassen wollten, was der Staat in Gommission gegeben h&tte, mit 
ihnen zu schliessen^. 

Man fährt hier in den Debatten fort, „das hiesige Bündnis klar zu machen .... 
Bei dem Holländischen Werk wird dieses nichts thun.*' Die Hessischen 
geben in particulier zu erkennen^ dass sie ihre Quote zur Allianz nicht ins 
Feld stellen können sondern solche in ihren Festungen halten wollten, „da- 
mit die Alliirten sich solcher Plätze desto besser zur Retirade versichern 
könnten^. Eine seltsame Propositiou. Auch könnten sie „wegen der Gle- 
vischen Lande^ (wegen ihres Unvermögens, der gefahrlichen Lage ihres 
eigenen Landes, des Mangels an Holländischen Subsidien) „sich nicht drein- 
mischen''. G. zeigt ihnen an, dass er es dem Kf. eröffnen werde: „es 
würde Ew. Ch. D. wol weh thun, dass Sie in einer so gerechten und dem 
gemeinen Wesen so merklich angelegenen Sache Sich von so nahen Freunden, 
und die dabei in specie so sehr iuteressiret, noch verlassen sehen sollten.^ 

P. S. Der Dänische hat noch keine Ordre und bittet um einige wenige 
Tage Zeit, „dabei er gebeten, ich möchte Braunschweig zu bewegen suchen, 
dass weil sie die Werbegelder empfangen und es nun ankäme auf die Sub- 
sidien der 2 Monate, welche monatlich 36 000 Rthlr. machten und also in^. 
2 Monate 72 000 Rthlr. ertrügen, solche Gelder aber man in Amsterdam 
vor 25 procentam erlangen könnte, welches auf diese Summa ein 18 000 
Rthlr. trüge, es möchte solches Ew. Gh. D. auf Sich nehmen, welches ich 
aber nicht sehe, wie ich sie dazu bewegen solle, vermeine aber, zu ver- 
Stichen, ob ich zu Wege bringen könnte, dass vor die 2 Monat sie mit 
50 000 Rthlr. vorerst sich vergnügen Hessen^. Man wird sich aber wol 
erst allgemach überführen wollen, „was es mit Dänemark werden wird^. 

Der Relation liegt ein Memorial bei: „Einige Puncte, darüber zu resol- 
viren stehet.^ Die Antworten am Rande sind von Gh. G. v. Blumen- 
thals Hand (d. d. Halberstadt ö. September 1672). 



Relation. Dat. Braunschweig 31. August 1672. Mit dem Auf- 10. Sept. 



') S, 257 Anm. 1. 



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252 !• Zar Vorgeschichte des dentfich-französischeD Krieges. 1671. 1672. 

satz der Allianz ißt man durch. Da ihn aber der Dänische in Ordnung 
bringen will, — ein Erbieten, welches sicher ^mehr zur Verl&ngernng and 
Unordnung dienen*^ möchte — so wollen die Depntirten zunächst ohne ihn 
zusammenkommen und sich des Projeots halber vereinigen. — In Sachen der 
Holländischen Assistenz bleibt Brasser dabei, noch nicht den endgiltigen 
Bescheid zu haben. Zu der Brandenburgischen Proposition will er sich 
nicht verstehen '). — Eine Sondirung der Brannschweigischen ergiebt, „dass 
ohne Erlangung dessen, so sie der Subsidien halber begehren, schwerlich 
was weiter von ihnen zu erhalten sein werde^. 

^Und hierbei gab es Anlass, wegen des Französischen Werks zu reden. 
Ich hatte aber Bedenken, ihm dasjenige, was itzo der Französische an» 
gezeigt hat, so eigentlich zu eröffnen, doch wol in gemein davon geredet, 
dass vermnthlich wäre, es würden die Französische ans vielen Conside- 
rationen entgegengehen, da dann der Grossvogt vermeinte, die Franzosen 
wären zum wenigsten noch mit Münster und Cöln an 60 000 M. stark.^ 
Aber in Uebereinstimmung mit Gansteins Widerspruch räumt der Kanzler 
eine Ziffer von 30 bis 40000 M. ein. Er habe bestimmte Nachricht ans 
Frankreich, „dass Ew. Ch. D. Marsch nicht wenig Perplexität daselbst 
gebe, und dass dort das Geld und Volk nicht in solcher Abundanz wäre, 
als man es machte, und wäre itzo die Zeit, da man etwas thnn könnte; 
denn wenn Spanien und Holland nur auch sich recht angreifen wollten, 
würde den Franzosen schwer fallen das Werk zu halten*'. Es müsse durch- 
aus jetzt etwas Nachdrückliches geschehen. 

Fleissige Nachfrage nach der Ankunft des Generallieutenants Monte- 
cuccoli. 



12.Sept. Relation. Dat. Braunschweig 2. September 1672. Auf die 
Rescripte vom 26. August und I.September. — Brasser bittet um Frist 
bis künftigen Mittwoch, da er bestimmt Ordre zu bekommen vermeint. Er 
hat sich auch bei Amerongen entschuldigt und bleibt in der Meinung, 
„man würde durch diese 20 000 Thlr. die Sache doch bei Braunschweig nicht 
avanciren, weil sie ohne Dänemark nicht schliessen würden^. Das sei noch 
nicht ausgemacht, erwidert Canstein; man müsse auch nicht warten, bis 
Holland erst mit Dänemark das Werk abgethan, sondern an beiden Orten 
zugleich auf das Ende treiben. 

Brasser geht heut wieder nach Celle. Er wird doch nichts aus- 
richten, glaubt nur, dort eher die Holländische Post zu haben, um seine 
Sache desto schneller beim Herzog zu negotiiren. 

Das Project wird man nun zusammen mit dem Dänischen revidiren. 
Man hat jetzt „alle im Reich gelegene Lande [des Kf.] mit eigenommen^. 
„Aber ich fürchte, wenn nicht die Sache wegen der Holländischen Assistenz 

Kf. wünschte, dass Brasser „unerwartet mehrerer Ordre den Schlnss be- 
fordere*', mit dem Erbieten hierin far ihn einzutreten; er (Brasser) „m5ge am 
20 000 Rthlr. willen ein solch importirendes Werk nicht fahren lassen*. 



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Abschlnss des BrannBchweiger BandoisBes. 253 

mit Dänemark ond Brannscbweig richtig wird, so werden sie zuletzt doch 
etwas moviren, weshalb ich auch Ew. Ch. D. gn. Befehl erwarte. Wiewol 
Celle meint, es würde nicht geschehen.^ Es handelt sich nnn nur noch 
darom, ^ob man die Lande Dänemark nnd Norwegen miteinnehmen wilP. 
— Man wird wol diese Woche noch zur Snbscription kommen. 

Freilich veranlasst der Dänische ein nenes ^Retardement'^ mit der 
Nachricht, dass der König anf dem Lande, nnd er vor Freitag keine Er- 
klärung haben könne. Unterdessen sind anch die Gel 11 sc heu nach Celle 
gegangen, „weil dort dieses Werkes halber, wie sie sagen, ein Ausschnse 
rem Lande gehalten wird*^. 

Verlangen nach Goes' baldiger Ankunft. Hoffentlich solange die Celli- 
sehen noch da sind, also bis Donnerstag. 



Relation. Dat. Brannscbweig T.September 1672. y. Ooes 17. Sept. 
ist gestern angekommen, v. Canstein wQrde heute mit ihm nach Celle 
gereist sein, wenn der Herzog nicht in Harburg wäre, von wo er erst Mon- 
tag Abend wiederkommt. Da der Dänische nunmehr Resolution erhalten, 
so werden sie noch beute conferiren. — Die Cellischen wollen sich zur 
Zeit noch zu keiner Conjunction verstehen,... man wüsste denn: „was Däne- 
mark sich erklären wolle; dann obschon Dänemark mit dem Staatischen 
Abgesandten Werckendaro mehrentheils verglichen wäre, so hätte er doch 
angezeigt, dass er solches blos vor sich und sub spe ratificationis thäte^. 
Aber der Herzog hätte doch den König ermahnt, „nicht eben auf die 
10 000 M. zu bestehen, vermeineten, es sollte nicht ohne Effect sein, aber 
ohne Geld würde doch dort auch nichts zu thun sein . . ,^ Die Schwedische 
Ratification der Verhandlnng mit Frankreich sei erfolgt. „Was Pufen- 
dorf ) am Kaiserlichen Hofe proponiret, das müsste man mehr dafür halten, 
dass es nur ein simulirtes Werk wäre, um zu suchen, den Kaiserlichen Hof 
zu amüsiren oder nur an der Hand zu halten.^. . . „Mr. V er jus ist unter- 
wegens, wird aber nicht anhero kommen. Das Schreiben, so er hat lassen 
vorangehen, ist ziemlich bedranlich, macht unter anderen Turenne stark 
von 40 000 z. F. und 24 000 z. Pf., beschuldigt Ew. Ch. D., dass Sie ürsach 
sein, dass mit Holland nicht schon die Sache richtig wäre, dann ohne Die- 
selbe würden sie sich schon accommodirt haben, welches leicht zu glauben ; 
stellt dabei vor, Ew. Ch. D. Dessein gienge mit dahin. Sich Hildesheims 
za bemächtigen, welches ob es Braunschweig rathsam wäre, sie zu be- 
denken hätten^. — Gelle wünscht zu wissen, „ob Kf. über die Weser 
gienge oder daran stehen bliebet Wolfenbüttel vermisst eine bisher 
von Brandenburg zu erwartende Mitteilung, ob der Marsch seine Aemter, 
etwa Hameln und Höxter, berühren werde. Der Herzog von Hannover 
zieht seine Völker um Hameln zusammen. — Argumentationen über eine 
Interposition des ganzen Reichs, wie sie von Hannover urgirt werde und 
von KMainz zu Regensburg proponirt sei. 

*) Der Schwedische Gesandte Esaiae Pafendorf. 



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254 ^- Zar Vorgeschichte des deatsch-franzosischen Krieges. 1671. 1G72. 

Discassioo über den Eioschlnss Dänemarks, eveot. Prenssens in den 
Traetat. Ob Kf. nicht zufrieden sei, dass der Kaiserliche Gesandte allein 
(ohne Ganstein) nach Celle gehe. 



23. Sept. Relation. Dat. Brannschweig 13. September 1672. Auf des 
Kf. Rescripte vom 10. nnd 11. September. ▼. C. hat zufolge des ersten 
^allenthalben die Nothdnrft vorgestellt^^ Anch Baron de Goes hat sieh 
„anf die ihm beigehendermassen ressentirten Rationes wegen Ungern'' ge- 
fügt. Die Yollziehung ist hente geschehen. Das Original des Haupt- nnd 
Nebenrecesses folgt anbei — ,yin welchem ich mich verhoffentlich in allem 
nach Ew. Ch. D. gn. Befehl unterth. gerichtet, und sind über dem Werk 
Worte genug verloren, Protocolla gehalten und Aufsätze gemacht worden, 
wie davon der Baron de Goes es theils mit bezeugen kann. Gott gebe, 
dass man es nicht nöthig hätte oder einen goten Effect daraus empfinde, 
welchen ich aber nicht gross sehen kann, es sei dann, dass man das andere 
Werk mit Holland zum stände bringe. Doch ists soweit gut, dass man 
noch etwas im Rücken alhier hat und auch besser, diese Alliirte, wie man 
nar kann, bei sich zu haben als mit selbigen sich rumpirt zu befinden und 
sie dadurch zu Annehmung anderer Partei zu bringen ; so wird es anch das 
Holländische Werk wo nicht befodem doch auch nicht hindern*. 

Die kurfürstliche Ratification ist innerhalb 4 Wochen a dato als den 
12./22. October einzubringen, v. C. „hätte den Termin gern euger gezogen, 
wenn nicht der Kaiserliche und der Dänische es also beliebet*. 

Conceptvermerk^): „Ferner ist Sr. Ch. D. in dieser Relation hinterbracht, 
wie es zu halten: 
(art. 5). 1. wegen einer Generaldisposition wegen des Artilleriestaats, 

wann die alliirten Armeen conjungiret werden sollten; 
(art. 13). 2. wegen Bestellung eines Kriegssecretarii ; 

(art. 15. 17). 3. wegen der gemeinen Verpflegnngsordinanz; 
4. wegen der Gefangenen; 

6. wegen der Vollmacht, dass solche defect wären gewesen; 
wann aber diese Allianz von den Principalen ratificiret 
würde, würde keine andere nöthig sein; 
6. wegen der Invitandorum, auch ob Schweden dazu kommen 
sollte.* 



Das Braunschweiger Bündnis s. bei v. Mörner Staatsverträge S. 367. 
Der Accessionsrecess Kurtriers zum Kaiserlichen Bündnis ebd. S. 370. 



Die Resolntionen des Kf. aus diesen Wochen^) enthalten im einzel- 



S. oben S. 245 Anm. 1. 

^ d. d. Goelln a. Sp. 7. Angast, 9. Angast, Ziesar 14. Augast, Halber- 



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Abschlass des Brannschweiger BündnisBes. 255 

nen die Bestimmangen, welche sich in den obigen Relationen Gansteins 
befolgt finden. Sie gipfeln in dem Satze 

d. d. Halberstadt 1./11. September: „Sonsten sind Wir zufrieden, 11. Sept. 
dass wenn man schon für das Holländische Wesen sich nicht engagiren 
will, dieses Foedns so gut immer möglich voUensogen werde.^ — Bemer- 
kenswert ferner 

d. d. Hauptquartier Liebenbnrg 8/18. September 1672: ^Denen 18. Sept. 
Cellisohen habet Ihr auf die Frage, ob Wir über die Weser gehen oder 
daran stehen würden, zu erkennen zu geben, dass weil Wir bei diesem 
Werk keine Intentionen hätten, Jemanden zu beleidigen oder Schaden zu- 
zufügen sondern blos allein das Reich und unsere Lande wider unbillige 
Gewalt zu beschützen, so könnten Wir Uns noch zur Zeit in diesem Stück 
nichts Gewisses erklären, sondern müssten Uns nach der Franzosen Con- 
tenanoe und Desseins, so Uos und Anderen so heftig drohetenj richten und 
Unsere Mesüres danach nehmen, wie Ihr solches theils selber wol ange- 
führet. Herzog Rudolf Angnstus Ld. haben Wir Unseren March auf 
Dero Amt Lntter bereits notificiret nnd hoffen Uns mit Deroselben morgen 
desfalls frenndvetterlich zu vernehmen. — Was den Vortrag, so von Han- 
noverscher Seiten geschehen, dass sich nämlich das ganze Reich 
interponiren möchte, betrifft, so sehen Wir nicht, wie solches füglich 
geschehen könne, solange noch einige Stände des Reichs Frankreich an- 
hingen und desfalls eine Partei formirten. Wir wollen sonst kein Mittel 
zu solchem heilsamen Zweck zu gelangen ausschlagen. Weil sich auch der 
König nnnmehro selber erkläret, dass er damit zufrieden, wann Dänemark 
allein und nicht Norwegen mit eingenommen werde, so hat es dabei sein 
Bewenden und conformiren Wir Uns desfalls mit Gelle, werden im übrigen 
der Alliance, so Wir mit Dänemark haben, in allen Puncten nachkommen. 
Wegen Ungarn haben Wir mit dem Grafen Montecnccoli geredet, welcher 
vermeinet, dass wann nur der König von Dänemark bei entstehender Turken- 
gefahr in Ungarn auch nur etwas zu thun sich erklären wollte, wann das 
Reich des Werks annähme und Hülfe leistete, I. Kais. M. schon damit zu- 
frieden sein würden, und hätten Dieselbe das Vertrauen zu dem Könige, 
dass I. M. Sich dessen endlich nicht entbrechen würde^. 

Resolution d.d. Bockenem 10. September 1672: „Was Preussen 20. Sept. 
anlanget, auf dessen speciale Benennung in diesem Foedere wollen Wir 
ebenfalls nicht bestehen, weil es doch in dem particulier Foedere mit Däne- 
mark schon begriffen, daher auch dieses dem Werk keine weitere Anfhal- 



■ tadt 17. August. 26. August. 1. September. 3. September, Liebenbarg 
8. September, Bockenem 10. September, Lamm8priD.g 11. September, Sals- 
derhelden 14. September (Schreiben Schwerins), Dadenhofen 28. September 
(Dat. sämtlich a. St.). Die Daten zugleich wichtig für des Ef. Itinerar. 

<) Die Zusammeokunft mit Herzog Georg Wilhelm hatte» nachdem dieser 
eine solche anfänglich abgelehnt, am 6. Septbr. su Schloss Hessen (Amt Schoppen - 
•tedt) stattgefunden. 



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256 I- Zar Vorgeschichte des deutsch- französischen Krieges. 1671. 1672. 

21.Sept. tang geben kann^; und nochmals yerschärft d. d. Lammspring 11. Sep- 
tember: 9, Wir sind zufrieden, dass Prenssen in diesem Foedere nicht ge- 
^ dacht werde, und anoh des Vertraoens, der Herr Baron de Goes werde es 
für I. Kais. M. and der gemeinen Sache dienlich ermessen, dass man wegen 
Ungarn abstrahire; es wird allezeit noch Oelegenheit geben, wegen der 
TQrkengefahr andere zareichende Verbindangen za machen, welches alle 
Christliche Potentaten nunmehr viel nöthiger ermessen werden, nachdem 
die Türken zam höchsten Nachtheil der Christenheit Kaminiec-Po- 
dolsky erobert^). — Die Proportion der ge willigten Völker ist wol sehr 
ungleich. Weil dieses aber ein Extraordinär- Werk ist, so wollen Wir hoffen, 
dass es künftig in keine Consequenz werde gezogen werden, wenn es bei 
Braunschweig und Hessen nicht höher za bringen.^ 



Eine fernere Reise v. Cansteins nach Celle, daselbst den Kaiserlichen 
Gesandten Frhrn. Johann von Goes za unterstützen, unterblieb'). — 
An C.'s Berichte knüpfen sich dann noch Correspondenzen mit den Ge- 
heimen Räten zu Berlin, welche die Absendung des Geh. Secretärs Walter 
Neubau 8 zum Zweck der Au&wechselung des Braunschweiger Tractats 
betreffen, und Verhaltungsbefehle an Neuhaus. Die Auswechselung der Ra- 
tificationen erfolgte endlich am 11. December 1672. 



*) Am 17./27. August. 

^ Die ReisekosteD anlangend berichten die Rate d. d. Coelln a. Sp. 
15. October 1672: «Es ist uns ans der Amtskammer Bw. Ch. D. Geheimen 
Raths des Herrn von Gau stein Rechnung, was er vom 4. August bis 25. Sep- 
tember (a. St.) dieses Jahres auf der ihm anbefohlenen Braunschweigischen Reise 
verzehret, und auf 997 Rthlr. 21 Gr. belauft, sugeschicket, und dass wir der 
Zahlung halber das Decret an den Hofrentmeister Michael Matthias unterschrei- 
ben lassen möchten, begehret worden. Die weil nun die Rechnung sehr gross ist 
und fast ein Bach Papier in sich halt, so haben wir Bedenken gehabt, die Post 
damit zu beschweren; es ist sonsten in der Rechnung alles bei Thlr., Groschen 
und Pfennig, und wofür jedes ausgegeben, specificiret. Wir haben hierbei das 
Project des Decrets Ew. Oh. D. unterth. übersenden wollen.*" 



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IL 

Der Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 



M»t«r. s. 0«8cb. d. O. Kurfürsten. Xnt. 17 



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Einleitung. 



Die Defensivallianz mit den General Staaten vom 6. Mai, der Vertrag 
mit Kaiser Leopold vom 23. Juni, endlich das Braunscbweigcr Bündnis 
vom 22. September sind die eingreifenden Willensänssernngen Knrbranden- 
bnrgs in dem ereignis- und entscherdungsvollen Jahre 16*72. 

Hatte in dem ersten der drei Tractate Kurfürst Friedrich Wil- 
helm sich im F^iIIe eines Angriffs auf die Vereinigten Niederlande zur 
Stellung einer Armee verpflichtet, so waren ihm — und das ist ein weiterer 
Fortgang in seinen Unternehmungen — auf Grund der beiden anderen Ab- 
machungen Verbündete zur Seite getreten, welche sich die Erhaltung des 
Westfälischen Friedens, Abtreibung jeder fremden Gewalt zum Ziele setzten. 
Da diese ^fremde Gewalt^ — Frankreich — das Deutsche Reich ange- 
tastet hatte, mnssten jene Verträge ihre Spitze notwendigerweise gegen 
Frankreich kehren. Ihre erste Wirkung ist die Gampagne, welche im 
Spätsommer 1672, zunächst von S^urbrandenburg und dem Kaiser, unter- 
nommen ward; und das antifranzösische Verhältnis bleibt, bald mehr oder 
weniger gedämpft, bald zu spontaner Abwehr gesteigert, unter mannich- 
fachen Abwandelungen in den folgenden sieben Kriegsjahren bis zum Njm- 
weger Friedenschluss hinsichtlich der Reichsgewalt das herrschende, die 
politische Situation bestimmende. 

Freilich das Brannschweiger Bündnis, dies spärliche Ergebnis einer so 
überaus rührig betriebeneu diplomatischen Wirksamkeit innerhalb des Reichs, 
hatte der holländischen Sache doch nur den nominellen Gewinn dreier 
Reichsstände eingebracht; eine materielle Hilfe entsprang vorläufig nicht 
ans diesem Vertrage. — Anders das Abkommen mit dem Wiener Hofe. 
Den Fürsten Johann Georg von Anhalt-Dessau, der hier fördernd 
eingreift, einen nach vielen Richtungen hin ausgezeichneten Mann und 
anter den Eleinfürsten dieser Epoche eine hervorragende Erscheinung, 

17* 



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260 n* Der Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

hatte das Vertranen des Eorfürsten Friedrich Wilhelm an eine besondere 
Stelle gehoben. Seit 1668 Statthalter der Kormark, seit 1659 des Kar- 
fürsten Schwager 0) hatte er, nachdem er ein rühmlich bewährtes schwe- 
disches Dienstverhältnis qnittirt, der aufstrebenden branden bnrgischen Ar- 
mee seine praktisch kundige Fürsorge, sein fachmännisches Interesse zu- 
gewendet. Die Ernennung znm Feldmarschall am 24. Januar 1670') sprach 
die Anerkennung und Bezeichnung einer Thatsache aus. Seine ungewöhn- 
lich enge Beziehung zum Hofe des Kaisers, die sich mit den Jahren noch 
festigte, Hess ferner ihn auch im Bereiche der diplomatischen Aufgaben 
als einen wirksamen Vermittler erscheinen. Es ist hier nicht der Ort, diese 
Seite näher zu beleuchten. Soviel jedoch steht fest: für die geplante Ge- 
sandtschaft nach Wien konnte, zumal unter den jetzigen Verhältnissen und 
im Hinblick auf die Erwartungen, die man an diese Mission knüpfte, ein 
besserer Geschäftsträger überhaupt nicht gefunden werden. — Es ist das 
grosse Verdienst Anhalts, das Bündnis mit Kaiser Leopold zum Ab- 
schlnss gebracht zu haben. Damit erhielt die theoretische Erklärung za 
gunsten der Niederlande einen praktischen Inhalt in weiterem Sinne; auf 
diesen Rückhalt gestützt, konnte der Kurfürst wirklich nennenswerten Bei- 
stand liefern ; und versagten die Reichsstände, so gieng das Oberhaupt mit 
^bestem Beispiel voran: die ganze Angelegenheit erschien mit dem Beitritt 
des Kaiserhofes (das ist dem Kurfürsten am allerwenigsten verborgen ge- 
blieben) zugleich in einen höheren Rang gehoben. 

Der Kaiserliche Generallieutenant und Präsident des Hofkriegsrates, 
Feldmarschall Graf Raimund Montecuccoli, zeigte sich, wie Anhalts 
Relationen bestätigen^, sehr geneigt zu dem neuen Feldzuge. Geraume 
Zeit hatte der Sieger von St. Gottbard, der gepriesene Türkenüberwinder «) 
gefeiert. Jetzt wo es mit dem Kriege gegen Frankreich Ernst zu werden 
schien, freute er sich der Gelegenheit, unter Friedrich Wilhelm, mit welchem 
er dreizehn Jahre zuvor gemeinsam agirt hatte, aafs neue die Waffen führen 
zu können. Andererseits bestimmte den Kurfürsten, neben der alten Be- 
kanntschaft, gewiss die nun einmal gehegte Wertschätzung der taktischen 
Fähigkeiten des Mannes, selbst in Wien zu beantragen, dass man anstatt 
des vom Kaiser designirten Feldmarschalllieutenants Freiherrn von 
Heister den Grafen Montecuccoli mit dem Oberbefehl betraue. 



^} £r war vermalt mit Henriette Katharina von Onanien, einer 
jüngeren Schwester der Korfürstin Luise Heoriette. 

*) Das Statthalter- und das Feldmarscball-Patent gedruckt (leider mit 
Fehlern) v. Orlich lil, S. BöO. 360. 

*) Oben S. 216 and öfter. 

^) AU solcher galt er damals aozweifelhaft, ob man nan mit W. Notte- 
bohm, Montecuccoli und die Legende von St. Qotthard (1664) [Osterprogramm 
des Friedrichs -Werderschen Gymnasiams sn Berlin. 1887] diesen Beineo Ruf be- 
wnsster Mytheabi Iduog saschreiben will oder nicht. Die Erörterung dieser 
Nebeafrage hier beiseit, icbiea es doch billig, aaf die beacbteaswerte Schrift bei 
diesem Aolass hiozawoisen. 



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EioleitaDg. 261 

Aber spät erst begann der Ansmarsch. 

Im Mai — so hatte, noch ehe an den Abschlnss irgendwelcher Allianzen 
zu denken war, der Enrfürst geplant — werde seine Streitmacht znm 
Kampfe für Holland bereit stehen: Mitte August erst verliess er seine 
Hauptstadt, um die Ansammlung der Regimenter zu überwachen. Langsam 
und nicht ohne wiederhoUen Aufschub erfolgte auch Monte cuccolis Auf- 
bruch zur Armee. — 

Inzwischen waren die Rheinischen Lande von ihrem Verhängnis ereilt 
worden: mit der Wegnahme der Stromfestungen durch die Franzosen sah 
sich das Land CIe?e und das Herzogtum Jülich einem auswärtigen Macht- 
haber preisgegeben, das Reich selbst erschien auf das empfindlichste in 
Mitleidenschaft gezogen; und was Holland anlangte» für welches man das 
Schwert ziehen wollte, so war die Anarchie daselbst mittlerweile schon 
auf das grauenhafteste gestiegen '), als Brandenburger und Eaiäerllche sich 
eben anschickten ins Feld zu rücken. — Eine zweite Pariser Gesandtschaft 
V. Crockows, die der Kurfürst in Aussicht genommen, unterblieb. 

Dem Kampf der Waffen, der nun anhebt, geht der Federkrieg zur Seite. 
Der Kurcölnische Depntirte für Hildesheim beim Regensbnrger Reichstage 
Peter Holtzemius reichte am 25. August im Fürsten- und Kurfürsten- 
collegium, nachdem er sich vorher bereits privatim verschiedentlich bei den 
einzelnen Ständen über das Vorgehen Kur branden burgs beschwert hatte, 
ein Memorial in diesem Sinne ein. Brandenburgischer Seits wurde eine 
Gegeninformation componirt und unter dem 14./24. October aus dem 
Hauptquartier Bergen an die Brandenburgischen Gesandten nach Regens- 
bürg abgelassen. Aus dieser erwuchs dann ein gedrucktes Manifest unter 
dem Titel: Kurtze Fürstellung, aus was Ursachen Se. Churfl. 
Durchl. zu Brandenburg unümbgänglich bewogen worden, 
wider Ghur Colin und Münster die Defensions-Waffen zu er- 
greifen. Im Jahr 16t3. 4. (16SS.) 

Gleichermassen provocirte Frankreich eine schriftliche Entgegnung. 

Am 8. September hatte der Gesandte Graf de la Vauguion dem 
Kurfürsten im Hauptquartier officiell angezeigt, dass Ludwig XIV. gesonnen 
sei^ die Tnrenne'sche Armee ostwärts zu führen Es war ein Ultimatum im 
vollsten Ernste^: der König fände sich, da der Marsch rheinwärts gieuge, 
ans „allen politicquen Rationen^ gezwungen, im Interesse seiner deutscheu 
AUiirten dem verbündeten Heere entgegenzugehen: er werde indes seine 
Armee wieder nach Holland marschiren lassen, wenn die Verbündeten „ihre 
Truppen von des Königs Conquestcn und AUiirten zurückziehen würden^. 
Eine Kriegserklärung wenn auch nicht der Form, so doch gewiss der Sache 
nach; und es kennzeichnet die ganze formalistisch kahle Auffassung jener 
Zeit, wenn noch im December, als sich die Truppen einander genähert, 



^) Die Ermordung d^r Brüder de Witt geschah am 20. August, ehe überhaupt 
das Rendezvous der Truppen erfolgt war. 
>) Oben S. 90. 



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262 U. Der WiDterf«idsQg yoa 1672 aaf 1673. 

der Prinz Ludwig Condö auch nach den mancherlei Gefecchten an der Lahn 
sein Befremden über die brandenburgischen Excesse äassein iconnte, da ja 
„der Krieg nicht erklärt wäre^. Worauf dann allerdings der Kurfürst die 
sachliche Replik nicht schuldig blieb 0- -— Eine Marschändernng der Yerbüo- 
deten erfolgte jedoch nicht, und Ludwig XIV. griff neben der kriegerischen 
Offensive zur publicistischen Rechtfertigung. Au demselben Tage, an 
welchem er die Abberufung Vauguions unterzeichnete, (am 23. September), 
brachte sein Gesandter am Reichstage Robert de Gravel ein (lateini- 
sches) Memorial zur Dictatur, — es kam als GraveTsches Memorial bald 
in den verdienten Verruf — welchem man wiederum von Seiten Branden- 
burgs mit zwei yResponsiones' begegnete. Beide sind dann, lateinisch 
und deutsch, durch den Druck veröffentlicht worden, mit dem Datum Ratis- 
bonae 4. /14. Januar 1673. 

Inzwischen hatte sich der Feldzug abgespielt'). 

Am 25. August gieng das Rendezvous der Kaiserlichen Truppen in 
Eger von statten; ihrer Güte und Brauchbarkeit ward mit Recht ungeteiltes 
Lob gespendet. Zwei Wochen verstrichen, ehe — am 9. September — 
die persönliche Gegenwart des kaiserlichen Oberfeldherren im kurfürstlichen 
Hauptquartier zu Halberstadt die so dringend erforderliche Besprechung 
des Kriegsplanes überhaupt erst ermöglichte. Wiederum nach zwei Wochen 
— am 24. — erfolgte dann jm oberen Leinethal die Coigunction der bei* 
derseitigen Völker. — Mittlerweile hatte Yicomte de Tnrenne von dem 
Niederländischen Kriegsschauplatze sich abgewendet und am Rhein, an den 
Grenzen von Mark zu operiren begonnen. Dass er diese Gegenden er- 

1) CoDd6 an den Karfürsten d. d. 6. December 1672 and Kf. an Tarenne 
d. d. 13. December 1672. Der Form nach teilte anch Kf. jeoe ADSchauung. 
S. die iDStrnctioQ auf'S. 304. 

*) Die altere DarstelluDg des Feldsages bei L. v. Orlich Geschichte 
PreoBsens im siebzehnten Jahrhundert 1837. T. II. S. 69—82 ist ein trockener, 
aber darchans acte n massiger Ahnss. — Eingebend and aasfahrlich ist die Ge- 
schichte des Winterfeldzoges ebenso wie die des später folgenden Krieges im 
filsass behandelt in der Darstellang von Heinrich Peter, der Krieg des 
Grossen Kurfürsten gegen Frankreich 1672—1675. 1870, und zwar mit Er- 
schöpfung der 'gedruckt vorliegenden Quellen. Durch das nanmehr reicher hin- 
zuströmende Actenmaterial können die Ergebnisse dieser ausgezeichneten Arbeit, 
die überdies nicht blos Kriegsgeschichte giebt sondern eine fortschreitende Ge- 
samtdarstellung der karfürstlicheo Politik dieser Epoche im Zosammeohange mit 
der europäischen, nur bestätigt werden; wir verweisen überall da auf das Bach, 
wo die Sache, um die es sich handelt, darch die in diesem Abschoitt pablicirten 
Archivalien eine Ergänzang erfährt. — Das Verdienst, die Haitang des Kaiser- 
hofes, insbesondere die stete Abhängigkeit des kaiserlichen Oberfeldherrn von 
den jedesmaligen Resolutionen aus Wien Schritt für Schritt klargelegt zu haben, 
gebart Julius Grossmann mit seiner Studie Graf Montecuccoli. 1873. (Bd. 57 
des Archivs für Oesterreichische Geschichte). — Neben diesen Werken natürlich 
die einschlägigen Partieen bei J. G. Droysen Gesch. der Preussischen Politik 
UI, 3'. (1872.) Namentlich S. 262—284. 



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E i D 1 e i t n n g. 263 

reichen konnte, findet nnr in der Sanrnseligkeit der Kaiserlichen seine Er- 
klärung. In Folge dessen änderten die Alliirten ihre Marschroute: die ver- 
einigte Armee hewegte sich, statt nach Westen gewendet, in langsamem 
Tempo in südlicher and südwestlicher Richtnng, und zwar als Eurtrier') 
die Gohlenzer Rheinbrücke verweigerte, dem Ansfluss des Maines zu. 
Einige Scharmützel mit französischen Vortruppen an der Lahn') nnd bei 
Neuwied^ einige vereinzelte Gefechte brandenbnrgischer Streifparteien 
im Nahe- und Moselthal abgerechnet, ward bei Turennes vorsich- 
tigem Manövriren nicht ein einziger nennenswerter Zusammenstoss ausge- 
fochten. Zngnterletzt überschritt man dann noch den Main, bis man sich 
in dem Winkel zwischen Rhein und Main, auf dem Südnfer dieses Flusses 
bei Rüsselsheim, in eine höchst unglückliche Stellung verrannte, aus welcher 
nur ein Abzug nach Norden befreien konnte. Denn die Schiffbrücke vor 
Mainz hatte Kurfürst Johann Philipp versagt, und gegen eine Ein- 
lagerung in seinen hessischen Gebieten sträubte sich der Landgraf Lud- 
wig von Darmstadt, gegen eine Besetzung der Pfalz sträubte sich der 
Kurfürst Karl Ludwig auf das hartnäckigste; und doch galt es, da der 
Winter hereingebrochen war und die rückhaltlose Bereitwilligkeit beider 
Alliirten zu einem Hauptschlage sich um keinen Preis erzielen liess, ge- 
sicherte Standquartiere zu suchen. Man entschloss sich daher zu einem 
Rückzuge nordwärts, der freilich eher einem Weichen nach einer Nieder- 
lage als einem planvollen Rückmarsch ähnelte. Die Kaiserlichen richteten 
sich im Paderbornischen ein; die Brandenburger giengen unter unsäglichen 
Beschwerden durch Hessen und das Sauerland in die Märkisch-Ravens- 
bergischen Gebiete. 

Trotz dieses militärisch wie politisch kläglichen Ergebnisses kommt 
dieser Wintercampagne an und für sich eine sehr grosse Bedeutung zu. 

Sie ist seit den Kämpfen des dreissigjährigen Krieges der erste frei- 
willig unternommene und planmässig vorbereitete Waffengang 
eines deutschen, diesmal des territorial bedeutsamsten Reichsfürsten gegen 
die Streitkräfte Frankreichs; nicht blos ein schnellbereites Aufgebot wie 
gegen die Invasion in die Cölnischen Rbeinlande durch Cond^ im J. 1654. 
Sie bildet das erste Glied einer langen Kette von Versuchen zur Ab- 
wehr der französischen Uebermacht, welche die Geschichte der kommenden 
Jahrzehnte wesentlich erfüllen. Zugleich lehrt sie, wie zweideutig und un- 
entschieden noch die Haltung des Reichsoberhauptes ist; wie schwach und 
schüchtern sich die ganze Unternehmung durchsetzt und wie bei dem 
Mangel eines einheitlich durchgreifenden Willens jeder Gedanke an eine 
Entschliessnng zu kraftvollem Handeln im Keime gebrochen wird. — Und 
wie war solche Schlaffheit möglich? Die Hofburg stand unter dem Druck 
eines geheimen Vertrages, den König Ludwig XIV. am 1. November 1671 



Karl Kaapar von der Leyen. 

*) Das Gefecht zwischen Montabaur und Nassau eröffnete am 1. November 
die Feindseligkeiten. 



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264 n. Der Wiuterfeldsug von 1G72 auf 1B73. 

mit Kaiser Leopold abgeschlossen hatte. Nach langem Hin- and Herreden 
hatte man dort wol in die Stellang einer Armee zu gunsten Hollands ge- 
willigt, aber der Bruch mit Frankreich lag vorläufig ausserhalb der kaiser- 
lichen, Yom Fürsten Wenzel Lobkowitz geleiteten Politik. An Monte- 
cuccoli war dementsprechend der Auftrag ergangen, den alliirten Kurfürsten 
eher zu zügeln als anzufeuern; er empfieng die bündigsten Instructionen 
aus Wien, keine Schlacht zu wagen, somit die Entscheidung zu umgehen. 
Im brandenburgischen Hauptquartier wusste man von solcher Vereinbarnog 
nichts. Das Verhalten des Oberfeldherren erregte zwar erklärliches Miss- 
trauen. Aber was war zu thun? An den gewichtigeren Alliirten gefesselt 
wie er war, blieb dem Kurfürsten nichts übrig als den stetig geänderten 
Entschlüssen Folge zu geben und sich, oft recht wider seinen Willen, von 
Landschaft zu Landschaft schleppen zu lassen, ohne dass dem traurigen 
Ausgange vorzubeugen in seiner Hand gelegen hätte. — Erst die Wiener 
Gesandtschaft v. Crockows im folgenden Frühjahr hat jeuen Tractat an 
das Tageslicht gezogen: er hatte den Kaiserhof zu einer Neutralität 
gebracht, welche dem französischen Könige in den Niederlanden freie Hand 
Hess. Wie er das Werk Lobkowitzs gewesen, so trat mit seiner Publicität 
die Politik des Ministers nunmehr in die rechte Beleuchtung — aber der 
späte Einblick in die wahren Beweggründe des Zögerns der Kaiserlichen 
hat leider für die nicht mehr gut zu machenden Nachlässigkeiten, für alle 
erlittene Einbusse nicht zu entschädigen vermocht. 



Was die militärischen Quellen dieses Feldzuges anlangt, so unterrichten 
einige Correspondenzen Montecuccolis, ferner die Relationen des Frei- 
herrn Friedrich von Heiden, welchen der Kurfürst entsendet hatte, 
um von dem Rendezvous der Kaiserlichen Rapport zu thun, über Aufbruch 
und Bewegung der Truppen. Die Documente betreffend die Convention 
des Herzogs Karl IV. von Lothringen geben Aufschluss über eine 
specifisch militärische Angelegenheit, die gerade durch die Stellung dieses 
Fürsten von Wichtigkeit ist und zur Kenntnis seiner Handlungen einen 
Beitrag liefert. 

Die weiteren Nachrichten über den Verlauf der Campagne enthält die 
Abteilung „Schreiben und Gesandtschaften an einzelne Reichsstände*^ in 
Anlehnung an die mit diesen Fürsten gewechselten Briefe; es ist manches 
darunter was auf das Detail der kriegerischen Vorkommnisse ein helleres 
Licht wirft 

Erhöhtes Interesse haftet an den die militärischen Massnahmen beglei- 
tenden politischen Erörterungen. Es ist da in erster Linie eine Corre- 
spondenz zu nennen, welche durch die Persönlichkeiten der Schreibenden 
und durch die Art und Welse, wie die darin abgehandelten Dinge be- 



*) Der Vertrag vom 1 November 1671 ist gedruckt Dumoot C. U. D. VII, 
p. 15G. Zar Sache Mignet, N6gociatioD8 HI, 548fgg. Adam Wolf, Lobkowitz 
S. 380. 



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Einleitung. 265 

sprochen werden, eine besonders lebhafte Teilnahme hervormft: der 
Schriftwechsel des Karfürsten ans dem Hauptquartier mit den 
in Berlin znrückgebliebenen Geheimen Räten. 

Der Oherpräsident des Geheimen Rates Freiherr Otto von Schwe- 
rin der Aeltere sowie von den Mitgliedern des Collegioms Christoph 
Caspar Freiherr von Blnmenthal und Franz Meinders begleiteten 
den Kurfürsten auf diesem Marsche und waren im Hauptquartier die Zeugen 
und Befürworter seiner Entschlüsse. Den daheim gelassenen Räten Ra- 
ban von Canstein, Lorenz Christoph von Somnitz, Friedrich 
von Jena und Johann Koeppen lag dagegen die Pflicht ob, die Re- 
solutionen des Souverains entgegenzunehmen und mit einem Gutachten, 
einem Bedenken für oder wider zu beantworten. Dies Verfahren der 
kurfürstlichen Regierung ist nicht neu. Wie man in den Sitzungen des 
Geheimen Rates, gleichviel oh mit oder ohne Beisein des Staatsoberhauptes, 
Gegenstand und Verlauf der Debatten zu protocolliren pflegte, so dass 
diese Protocolle nicht selten das Bild der in der Umgebung des Fürsten 
herrschenden politischen Anschauungen widerspiegeln*), so war es längst 
üblich geworden, in Abwesenheit des Fürsten von seiner Hauptstadt, 
vorzugsweise in Kriegsläuften, welche den Herrscher ausser Landes fährten, 
seinen Rescripten, falls eben Dinge von entsprechender Wichtigkeit zur 
Beratung standen, solche begutachtende Voten entgegenzustellen. Aber 
nicht häufig liegt wie hier ein so vollständiger zusammenhängender Schrift- 
wechsel vor; nicht häufig fordert eine solche Fülle sich drängender Vor- 
kommnisse die Reflexion heraus, wird wie hier die Lage mit so bröiter 
Ausführlickeit behandelt, das Wechselspiel der Politik aus immer neuen, 
variirten Gesichtspunkten (von beiden Seiten her) beleuchtet. Glänzende 
Zeugnisse von der Gewissenhaftigkeit und dem nüchternen Blick des alt- 
brandenburgischen Beamtentums, erschliesseu diese Ausführungen in der 
lebendigen Folge von Rede und Gegenrede die geheimen Erwägungen des 
Herrschers und seiner Ratgeber und liefern so zu den faktischen Begeben- 
heiten, wie sie durch die Forschung festgestellt sind, selbst einen fortlaufen- 
den Commentar. ' 

Dieser Schriftwechsel bildet in seinen beiden Teilen den Grundstock 
dieses Abschnittes. Es gehen ihm für beide Perioden des Feldzuges — 
Vor- und Rückmarsch — jene oben genannten Schreiben und Gesandt- 
schaften an einzelne Reichsstände zur Seite; dieselben beziehen 
sich teils erläuternd teils ergänzend, denn auch im Hauptquartier ruhte 
der schriftliche Austausch nicht, sogut auf einzelne Momente des Feldzuges 



^) Die Protocolle des Geheimen Rats sind zwar for die Urkunden und 
Actenstucke noch nicht plan massig darchforBcht, jedoch wo sie nach Seite 
der auswärtigen Politik Ausbeute gewährten, von den Herausgebern der ver- 
schiedenen Baude schon mehrfach herangezogen worden. Eine Gesamtausgabe 
dieser Geheimratsprotocolle durch die Kgl. Preussische Archivverwaltung ist jetzt 
in Vorbereitung. 



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266 n« I>«r Winterfeldsag vod 1672 auf 1673. 

wie anf die allgemeine Lage. Sie sind in der Weise geordnet, dass es 
zweckmässig erschien, grössere Partieen von Briefen mit einem nnd dem- 
selben Fürsten nicht anseinanderzoreissen, wo sie im wesentlichen eine und 
dieselbe Sache betreffen. Natürlich konnte es sich- bei der grossen Masse 
dieser Fürstenbriefe nar um die Auswahl der wichtigsten handeln. 

Den Schreiben des Kaisers Leopold ist für beide Teile des 
Feldzuges io fortlanfendem Zusammenhange in zwei getrennten Abteilungen 
Ranm gewährt worden. Wenn diese Correspondenz inhaltlich nicht gerade 
Bedeutsames bietet, so ist sie doch als erneuter Beleg für die stete Rück- 
sichtnahme des Kurfürsten anf die kaiserliche Willensmeinung TOti Wich- 
tigkeit. 

In einen Anhang endlich sind einige wenige rein militärische Schrift- 
stücke, welche sich in den ?erschiedenen Abteilungen nicht passend nnter- 
bringen Hessen, verwiesen. Von einem Abdruck der (nicht zahlreichen) 
Kriegsratsconferenzen durfte Abstand genommen werden, weil dieselben in 
Peters Darstellung die denkbar ausgiebigste Benutzung erfahren haben. 



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II. Der Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

1. Der Aufbruch, 
a. Montecuccoli. Relationen y. Heideus. 



Der Kurfürst an den Grafen Raimund Montecuccoli. 
Dat. Coelln a. Sp. 17. Juni 1672. 

[MoDtecaccoliB CommaDdo bei der Armee.] ^^.^ 

Der Fürst von Anhalt hat bei seiner Rückkehr ans Wien^) die „gnten 27. Juni, 
nnd nützlichen Dienste^ des Orafen gerühmt. Kf. dankt diesem dafür, hält 
sich weiter seiner guten Intentionen versichert und teilt ihm mit, dass er, 
«weil er allemal Yon des Herrn Grafen Person nnd seiner erlangten Kriegs- 
ezperienz eine sonderbare Estime gemacht^, Kaiserliehe Majestät habe er- 
suchen lassen, ihm, dem Grafen, das Commando bei der Armee aufzutragen. 



Graf Raimund Montecuccoli an den Kurfürsten. Dat. Wien 

7. August 1672. 

[v. Heiden nach Wien. Nachrichten vom Aufbrach.] 
Dass Ew. Ch. D. beliebet Dero Legationsrath Friedrichen Frei- 7. Aug. 
herren von Heiden zu dem Ende alhero abzuordnen, dass er bei 
der Kaiserlichen nach Teutschland destinirten Armee verbleiben und 
was dabei fürfällt relationiren solle, solches habe aus Dero gn. Be- 
felch unterm 10. Juli jüngsthin unterth. vernommen. Wie nun meines 
Orts dazu alle schuldige Beförderung thun werde, also auch berichte 
Ew. Ch. D. unterth. hierdurch, dass die Artigleria bereits von hier 

Oben S. 220. 



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268 * II I>er Winierfeldsag von 1672 auf 1673. 

Weggängen, die Völker hin und wieder im Anzug sein^ ich auch ge- 
sinnet bin, mich erster Tagen von hier zu begeben und meinen Weg 
gerad nacher Eger zu nehmen, da dann und auch ferner Ew. Ch. D. 
ich gehorsamst hinterbringen werde, was in einem und anderen für- 
fällt. Inmittelst empfehle Ew. Ch. D. zu allem Wohlergehen der 
Göttlichen Bewahrung treulichst und Ihro mich zu beharrlichen 
Gnaden .... 



Relation des Legatioosrats Freiberrn Friedrich von Hei- 
4. Aag. den d. d. Wien 4. Angast 1672. Meldet seine am Morgen erfolgte An- 
kooft in Wien. Der Kaiser vernebtet — beute am Dominicastag — seine 
Devotion bei den Dominicanern. Ist daher ein paar Tage abwesend. Con- 
ferenz mit dem Fürsten Lobkowitz, der des Kf. Handschreiben an 
den Kaiser nicht annehmen will sondern nm Ueberreichung nach des Kaisers 
Rückkehr (übermorgen) bittet. Nar Complimente. — Montecnccolis 
Abgang zur Armee ist auf den 10. st. n. festgesetzt. Die in Schlesien lie- 
genden 3 Regimenter sind bereits aufgebrochen nnd am 23. Juli/ 2. Augast 
gemustert worden. Die in Mähren nnd Oesterreich sind am 10. st. n. aus- 
zurücken beordert. 
7. Aug. Rel. d. d. Wien 28. Juli/7. August 1672. Montecnccolis Abreise 
ist bis auf den 14. verschoben worden. Des Generals Rendezvous wird am 
15./25. in Eger sein. — Gestern sind 3 Compagnieen von des Görzke 
Regiment und ebenso viele Reiter von des Heister Regiment — überans 
schönes Volk — hier vorbei marschirt. Die Artillerie, bestehend in 17 
kleinen Stücken, ibt abgegangen. — Ein bairischer Abgesandter, ein Kleist 
von Geschlecht, von dessen Anbringen ihm nichts bekannt geworden, wird 
heute vorgelassen. — Er selbst wird nachmittags 5 Uhr die gewünschte 
Audienz beim Kaiser haben. 
14. Aug. Rel. d.d. Wien 4./14. August 1672. Trotz gegenteiliger Ver- 
mutungen ist die Abreise Montec.'s doch heute um 10 Uhr mit der Post 
erfolgt. Jedenfalls hat der inzwischen eingetroffene Spanische Courier den 
Aufbruch beschlennigt. — „An Spanischer Seiten wird gewaltig daraufge- 
drungen, dass man sich hier gegen Frankreich declarireu soll, an Fran- 
zösischer Seiten aber wird stark durch den Papst und Bayern dagegen 

m 
gearbeitet. Man vermeinet, die neulich hier angekommenen -^grr- Thlr.'j 

werden es emportiren.*^ Gestern lange Gonferenz bei Lobkowitz, an der 

Gremonville teilgenommen. Des bairischen Abgesandten Negotiation 

geht dahin, das Reich in keinen Krieg zu verwickeln sondern die Sachen 

durch Mediation beizulegen. — v. Heiden hat seine Pferde bereits vorans- 

gesendet. Wird am Nachmittag dem Generallieutenant mit der Post folgen 

/ 

1) Dies die richtige Ziffer. Vgl. S. 269. 



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MoDtecacoolis Aufbrach. 269 

Der Kurbrandenbnrgische Resident Andreas Neumann an den 
Kurfürsten Dat. Wien 4. /14. August 1672. 

[Montecoccolis Aarbrach. Spanische Versicherangen. Peraooalien. — v. Kleist. 

GremoDville.] 

Der Herr Generallieutenant Graf von Montecuccoli ist heutu. Ang 
gegen Mittag mit einem Postwagen, worin neben S. Exe. ein Jesuiter, 
Secretarius Leopold und Cammerdiener gesessen, von hinnen ab- 
gereiset. Das Bagage ist vor etlichen Tagen, die Feld-Eriegs-Canzlei 
gestern vorangangen. Der Generalcommissarius Graf von Hohen- 
feld gehet per Posta auch nach Eger, den Baron Joanelli') daselbst 
vorzustellen; jener gehet wieder zurück. Dieses wird durch eigene 
Staffetta, so jetzt um 4 Uhren abgefertiget worden^ von Hofe aus an 
Ew. Ch. D. berichtet. Der Baron von Heiden gehet diesen Abend 
auch fort, dem Herrn Generallieutenant nach. 

Aus Spanien sein starke Rimessen von -^^^ Rthlr. in Wechsel 

angelangt, und darbei Versicherung gegeben worden, dass es an Geld 
zu Fortsetzung der Werbungen und Bestreitung des Hauptwerks nicht 
ermangeln werde. 

„Des Herrn Grafen vou Nostiz, Böhmischen Obersten Canzlers, 
Stiefsohn Graf Bercka Honora hat ?or 3 Tagen mit des Herrn General- 
lieotenants Fräulein Tochter VerspreebeQ gehalten^. — Die Patenten 
zu den neuen Werbungen werden nächster Tagen ausgegeben werden. 
Der General Sparr, so in Candien commandiret gehabt, ist vor etlich 
Tagen hier angelangt, Einige meinen, er werde als Generalfeldzeug- 
meister der Armee beiwohnen oder doch diese Stelle vertreten, wie- 
wol Herrn Markgrafen Hermanns zu Baden Ld. Sich vernehmen 
lassen, dass Sie nach abgelegter Gesandtschaft an einige Ghur- und 
Fürsten Sich in solcher Qualität zur Armee begeben werden. General- 
feldmarschall de Souches ist dieser Tagen nach Warasdin zu seinem 
Generalat nach Grabaten ^) abgereiset. Von dem Türken wird abermal 
allerhand Widriges spargirt. Es mag aber wol deren Invention sein, 
so diesen March nicht gerne sehen. 

Conferenz zwischen dem karbairischen Statthalter v. Kleist und dem 
Fürsten Lobkowitz, an der auch Kanzler Ho eher nnd Secretarias 
Abele teilgenommen, v. Kleists Discarse. 

Der Gr emonville unterlässt nicht, aller Orten sich einzumischen, 

') Als Kriegscomuiissaiias. 
>) GroatioD. 



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270 n. Der Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

findet aber kein Gehör, und hat der Credit abgenommen. Vom 
König in Polen ist ein Bischof dieser Tagen angelangt, von dessen 
Anbringen anders nichts zu vernehmen als dass er Assistenz suchet. 



V. Heiden. Relation. Dat Eger 19./29. August 1672. 

[Liste der Armee. Generale.] 
29. Aug. Alle in beigehender Liste ^) aufgesetzte Regimenter seind hier ange- 
langet, das von Porzia ausgenommen, um welches willen der Gene- 
rallieutenant sich zwei Tage l&nger hat aufgehalten als er vermeinet; 
und weil er gestern gewisse Nachricht davon erhalten, dass es noch 
10 Meilen von hier solle sein, hat er resolviret, heut seinen March 
fortzusetzen und selbiges anderwärts zu erwarten. — Wir gehen heut 
dritthalb Meil von hier und morgen bis nach Hof ins Baireuthsche, 
welches fünf Meilen von hier ist, und werden dann so weiter unseren 
March durch Dttringen auf Erford nehmen. — Wie stark sich die 
Regimenter ausgeben, werden Ew. Ch. D. gleichfalls aus beigehender 
Lista gn. ersehen. Die Reuterei ist wol fast so stark, als sie hier 
aufgesetzet, es werden über 200 Pferde an jedwedem Regiment nicht 
fehlen. Der Infanterie aber haben sie meines Bedünkens einen guten 
Zusatz gegeben ; es wird zwar fürgegeben, dass viele noch zurückseind 
und dass solche nachkommen sollen; ob dem aber so sei, stelle ich 
dahin. 

Von Generalspersonen seind keine hier als I. D. der Herzog 
von Lothringen, General über die Gavallerie, der Graf Gaprara, 
Generalwachtmeister zu Pferde, und der Freiherr von Keiserstein, 
Generalwachtmeister zu Fuss. — L D. der Pfalzgraf von Sulz- 
bach') seind hier aufs Rendezvous gewesen und haben mir befohlen, 
Ew. Gh. D. seinen unterth. Gruss zu vermelden. 



Der Kurfürst an den Freiherrn von Amerongen') in Hamburg. 
Dat. Potsdam 10./20. August 1672. 

[Wünscht ihn io Halberetadt zn eeben.] 
20. Aug. Wir haben Eure Ankunft der Ends gern vernommen, und weil 

^) Die Liste fehlt bei den Acten. 

^ Friedrich Ludwig. 

*) Nach Abschlass des Vertrages war A. in Sachen Subsidien Bweimal in 
in Hamburg und zwischendurch zur Berichterstattung in den Niederlanden ge- 
wesen. Vgl. UÜAA. III, 2ö5. 



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Besprechangen mit dem Karfürsteo. 271 

Wir bereits vorgestern aus Unserer Residenz aufgebrochen, Unsere 
Armee auch bereits aus ihren Quartieren gerflcket und in yollem 
March begriffen ist, als werden Wir morgen Unsere Reise auf Hal- 
berstadt fortsetzen, woselbsten Wir den 15. dieses anzulangen und 
Euch daselbst gegen den 16. zu sprechen verhoffen. Dass die Kai- 
serliche Armee den 15./25. huius zu Eger ihr Rendezvous halten und 
darauf den March continuiren werden, solches wird Euch bereits be- 
kannt sein. Die Beschwerlichkeit des Weges und andere Hinderungen 
haben nicht zugeben wollen, dass diese Armee ehender kommen 
können, und hat diese Verzögerung wie auch die Euch bekannte Ur- 
sache auch bishero Unseren Aufbruch und March etwas aufgehalten, 
welchen Wir nunmehr mit desto grösserem Ernste continuiren werden. 
Der Graf Montecuccoli wird von Eger sich zu Uns nach Halberstadt 
yerf&gen, woselbsten man von Continuation des Marches und anderen 
wichtigen Dingen deliberiren und einen Schluss nehmen wird'). 



Montecuccoli an den KnrfUrsten. Dat. Hauptquartier Thams- 
brück^ 12./22. September 1672. 

Auf des £f. Befehlschreiben vom 9./19. September^ „welchergestalt 22. Sept. 
denjenigen, so aus dem französischen Lager ankommen, bereits examiniret^. 

Morgen mit der Armee in Eisenacb. Hofft dem Kf. bald persönlich 
aufzuwarten. 



Der Kurfürst an Montecuccoli. Dat. Hauptquartier Wispen- 
stein') 13723. September 1672. 

Mit Enrtrier wegen Anlegung von Magazinen am Rhein verhandelt. 23. Sept. 
Mont. möge dem Grafen Monterej vorstellen, dass zar Deckung Gölns 
(gegen Tarenne) eine zureichende Anzahl Kriegsvölker dorthin zu legen sei. 

') d. d. Hambarg 24. Ad gast 1G72 entschuldigt sich AmeroDgen, dass er 
erst den 28. oder 29. dem Kf. aufwarten könne: ^Ick hebbe hedeu aen den 
Magistrat der Stadt Bremen geachreven ende hebb veraocht onbeswaert te willen 
Bfn, van de bewuate geldea noch voor een kleynen tydt in haer bewaeringe te 
honden, tot dat jck de eere sonde hebben van by U. Churf. Doorl. te weaen, en 
twyffele viel, off dy sullen snlcz geerne ten respecte van U. Ch. D. naercomen-* 

*) an der Unstrut. 

*) an der Leine, Stift Hildesheim. 



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272 II- Der Wioterfeldsug von 1672 auf 1673. 



Montecuccoli an den Kurfürsten. Dat. Hauptquartier Nieder- 
MoosO 2. October 1672. 

2. Oct. Aotwort aof des Kurfürsten fernere Befehlschreiben vom 17. /27. und 
19./ 29. September. 

Dankt für die Mitteilung der Erklärung des Administrators zu Magde- 
burg^. Turenne habe, so berichtet ihm Li sola, 5, nach Anderen sogar 
10 000 Mann Verstärkung empfangen. Hofft morgen die Grafschaft Iseri- 
bürg zu erreichen, um dann persönlich mit dem Kf. zu conferiren. 



b. Die Convention mit dem Herzog von Lothringen. 

Prinz Karl von Lothringen') an den Kurfürsten. Dat. Wien 
17. Juli 1672. Eigenhändig. 

[Bereitwilligkeit zar Mitwirkung bei der jetzigen Campagne.] 

17. Juli. Monsieur. Quoyque la grace que Sa Majeste Imperialle ma fait 
de me Commander avec Ses trouppes qui marchent dans lempire seit 
en 8oy fort grande, eile aaugmente de beaucoup dans lesperance que 
jay, quelle me donnera lieux de rendre mes treshumbles devoirs k 
Votre Altesae Electoralle, dont j'avois passion il y a fort longtemps. 
La seule chose qui me chagrine est de me veoir prevenu des graces 
de Votre Altesse Electoralle, dont jay receu des marques fort parti- 
culieres par les asseurances que Mr. le Prince d'Anhalt men a 
donn6 et par les tesmoignages quil a bien voulu rendre ä Sa Maj. 
Imp., que ma personne ne seroit point d^saggreable k Vostre Alt El. 
Je reconnois cette Obligation si grande que je ne perdray aucune 
occasion de rechercher avec empressement touts les moiens de faire 
connoistre k Votre Alt. Elect. quelle ne pouvoit obliger une personne 
qui en eust une reconoissance plus parfaite que celuy qui est ... 



>) Amt Lauterbach, Oberhessen. 

») Unten S. 279. 

^ Der Neffe des vertriebenen Herzogs Karl IV. Es ist nicht correct, 
ihn Prinzen von Vaademont zu nennen; er selbst nennt sich Prince de 
Lorraine. 



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MilitärconventioD mit dem Herzoge voo Lothriogeo. 273 

Der Kurfttrst an den Prinzen Karl von Lothringen. Dat. 
Coelln a. Sp. 26. Juli/5. August 1672. 

[Oompliment.] 

£f. dankt für das empfaDgene SchreibeD, verspricht sich viel ?od des 5. Aug. 
PrinzeD BeteiligoDg nnd freut sich der Gelegenheit, mit ihm ,,in eine nähere 
Vertranlichkeit und Enndschaft zn gerathen, was er schon vorlängst ge- 
wünscht hat^. 



Herzog Karl von Lothringen an den Kurfürsten. Dat. Cöln 

8. Juni 1672. 

[Creditif für den Baroo von Gelleoonconrt] 

Ayant scen da Siear Gomte de Waldeck la grace qne V. A. £. me8. Juni, 
fait de se soQ?enir de moj, j'envoye le Sr. Baron de Gellenonconrt, 
Gentilhomme ordinaire de ma chambre, poor Lny en tesmoigner ma gratitnde 
et L'assurer de la disposition qne j'anray tonte ma vie de Lny rendre service 
dans tontes les occasions qni s'en presenteront, ainsy qne Ic dit Sr. de 
Gellenoncoart Lny dira plas particnlierement, La priant de lny donner creance « 
entiere .... 



Der KurfUrst an den Generalmajor Alexander Freiherrn von 
Spaen^. Dat. Coelln a. Sp. 12./22. Juni 1672. 

[Militärconveotion mit Lothriogeo.] 

Uebersendet abschriftlich den mit dem Herzog von Lothringen 
wegen Ueberlassung einiger Völker abgeschlossenen Vergleich. 

Dieweil nun denselben das Quartier in Unserer Grafschaft Mark 22. Juni, 
versprochen, als befehlen Wir Euch gn., die benöthigte Vorsehung 
und Anstalt desfalls zu machen, imgleichen jemandem Commission zu 
ertheilen, der die Völker bei ihrer Ankunft mustere und in Pflicht 
nehme. Zu Zahlung der Trouppen wollen Wir mit dem förderlichsten 
eine erkleckliche Summe Geldes dahin senden und desfalls gebilrende 
Sorge tragen. Unsere Ratification des Vergleichs auch mit dem ebisten 
Euch übersenden, damit solche aldorten gegen des Herzogs Ld. Bati- 
fication ausgewechselt werden könne. Im übrigen habt Ihr mit dem 
Rittmeister Gellenoncourt zu überlegen, was die Trouppen am 
besten für einen March zu nehmen, um aus ihren jetzigen Quartieren 

Gomroandant in Lippstadt. 

Uater. x. Oetch. d. G. KarfOrsten. XIII. 18 



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274 n. Der Winterfeldzag von 1672 aaf i(;73. 

mit gnugsamer Sicherheit in Unsere Grafschaft Mark zu kommen, zu 
welchem End Wir ihm auch wegen Verstattung freien Durchzugs Ver- 
schreibung an Ghur-Cölns, Bischofs zu Paderborn und der 
Landgräfin zu Hessen Ld. Ld. Ld. wie auch die Grafen von 
Wal deck ertheilet haben. 

Beifolgend der Vergleich in deatscher Redaction*). 



Der Kurfbrst an den Herzog Karl von Lothringen. Dat. Coelln a. Sp. 

15. /25. Juni 1672. 
25. Juoi. Recreditif für Baron de Gellenoncoart. 



25 Jqdi. d. d. Coelln a. Sp. 15. Jnni 1672. fernerer Befehl des Kurfürsten 
an y. Spaen, die lothringischen Trappen mit den versprochenen, bequemen 
Qnnrtieren zu versehen. Ueberbringer ist Gellenoncourt. 



Generalmajor v. Spaen an den Kurfürsten. DaL Lippstadt 

11 721. Juli 1672. 

[Ueberoahme der Lothringer. Schalten der Franzosen. Cond6. Bergeick.] 

2i. Juli. Gestern sind wiederum 3 Compagnien Lothringer unter Commando des 
Obristen Dnpnj hier durchpassirt nnd wie die vorigen nach ihren Quar- 
tieren gebracht worden. ^Es seind gute Leute.*' Mit den letzteren Truppen 
ist Rat Canon, der Präsident des Herzogs, mitgekommen. Herzog Karl 
hofft, dass die Gapitulation mit den 600 Reitern der Anfang zu dauernder 
Freundschaft zwischen Kf. und ihm sein werde; er habe — ftir den Fall, 
dass man mehr begehren möchte — noch ungefähr ^1000 wolgemunterte ')*^ 
Reuter, welche zu des Kf. Dienst fertig ständen. Der Präsident möchte 
die Leute so logirt sehen^ dass sie nicht in Gefahr ständen, von den Fran- 
zosen überfallen zu werden. Wegen mangelnden Geldes kann sie Spaen 
jedoch nicht anders unterbringen. 

Die Franzosen hausen im Clevischen in der alten Weise. ^Sie imagi- 
uiren sich, dass es ein conquestirt Land ist, wollen nicht gestatten, dass 
die Richter, welche ich von hier aus ein oder anders zu verrichten aufgebe, 
dass sie dasselbe ohne ihr Yorwissen werkstellig machen sollen.^ 



Der Vergleich ist concipirt von Melnders Sign. Coelln a. Sp. 14. Joni 
1672. 10. Artikel. Die Ratification nnd Auswechselang soll zu Lippstadt inner- 
halb vier Wochen erfolgen. Ratification des Knrfürten Dat. Coeiln a. d. Sp. 
20./30. Juni 1672. Rat. des Herzogs Donn6 ä Cologne le 2. Jaillet 1672. 

2) = wolmoutirte. 



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Militärconveotion mit dem Hersog von Lothriogen. 275 

Das Gerücht vom Tode des Prinzen Cond^^ bestätigt sich nicht. — 
Es ist bis jetzt kein Volk mehr nach Wesel gekommen, obgleich Billete 
für 4 bis öO(X) M. fertig gemacht sind. Die Garnison besteht in wenig 
Mannschaft — Vorgestern Abend ist ein Spanischer Envojö Namens 
Bcrgeick') angelangt nnd gestern Morgen von hier nach Berlin weiter 
gereist*). 



V. Spaen an den Eurftirsten. Dat Lippstadt 4. August 1672. 

[PttStangsban. Quartiere der Lothringer. Baagelder. Sold.] 

Nach Canons Anssage will der Herzog wissen, ob nnd was £f. weiter 4. Aag. 
von ihm desiderirte. Dies möge ihm (Canon) bald zn wissen gethan wer- 
den: ,car son maistre vonloit hazarder le tont arec V. Alt. ElectS 

Beifolgend die Liste der Lothringischen Truppen. Etat der Bau- 
gelder. Ferner was an Korn eingekommen (fehlt). 

DerObrist und Generalquartiermeister Quid ze ist gestern Abend ein- 
getroffen; in welchem Zustande er die Festung gefunden, wird er dem Kf. 
berichten.... Zam höchsten will es nöthig sein, dass man die Contre- 
scarpe zwischen der Lipp-Pforte und dem neuen Hörn werk mit aller 
Macht verfertiget, weil sich das Wetter wiederum wol anlasset, im- 
gleichen das Werk unten an der Soestpforte bei der Lippe gemacht 
werde, wovon ich vor diesem unterth. Meldung gethan. Weil aber, 
gnädigster KurfQrst und Herr, es noch an einigen Geldern ermangelt, 
nnd Ew. Ch. D. auf meine beschehene unterth. Remonstration gn. re- 
solvirt haben, hierzu noch einige Baugelder in Gnaden zu verordnen, 
so wäre es höchst zu wünschen, dass sie bereits hier wären, ehe das 
gute Saison verstreichet, welches jetziger Zeit genau in Acht zu 
nehmen ist. Und nachdem die Französischen Trouppen theils dem Rhein 
beginnen zu nähern, als besorge ich, sie möchten ein tausend Pferde 
oder zwei nebenst einigen Dragonern in die Grafschaft Mark schicken, 
in die Reuter-Quartiere einfallen und also beide Regimenter als das 
Lotharingische und das meine ruiniren. Diesem nun vorzukommen 
und es zu verhüten, wollte ich dieselben gerne in der NähC; etwan 
in Soest oder Hamm einquartieren, solange aber der Obercommissa- 
rios Edlinger mit denen Geldern nicht ankömbt, kann ich solches 
nicht thun. 

Spaen wünscht daher dringend, das für die neuen Truppen anf die 



Er war am 11. Jaul bei Tolhays schwer verwundet worden. (S. ob. S. 225.) 
') wo am 2. nnd 3. August mit ihm conferirt wurde. Vgl. im vorigen Ab- 
acbnitt S. 88. 244. 

3) Beifolgend Berichte über das gewaltthatige Verfahren der Frauzosen. 

18* 



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276 n. Der Winterfeldzug von 1672 aaf 1673. 

Monate JqH nnd Aagast assignirte Geld dnrch Edlinger ohne Zeitverlast 
za empfangen. 

Anla ge*).*) 

Cstat des escadrons des Trouppes Lorraines ponr le Service de Son 

Altesse Electorale de Brandebourg en Juillet 1672. 

1. Escadron des cbevaulegers de la garde de S. A. S. de 
Lorraine command6 par le Colonel Daocourt 170 

2. Escadron eommandö par le Colonel Dapny. Gavalliers 117 

3. Escadron command^ par le Comte de Leiningen Colonel 151 

4. Escadron command^ par le Lieuten. Colonel Ro zieres 151 

Total 589 
En ce nombre ne sont compris leg officiers. 

Chaqne escadron est de trois compagnies, bors celoy des cbevanz- 
legeis qui n'est que de deux; mais il v sera 8uppl^6, s'il est nöcessaire. 



*) Dazu Bestand der Lippstadtischen Fortificationsbaucasse, wonach in der- 
selben, ,80 gleichwol noch nicht einkommen seind", 1920 Rthlr. restiren. 



Der Kurfürst an v. Spaen. 
Dat. Coelln a. Sp. 31. Juli/10. August 1672. 

[Auf das Schreiben vom 4. Angust.] 

10. Ang. Die Lothringischen Völker sollen gemustert nnd in Pflicht genommen 
werden. Spaen bat „sobald der Proviantmeister Edlinger des Ends mit 
dem Gelde ankommen wird, desfalls gebürende Yersebang za tbnn". 

,Zwar haben Wir, wie aus der Capitulation art. 4 zu ersehen, ihnen 
anfänglich nnr % zn zahlen versprochen, dafern aber die capitnlirte Mann- 
schaft völlig bereits sistiret, solchenfalls müsste ihnen aach das versprochene 
volle Tractament gegeben werden; welches die Masternng geben nnd zei- 
gen wird.*^ 

Der Fortschritt des Festnngsbaues ist erfreulich. Es sollen weitere 
Zaschüsse angewiesen werden, „sobald nur die völlige Zahlung von be- 
kannten Orten erfolget*^. 

o. D. o. D. [Frankfurt a. M. Ende August 1672] macht der Herzog 
von Lothringen dem Kf. durch Landgraf Friedrich von Hessen- 
Homburg sein Gompliment. 

Durch die Mitteilung dieser Convention findet die karze Notiz bei 
Comte d'Hanssonville Histoire de la r^anion de la Lorraine ä la France 
III, 275 (1857) eine sehr erhebliche Ergänzung. Von den Lothring. Compagn. 
standen 3 in Luxemburg, 9 bereits an den Grenzen von Mark. 



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Memorial des Depatirtoo Holtzemias. 277 

2. Der Vormarsch an den Main. 

a Correspondenz mit Kaiser Leopold. 

Der Kurfürst an Kaiser Leopold. Dat Halberstadt 

29. August 1672. 

[Was auf den veraoglimpfenden Vortrag des HildesheimischeD Gesandten zu thun.] 

Ew. K. M. wird zweifelsfrei von Dero zu Regensburg subsisti- 8. Sept. 
renden Gesandten unterth. hinterbracht sein, wasgestalt der Hildes- 
heimische Abgesandter') sich gelüsten lassen, öffentlich im Fürsten- 
rath einige sehr verfängliche und sowol zu Ew. K. M. als zu Dero 
AUiirten höchstem Unglimpf reichende Dinge vorzutragen. 

Wiewol ich nun an meinem Orte insonderheit verlange, die Noth- 
durft daraus durch meine daselbst sich befindende Gesandte') vor- 
stellen und diese Leute, welche mit ganz verdächtiger Vorklage kom- 
men wollen, eintreiben zu lassen, so habe ich doch Ew. Kais. M. 
darunter nicht vorgreifen sondern zuvorderst Dero gn. Meinung, wie 
ich mich zu verhalten und was bei der Sachen zu thun, in Unterth. 
erwarten wollen. Ersuche demnach Ew. K. M. gehorsamst Mir die- 
selbe sobald möglich zukommen zu lassen. 



d. d. Ebersdorf 2(K September 1672>) antwortet Kaiser Leopold 20. Sept. 
auf ein Schreiben des Ef. d. d. Halbersfcadt 20. Aogust, welches seinen Anf- 
bmch ins Halberstädtiscbe gemeldet hatte. Kaiser hofft, Montecnccoli 
werde inzwischen angelangt und Kf. mit ihm in Conferenz getreten sein. 



Kaiser Leopold an den Kurflirsten. Dat Ebersdorf 27. Sep- 
tember 1672. 

[Befremden des Kaisers über die Regensburger Vorgänge. Auf des Holtzemias 
Memorial ist Kf. befagt animos antworten za lassen.] 

Aach ihm ist von des Hildesheimischen Abgesandten Holtzemio8 27.Sept. 
„vermittelst des Chnrmainziscben Reichsdirectorii also gleich ad dictaturam 
gegebenen anzüglichen Memorials^ Benachrichtignng zugekommen. Das 
Memorial folgt abschriftlich anbei. ^ 



') Feter Holtzemias, Einleitung S. 261. 
^ y. Marenholtz und Qottfried y. Jena. 
^ Darch Montecnccoli öberaendet. 



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278 II- Dw Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

. . . Wir haben nicht umbhin gekonnt, über diesen so geschwin- 
den Hergang, und dass man solches ohne einige mit Unseren Kaiser- 
lichen Gommissariis und Oesterreichischen Gesandten darüber vorher- 
gangene, sonst gewöhnliche vertrauliche Communication also gleich ad 
dictaturam et propositionem veranlasset, nit allein einige glimpfliche 
Ahndung zu thun, sondern auch Unserem an Ihrer des Ghurftirsten 
zu Mainz Hof anwesenden Hofkammerrath Augustin Freiherrn 
von Meiersberg ^) gn. aufgetragen, Deroselben ein und anders Uns 
wider die in Vorschlag kommende Mediation zu Gemttth gehendes 
Bedenken mit Mehrerem zu reprftsentiren, wie Ew. Ld. von Unserem 
Reichbofrath dem Freiherrn von Goes zu vernehmen haben, Die- 
selbe dabei freundoheimb- und gnädiglich ersuchend, Sie wollen die 
Ihrige zu Regensburg zu einem ebenmässigen instruiren und anweisen: 
dasjenige hinwiederum animose zu beantworten, wessen Sie mit Un- 
fugen beschuldiget worden. 



Der Eurfilrst an Kaiser Leopold. Dat. Wispenstein an der 
Leine^) 13. /23. September 1672. 

[Prankreichs Ultimatum. Kf. bittet um Schutz wider alle Gewalt] 

23. Sept. Benachrichtigt den Kaiser, was dieser durch Goes and Monte- 
cuccolt gewiss schon wird erfahren haben, von der Proposition *) des 
französischen Envoyö de la Vaugnion am 29. Augast/8. September. 

Nun habe ich zwar darauf der Noth erachtet, bei den Nordischen 
Kronen und Braunschweigischen Häusern aus denen mit ihnen 
habenden Alliancen, bei meinen Mitchurftlrsten aber, ausgenommen 
Cöln, vermöge der Churfilrstlichen Verein um Hilfe anzusuchen *). Weil 
ich aber nächst Gott auf Ew. Kais. Maj. mein meistes Vertrauen setze, 
um so viel mehr, da bekannt, dass mir alle diese Drohungen und 
Feindseligkeiten aus keiner anderen Ursache zustossen, als weil ich 
an Ew. Kais. Maj. festzuhalten gedenke und nächst Derselben mir 
das gemeine Beste und des Reiches Sicherheit und Ruhe fürnemblich 



Oben S. 168. 

^ Die nähere Angabe der Proposition, im Goncept (▼. Paul Fuchs) getilgt, 
befindet sich in der Instruction für Marenholtz d. d. Halberstadt 13. Septem- 
ber 1672. (unten S. 288.) Die Sache selbst oben S. 90. 

3) d. d. Halberstadt 13. September und 16. September 1672. 



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Des Kaisers Bescheid darauf. Erklärung d. Admioistrators zu Halle. 279 

angelegen sein lasse: so ersuche Ew. Kais. Maj. gehorsamst, Dieselbe 
gernhen gn., mir allemal und wider alle Gewalt kräftigen Schutz und 
Hilfe zu leisten» auch Dero Gesandten zu Begensburg allergn. anzu- 
befehlen, dass sie sich mit den Meinigen hierüber vernehmen und das- 
jenige, was ich ihnen deswegen zu proponiren anbefohlen, bester- 
massen secundiren mOgen .... Ferner, „weil in diesem Jahre wegen der 
Türkengefahr in Ungarn nichts za besorgen^, möchten noch einige Regi- 
menter zur Armee stossen. 



Der Kurftirst an Kaiser Leopold. Dat. Friedland ^) 
17. September 1672. 

[BeachlenDigaog des Marsches. Die VereiDiguDg mit den Kaiserlichen ist in 
naher Aussicht. Des Administrators zu Halle Erklärung] 

Kf. berichtet — 27. Sept. 

wasgestalt ich den March mit meiner Armee immer hin continuire 
und heute alhie eine Meile diesseit Göttingen damit glttcklieh ange- 
langet bin. Meine in Westphalen gestandene Cavallerie habe ich alhie 
an mich gezogen und werde vermittelst göttlicher Hülfe den March 
dergestalt beschleunigen, damit ich mich in kurzem mit Ew. Kais. M. 
Armee Dero Verlangen nach und der zu Halberstadt genommenen 
Abrede gemäss conjungiren könne, wiewol mich die überaus böse 
und schlimme Wege wegen der bei mir habenden schweren Artillerie 
sehr incommodiren. 

Anbei folgt eine Erklärung des Administrators zn Halle auf des 
Kf. Vorstellung Yor seinem Aufbruch aus dem Halberstädtischen. 

Wie nun bei solcher Erklärung nichts zu desideriren und dieselbe 
bei denen jetzigen Conjuncturen nicht besser hätte sein können, also 
würde Meines unvorgreiflichen Ermessens nicht undienlich sein, wann 
68 Ew. K. M. gn. gefallen möchte, Dero gn. Satisfaction, so Sie hierob 
geschöpfet, gegen des Herrn Administratoris Ld. vermittelst eines 
gn. Schreibens zu bezeugen und Sie daneben nicht allein zu Bestän- 
digkeit in solchen Consiliis beweglich anzumahnen, sondern auch die 
Aeeommodirung Ihres Prinzen Ihre aufs beste recommandiret sein 
lassen . . . '): 

ao der Leine. 

*) In gleichem Sinne ein Scbreibou an den Grafen Montecnccoli (oben 
S 272) anter Beifügung des Schreibens des AdmioiBtrators. Den Inhalt dieses 
letzteren ergiebt der kurfürstliche Brief. Ueber den Prinzen Augnst s. oben 
S. 148. 



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280 II. Der WinterfeldzDg von 1672 auf 1673. 

Der Kurfürst an Kaiser Leopold. Dat Cassel 
23. September 1672. 

[Pfalzneabargs FnedenspropositioDeo und des Kf. Bescheid aaf dieselben.] 
3. Oct Berichtet, dass der Pfalzgraf von Neuborg — 

Jemand der Seinigen anhero zu mir gesehicket ') und unter anderen 
viele und bewegliche Propositiones zum Frieden thun lassen, auch 
dabei fQrgestellet, dass vielleicht derselbe anjetzo besser als jemaln 
von Frankreich zu erlangen und der König dazu nicht abgeneigt wäre, 
da hingegen wann es einmal zum Bruch oder ferneren Collisionen 
zwischen ihm und anderen Alliirten gekommen, das Werk viel 
schwerer und weitläuftiger fallen möchte. I. Ld. Hessen dabei viele 
Umstände und Rationes anftlhren, mit deren Erzählung Ew. K. M. 
ich nicht beschwerlich fallen will, und verlangten endlich zu wissen, 
ob Sie nicht etwas Gutes bei der Sache thun und ein so löbliches 
Werk befordern könnten, wollten es an fleissiger Bemühung nicht er- 
mangeln lassen und gern wissen: wie und mit was Conditionen man 
endlich den Frieden zu machen geneigt? 

Ich habe hierauf dem Abgeordneten anders nichts als dieses an- 
zeigen lassen, dass man diesseits nicht weniger Inclination zu einem 
raisonnablen aufrichtigen Frieden hätte, auch dass dieses der einzige 
Zweck dieses Marches und der Alliirten so kostbaren Armatur wäre. 
Von denen Conditionen hätte ich in specie eben nichts zu melden, 
weil die Sache nicht mein Interesse allein concernirte, nur könnte ich 
dieses insgemein und unverfänglich melden, dass der Friede auf solche 
Conditionen gemacht werden müsste, wodurch alle Interessenten be- 
ständige und völlige Sicherheit erlangten. Inmittelst wollte ich nicht 
unterlassen mit Ew. E. M. und anderen daraus zu communiciren etc.... 

Bittet um des Kaisers „höchsterleachtete Sentimente von dieser wich- 
tigen Sache*^. ,)Za wünschen wäre es wol, dass ein anfrichtiger Friede je 
eher je lieber erlanget und dadurch die christliche Potentaten mit einmüthiger 
Zusammensetzung und nachdrücklichem Ernst sich dem Erbfeind, welcher 
abermal die Vormaaer der Christenheit angegrififen und sich einiger für- 
nehmen Yestnngen nnd Laude in Polen bemächtiget'), desto mehr wider- 
setzen möchten, wozu der Allerhöchste seine Gnade verleihe.*' 



>) Vicekanzler Stratmao. S. nnten den Schriftwechsel mit Pfalsneubnrg. 
>) Vgl. oben S. 256. 



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FriedeospropositioDen Pfalzneabargs. Ob Schweden in d. Allianz zu ziehen. 281 

Kaiser Leopold an den Kurfürsten. Dat. Ebersdorf 
9. October 1672. „Inkommen den 20. Octob. 1672.0'' 

[Auf das Schreiben vom 23. September.] 

Kaiser findet des Ef. Hilfegesuche an die verschiedenen Fürsten ^gar 0- Ocf . 
fürsichtig nnd wol beschehen^. Auch seiner Assistenz darf sich Kf. ver- 
sichert halten. Den kaiserh'chen Commissarien sowol wie den österreichi- 
schen Gesandten ist nnter bentigem Dato aufgetragen, sich mit der kur- 
brandenbnrgischen Gesandtschaft vertraalich za vernehmen und, ent- 
sprechend den Eflicheu Intentionen, ^mit einhelligem Rath und That zn 
Torfahren^. — Dagegen verweist der Kaiser bezüglich der geforderten Re- 
gimenter aaf die Relation des Grafen Monte cnccoli. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. Dat. Hauptquartier Bergen 

14 October 1672, 

[Wie die durch den hollandischen Gesandten in Stockholm nahegelegte Hereio- 
ziehang Schwedens in die Allianz etwa zu verwirklichen.] 

£w. K. M. kann ich hiermit unterth. za erkennen zu geben nicht 24. Oct. 
umbhin, wasmassen der Staatische Abgesandter in Schweden van 
Haaren an seine Principalen berichtet, dass einige Hoffnung wäre, 
Schweden von Frankreich ab- und mit zar Beobachtung des gemeinen 
Interesses zu ziehen, wann Ew. K. M. und ich Ihre Kgl. Würde in 
Schweden zu Beitretung in der AUiance inyitiren möchten: dahero 
dann die Herren Staaten durch ihren bei mir subsistirenden Envoyä 
Freiherrn von Amerongen Ansuchung thun lassen, ich möchte 
solches an Ew. K. M. unterth. bringen, auch vor meine Person die 
Kothdorft in Schweden beobachten. 

Weil mir nun wol wissend, wie verträglich es der gemeinen Sache 
sein würde, wann man diese Krone gewinnen und mit zur Alliance 
ziehen könnte, so habe ich zu Erreichung solches Zweckes ein Schrei- 
ben an höchstged. Königl. Wtirde in Schweden abgehen lassen'). 

Den Inhalt erweist die beifolgende Gopie. Der Kaiser wird gebeten, 
die Sache durch ein eigenes Schreiben za nnterstützen, znmal er durch den 
staatiscben Residenten in Wien „gebürend requiriret worden sein wird^. 

Eigenhändiger Vermerk des Kf. 

^ Im folgenden Bande (Brandenbarg und Schweden). 



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282 n* l><^r Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

Kanzlei vermerk. Das Schreiben geht mit der Copie an den Residen- 
ten Andreas Nenmann in Wien. 



16. Oct. d.d. Wien 16. October 1672 teilt der Kaiser seine Antwort an den 
Administrator zu Halle mit. Sie ist dem Abte ?on Banz') nach 
Dresden übersendet, der sie dort auch dem KnrfOrsten von Sachsen zu- 
stellen soll. (Der Inhalt dem Wunsche des Kf. entsprechend.) 



24. Oct. d. d. Wien 24. October 1672') antwortet der Kaiser auf des Kf. 
Schreiben vom 8. October 1672, dass er in der Friedenssache Monte - 
cuccoli und Goes, ,,da bei Deroeelben sich beede oder einer ans ihnen 
befinden^, gebürend instruirt hat. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. Dat. Hauptquartier Rtissels- 
heim l./ll. November 1672. Conc. Meinders. 

[Frankreich läset die Maske fallen: man betrachtet ihn nicht mehr als Souverain 
in Gleve. Kaiser möge ihn vor Verlast seiner Lande schotsen.] 

11. Nov. Uebergriflfe der französischen Garnisonen im Clevischen. Man 

hat dies alles bis dato, weil man es mit einer uDvermeidlichen 
Kriegsnothwendigkeit entschuldiget und bemäntelt, mit Geduld erlitten, 
in Hoffnung dass entweder man sich mit der Zeit anders begreifen 
oder sich sonsten andere Mittel ereugen würden, um dieses unlei- 
dentlichen Beschwers sich zu entschQtten und das seinige in Ruhe 
und Friede zu besitzen. 

Aldieweil man aber nunmehr die Masque ganz abgenommen und 
sich ausdrücklich (wie Ew. K. M. aus beigefügtem Protocoll Ihro 
unterth. referiren zu lassen geruhen wollen) vernehmen lassen: ich 
wäre nicht mehr ein Herr dieser Lande, der König in Frankreich 
wäre daselbst allein Souverain, und würde man diejenige, welche mich 
für einen Herrn des Landes hielten, hinführo als Feinde und Kebeilen 
strafen, welches auch bereits einem Bürgermeister von Emmerich 
ohnlängst wirklich also widerfahren: also ersuche ich Ew. K. M., 
Sie wollen mich — . — gegen diese Vergewaltigungen schützen, und beim 
Regensburger Reichstage wie bei den Westfälischen und benachbarten Kreis- 
ständen und dnrch eigene Assistenz es dahin bringen — 
damit die Französische Völker meine Lande räumen und ich nicht 
unverdienter Weise bei meiner unausgesetzten und beständigen Treue 



') Oben 8. 173. 180. 

') , ankommen den 20. Octobria 1672.* Eigenhändiger Vermerk des Kf. 



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GewaltsamkeiteD in Cleye. Nachrichten von der Armee. 283 

am das Meinige gebracht, noch diese dem Roem. Seich so hoch im- 
portirende Grenzlande von demselben abgerissen, sondern dabei main- 
teniret, Andere auch dadurch bei Ew. K. M. und dem Reiche festzu- 
halten encouragiret und ermuntert werden mögen ^). 



[P. S.] Dat. Rüsselsheim l./ll. November 1672. 

[Beabsichtigter Rheinubergang. Marsch des Prinzen von Oranien nach Maestrich t. 

Cond6 in Metz.] 

Nachdem Wir mit beiden Armeen für 3 Tagen den Main bei ll. Nov. 
Flörsheim passiret, sein wir anitzo im Werk begriffen, eine Brücke 
über den Rhein zu verfertigen und mit beiden Armeen selbigen Strom 
zu passiren, wobei man dann auf des Marechal de Turenne seinen 
March und Contenance fleissige Acht geben und dasjenige, was die 
Gelegenheit und raison de guerre erheischen wird, femer für die 
Hand nehmen wird. 

Dass des Prinzen von Oranien Ld. mit einer sehr conside- 
rablen Macht und einigen Spanischen conjungirten Trouppen, so sich 

zusammen auf -^ M. belaufen sollen, auf Maestricht gangen und 

Yon dannen entweder gegen uns zu advanciren oder sonsten im 
Luykischen oder Goelnischen etwas Wichtiges fttrzunehmen gemeinet 
sei, solches wird Ew. K. M. bereits kund sein, und es stehet zu hoffen, 
es werde hierdurch der Widerpartei ein guter Streich versetzet und 
was Notables zu derselben Abbruch verrichtet werden können. — 
Der Prinz von Cond6 ist zwar zu Metz angekommen'), hat aber ganz 
wenig Volk bei sich, „und wird man auf dessen Färnehmen von hie auch 
ein wachendes Aoge jedesmal haben. ^ 



d. d. Wien 24. November 1672 antwortet Kaiser Leopold auf das 24. Nov. 
Schreiben vom 11. mit der Versicherung, „dass ich ebenmässig sonsten an 
allermögllcben Assistenz zu Abwendung der Ibro und Ihren Landen unbillig 
znmuthenden Bedrangnussen nichts erwinden lassen werde*^. 

') Kaozlei vermerk: „mittatur hiervon Gopia an die Regensbnrgische Ge- 
sandte cum man dato: dieses Werk nach Binhalt ihrer vorigen Instractionen 
seiner Wichtigkeit nach zn beobachten und darunter den Standen die Oebör fär- 
znstellen, weil man nnnmehr 8. Oh. D. von Land und Leuten zn vertreiben 
suche und also einen oflfenbaren feindlichen Bruch wider das Instrumentum 
Pacta verübet, implorando garantiam et anzilia der Stände.* 

^ Gond6 hatte, nachdem seine Blessur zu Wesel ausgeheilt, das Oommando 
wieder übernommen. 



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284 <!• Der Winterfeldzug vod 1672 aaf 1673. 

Vom selben Datum die Mitteilaog des Kaisers, dass die Brei- 
sacher Garnison die Rbeinbrücke bei Strassbarg (^wider die Stadt Strass- 
bürg") demolirt hat'). 



Der Kurfllrst an Kaiser Leopold. Dat. Rttsselsheim 28. No- 
vember/8. December 1672. 

[Ritte um Erlass eines Excitatoriams an die Schwäbischen Kreisstände, die 

Reichshilfe betreffend] 

K L)ec. Kais. Maj. möge geruhen, ein ^ernstliches Excitatorium an die gesamte 
Schwäbische Kreisstände unter Dero hohem Kaiserlichen Namen abgehen 
zu lassen, damit dieselbe sich förderlichst wegen Repartition des ihnen 
zur gemeinen Reichssecurität zugetheileten Kreisquanti vergleichen and also 
auf bedürfenden Fall, welcher je länger je mehr anwächst, £w. K. M. und 
dem Reiche damit nicht aus Händen gehen mögen.^ 

Kf. beruft sich hierbei auf ein Antwortschreiben des Herzogs Eber- 
hard von Würtemberg, worin ebendasselbe betont und ^wegen noch 
nicht erfolgter Repartition des Schwäbischeu Circular-Quanti^ Beschwerde 
geführt wird. 



Kaiser Leopold an den KnrfUrsten. Dat. Wien 22. Dezember 

1672. 

[Auf das Schreiben vom 25. November,] 

22. Dec. welches „die Schädlichkeit des von Gravel zu Regensbnrg projeetirten 
Foederis*) und der dabei ex parte Frankreich vorhabenden Trennung der 
Reichsstände vom Kaiser** entwickelte. Den Kaiserlichen Gesandten zn 
Regensburg ist die Hintertreibnng dieses Projectes anbefohlen. — Der 
Kaiser hat zu dem Ende auch hier „etliche rechtmässige Bedenken dawider* 
verfassen lassen. Dieselben folgen, wie sie bereits dem Freiherrn vpn 
Goes commnnicirt sind, anbei. 



Anlage. 

Rechtmässige Bedenken über das von dem Französischen Plenlpoten- 
tiario zn Regensburg extradirte Projectum foederis. 



Geschah am 16. November aaf Oondes Befehl. 
^ Zar Sache vgl. Einleitung III. 



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AnslaesuDgen KCölos and KPfalzs 285 

b. Schreiben und Gesandtschaften an einzelne 
Reichsstände. 

Kurfürst Maximilian Heinrich von Cöln an den Eurfttrsten 
Karl Lndwig von der Pfalz. Dat. Deventer 18. Juli 1672 0. 

[Giebt Nachricht von dem Entschlass KorbraDdenborge, gegen Frankreich und 
desseo Alliirte ins Feld zu rücken. Hofft, dass dem Kriege vorgebeugt werde.] 

^Ew. Ld. mögen Wir hiermit nicht verhalten, wasgestalt Wir berichtet, IB. Juli. 
ob solltea Ihre Kais. Majestät samt des Harro Gharfürsten zn 
Brandenburg Ld. entschlossen sein, einige Völker zasammenznziehen 
and denen von der Krön Frankreich und Engelland^ anch von Uns 
and des Bischöfen von Münster Ld. nothzwänglich gegen die Staaten der 
Vereinigten Niederlande ergriffenen und bishero von dem gütfgen Gott mit 
glücklichen Progressen gesegneten Waffen entgegen zn setzen. Indem Wir 
aber zn dieser Gegenwehr zn Unserer und Unseres Erzstifts Rettung ge- 
zwangen worden: so leben Wir der Hoffnung, S. Kais. M. und Ghurbranden- 
burgs Ld. werden dadurch nicht den allgemeinen Friedenschluss über einen 
Hänfen werfen, mithin den Ruhestand im Reich zerstören und einen unans- 
löscblichen blutigen Krieg erwecken, weniger Uns in Vertheidig- und Wie- 
derbeibringung des Unsrigen verhindern wollen, sondern versehen Uns viel- 
mehr, Chnrfürsten und Stände des Reichs wie auch Ew. Ld. werden zu 
dessen Abstellung bisherige Erinnerung zu thun und Uns hicrinfalls zu 
garantiren nicht unterlassen.*^ 



Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz an den KurfUrsten. 
Maximilian Heinrich von Cöln, Dat. Heidelberg 20. Juli 1672. 

[Eine mündliche Antwort hat Spanheim nicht ausrichten können. K Pfalz hat 
seine Nachrichten bisher nur ans den Zeitungen. Hofft das Seine vom Reichs- 
tage und von der Garantie des Friedens durch Frankreich und dessen Alliirte.] 

^Die jetzige Eriegsunruhe in denen Niederlanden angehend haben Wir 30. Juli, 
derenthalben sowol des H. Bischofs von Strassburg Ld. Unsere Ge- 
danken unlängst vertraulich zugeschrieben als auch schon vorhero, nachdem 
Wir Euer an Uns darunter abgelassenes freundvetterliches Schreiben em- 
pfangen, Unseren Regierungsrath und Residenten am Niederrheinstrom, den 
Yon Spanheim^ Befehl ertheilet, Ihre daraus Unsere freundvetterlicbe 
Antwort mündlich unterth. zu hinterbringen, welches er aber vermöge seines 



') Dieses und das folgende Schreiben wurde von den kurbrandenburgischen 
Gesandten beim Regensburger Reichstage Gottfried von Jena und G. A. von 
Marenholts d. d. 9./19. August 1672 abschriftlich nach Berlin gesendet. 

*) Ezechiel von Spanheim, der bald in knrbrandenburgische Dienste trat. 



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286 11- Der Winterfeldsag voo 1672 auf 1672. 

Ud8 jüngsthin erstatteten Berichts wegen Ewer Ld. zeithero Yorgenommener 
Abreise ans Dero Churfurstiiehen Residenz der Gebür abzulegen bishero 
verhindert worden. 

Was absonderlich die erwähnte Znsammenführnng der Kaiserlicbeo und 
Gbnrbrandenburgischen Völker belanget, haben Wir davon noch sor Zeit 
keine andere Nachricht bekommen als was Wir ans denen Zeitaogen er- 
sehen, zweifeln jedoch nicht, I. Kais. M. nicht weniger als Charbraoden- 
bnrgs Ld. werden Dero Vorhaben an die Reichsversammlung bringen, da 
Wir dann daselbst und sonsten Uns dem Instmmento Pacis und denen 
Beichssatznngen gemäss zu bezeigen Unseres Orts nicht nnterlassea wollen, 
von Herzen wünschend, der allgtttige Oott wolle allerseits Gedankea dahin 
gnädiglich lenken, dass des heiligen Reichs Frieden angekränkt beibehalten 
werden möge. 

Wofern aber unterdessen dagegen etwas gewaltthätig vorgehen sollte, 
werden es Diejenigen schwer zn verantworten haben, welche den West- 
phälischen Frieden and die Reichsmhe zn tarbiren den Anfang machen, 
und vermeinen Wir, dass Ew. Ld. samt Dero Alliirten, jetziger Zeit, in 
besserer Postnr als Wir oder auch das Roemische Reich selbsten sieh be- 
finden, sothanen Frieden nachdrücklich zu garantiren.^ 



Karfttrst Karl Ludwig von der Pfalz an den Landgrafen 
von Hessen -Darmstadt. Dat. Heidelberg 6. Angust 1672^). 

[Infolge des kaiserlich-brandenbargischen Böndnisses steht der Anmarsch der 
vereinigten Armeen bevor. Am Reichstage zu beratschlagen, mit welchen 
Mitteln den Ongelegenbeiten vorEubengen wäre, die der Pfalz und der Landgraf- 
schaft Hessen ans dem Durchzuge erwachsen werden.] 

16. Aug. „Ewrer Ld. ist sonder Zweifel nicht weniger als Uns ans dem gemeinen 
Gerüchte und sonsten bekannt, wasgestalt zwischen Ihrer Kaiserlichen 
Maj. und Chur-Brandenburgs Ld. in Ansehung jetztmaliger Lauften 
ein Bündnis jüngstbin aufgerichtet und dahero allerhöchstged. I. Kais. M. 
entschlossen sein sollen, eine Anzahl Völker nach Eger zn schicken, solche 
förderst mit Ghur-Brandenbnrgs Ld , auch (wie verlauten will) andern Dero 
Alliirten Völkern zu conjungiren und an den Rheinstrom zu führen. Ferner 
haben Wir auch aus dem zn Regensburg commnnicirten Extract des König- 
lichen Französischen Residenten am Churmainzischen Hofe, Abb6 de 
Gravel, bei Ihrer Ld. gethanen Vortrages ersehen, was massen anf ein 
oder andern Fall leicht geschehen könnte, dass die Königliche Französische 
Völker sothanen Kaiserlichen nnd Dero Alliirten Völkern entgegen gehen 



') Das Schreiben hat als eine ganz besonders charakteristische Auslassung 
vor anderen hier eine Stelle gefunden. 



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über den Marsch der yereinigteD Armee. 287 

und den Fortmarche zu verhindern trachten möchten. Weil nun solchen 
Falls neue Eriegsnnrahe in derer Stände Landen, welche zwischen beiden 
Theilen gelegen, gezogen, oder doch dieselbe, ohne Unterschied, dem In- 
stramento Pacis Art. 8® §<> 2® und der Kaiserlichen Wahlcapitolation 
Art. 13® in fine zuwider, mit Durchzügen beschweret, auch wol gar mit 
Einqnartirungen beleget und also in unwiderbringlichen Schaden gesetzet, 
wo nicht wiederum ganz zu Grunde gerichtet werden dürften, Uns aber 
gebüren will, in Zeiten darauf bedacht zu sein, wie solches Verderben von 
Unsern Land und Leuten abgewendet werden möge, und Wir dabei nebenst 
betrachtet, dass Ew. Ld. Dero Fürstenthums und Landen Gelegenheit nach 
Dicht weniger als Wir hierunter merklich interessiret seien: so haben Wir 
nicht unterlassen wollen, mit Ew. Ld. daraus in hergebrachter Gonfidenz 
zu commnniciren und dieselbe dabei freundyetterlich zu ersuchen, Sie ge- 
lieben in hochTcrnünftiger Erwägung überzahlter Umständen Dero Gesandten 
zu Begensburg dahin zu befehlen, mit Unser m und anderer eben massig 
iDteressirter Stände Gesandten daselbst sich darüber vertraulich zu unter- 
reden und berathschlagen zu helfen, was für ein zulängliches Mittel, so- 
thanen befahrenden Ungelegenheiten zeitlich vorzukommen, diesfalls zu er- 
greifen, und ob nicht inmittelst ein bewegliches Gesammtschreiben an L 
Kais. M. Namens aller interessirten Stände zu verfertigen und abzufassen 
sei, worin der Sachen Beschafifenheit und Gefährlichkeit mit Anführung der 
Reichsconstitutionen, Instrumenti Pacis und Kaiserlichen Wahlcapitulation 
wol vorgestellet und Dieselbe dabei allerunterth. ersuchet werden, solche 
allergn. Verfügung zu thun, dass ged. Stände mit Durchzügen und Ein- 
qnartirungen Dero auch Ihrer Alliirten und folglich anderer Völker, mehr- 
gedachtem Instrumento Pacis und Kaiserlicher Wahlcapitulation entgegen, 
nicht beschweret werden, sondern damit allerdings verschonet bleiben mögen, 
gestalten Wir denn bereits Unserm Gesandten zu Regensburg deshalben 
nothdürftige Instruction zugefertiget haben und er demnach nicht ermangeln 
wird, seines Orts neben Ew. Ld. und übriger interessirten Stände Gesandten 
alles dasjenige nach Möglichkeit beizutragen, was zu Erhaltung Friede und 
Ruhestandes im Heiligen Reich, und Abkehrung aller besorglicheu Be- 
schwerden erspriessen mag').^ 



a. Kurmainz* 



d. d. Halberstadt 3./13. September 1672) Creditif des Kurfürsten 13. Sept. 
für den Freiherru Gurt Asche von Marenholtz an den Kurfürsten 
Johann Philipp von Mainz, „damit er einige Angelegenheiten, das ge- 
meine Beste und die gegenwärtige Gonjnnctnren betreffend, eröffnen möchte^. 

*) Auf diesen Brief hat Kf. später in einem Rechtfertigungsschreiben an 
K Pfalz Bezug geDommen. 



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288 II. Der Winterfeldzug tod 1672 auf 1673. 

Der Kurfürst an v. Marenholtz nach Regensburg. 
Dat. Halberstadt 3./13. September 1672. 

[loBtractioD für seine Gesaadtscbaft an Karmainz. Frankreichs Ültimatom. 
Charakteristik der Lage.] 

13. Sept. Ihr werdet zweifelsfrei aas Unserm an Euch und den von Jena 
abgelassenen Rescript mit mehrem ersehen haben, wie es zwischen 
Frankreich und Uns stehe. Wir befehlen an Euch darauf in Gnaden, 
Euch mit dem förderlichsten nacher Chur-Mainz L d. zu erheben, bei 
Deroselben vermittels beigehenden Greditifs um Audience anzuhalten 
und Ihro nach der Euch beiwohnenden Dexteritaet auf« beweglichste 
den gegenwärtigen Zustand zu repraesentiren : fürnemblich habet Ihr 
zu cxaggeriren, wasmassen man an Französischer Seiten, ungeachtet 
aller Unser bisherigen Geduld und Begierde zu Erhaltung des Frie- 
dens, davon S. Ld. selber zeugen könnten, in Unserm Herzogthum 
Cleve an Unseren unschuldigen Unterthanen alle Hostilitaeten verQbet, 
so nur zu ersinnen, Uns auch unlängst durch den hier subsistirenden 
Envoyö Comte de la Vauguion in einer am 28. August*) verstatteten 
Audience den Krieg deutlich gnug ankündigen lassen, indem ge- 
dachter Envoyä unter anderen im Kamen seines Königs proponirt: 
dass weil Ihre Maj. unmehro versichert, dass der March Unserer 
Armee und der Völker, so dazu stossen möchten, nacher Westphalen 
und dem Rhein wärts gerichtet, hätten Sie den Marechal de Tu- 
renne beordret Holland zu verlassen, den Rhein mit der Armee zu 
passiren und Uns entgegen zu gehen. Die Klagten über der Fran- 
zösischen Proceduren in Unserem Herzogthum Cleve habet Ihr aus 
dem Euch zugefertigten Memorial, und was davon nachgehends zur 
Ergänzung desselben einkoramen, zu nehmen, und dabei ferner Sr. Ld. 
vorzustellen, Sie möchten nach Dero hocherleuchtetem Verstände er- 
wägen, ob es nicht mit der Teutschen Freiheit und mit denen so 
theuer erworbenen Praerogativen gethan sein würde, wann es Frank- 
reich so hingehen sollte, einen ChurfÜrsten und vornehmen Stand des 
Reiches dergestalt, wie Uns geschehen und aller Welt kund ist, zu 
tractiren, ein ganzes Herzogthum, so unstreitig zum Reiche gehöret, 
unverschuldetermassen zu occupiren. Uns dessen zu entsetzen und 
Unsere Unterthanen von dem Uns schuldigen Gehorsam abzuhalten. 
Sollte man dazu stille sitzen, so würde zwar das Uebel bei Uns an- 
heben, aber sich gewiss bei Unseren Mitständen endigen. Wir zwar 
'} (Joncept. Thatsttcblich war es der 29. a. St. 



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ErkläruDgeD des Kf. an K Mainz aber das fransös. Ultimatam. 289 

finden Uns verbunden, vermöge der Uns obliegenden schweren Pflichten 
alle Mittel zu BeschQtzung Unserer Lande und Leute auch des Beiches 
zu ergreifen, die Uns Gott und die Natur an die Hand geben, und 
wollten Uns bei einer so gerechten Defension zuvorderst göttlicher 
HQlfe und dann Eaiserl. Maj. und Unserer Herren Mit-ChurfBrsten 
und -Stände Beistandes gewiss versehen. — Kf. vertraue auf Kur-Mainz. 
Der Kanzler möge die Verfügung erlassen^ dass seine Trappen sich mit 
den Alliirten verbinden und so insgesamt das Reich schützen. Es erfor- 
derte solches nicht allein die Ghurfttrstl Verein und Sr. Ld. als ersten 
Standes des Reiches hohes Amt, sondern es wäre auch demjenigen 
conform, wessen Sich S. Ld. hiebevorn gegen Kaiserl. Maj. vernehmen 
lassen, auch albereit gegen Uns zum öfteren erkläret, dass nemblich 
der König von Frankreich schuldig wäre alles zu restituiren, auch 
den zugefügeten Schaden gut zu thnen, sich auch erboten Uns da- 
runter zu assistiren, und dass Sie des Königs von Frankreich Thun 
selbst vor eine Gontravention des Instrument! pacis hielten .... Der 
Kanzler möge auch auf andre Mitstände durch sein Beispiel wirken. — 
Marenholtz soll sich darauf einrichten, 2 bis 3 Wochen am Hofe za bleiben, 
und dort weiterer Ordre entgegensehen. 

F. S. Der König von Frankreich hat sich am meisten deswegen be- 
schwert, dass Kf. über die Proceduren der Franzosen im Clevischen auf 
dem Reichstag habe Klage führen lassen. Das ist gar nicht geschehen. 
Es ist nur, wie bekannt, das bezügliche Froject an Kurmainz communicirt 
worden. Dasselbe müsse von ungeführ in andere Hände geraten sein. 
„Dieses aber wäre daraas sattsam abzanehroen, dass der König in Frank- 
reich auch nicht einmal gönnen wollte, dass man sich über die zogefügete 
Unbilligkeiten beklagen und wegen desjenigen sprechen sollte^ wozu man 
allerdings befugt.^ 

Der Kurfürst an v. Marenholtz. Dat Halberstadt 6. Sep- 
tember 1672. 

[BeqoiBitionsscbreibeD an die EarfursteD.] 

Teilt mit, dass er an Knrmainz ein Reqnisitionsscbreiben um Hülfe 16. Sept. 
hat ausfertigen lassen, wie solches an die übrigen Mitkurfürsten, ausge- 
nommen Göln, abgegangen ist'). Marenholtz soll das Schreiben, welches 
ihn auf der Reise trifft, bei sich behalten und selbst abgeben'). 



>) Oben S. 278. 

^ Ein beigehender Befehl die Ansbach'Bcbe Vorm and schaftSBache be- 
treffend gehört nicht in diesen Zasammenhang. 



Mater, s. Gesrb. rl. G. Kurfüraton. Xm. 19 



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290 n. Der Wiuterfeldsag von 1672 auf 1673. 

Der Kurfürst an v. Marenholtz. Dat. Hauptquartier Wispen- 
stein 13. /23. September 1672. 

[Antwort an Karpfalz and Karmainz, ihre Willfährigkeit anzaspornen.] 

23. Sopt. Auf das Schreiben von Karpfalz an den Landgrafen za Hesse d- 
Darm Stadt, welches Marenholtz nnter dem 30. Aaga6t/9. September aus 
Regensbnrg abschriftlich übermittelt hat, ist in derjenigen Form, wie die 
Copie zeigt, an Enrpfalz Antwort ergangen'). Desgleichen an EurmaiDZ, 
welches eben solche Vorstellnngen sn thnn beginne wie jenes, v. M. wird 
demnach angewiesen, ^Sr. Ld. auf gleiche Art allen übel gefasseten Waho 
zu benehmen and darunter alle möglichste Officia anzuwenden, damit l>ie- 
selbe Sich des gemeinen Wesens, wie bisher rühmlich geschehen, ferner 
annehmen und Sich willfährig erkläre^. 



Der Kurfürst an v. Marenholtz. Dat. Hauptquartier Harste^) 
16./26. September 1672. 

2G. Sept. Ein Beischlnss bringt erneuerte Elagen aus dem Clevischen. Der Ge- 
sandte soll des Enrfürsten billige Forderungen urgiren, auch jetzt, wo das 
Bündnis zwischen dem Eaiser, Brandenburg, Dänemark, den Her- 
zogen Georg Wilhelm und Rudolf August von Braunschweig abge- 
schlossen, dem Kanzler den Eintritt nahe legen. 



27 Sept. d. d. Regensbnrg 17./27. September 1672 meldet v. Marenholtz, 
dass er des Kurfürsten Befehlschreiben dat. Halberstadt 3. Septbr. und dat. 
Hornburg 7. Septbr. a. St. heute, den 17., empfangen hat und sich morgen 
auf die Reise begeben wird. 



V. Marenholtz an den Kurfürsten. Dat. Würzburg 24 Sep- 
tember/4. October 1672. 

[Audienz bei K Mainz. ErklamagsgrüDde warum ihm eine Hilfeleistang uomög- 

lich. Marenholtzs Gegenvorstellaogen. — Markgraf von Baden-Baden. Abbe de 

Gravel. Fränkische Kreisvölker angeblich nach Cöln.] 

4. Oct. Giebt Creditif und Requisitionsschreiben ab. Curialien. 

Bei der Audienz beteuert der Kanzler, wie sehr ihm die Verheerungen 
im Clevischen zu Herzen gehen; der Kurfürst müsse unbedingt Restitution 
und Satisfaction empfangen. Hilfeleistung aber lehnt er ab, und zwar in 
folgender Motivirung. 

1) Oben S. 286 und 287 Anm. 1. 
^ Dordl. GoitiuguD. 



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MarenboltzB Beriebte aber KtfaiDK and deseen Haltang. 291 

I. Kais. M. und Ew. Ch. D. wflssten Sich zurttckzuerinnern, dass 
S. Churf. 6n. dem Könige von Frankreich diese Versicherung ge- 
geben, dass Sie Sich in den Krieg zwischen Deroselben und Holland 
nicht mischen wollten. Wenn Sie aber anitzo Völker schicketen, 
würde es bei dem Könige übel gedeutet werden und Ihr nimmer zu 
rathen sein. Es wären auch S. Churf. 6n. leicht zu entschuldigen, 
zumaln Sie nicht nur das Vermögen nicht hätten und in solcher 
Postnr, Kais. Maj. und Ew. Ch. D. zu assistiren, begriffen, sondern 
Ihre Erz- und Stifter lägen also, dass Sie stets auf der Hut stehen 
und eines Ueberfalls von Frankreich oder wol gar aus der Nachbar- 
schaft (womit Sie zweifelsohne auf Chur-Pfalz D. zieleten) Sich be- 
fahren mttssten. Auch wäre die Stadt Mainz noch in keiner Defension 
und die angefangene Werke nicht aufgeführet. Hoffeten also nicht, 
dass Ew. Ch. D. oder jemand Ihr anmuthen würde, Sich in solche 
Gefahr zu setzen und von Frankreich accabliren zu lassen, wie Sie 
dieses Wort unterschiedliche Mal gebraucheten. Alles was S. Churf. 
6n. zu den jetzigen Conjuncturen sagen und rathen künnte, wäre: 
dass man Causam imperii aus diesem Werke machete; und wenn 
Frankreich sähe, dass das Reich sich des Handels annähme, würde 
es gewiss zu anderen Gedanken gebracht werden. 

Der Kanzler wandert sich, wie man auf französischer Seite sich wegen 
einer Eingabe an die Reichsstände ^formalisiren und beschweren^ wolle. Das 
Memorial'), dessen Eingabe KMainz vermisst^ so versichert Marenholtz, wird 
Dan wol dem Reicbsdirectoriam übergeben worden sein. KMainz will es in 
beiden Collegien darch seine Vota unterstützen. Im Falle einer vom 
Reiche vorgeschlagenen Mediation wird der Kanzler sofort an Frankreich, 
England, Holland schicken und alles gebürend vorstellen lassen. Sollte 
das nicht verfangen, so müssten die Reichsvölker zasammengebracht und 
i,der allgemeinen Gefahr mit allgemeiner Hülfe gesteuert werden". Er 
selbst könnte sich jetzt Kaiser und Reich nützlicher erweisen, wenn er sich 
aus der Sache hielte und neutral bliebe, als wenn er sich verpflichtete eine 
Hülfe za senden, mit welcher wenig auszurichten wäre. 

Marenholtzs Gegenvorstellongen: die Mainzische Hilfe, wenn auch nicht 
bedeutend, „gebe doch ein grosses Ansehen und trefifliches Exempel": sind 
vergebens. Kaiserliche Majestät, so wird erwidert, seien mit des Kanzlers 
Erbieten zufrieden; er hoffe nicht, dass Kf. ferner in ihn dringen werde. 

Dieser Audienz hat nur der Kur-Mai nzische Kanzler Herr Bertram 
beigewohnt. Da die übrigen Herren Geheimen Räte nicht gegenwärtig, 
Bo ist nichts weiter auszurichten. Der Gesandte „findet auch keine Appa- 



') Da« brandeDburgiBche. S. unteD S. 299. 

19* 



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292 II- Dw Winterfeldeng von 1672 auf 1673. 

rence, dass S. Churf. Gn. za Schickang einiger Mannschaft Sich werden 
disponiren lassen^. 

Markgraf Hermann von Baden, welcher mit der Post ans Wien 
gekommen ist nnd zu Knrpfalz und nach Brüssel reist, lässt sich dem Kt. 
empfehlen. Er hält die Gründe des Erzkanzlers, ,valables gnung'; der 
Kaiser werde zufrieden sein, wenn Kurmainz dem Werk keine Hinderung 
bereite. Ebenso zweifelt auch der hiesige Kaiserliche Resident, Herr von 
Meiersberg ^), der ihm die Visite giebt, an einer anderen Entscheidung. 

Von Frankreich ist jetzt niemand hier. Der bisherige Resident, Abb 6 
de Gravel, ist nach Paris gereist. — Ein Courier, welchen Marquis de 
Grana aus Cöln nach Wien abgefertigt, ist hier durchgekommen ; man hat 
aber nichts von ihm erfahren können. Vom Kaiserlichen Residenten hat 
M. gesprächsweise vernommen: man dächte daran, in die Stadt Cöln einige 
Völker zu legen, die der Fränkische Kreis zusammengebracht hätte nnd 
zu des Reichs Defension in Bereitschaft hielte. 



V. Marenholtz an den Kurfürsten. Dat. WUrzburg 
28. September /8. October 1672. 

[Vanbmn nnd Qravel.^ K Mainz soll in die französisch-schwedische Allianz ge- 
zof(en werden. — Hohenlobes Eifer. Vanbrans verletzte Eitelkeit KMaioz 
weist jeden Verdacht frauzösischer Sympathien zurück. Vorschlag; KBaierns 

wird fallen gelassen.] 
8. Oct. Bezieht sich auf seine Relation vom 4. October. 

Vergangenen Mittwoch ist ein französischer £nvoj6, Marquis de 
Vaubrun, nebst dem Abbö de Gravel angelangt. Jener logirt anf dem 
Schloss, dieser hat ^sein Ordinari-Qnartier^ wieder bezogen. 

Vaubrun hat dem Kurf. ▼. Mainz beteuert; seinem Könige sei nichts 
lieber als ein ^gnt Verständnis*' mit dem Reiche. ^Würden aber die jetzigen 
Occnrrentien S. M. wozu anders veranlassen, wollten Sie entschuldiget sein, 
nnd möchten die Verursacher solches verantworten.^ Vaubruns vornehmstes 
Negotium ist dies, Kurmainz in die französisch-schwedische Allianz zu ziehen. 
Von Kurpfalz wird bestimmt angenommen, dass es bereits beigetreten sei; 
S. Churf. Gn. wollen Sich aber dazu nicht resolviren. — Weder Vaubrun 
noch Gravel haben ihre Ankunft dem brandenburgischen Gesandten noti- 
ficicen und das gewöhnliche Gompliment ablegen lassen. 

Der Eifer, welchen Graf Hohenlohe als Premierminister bei S. Churf. 
Gn. für Sr. Kais. Mej. und des Kf. Dienste an den Tag legt, ist höchst 
rühmenswert. — Das vom Kaiser eingekaufte Korn soll zollfrei passiren. — 
„Als gedachtem Marquis de Vaubrun an der Tafel nach des Herrn 
Markgrafen Hermann von Baden D. und Sr. Churf. Gn. die Stelle 
gegeben, soll er sich darüber formalisiret und gegen einige gedacht haben, er 
wäre zu Berlin anders tractiret und über fürstliche Personen gesetzet worden^. 

^) Origin. fälschlich Meiersheim. 



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AnsocheD des Kf. am Verstattang der Mainzer Brocke. 293 

P. S. Er hat das Rescript aas Wispenstein vom 13. September st. v., 
welches über Regensborg geschickt worden, erst jetzt erhalten. Der Erz- 
kanzler spricht seine Verwonderung aas, wer denn dem Ef. die Meinong 
beigebracht habe, dass er mit Eorpfalz „dieselbe Yorstellang zu thun^^ 
willens sei^. S. Ch. Go. wurden in aofrichtiger Treae heim Reiche ver- 
harren. Für dies mal könnten Sie Sich wegen Schickung der Hülfe nicht 
anders erklären. 

Ein durch Courier überbrachtes Schreiben Kurbaierns ist Marenholtz 
vorgelesen worden, des Inhalts, dass Kurbaiern wünsche, mit Kormainz, 
Eursachsen nnd Eurpfalz eine Abschickung an den E als er und an 
Eurbrandenbnrg zu thnn zum Zweck des Waffenstillstandes. Der Erz- 
kanzler erklärt diesen Vorschlag, der von ihm in generalibus zu beantworten 
sein werde, nicht für praktikabel, hält vielmehr an der Seodong nach 
Frankreich, England und Holland fest. 



Der KarfÜrst an v. Marenholtz. Dat Hauptquartier 
Butzbach^ 29. September 1672. 

[Letztes AoBocheo an K Mainz um Benotzong der Schiffbrocke.] 

Der Gesandte wird inzwischen beim Eanzler angelangt sein und seine 9. Oct. 
Negotiation verrichtet haben. — Es folgt anbei abschriftlich die dem Frei- 
herrn von Blumenthal an Kurtrier erteilte Weisung *). Weil Ef. nicht weiss, 
ob ihm der Gebrauch seiner (der Coblenzer) Brücke und die Passage durch 
das Trierische ^ird zugestanden werden, soll der Gesandte an Eurmainz 
das gleiche Anbringen betreffend die Benutzung der Mainzer Schiffbrücke 
thun, ohne jedoch von der Sendung nach Trier etwas verlauten zu lassen. 
Sollte E Mainz aber zu willfahren Bedenken tragen, so mag ihm deut- 
lich gemacht werden, dass Ef. sowol als die Eaiserlichen zu seinem Leid- 
wesen noch lange in den Mainzischen Landen zu stehen sich würden ge- 
nötigt sehen; sollte er die Passage im Trierischen empfehlen» so würde 
ein solches Ansuchen vermutlich erfolgen. In jedem Falle aber würde es 
zuträglich sein, wenn Ef. beider Uebergänge versichert wäre. 

„S. Ch. D. verhoffeten, bei Annäherung an diese Oerter sich mit I. Ld. 
selbst zu besprechen.^ 

Der Kurfürst an v. Marenholtz. Dat. Hauptquartier 
Butzbach 30. September 1672. 

[Bescheid an Eurmainz.] 
Wenn Kurmainz rät — laut Marenholtz' Relation vom 24. Septbr./4. Oc- lo. Oct. 
tober — ^man solle das ganze Werk auf das Reich und dessen Schutz 

1) S. 290 and dazu S. 286. 287. 
^ Amt Friedberg, Oberhessen. 
<) Unten S. 304. 



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294 n. Der Winterfeldsog tod 1672 aaf 1673. 

Qod Interesse nehmen*^, so wird der Gesandte ersehen haben — dass Wirs 
auch nirgends anders aufgenommen, wobei dann auch femer zu ver- 
harren. 

Er soll neben der Rheinpassage auch die über den Main, etwa bei 
Hoechst, desgleichen um „einige benöthigte Schiffe^ nachsuchen. 



V. Marenholtz an den Kurfürsten. Dat Würzburg 
2./12. October 1672. 

[Des Erzkanzlers Alteration ond Beteoerungen. Schlägt die Schiffbrncke bei 
Mains rundweg ab. Trostmittel der Mediation. Jodoci. Vaabran. Meiersberg.] 

Oct. Auf die Rescripte vom 29. und 30. September st. v. sncht er sogleich 
AndienZy findet aber S. Chnrf. Gn. höcht alterirt. Sie sagten alsobald, 
man sehe nun wol, wie es gemeinet, dass nemblieh Ihre Lande und 
' Erzstift sollten ruiniret und zu einem Theatro des Krieges gemachet 
werden. Die Kaiserlichen und zwei von Ew. Gh. D. Begimentern 
h&tten um Erfurt so gehauset, dass es die armen Leute nicht yer- 
winden würden; anitzo gingen Ihre vier hessische Aemter, wie Sie 
dieselbe nenneten, darauf, und vernähmen nunmehr, dass es auch 
Ihrem Erzstift ferner gelten und man noch dazu die Passage ttber die 
RheinbrOcke zu Mainz begehren wollte. Sie wttssten gar wol, dass 
bei S. Churf. 6n. zu Trier dergleichen gesuchet, aber abgeschlagen 
worden, wie Sie gestern aus Goblenz Nachricht erhalten. Nun machete 
man sich an Sie, als die wol thuen roüssten, was andere refusirten. 
Sie wären so gut als Chur-Trier und Ihre Lande eben in der Gefahr 
als die Trierischen. Niemand kttnnte sich in die Marche richten und 
wttsste nicht, was man fast gedenken sollte. 

Ew. Gh. D. begehreten den Pass über den Main zu Höchst, da 
doch jedermann wissend, dass daselbst keine Brücke oder Schiffe, 
aber wol zu Frankfurt, und schiene, dass was man dieser Stadt 
nicht anmuthen dürfte oder wollte, das brächte man an S. Gh. Gn., 
als welche es wol leiden mOssten. 

Wie die Bezahlung, wann was vor die Armee geliefert würde, 
erfolgete, wäre bekannt, und trauete man nicht mehr. 

Die Passage über die Schiffbrücke zu Mainz künnten und wollten 
S. Ghurf. Gn. niemand verstatten; es stünde Ihr Wol und Wehe dar- 
auf Wollte man mit Gewalt was vornehmen, müssten Sie es darauf 
ankommen lassen. Man sollte aber sehen, was daraus erfolgen würde, 



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Wird yoD E Mains abgelehnt. Yorgeschlagene Mediation. 295 

und hielten S. Churf. Gn., wenn man Sie also tractiren sollte, anitzo 
die rechte Gelegenheit, andere Gonsilia zu fassen; wie Sie denn täg- 
lich von Frankreich sollicitiret wflrden. S, Churf. Gn. h&tten um 
Churf. D. nicht verschuldet, dass mit Ihren Unterthanen so umgangen, 
auch nimmer gedacht, dass Sie die Passage zu Mainz begehren würden. 
Alle VorstelloDgen Marenholtzs halfen nichts. Der Karerzkaozler erklärt, 
wenn man Force gebranchen würde, so wüsste er seine Mesares zu nehmen. 
Im übrigen bezeugt er seine alte Gesinnung und sein Bemühen um Ent- 
schädigung des Kurfürsten, wenngleich Niemand von den Mitteln zum Frie- 
den und einer Mediation hören wolle. „Etzlicbe zieleten auf Sr. Churf. Gn. 
I nterposition alleine, weil Sie unparteiisch und niemand gegen dieselbe 
excipiren künnte.*^ 

Es trifft ein Schreiben von Kursachsen ein, welches ebenfalls Frieden 
wünscht 

„Weil S. Churf. Gn. in solcher Hnmeur^, so ergiebt die Audienz kein 
weiteres Resultat. An derselben nehmen Graf Hobenlohe, Kanzler 
Bertram und Geheimrat Jodoei teil, welch letzterer erst vorgestern 
ans Hannover wiedergekehrt ist. 

Schiffe sind, wie unparteiische Leute versichern, nicht zu bekommen. 

— Vaubrun hat, nachdem er schon sechs Tage allhier, seine Ankunft 
vorgestern angezeigt, worauf Marenholtz denn auch zu ihm geschickt hat. 
Der kaiserliche Gesandte Baron Meiers berg^) hat Vaubrun besucht. 

— Der bairische Courier') ist gestern wieder abgefertigt worden. — 

Der Kanzler i^t noch sehr vom Podagra incommodirt, sonst wäre er 
Willens nach Mainz zu reisen. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Mainz. Dat Haupt- 
quartier Bergen*) 4. October 1672. Conc. v. Schwerin. 

[Benimmt KMainz seine böse Meinnng. Was von einer Mediation za halten und 
unter welchem Y orbehalt Kf. in sie willigen würde.] 

Der Kurfürst zerstreut des Eurerzkanzlers Argwohn, als ob man von 14. Oct. 
dieser Seite das Erzstift zu ruiniren und zu einem Eriegstheater zu machen 
gedächte; er bedauert, dass derselbe das Ersuchen um die Flnssübergänge 
80 übel ausgelegt hat. Er hätte gehofft, S. Ld. würden ^sowol Dero Rath 
als That mit Denenselben vereinbaren, die das Römische Reich von ganz« 
lieber Oppression zu befreien, einzig und alleine vorhabend seien*'. — Eine 
Mediation, von welcher er übrigens noch gar keine bestimmte Kenntnis ge- 
nommen, habe er mit nichten verworfen ; dass er sie aber suchen sollte, das 
könne bei dem empfangenen Schimpf und Schaden in seinen Cleve-Märki- 

S. 292 Anm. 1. 

>) Oben Ö, 293. 

^ Grarschafi Huiiau. 



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296 n* I>or WiDterfeldsag von 1672 aaf 1673. 

sehen Landen niemand erwarten. — Gleichwie Wir aber nichts mehr als 
einen aufrichtigen und sicheren Frieden verlangen, auch versichert 
sein, dass I. Kais. M. nichts anders intendiren, gestalt Wir Uns dann 
beiderseits alleine solches Zweckes halber in solche kostbare Armatur 
gesetzet, so wird Uns Ew. Ld. hierunter bezeugete Sorgfalt gar nicht 
zuwider sein. Wir wollen aber nicht hoffen, dass andere, so sich bei 
diesem Werke so sehr partialisch erwiesen, ja gar Thür und Thor 
zu dieser Unruhe geöffnet, sich hierbei mit wollen gebrauchen lassen. 
Sonsten werden Ew. Ld. Dero hocherleuchtetem Verstände nach gnug 
begreifen, dass solange der Krieg mit den Uniirten Provincien währet, 
das Rom. Keich sich keines beständigen Friedens oder einiger Sicher- 
heit zu getrösten hat, und dahero wollen Wir Dero fernerem Nach- 
denken anheim gestellet sein lassen, wie dieses Werk am besten 
anzugreifen sein möchte. 

Nochmalige erneuerte Bitten an den Kanzler, zum besten der allge- 
meinen Sache die Passage über Rhein und Main nicht zu versagen. Es 
würde ihm keine Ursache zur Beschwerde erwachsen. 



Der Kurfürst an v. Marenholtz. Dat Hauptquartier Bergen 

4. October 1672 

[aaf die Relation vom 2./12. October]. 

14. Oct. Für die Audienz wird er auf das vorstehende Schreiben verwiesen, 
in welches er abschriftlich Einblick erhält. Er soll mit allem Nachdruck 
dafür sorgen, dass ^S. Ld. die gefassete Opinion fahren lassen nnd Sich 
sowol zn Ihrer Kaiser]. M. als Uns eines besseren versehen*^. Dann soll 
er sich, die Resolution falle aus, wie sie wolle, zum Kf. begeben. — Da der 
französische Gesandte seine Ankunft hat notificiren lassen, so mögen 
sich beide unter einander die gewöhnlichen Visiten geben. ^Welchergestalt 
Unsere Actiones und Intention zu justificiren, und hingegen vorzustellen, 
wie unverantwortlich die französische Generals nnd Milice in Uusern Clev- 
und Märkischen Landen gehauset, ist Euch bekannt nnd werdets also in 
Acht nehmen^. 



V. Marenholtz an den Kurfürsten. Dat. Würzburg 
5./15. October 1672. 

[Gebeimrat Jodoci zum Kurfürsten. Ueber den Beitritt sar Defensivallians. 

Keine bändige Erklärung von Knrmainz. — Dass die Alliirten nicht auf Apchaffen- 

barg rüclceD, verursacht grosse Freude.] 

15. Oct. Das kurfürstliche Rescript d. d. Harste 16./26. Septbr. ist über Regens- 



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Mediation. Verschiedene Gesandtschaften swischen EMains n. K Brandenbarg. 297 

borg gegangen nnd dem Gesandten erst heute zugekommen. Er hat es 
sogleich überreicht und dabei den Vorschlag der Defensivallianz vorgetragen. 
Per Eurerzkanzler giebt zu den betrübenden Vorgängen im Clevischen seine 
Teilnahme kund, erklärt sich von neuem zur Uebernahme einer Media- 
tion gern bereit, weist aber eine Hilfeleistung von der Hand. Zunächst 
will er warten, was Geheimrat Jodoci^), der an den Kurfürsten gesendet, 
ausrichten würde. Ueber seinen Eintritt in ein Bündnis mit dem Kaiser, 
Dänemark, Kurbrandenburg, Celle, Wolfenbüttel und Hessen- 
Cassel könne er keine Erklärung abgeben, ehe er nicht wisse, was das 
Bündnis in sich begreift. Er fragt, ob M. eine Abschrift des Recesses hätte, 
oDdobKSachsennndBrandenburg-Gulmbach üichtauch darin ständen. 

Es kam gleich Zeitung, dass Ihrer Kais. M. und Ewrer Ch. D. 
Armeen ihren Marsch wieder zurück und nicht aaf Asehaffenburg, wie 
gestern und heute wieder gesaget worden, nehmen, darüber S. Ch. 6n., 
welche sonst immer klagen, dass man Sie unbegrttsset also Aberzogen 
und Quartiere gemacht, etwas consoliret worden. 

Marquis de Vaubrun hält sich immer noch hier auf. 



Es gehört in diesen Zusammenbang noch die folgende Gesandschaft 
des Generalmajors Grafen d'Espance an Kurmainz. Eigenhändiges 
Creditif des Kurfürsten d. d. Bergen 5./15. October 1672. Eigenhändi- 
ges Recreditif des Kurfürsten von Mainz d. d. Aschaffenburg 18. Oc- 
tober 1672. 

Die (französische) Instruction dreht sich ganz und gar darum: neben 
dem Versuche, Kurmainz zur „guten^ Partei zu ziehen, den Rheinübergang 
zu erwirken. 



Es folgen dann kurz nach einander zwei Gesandtschaften: und zwar 
von Mainzischer Seite die des Geheimen Rats und Obermarschalls Frei- 
herrn von Schönborn (Creditif d.d. Mainz 27. October 1672. Recre- 
ditif d. d. Hauptquartier Bergen 29. October 1672); von Brandenburgischer 
Seite die des Geheimen Rats nnd Kämmerers Freiherrn Christoph 
Caspar von Blumenthal (Creditif d. d. Hauptquartier Flörsheim') 
ö. November 1672. Recreditif d. d. Mainz 6. November 1672). 

Die erste ist ohne Bedeutung. Von der zweiten liegt eine wichtige 
Elelation vor. Siehe unten S. 300. 

Am 11./21. October findet eine persönliche Zusammenkunft der beiden 21. Oct. 
Kurfürsten von Mainz und Brandenburg zu Frankfurt am Main statt. Ihrer 



Creditif für Geheimrat Johann Christoph Jodoci. Dat. Marienberg 
ob WnrEbnrg 13. October 1672. 
3) am Main. 



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298 II- Der Winterfeldzog von 1672 aof 1673. 

Besprechung liegt za Grande eine eigenhändige Aufzeichnung des Kur- 
fürsten von Brandenburg: 
21. Oet 1. das er Sich erfreue, dass Ich das glück gehabt Ihn persohnlich 
zu sprechen, 

2. das Seine intention undt consilia allzeit dahin gerichtet sein 
das dass Beich in bestendiger ruhe erhalten und der Mttnste- 
rische und Osnabrückische friede in bestendigen flore erhalten, 

3. das diesses S. Kays. Mayst. undt meine intention auch wäre 
undt zu dem ende diesse alliance gestiftet, worin allen Reichs 
Stenden frey stünde mitt in zu tretten, 

4. undt weill Ich mit der Kay. Mayst. undt meiner Armee biss 
alhier angelangt, so begette') Ich das der Churfttrst inredtlich 
sein wolte, was unmehr zu thun, 

5. welcher gestaldt das man den Kaiser und das Römische Reich 
in solchen standt setzen, das beqfichbarte potentaten mehren 
respect denselben zu tragen betten, 

6. welcher gestaldt das man zu einen gewünschten Frieden ge- 
langen undt ein jeder in dem seinen wieder gesetzet werden 
möge, darin er für dem Kriege gewessen, 

7. dass mir nicht allein sondern auch allen, so bey diessen marchen 
gelitten, vollkommene satisfaction gegeben werden mochte, 

8. das Chur Mentz den Ghur Fürsten von Trier ersuchen mochte, 
auch nach Frankfurdt zu kommen, 

9. welchergestaldt die Stadt Collen versichert werden küntte, 

10. weil! auss Regenspurg bericht wirdt das die Reichsverfassung 
rückgengig werde, ob man nicht diesse armee zu des Reichs 
sicherheitt zu amplogiren undt Ghur Mentz und Chur Trier Ihre 
Volcker mitt beyfugen mochten. 

11. Ob das nicht wider den Westfellischen Frieden lieffe wie 
Frankreich mich tractirete, belte also assistens vom Reich wie 
auch wegen der Churfürstlichen Verein hülfe'). 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Mainz. Dat Haupt- 
quartier Bergen 19./29. October 1672. 

[Klage der Stadt Wesel. Französischer Befehl ao den CommaDdaDten von Calcar.] 

29. Oct. Uebersendet eine Klage der Stadt Wesel and eineu Befehl des Grafen 
d' Estrades an den CommandanteD von Calcar. Aus beiden werde der 

Orthographie des Ori^in. 



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Persönliche Besprechung der Knrfärsten von Mainz nnd Brandenbarg. 299 

Kanzler einerseits ersehen, wie man seine (des Kf.) Unterthanen tractire, 
andererseits den Uebermnt der französischen GommaDdanten ermessen, 
^welche sich unterstehen dürfen, Unsere Bauern und Unterthanen in 
Praestirung ihrer Schuldigkeit zu verhindern und irre zu machen^. Gegen 
dergleichen muss er des Reiches Schutz und Hilfe suchen, wobei er sich 
des Kanzlers Assistenz mit Rat und That versichert hältO* 



d. d. Hauptquartier Bergen 23. October 1672 ersucht der Kar- 2. Nov. 
fürst den Kurfürsten von Mainz, den Regensburgischen Gesandten ge- 
messenen Befehl zu erteilen, dass sie die Memorialien, welche von den 
kurbrandeuburgischen Gesandten übergeben werden ^, unweigerlich ad dicta- 
tnram befördern und Schwierigkeiten, wie sie bisher bisweilen gemacht 
wurden, ferner nicht erheben werden. 



Unter dems. Dat. werden die Regensburgischen Gesandten vom Kf. 
angewiesen, das lateinische Memorial noch zurückzuhalten. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Mainz. Dat. Haupt- 
quartier Bergen 25. October 1672. 

[Bittet die brandenbargisohe Sache in Regensbarg mit Nachdruck sa vertreten.] 

Bedauert, ihn so oft mit Schreiben behelligen zu müssen; aber der 4. Nov. 
Franzosen ^unverantwortliche und mehr denn feindliche^ Procednren im 
Clevischen geben dazu Anlass. Er bittet den Kanzler, die brandenburgi- 
sche Sache in Regensbnrg ferner mit Nachdruck zu vertreten — 
damit man daselbst dermaleinst zeigen^ wolle, dass man Uns nicht 
dergestalt, wie es wol das Ansehen hat, verlassen und aufopfern wolle, 
es wäre denn, dass man Uns Ursache geben wollte. Uns des Reichs 
und Anderer, denen dergleichen auch widerfahren kann, hinwieder 
nicht anzunehmen. 

Zwar will Französischer Seiten vorgegeben werden, als wann 
man in des Königs Alliirten Landen dergleichen gethan. Wir können 

') Die Klage aus Wesel liegt nicht bei den Acten. Wol aber ein Goncept 
des Befehls des Gommandanten von Wesel Comte d'Estrades an den Oberst- 
lieatenant Diethard (dat. Wesel, ce 17. Octobre 1672). „J'avois crea que Vous 
rcnvoyant Voa soldats, qni tormentent fort les paisans dependants de mon gon- 
vernement, Vons ne les y renvoyeriez plus. Paisqae je vois qae Voue continuez 
a les envoyer, je suis bieo aise de Yous dire qu' a moios que Yous me pro- 
mettiez de ne les envoyer plas dans les villages faire les ezactions qa'ils fönt 
Bar les paisans, qne je retiendrai tons ceoz qai sont arrest^s. Et qiiant anz 
menaces qne Yoos faites au commandant d'Embric, je o^entends qae cela, ponr 
agir en soite contre Yoas, comme ayant commeno^ de noas d^clarer la ^erre,** 

^ S. Einleitaugll. ä. 261, 



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300 H- I>«r WinterfeldzQg von 1672 aaf 1673. 

aber Ew. Ld. wol yersiehern, dass dergleichen nie gesehehen, viel 
weniger befohlen worden; und weil demnach Ew. Ld. genugsam 
wissend, dass Wir bisher dem Konige in Frankreich nicht die ge- 
ringste Ursache zu dergleichen Vergewaltigung gegeben, so versehen 
Wir Uns zu Deroselben, Sie werden nunmehr nicht fremd finden, 
wann Wir auf gleiche Art dieselben wieder begegnen, welche Ursach 
zu allem diesem Unheil gegeben, und ohne deren Appuy weder Uns 
noch dem Rom. Reich dergleichen widerfahren können. Gestalt Wir 
dann an Ghur-Göln und des Bischofen zu Mfinster Ld. Ld. auf 
solche Art, (wie ... aus -den Beilagen zu ersehen*), geschrieben, und 
erwarten noch zuvorderst Dero beiderseits Resolutionen, wornach Wir 
alsdann ferner Unsere Mesures nehmen müssen. 



Der Kurfürst von Mainz an den Kurfürsten. Dat. St. Martins- 
burg in Mainz 7. November 1672. 
7. Nov. Es ist ihm „gewisslich sehr leid, dsBs sich die geklagte Beschwerden 

dergestalt erhäofen^. Seine Gesandten in Kegensbnrg sind befehligt, Resti- 
tution und loderonisation des Kf. sich bestermassen angelegen sein zu lassen*). 



Cristoph Caspar Freiherr von Blnmenthal an den Kurfürsten. 
Dat. Mainz 27. October/6. November 1672. 

[Abgelegte Proposition. K Mainz' Eröffnungen. Zahlt die Passagen über den 
Rhein auf, verweigert aber die Brücke bei Mainz.] 

6. Nov. Gestern Abend nm 7 dnrch den Hofmarschall y. Frankenstein znr 
Audienz geführt. Cnrialien. Proposition: 

Ew. Ch. D. hätten Dero March anders als die Abrede gewesen 
einrichten müssen. Sie hätten es aber nicht zu ändern vermocht; 
denn als Mr. de Turenne gut gefunden, Unsere Trouppen auf des 
Reichs unstreitigem Grund und Boden feindlich anzugreifen, sich auch 
nachgehends der Lahn und anderen Advenües genähert, so seien 
durch dieses Incidens auch Ew. Ch. D. Mesures verändert worden, 
indem Sie der Gloire und Reputation Ihrer eigenen und der Kaiser- 



d. d. Bergen 17./27. October 1672. 

^ Tags zavor hatte der Karfnrst von Mainz bereits gemeldet: sein Ge- 
sandter beim Reichstage ist schon vorher angewiesen worden, altes was Kf. in 
Regensburg vorbriogeo lasse, jedesmal «ongeeäumt zar Dictatnr zn geben und 
in Proposition zn bringen*. 



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V. Blumentbal an E Mainz. Neue Eröffnungen. 301 

liehen Waflfen diese Demarche, dem Prince de Turenne entgegen- 
zugehen, schuldig wären gewesen, gestalt man dann bereits etliche 
Tage in Bataille marchiret und seiner erwartet hätte. Weil er aber 
seine Ankunft verzögert, wären Ew. Ch. D. gesonnen, Ihren Dessein, 
beides den Main und den Rhein zu passiren, einen Weg wie den 
anderen ins Werk zu richten, ersuchten demnach Chur-Mainz freund- 
brQder- und dienstlich, solches nicht allein zu secondiren besondern 
auch Dero hocherleuchtete Gedanken zu eröffnen, an welchem Orte 
man mit der wenigsten Incommodität des Erzstifs und der Armade 
ermelte Ströme passiren könne. 

Ich erzählte femer Sr. Gh. Gn. die Rencontre, so zwischen dem 
von Arn heim') und einigen Französischen Trouppen fürgegangen, 
exaggerirete dabei nicht wenig, dass solcher Angriff auf des Reichs 
Boden geschehen, da doch Frankreich die stete Versicherung gegeben 
samt werde es wider Ew. Ch. D. nichts tentiren, ehe und bevor Sie 
socios armorum Gallicorum attaquiret hätten. Schliesslich gab ich 
dem Ghurfürsten Part von des Prinzen von Orange Dessein, sich 
mit denen Spanischen Trouppen ausm Lützelburger Land, folgends 
mit Ew. Ch. D. und denen Kaiserlichen zu conjungiren, remonstrirte 
dabei, wie sehr der glückliche Ausschlag dieser Impresa die gute 
Partei encouragiren, auch wol gar ein beständiger und reputirlicher 
Friede daraus entspriessen könne. 

Der Kanzler zollt des Kf. Sorgfalt die höchste Anerkennang: nach er- 
langtem Frieden werde hoffentlich Kaiserliche Majestät auf Mittel and Wege 
bedacht sein, den erlittenen Schaden zu ersetzen, „wozu denn Ew. Ch. D. 
durch Dero gnte Officia ein Merkliches contribuiren könnten^. 

Ew. Ch. D. hätten gar wol und rühmlich gethan, dass Sie par 
un point d'honneur Mr. de Turenne, mit dessen Ankunft man einen 
Jeden schrecken wolle, entgegengegangen; so sei es Ihre auch lieb, 
dass der von Arnheim in der jüngsten Rencontre sich so tapfer er- 
wiesen, und glaubten Sie, dass Mr. de Turenne in den ersten zwanzig 
Jahren nicht in solcher Verwirrung, wie anjetzo, gestanden, welcher 
dann durch bevorstehende Conjunction der Kaiserlichen und Ew. Ch. 
D. Armaden mit dem Prinzen von Orange und denen Spaniern wol 
nicht vermindert werden dürfte. Allein für dem Corpo, so der Prinz 
von Cond6 zu Metz formire, und in 12000 zu Fusse und 6000 Pfer- 
den bestehen soll; müsse maü sich in Acht nehmen. 

Das Rencontre mit dem Lieutenant v. Arnim bei Nassau am 1. November. 
S. den Bericht nuten im Anbang. Vgl. Feter, Krieg d. Gr. K. S. 79. 



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302 n. Der Wioterfeldzug von 1672 auf 1673. 

Der bequemste Ort den Bhein zu passireu Bei Nierstein'); dann 
weil der Strom daselbst schmal, erspare man bei Erbauung der Brtlcke 
zum wenigsten fttnf Schiffe. Der Flecken aber, so jenseit Rheins 
liege, sei pfälzisch und müsse dannenhero bei Zeiten recognosciret 
und besetzet werden. Die andere Passage sei Gins heim') an der 
Schwarzbach, eine Stunde über der Gustavenburg gelegen. Gingen 
Ew. Ch. D. daselbst über, hätten Sie den Vortheil, dass wann bei 
Winterszeit bei starkem Froste die Brücke aufgenommen werden 
müsste, die Schiffe in die Schwarzbach geführet und daselbst conser- 
viret werden könnten. .Es müsste aber zu Maintenirung der Passage 
gegen Ginsheim über eine Bedeute aufgeworfen, auch von Stund 
an ein Brückmeister nebst einem, jedoch tüchtigen, Commissario, als 
der Graf Montecuccoli jttngsthin abgeschicket, anhero kommen, auch 
dass dieser Vorschlag von I. Ch. Gn. herkommen, für Chur-Pfalz und 
dem Landgrafen von Darmstadt secretiret werden; wiewol Sie Hr. 
deVaubrun am meisten apprehendireten, welcher bereits fürgebe: 
des Ghurfttrsten zu Mainz Stillschweigen und bezeugete Geduld bei 
denen von Ew. Ch. D. fürgenommenen harten Proceduren sei einer 
CoUusion nicht unähnlich. — Zu Mainz stünden annoch vierund- 
zwanzig Schiffe, mit welchen wie auch denen, so anitzo zur Main- 
brücke employiret worden, man genugsam über Rhein kommen könne; 
Schiffvolk aber müsste zu Frankfurt und Haoau angeschafft, zu ihrer 
besseren Bezahlung auch eine Summe Geldes deponiret oder dennoch 
genügsame Caution praestiret werden. Weil auch fttnf Strassburger 
Schiffe zu Hoechst erkaufet und nur mit 500 Rthlr. bezahlet worden, 
dieses aber an ihm selbst unbillig sei, so rathe der Churfürst, dass 
man Glimpf halber jedes Stück mit 150 Kthl. bezahle. — Zur Sub- 
sistenz der Armada könnte das Erzstift, weil es bereits erschöpft, 
nichts beitragen, zumal da auch aus der Pfalz kein Mehl nach diesen 
Quartieren mehr gelassen worden. Das beste Mittel aber sei, von der 
Stadt Frankfurt einen Fürschub aus ihren Magazinen auf etliche tau- 
send Malter Mehl zu begehren und solches von dem Getreidig, so 
bereits in erm. Stadt liegt, auch künftig in Franken erkaufet werden 
soll, zu erstatten. Sollte man aber hierunter nicht fügen wollen, 
müsste man die Stadt mit Einlogirung und Belegung ihrer Dörfer 
bedrohen. 



*) Aaf dem linkea Ufer. 
^ Aaf dem rechteo Ufer. 



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Aufzäblang der Hheinpassageo. Uebergang eingestellt. 303 

Es wollten auch schliesslich L Ch. Gd. zu Bezeugung Dero guten 
und aufrichtigen Intentionen Ew. Ch. D. Leute zu fünfen oder sechsen 
durch Mainz passiren lassen. Sie bäten aber zuvörderst um Verscho- 
nung der jenseit Rheins gelegenen Dörfer, item des Rheingaues') 
und derer im Darmstädtischen belegenen dreien Eidhöfe, als welche 
Sie bei Dero Hofstaat nicht missen könnten. — Denen Impressionen, 
80 man Ihr von intendirter Forcirung der Mainzer Brücke gegeben, 
wollten Sie keinen Glauben beimessen, wiewol Sie nicht wenig be- 
fremdete, dass man nun etliche Tage her in Bataille marchirend 
sieh der Stadt Mainz genähert, sonder zu sagen, wo und welchergestalt 
man zu passiren gedenke. Die Forcirung der Brücke könnten Sie 
einmal nicht verstatten; dann indem Sie einen Mediatorem abgeben 
wollten, würden Sie durch solche Gonnivenz Sich parteiisch machen, 
bei Frankreich auch der immerwährende Soupgon entstehen, samt 
hab man es nicht hindern wollen. Ich hab aber dem Churfürsten 
diesen falschen Wahn bereits vollkommlich benommen. 

^Mr. de Vaabran ist noch hier und vor einer Stunde in Begleitung 
Mr. de Briole, so der Prinz von Cond6 an ihn abgeschicket, bei 
mir gewesen. Nachmittag gebe ich nebst dem Grafen von Hollach ^) wieder 
nach Ew. Ch. D. Hauptquartier.*^ 



Der Kurfürst an den Kurfürsten Johann Philipp von Mainz. 
Dat. Rüsselsheim 26. November /6. December 1672. 

[Die Passage über den Rhein ist eingestellt.] 

^UoB ist von Unserm Oberpräsidenten Schwerin aasführlich hinter- 6. Dec. 
bracht, was Ew. Ld. demselben sowol wegen Dero Obermarschalln in 
Frankreich getbanen Expedition eröffnen als auch Uns wegen des vorhaben- 
den Marches vor wolmeinenden Rath ertbeilen wollen. Ew. Ld. sagen Wir 
desfalls freondbrüderlichen Dank und versichern Dieselbe hinwiederum, dass 
gleichwie Wir bisher auf Dero bochvernünftiges Gutachten starke Reflexion 
genommen, also auch Wir den wegen Unseres Marchs an die Hand ge- 
gebenen Vorschlag in guter Obacbt halten und Uns dabei dergestalt be- 
zeigen wollen, dass Ew. Ld. sonderlieb darans verspüren werden, wie hoch 
Wir Deroselben Interesse consideriren, gestalt Wir dann Ew. Ld. in freund- 
brüderlichem Vertrauen nicht vorenthalten, dass Wir nach gehaltener De- 
liberation mit dem Kaiserlichen Generallientenant Gr. Montecnccoli 
entschlossen haben, die Passage über den Rhein einzustellen und die Marche 
nach Ew. Ld. gethanen Anleitung vorzunehmen. Wir versehen Uns aber 

') Orig. Biokawes. 
^ Orig. CHohenlohe?) 



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304 ri- Der WiDterfeldsag von 1672 auf 1673. 

za £w. Ld. uofehlbarlich, Sie werdea Dero yor des Reichs Wolfahrt tra- 
gender höchstlöblicher Sorgfalt nach dahin äasserst bemühet sein, dass 
Frankreich indessen keine mehrere Avantage an dem Rheinstrom erlange 
noch die Länder, so Wir verschonet, zn ihrem Vortheil und Nntzen ge- 
brauche, besondern dass vielmehr dabin getrachtet werde, damit sie ihrer 
vielfältig gethanen Erklärung gemäss auch mit ihren Völkern diese Gegend 
ränmen nnd sich gleichfalls nach ihren Landen begeben mögen. Ew. Ld. 
haben Sich dagegen L Kais. M. und Unserer getreuen Assistenz auf allen 
bedürfenden Fall sicherlich zn getrosten.*^ 



7. Kurtrier. 

Instruction für den Geheimen Rath Freiherrn Christoph Caspar 
V. Blumenthal bei seiner Sendung an Kurtrier*). Dat. Haupt- 
quartier Butzbach 29. September 1672. Conc. Meinders. 

9. Oct. Motive des Marsches. Ersuchen nm Verstattung der Goblenzer Rhein- 
brücke. „Sollte etwan von Ihr. Ld. diese Entschnldignng eingewendet 
worden, dass Frankreich hierdurch offendiret werden dürfte, so hat Unser 
Geheimer Rath dagegen anzuweisen, dass weder die Römische Kaiserliche 
Majestät noch Wir mit Frankreich in einiger Feindseligkeit stünden. L Ld. 
wären ein freier Chnrfürst des Reichs, Dero vom Könige in Frankreich in 
diesen und anderen dergleichen Dingen kein Ziel noch Mass fürgeschrie- 
ben werden könnte. Sie versirten in re licita und könnten salvis consti- 
tutionibus Imperii, an die Sie gebunden, diesen March oder Passage Ihrer 
Kaiserl. M. und denen Reichsvölkern nicht füglich weigern.^ . . . Der Ge- 
sandte hat zn remonstriren, dass durch Verweigerung der Brücke die Kai- 
serliche und die Brandenburgische Armee in die höchste Not geraten könnte. 
Ersuchen um eine „erkleckliche Quantität Getreides^ zur Subsistenz der 
Armee gegen billigmässige Zahlung. 



Ch. C. Frhrr. von Blumenthal an den Kurfürsten. Dat. Ehren- 

breitstein 3./13. October 1672. 

[Audienz zu Ehrenbreitsteio. Bescheid des Kurfürsten von Trier. Vorschläge. 

Drohende Aeusserongen des Strassbnrgers.] 

13. Oct. „Nachdem ich wegen diesen auch zum Theil steinigten Weges gestern 
allererst alhier angelanget bin, habe ich bei S. Ch. Gn. mich anmelden 



Mit Creditif d. d. Ehre obre itstein 4. October 1672 fnr den Trierer Dom- 
herren Freiberrn von der Leyen zu Nickenich hatte der Kurforst von Trier 
den Karfürsten, der sich mit seiner Armee ^dieserendigen Quartieren nähert, der 
Gebühr beneventiren* lassen. 



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Bescheid und Vorschläge des EurfursteD von Trier. 305 

ond nm Audienz anhalten lassen, da ich dann sofort in Dero Leibkntsche 
nach Hofe geholet und daselbst logiret worden. Weil Sie aber Unpässlich- 
keit halber nicht Tafel hielten, bin ich durch Ihren Nevea, den Herrn Co- 
adjntorn, einen Freiherrn von Ursebeck, den von der Lejen, 
Qoayernear von Ehrenbreitstein, einen Cavalier de Malta, Comthur Kog- 
ge nb ach genannt, und den Geheimen Rath Sohler bewirthet, auch bald 
nach der Mahlzeit zur Audienz geführet, von S. Ch. On. gar freundlich 
empfangen und einen Fanteuil anzunehmen genöthiget worden. 

Nach geendigter Proposition und überreichten Handschreiben antwor- 
teten I. Ch« Gn., dass Ihro nichts erfreulichers sei als Ewrer Ch. D. An- 
kunft in diese Quartier, und dass Diese durch eine Abschickung die Conti- 
nnation der Seiner Ch. Gn. jederzeit zugetragenen sonderbaren Affection 
contestiren wollen. Ewrer Ch. D. gebühre der Rubra, dass Sie bei diesen 
gefährlichen Lauften der erste gewesen, welcher durch eine ruhmwürdige 
Yaleur das gleichsam agonisirende Römische Reich appuyire und dessen 
Torigen Flor nnd Lnstre zu restabiliren bemühet sei. Diese höchstlöbliche 
Intention nun sollte von S. Ch. Gn. nach Möglichkeit secundiret werden 
gestalt Sie denn, was Ihr Land vermag, gern hergeben wollten, böten es 
aus aufrichtigem Gemüthe willig dar, darin zu schalten nnd zu walten als 
in Ew. Ch. D. Eigenthum, denn es viel erträglicher, durch Freund als Feind 
consumiret zu werden. Die Reicbs-Armaden aber zwischen hiesigen Festun- 
gen übergehen zu lassen, könnte Seiner Ch. Gn. nicht zugemuthet werden, 
weil Sie dem König durch den Marquis Dangeau und Duc de Vitrj, 
60 von hinnen nach Rheinfels gangen, versprechen lassen, solches nimmer 
zu verstatten, wozu Sie dnrch die Französische Bedrohungen, nnd dass man 
nie recht gewusst, ob Ew. Ch. D. hier oder anderswo überzugehen ver- 
langeten, veranlasset worden. Sie hätten Sich aber dabei reserviret, dass 
Sie ober- oder unterhalb Coblenz die Passage nicht verweigern, sondern 
yielmehr befördern, auch die Armaden mit Proviant und anderer Nothdnrft 
assistiren möchten. Ew. Ch. D. alhier überzulassen sei einmal unmöglich; 
denn favorisire der Churfürst die Passage, so laufe es wider die gegebene 
Parole, eine Connivenz aber geriethe zu seiner höchsten Beschimpfung, 
indem er dergleichen zwischen seinen Festungen leicht hindern können, 
es würde auch solche Indulgenz ihm, der aux portes de i'enfer sitze 
nnd, wo Ew. Ch. D. von hinnen, wenig Schutz zu gewarten habe, übel ge- 
lingen; diejenigen, so anitzo nebst dem Kaiser und Ew. Ch. D. zu tapferen 
Resolutionen schritten und die Beruhigung des Reichs beforderten, wären 
ihre eigene Securität bereits versichert, da hingegen I. Ch. Gn. biosstehen, 
welches gleichwol nicht empeschire, dass Sie von Mr. de Turenne affroa- 
tiret zu werden wünschen, weil Sie alsdann andere Mesures nehmen könnten. 

Der Comte de Monterey habe zwar, wiewol vergeblich, auf die Ab- 
schickung des Markgrafen von Baden vertröstet, so bräche auch Spa- 
nien annoch mit Frankreich nicht, da doch der Churfürst wegen des Lützen- 
burger Landes auf selbige Krön zu reflectiren und seine Garantie von der- 
selben zu erwarten habe. Wann aber Seiner Ch. D. bei Zeiten ein und 

Uater. s. Gesch. d. 0. Kurfürsten. Mll. 20 



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306 n. Der Winterfeldzug von 1672 aaf 1673. 

anderes Dessein communiciret worden, wollten Sie die Stadt Trier, welche 
mehr als eine Arm^e zwei Jahr nnd länger ernähren könnte, zum besten 
gegeben, mit Kaiserlichen, Spanischen und Ewrer Ch. D. Völkern besetzet, 
denen Franzosen die Zufuhr nnd mit selbiger zugleich die Gurgel abge- 
schnitten haben. 

Soviel die Anschaffung des Proviants betrifft, haben S. Ch. 6n. 6000 
Malter Französisch Korn, der Roggen zu drittehalb, der Weizen zu vier 
Rthlr. weniger ein Ort gerechnet, unter dem Fürwand, samt hätten Sie es 
zu Proviantirung ihrer Festungen nöthig, in Beschlag nehmen, zu Limburg 
auch etliche 1000 Malter aufschütten lassen ; wollte man es nun behalten, 
müssten eiligst Commissarii anhero geschicket und denen Leuten Geld anf 
die Hand gegeben werden. So getrauete man sich auch über dieses noch 
innerhalb vier Wochen 50 000 Malter für baare Bezahlung zu schaffen, 
auch die Kornhändler, so Frankreich bisher Getreidig geliefert, Ewrer Oh. 
D. zuzuweisen. 

• Weil nun die Passage über hiesige Brücken nicht zu erhalten stehet, 
thun S. Oh. Gn. einen andern Vorschlag: nämlich dass zu Mainz einige 
Schiffe erkaufet, nach dem Chur-Trierischen Städtchen Wellmig gebracht 
und daselbst Posto gefasset werde; Sie hätten mit Fleiss nur sechs Mann 
hinein gelegt, die könnten Ew. Ch. D. hinaus jagen und den Ort selbst be- 
setzen. Der andere Fürschlag gehet dahin, dass man beim weissen T hu rm 
gegen Rheinfels über oder Neuwied, weichen Ort Turenne bereits recognos- 
ciren lassen, oder Engers drei viertel Stnnd oberhalb Andernach Posto 
fassen, welches Mr. Turenne wegen schlechten Zustandes der Armadc 
nicht zu hindern vermöge. Sollte es auch an Schiffe ermangeln, wollen 
S. Ch. Gn. fünfzehn herbeischaffen, und wann Ew. Oh. D. in der Nähe, die 
Schiffsbrücke aufheben, einen Theil derselben Ewrer Ch. D. zum besten 
nacher Neuwied treiben lassen, auch sonst Anker und Taue an Hand 
schaffen. — Bei diesen und dergleichen Fürschlägen bleibt der Ohurfürst be- 
ständig, zugleich aber auch bei der Meinung, dass er salva existimatione 
Ew. Ch.D. alhier nicht überlassen könne, wiewol ich ihm beweglich zuge- 
redet und mich hierunter aller nur ersinnlichen Persuasionen bedienet. 

Soviel die Französische Armada betrifft, stehet dieselbe bei Siegburg, 
wiewol in geringer Anzahl, indem sie nicht mehr als 14 000 Pferde und 
8000 Mann zu Fusse haben ohne die 5000, so der verstorbene Oomte de 
Chamilly ihm') von Maaseick zugeführet. Drei Regimenter zu Pferde seind 
vor einigen Tagen die Sieg passiret, aber bald durch Hinwegtreibung der 
Brücken von der Hauptarmada separiret worden, nunmehr aber sollen sie 
bei Bonn übergangen sein und sich mit den anderen hinwieder conjungiret 
haben ; diejenige, so die Armada gesehen haben, versichern mich, dass von 
zehn kaum drei beschossen sein. Mr. de Turenne ist den 2ten October 
in Bonn gewesen, woselbst eifrig deliberiret worden. Was man nun ferner 
in Erfahrung bringet, wollen 8. Ch. D. eiligst berichten und begehren da- 



Tarenoe. 



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ErbietuDgen Kurtriers. TureoDe an der Lahn. 307 

beDeben inständig, £w. Ch. D. möchten ja bei Zeiten Sich mit starken 
Hölzern, so za Befestigung einer Schiffsbrücke erfordert werden und zu 
Frankfurt und Mainz häufig zu finden sein, versehen, Sie auch bei Zeiten 
avertiren, wie viel Proviant, und wohin derselbe solle geliefert werden, 
item, ob man das Getreidig, so in Beschlag genommen worden, an der Hand 
behalten solle oder nicht. Imgleichen finden sie nöthig, auf die Grafen 
von Wied und Manderscheid, so in der Nähe wohnen und mit den 
Franzosen genaue Correspondenz unterhalten, ein wachendes Auge zu haben^. 
P. S. „Auch, durchl. gn. Ch. und Herr, kommt gleich jetzo ein Courier 
vom Bischof von Strassburg an, welcher sich heftig erroühet, den 
Churfürsten von der guten Partei abzuleiten, ermahnet dabei I. Ch. Gn. 
DQÜ gar nachdenklichen Worten, die Schiffsbrücke alhier aufzuheben, oder 
dafern des Churfürsten von Cöln Lande im geringsten Noth leiden 
sollten, gewärtig zu sein, dass man sich an ihm erhole. Chur-Trier 
vrerde nun bald sehen, auf wem^) er Sich zu verlassen habe, indem Mr. de 
Tu renne die Kaiserliche und Brandenburgische Armada in kurzem unter 
das Ehrenbreitsteinische Canon jagen werde. Worauf der Churfürst geant- 
wortet: er wolle des Kaisers und Reichs Freund sein, sollte man aber unter 
das Canon kommen, so werde er sich und seinen Festungen Respect zu 
schaffen wissen.^ 



Recreditif für v. Blumenthal d. d. Ehrenbreitstein 12. October 1672. 14. Oct. 
Vorher hatte der Kurfürst von Trier noch den Freiherrn von Reiffen- 
berg») und den Rath Lincker an Kf, abgefertigt. Creditif d. d. Ehren- 
breitstein 8. October 1672. Recreditif d. d. Butzbach 30. September/10. Oc- 
tober 1672. 



Kurfürst Carl Caspar von Trier an den Kurfürsten. Dat. 
In Unserer Festung Ehrenbreitstein 1. November 1672. 

[Vorrücken Tareones. Versagt den Pass bei Limburg.] 

Teilt mit — dass gestern die Avantgarde von der Törennischen i. Nov. 
Armee, einige 1000 zu Pferd, den Rhein herauf marchirend unweit 
von hier in der Grafschaft Wied angelangt und tibernachtet, alwo 
heut der Marächal de Tu renne mit dem übrigen Gorpo gleichmässig 
erwartet wird. Selbiger hat Uns diesen Morgen durch einen Cavalier 
diesen seinen Marche notificiren und anbei bedeuten lassen, dass sel- 
bigen bis an die Lahn zu nehmen gemüssiget wäre, um sich sothanen 
Flusses zu bemächtigen, und entweder alda in etwan zu subsistiren, 



*) Origio. 

>) Commandant von Goblenz. 

20* 



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308 n. Der Winterfeldzüg von 1672 auf 1673. 

oder gar der Eaiserlichen und Ew. Ld. Armee sich zu nähern, mit 
Versprechen, Unseres Erzstifts hierunter möglichst zu verschonen. 

^Uns ist unterdessen nicht wol zn Math'^, da leicht za ermessen, dass 
dieser französische Marsch seinem Stift Schaden bringen werde. Den Ueber- 
gang über die Lahn bei Limburg wird er (Rarfurst) nicht gestatten; 
Tnrenne werde dann wol bei Diez oder Runkel ^den Pass suchen, 
wanns ihnen Ernst ist weiter zu passiren*^, oder auch dort stehen bleiben. 



Der Kurfürst an den Kurfftrsten Carl Caspar von Trier. Dat. 
Hauptquartier Bergen 24. October 1672. 

\ [Dank für die Mitteilan^. Die wahren Absiebten der Franzosen.] 

3. Nov. . . . Der Schaden für das Stift hätte allem Verranthen nach abgewendet 
werden können, wenn der Kurfürst die Passage über seine Schiffbrücke 
zu verstatten kein Bedenken getragen. Im übrigen würde er nnn wol 
spüren, ^wohin die französische Intention gerichtet sei, und dass man des 
Orts nirgends anders hin trachte, als sich des Rheinstr'omes Meister zu 
machen und folglich im Heiligen Römischen Reich alles nach Gut- 
dünken zu dirigiren, auch dessen Chnr- und Fürsten und derselben so theuer 
erworbene Freiheiten gänzlich zu unterdrücken. Wir hoffen doch zum 
Allerhöchsten, dessen Schutz und Güte werde über unser geliebtes Vater- 
land walten und noch rechtschaffene Teutscbgesinnte Gemüter erwecken, 
die neben I. Kais. M. und Uns für den Riss stehen und sich mit Eifer und 
Nachdruck dergleichen Beginnen entgegensetzen und auch zu solchem 
Ende"^... mit ihren Mannschaften zn der verbündeten Kaiserlichen und Bran- 
denburgischeu Armee beizutreten geneigt sind. 
P. S. bittet um das Schreiben Turennes. 



Creditif Kurtriers für den Geheimen Rath Hofgericbtsdirector Anton 
Sohler') an den Kurfürsten Dat. Ehrenbreitstein 6. November 1672. Re- 
creditiv des Kf. Dat. Hauptquartier Rüsselsheira 31. October /lO. Novem- 
ber 1672. 



Creditif des Kurfürsten für den Amtskammerrat Oberstwachtmeister 
Johann Ernst von Grumbkow an Kurtrier d. d. Hauptquartier 
Rüsselsheim l./ll. November 1672 „zu Beischaffung einiges Proviants und 
anderer Nothdürftigkeiten . . . und Dero Wohlstandes Unsertwegen sich zn 
erkundigen*. 



') Eine nochmalige Gesandtschaft Sohlers: Creditif Dat. Ehrenbreitstein 
14. November 1672. Recreditif des Kf. Dat. Rüsselsheim 9./19. November 1672. 



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Wahre Absichten der Franzosen, Vorrücken dergelben. 309 

Johann Ernst von Grumbkow^) an den Kurfürsten. Dat. 
Coblenz 5./15. November 1672. 

[Franzosen in Winningen. Vaubrans Kammerdiener. Cond^. Tarenne. Unter- 
legte Reiter.] 

Gestern zu Mittage siod ohngefähr 50 Franzosen zu Winnich ge-l5. Nov. 
wesen, solcher Ort ist zwei Stunden von hier; haben hin und her 
geritten und gesuchet, ob sie die Mosel durchreiten könnten, sie 
haben solche aber noch nicht durchreiten können, wiewol sie 
an unterschiedlichen Oertern versuchet. Endlich so hat sich einer 
nebst 4 Dienern übersetzen lassen und ist auf die Berge diesseit der 
Mosel geritten, daselbst die Bauren nach allem gefragt, wie weit auf 
Kreuznach, welchen Weg man nehmen mttsste, ob daselbst eine Brücke, 
und ob viel Berge dahin wären. Hernach sind sie wieder zurück* 
geritten, haben aber etzliche zu Winnich gelassen, welche täglich 
suchen sollen, ob und wann der Fluss darzureiten wäre. 

Heute früh sind 12 Schiffe von Mainz gekommen, welche zu ihrer 
Brücke sollen gebrauchet werden. Dieselbe soll übermorgen als 
Donnerstags fertig sein. Gestern späte kam zu Wasser nach Ehren- 
breitstein, weil dieser Ort schon verschlossen, Mr. de Vaubruns 
Kammerdiener; bei demselben war ein Deutscher, so aber gut fran- 
zösisch redete. Sie offerirten vier Pistolen, um sie dieselbe Nacht 
noch überzufahren, konnten aber nicht dazu gelangen. Ich habe mit 
ihnen gegessen, aber nichts erfahren können, als dass 30 Schiffe zur 
Brücke über den Rhein vorhanden wären und dass S. Ch. D. eine Schanze 
daselbst wollten aufwerfen lassen. — Der Prinz de Cond6 hat sein 
Quartier zu Krechingen. Vorgestern sollTürenne alhier gewesen sein. 

„Es würde wol nötig sein, wofero diese CorrespondeDtia soll coutinairet 
werden, dass auf halben Weg Reuter möchten geleget werden, damit die 
Briefe desto geschwinder übergebracht könnten werden, und wäre Lors- 
heim >) der beste Ort dazu. Es ist ein Flecken nach Mainz gehörig, der 
Hälfte Weg gegeu Bacharach über. Die Boten alhier sind sehr theuer 
und muss jedermann 6 Rthlr. gegeben werden, sind auch nicht wol zu be- 
kommen und gehen auch langsam. Durch dieses Mittel, wann ich die Briefe 
nur bis Lorsheim schicken dürfte, würden sie desto geschwinder überkom- 
men. Dieser Bote gehet Dienstags um 10 Uhr von hier, hat versprochen, 
Mittwochs im Hauptquartier zu sein.** 

Grumbkows Berichte sind alle eigenhändig^. 
*) Offenbar Lorchbausen auf dem rechten Ufer. 



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310 II. Der Winterfeldsng tod 1672 ftuf 1673. 

P. 8. Hat den Boten wieder zurückkommen lassen und ibn erst um 
1 Uhr abgeschickt. Berichtet noch, ^dass S. Charf. Ou. die Mosel aach 
haben sondiren lassen and befinden, dass solche noch nicht zd passireo, 
aber wo der Frost cootiuniret, so wird man den Flnss passiren können 
innerhalb zwei Tagen. Heute ist auch Nachricht eingelaufen, dass die ver- 
gangene Nacht ein gross Stück von der SchiflTbrücken wieder abgerissen 
worden, deswegen der Marechal de Turenne anhero geschicket, um Anker 
zu kaufen ; man hält aber davor, dass die Brücke diese Woche nicht werde 
fertig werden.^ 



Johann Ernst von Grumbkow an den KurfUrsten. Dat. Cob- 
lenz Dinstag um 3 Uhr nach Mittag o. D. [15. November 1672]. 

[Bewegung Torennes.] 

15. Nov. ^Itzund bekomme ich Nachricht, dass Turenne diese Nacht vom 

Dienstag aufn Mittwoch mit 4000 M. zu Pferde und zu Fusse werde über 
die Lahn gehen. Ich habe nicht unterlassen wollen dieses zu advisiren.*^ 



27. Nov. d. d. Hauptquartier Rüsselsheim 17. November 1672 ersucht 
Kf. den Kurfürsten Carl Caspar, dem von Grumbkow, welchem „Wir 
CommisBion ertheilt zu Behuf Unserer Hofstaat einige Weine und sonsten 
eines und anderes der Eads zu erhandeln^, gute Beförderung zu erweisen. 
— Hierzu eine Assignation an den Kämmerer Heydekampf auf 60 Rthlr. 
für V. Grumbkow. 

29. Nov. Creditif für Johann Ernst von Qrumbkow an Enrtrier. Dat. Haupt- 
quartier Rüsselsheim 19./29. November 1672. 



Der Kurfürst an v. Grumbkow (jetzo zu Coblenz). Dat. 
Hauptquartier Rüsselsheim 21. November 1672 st. v. 

[Aufträge an Kartrier. Schiffbrücke zu Coblens. Gegenleistangen des 
Korfürsten. Goes.] 

1. Dec. »Wir zweifeln nicht, Ihr werdet alda wol angekommen sein*'. Und weil 
der kaiserliche Abgesandte Baron de Gofe's ehestes Tages zu des 
Ghurfürsten von Trier Ld. koinmen und mit Derselben wegen der 
Verstattung der Schiffsbrücke und Einnehmung Garnison in Coblenz 
und Trier Handlung pflegen wird, so haben Wir vor nöthig befunden, 
Euch zu befehlen, obgedachter Ihrer Ld. hievon vorhero etwas Part 
zu geben und Sie desto besser dazu zu praepariren. Ihr werdet dem- 
nach Ihrer Ld. repräsentiren, wie Sie nimmer Gelegenheit haben 



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Ersucbeu an Knririer um UeberlaasuDg der Coblenzer Brücke. 311 

könnten, dem Kaiser, dem ganzen Reich und Uns grössere Dienste 
und Freundschaft zu erweisen, als wann Sie bei iziger Gelegenheit 
verstatteten, dass Wir Uns der Brück alda versicherten und zu dem 
Ende eine Garnison in Coblenz und Trier, die gleichwol in Ihrer Ld. 
Pflichten mit stehen sollte, legten. In Ehrenbreitstein aber begehrten 
Wir nichts zu haben, besondern Hessen solches zu Ihrer Ld. alleinigen 
Disposition. Die Garnison sollte auch ohne Ihrer Ld. Beschwerung 
ihren Unterhalt bekommen. Ueber dem erböten Wir Uns, zu Ihrer Ld. 
Ergötzung von dem Staat 3000 Rthlr. monatlich zu verschaflfen und 
von dem Unsrigen 2000 Rthlr. monatlich hinzuzuthun, also, dass solange 
diese Garnison währete, Ihre Ld. monatlich 5000 Rthlr. bekommen soll- 
ten. Was I. Kais. M. gegen I. Ld. thun würden, davon würden Sie von 
obgeni. Baron de Go6s Nachricht bekommen. Ferner erbieten Wir 
Uns, wann Wir Gelegenheit haben werden, die Französische Lande 
in Contribution zu setzen, I. Ld. davon participiren zu lassen, und 
sonst Ihrer Ld. allewege dergestalt wieder zu begegnen, dass Sie 
nicht Ursach haben werden dieses zu bereuen. I. Ld. haben auch 
zu erwägen, dass, wann Wir mit der Arm6e hinweggehen müssten, 
und dieser Pass nicht in völlige Sicherheit gesetzet, was Ihrer Ld. 
und Dero Landen vor Ungelegenheit und Gefahr, ja dem ganzen 
Reich für ein unüberwindlicher Schaden von dem Gegentheil würde 
angethan werden. Zudem wird es zu Ihrer Ld. unsterblichem Ruhm 
gereichen, dass Sie durch dieses Mittel das Reich aus der bevorstehen- 
den Gefahr gerissen und den Frieden, welcher alsdann nicht entstehen 
kann, befördert. 

Ihr wollet auch dabei begehren, dass man sich gegen den Baron 
de GoSs nicht vernehmen lasse, was Wir alda gesuchet haben, und 
werdet Euer bestes thun, von I. Ld. eine gewierige Resolution zu er- 
halten. Mit dem Geheimen Rath Sohler könnet Ihr hieraus vertrau- 
lich reden und denselben Unserer dankbaren Erkenntnis versichern. 
Sonsten habt Ihr diese Sache in höchster Geheim zu halten, auch 
dieses Rescript bei Eurer Zurückkunft in Unserer Canzelei wieder ein- 
zuliefern. 



Johann Ernst von Grumbkow an den Kurfürsten. Dat. Cob- 
lenz 0. D. [Anfang December 1672]. 

[Auf das Rescript vom 1. December. Resolution Kortriers.] 
Hat sich seiner CommiBsion eutledigt. Der Kurfürst hat ihm sehr Dec. 



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312 II- Der Wioierfeldsug von 1672 auf 1673. 

gnädig geantwortet. Geheimrat Sohler hat ihm dann folgende Reso- 
Intion erteilt: „dass man zwar hiesiges Orts nicht mehr wünschet als eine 
feste Alliance zu machen, man könnte sich aber za nichts resolviren, ehe 
nnd bevor IL Baron de GcT^s herabkäme; so müsste auch Spanien mit 
darum wissen, als welches sie zum meisten helfen könnte; die Passage 
über die Brücke in Coblenz würde man geben, auch ein Magazin alhier 
aufzurichten sich gefallen lassen, Guaruison würde man aber alhier nicht 
einnehmen ; zu Trier würde man aber wol Quarnison nehmen und wäre man 
geneigt, wol von Spanischer Seiten welche zu nehmen; endlich aber würde 
man auch wol dasselbe thun und andere nehmen, wann vorher dieselbe Sr. 
Churf. Gnaden Eid und Pflicht ablegen würden^. Doch über alles das sei 
erst nach Goes' Ankunft zu entscheiden. Man hofft, Kf. werde noch Jemand 
mit senden. 



Der Kurfürst an Johann Ernst von Grumbkow. Dat. Haupt- 
quartier Rüsselsheim 22. November 1672. 

[Goltz gegen die franzosiscbe Rheioschaose.] 

2. Dec. n^^r lassen Euch hiermit in Gnaden unverhalten sein, wasgestalt Wir 
Unseren Geheimen Kriegsrath und Generallientenant Frhrrn. von der 
Goltz über die Lahn nach der französischen Brücken aufm Rhein') mit 
einer starken Partei abschicken, um auf solche Brücke und die Wache, 
welche dieselbe bewahret, einen Angriff zu thun. Weil Wir nun befahren 
müssen, dass vielleicht Tn renne hiervon Nachricht bekommen') und eine 
considerable Macht zu Maintenirung dieser Brücke dahin gehen lassen 
möchte: als befehlen Wir Euch gn., dass Ihr auf gem. Türen ne fleissige 
Acht gebet und aufs sorgfältigste und genaueste Kundschaft zu erlangen 
bemühet seid, ob Turenne einige Trouppen von seiner Armee detachiret 
und dieselbe nach der Brücke zu marchiren lasse, davon Ihr dann durch 
2 Expresse (die Ihr dergestalt abzusenden^ dass einer vom andern nicht 
wisse) gem. Unserm Gen.-Lieuten. Goltz nach der Lahn wärts, als welche 
er entweder zu Nassau, Diez oder Runkel passiren wird, über Labnstein 
Nachricht gebet nnd darunter nichts verabsäumet. Daran verrichtet Ihr 
Unseren Willen.** 



Johann Ernst von Grumbkow an den Kurfürsten. 
Dat Coblenz 28. November 1672. 

[Goltz's missglucktes Unternohmen gegen die französische Rheinschanze. Haltung 
der Fraosoaeo. Nachrichten.] 

8. Dec. Ich bin gestern bei Sr. Exe. dem H. General Goltz zu Nassau 

1) bei ADdofDach. Vgl. Peter S. 88. 
I ^ S. 313. Anm. 2. 



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ResolotioD Kurtriers. Goltz gegen die fraoz. Rbeioschanze. 313 

gewesen, welcher mit allem Volke wieder nach dem Main zu mar- 
chiret. Er selber wird Ew. Ch. D, unterth. berichten die Ursache 
seines Zarückmarsches. Es ist von denen Gefangenen berichtet wor- 
den, dass zwar 800 M. nur darin gewesen, es wären aber denselben 
Tag 2000 darzu gekommen und mit kleinen Schiffen übergesetzet'). 
Zudem wäre der Ort so pallisadiret, dass man nicht hätte so leichtlich 
darzu kommen können; Fourage wäre ganz nicht vorhanden gewesen, 
daher die Keuterei nicht lange daselbst hätte stehen können; und 
dann so ist noch eine Ursache, so er mündlich berichten wird. — 
Er hat mir gesagt, dass ich alsfort zu Sr. Churf. D. reiten und alles 
mündlich berichten sollte. Damit aber hiesigen Orts den Muth man 
nicht möchte fallen lassen, so habe ich dieses unterth. berichtet und 
erwarte Ordre von Ew. Ch. D., ob ich wieder mich zurückbe- 
geben soll. 

Es ist sonsten der H. General bis unter die Stücke gewesen nebst 
allem Volk. Um 3 Uhr Nachmittag kam er an und um 8 Uhr selbigen 
Abends zog er wieder ab nebst allem Volk. Gestern ist er zu Nassau 
übergegangen und ist die Brücke daselbst hinter ihnen abgeworfen 
worden. Es ist aber keiner von denen Franzosen nachgekommen, 
sondern es ist die Beiterei, so in der Schanze gelegen und in 300 
bestanden, heute wieder herübermarschiret, dann heute erstlich die 
Brücke fertig geworden, solche aber so gemachet, dass die Reiter die 
Pferde darüber haben führen müssen. 

Ouras lieget zu Ahrweiler an der Ahr mit 4000 Pferden, bis 
dahin hat er sich retiriret. Turenne schickete 3000 Pferde hinab, 
w^elche morgen alhier sein werden. Ob sie sich mit Duras conjungiren 
sollen oder ob sie sind gekommen, auf unsere Leute loszugehen, weiss 
ich nicht. Duras hat zu Linnich die Brücke über die Roehr hinter sich ab- 
geworfen, welche der Prinz von Oranien schon wieder fertig haben soll; 
ob er nun ihm weiter folgen wird, wird man sehen. ■— Gestern ist ein 
Schreiben datiret von Wittlich von I. Churf. Gn. Marschalk, der be- 
richtet, dass sich Turennes Fussvolk etwas von der Mosel ab ins 
Eipheldische, als wanns nach der Maas zu gehen sollte, abzöge. Das- 
selbe Land, so nach Lützenburg gehöret, wird ebenso ruiniret als das 

Nämlich io der Schanze vor der Brücke. 

^ Dem Vicomte de ToreDoe war das UnternehmeD durch die Landgräfin 
Eleonore von Hesseo-RheiDfels (eine geb. Gräfin Solms), welche von ihrem Ge- 
mal getrennt in Boppard lebte, verraten worden. Vgl. Grimoard Lettres de Ta- 
renne II, 129. Dort auch das Nähere über Turennes Bewegungen. 



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314 n. Der Winterfeldzüg von 1672 auf 1673. 

des Churfttrsten von Trier seins. Die Bagage ist alle nach Metz ge- 
gangen. — Hauptmann Uuth ist gestern auch über die Mosel ge- 
gangen, hat Unterschiedliche gefangen bekommen. 

y,Sonsten weiss ich vor dieses Mal nichts Sonderliches zu melden als 
dass man hieses ^) Orts noch hofft, es werde Ew. Ch. D. Fussvolk schicken, 
um die Schanze nebst der Brücke zu occupiren.*' 



Recreditif des Kurfürsten Carl Caspar für y. Grumbkow. Dat. Ehren- 
breitstein 8. December 1672. 



'26 Dec. d. d. Ehrenbreitstein 26. December 1672 meldet Kurfürst Carl 
Caspar, dass er die von Kf. gewünschten Moselweine („uehmen es auch 
mit danknehmigem Gemüt auf, dass Ew. Ld. in besagtem Moselwein einigen 
Gusto und Behagen zu haben gegen Uns so freundlich tesmoigniren^) die 
Lahn hinunter bis Yilmar transportiren werde. Wofür sich Kf. d. d. Spa- 
renberg 10./20. Januar 1673 bedankt. 



Y. Kurpfalz. 
Recreditif Knrpfaizs für den Kurbraudenburgischen Kämmerer Christen 
Ludolf Lorenz von Krosigk. Dat. Heidelberg 25. October 1672. 
Begrüssung des Kurfürsten von der Pfalz mit dem Ersuchen: ^dass wann 
Wir etwa bei Unserem fürhabeuden March Dero Lande berühren müssten, 
Sie solches Ihro [nicht entgegen sein lassen und Uns solchen Transitum 
denen Reichsconstitutionibus gemäss verstatten möchten^. 



Creditif Knrpfaizs für seinen Geheimen und Regierungsrat Johann 
Friedrich Pawel von Rammingen. Dat. Heidelberg 27. October 1672. 
Recreditif des Kurfürsten von Brandenburg d. d. Hauptquartier Rüssels- 
heim 28. October /7. November 1672 betriflFt die von den Alliirteü gewünschte 
Einlagerung ihrer Truppen im Kurpfälzischen. 



Der KurfUrst an den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz. 
Dat. Hauptquartier Rüsselsheim 4/14. November 1672. 

[Eoergische Erkläraog aaf den karpfälzischen Bescheid.] 
14. Nov. Auf die dem Obristeu Krosigk erteilte Resolution, worin KPfalz unter 

Origin. 

^ (Jone, des Greditifs nicht vorhanden. Die Gesandtschaft gieng auch an 
den Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt. Unten S. 329. 



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ErkläruDgeD des Kf. ao Kurpfalz. 315 

anderem setzen lassen: ^es wäre Ihr nicht wenig befremdlieh yorkommeo, 
dass bei itzigen friedlichen Zeiten im Heiligen Römischen Reich man den 
March dnrch Dero Lande begehre**. — ^Nun möchten Wir wol wünschen, 
dass die Zeiten im Reiche so friedlich wären^ dass Wir dieser mühsamen 
£2pedition und der unerschwinglichen Kosten, so Wir desfalls ertragen 
müssen, überhoben sein und bei dem Unsrigen in Ruhe nnd Friede hätten 
bleiben können.** Aber zu geschweigen, ^was Andere im Reich, so das 
Herzogtum Berg, Stift Essen, Enrtrier, Lüttich und andere Grafen nnd 
Stände betroffen hat**, weist Kf. auf die Verwüstungen der Franzosen im 
Cleyischen wie überhaupt auf die durch das Vorgehen Turennes bekundeten 
Absichten der Franzosen hin. In Anbetracht dessen ist es unmöglich, 
^dass Ew. Ld. die unüberwindliche Gefahr, so dem Reiche überm Haupte 
Bchwebet, und wie solches bereits in voller Kriegesflamme stehet, nicht be- 
greifen sollten. Ew. Ld. wissen, dass weder I. Kais. M. noch auch einiger 
Stand des Reichs sich deshalb formalisiret, wann der König von Frankreich 
sich in seinem Lande in Kriegesverfassung gestellet und seine Trouppen 
zusammengeführet, wiewol man vielleicht Ursache genug dazu gehabt haben 
möchte. Dafern aber demselben freistehen sollte, wann I. Kais. M. und die 
Stände vor des Reichs Sicherheit vigiliren nnd, damit ein Jeder bei dem 
Seinen ungekränket, auch vor unbilliger Gewalt geschützet bleiben möge, 
ihre Völker im Reich zusammenziehen, alsdann ins Reich zu rücken und 
dieselbe auf dem Reichs-Boden anzutasten: so würde es gewiss mit des 
Reichs Autorität, Frieden, Ruhe nnd Sicherheit ganz gethan sein, und 
möchte ein Jeder nur bei Zeiten, wann man sich nicht anders dabei be- 
tragen wollte, das Joch sich willig über den Hals ziehen lassen.*' Die 
Leiden seiner eigenen Lande hätten schliesslich auch die anderen Mitstände 
ZQ gewärtigen; ^und wird maus denen gewiss nicht besser machen, ob man 
ihnen vielleicht eine gewisse Frist gönnet**. KPfalz möchte dies beherzigen 
and sich denen anschliessen, denen an des Reiches Wolfahrt mehr als an 
der eigenen liegt. 



P. 8. d. d. 5./15. November 1672. üebersendet abschriftlich den 15. Nov. 
Braunschweiger Tractat mit dem Wunsche, dass KPfalz in das Bündnis 
eintreten möge. 



KurfUrst Karl Ludwig von der Pfalz an den Kurfürsten. 
Dat. Friedrichsburg ^) 4. November 1672. 

[Gerücht dass Kf. sich Oppenheims bemäcbtigen wolle.] 

^Nachdem das Geschrei erschollen, dass Ew. Ld. mit Dero und der 14. Nov. 
Kaiserlichen Armee über den Rhein zu gehen und Unsers Schlosses nnd 

1) MaDDbeiiD. 



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31 f> II. Der Winterfeldfug von 1672 auf 1673. 

Stadt Oppenheim sich zu bemächtigea gesinnet wären, dahero nicht 
allein der alhier anwesende Kgl. Französische Extraordinär- En?9y6 Mar- 
quis de Dangean sondern auch der von dem Prinzen de Gond^ zu Uns 
Abgeschickte de Morin sehr alarmiret worden und darauf in ihres Königs 
Namen an Uns gesonnen, dass Wir ged. Schloss und Stadt entweder dnrch 
Unsere eigene geworbene Völker oder andere Truppen, so Uns von dem 
Prinzen de Cond6 zu diesem Ende überlassen werden sollten, gegen feind- 
lichen Angriff besetzt halten möchten, Uns aber solches bei jetzigen Zeiten 
gar ungelegen fallen würde und Wir dieses Uns getraneten, wofern Ew. Ld. 
Uns des Widerspiels dessen, so Eönigl. Französischer Seiten desfalls wegen 
mehrgem. Stadt und Schlosses beförchtet wird (ob Wir schon, was Uns 
angehet, solches Ew. Ld. Intention zu sein Uns nicht einbilden können) 
durch ein Schreiben versichern wollen** ... so wird Kf. um ein solches 
Schreiben ersucht, damit K Pfalz dasselbe „den französischen Ministris vor- 
zeigen und dadurch alle besorgende Ungelegenheiten abkehren möge^. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz. 
Dat. Hauptquartier 6./16. November 1672 

[auf das Schreiben vom 4. November]. 

10. Nov. Kf. würde in solchem Falle, wie er es durch seine erste Gesandtschaft 
gethan, sicherlich nicht unterlassen haben, EPfalz wegen des Durchzuges 
zu begrüssen . . . . „Müssen darauf bekennen, dass Wir Uns hierin ... [Rück- 
sichtnahme auf das was die Franzosen etwa thun würden] gar nicht finden 
können, hätten vielmehr gehoffet, Ew. Ld. würden ein solches unge- 
reimtes Angesinnen eines auswärtigen Prinzen, der sich billig 
in des Reichs Sache nicht zu mischen hat, dahin angewiesen haben, 
dass Ew. Ld. mit I. Kais. M. in viel besserem Vertrauen stünden, als dass Sie 
Sich um einer unbegründeten Furcht willen Deren Besatzungen gebrauchen 
sollten, welche das Reich öffentlich mit Feuer und Schwert verfolgen, tragen 

auch das feste Vertrauen ^, K Pfalz werde sich vom Kaiser und von denen 

nicht trennen, welche das Reich vor auswärtiger Gewalt zu schützen suchen. 



18. Nov. d- d. Friedrichsburg S.November 1672 schreibt KPfalz, der Kai- 
serliche Postmeister Altorf zw Rheinhausen klagt, dass am 4. eine Partei 
von 25 Pferden von der kflichen und der kaiserlichen Armee den französi- 
schen Major zu Philippsburg de la Neuville „vorm Thor zu Worms 
am Scblagbanm im Herausreiten mit dem bei sich gehabten Postillon and 
dreien ihm, Postmeistern, gehörigen Postpferden hinweggenommen und 
darauf sobalden mit sich fort und nach der Armee geführt^ .... EPfalz 
verlangt, dass ihm die Thäter „zur Abstrafung sistirt werden^, weil die That 
in seiner „unstreitigen laudesfürstlichen Botmä^sigkeit nnd auf seinen kund- 



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Haltung des Kurfürsten v. d. Pfalz. Schwerin in Mannheim. 317 

baren ofifeneD Geleits- Strassen, da jedoch bekanntlich die Posten im Roem. 
Reich hochprivilegirt sein, beschehen und solchergestalten die Landstrassen 
in seinen Landen ?or die Durchreisende gar unsicher gemacht werden 
dörften« '). 

Am 10/20. November 16Y2 trifft der Oberpräsident Prhrr. von 20. Nov. 
Schwerin in Mannheim zur Audienz Vs H Ubr bei dem Kurfürsten Karl 
LfOdwig ein, an welcher nebst Marquis de Dangeau und einem Edel- 
mannes) vom Prinzen Cond6 einige aus Karl Ludwigs Umgebung teilnehmen. 
Die Unterredung findet wegen der anwesenden Franzosen in französischer 
Sprache statt. Schwerin verteidigt den Marsch, den man unternommen, 
nachdem Frankreich das Reich infestirt habe. Der französische Abgesandte 
nimmt das Wort und zeigt an, ^dass dieser Marsch viel ärger sei als der, 
so nach Westphalen gehen sollen", und fragt, was man denn gegen Frank- 
reich zu klagen habe: der König hätte sich erboten, das Fürstentum Clcve 
zu restituiren. Worauf Schwerin geltend macht, hinreichende Satisfaction 
würde niemals erfolgen, und das Reich könnte nicht in Ruhe sein, solange 
der Krieg in Holland continuirte und die Clevischen Städte mit französischer 
Besatzung belegt wären. — Tafel. Nach Beendigung derselben im Ge- 
mache der Kurprinzessin, welche wegen Unwolseins nicht zu Tisch er- 
schienen, private Unterredung zwischen Schwerin und dem Kurfürsten, 
welcher ^mit etwas Bewegung über den vorhabenden March doliret", der 
sein Land so zurichten werde, dass es die Garnisonen nicht weiter unter- 
halten könne; und wenn das die Alliirten nicht thäten, so würden es dann 
die Franzosen besorgen. Ob Schwerin wol wüsste, wo Philippsburg läge ? 
Es wäre schade, wenn die Armee verloren gienge: „S. Ob. D. könnten wol 
einen anderen March nehmen, dabei Sie die Armee besser conserviren könnten.^ 

Darauf schickt der Kurfürst den Secretär Seyler und lässt durch 
diesen dem Oberpräsidenten „einige Rationes vorlesen, warum sie sich von 
dem Rhein wegzubegeben hätten, und wann sie solches thäten, würden sie 
vor Geld Zufuhr genugsam auf den vier Strömen als dem Main, der 
Neckar, Daubcr und Donau, jedoch vors Geld, haben können, und 
müsste die Armee alsdann vor eine Reichs-Armee consideriret werden^. 
Die schriftliche Communication .wird nicht zugestanden; Schwerin notirt, 
während der Secretär liest, die Commoda und Incommoda (Anlage). Anf 
die Frage des Kurfürsten, die auch vorher schon der Secretär gethan: „ob 
er die Franzosen versichern könnte, dass wann sie sich mit ihrer Armee in 
ihre Quartiere begäben, man sich auch dieserseits vom Rheici ab begeben 
und also beiderseits ein Armistitium machen wollte^: erklärt Schwerin 
dann, mit Recht nicht instruirt zu sein, zweifelt auch, „ob es Holland ein- 
gehen würde, weil sie sich zu einem Winterkrieg sehr präpariret hätten^. 



') Dazu ein P. S. mit Berichten über Gewalttbaten braadenburgischer 
Streifparteieu (an Denn verschiedeneu Stellen) im Pfalzischen. 
*) de Morin. 



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318 II- Der Winterfeldzug von 1672 auf 1G73. 

Unterredung über die Lage Hollands nnd Spaniens. Auf die ferner ge- 
thane Frage des Kurfürsten, was er sich Tersprechen könne, wenn er dem 
brandenburgisch-kaiserlichen Bündnis beitrete, bittet Schwerin, dass er nar 
seine Desiderien angeben möge. Vor allem möge er nicht in die Allianz 
sich begeben, welche von Frankreich za Regensburg proponiret werde'). 
Der Kurfürst bestätigt, dass er dieselbe nicht habe annehmen wollen trotz 
der Avantagen, die man ihm gemacht habe: er werde zunächst sehen, wie 
man es mit dem Marsch anstellen und sich gegen ihn bezeigen werde. — 
Nach der Tafel recommandirt der Kurfürst nochmals Entfernung vom Rhein 
und Armistitium. 

Anlagen. 
Die lucommoda, wann die Armeen am Rhein stehen bleiben. 

1. Würden sie eine Schlacht hazardiren müssen, wann sie übergingen, 
denn sonsten sie die Conjunction des Prinzen von Gond6 und de Tnrenne 
nicht hindern könnten. 

2. Blieben sie diesseits, so gäben sie den Franzosen die besten Quar- 
tiere, welche wegen unsrer Armeen Praetext nehmen würden, und gäben 
Ihnen das Kornland. 

3. Liessen sie Frankreich den Glimpf, dass es sonst tractiren wollen, 
wenn Brandenburg nicht am Rhein stünde, und es also daran verhindert 
worden, denn der König nicht tractiren würde le baston haut. 

4. Die Bauern diesseits hätten ausgedroschen und alles in die Städte 
salviret. 

5. Die Bauern wären am Rhein viel hartnäckichter nnd würden den 
Parteien grossen Schaden thun und die Armee schwächen. 

6. Churpfaizens Festungen würden in Gefahr gesetzet, wegen Mangel des 
Unterhalts bei Ausbleibung der Schätzungen in andre fremde Hände zn fallen. 

7. Der Krieg würde dadurch ins Reich gezogen, darüber Holland 
nnd Spanien froh sein würden. 

8. Holland wäre nnerkenntlich. 

Die Commoda, wann sie vom Rhein wegziehen. 

1. Frankreich würde der Prätext benommen und der Weg zn den 
Traf'taten gebahnet. 

2. Churpfalz würde dem Reich zum Besten und dessen Festungen 
conservlret. 

3. Der Glimpf, dass man Frankreich des Friedens halber soviel deferiret. 

4. Hätten das rechte Kornland nach Franken und Schwaben. 

5. Keine grossen Wasser zu passiren, wann sie wieder an den Rhein 
gehen wollten, auch ohne Gefahr auseinander legen. ^) 

6. Könnten durch viele Flüsse Zufuhr haben. 

1) S. unten Einleitung IIL 
'0 Verderbt. 



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Verhandlangen in MaDDheim. 319 

7. Wann sie gute Disciplin bielteo, würden die Staude dadurch obli- 
giret, eie vor eine Reichsarmee zu erkennen. 

8. Marquis Dangeau versicherte, Frankreich wollte auf solchen Fall 
auch in seinen eigeuen Winterquartieren bleiben. 

9. Da Frankreich eher in Elsass nnd Lothringen und an der Saar 
würde müde werden als Brandenburg in den Seinigen. 

10. Churbrandenburg könnte nicht wissen, wie es in Polen und 
Preassen noch ablaufen möchte; Sobiesky hielte es mit Frankreich. 

11. Wann der etwas wider Seine Churfürstliche Durchlauchtigkeit 
hätte, würden sie gezwungen werden, zurückzugehen. 

12. Frankreich könnte die Armee nicht heruntergehen lassen, sondern 
müsste Elsass und Lothringen observiren. (Dazu noch ,Conditiones um 
Proviant zu liefern*. Ohne Belang.) 



Der Kurfürst an den Kurfllrsten Karl Ludwig von der Pfalz*). 
Dat. Hauptquartier RUsselsheim 14/24. November 1672. 

[Freude über dio VerhaDdlungen und Bescheid darauf.] 

Spricht über die stattgehabte Verhandlung seine Freude aus. £r be- 24 Nov. 
dauert, dass er Anderen und so auch dem Kurfürsten von der Pfalz be- 
schwerlich fallen müsse, hegt aber zu diesem das Vertrauen, er werde, und 
nicht allein ^wegen der nahen Blutsfreundschaft, so unter Uns ist^, ihm 
nicht verübeln, wenn er sich in Besitz seiner ^gewaltsamer Weise abge- 
nommenen and indignement tractirten^ Lande zu setzen trachte. 

„Zwar ist uns gebürend eröffnet, wasmassen Ew. Ld. beigebracht, als 
wann man Französischer Seiten ohndem zu solcher Restitution sich wol ver- 
stehen würde. Es mögen aber Ew. Ld. nur sicherlich glauben, dass solches 
ein blosses Vorgeben nnd der Ernst nie dabei gewesen, indem man vielmehr 
je länger je klärer den Appetit, sich des Hheinstroms und ganz Teutsch- 
lands zu bemächtigen, verspüren lasset. Welches, wie es Ew. Ld. so wol 
als Uns unerträglich fallen würde, also hoffen Wir auch, Dieselben werden 
solches zu verhindern Ihro nicht weniger angelegen sein lassen, als Sie 
seheu; dass Wir es, wiewol mit höchster Ungelegenheit dennoch aus treuem 
patriotischen Gemüte unterfangen haben.^ 

Was das Abrücken der Truppen vom Khein betrifft, so könne er leider 
KPfalz in seinen Vorschlägen nicht zn Gefallen sein, da das nicht ^von 
seiner freien Willkür sondern von der Raison de guerre dependire^. Wenn 
er seine eigenen Lande nicht versehene, so werde es ihm nicht verargt 
werden, dass er notgedrungen hier Pfälzisches Gebiet berühre; schonen 
nnd behandeln werde er die Lande wie seine eigenen. — Das Armistitium 
werde mit den AUiirten insgesamt zu überlegen sein. 



CoDC. von Paul Fachs mit Correcturen von SchwerioB Hand. 



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B20 11- Der WiDterfeldzug voo 1672 auf 167B. 



Kurfürst Karl Ludwig an den Kurfürsten.. Dat. Friedrichs- 
burg 22. November 1672. 

[Bitte um Schonung seiner Lande.] 

2. Dec. Nach den täglich einlaufenden Berichten ans seinen Aemtern könne er 
die ^Effecten von des Kf. Sincerationen nicht spüren'^. Sein Commissarius 
Linrk wird solches bestätigen. Bittet, Diejenigen, die sich in die vom 
Kf. ^geklagten Handel^ nicht gemischt, nicht entgelten zu lassen was er 
etwa an Andern zu fordern hätte, und „mich samt meinen Landen nnd An- 
gehörigen nicht in die allegirte raison de guerre gegen alle Raison mit- 
einznflechten^. 

P. S. Eigenhändig. „Ich bitte dienstfreundlich und brüderlich, mir 
nicht zu verübeln, dass ich diesen Brief wegen Schwachheit meiner Augen 
nicht mit eigner Hand geschrieben, zumaln es Derselben zu lesen zu molest 
gefallen wäre". 



Der Kurfürst an den Kurfürsten Karl Ludwig. Dat. Rüssels- 
heim 26. November/6. December 1672. 

[Der Marsch über den Rhein wird eingestellt.] 

6. Dec. «... Wann Wir seither zum öfteren überleget, was Ew. Ld. . , . jüngst 

vorgestellet, wie Sie durch den Marsch grossen Schaden leiden und in Bei- 
tragnng Ihrer Hülfe vor des Reichs Sicherheit geschwächet werden würden, 
und was Sie Sich sonsten, dass auch die Franzosen bei Nachbleibung Un- 
seres Marchs über den Rhein diese Gegend meiden und sich in das ihrige 
reteriren sollten, vernehmen lassen: so haben Wir sowol aus freundbrüder- 
licher Affection gegen Ew. Ld. als auch in gewisser Zuversicht, dass Ew. 
Ld. als ein vornehmer Charfürst des Reichs keinen anderen Rath ertheilen 
werden, als der dem Reich crspriesslich und dem ganzen gemeinen Wesen 
fürträglich sei. Uns entschlossen, damit weder Ew. Ld. noch andere sich 

Ursache zu beklagen haben den March über den Rhein einzustellen.*^ 

Der Kurfürst von der Pfalz möge nun auch bedacht sein, „dass die 
Französische Armee abziehe, und sich in das ihrige begebe^. 
Versicherungen. 

Kurfürst Karl Ludwig an den Kurfürsten. Dat. Friedrichs- 
burg 9. December 1672. Eigenhändig. 

[Bedauert dem Kf. vor dem Abmarsch nicht personlich Lebewohl sagen zu können.] 

19. Dec. „Dass Ew. Ld. meinem Commissario Linck so gn. Zutritt verstatteu 
und durch ihn Dero beständigen Gewogenheit mich versichern, auch Dero 
Abzug aus diesen Quartieren verständigen und wirklich vornehmen wollen, 



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Schriftliche VerabschiedaDg vod Eurpfalz. 321 

dafür verbleibe Deroselben höchlich obligirt. Ich hätte mir zwar die Ehre 
nnd Freude gern gegeben, Ew. Ld. Tor Dero Abmarsch persönlich anfzn- 
warten and Deroselben solches dienstfertig zu bezeugen; weil ich aber ans 
denen Ursachen, so Ew. Ld. Bringer dieses mein Rath und Oberstwacht- 
meister von Ploetz anf gn. gestattete Audienz mit mehrerem anzeigen 
wird, für diesmal daran verhindert worden, als habe nicht unterlassen 
wollen, hiemit bei Ew. Ld. freundvetter- und brüderlich Abschied zu nehmen, 
die schuldige Danksagung für Dero hiebei verspürete hochgeschätzte Affec- 
tion abzulegen, Deroselben Mich und Meines Hauses Interesse ferner zu 
empfehlen und zu Dero Reis und allem zu des Rom. Reichs, Ew. Ld. 
eigenen Landen und Leuten Besten, dem Instrumento Pacis und den Reichs- 
satzungen gemäss zielenden heilsamen Vorhaben alle selbstverlangende 
Glückseligkeit von Herzen anzuwünschen . . . % 



8. Hessen-Rheinfels und Hessen-Darmstadt. 

Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels^) an den Kurfürsten. 
Dat. Rheinfels 3./13. September 1672. 

[WäDBcht des Ef. perBÖuIiche Bekanntschaft.] 

„Ob ich schon noch nicht die Ehre gehabt, Ew. Gn. aufgewartet zu 13. Sept. 
haben und von Deroselben bekannt [zu] sein, so bin ich doch jederzeit in 
die eifrige Begierde gestanden, welches denn Dero Frau Schwester die 
F. Regentin von Hessen-Cassel Ld. gerne attestiren wird, Ew. Gn. 
und Dero Churhause all nur möglichste und gehorsamste Dienste zu leisten 
und mich bei Deroselben als einem so grossen als überall hoch renommirten 
Churfürsten recommandiret zu machen und mich in Dero Qnad und Pa- 
tronicinm') zu recommandiren; gestalt ich dann deswegen Yorzeigern dieses 
meinen Bedienten Capitain Nordeck abgefertiget, E. G. diesen Brief 
zu überliefern und Dero Befehl einzunehmen. Um Sie aber nicht länger 
aufzuhalten, will ich nächst Empfehlung in den Schutz Gottes und An- 
wünschung aller selbst desiderirenden Avantage zu Dero generensen Dessein 
mich sagen E. G. treudienstwilligster Vetter und gehorsamster Knecht 
Ernst L. v. Hessen.** 



d. d. Franenhansen 13./23. December 1672 dankt Kf. in einem Hand- 
schreiben, in welchem er ebenfalls seioem Bedauern Ausdruck giebt, den Kur- 
furaten Karl Ludwig nicht persönlich gesprochen zu haben. 

^ Der Schriftwechsel mit diesem Fürsten gewährt ein hohes sachliches wie 
persönliches Interesse. Üeber den merkwürdigen Mann vgl. Deutsche Randschan 
Jahrg. 1887. (Juli. August) S. 37—62. 215-241. 

^ Origin. Ueber den Stil des Landgrafen vgl. das von ihm selbst abgelegte 
Bekenntnis a. a. 0. S. 38. 



Mater, s. 0«sob. d. G. Kurfürsten. Xni. 21 



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322 IL Der Winterfeldsog ?od 1672 auf 1673. 

Der Kurfürst an den Land^afen Ernst von Hessen-Rhein- 
fels. 0. 0. 0. D. [Bergen 5./15. October 1672.] Eigenh. Conc. 

15. Oct. n^^- ^^* werden Sich aonocb su eriDnern wissea, ivekhergestalt Die- 
selbe gegen mich in Vertrauen gedacht, dass wann I. Kais. M. mit £w. 
Ld. tractiren lassen wollten, Dieselbe Sich gegen obgem. Kais. Maj. dann 
dergestalt erklären würden, wia solches einem treuen und tapferen deutschen 
Reichsfürsten gebürte. Wann Ew. Ld. mir nun Dero Intention, was Die- 
selbe von Ihrer Kais. Maj. begehrten, und aof was Condition Sich Dieselbe 
mit Ihr einlassen wollten, vertraulich entdecken, werde ich allen Fleiss an- 
wenden, solches aufs Beste zu befordern, und wird mir nichts liebers sein 
als wann Ew. Ld. ich hierin dienen kann, Die ich hiermit göttlicher Be- 
wahrung empfehle.* 

Hierauf antwortet der Landgraf durch seinen Secretär Matthaeus 
Myner d. d. Rheinfels 17. /27. October 1672: „An aufrichtiger wahrhafter 
treuen Teutschen Devotion zu Ihrer Kais. M. und des Reichs Diensten er- 
mangelt es mir gar nicht, aber wol an den Kräften, etwas Sonderliches za 
prästiren.^ Beweis dessen die Anlage. 



Anlage. 
Memorial des Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels. Dat. Rheinfels 

17./27. October 1672. 
Notanda pro informatione. 
27. Oct. 1. „Erstlich bin und halte ich mich ganz und zumal frei von Engage- 

ment mit einigen Potentaten, gestalt ich denn von Keinem einen einzigen 
Heller empfangen und also anch keine Obligation habe^). 

2. Wofern etwa bei jetziger Gelegenheit zu Kais. M. und des Reichs 
Diensten mit mir etwas tractiret und geschlossen, anch dieses Passes und 
Festungen sich nutzlich zu bedienen erachtet werden könnte, so prätendire 
ich anfangs und vor allen Dingen, dass ein solches dem Interesse des re- 
gierenden Hauses Hessen-Cassel in keinerlei Wege entgegen länft, als von 
welchem ich mich nicht begehre zu detachiren und also und insoweit als- 
dann mit dessen Beliebnis geschehen. 

3. Dieser meiner einhabenden Oerter in der Grafschaft Eatzenellen- 
bogen Situation am Rhein betreffend, liegen solche eine Stunde unter der 
Chur-Trierschen Stadt Oberwesel und fünf Stunden oben Coblenz. Die 
C hur pfälzische Oerter Bacharach und Canb aber liegen zwischen Oberwesel 
und Bingen, und hat es fast an diesem alleinigen Ort mit dem Rheinstrom 
die Gelegenheit, dass er wegen eines daselbsten befindlichen Wirbels nimmer 
zufrieret, und man also bei allerlei Wetter allezeit Oberfahren und -setzen kann. 

4. Die Situation ist sonsten ganz gebirgig, nnd lieget das Schloss 

^} Was es damit auf sich hat, darüber vgl. Deutsche Randechaa a. a. 0. S. 



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Memorial des Landgrafen von Hessen-RheinfelB. '323 

und Festang Rhe infels auf der Trierschen and hingegen das Schloss nnd 
Festung Eatzenellenbogen, oder infigemein die Katz genannt, jenseits fast 
gegen einander über. Unter dem Schloss Bheinfels lieget ein Städtiein 
St. Goar genannt, anter der Katz aber ein mit Manern nnd Thürmen wol 
versebener, and wegen der tiefen Sitnation nicht zu beschiessen; Flecken St. 
Ocarshansen genannt. 

5. Solche Oerter nan, sonderlich aber Rheinfels; seind vor diesem bei 
weitem nicht in dem Stande gewesen als nnnmehro, da ich seithero fünf- 
zehn Jahren von dem wenigen, was respectn dero grossen Aasgaben dazu 
anwenden können^ an die einmalhanderttaasend Reichsthaler, and zwar blos 
and allein aas meinen propern and nicht des geringen anvermögenden 
Ländeleins oder sonsten eines oder andern Potentaten Mitteln daza her- 
gegeben habe. Denn weil das Schloss Rheinfels fast von vier Ecken her 
Yon Bergen dominiret wird and ohne Graben und Planken sich befand, 
habe ich and zwar alles von starkem Mauerwerk in- nnd auswendig gefuttert 
and mit starken gegen Granaten gemachten Gewölben, anch überall mit Plan- 
keu^ Traversen und Sortien dergestalt alles versehen, dass es nan ein solcher 
Platz ist, von welchem alle hier passirte nnd erfahrene Generalpersonen 
und Ingenieurs mir das Zeugniss geben, dass es ein Ort ist, worauf man 
sich wol etwas wehren und cbicaniren könne. 

6. Und zwar werden auf den Angriflfsfall über fünfhundert Mann zu 
dero Defension nicht erfordert, habe auch über das noch ein ziemlich festes, 
sechs Stund von Rheinfels im Land gegen die Wetterau und Westerwald, 
und der Communication und sonsten der militärischen Respecten wolge- 
legenes Schloss Hohenstein genannt. An allen diesen Orten habe ich durch 
den mit dem regierenden Haus Hessen-Cassel in An. 1654 zu Regensburg 
getroffeneu und von Kaiser!. Maj. und dem ganzen der Zeit daselbsten 
versammelten Rom. Reich in vim sanctionis pragmaticae confirmireten Ver-- 
gleich alleinig vor mich und die Meinige das jus praesidii. 

7. Auf beiden Orten Rheinfels und Katz habe ich an die fünfzig 
grosse and kleine and zwar mehrcntheils metallene Stücke, unter welchen 
zwei halbe Kartaunen, auch andere von zwölf und sechzehn Pfunden, nebst 
einigen Feuer-Mörsel. 

8. Meinen geringen Mitteln bei den vielen Wittumsgebürnissen *) und 
Deputaten und dem hiesigen alleine mir contribuirenden Ländelein nach (zu- 
malen meine Lande in Hessen mir nicht, sondern nach Cassel contribniren) 
kann ich jetzo nicht mehr halten als etwan ein anderthalb hundert Mann, 
und dann des Ausschusses mich gebrauchen, worauf sich aber wenig zu 
verlassen ist. 

9. Ob nun bei jetziger Zeit und Gelegenheit diese Oerter zu Ihrer 
Kaiserlichen M. Diensten einiger Massen in Consideration kommen können, 
als mit welchen man den Rbelnstrom sperren, zwischen den vier Rheinischen 
Churfürsten einen solchen Pass, auch auf solchen Fall eme Retraite und 

') Ao die LandgräBo Eleonore in Boppard. 

21* 



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324 n. Der Winterfeldzag von 1672 auf 1673. 

die zur Schififbrücke erkaufte Schiffe and Magazine in Sicherheit haben 
können: solches werden I. Qn. der Chnrfürst und der Kaiserliche General- 
lientenant Herr Graf-Montecuccoli am besten ermessen. Und würde 
vor allen Dingen nöthig sein, dass, falls sie einige Inclination daza hätten, sie 
mir wie eher wie lieber, jedoch ganz hochwichtigen Umständen halber an- 
vermerkt, unmassgeblich den Herrn General Goltzen und auch einen Kai- 
serlichen auf die Fortification sich wol verstehenden Officier anhero 
schicketeU) um alles in behörlichen Augenschein selbsten zn nehmen und 
also besser referiren zu können. 

10. Dann alsdann nnd eher nicht ich mich erst würde expliciren 
können, mit nnd auf was Weise und Condition mir möglich fallen wird, 
mein zu Kais. M. Diensten und des Reichs Wolfahrt treueifrig Gemüte za 
contestiren und aus dem sonnten sichern Stand der Neutralität in einen oder 
andern Hazard zu stellen, sonderlich nachdem ich dieser Orten ganz 
allein stehe.** 

Instruction fUr den Geheimen Kriegsrat Generallieutenant 
Joachim Rüdiger Freiherrn von der Goltz bei seiner Sendung 
an den Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels. Dat. Haupt- 
quartier Bergen 21. October 1672 0- 

[Besicfatigang der landgräflichen Schlösser und des RheiDaberganges.] 

31. Oet. Soll sich mit dem Officier, welchen ihm Graf Montecuccoli zugeben wird, 
auf nächstem Wege nach Rheinfels begeben, aber unter dem Schein von 
Privatgeschäften und ohne jede Ceremonien. Complimente. Für das Erbieten 
vom 27. October dem Landgrafen zn danken, jedoch nichts zu specificireii. 

^Weil Wir nun Ihrer Ld. Begehren zufolge ihn dahin gesandt, so ver- 
langen Wir, dass Sie demselben vergönnen wollen den Ort mit Gelegenheit 
alda in Augenschein zu nehmen. Wann I. Ld. von Einnehmnng einiger 
Garnison selbst nichts erwähnen, hat er sich auch nichts anzunehmen. 
Sollte aber I. Ld. davon gedenken, jedoch dass Sie zuvörderst den Consens 
von Uessen-Cassel einholen wollten, so hat er anzuzeigen, dass Wir über 
Uns nehmen wollten solchen Consens zn verschaffen, nnd dass I. Ld. darum 
die Sache nicht verzögern möchten, dieweil I. Königl. M. nnd Uns an Be- 
schleunigung des Werks merklich gelegen, wie sich denn Unser General- 
lientenant angelegen sein lassen soll, I. Ld. dahin zu disponiren, dass hier- 
über zuvorderst etwas gewisses resolvirt werden möge.** 

„Im übrigen hat er sich der Orten unter der Hand zn erkundigen, ob 
der Rhein alda, wie man Nachricht davon hat, wegen eines daselbst befin- 
denden Wirbels so beschaffen, dass er nimmer frieret, und man zn aller 
Zeit überkommen könne, ferner wie die Situation an beiden Ufern beschaffen, 
und wie die andere Ihrer Ld. zustehende Oerter als Neu-Katzenellenbogen, 
oder die Katz genannt, nnd St. Goarshausen beschaffen. Vornehmlich 

') Kioe Seodoog des Hauptmann Hath unterblieb. 



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Goltz an deu Lacdgrafen von Hesseo-Rheinfels. 325 

aber id was Zustand das Schloss Rhein fei s sich an ihm selbst befinde, mit 
wie viel Mannschaft solches wol versehen werden muss, und wie viel Stücke 
i»ich zu Neu-Katzenellenbogen befinden, ob Schiffe der Orten zu bekommen^ 
ob dieselbe den Winter über alda sicher liegen können, auch ob Gelegen- 
heit daselbst, einig Magazin aldort anzurichten und zu conserviren.^ 



d. d. Rheinfels l./ll. November 1672 übersendet Landgraf Ernst 11. Nov. 
seine Postnlata^) mit dem Anheimgeben, sie Kaiserlicher Majestät zuzustellen. 
Er hatte sie nicht übersenden wollen ohne die Antwort auf die Relation 
der beiden Generale (Goltz und Keiserstein) abzuwarten, sendet sie 
nan aber doch, weil General Goltz seinem Rittmeister^) gesagt4iat, dass 
Kf. sie erwartete. Hat auch nicht eher schreiben können: ^wir haben hier 
des auf allen Seiten und sonderlich der übel hansenden Franzosen halber 
gehabten Auflaufs soviel zu thun gehabt, dass man fast auf nichts anders 

die Gedanken schlagen können Ew. Gn. wollen gleichwol beliebig 

bedenken, dass ich vor meinen kleinen Estat ein Grosses resolvire, meinen 
Residenzort gleichwol auf allen Fall dergestalt zu risquiren . . . stelle Dero- 
selben guten Belieben anheim, ob Sie vermeinen, Kais. Majestät die Bei- 
lage zu sckicken. Unterdessen gleichwol dasjenige was ich und zwar ohne 
Vorzeigung einiges Schreibens, Grdre oder Passes von Ew. Gn. Dero Christ- 
lieotenant Hennich >) vom Moernerischen Regiment vergangenen Sonntag, 
und zwar da eben die ganze Französische Macht mir so nahe vor der Thür 
war, auch Chur- Mainz und andere meine Benachbarte devoviret(?) und so 
willfährig sich eben nicht erzeigt haben, allein ich Ew. Gn. zu schuldigen 
gehorsamen Respect erwiesen, genugsam verspüren, wie ich zu Kais. M. 
und Dero Dienste intentioniret " 



Beilage. 

Bericht des Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels nebst 

Conditionen. Dat. Rheinfels l./ll, November 1672. 

,Als ich neulich mit meinen beiden Söhnen^) zu Frankfurt mich ein- n. Nov. 
gefunden, um Ihrer Gn. dem Herrn Churfürsten von Brandenburg sowol auf- 
zuwarten als auch dem Kaiserlichen Generallieutenant Grafen von Monte- 
cnccoli die Visite zu geben, und ich auf gegebene Veranlassung und per 
discursum I. Gn. den Herrn Churfürsten gegen das sonst gelaufene un- 

') Die BedingUDgen sind derartig, dasa der Landgraf sich selbst sagt: «ich 
zweiOe doch perspectis perspiciendiB gar sehr: ob diese Oerter dergestalt eben 
in CoDsideratioD kommeD können, dass K. M. zu solcher Eingebung Sich resol- 
viren BoUteü". — Weitere CorrespoodeozeD im ADSchloss daran. — Briefe sollen 
nach Frankfurt an den Faktor Johann Ochs gesendet werden. 

^ Sanerbier. 

^ Hennigs von Treffenfeld. 

«) Wilhelm nnd Karl. 



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326 n. Der WiDterfeldzug von {6T2 auf 1673. 

begründete Geschrei dahin sinceriret, dass zumal nichts daran wäre, dass 
ich dem König von Frankreich diese Festung am Rhein zu verkaufen je- 
mals gedacht, sondern vielmehr zu Kaiserl. M. und des Reichs Diensten 
und wahrhafter Znsammensetzung, ja so sehr als einiger guter wahr- 
hafter Teutscher, die Inclination hätte, darauf haben I. On. der Churfurst 
wenig Tage hernach durch einen Trompeter mir ein eigenhändiges ganz 
freundliches Schreiben zugeschickt und sich bei mir erkundigen wollen, wie 
und welcher Gestalt zu Kaiserlicher M. Dienste intentioniret wäre. Hierauf 
habe ich zur Information, was es mit mir und"" diesem am Rheinstrom ge- 
legenen Posten vor eine Gelegenheit hätte, einige Puncte überschickt, mit 
Vermelden, dass am besten sein würde, dass sie einige hohe Officirer hier 
möchten herschicken, um selbst alles zu besehen und in den AugenscheiD 
zn nehmen, gestalt denn hierauf einige Tage hernach die beiden General- 
personen, nämlich der Churbrandenburgische Herr Generallieutenant Goltz 
und Generalmajor Keiserstein anherkommen. Nachdem sie aber kaum und 
zwar in etwas nur das Haus Rheinfels besehen können, da haben solche wegen 
des eben der Zeit sich begebenen Französischen Einfalls und also yorgangener 
Ruptur zu Nassau ^) sich in continenti aufmachen und wieder zur Armee be- 
geben müssen. Damit nun I. Qu. der Herr Churfurst von Brandenburg sowol 
als Kaiserlicher Generallieutenant Graf von Montecuccoli meine fernere Er- 
klärung wissen und danach ihre Mesure nehmen können, so ist solche folgende: 
Dass wofern nicht Kais. M. nämlich ein beständiges Absehen haben, 
dieser Oerter Sich in vielerlei Esgard am Rheinstrom zn gebranchen und 
also zu denjenigen Postulatis, welche sowol in aller Raison als Possibilität 
gegründet sind, zu resolviren, sondern Ihro vielmehr als von Dero Erb- 
landen so weit und fast an die hundert teutsche Meli entlegen, beschwerlich 
und bedenklich fallen wollte, in dergleichen sich derhalben einzulassen, 
massen bereits des Granischen Regiments ^^ Unterhaltung zu Cöln fast schwer 
fallet und dessen Abkommung dermaleins verlangen: so sage ich, dass 
alsdann und auf solchen Fall ich nicht sehe, wie mir zu rathen stehe, dass 
ich mich um etwas, nur alleine diese Conjunctur betreffend, aus dem sonst 
sichern und ruhigen Stand, nämlich der mit keinem kriegenden Theil zu 
thuu habend, und also ans der gaudirender Neutralität setzen und mir dies 
so nahe angrenzende und mächtige Französische Gewalt auf den Hals 
ziehen solle, sonderlich, da ich auf die Art hier fast ganz uud zumal allein 
stehe, und fast Niemand von den benachbarten Chur- und Fürsten hätte, 
welcher vor mich sein würde. 

Die Conditiones nun, welche ich aller Raison nach auf solchen Fall 
nothwendig werde prätendiren, sind folgende: 

1. Dass gegen des regierenden Hauses Hessen-Cassel Interesse niemals 
hierdurch etwas intendiret werde, als von welchem ich mich keineswegs begehre 
zu detachiren noch abzusondern, nnd also mit dessen Beliebnis geschehe. 

Oben S. 301. 

^ Des kaiserlichen Commissars Marquis de Grana in Cölo. 



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Bedingungen des Landgrafen zum Anschlass an das Bündnis. 327 

i. Dass in den einmal verhofften Frieden meine nnd der Meinigen 
Sicherheit aufs beste mitgewahret und also ausdrücklich includiret werde. 

3. Dass sofern ja gegen alles Yerhoffen diese meine Oerter nnd 
Niedergrafschaft Katzenellenbogen von gegentbeiligen Waffen sollen ex- 
pagnirt und mir abgenommen werden, Kais. M. in Dero Erblanden ans 
Dero Dominio mir einige gewisse Aemter zu Pfände mit aller wie hier 
habender Jurisdiction pro hypotheca gn. verschreiben wollten, aus welchem 
ich nnd die Meinige des Jahres bis zur Restitution zehntausend Reichs- 
thaler Einkommen richtig könnten fähig sein. 

4. Dass Kais. M. mich mit einer und zwar richtig in Frankfurt alle 
Oster- und Herbstmesse zur Hälfte zu bezahlen stehende Pension von 
viertausend Keichsthaler des Jahrs a die subscriptionis an begnädigen 
wollten, massen mir der König in Frankreich vor einigen Jahren bekannter 
Massen soviel offeriret, welches ich aber nicht annehmen wollen.*) 

5. Im gleichen in Friedenszeiten eine Compagnie von sechzig guter 
Mann; zur Zeit des offenen Kriegs aber vertripliciret auf dero Posten 
halten, nämlich den gemeinen Musquetier drei Reichsthaler des Monats 
und so fort und nach advenant die Officirer, gleichwie ich dann die Mei- 
nige thue^ gn. bezahlen wollten. 

6. Imgleichen et a tempore der Subscription dieses Tractats sechs- 
tausend Reichsthaler baar Geld in Frankfurt, um einige Nothwendig- 
keit in der Fortification dieses Orts sowol zu perfectioniren als auch mit 
Munition nnd sonsten einer und anderer Behörigkeit zu versehen. 

7. Dass solche Kaiserliche Völker unter mir oder meines Comman- 
danten Commando jederzeit gänzlich stehen, denn ich eben so viel Völker 
aas dieses Ländleins Coutribntion allemal dabei halten wollte, welches dann 
zasammen an vierhundert Manu hiesse, mit welchen man .tali qnali modo 
noch diesen Ort vertheidigen könnte, sonderlich 

8. da von den Spanischen Niederlanden aus den nächst angelegenen 
Oertern man zum wenigsten noch die dreihundert Mann jedes Mals auf 
Begehren zu haben versichert sein müsste. 

9. Dass meine beide Söhne jeder mit einem beständig stehend bleiben- 
den Regiment in Kaiserlichen Diensten mögen versehen werden. 

10. Dass sofern mir gegen Verhoffen in ein oder anderm nicht sollte 
praecise eingehalten werden, dass alsdann et eo ipso ich von aller Obligation 
frei sein solle. 

Hingegen könnte Kais. M. (falls sonsten nur nichts gegen das regierende 
Haus Hessen-Cassel liefe) Sich dieser Posten contra quoscumque bedienen 
und zu Dero Dienste, jedoch auf solche Mass versichert halten, dass Sie 
meinem oder der Meinigen desfalls Ihro prästirendem Jnramento alleinig 
trauen, und im übrigen die Garnison von mir oder meinen Nachgesetzten 
einen Weg als den andern dependiren thäte. 

Ob nun schon diese meine vorschlagende Conditiones so gethan sind, 



>) Vgl. oben S. 322. Anm. 1. 



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328 n. Der Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

dass ich zu Wahrung meiner Sicherheit und kleinen Interesse weniger nicht 
als solches fordern und begehren kann, so zweifle ich doch perspectis per- 
spiciendis gar sehr, ob diese Oerter der Gestalt eben in Consideration kom- 
men können, dass Kais. M. zu solcher Eingehung Sich resolviren sollte, 
als welche erst müsste eingeholet werden^ unterdessen gleichwol nicht nur 
I. Gn. der Herr Churfürst von Brandenburg und der Kaiserliche General- 
lieutenant Graf von Moutecuccoli, sondern auch Kaiserliche M. selbsten die 
Realität und Sincerität meiner Conduite und Sentiment hierdurch ersehen 
und zu Dero Kaiserlichen Gnaden und Hülde mich und die Meinige desto 
mehr recommandiret zu halten allergn. belieben werden/ 



16. Nov. d. d. Rheinfels 6./16. November 1672 meldet der Landgraf, dass 
er im Interesse seiner Sicherheit von Artikel 3 nicht abweichen könne. Als 
Beischluss folgender Bericht. 

Anlage. 
[Betreffend die zwei KanoDenschüsse bei Ankauft des Obristlieutenant HeoDigs.] 

^Man hätte sich auf Herrn Landgrafen Ernsts zu Hessen- 
Rheiufels Seiten gar nicht versehen gehabt, dass der Obristlieutenant 
Hennig 8 vom Moernerlschen Regiment z. Ff. bei I. €h. D. seinem gn. 
Herrn die alhier bei seiner dergestalt ohnvermuthender Ankunft geschehene 
zwei Kauonschüsse, als ob solche die Franzosen von ihnen zu advisiren 
geschehen wären, ganz sinistre ausgebracht haben würde, zumal doch ihm 
und seinen sich hierüber formalisirenden Officirern schon derzeit hier erklär- 
lich ist remonstriret worden, dass solches ja nicht zu dergleichen Ende 
sondern jedesmalen bei und zumal ohnvermntheter Anlangung fremder 
Völker deswegen alleine geschehen, um die hin und wieder sich befindende 
Soldaten als auch die Bürgerschaft und sonderlich den Ausschuss von den 
benachbarten Dörfern uno instant! und auf einmal sich auf ihre beschiedene 
Posten zu begeben und ins Gewehr zu bringen, ein solches mit dergleichen 
Signal zu verständigen. Zudem so war der Turenne der Zeit noch eine 
ganze Tagreise hiervon, nämlich zu Neuwied, und würde schön stehen, 
wann eine hier passirende Partei prätendireu wollte, dass man keine Frei- 
heit der Stücklösung, seine eigene Leute zu advertiren mehr haben, noch 
sich gebrauchen sollte. Dieser Tagen, als Französische Parteien hierum 
sich sehen lassen, hat man dergleichen auch gethan, welche sich dann auch 
dergestalt ohnbefugt beschweren können, als ob man im Gegenteil ihre 
Anwesenheit advisiret hätte, und hat man dieses ohngleiche Urteil und 
Anbringen desto weniger von solchem Obristlieutenant verdienet, da man 
ihm nicht als neutral sondern als vertrauter Freund begegnet, indem, da 
alle benachbarte Chur- und Fürsten Niemanden passiren lassen, ja die 
Rheingrafen Feuer auf ihn gegeben, man ihn hier nicht allein ohne Vor- 
zeigung; einigen Schreibens, Passes oder Ordre sobald übergehen lassen, 
ohnerachtet man doch der Französischen dieses vielleicht ressentirenden Macht 
in kurzem gewärtig sein müsste, sondern ihn auch noch darzu mit freiwilliger 



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Weitere AuslaasaugeD des LandgrafeD. 329 

Hergebuog von Proviaut, item eines LacquaieQ zum Wegeweiser und sonsten 
vertraulicher Nachricht und ein und anderer mehrerer Bezeigungen der- 
gestalt an die Hand gegangen ist, dass er sich billig bedenken sollen, wo nicht 
seine Ohndankbarkeit, doch Ohnverstand dergestalt haben sehen lassen.^ 

Recreditif') des Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt für 
den Christ Ludolf Lorenz von Krosigk. Dat. Darmstadt 21./3L October 1672. 



d.d. Darmstadt 26. October 1672 meldet Landgraf Ludwig, dass er 5. Nov. 
zu Beschafifung des Proviants, den der Brandenburgische Kriegscommissarius 
Obrist Otto Wilhelm von Berleps'ch gefordert, die nötige Anstalt ge- 
troffen. Sein Präsident Geheimer Rat Graf Eirchberg wird deswegen 
nähere Abrede nehmen. 

Eine Reihe anderer Schreiben des Landgrafen bezieht sich auf Ezcesse 
der alliirten Truppen auf hessischem Gebiet. 

d. d. Wetzlar 11./21. December 1672 spricht Ef. sein Bedauern aus, 21. Dec. 
dem Landgrafen nicht persönlich Lebewol sagen zu können. 

d.d. Voel 10. December 1672 bittet Landgraf Georg zu He8sen20. Dec. 
am Verschonung seiner Herrschaft Itter. 



8. Pfalzneuburg. 
Protocoll. 

Am 21. September 1672 a. St. kommt Kf. zu Cassel an. Der pfalz- 1. Oct. 
neuburgische Vicekanzler Stratman^, welcher bereits dort ist, macht in 
der Audienz Tags darauf folgende Propositionen : • 

1. meldete er von der unlängst erfolgten mündlichen Vereinbarung 2. Oct. 
zwischen dem Eönige von Frankreich und dem Pfalzgrafen'). Dieser, sein 
Herr, hat dem Eönige remonstrirt — 

dasB gleichwol L Ghurf. D. nicht allein grossen Schaden gelitten, 
sondern dass man auch dessen Städte und Häuser, auch die, so nicht 
mehr mit holländischen Garnisonen besetzet gewesen, occupiret und 
zum Theil gar gesprenget hätte. Der Eönig hätte solches theils mit 
der unumbgänglichen Eriegesraison entschuldiget, theils sich anerboten, 
Sr. Gh. D. eine billigmässige Satisfaction dafttr zu verschaffen, auch 
die occupirte Oerter Selbsten finito hello (worüber jedoch noch zu 
handeln sein möchte) zu restituiren, im Fall er nur nichts feindliches 
von Sr. Gh. D. zu vermuthen. 



iDBtractioo d. d. Hauptquartier Bergen 20./30. October 1672 (zugleich für 
Earpfalz). Vgl. oben S. 314 Anm. 2. 

^) Dietrich Althet Heinrich Stratman. S. unten S. 335. 
') Vgl. oben S. 188. 



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330 H. Der WinterfeldzQg von 1G72 aaf 1673. 

2. Notificirte er Sr. Gh. D., dass I. F. D. mit dem Könige ein Pac- 
tum neutralitatis gemachet, dergestalt wie es S. Ch. D. selbst gerathen. 

3. Dass ein Pactum unionis und ein Foedus zwischen dem ge- 
samten Hause Pfalz') in Vorschlag gekommen und von Schweden 
proponiret wäre, welches wol in wenig Zeit zur Richtigkeit gebracht 
werden dürfe, nachdem die zwischen Chur-Bayern und Pfalz gewesene 
Irrungen beigeleget worden. 

4. Offerirte er die Auswechselung des Religionstractats') und 
der darüber ausgefertigten Ratification. 

5. Berichtete er, was mit der Stadt Cöln vorgegangen, und dass 
I. F. D. ein mehrers nicht gethan noch auch verlangten, als dass die- 
selbe zur Neutralität, im Fall es der Euds zu Hostilitäten kommen 
sollte, sich >esolviren möchte. 

6. Referirte er, dass I. Eon. M. selbsten wol erwähnet, dass man 
damit umbginge, wie die occupirte Plätze im Clevischen nicht denen 
possidirenden Herren als Sr. Gh. D. sondern dem Reich oder denen, 
welche vom Reich damit beliehen, hiernächst zu restituiren wären; wie 
nun solches gegen den mit I. F. D. aufgerichteten Erbvergleich') 
liefe, so hätten Sie nicht unterlassen wollen, Sr. Ch. D. davon im 
Vertrauen Nachricht zu geben cum oblatione, darin allemal dasjene, 
was S. Gh. D. von Ihr dem Erbvergleich gemäss verlangten, aufrichtig 
beizutragen und bei allen Bergleichen Begebenheiten mit Derselben 
für einen Mann zu stehen; wie Sie dann diese Sache zum höchsten 
apprehendirten. 

7. Schliesslich verlangten I. F. D. zu vernehmen, ob Sie nicht 
etwas zu Beförderung eines raisonnablen Friedens contribuiren könn- 
ten, welchen Sie höchlich wünschten, auch dafür hielten, dass prae- 
senti rerum statu derselbe, ehe noch fernere Gollisiones fttrgingen, 
wol zu erlangen, und Frankreich dazu incliniren möchte, oflferendo 
operam et officia sua. 

Nach Tische Confereuz im Zimmer des Oberpräsideuten Freiherro von 
Schwerio, welcher folgendermassen auf die einzelnen Puncte replicirt. 

ad 1. „gratias agendo, dass I. F. D. bei solcher Occasion dem 

') Ueber das Project einer Wittelsbachischen HausuDion tioter Bcbwedischem 
Protectorat nnd die Bestrebangen Philipp Wilhelme, die Herren «vom Haus* 
za gewinnen, handelt sehr lehrreich K. Th. Heigel Quellen und Abhandlungen 
zur neueren Geschichte Bayerns. 1884. S. 14fgg. 

'O Vergleicb über die Religionsübung vom 26. April 1672. Die kurfürstliche 
Ratification erfolgte später d. d. Sparenberg 11. Januar 1673. v. Moerner S. 349. 

^ Der sogenannte „Erbvergleich " vom 9. September 1666. v. Moerner S. 288. 



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ProtocoU mit Pfalzneuburg. 331 

Erbvergleich gemäss Sr. Ch. D. Interesse beobachten helfen wollen, 
cum oblatione similis officii bei dergleichen Fällen. — Es wurd dabei 
fürgestellet, dass solche Beschwerden sich immerhin continuirten und 
sich täglich vermehrten, und dass man Sr. Ch. D. Lande nicht anders 
als feindliche Orte tractirte. 

ad. 2. Dass S. Ch. D. dabei nichts zu sagen, auch Sich erinner- 
ten, dass Sie dergleichen dem Herzog gerathen. 

ad 3. Wegen dieser Union und Allianz hätten S. Ch. D. nichts 
zu erinnern, weil alles ausser Zweifel absque praejudicio tertii et 
aliorum würde eingerichtet werden; es stünde dahin, ob man gut 
finden möchte, zu der Allianz um Verhütung allerhand Ombrage auch 
einige andere Chur- und Fürsten zu invitiren. 

Herr Stratman vermeinet, dass sein gnädigster Herr solches gern 
sehen würde, insonderheit dass S. Ch. D. darin zu treten belieben 
wollen, als mit Der S, F. D. jedesmal die [engste und genauste Ver- 
bfindnis zu haben und zu halten verlangten. 

ad 4. Dass Sr. Ch. D. solches lieb zu vernehmen; weil Sie aber 
Ihre Batification und die Acta nicht bei der Hand hätten, als wollten 
Sie deswegen nach Berlin schreiben und alles kommen lassen, damit 
die Auswechselung in weniger Zeit, etwa zu Düsseldort, geschehen 
möchte. 

ad 5. Wegen der Stadt Cöln vermeinten S. Ch. D., man hätte 
quovis modo zu verhüten^ dass solche beim Reich bleiben und nicht 
in fremde Hände gerathen möchte. 

ad 6. Sr. Ch. D. wäre dergleichen fttrkommen, und müsste man 
billig communibus auxiliis et consiliis darwider arbeiten. S. Ch. D. 
würden Ihres Orts suchen, alles Widrige zu verhüten, und jedesmal 
mit I. F. D. für einen Mann stehen, hätten auch desfalls Ihre Hülfe 
und Beistand vermöge Erbvergleichs bereits für einigen Tagen requi- 
riret, und bedankten sich pro communicatione und dem Anerbieten. 

ad 7. Den Frieden betreffend, darzu wären S. Ch. D. so geneigt 
als Jemand; hielten solchen auch bei diesen zerrütteten Zeiten, da der 
Erbfeind abermal die Grenze und Vormauer der Christenheit angriffe, 
höchst nöthig. 

^Herr Stratman bat, ob man nichts von Conditionen sagen könnte, 
worauf I. F. D. gerne arbeiten wollten, nnd möchte es damit hohe Zeit 
sein, weil Frankreich darzu incliniret wäre, damit die Sache nicht mehr 
volneriret und embrouilliret werden möchte. Der Herr Oberpräsident 
replieirte, dass er von denen Conditionen in specie nichts anders zu sagen 



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332 11. Der Winterfeldzng von 1672 auf 1673. 

hätte, als dass solche dergestalt eingerichtet werden mussten, damit alle 
Interessenten wiederum in völlige Sicherheit gesetzet würden und nicht zu 
befahren haben möchten, hiernächst wiederum ad Inbitum potentioris in neae 
Troublen und üngelegenheit zu gerathen. S. Ch. D. wollten inmittelst so- 
wol mit I. Kais. M. als auch mit Holland ans der Sache communiciren und 
hiernächst Ihrer F. D. durch jemand der Ihrigen von allem fernere Com- 
munication thun lassen.*^ 

„Sub finem erwähnte Herr Stratman etwas Widersetzlichkeit der 
Jülichschen Landstände; wie nun S. Ch. D. dabei ein Interesse mit I. F. D. 
hätten, auch der Erb vergleich mutuam in hoc casu assistentiam erfordert, 
also bäte er auch auf allen Fall um solche Assistenz, wozu man sich dem 
Erbvergleich gemäss willig erkläret ^).^ 



C. Lüneburg-Celle. 
Instruction wonach sich der Mindische Regieruugsrath Käm- 
merer Drost zum Petershagen Gerdt Jaen Ledeburdes Johan- 
niter -Ordens Ritter bei seiner Sendung an den Herzog Georg 
Wilhelm von Lüneburg- Celle gehorsamst zu achten. Dat. 
Hauptquartier Bergen 14./24. October 1672. Conc. Meinders. 

24. Oct. Der Gesandte soll sich nach dem Zustand der Verhandlungen mit den 
Generalstaaten erkundigen und, falls der Vertrag bereits in Richtigkeit ge- 
bracht, dazu gratuliren. Im anderen Falle soll er vorstellen, — 

weil Wir wol einige Infanterie von dorten anhero zu Unser Armee 
konamen lassen dürften, ob nicht I. Ld. einige von Ihren Fussvölkern, 
und zwar etwa Eintausend Mann, auf eine geringe Frist, zu besserer 
Besetzung Unserer Westphälischen Vestungen, und absonderlich Un- 
serer Stadt Minden, zu leihen geneigt sein möchten, welche, solang 
sie wirklich in Unseren Plätzen wären, sich mit Pflichten an Uns 
verwandt machen müssten, woselbst sie auch mit Quartieren und 
Servicen versehen werden sollten. — Im Uebrigen hat er sich zu 
erkundigen, in was Postur I. Ld. stehen, wieviel Sie an Trouppen in 
Bereitschaft, und ob Sie zu fernem Werbungen Anstalt machen. Item 
was bei denen Herzogen zu Braunschweig, Hannover und 
Osnabrück passire. 

Die Rechnung der Reisekosten hat er einzusenden. 

Der weitere Schriftwochsel mit Pfalzneubarg dreht sich wesentlich um die 
französischen GewaltmaBsregeln im Glevischen und die von Eurbrandenbarg be- 
gehrte Assistenz auf Grand des Erbvergleichs. 




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Ledebnr an deu Herzog von Lunebarg-Celle. 333 

G. L Ledebur an den Kurfürsten. Dat. Petershagen 
1./11. November 1672. 

[Erklärung des Herzogs von Celle. Nachrichten aber die brannschweigische 

Armee.] 

Er ist am 2ten st. n. abgereist, am 3. in Celle eingetroflFen. Den 11. Nov. 
Herzog findet er nicht dort sondern am 4teD 7 Meilen davon in Ebstorf; 
aber bei der Abwesenheit des Kanzlers und des Grossvogts*) — ersterer 
kann ^wegen Podagrischen Affects^ auch nicht herbeikommen — erhält er 
keine Resolution. Schliesslich begleitet er den Herzog nach Celle zurück, 
wo ihm dann am 8. November das Recreditif eingehändigt und folgende 
Erklärung erteilt wird: Der staatische Ambassadeur van Werkendam 
in Kopenhagen habe (wie der Cellische Gesandte von dorther berichtet) 
die Ordres, welche er unterm 26. Septbr. st. u. erhalten, des Orts zu er- 
öffnen Bedenken gehabt und erst den 19. Octbr. st. v. einem der dänischen 
Minister davon Ouvertüre gethan. Man müsse erst den Bescheid des Königs - 
vernehmen. Freilich müsse der Herzog dabei in den Gedanken verharren, 
dass ^wenn die Qeneralstaaten darauf bestehen sollten, dass I. Kön. Maj. 
Sie mit den verlangten Subsidien zu nötiger Armatur zu Wasser gar nicht, 
noch auch baarer Bezahlung derjenigen, welche Sie bereits zu Behuf der 
Assistenz zu Lande acordiret, wenigstens auf einige Monat nebst den Werbe- 
geldern an Hand zu gehen vermöchten, die Handlang des Orts sich noch 
lange verweilen, wo nicht gar vergeblich sein dürfte*'. 

Anlangend die 1000 Musketiere zur Besetzung der Stadt Minden er* 
kläre sich der Herzog erbötig, „wann sie das Vermögen haben, sothane 
Assistenz wirklich zu leisten^. Es müsste aber in Betreff mancher Einzel- 
heiten, „ratione modi, als in specie im Commando und. wegen der Pflicht, 
welche nur von denen obern Officirern (nach Meinung der Minister) geleistet 
werden könnte", Abrede genommen werden. 

An Truppen, so fügen die Minister hinzu, hat der Herzog 4500 Mann 
Fassvolk, dazu 2 Regimenter zu Pferde, das Haxthausen'sche und das 
Villic hasche in Bereitschaft, „auch noch einen stattlichen Ausschnss fertig''. 
Letztgenannter Oberst ist nebst seinem Bruder dem Major vorgestern von 
Rittmeister Burchart im Duell erschossen worden. Die Werbungen sind 
zwar eingestellt, indes hat der Herzog noch einige Leute, denen er Wart- 
gelder giebt, an der Hand, sodass er in kurzem 80OO Mann wird aufbringen 
können. 

„Bei denen Herren Herzogen zu Hannover und Osnabrück ist 
es itzo ganz stille und passiret daselbsten nichts sonderliches, sondern sein 
nur begierig zu vernehmen, was bei denen Armeen vorgehe, gcstalt sie dann 
um Correspondenz sich sehr bemühen, und habe ich gestern in meiner 
Durchreise zu Hannover vernommen, dass I. D. alda Zeitung gehabt, was 



^} Schütz und Hammeratein. 



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334 H- Der WiDterfeldEüg voo 1672 auf 1673. 

gestalt eine Partei von 300 M. Franzosen 60 M. von £w. Ch. D. ganz um> 
zingelt and weggenommen und also den Anfang von der Feindseligkeit 
gemachet.** *) 

Instruction und Rechnung der Reisekosten folgt zurück. 



10. Dec. d. d. Amthaus Winsen an der Luhe 30. November 1672 über- 
sendet der Herzog Georg Wilhelm ein Schreiben von Eurpfalz, welches 
(d. d. Friedrichsburg 23. November 1672) Beschwerde über die Draifgsale 
seiner Lande erhebt und die Absicht ausspricht am Reichstage zu klagen -). 



Der Kurfürst an den Herzog Georg Wilhelm von Braon- 
schweig-Celle. Dat. Wetzlar 11./21. December 1672. 

[Daukt für ÜommoniciroDg. Entgegnung.] 

21. Dec. ...Nun hätten Wir Uns zwar zu Chur-Pfalzens Ld. der- 
gleichen nimmer vergeben, ungemerket Sie wol am wenigsten Ursache 
haben dergleichen Klagten zu führen, und ist gewiss Sr. Ld. auch 
nicht verborgen, dass Wir alle möglichste Sorgfalt angewendet, Dero 
Lande zu conserviren und dieselbe in keine Wege weder mit Ein- 
quartierung noch sonst zu beschweren; gestalt dann auch solches eine 
der vornehmsten Ursachen gewesen, warum Wir nicht über den Rhein 
rücken, sondern lieber so lange Zeit mit Unserer und der Armee 
grossen Ungelegenheit diesseit Rheins stehen wollen. Sollte dann ja, 
Unser unwissend, bei Fouragirung ein oder ander Sr. Ld. zustehender 
Ort berühret sein, weiss man wol, dass in dergleichen Fällen es so 
eben nicht zugehen kann. Fürnehmlich haben Wir zu Sr. Ld. das 
zuverlässige Vertrauen gehabt, Sie würden dergleichen geringen Scha- 
den bei jetzigen Conjuncturen, da das ganze Reich um seine Freiheit 
und Securität periclitiret, aus Liebe zum Vaterlande vergessen und 
dabei beherziget haben, was Wir und Unsere Lande unverdienter 
Weise dabei ausgestanden und noch täglich erleiden müssen, wobei 
das Ungemach, so Sr. Ld. zugestossen sein mag, in keine Wege zu 
vergleichen. Zwar wann ofthochged. S. Ld. Sich etwa allein bei Ew. 
Ld. und ander wolgesinnte Reichsstände desfalls beklaget hätten, 
würde Uns solches nicht befremdet haben. Nachdem man aber auch 
solches an die gesamte Stände auf den Reichstag und in specie an 

') Bezieht sich auf dag Bencootre bei Nassan. Oben S. 301. 
2) Vgl. oben S. 2ö7. 




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Schriftwechsel mit den Geheimen Räten. Friedensvorschlfige. 335 

fast alle Übrige Gbar- und Fürstliche Häuser mit gar verbasseten Um- 
ständen gelangen lassen und hergegen von dem unerschwinglichen 
Schaden, so Uns in Unseren Westphälischen Landen von auswärtiger 
Macht zngefüget worden, so gar nichts erwähnet, als höreten selbige 
Lande nicht zum Reiche : wissen Wir nicht was Wir davon gedenken 
sollen. Müssen es zwar dahin gestellet sein lassen, tragen aber zu 
Ew- Ld. das freundvetterliche Vertrauen, Dieselbige werden von obigem 
allen besser uitheilen, Chur-Pfalzens Ld. in Dero Antwort solches 
remonstriren .... 

Weitere Schreiben mit Braonschweig- Celle den Anscblnss an die hol- 
ländische Allianz betreffend. 



c. Schriftwechsel mit den Geheimen Räten. 

Der Kurfürst an die Geheimen Räte in Berlin. Dat. Cassel 

22. September 1672. 

[Friedensvorschläge Pfalzneaburgs.] 

Teilt in einem Beischlass die durch den Kanzler Stratman von 2. Oct. 
Pfalz-Nenburggethanen Vorschläge und hierauf bezüglichen Antworten mit*). 

Mit dem Grafen Montecuccoli und, soweit die Sache die Nieder- 
lande betrifft, dem Freiherrn von Amerongen, wird verhandelt, nament- 
lich auch des Kaisers Ansicht in der Friedensfrage eingeholt werden; dies 
um so mehr — als von anderen Orten mehr dergleichen Propositiones 
zum Frieden geschehen möchten, welcher dann, bei denen gefährlichen 
Conjuncturen, da vom Erbfeind abermal so ansehenliche Plätze und 
Lande der Christenheit entzogen, und fernere Invasiones sowol in 
Ungarn als Polen anbedrohet werden, und zur Resistenz wenig Macht 
und Kräfte vorhanden, wol herzlich zu wünschen, wenn er nur auf 
beständige, sichere und reputirliche Conditiones erlanget und zu Wege 
gebracht werden könnte. Wobei Wir dann, wegen Unsers particulars 
Interesse, wol desto mehr Ursach haben, weil — wie bekannt — der 
Krön Polen nichts begegnen kann, woran Wir nicht mit participiren, 
I. Kaiserl. Maj. auch hierdurch verhindert werden möchten, das Werk 
mit solchem Nachdruck, als es wol die Noth erfordert, zu respiciiren 
und zu secundiren '). 



Die Protocolle ohen S. 329fgg. 

^ Dasselbe Schreiben an die Gesandten Blaspeil und Romswiockel 
Dach dem Haag. Dat. Hauptquartier l'reysa 24. Septbr. 1672. 



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336 n. Der Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

Fordert das Gutachten der Räte. Insbesondere will er noch die 
Angabe von Mitteln boren, durch welche sowol Preussen wie seine Reichs - 
lande, namentlich am Oderstrom, in bessere und kräftigere „Verfassung^ zu 
bringen seien. 



Die Geheimen Räte v. Somnitz und Koeppen an den Kur- 
fürsten. Dat. Coelln a. Sp. 1. Oetober 1672. Conc. v. Somnitz. 

[Weisen Particulartractat and Neutralität znräck und empfehlen GeDeraltractateo 

mit allen InteresBeaten. —Massregeln zur Defension der kflichen Lande. Vorschlag 

einer Negotiation an die Pforte.] 

11. Oct. '" Auf des Kf. Rescript vom 22. September st. 7., welches sie am 30. er- 
halten haben. 

Die Räte meinen, ein sicherer Friede, wie er von Stratman ange- 
deutet worden, sei keineswegs auszuschlagen, sondern je eher je lieber an- 
zunehmen. Sie beziehen die Stratman'schen Propositionen, die sie „für 
jetzo für das Object dieser Consultation nehmen^, auf einen Particular- 
tractat oder auf die ^^längst ins Mittel gebrachte^ Neutralität oder 
endlich auf eine dem Kf.- zugemutete Suspension der Waffen. 

Nun mtLssen wir unvorgreiflich dafür halten, dass Ewrer Ch. D. 
wie auch dem gemeinen Wesen nichts schädlichers sein kann als eine 
Trennung von den Alliirten, die auch ohne das wider die Bündnisse 
und Verträge laufet; wie auch nichts minder die Neutralität, gestalt 
dann Ew. Gh. D. dieselbe längst also höchstvernttnftig consideriret 

Die Suspension der Waffen belangend, gleichwie Ew. Gh. D. der 
Zustand Dero, wie auch der Französischen Armee, und mit was 
Success die Eriegsoperationes za führen, am allerbesten bekannt, also 
kann auch davon niemand besser als Sie selbst, Dero köchsterleuch- 
tetem Verstände und Eriegserfahrenheit nach judiciren. 

Uns wird alhier berichtet, dass die Französische Armee anitzo 
nicht gar stark oder ja bei weitem nicht so stark, als sie fürdem 
ausgegeben; dann dass sie ziemlich harrassiret, auch sonsten nicht im 
besten Zustande sei, and dass nicht anpracticirlich, ihnen die Zuführe 
und Lebensmittel zu disputiren, und dass, wie dazu Ew. Ch. D. nebst 
den Eaiserlichen von der einen, also von der anderen Seiten die 
Staatischen das Ihre thun, auch dazu einige Spanische Regimenter 
nebst der in Mastriebt liegenden Garnison gezogen werden könnten, 
und es itzo vielmehr das Tempo sei, der Französischen Armee Ruin 
zu suchen als einen Anstand zu machen, bevorab da derselbe den 
Franzosen nur zum Vortheil gereichen würde, als die sich bei währen- 



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Die Räte siod für Geoeraltractat. 337 

dem Anstände desto füglicher conseryiren und indessen nach und 
nach mit mehrem Succurs aus Frankreich, wovon viel geschrieben 
wird, sich verstärken würden. 

Wie weit Pfalzneuburg mit Frankreich engagirt wäre, wie es za den 
Parteien stände, darüber Bei im Reiche viel Redens und Schreibens ge- 
wesen. Ob Stratman Neutralitätspacten communicirt hätte ? — In welchem 
Grade demnach I. D. bei den Friedenstractaten heranzuziehen^ stellen sie 
des Kf. Urteil anheim. 

Wir sind sonsten der unmassgeblichen Meinung, dass ein Gene- 
ral tractat mit allen Interessenten anzustellen sei. Ob nun Pfalz- 
neuburgs F. D. Intention dahin gehe, können wir nicht wissen, viel- 
mehr scheinet uns Dero Fürhaben also an wie obgedacht. Es kann 
auch sein, dass eines und anders zum Schreck angebracht als, was 
von der Union des Pfälzischen Hauses angeführet, wovon wir auch 
nicht wissen können, ob der H. Stratman das Project Ew. Gh. D. 
fürgezeiget. Dieses halten^ wir aber unmassgeblich unstreitig, dass I. 
D. die Neutralität mit Frankreich nicht schlechterdings zuzustehen sei, 
besondern Ew. Ch. D., vielmehr auch für itzo, nachdem Deroselben 
I, p. selbst hinterbracht, was Frankreich für gefährliche Consilia 
wegen Ew. Ch. D. Clevischen Lande führete, die schuldige Assistenz 
von Deroselben, wie auch schon geschehen, femer mit Nachdruck zu 
fordern hätten. 

Die fernere Verfassung belangend, ist dieselbe in alle Wege 
nöthig, Bowol in Regard der Armee, so Ew. Ch. D. bei Sich haben, 
als der Preussischen Lande und der Türkengefahr halber. 

Folgen Mntmassungen über Fortführung des Krieges und Türkengefahr. 
Ob Ef. am Oderstrom etwas zu befahren^ davon hätten sie keine Nach- 
richt; der Stand der Milizen in den einzelnen Landen sei ihnen ebenso 
wenig genau bekannt. Nene Werbungen indes seien „der obangezogenen 
Respecte wegen^ unumgänglich. Namentlich in Preussen. Auch Werbungen 
im Reiche und Musterplätze dürften sich empfehlen. — Sie wollen aber 
diese Sache mit ihren Herren Collegen, „so bald sie einheimisch sein wer- 
den^, überlegen und weiter unterthänigst einkommen. 

Dem Unheil in Polen werde Kf. kaum vorzubeugen vermögen. Mit 
den Türken werde sich der König von Polen wol vergleichen, so gut 
oder übel er könne. Ob nicht im Hinblick hierauf eine Schickung an die 
Pforte thunlich sei? Zwar ständen dem die Kosten entgegen (auch Prä- 
sente würden erfordert); dann der Umstand, dass die Sendung der Auxiliar- 
völker auf türkischer Seite als Feindseligkeit aufgenommen werden möchte. 
Freilich habe der Geheirarat Harsani, welcher während des Krieges 

Mater, e. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIII. 22 



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338 11. Der WinterfeldcQg 7on 1672 auf 167a 

zwischeo dem Kaiser and dem Sn^^^Q >o <ler Türkei gewesen, geäussert: 
damals sei der König von Frankreich am türkischen Hofe nicht als Feind 
betrachtet worden, weil er Kaiserlicher Majestät assistirt habe ; überhaupt 
^werde auch bei den Türken ein Assistent ex foedere nicht fort für eioen 
Feind gehalten^. — Vielleicht sei Harsani wenigstens bis ins polnische 
Lager za seudeni damit man sehe, ob und was weiter zu thun wäre. 



ll.Oct. d.d. Coelln a. 8p. l./ll. October 1672 schliesst sich Geheimrat 

Friedrich von Jena im wesentlichen den obigen Ausführungen an. 
Durch Oeheimrat v. Somnitz am 6./16. October dem Kf. übersendet 



Der Kurförst an die Geheimen Räte. Dat. Hauptquartier 
Butzbach vier Meilen von Frankfurt am Main 1. Octbr. 1672. 

[Kriegsplan des Kf. Welche Schwierigkeiten dem Rheioöbergang entgegen 
stehen. Die Lässigkeit der Kaiserlichen veranlasst Zurackhaltang der hollän- 

disehen Sabsidieo.] 

ll.Oct. Wir haben Euch hiemit in Gnaden nicht bergen wollen, wasge- 
stalt Wir den March mit Unserer Armee bis anhero glücklich, wieifrol 
nicht ohne grosse Beschwerlichkeit fortgesetzet, und dass Unser Zweck 
und Absehen dabei gewesen, Uns an irgend einem bequemen Ort so- 
wol des Rheins als des Moselstromes zu bemächtigen, der Französischen 
Armee dadurch alle Zufuhr abzuschneiden und Uns sowol der Stadt 
Cöln als auch dem Maassstrom zu nähern,, auch auf allen Fall Uns 
mit Hispanischen Trouppen zu conjungiren, und solchergestalt von 
dieser Seite die Franzosen dergestalt einzuschränken, dass es ihnen 
endlich an behöriger Subsistenz ermangele, dem Staat auch Luil und 
Occasion gegeben würde, mit ihrer Armee zu agiren und dem Feinde 
Abbruch zu thun. 

Wie Wir nun dieses letzte wirklich prästiret und durch diesen 
Unsem March die Französische Arm^e aus denen Vereinigten Pro- 
vinzien herausgezogen, also finden sich anitzo bei Execution des 
ersten grosse Difficultäten, indem weder Ghur-Mainz noch Chur- 
Trier Uns die Passage und ihre Schiffbrücken über den Rhein bis 
dato verstatten wollen. Wir haben zwar an beide geschicket und 
fernere Instanz deswegen thun lassen, können aber noch nicht wissen, 
wohin ihre Erklärung gehen wird. 

Wir vermerken hiebei an denen Kaiserliehen, dass man sehr 



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Ef. über die bisherige KriegsführoDg. 339 

suchet in allen Dingen zu traisniren und Zeit zu gewinnen, keines- 
weges aber in eine wirkliche Action und Operation, sonderlich bei 
dieser Türkengefahr, zu treten. Wie Wir aber dazu, gleich Euch 
wissend, in Kraft des bekannten Tractats verbunden sind, und man 
Staatischer Seite diese Unsere Gonduite in die Länge nicht appro- 
biren sondern (wie bereits geschiehet) sehr auf einige wirkliche Ope- 
ration und die Kuptur selbsten dringen, in Entstehung dessen aber 
die Zahlung der Subsidien zu Unserer höchsten Ungelegenheit diffi- 
cultiren und damit zurückhalten wird: also befehlen Wir Euch gn. 
dieses Werk seiner Wichtigkeit nach wol zu erwägen u. s. w. 
Gutachten der Räte gefordert. 



Die Geheimen Rute y. Sominitz und v. Jena an den Kur- 
fürsten. Dat Coelln a. Sp. 13. October 1672. 

[Verpflichtung des Kf. gegen] die Generalstaaten nnnmgänglich. Wie den Kaiser- 
lichen zu begegnen sei. Celle.] 

Dankesworte gegen die göttliche Allmacht und Wünsche für eine 23. Oct. 
^triomphirliche Einführang^ des Ef in seine Residenz. Sie sind sich nicht 
klar, ob die bisher nicht erfolgte Conjanction der kaiserlichen nnd kurfürst- 
liehen Armeen mit des Ef. gutem Willen geschehen, oder ob sie vom Kf. 
zwar verlangt, von den Kaiserlichen aber (vielleicht aus Gründen der Ver- 
pflegang) abgelehnt worden sei. Der Uebergang über Rhein oder Main, hoffen 
sie, werde gewiss erreicht werden; bei ^vorgewesenem deutschen Kriege^ 
seien ^zn verschiedenen Malen Rhein, Donau, Elbe nnd andere Flüsse, ob- 
gleich ein Feind auch wol an der anderen Seiten vorhanden gewesen, mit 
gutem Snccess passiret*^. Sonst, meinen sie, könnten die Dinge wol dergestalt 
beschafifen sein, dass es nicht eben nöthig, über den Rhein zu gehen, und 
dass Ef. auch wol diesseits dem Bündnis Genüge leisten und für die Armee 
sichere Winterquartiere behalten könne. 

Mit „der Kaiserlichen Traisnirung^ könne sich Ef. den Gen. Staaten 
gegenüber nicht entschuldigen, weil das gemachte Foedns daran nicht ge- 
bunden sei: solange der Staat dem Foederi ein Genügen thot, solange 
sind Ew. Gh. D. den Bund zu halten pfiichtig. Wann auch die Sub- 
sidien darum, dass £w. Gh. D. Sich entzögen der Bündnis nachzu- 
kommen, zurückbehalten würden, so würde nichts dem Staat sondern 
Ew. Ck D. beizumessen sein. Sollte aber der Staat von Ew. Ch. D. 
begehren, dass Sie ohne alles Absehen zur Operation zu schreiten 
hätten, so meineten wir, dass solch Postulatum nicht zu attendiren, 
weil die Kriegsactiones nach Anweisung der Gelegenheit und nach 

22* 



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340 11- Der Winterfeldzns^ von 1672 auf 1673. 

der raison de guerre zu ffibreD; und dass Ew. Cb. D. der Allianz ein 
völliges Genttgen leisteten, wenn Sie keine bequeme und gute Ge- 
legenheit versäumeten, dem Feinde auf allerlei Weise und Wege Ab- 
bruch zu thun. Und weil, wie vorgedacht, der Staat die Traisnirung 
der Kaiserlichen, soviel das mit Ew. Ch. D. aufgerichtete Bttndnia 
belanget, in keine Consideration ziehen wird, so stünde zu Ew. Gh. D. 
gnädigstem Gefallen und höchsterleuchtetem Ermessen, auf was Art Sie 
dem Kaiserlichen Herrn Generallieutenant die Sache vorzustellen 
vermeinen, damit er die bisherige Gewohnheit ablege und sich zu der 
Sache, wie es sich gebflret, anschicke; zu welchem Ende wir unvor- 
greiflich meineten, dass die Conjunction mit allem Fleiss zu befordern. 
Es kann auch wol sein, dass die Kaiserlichen darum eines und das 
andere decliniret und noch decliniren, weil sie gesehen und noch 
sehen, dass das Meiste die Katholischen Lande treffen, und wol gar 
die Winterquartiere in denenselben genommen werden dürften. Unter 
anderm meinten wir, dass dem H. Montecuccoli anzuzeigen, dass Ew. 
Ch. D. Sich allemal wol versichert hielten, dass Ihre Kais. M. es mit 
dem gemeinen Wesen aufrichtig und wol meineten; auf die Weise 
aber, wie die Sachen bisher wirklich getrieben, würde anders nichts 
gethan, als da.«^8 Land und Leute beschweret und verderbet, und dass 
viele Stände, welche es noch gut gemeinet, wider ihren Willen sich 
und ihre Affection ändern müssten. Ew. Ch. D. müssten befahren, 
dass sehr ungleich sowol von L Kais. M. als Ew. Churf. D. Actiones 
dürfte geurtheilet werden, wann weiter nichts anders und mehrers 
gethan werden sollte, als dass unschuldige Stände ruiniret, die rechte 
Zeit zu agiren versäumet und Land und Leute, ja die Armeen selbst, 
(das doch Gott verhüte!) zu Grunde gerichtet würden; wann gleich 
die Allianz, die separaten Articul und ratione modi mit Ew. Ch. D. 
(wie doch^geschehen) nicht aufgerichtet, so würden doch Ihre Kais. M. 
kraft ihres Amts und beschworenen Capitulation verbunden sein, 
fremde Völker von des Reichs Boden auch mit Gewalt zu schaffen. 
Sie hätten auch soviel Difficultäten wider Schweden nicht gemacht, 
da doch die Gefahr dem heiligen Reich nicht so nahe und erschreck- 
lich gewesen, der König in Schweden auch so gar vaste und weit 
aussehende Consilia, als wol Frankreich thut, nicht geführet. 

Dieweil auch von Celle aus anhero vor gewiss berichtet worden, 
dass das bishero zwischen dem Staat und H. Herzog George Wil- 
helms F. D. tractirte Werk nunmehro seine Richtigkeit, und dass bis zu 



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Wie den Kaiserlichen za begegoen sei. 341 

eingekommener Kgl. Dänischer Resolution Ihrer D. Trouppen sich 
weiter nach der Weser ziehen würden, so würde auch hierdurch, 
wann es sich berichtetermassen verhalten sollte, und Ew. Ch. D. 
besser bekannt sein wird, das Gegentheil eine Diversion empfinden. 
Die anderen Denen Collegeu ») sind über Vermuten ausgeblieben. 



V. Somnitz. Einzelbedenken, o. D. 

Beklagt die Schwierigkeiten, die sich dem Kf. entgegenstellen'). 

£r erachtet es unmöglich: dass Kf. mit Ehren und ohne Nachtbeil 
anders als durch einen Uniyersaltractat dort aus dem Handel scheiden 
könne, dass er sich von den Alliirten solle trennen lassen, dass er endlich 
^das dortige und das polnische Wesen^ mit gleicher Kraft zugleich betreibe. 
Ein Vorschlag von Mittelwegen däncbt }hn nur geeignet; des Kf. Gemüt 
„mit anderen schweren Sorgen zu beladen und unterdessen den rechten 
Weg fahren zu lassen^. 

Sollte die Passage über die Ströme nicht erreicht werden, so müsse 
man, „wie in allen grossen und gerechten Desseinen zu verfahren^, dasjenige 
mit Macht und Recht nehmen, was mit Unrecht versagt wird: la voye de 
faict est en tel cas la voye de droit. — Wenn alle Vorstellungen bei 
den Kaiserlichen nichts fruchten, so weiss S. keinen bessern Rath, „als 
den ich von Ew. Ch. D. selbsten in ünteithänigkeit gelernet^: als die 
Dinge gar nicht vorwärts gewollt, habe Kf. die Sendung Anhalts nach 
Wien verfügt, und der Ausgang sei von Erfolg gekrönt gewesen. Ob das- 
selbe Mittel wiederum anzuwenden, stehe zu des Kf. Ermessen. 

„Sonsten hielte ich Ew. Ch. D. Interesse sehr fürträglich, Jemanden an 
den Kais. Hof zu senden, dem Sie sicherlich trauen könnten, und der so- 
wol bei I. Kais. M. als Dero Ministris alle Momenta wol beobachtete. Ist 
ein Hof, so dergleichen Ministrum erforderte, und einige Zeit, dabei solcher 
sein Dienst nötig, so ists der Wiensche Hof, und ists die itzige Zeit.^ 

„Das Polnische Wesen belangend möchte gut sein, wann der Frhrr. v, 
Hoverbeck albereits am Polnischen Hofe wäre. Ja es möchte auch dien- 



1) d.d. Radstock 14 October 1672 (a. St) entschnldigt sich v. Canstein, 
dasB er noch nicht gleich in Berlin sein könne, weil er (auf dem Wege nach 
Castrin) einige Beamte hierher verschrieben habe, ,aach überdem die Cammer 
zu Cüstrin mit Abnahme der Rentei-Rechnnng morgen anf ihn wartet^. 

*) Unter anderm heisst es im Anfang: »Ew. Ch. O. ist aas Gottes Wort be- 
kannt, wie auch den liebsten Rindern Gottes and fürtrefflichsten Helden, ohnan- 
gesehen sie des Herrn ausdrücklichen Befehl fiir sich gehabt, solche Hindernisse 
in den Weg geworfen, die für Menschenaugen unüberwindlich geschienen. Es 
hat aber dennoch der Feind göttlicher Ehren nicht mehr thuen können als was 
ihm Gott SQgelassen, und ist das Werk des Herrn doch herrlich ansgefnhret. Da- 
hero dann kein Zweifel, der Allerhöchste auch Ew. Oh. D. beistehen und alle 
böse Anschlage zu Schand machen werde"". 



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342 11- I>er WiDterfeldzag von 1672 auf 1673. 

lieh sein, dass Ew» Cb. D. io Danzig Jemandes hätten, der die zwischen Ew. 
Ch. D. und dem Magistrat daselbst nötige Conespondenz stiftete.^ 

Johann Koeppen. Einzelbedenken. Dat Coelln a. Sp. 
19. October 1672. 

29. Oet. Durch Abziehung der Türenne'schen Armee aus den Niederlanden hat 
Kf. den Generahtaaten mehr genützt als wenn er „mit augenscheinlicher 
Qefahr und Hazardirnng des ganzen Werkes^ allein feindlich agirt hätte. 
Eine Verbindung mit der geschwächten Holländischen Armee wäre dem 
Ruin beider gleichgekommen. Kf. habe, wie die Dinge stehen, nicht anders 
Krieg fuhren können als er gethan. Die Querelen der Generalstaaten sind 
gegenstandslos; sie haben demnach keine Ursache, die Subsidien zurück- 
zuhalten; wenn es de facto geschehe, wäre es eine Contra vention, welche 
zu anderen Massnahmen Anlass geben würde. 



Freiherr von Schwerin. Ursachen warum S. Ch. D. mit 
denen Generahtaaten in gemeiner BUndnnsse stehen und die- 
selbe nicht verlassen noch ohne dieselbe tractiren können. 
0. O. 0. D- [Ende October 16720]. 

1. Es ist reichskundig und Niemands unwissend, dass S. Gh. D. 
und Dero hochstlöbliche Vorfahren nun ein ganzes Saeculum her mit 
den Generalstaaten in perpetuirlicher Allianz stehen, wobei sich auch 
solche Pacta finden, die nicht wie andere foedera ad certum tempus 
gemachet, besondern perpetua sein, und davon mau nicht resiliren kann. 

2. Obzwar vor etzlichen Jahren einige Differentien zwischen 
S. Ch. D. und den Herren Staaten entstanden, daher denn auch S. 
Gh. D. denenselben in anno 66 in dem damaligen Kriege mit dem 
Bischofen von Münster nicht assistiren wollen, so haben doch I. 
Eon. M. von Frankreich damaln durch unterschiedene Schickungen 
und sonderlich zuletzt durch Dero Abgesandten dem H. Colbert Sr. 
Gh. D. sehr angelegen und nicht ablassen wollen, bis Sie Sich er- 
kläret, dem Staat nebst I. E. M. von Frankreich zu assistiren, da 
dann zugleich auf viele Jahre ein solches foedus defensivum gemachet, 
welches S. Ch. D. noch anitzo verbindet. 



^) Im Hauptquartier Bergen entworfen. Dat. Hauptquartier Bergen 13. Oc- 
tober 1672 (a. St.) läDgereB Memorial des Geheimrat Mein der b, worin dargelegt 
wird, was nach jetzt erfolgter Gonjauction mit den Kaiserlichen Kf. »bei diesen 
perplexen ConjuDctoreD' für Besolationen zu ergreifen habe. 




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Uoumgäoglichkeit der VerpflichtaDgen gegen die OeneralBtaaten. 343 

2. Und wiewol es S. Gh. D. bei demselben bewenden lassen 
uDd Sich nicht weiter engagiren werden, so haben doch I. Egl. M. 
Ministri Deroselben rund aas gesaget, dass wenn sie dem Staat solche 
ex foedere schuldige Htllfe schicken würden, Sie es vor eine Hostilitftt 
nehmen und S. Ch. D. wieder so tractiren wollten. Wie nun S. Ch. 
D. auf einer Seite so hart verbunden gewesen, dem Staat die ex 
foedere schuldige Htllfe bei angehendeiQ Kriege zu schicken, auf der 
anderen Seite aber wol sehen, dass Sie bei sothanen Bedräuungen 
nicht genügsame Sicherheit hätten, so haben Sie solcher Ursachen 
halber, welches sonst nicht geschehen sein wtirde, Sich mit dem Staat 
fester engagiren und dahin vermittelst eines Defensivtractats verbinden 
müssen, dass kein Theil ohne das andere sich zu einigen Tractaten 
yerstehen wollte, dem dann S. Gh. D. salva reputatione nicht contra- 
yeniren können. 

4. So erheischet es auch die Kühe und Sicherheit des Reichs, 
dass mit dem Staat Friede gemachet werde, ohne welchen das Reich 
allezeit verunruhiget sein würde. 

5. Man kann auch nicht sagen, dass dieses ein Krieg sei, der 
das Reich nicht concernire, weil nicht allein Chur-Göln und der 
Bischof von Münster mit darin begriffen, besondern auch I. Kön. M. den 
Krieg in visceribus Imperii fahren, wie dann die Commercia von dem 
französischen Gouverneur gesperret werden, wenn schon die Kaufieute 
genügsame Gaution stellen wollen, dass die Waaren nicht in Holland 
debitiret, sondern nur durchgeschicket werden sollen; zu geschweigen 
der grossen Exactionen, die hin und wieder, zumaln in S. Gh. D* 
Landen, geschehen. 

Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat. Hauptquartier 
14724. October 1672. 

[Persönliche Besprechang mit R Mainz. Dessen Mediation.] 
Benachrichtigt die Räte von einer in Frankfurt a. M. mit Karmainz 24. Oct. 
persönlich stattgehabten Besprechang. — Das Ergebnis bieten die Anlagen 
A und B. 

Anlage A. 
Bericht über die am 21. October 1672 zn Frankfnrt a. M. stattgehabte 
Znsammenknnft des Kf. mit dem Kurfürsten Johann Philipp von Mainz. 
Bezieht sich aof die Pancte, wie sie von Kf. selbst formalirt worden (S. 298). 

Anlage B. 
Antwort von Kurmainz. Sign. Frankfurt 21. October 1672. 
^S. Chnrf. Gnaden haben AQthwendig befanden, dass das Reich, nach 



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344 II- l>er Winterfeldzug von 1672 auf 1G73. 

dem Exempel anderer auswärtiger Königen und Potentaten, sich in solche 
Kriegsverfassung zu stellen, damit es desto kräftiger und nachdrücklicher 
zu einer solchen Universatgarantie cooperireo, und Auswärtige auf das 
Reich desto mehrere Reflexion zu machen Ursach haben mögen. Zu welchem 
Ende dann mit allem Eifer dahin zu arbeiten, damit die zu Regensburg 
beschlossene Reichsverfassung dermaleins völlig ausgemacht und zum Stand 
gebracht, inmittelst aber, ohne einig Zeitverlieren, denen jetzt kriegenden 
Theilen eine Mediation wo nit vom ganzen Reich, dennoch wenig- 
stens von einigen unparteiischen Churfürsten und Ständen an- 
geboten, und vermittelst derselben nit nur die kriegende Theile sondern auch 
diejenige Churfürsten und Stände, welche occasione solchen Kriegs gelitten 
und zu prätendiren haben, als insonderheit I. Ch. D. zu Brandenburg wegen 
der liiro gebärenden Restitution Ihrer Plätze, Ergänzung erlittener Schäden 
und künftiger Sicherheit zu Beruhigung und Satisfaction gelangen mögen, 
gestalt Ihre Ch. Gn. zu Mainz hierzu Ihres äussersten Vermögens treulich 
zu cooperiren und nach der zu Regensburg beschehener Veranlassung, zu 
Gewinnung der Zeit, in antecessum, an die kriegende Theile fürdersame eigene 
Schickung zu thun erbietig sind, zumaln Dieselbe zu Facilitirung der Mediation, 
und damit Sr. Ch. Gn. Interposition desto weniger refusiret werden möge, 
alschon vorlängst declariret, Sich in das Holländische Wesen nit einzu- 
mischen, so auch von Ihrer Kaiserl. M. approbiret worden. 

Inmittelst haben Ihre Ch. Gn. Dero Abgeordneten zu Regensbnrg die 
Befürder- und Secundirung I. Ch. D. Angelegenheit, welche Dieselbe za 
gedachtem Regensburg per Memoriale anbringen lassen, ernstlich anbefohlen. 
Und nachdem Sr. Churf. Gn. zu Mainz Dero zur Reichs Verfassung schul- 
diges Contingent an Mannschaft schon längst in Bereitschaft haben, als 
würd Deroselben gleich gelten, wohin das Reich selbige zu stellen, durch 
einen Reichsschluss vor gut befinden würd. 

Soviel sonst die Stadt Cöln anlangt, ist bekannt, was zu derselben 
Sicherheit durch den daselbsten aufgerichten Interims-Recess vor Fürsehung 
geschehen, und sind über dieses Ihre Churf. Gn. erbötig, einige von Dero 
geworbenen Mannschaften, wann die Stadt es begehren und den Unterhalt 
verschaffen würd, hineinzulegen.^ Versicherungen. 



Der Kurftlrst an die Geheimen Räte. Dat. Hauptquartier 
Bergen 19. October 1672. 

[Was es in Wahrheit mit den Friedeosiractaten auf sich hat. Bemerkenswerte 
Functe die allgemeine Lage betreffend. PfalzDeuburgs Antwort. Znstand der 

Dinge in PreuBsen.] 

29. Oct. Hat das Gutachten der Räte vom l./ll. Octbr. und v. Somnitzs und 
V. Jenas Einzelbedenken erhalten aber gefunden, dass die Räte ^theils 
von allen Umständen nicht genugsam informiret, zum theil auch seine 
Meinung nicht recht eingenommen haben^. 



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Mediation. Was es mit den Friedeostractaten auf sich bat. 345 

Es wird jetzt nicht nur von Pfalz-Neuburg soudern auch von seiden 
anderer Kar- und Fürsten, sonderlich von Karmainz, sehr darauf gedrungen, 
dass Kf. sich zu Friedenstractaten verstehe. 

„Es ist aber deren keiner, der von einem Particularfrieden, wie Ihr es 
ausleget, solches verstehen sollte, auch ist Uns von einigen Mittelwegen 
von Niemand etwas vorgebracht.^ Vielmehr beteuert man allerseits die 
Notwendigkeit eines allgemeinen Friedens, der auch die Generalstaaten 
in sich schliesse. 

*Wir wollen auch nicht hoffen, dass UnB Jemand», dem bekannt, 
was Wir für avantageuse Gonditiones ansgeschlagen, ehe der Krieg 
angegangen, nunmehr da Wir so viele Kosten angewendet, separate 
Traetaten anmuthen wtlrde; welchergestalt Wir auch dem Ffalz-Neu- 
bargischen Gesandten Rath Stratman solche Hoffnung gänzlich benom- 
men, solches werdet Ihr aus dem Frotocollo genugsam ersehen habend* 

Die Ursache aber, warum Wir Euer Gutachten in diesem Punct 
erfordert, ist diese, dass in Holland, einkommender Nachricht nach, 
wol einige sein möchten, die sich auch nicht einst mit einem raison- 
nablen Frieden vergntlgen, besondern den Krieg ins Weite zu spielen 
gedenken. Wie dann auch sonsten in Vorschlag kommt, ob nicht 
auch auf Restitution des Herzogthums Lotharingen bei den Trae- 
taten zu bestehen, und dass man unter dieser Condition mit dem 
Herzogen von Lotharingen eine Btlndniss aufrichte, nicht eher Friede 
zu machen, bis solches Herzogthum restituiret sei, femer, dass der 
Krieg so lange continuire, bis Frankreich alles restituiret habe, was 
seither den Pyrenäischen Traetaten occupiret worden. Wie nun solche 
Gonditiones an einer Seite sehr gut und nützlich, auf der anderen 
Seite aber wol zu erwägen, dass solches zu einem langen, kostbaren 
und blutigen Krieg ausschlagen könnte — so wird hierüber ihr Gut- 
achten gefordert. 

Kf. bebt weiter hervor 

1. Dass die Kaiserlichen noch diese Stunde keine Ordre zu 
brechen haben, dieselbige vielmehr mit höchstem Fleiss alles was zu 
einiger Ruptur Anlass geben könnte, zu evitiren suchen; und wann 
Wir Uns auf die aufgerichtete Allianz beziehen, wird darauf geant- 
wortet, dass dieselbe blos defensiv sei, und man sich an Kaiserlicher 
Seite zu keiner Offension oder Ruptur verbunden habe, dafür Wir 
dann schon längst den Vorsatz gehabt Jemand nach dem Kaiserlichen 
Hofe zu schicken, wie Ihr, der von Somnitz, in Eurem absonder- 



Oben S. 329. 



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346 II- Der WinterfeldEUg ron 1G72 auf 1673. 

liehen Gutachten vorsehlaget. Und weil Wir vermuthen, dass Ihr, der 
von Brandt'), nunmehr soweit wieder restituiret sein werdet, dass 
Ihr solche Reise werdet ttber Euch nehmen können, so werdet Ihr 
Euch zu solcher Reise gefasst halten, gestalt Wir dann von Euch ins- 
gesamt gnädigst begehren, eine Instruction hiezu abzufassen und Uns 
zu Unserer VoUenziehung zu ttberschicken. 

2. Isf es gewiss, dass es in Holland anitzo ein fremdes Aus- 
sehen gewinnet, indem die Populace daselbst fast den Meister spielet, 
und die Factiones, deren ein Theil wol gar einen schlechten Frieden, 
auch mit Ausschliessung der AUiirten, annehmen sollten, ein Theil 
aber unter dem Praetext eines beständigen Friedens gar zu weit 
gehen möchten, nicht so sehr gedämpfet als dass sie sich nur bei 
jetziger Beschaffenheit nicht biosgeben dOrfen, besondem nur auf 
favorable Occasion warten, Alle insgesamt aber schon Aber die Sub- 
sidia, welche ohne das bei den vorfallenden schweren Ausgaben, als 
vielfältigen Schickungen, Unterhaltung Unsers Hofstaats, Erhandlung 
Magazins, Verpflegung Unserer kostbaren Artillerie und sonsten, ob 
Wir schon mit denselben aufs beste mesnagiren und Unseren General- 
stab und ganze Armee, so Wir bei Uns haben, nur zur Hälfte be- 
zahlen, bei weitem nicht ausreichen, viel Querulirens und Difficultirens 
machen, wie Sie dann auch die Tractaten mit Dänemark und 
Gelle sehr schwer machen und die mit Chursachsens Ld. gar stecken 
lassen, mit demjenigen auch, was Wir ihrentwegen alhier thun, unge- 
achtet Wir ihnen die Hauptarmee ab- und gegen Uns ins Reich ge- 
zogen haben, nicht vergnüget sein, sondern sich öfters nachdenklicher 
Beden verlauten lassen. 

3. Haben Wir schon einige Posten her, heute aber die gewisse 
Nachricht erlanget, dass, ob man wol hiebevorn gewiss gehoffet, dass sich 
England von Frankreich separiren würde, nunmehr doch solches 
ganz zerschlagen, und des Prinzen von Oranien eigenem Sentiment 
nach des von Crockows Abschickung dahin vergeblich sein wird'). 

4. Giebt es noch sehr viele Difficultäten wegen der Passage 
über den Rhein, dann, obzwar Ghur-Trier sich gar geneigt, Ghur- 
Mainz auch jetzt besser als vorhin sich bezeiget, so haben sie doch 
die Brücke bei Mainz und Coblenz platt abgeschlagen, und dürfte es 
grosse Considerationes geben, desfalls mit Gewalt etwas zu traetiren. 

■) Der Neamarkische Kanzler Gristoph von Brandt. 
^ 8. S. 353 Anm. 1. 



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PoDCte die allgemeine Lage betreffend. 347 

Und bei denenjenigen Oertern, da die Passage sonst zu thun sein 
möchte, finden sich so wol wegen des vielen Gebirges, der schreck- 
lichen bösen Wege, als aus Hangel der Fourage grosse Difificult&ten, 
jedoch hoffen Wir nächst göttlicher Hülfe an einem oder anderen 
Orte noch tiberzukommen, und also die Zufuhr zu der Französischen 
Armee zu wehren und sonst, soviel möglich, dieselbe zu incommodiren. 

5. Wird wol viel von der abgenommenen Französischen Macht 
geredet, welches sich auch wol in der That also verhält, allein nach 
nunmehr so viel eingenommenem Bericht befinden Wir doch, dass 
dieselbige, auch derer Aussage nach, die sie am Schwächesten machen, 
noch -^ Mann, und also der Kaiserlichen und Unserer, weil Unsere 

meiste Infanterie noch in Westphalen stehet, noch überlegen ist; zu ge- 
schweigen, dass sie noch alle Zeit einige tausend Mann an sich ziehen 
können, und der Prinz de Cond6 letzt schon auch mit einigen tau- 
send Völkern zu Metz angelanget. 

6. Auf die Conjunction mit den Spanischen Völkern haben Wir 
gleichfalls ein grosses Absehen gehabt, so lange sie sich aber zur 
Ruptur nicht verstanden, ist darauf keine Hoffnung zu machen, und 
ohne dieselbige würde es fast unmöglich sein, sich mit den Hollän- 
dischen zu conjungiren. Es wird indessen fleissig zu Brüssel nego- 
tiiret, gestalt dann gleich ietzt Markgraf Hermann von Badens 
Ld. da sein. 

7. Wird viel bei einigen Ghur- und Fürstlichen Häusern ge- 
arbeitet, eine dritte Partei zu machen, welches doch eben diejenige 
sein, so bisher dem Französischen Werk so sehr favorisiret haben. 

8. Einige Werbungen und Musterplätze im Reiche anzustellen, 
wie gern Wir solches auch thun wollten, und wie viel Wir auch 
darauf bedacht gewesen, hat sich bisher nicht thun lassen wollen, 
haben vielmehr wegen der Durchmarche albereits viel beschwerliches 
Klagen hören müssen. Jedoch soll Uns lieb sein, wann Ihr Uns des- 
falls einige Vorschläge thun werdet. 

9. Lässt es sich ansehen, dass das Türkische Wesen weiter um 
sich greifen wolle, wozu dann die Rebellion nicht wenig zu statten 
kommt. Wir haben in Unserem vorigen nicht darauf gezielet, als 
wann der Friede hier so gar geschwinde gemacht werden könnte, 
dass man noch vor Winters der Türkischen Macht begegnen könnte; 
besondern weil Wir besorgen, dass es die Türken bei Kaminiec- 
Podolsky nicht bewenden lassen möchten, die Ungarische Rebellion 



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348 II- I>ör Winterfeldzug von 1672 auf 1673. 

auch von grosser Conseqiience, so haben Wir endlich dahin gezielet 
ob nicht um den Türken künftigen Jahres desto besser zu begegnen 
und von fernerm Abbruch in der Christenheit abzuhalten, der Friede 
nach aller Möglickeit dieser Orten zu befordern wäre. Wir wollten 
wol Eurem gethanen Vorschlage gemäss Jemands an die Porte 
schicken. Zu geschweigen aber der grossen Spesen, so hierzu gehören 
würden, so ist Euch bekannt, dass Wir oder Unsere Vorfahren noch 
nie einzige Abschickung dahin gethan, und nicht wissen können, wie 
solche aufgenommen werden möchte. Jedoch wollen Wir, im Fall 
indessen die Chron Polen den Frieden nicht treffen wird, dem Werke 
weiter nachdenken. 

Die Antwort Pfalzneuburgs auf des Kurfürsten Requisition und seine 
Entgegnung darauf folgt anbei ; und werden Wir freilich darauf bestehen, 
dass sie, ohngeachtet deren mit Frankreich getroffenen Neutralität, wo- 
von Wir sonst keine Abschrift haben, Uns die aus den aufgerichteten 
Pactis schuldige Assistenz leisten sollen, wiewol sie anitzo in einem 
solchen Zustande begriffen, dass sie wol anderer Assistenz von nöthen 
haben möchten. 

Hoverbecks Abschickung an den polnischen Hof soll noch anstehen, 
bis der König sich wieder in der Residenz befindet. Mit dem branden- 
burgischen Agenten Brockendorf in Danzig sollen die Geheimen Räte 
correspondiren. 

In Preussen gehet es Uns, wie es allezeit pfleget, mit fernerer 
Verfassung sehr hinderlich, indem man daselbst, alles Unsers ernst- 
lichen Zuschreibens unerwogen, desfalls auf einen Landtag dringet. 
Wir haben eben bei dieser Post gar ernstliehe Anmahnung gethan, 
ohne einen Landtag, welcher nur viel kostet und wenig fruchtet, 
einige Mittel zu ergreifen; werden nun erwarten was darauf erfolgen 
werde. Indessen habt Ihr alda das Jenige fortzustellen, was wir Euch 
wegen sechstausend Thaler monatlich und dann tausend Scheffel 6e- 
treidigs anbefohlen, und es dahin zu befordern, damit solche Summ 
an Gelde und Getreide vom nächsten November an zu rechnen auf- 
gebracht und eingeliefert werden möge, wobei Ihr aber dahin zu sehen, 
dass das Getreide in den Wintermonaten eingeteilet werde, weil her- 
nach in den Scheuern nichts mehr zu finden sein möchte. Ihr werdet 
dies alles erwägen etc. . . .^) 

') Diesem Rescript sind einige Correspondenzen mit Kurbaiern, Kurcölo, 
Pfalzneaburg beigefugt, welche auf die Friedenstractaten und die ^dritte Partei** 
Bezug nehmen. 



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Verdächtiges FriedeDsproject 349 

Der KarfUrst an die Geheimen Räte. Dat Hauptquartier 
Bergen 21. Oetober 1672. 

[Fraozosisch-kaiserliches Friedeosproject.] 

XJebersendet ein Project^ ^welches wegen Einrichtnug des Friedens 
spargiret und Uns zu Händen kommen ist^. 

|: Wir wollen zwar nicht hoflFen, dass darunter ehiiger Grund sei, 31. Oct. 
gleichwol aber yerursachet es bei Uns allerhand Nachdenken, inson- 
derheit wann Wir dasselbige mit der jetzigen Kaiserlichen Gonduite 
und anderen zu Zeiten einkommenden Berichten oonferiren, so Wir 
Euch zu Eurer Ueberlegung und Nachricht gnädigst übersenden werden. :| 

Anlage. 
Project. 
Le project qnt a est^ fait & Vienne par les ministres on commissaires 
de S. Mt6. Imperiale et les ministres de France et d'Espagne, ponr pr^venir 
Li guerre qai menasse la Ghrestient6, est fond6 snr les conditions suivantcs : 
Qae le Roy de France permettroit de ne pas attaqner FEspagne 
en 5 ans de temps, dans leqnel espace Sa Majt6 Imp. et le Pape 
seroient arbitres pour accommoder les diff^rends qai restent parmy les 
deux Conronnes. 

Que le Roy Tres Chrest. restitneroit la Lorraine au Duo de ce 
nom ou lay donneroit nne antre satisfaction, au contentement de Sa M. 
Imperiale. 

Que le Roy de France restitneroit tontes les places prises dans 
TEmpire en cette gaerre, et qne ne se pouvant accommoder avec S. A. 
Elect. de Brandenbonrg ponr celles qni lay appartiennent les remettroit 
6s mains d'nn aatre Prince de TEmpire a la yolontö de TEmpereur. 

Que le Roy de France s'obligeroit ä donner y^- hommes en Po- 

logue contre le Türe et un million et ^ livres par an durant la 

guerre contre les Turcs. 

Qne qnand le Roy de France accepteroit les conditions, Sa M. 
Imp. feroit retirer ses Troappes avec Celles de S. Alt. Elect. de Bran- 
denbonrg et TEspagne tous les seconrs qn'elle donne et la Hollande, 
sans qne pas nn d'eax se mesle de cette qaerelle entre la France et la 
Hollande. 
L'on dit anssi qne Sa M. rimperatrice Eleonora a fait grandes in- 
Btances ponr faire reussir ces conditions, et qn'on a depesch6 des Expres 
en Espagne et en France avec les propositions. 



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350 11- I>er Winterfeldsug von 1672 aaf 1672. 

Die Geheimen Räte R. v. Canstein, L. Ch. v. Somnitz, Fr. 
y. Jena, Joh. Koeppen an den Kurfürsten. Dat Colin a. Sp. 

23. October 1672. 

[Auf das Rescript vom 14./24. October.] 

2. Not. ^Weil Ihrer Charf. Gn. von Mainz Antwort^) fast general ood dunkel, 
auf den Punct von der Assistenz ans der Cbnrfürstlichen Verein aber 
gar nichts scbriftliches geantwortet, so zweifeln wir nicht, es werde was 
anfangs fragesweise Ihrer Chnrf. On. fürgestellet, hemachmals von Dero- 
selben positive gefordert« und also die Hülfe, so Sie als ein Stand des 
Reichs znfolge den Verfassungen, nnd aus der Verein als ein Chorfürst, 
zu leisten schuldig, begehret sein.^ Sie hoffen^ es werden zu Regensburg 
Bowol der kaiserliche Commissarins wie der kfliche Abgesandte die Sache 
ernstlich betreiben. 



Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat Hauptquartier 
Flörsheim 26. October 1672. 

[Bin neues fransosischeB Bündnis in Vorschlag. UebersenduDg von 
Schriftstücken.] 

5. Nov. Die brandenbnrgischen Gesandten zn Regensburg haben berichtet^ dass 
jetzt daselbst ein anderes Foedus in Vorschlag kommt, „auf die Art, wie 
vor diesem das Rheinische gewesen, nnd dass dieses ohne Zweifel also von 
den Franzosen getrieben werde, weil man wol gesehen, dass die deutsche 
Chur- und Fürsten in das mit Schweden aufgerichte Foedus nimmer ein- 
treten würden^. Es folgt abschriftlich (A). Weil die Gesandten Befehl 
verlangen, so sollen die Räte angeben, ob sie es für ratsam erachten — 
das» Wir zu dem Ende, dass man eins und andere erfahren, auch 
wol hintertreiben könne, Uns anzunehmen haben, als wann Wir in 
obgedachtes Foedus treten wollten. 

Ferner folgen zwei Memorialien des holländischen Gesandten (B nnd C) 
und des Kf. Antwort auf das erste derselben (D), ein gleiches von dem 
französischen Botschafter am kaiserlichen Hofe und des Kaisers Antwort 
(E und F), Knrtriers Schreiben wegen des französischen Marsches und 
die Antwort des Kf. (G und H), endlich ein Brief des Kf. (I) an Kurmainz, 
die französischen Proceduren betreffend. 

Anlagen. 
A. Projectum foederis inter Reges Galliae et Saeciae et quosdam 
Electores et Principes adhuc ineundi compositum a Plenipotentiario Regis 
Christianissimi Domini de Gravel (28 articc.) 

') Oben S. 343. 



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Eine neue tod Fraükreich vorgeBchlagene Allianz. Montecnccoli. 351 

B. Freiherr Ton AmerongeD an den Karfürsten. Dat. Bergen 21./3]. Oc- 
tober 1672. Gedruckt ÜA. 111,316. 

C. Desgl. Dat. Bergen 23. October/2. November 1672. Recapitulation 
des Bescheids der Generalstaaten vom 24.') 

D. Resolntion des Karfürsten an Amerongen. Dat Bergen 22. Oc- 
tober 1672 st. t. ÜA. III, 316. 317. 

E. Chevalier de Gremonville an Kaiser Leopold. Dat. Wien 17. Oc- 
tober 1672. Italienisches Memoriali gegen den Marsch der Alliirten ge- 
richtet. An des Hofkanzlers v. Hocher Adresse. 

F. Johann Paal Freiherr von Hocher an Gremonville. Dat. Wien 
24. October 1672. Beantwortung obigen Memorials ein französischer Sprache. 

G. Karfürst Karl Kaspar von Trier an den Korfürsten. Dat. Ehren- 
breitstein 1. November 1672. Gedr. oben S. 307. 

H. Des Karfürsten Antwort. Ebda. S. 308. 

I. Der Karfürst an den Karfürsten Johann Philipp von Mainz. Dat. 
Haaptqnartier Bergen 25. October 1672. Gedr. oben S. 299. 



P, S. Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat. Haupt- 
quartier Rttsselsheim am Main 28. October 1672. 

[Lässigkeit der Kaiserlichen.] 

Uebersendet ein Memorial des Frhrrn. von Amerongen nnd des 7. N 
Obersten Weibnom and seine Resolation daranf^. Er will nicht länger 
yerschweigen — 

I : dass Wir bei denen Kaiserlichen je länger je weniger Incli- 
nation finden, über den Bhein zu gehen oder was Wirkliches fttrzu- 
nehmen, wiewol Wir doch nichts an Uns ermangeln lassen wollen, 
sie dahin zu disponiren und also dieser Unserer Zusage ein Oenttgen 
zu thun. Die ffirnembste Considerationes sonsten, so von Monte- 
cuccoli angezogen worden, sein, dass Türenne, sobald er von Unserer 
Passage über den Bhein Oewissheit haben wird, auch solchen Strom, 
und zwar mit weniger Mühe und Ungelegenheit als Wir, passiren und 
Uns zuvorkommen, auch sich mit dem Prinz de Gondä, welcher zu 

») ÜA. 111,306. 

^ d. d. Hauptquartier Flörsheim G. and 7. November 1672. 



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352 n. Der Winterfeldzag tod 1672 auf 1673. 

Metz angelanget, conjungiren [werde], and man diesseit wider diese 
Force nicht bastant sein möchte; item dass man bei diesem Werke ein 
Auge auf die Ober- und Oesterreichische Lande wegen der denselben 
androhenden Türkengefahr haben mttsste. : | 



P. S. Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat Haupt- 
quartier Rüßselsheim 1. November 1672. 

[Auf dae Gntschten vom 23. October/2. November.] 

11. Nov. Kf. giebt zu, dass die Kurmainzische Antwort sehr allgemein gehalten 
sei; und dass er selbst, obschon der Eurerzkanzler sonrol in Diseursen wie 
auch seinem (des Kf.) Abgesandten Frhrrn. v. Blumenthal gegenüber 
sich ziemlich wolmeinend erklärt, doch niemals eine positive Hilfezusage 
habe erlangen können. Zu dieser Leistung sei Kurmainz verpflichtet „sowol 
ex Instrumente Pacis und wegen der gemeinen Garantie desselben als auch in 
kraft der Chnrfürstlichen Verein (worauf Ihre Ld. auch, wie Euch bewusst, 
gleich anderen Churfürstlichen von Uns requiriret worden), auch vielleicht 
genugsam dafür incliniret, wann Sie nicht die Furcht für Frankreich davon 
ab- und zurückhielte; wie dann der Marqais de Vaubrun und andere 
Französische Bediente stets um und bei Ihr sein und auf alles was Sie 
thun genaue Achtung geben.*^ 



Anlage. 
Kurfürst Johann Philipp von Mainz an den Kurfürsten. Dat. Marien- 
berg ob Würzbnrg 5. October 1672. Erklärung, dass er ^niit der begehrten 
Volkshülf nit zu willfahren vermöge". Zur Sache oben S. 292. 



Die Geheimen Räte^) aii den Kurfürsten. Dat. Coelln a. Sp. 
29. October 1672. Conc. v. Soranitz. 

[OegenvorstellnogeD auf des Rescript vom 19/29. October.] 

8. Nov. Wenn sie eiues Particular- oder Separat-Tractats gedacht haben, so 
ist nicht ihre Meinung gewesen, dass Kf. selbst zu jenem inclinire; son- 
dern sie haben geglaubt, „dass alles und jedes, was man Ew. Ch. D. von 
Friedenstractaten vorbrächte, auf einen einseitigen Vertrag und Composition 
gerichtet** sei. 

Sie kommen auf die von Kf. angegebenen Hauptpunkte, um derent- 
willen ihr Gutachten gefordert wird: Frledeusstimmung in Holland — Resti- 

ßs sind von uun an die aamtlicheo vier in Berlin zurückgebliebenen Ge- 
heimoD Räte die Absender. 



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GegeobedeDkeD der Rate. 353 

totioD Lothringens und Bündnis mit dem Herzog — Fortsetzung des Kriegs 
bis zar Rückgabe des sämtlichen 7on Frankreich seit dem Pjrenäischen 
Frieden occupirten Besitzes. 

^Gleichwol scheinet aus des von Crockow^) Relation, dass in Hol- 
land eine grosse Einigkeit des Volkes, eine grosse Afifection für den Prin- 
zen^ und dass dieser itzo wol in der höchsten Positur und Credit sei, dahero 
dann auch, unseres Ermessens, nicht etwa auf einige Particularleute Re- 
flexion zu nehmen, sondern sich darnach zn richten, was diejenige, welche 
das Ruder in der Hand, für Meinung führen: können uns dahero nicht ein- 
bilden, dass diejenigen, welche den Staat itzo repräsentiren, einen redlichen 
und durchgehenden Frieden ausschlagen sollten; darbei aber möchten sie 
wol nicht unbillig Bedenken haben, sich in mehrere Unsicherheit und 
Sclaverei durch Tractaten setzen zu lassen, als sie nicht yermeineten, dass 
sie durch Krieg in so einen Zustand gerathen sollten oder könnten.^ 

„DerHerzogvonLothringen gehört zu dieser Sache eigentlich nicht, 
zum allerwenigsten sind Ew. Ch. D., soviel wir wissen, ihm nicht obligiret. 
Und weil der Friede durch diese Sache ohne Zweifel schwer fallen würde, 
uns aber des Herzogs Zustand, was er bei der Sache thun und wie lange 
er es aushalten, auch sonsten wie er sich mit Bestände reciproce obligiren 
könne, nicht, Ew. Ch. D. aber ohne Zweifel besser bekannt sein wird, so 
können wir auch zu solchem Verbündnis weder zu- noch abrathen.** 

„Das dritte wissen wir nicht, von wem oder auf was Condition solches 
begehret werde; und wann es vom Kaiser oder Spanien herrühren sollte, 
so können wir nicht abnehmen, dass ein allgemeiner Friede mit Ernst ge- 
suchet werde. Was sonst Frankreich nach dem Pjrenäischen Frieden be- 
kommen, das ist ihm durch absonderliche Tractaten gelassen und bestätiget.^ 

Entgegnungen auf des Ef. Vorstellungen im einzelnen. 

ad 1. Ueber das Zaudern der Kaiserlichen verwundern sie sich höch- 
lich. Selbst wenn dieselben das Bündnis nur als Defensivallianz auffassen, 
so sei nach dem Vorgehen der Franzosen gerade jetzt Hilfe und Vertei- 
digung nötig. 

ad 2. Die Generalstaaten prätendiren beim Frieden nichts, als in den 
vorigen Stand gesetzt zu werden; zu solchem Zweck hätten sie Allianzen 
gemacht und Subsidien gegeben. Ob solches Unrecht, das können wir 
nicht sagen, wollen auch hoflFen, weil Ew. Ch. D. itzo auf dem March, 
Dero Armee nur die Hälfle bezahlet, und die andere Hälfte in cassa 
behalten wird, es werde bei ferner erfolgenden Subsidien noch aus- 
zukommen sein. Dass sonsten in Holland nicht einer und der andere 
zu Zeiten ungleiche Meinungen von dem bisherigen March haben 



') L. G. v. Crockow war im Üctober nach England geschickt worden. (Vgl. 
oben S. 346.) Die bezüglichen Relationen ans dem Haag s. unter Brandenburg 
und England im nächsten Band. 

Mater, z. Gesch. d. G. Kurfürsten. Xfll. 23 



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354 n. Der Winterfeldzug von 1672 anf 1673. 

möge, das wird yerhoffeDtlich dem Hauptwerk keine Ungelegenheit 
machen, weil dergleichen zu evitiren unmöglich. 

ad 3. Das haben sie aus Crockows Relation erfahren. Es ist aber 
nichts Unverhofftes. Ehe Ef. sich mit dem Staat alliirt habe, sei England 
schon des Staates Feind gewesen. 

ad 4. Der innoxius Transitas über den Rhein darf unter keinen Um-' 
ständen nach Völkerrecht difiPicultirt werden. Die Weigerungsgründe „ge- 
hören vor die Kriegserfahrene^. 

25 
ad 5. Kf. wird wissen, dass vor diesem Turenne nicht — Mann. 

m 

40 
sondern — Mann stark gemacht ward; sie wissen auch nicht, ob nach dem 

ihnen geschehenen Bericht die Kaiserliche Armee -rr- und etliche hundert, 

des Kf. Armee etliche jö" stark sei, ohne das was noch in Westfalen von 
des Kf. Völkern stehe. 

ad 6. Ob es ratsano, dass Kf. „sich mit einer Spanischen oder Hol- 
ländischen Armee coujung'hre und das Corpus so überaus stark mache, 
das gehöret gleichfalls vor die Kriegsverständige**. 

ad 7. Da haben wir wol so viel Nachricht, dass theils wol- 
affectionirte Fürsten und Stände durch den bisherigen March alteriret 
worden; denen wäre nun alle Ombrage und Soupgon zu benehmen. 
Und weil noch zur Zeit wegen Machung der dritten Partei zu Regens- 
burg gearbeitet werden soll, so ist dagegen was möglich anzuwenden 
und denen noch wolaffectionirten, zumal Evangelischen Ständen zu 
zeigen, dass man nicht gemeinet, nur sie zu ruiniren. 

ad 8. Dass Ew. Ch. D. Dero Ortes weder Werbungen noch 
Musterplätze anstellen können, das glauben wir leichtlich, und würde 
es auch, wann gleich gnugsame Mittel darzu vorhanden, vermuthlich 
bei gegenwärtigem Zustande ohne Nutzen sein, zumaln Ew. Ch. D. 
keinen nötigen Posto haben, auch schwerlich sich auf die daherum 
gesessene Stände, so gestalten Sachen nach, zu verlassen. Wann 
aber der March in Westphalen gegangen wäre, so hätten sich daselbst 
wol Mittel finden würden, Werbungen und Musterplätze zu haben. 

Zum Schluss wird noch einmal der Hoffnung auf einen allgemeinen 
Frieden lebhafter Ausdruck verliehen. 



8. Nov. P. S. d. d. Coelln a. Sp. 29. Oc tob er 1672 bestätigen sie den 

Empfang der Friedensvorschläge (S. 349) und stellen Sr. Ch. D. anheim, ^ob 



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Haltung Turennes. 855 

Sie dieselbige demjenigen, so nach Wien gehet ^), mitgeben lassen wollen, nm 
zu vernehmen, ob man daselbst mit solchen Qedanken, die wol nicht für 
das allgemeine Interesse, umgehe^. 



Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat. Hauptquartier 

Rüsselsheim 4./14. November 1672. 

Fordert ihr Gutachten über das Schreiben Tnrennes, welches die wahren U. Nov. 
Absichten der Fransosen enthülle. Es folgen anbei die Briefe des Kf. 
vom 8. nnd Tnrennes vom 10. November (A, B), Schreiben des Ef. an seine 
Oesandten (C) nnd an Eurpfalz (D). 



Anlagen. 

A. Der Kurfürst an Yicomte de Turenne. Dat. au Camp de Küsseisheim 

ce 29. Octobre/8. Novembre 1672. 
G'est la denxidrae fois que Vos Tronppes ont attaqn6 les miennes que 
j'avais envoy^es dans les terres de TEmpire et bien loin des limites de 
France, pour reconnoistre quelque passage. II sera ä Yous de concilier 
les protestations que Sa. Maj. Tres Chrestienne fait faire partout de ne 
Tonloir pas troubler la paix de TAllemagne et tant d'actes d'hostilit6 qui 
se fönt partout des Yostres. Cependant le jeune Comte de Dona^) ayant 
est6 du parti, et n'ayant point eu de ses nouvelles, j'ay voulu envoyer ce 
Trompette pour m'en informer. 

B. Yicomte de Turenne an den Kurfürsten. Dat. au Camp ce 10. No- 

vembre 1672. 
J'ay receu la lettre que Y. A. E. m'a fait Thonneur de m'escrire et 
aprös ce que le Roy Yous a fait dire sur la marche de Yostre arm^e, je ne 
donte pas que Yous n'ayez tonsjours poB6 pour un fondement certain que 
les choses ne se pouvoient pas passer autrement. Sa. Maj. s'est assez 
clairement expliqu6e sur la consid6ration qu'EUe a pour ce qui regarde 



>) Oben S. 346 Anm. 1. Christoph von Brandts beabsichtigte SeoduDg 
fand nicht statt. 

*) Der ursprüngliche, im Ooncept getilgte, Wortlaut war: Gepeadaut le 
jeune Comte de Dona ayant estä tue en cette rencontre pres la 
Lahn, et desirant fort qu'anssi bien en consideration de sa naissance 
que de ses propres merites il soit deuement enterr^, jay voulu envoyer 
ce Trompette avec un chariot pour amener le dit defunct, me persuadant que 
Vous ne voudriez pas refuser cet office d'hnmanit^. — Der Yergleich beider 
Fassungen ist nicht ohne Interesse. Die Briefe sind gedruckt im zweiten Bande 
von Grimoard Lettres de Turenne, jedoch um der Sache willeD und in Rücksicht 
auf die Yarianten hier wiederholt. 

23* 



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356 n. Der Winterfeldzug von 1672 anf 1673. 

TEmpire, et ainsi il n'est pas besoin qae j'en parle icy davantage. Je sois 
bien marri de la mort da jeane Comte Dona et supplie tres homblement 
V. A. El. d'estre asseuröe de mes respecte 

C. Der Kurfürst an seine Gesandten in Regeusburg. Dat. Hauptquartier 
Rüsselsbeim 4./14. November 1672. 

Kf. bezieht sich anf die Aeussernngen Türennes. „Wir hatten ver- 
hoffet, es würde derselbe zum wenigsten einige Entschuldigung oder Be- 
mäntelung wegen seines Marches ins Reich und gedachter Rencontren vor- 
braeht haben; aber besagetes Antwortschreiben zeiget genug an, dass er 
das einzige Fundament solcher Thätlichkeiten auf der Kaiserlichen und 
Unserer Armeen Marche setzet." 

Ihr habet solches alles den Oesandtsehaften mit gebührendem 
Nachdruck vorzustellen und dabei zu erwähnen, dass, dafern es so- 
weit kommen sollte, dass I. Kais. M. und die Stände des Reiches im 
Reiche ihre Völker zu ihrer Sicherheit nicht zusammenführen und 
damit marchiren dürften, ohne dass der König in Frankreich sie des- 
wegen auf dem Reiches-Boden anzutasten sich unternehmen sollte, 
es gewiss mit des Reiches Autorität, Frieden, Ruhe und Sicherheit 
ganz gethan sein würde, und ein jeder nur bei Zeiten, wann man 
sich nicht anders dabei betragen wollte, das Joch sich willig über den 
Hals ziehen lassen möchte. Es hätten ja weder I. Kais. M. noch auch 
einiger Stand des Reiches sich desfalls jemalen formalisiret, wann 
der König in Frankreich sich in seinem Lande in Kriegesverfassung 
gestellet und seine Truppen zusammengeführet, wiewol man vielleicht 
Ursache genug dazu gehabt haben mächte; mit was Fug und Recht 
dann solches jetzo von Frankreich geschehen könnte, liesse man einen 
jeden redlichen Patrioten urtheilen. 

Die Gesandten sollen nach Massgabc der früheren Befehle „um schleu- 
nige Hülfe beweglich ansuchen^. 

D. Der Kurfürst an den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, von 
dems. D. Oben S. 314. ' 



Die Geheimen Räte an den Kurfürsten. Dat. CoeUn a. Sp. 
13. November 1672. 

[Auf das Reecript vom 4./14. November.] 

23. Nov. Auf das Verhalten der Franzosen hätte man längst gefasst sein können. 
Das Schreiben Türennes finden sie ^den bisherigen französischen Actionen 
gemäss und ganz conform eingerichtet^. Sie halten aber dafür, dass die 



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Beurteilung derselben. Batificirung d. BraunBchweig. Bündnisses. 357 

Kriegsoperationen betreffend ^Ew. Cb. D. mit dem Tarenne Sich in keine 
weitere Sehriftwecbselung einzulassen, weil daraus wenig Vorteil zu hofifen, 
überdem Ew. Ch. D. gelbsten da und Principal mit bei dem Werke sein, 
Turenne aber nur ein Diener vom Könige ist und, wohin er von der Zeit 
an, da Ew. Ch. D. von Halberstadt aufgebrochen, beordert gewesen, genug- 
sam zu verstehen giebt^. 

Die Sache selbst möge an den Reichstag gebracht und durch Schickung 
den einzelnen Kurfürsten bekannt gemacht werden mit der Vorstellung: 
dass „nachdem nunmehr sich die Turenne'sche Armee hinwiederum recruitiret 
and verstärket, das rechte Französische Dessein am Tage käme, und sie in 
der That bezeugeten, dass sie es bei dem Bruche, welchen sie in des Hei- 
ligen Römischen Reichs Westpbälischem Kreise mit allerhand Feindseligkeit 
gethan und bis dato damit continuiren, nicht bewenden zu lassen gedächten, 
Bondern dass sie denselben ipso facto noch weiter in das Reich exten- 
direten und I. Kais. M. und Ew. Ch. D. für die Sicherheit, Tranquillität 
und Freiheit des Vaterlandes Teutscher Nation zusammengeführte Waffen 
feindlich tractireten'*, so hätte Kf. das gewisse Vertrauen, sie würden in 
richtiger Erkenntnis der Gefahr nun nicht länger mit der Hülfe zurück- 
stehen^ ,,in Zeiten die Mittel recht gebrauchen und sich das bei vorigem 
Kriege vorgewesene singuU pugnant eine Warnung und Witzung sein lassen 
etc ^ Und damit Kf. das Werk nicht alleine treibe, so würde es vor- 
teilhaft sein, dass der Kaiser ebenfalls die vornehmsten Fürsten an ihre 
Pflicht erinnerte. 

„Dann würde auch nötig sein, dass Ew. Cb. D. mit aller Emsigkeit 
auf Mittel zu einigen neuen Werbungen und Recruiten Bedacht nähmen. 
Die Länder, wie Ew. Cb. D. wissend, können wol in keinen höheren Ansatz 
kommen, weil es mit dem, was itzo wird gegeben werden müssen, hart hält. 
— Es wäre auch gut: dass die Ratification der Brauuschweigischen 
Allianz zur Richtigkeit käme ; dass Dänemark noch näher zu der gegen- 
wärtigen Sache gezogen und dass Ew. Ch. D., wann es möglich, erfahren könn- 
ten, wohin doch eigentlich der Schweden Meinung gienge? — Wohin Ch ur- 
Sachsen inclinire, ist auch noch, soviel uns bekannt, nngewiss, und will man 
sagen, als wenn es mit Schweden correspondire, von welcher und allen 
anderen Correspondentien Ew. Ch. D. mehrere Nachricht und Gewissheit 
haben werden. Mich, den vonCanstein, hat sonsten der Cellische Kanzler 
bei dieser Post versichern wollen, dass Chur-Sachsen zur Zusammensetzung 
sehr geneigt und dass bei jüngster Zusammenkunft zu Lüneburg^) geschlossen 
worden, die Zusammensetzung des Ober- und Niedersächsischen Kreises zu 
befordern und deswegen eine Zusammenkunft der C hur- Sächsischen und 
Braunschweigischen Räthe zu veranlassen.^ 

Kf. werde es einzurichten wissen, dass, „wenn sich diese beide Kreise 
setzen wollten, solche Zusammenkunft mit für Ew. Ch. D. eingerichtet werde**. 



1) Niedersächaischer Kreistag. 



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358 II- I>«r Winterfeldzug von 1672 aaf 1G73. 

Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat. Hauptquartier 
Rüsselsheim 15./25. Novemher 1672. 

[Bescheid an die Allürteo betreffend das GraveFsche Bündnisproject] 

25. Nov. Kf. billigt der Räte Gutachten, betreffend das Project der von Gravel 
in Regensbarg proponirten Allianz. 

^Za solchem Ende haben Wir sowol an I. Kais. M. als anch an die 
zu Brannschweig alliirte Königliche und Fürstliche Häuser und dann an 
Unsere Gesandte zu Begensburg die Nothdurft gebracht. Den Inhalt 
obbem. Schreiben könnt Ihr aus beigehender Abschrift desjenigen, so wir 
an Kaiserliche Maj. abgeben lassen, ersehen*).^ 



P. S. Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat. Haupt- 
quartier Rüsselsheim 15./25. November 1672. 

[Verhandlangen mit Knrpfalz.] 

25. Nov. Kurpfalz hat um Entsendung des Oberpräsidenten Freiherrn von 
Schwerin nachgesucht, behufs näherer Besprechung. Auf des Kf. Befehl 
hat Schwerin die Reise nach Mannheim angetreten und, nunmehr zurück- 
gekehrt, von den Ergebnissen derselben ein Protocoll abgefasst, dessen 
Abschrift folgt (A). Dazu ein Brief des Kf. an den Kurfürsten Karl Lud- 
wig. (B) 

Anlagen. 

A. Protocoll d. d. Mannheim 20. November 1672. Oben S. 317. 

B. Der Kurfürst an den Kurfürsten Karl Ludwig d. d. Hauptquartier 
Rüsselsheim 14/24. November oben S. 319. 



P. S. Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat. Haupt- 
quartier Rüsselsheim 15./25. November 1672. 

25. Nov. Uebersendet zwei Antwortschreiben Kurbaierns (Anlage) und des Dom- 
capitels zu Göln. Dazu ein ferneres Schreiben des Kurfürsten an Kur- 
baiern und eine Relation B las peil s aus Brüssel vom 11./21. Novbr. 1672^). 

^) Ueber dies Schreiben ao den Kaiser d. d. Rüsselsheim 1Ö./25. November 
1672 B. oben S. 284 und Einleitong IN. 

^ Die ferneren Anlagen: Das Domcapitel za Cöln ao den Karfuraten. 
Dat. C51d 6. October. Kf. an den Kurfürsten Ferdinand Maria von Baiern. Dat. 
Rüsselsheim 16./26. November 1672. Anmabnungsschreiben in sehr beweglichen 
Ausdrucken. 



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Earpfalz. Kurbaiero. Spanien. 359 

I Anlage. 

I Karfürst Ferdinand Maria von Baiern an den Kurfürsten. Dat. Ingolstadt 

I 16. November 1672. 

Als er eben im Begriff gewesen des Kf. Schreiben, die ron ihm (KBaiern) 
angebotene Mediation betreffend, zu beantworten, ist des Kf. zweites Schrei- 
ben 7om 26. Oetober eingetroffen, worin gegen die znnehmenden französischen 
Hostilltäten das gebürende Contingent für die Sicherheit des Reichs gefor- 
dert wird. „Nun ist Uns solches um so viel desto mehr unvermuthlich vor- 
kommen, weil erm. Reichssecuritfttwesen nochzumalen nicht ausgemacht, 
und weder Frankreich noch Jemand andere durch einen allgemeinen Reichs- 
schluss, wie es nöthig, für einen Reichsfeind erkläret worden, auch um so 
viel ungewöhnlicher ist, dass ein particular Mitglied des Reichs von dem 
anderen die Reichshülfe begehre, da doch solches bei den jetzigen Reichs- 
eoDsultationen von keinem Reichs-General n, ja sogar von Vielen keiner De- 
putation hat wollen verstattet oder zugelassen werden, auch ohnedas in 
den Reichsconstitutionibus und sonderlich der Reichsexecutionsordnung ver- 
sehen, wie es in dergleichen Fällen zu halten.^ 

Im übrigen dankt er, dass die Mediation nicht ausgeschlagen, und ver- 
spricht sich gute Wirkung, „wann man nur fremde Händel nit darmit ver- 
mischen will, zn welchem die Reichssecurität- Verfassung ohnedas nicht an- 
gesehen ist^. Wie die Vermittelung zu bewerkstelligen sei, ist dem kai- 
serlichen Abgeordneten hier schriftlich eröffnet worden. Abschriftlich folgt 
der ,Extract aus dem von Ihr. Churf. D. in Baiern dem Kaiserlichen Ab- 
geordneten ertheilten Bescheid'. (Ohne Belang.) 



P. S. Der Kurfürst an die Geheimen Räte. Dat. Haupt- 
quartier RUsselsheim 15./25. November 1672. 

[Betrifft Eintritt Spaniens in die Allianz.] 

Uebersendet eine Zuschrift des Grafen Monterey (Anlage) wegen 
Eintrittes der Krone Spanien in die bewusste Allianz und fordert der Räte 25 ^^y 
Gutachten — inwieweit Ihr etwa vermeinet, dass Wir Uns mit Spa- 
nien hierüber einzulassen hätten, sonderlich wegen des Articuls der 
Pyrenäischen Traetaten, welches ein Punct von grosser Consideration 
und Wichtigkeit ist. 

Anlage. 

Graf Monterey an den Kurfürsten. Dat. Brüssel 12. November 1672. 

Quoique je ne doute pas que V. A. El. ne soit d'ailleurs advertie du 

d^sir dont la Reyne ma maistressc est port^e a entrer en la ligue de l'Em- 

pire avec sa Majt6 Imp., Votre Alt. Elect. et antres Princes, si est ce 

que je n'ay sceu*) m'enipescher d'en donner avec joye Tadvis a V, A. E, 

So die incorrecte Copie. 



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360 II- Der Winterfeldzug voa 1672 auf 1673. 

pur ces ligaes, et com